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Tarsus IV -Die Rückkehr von water-girl

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Es war ein sonniger Tag gewesen. Sie waren schon früh aufgestanden. Der Gouverneur hatte sie auf den Stadtplatz rufen lassen. Gestern war die andere Gruppe dort gewesen und hatte Notfallrationen bekommen. Heute waren sie dran. JT glaubte nicht daran. Nicht nach allem was in den letzten Wochen passiert war.

Kaum kamen sie an wurden die Kinder von den Eltern getrennt. Sie würden eine Sonderbehandlung bekommen hieß es. Ohh ja, für sie war das ganz besondere Privileg vorgesehen gewesen ihre Eltern sterben zu sehen.

Dann war Matthew auf das Podium getreten. Inzwischen wunderte sich niemand mehr besonders, wenn dieser Mann den Gouverneur vertrat. Kodos hatte sich so gut wie nie öffentlich gezeigt. Matthew war nun seit fast zwei Jahren Kodos’ neues Gesicht.

Matthews Stimme war kalt gewesen, als er begonnen hatte die Nachricht vorzulesen.

„Die Revolution ist erfolgreich. Aber das Überleben hängt von drastischen Maßnahmen ab. Ihre Fortbestände sind eine Bedrohung für das Wohlergehen der Gesellschaft. Ihre Leben bedeuten einen langsameren Tod für die mehr geschätzten Mitglieder der Kolonie. Deshalb habe ich keine andere Wahl, als euch alle zum Tode zu verurteilen. Eure Exekution ist somit angeordnet, signiert Kodos, Gouverneur von Tarsus IV.“

Daraufhin war Panik ausgebrochen und alle versuchten zu fliehen. Die ersten Schüsse wurden abgefeuert. Matthew sprach erneut und seine kalte Stimme wurde von den Lautsprechern auf dem gesamten Platz derart verstärkt, dass es unmöglich war sie zu ignorieren.

„Wenn ihr keinen Widerstand leistet verspreche ich euch, dass es kurz und schmerzlos sein wird. Außerdem werden eure Kinder dann überleben. Andernfalls werden wir zuerst sie und dann euch hier zu Tode foltern.“

Hoshi war aufgestanden und mit erhoben Armen auf Matthew zugegangen. Kurz bevor Matthew ihr in die Brust schoss war sie nahe genug dran, damit Jim ihre letzten Worte über die Lautsprecher hören konnte. Sie rief ihm auf andorianisch zu, er solle die Kinder in die Höhlen bringen. JT wusste, in diesem Moment war sie für ihn und die Kinder gestorben. Also tat er was sie wollte.

Danach war das Massaker erst richtig losgegangen. Schüsse blitzen und zischten über den ganzen Platz, Frauen wie Männer schrien als ihre Leben beendet wurden. Und über allem breitete sich der Geruch von Tod und verbranntem Fleisch aus. Aus dem einst so beliebten Stadtplatz wurde ein Ort des Schreckens und des Todes.
Warum war es nur so weit gekommen?


Diese Frage verfolgte Jim als er langsam wieder ins Bewusstsein zurückfand.

Warum hatte Kodos damals nicht einfach Hilfe gerufen. Sicher, Tarsus war eine rebellische Kolonie gewesen, die gerade in politischer Hinsicht ihren eigenen Weg gehen wollte. Aber bestimmt hätte man hier doch die Hilfe der Förderation in Anspruch nehmen können.

So sehr er Matthew auch verabscheute, er musste mit ihm sprechen. Er brauchte Antworten. Hoffentlich würde er sie auch bekommen.

Das Erste was er sah, als er die Augen schließlich öffnete, waren die Wände der Krankenstation. Außer ihm war gerade niemand im Raum. Ungewöhnlich, wenn man bedachte, dass Bones sonst immer hier war wenn er aufwachte.

Vorsichtig hob er eine Hand und tastete nach seiner Schulter. Befühlte einen Verband, unter dem die Schulter schmerzhaft pochte. Offenbar war die Wunde zu schlimm gewesen, um sie in einer Sitzung zu heilen.

Die Tatsache, dass er noch seine Uniformhose trug, sagte ihm, dass er noch nicht allzu lange hier war. Und das leicht schwebende Gefühl verriet ihm, dass er unter Schmerzmitteln stand.

Langsam setzte er sich auf. Der Raum drehte sich nicht und alles blieb an seinem Platz. Gut so. Jim stand auf. Er würde sich ein frisches Uniformhemd besorgen und dann Matthew suchen gehen. Wenn Spock logisch und nach Vorschrift gehandelt hatte, und wann tat Spock das nicht, befand sich Matthew in einer Arrestzelle auf der Enterprise.

Nur noch wenige Schritte bis zur Tür.

„Jim, was zum Teufel machst du außerhalb des Bettes und was glaubst du wo du hingehst?“

’Erwischt.’ Nun damit hatte sich wenigstens die Frage nach Bones Aufenthaltsort erledigt. Der Arzt kam aus der Richtung seines Büros, wo er vermutlich etwas Papierkram erledigt hatte.

„Bones, ich muss mit Matthew reden. Hat Spock ihn in die Arrestzelle gebracht?“

„Du musst nur wieder ins Bett und dich ausruhen. Und warum willst du dir das überhaupt antun? Der Kerl hat auf dich geschossen.“

„Ich… Ich brauche einfach ein paar Antworten.“

Jims Stimme war eher ein Flüstern und in seinen Augen spiegelte sich so tiefe Traurigkeit und Verzweiflung, dass Bones einen tiefen Drang verspürte, ihm zu helfen. Alles zu tun, damit es Jim wieder besser ging. Mit einem Seufzen ergab er sich seinem Schicksal.

„Na gut, Jim. Aber ich komme mit dir und anschließend kommst du sofort mit mir hierher zurück.“

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„Sieh an, sieh an, wen haben wir denn da? Klein Jimmy hat offenbar noch nicht genug mit mir gespielt und möchte noch eine bisschen weitermachen. Doch ob ich es ihm erlaube… wer weiß, wer weiß?“

Ein irres Lachen folgte diesen Worten und ließ Matthew wie einen Wahnsinnigen erscheinen.

„Ich will nicht mit dir spielen.“

Das letzte Wort betonte Jim so stark, dass Bones ihn besorgt ansah. ’Was war damals nur alles passiert?’ Jims Stimme war sonst nie so kalt.

„Ich habe Fragen und du wirst mir antworten.“

„Und warum sollte ich das bitte tun?“

„Spar dir die Show, Matthew. Wir wissen doch beide, dass dein verdammtes Ego viel zu groß ist, um dich für den Rest deines Lebens darüber auszuschweigen. Also tu gar nicht erst so als wolltest du es nicht.“

„Immer noch der kleine Rebell, JT. Nun dann stell deine ach so wichtigen Fragen.“

„Ich will wissen warum?“

„Warum? Was soll das heißen warum?“

„Warum mussten alle sterben? Warum hat Kodos keine Hilfe gerufen?“

„Der große Kodos war perfekt. Nur wer perfekt war durfte uns führen. Wäre er so schwach gewesen, um Hilfe zu bitten, wäre er nicht mehr perfekt gewesen und wir hätten ihn ersetzen müssen.“

„Wen meinst du mit ’Wir’?“

„Wir sind die stolze und großartige Gruppe der perfekten Menschen. Wir mögen nur wenige sein, doch wir tun alles um den Genpool der Menschheit von seinen Verunreinigungen zu befreien.“

„Kodos hat also tausende Personen abschlachten lassen, nur um nicht als Führer einer kleinen radikalen Gruppe abgesetzt zu werden?“ In Jims Stimme schwang Fassungslosigkeit.

„Oh nein, wir hätten ihn nicht abgesetzt. Wir hätten ihn getötet. Nur wer perfekt ist darf unser Führer sein, wer versucht uns zu führen ohne perfekt zu sein, wird dafür getötet.
Nun zum Schluss hat es ihm ja nicht viel gebracht. Er hat seine Perfektion durch dich verloren. Ich war leider gezwungen seine wertlos gewordene Existenz zu beenden. Alles was von ihm übriggeblieben ist, ist seine schöne Tochter.“

Matthew brach in ein irres Lachen aus. Offenbar war er wirklich geisteskrank.

’Kodos ist Tod.’, Die Erkenntnis traf den Captain wie einen Hammerschlag und ließ ihn taumeln. All die Jahre der Angst und Ungewissheit und dabei war Kodos längst tot. Doch Kodos war nicht das einzige Monster gewesen. Matthew war mindestens genauso schlimm, wie sein alter Führer.
’Moment mal was hatte der Mann gerade über Kodos Tochter gesagt.’

„Was habt ihr mit Leonore gemacht?“

Jim erinnerte sich an ein Mädchen in Kevins Alter, dass immer um ihn herumgestrichen war, wenn er in Kodos’ Palast gekommen war. Was hatten diese Monster ihr nur angetan.

Das irre Grinsen des Wahnsinns erschien wieder auf Matthews Gesicht.

„Ich habe die Kleine in die Perfektion gerettet. Sie wird bald meine Frau und unsere Kinder werden der Organisation wieder zu ihrer früheren Größe verhelfen.“

Dieses kleine süße Mädchen als Teil einer derart gefährlichen Gruppe. Allein der Gedanke…

„Wo ist sie? Wo hältst du sie gefangen?“

Als Antwort bekam er nur ein irres Lachen.

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„Captain, wir haben ein kleines nicht für diesen Raumsektor registriertes Schiff entdeckt.“

Sulus Stimme kam aus dem kleinen Lautsprecher an seinem Computer. Der Captain hatte Bones davon überzeugen können, ihn in seine Kabine zu entlassen. Das war erstaunlich einfach gewesen. Offenbar war Bones nachdem er das Gespräch gehört hatte, der Meinung gewesen, dass sein Captain etwas Zeit für sich gebrauchen könnte.

Schwieriger war es gewesen den Computer so zu programmieren, dass er damit dieselben Arbeiten verrichten konnte wie von der Brücke aus.

Bones hatte ihm angedroht, ihn in die nächste Woche zu sedieren, wenn er sich der Brücke nur auf zwei Decks nährte.
Jim wusste, dass sein Schlupfloch eigentlich keines war und Bones sicher nicht begeistert wäre, wenn er wüsste, dass Jim beinahe seinen vollen Dienst wieder aufgenommen hatte und zusätzlich dazu noch immer nach Zeichen von Leonore Kodos’ Verbleib suchte.

Offiziell hatte Sulu gerade das Kommando auf der Brücke, doch er wusste, sein Captain wollte informiert werden daher fuhr er fort.

„Sie identifizieren sich.“

*Hier ist die Sonnentanz. An Bord befinden sich nur Steuermann Anton Fill und ich Leonore Karidian. Wir fliegen den Planeten an, um einen der Gäste Matthew Meyers des Memorials abzuholen.*

Kirk blieb der Atem weg. Der Vorname passte und auch ihre Stimme klang vertraut. Und warum sollte sie sonst ausgerechnet nach Matthew fragen? Konnte es so einfach sein?
Es gab nur eine Möglichkeit.

„Sulu, rufen Sie Spock auf die Brücke. Ich bin in fünf Minuten da.“

Sulus Erwiderung hörte er schon nicht mehr.

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„Captain, ich dachte Dr. McCoy hat Sie noch nicht wieder Dienstfähig geschrieben.“

„Hat er auch nicht und Sie werden einen Teufel tun, es ihm zu sagen.“

Spock sah ihn an und hob eine Braue.

„Ich weiß nicht was eine irdische Symbolfigur damit zu tun hat, dass Sie offensichtlich Schmerzen haben und dringend Ruhe benötigen. Es ist daher unlogisch für Sie zum Dienst zu erscheinen.“

„In diesem Fall nicht, Spock. Ich habe noch etwas Wichtiges zu erledigen. Uhura öffnen Sie bitte einen Kanal zur Sonnentanz.“

„In Ordnung, Captain. Sie können sprechen.“

„An das Raumschiff Sonnentanz. Hier spricht Captain Kirk vom Förderationsraumschiff Enterprise. Ihr vorgesehener Passagier Matthew Meyers befindet sich derzeit im Arrestbereich meines Schiffes und wird sich in Kürze wegen seiner Taten vor einem Förderationsgericht verantworten müssen.“

„Ein Gerichtsprozess? Was wird unserem Freund vorgeworfen?“

„Versuchter Mord an einem Offizier der Sternenflotte. Außerdem wurde er von besagtem Offizier als Kodos rechte Hand identifiziert.“

Die weibliche Stimme klang resignierend als sie antwortete. „Ist es uns gestattet, unseren Freund zu besuchen? Ich möchte mit Matthew reden.“

„Sie sind herzlich eingeladen, Miss Karidian.“

Jim hoffte inständig nicht gerade einen großen Fehler begannen zu haben und Spocks Augenbrauen hoben sich noch ein kleines Stück.

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„Willkommen an Bord.“

„Ich bin sicher, das ist ein Missverständnis. Matthew würde nie etwas Falsches tun. Er ist doch perfekt.“

Kein Zweifel es war Leonore Kodos. Was war nur aus dem netten kleinen Mädchen geworden? War sie am Ende genau so eine Fanatikerin wie es ihr Vater gewesen war?

„Miss Karidian, es handelt sich keinesfalls um ein Missverständnis. Ich war persönlich dabei, als der Mordversuch geschah.“ Jim sprach langsam und leise um zu ihr durchzudringen. Leider ohne Erfolg

„Dann bin ich sicher, Ihr Offizier war daran nicht unschuldig. Und außerdem, warum glauben Sie ihm einfach so seine wilden Anschuldigungen. Das ganze ist mehr als zehn Jahre her. Vermutlich wollte er sich nur Wichtig machen.“

„Ich versichere Ihnen, dass es keine Aggression seitens des Offiziers gegeben hat. Des Weiteren steht die Glaubwürdigkeit des Offiziers zweifellos fest, da er sich bereits mehrfach durch außergewöhnliche Leistungen ausgezeichnet hat. Und glauben Sie mir, Miss Karidian, das letzte was er tun muss, ist sich wichtig machen“, erwiderte Spock anstelle von Jim.

Bildete Jim sich das nur ein oder war Spocks Stimme bei dem letzten Satz tatsächlich bedrohlich geworden. ’Wow, vielleicht besteht für die epische Freundschaft ja doch noch Hoffnung.’

Leonores Begleiter, der bislang nur stumm dagestanden hatte, schaltete sich ein. Es war offensichtlich, dass Leonore bald die Beherrschung verloren hätte.

„Vielleicht sollten wir nun zu Matthew gehen und uns seine Geschichte anhören. Ich bin sicher, das wird etwas Licht in die Sache bringen.“

„Ja, du hast Recht, Anton. Bringen Sie uns jetzt bitte zu unserem Freund, Captain.“

Widerwillig drehte Kirk ihr den Rücken zu. Sein Gefühl warnte ihn vor Gefahr. Das war nicht mehr das kleine unschuldige Mädchen von früher.

„Hier entlang“, bat Jim höflich, aber kühl.

Spock ging als Letzter, wohl um ihre ’Gäste’ im Auge zu behalten. Offenbar traute sein Erster Offizier den Neuankömmlingen auch nicht.

Kirk versuchte die Schulter ruhig zu halten und sich trotzdem möglichst natürlich zu bewegen. Auf einmal hörte er hinter sich ein überraschtes Keuchen.

Als er sich umdrehte, stürzte Leonore mit einem Messer auf ihn zu.
Verflucht, warum hatte man das bei der Durchsuchung nicht entdeckt?

Millimeter bevor das Messer ihn berührte, brach Leonore zusammen und Jim erkannte Spock hinter ihr stehen. Ihr Begleiter Anton lag ebenfalls reglos auf dem Boden.

„Weißt du, Spock, dieser Nervengriff ist echt cool, wenn er nicht gegen einen selbst eingesetzt wird. Kannst du mir das beibringen.“

„Die wenigsten Nicht-Vulkanier verfügen über die benötigte geistige und körperliche Disziplin, um den Nervengriff zu erlernen.“

„Das ist kein Nein.“

Spock beschloss daraufhin offenbar das Thema lieber wieder fallen zu lassen.

„Ich denke wir sollten lieber die Sicherheit rufen, um unsere Gäste den Rest des Weges zur Arrestzelle zu begleiten. Ich denke sie haben nun mehr als genügend Zeit für ein Gespräch mit ihrem Freund.“

„Natürlich, Spock. … Moment mal war das gerade ein Witz?“

„Vulkanier scherzen nicht.“

„Nun, dann war es eben ein guter Nicht-Witz. Es besteht also noch Hoffnung für dich.“

Ein breites Grinsen zog sich über Jims Gesicht. Spock hob lediglich eine Augenbraue.

„Kirk an Sicherheit: Wir haben zwei neue Gäste in Korridor B51. Ich brauche ein paar Wärter, die sie in die Arrestzelle begleiten.“

„Aye Captain, schon unterwegs.“

Da der Arrestbereich ohnehin nur noch einen Gang entfernt war, dauerte es nur eine knappe Minute bis vier Sicherheitswächter auftauchten und ohne Fragen zu stellen ihre neuen Gefangenen einsammelten.

Als sie um die Ecke verschwanden, tauchte McCoy wie aus dem Nichts auf.

„Verdammt, Jim, ich hatte dir Ruhe verordnet! Ich weiß es wäre vermutlich zuviel verlangt, dich zu bitten, wenigstens mal einen Tag Bettruhe zu halten, aber zumindest du solltest den Unterschied zwischen Ruhe und einem Lauf durchs ganze Schiff kennen.“

„Bones, woher wusstest du…? Spock.“ Jim wandte sich mit schmalen Augen an seinen Ersten Offizier.

„Nein, Spitzohr hat mich nicht verständigt, obwohl das durchaus seine Aufgabe gewesen wäre“, McCoys vorwurfsvoller Blick wanderte von Kirk zu Spock, „Nein, Kevin Riley kam panisch in meine Krankenstation gerannt und hat dich gesucht, weil er, als er dich nicht in dem Quartier finden konnte, davon ausgegangen ist, dass es dir wieder schlechter geht. Verflucht ich habe fast zehn Minuten gebraucht, um ihn zu beruhigen und ihm zu versichern, dass du weder tot bist noch mit einem Bein im Grabe stehst. Der arme Junge hat wirklich schon genug durchgemacht. Wenn schon nicht für dich, kannst du dann wenigstens für ihn auf dich Acht geben? Kannst du es für mich?“

Bei den letzten Worten verdeckte Bones seine Sorge um Jim nicht mehr hinter Wut. Und Jim bekam ein furchtbar schlechtes Gewissen.

„Es tut mir leid, Bones. Es war nur… Ich musste…“

„Was musstest du, Jim?“ McCoy verschränkte die Arme vor der Brust und funkelte Jim mürrisch an.

„Die Frau, die gerade in die Arrestzelle gebracht wurde, ist Leonore Kodos“, erklärte Jim und hoffte auf Verständnis.

Der Gesichtsausdruck seines Freundes wurde sofort sanfter. „Oh Gott, Jim. Geht es dir gut?“

„Keine Sorge, Spock hat seinen Nervengriff angewendet. Sie hat mich mit dem Messer nicht einmal berührt.“

„Messer, verflucht noch eins! Das meinte ich nicht und das weißt du ganz genau.“

„Bones, ich…“

„Captain, vielleicht möchten Sie jetzt Miss Kodos befragen. Sie müsste inzwischen wieder bei Bewusstsein sein“, ließ sich Spock vernehmen, der bis dahin das Gespräch zwischen Kirk und McCoy verfolgt hatte.

Gerettet vom Ersten Offizier. ’Das macht dann drei mal heute’, dachte Kirk ironisch. Er hatte wirklich keine Ahnung, was er seinem besten Freund antworten sollte.


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„Du hast meinen Vater getötet. Ich habe dich verehrt, JT. Du warst nahezu perfekt. Doch jetzt weiß ich woher das kommt. Du hast diese Perfektion von meinem Vater gestohlen und ihn so getötet.“ In den Augen der Frau lag der blanke Hass.

Unwillkürlich trat der Captain einen Schritt zurück. Dann fühlte er Bones Hand an seinem Rücken, die ihm neue Zuversicht und Kraft schenkte, um jetzt nicht nachzugeben.

„Ich habe deinen Vater nicht getötet, Leonore. Obwohl ich nicht behaupten kann, dass ich seinen Tod übermäßig bedauere. Ich habe weder auf ihn geschossen, noch habe ich ihn gezwungen mich zu fangen und zu foltern. Und ich habe ihm auch nicht die Bombe in die Hand gedrückt. Ich war nur ein kleiner Junge, der die Chance zur Flucht genutzt hat.“

„Lügen, Leonore, alles Lügen. Dieser kleine Bastard hat sich den Befehlen deines Vaters widersetzt und ihn so gezwungen zu handeln. Er ist eben nicht perfekt so wie wir. Die Kriterien haben ihn zu den nicht Überlebenswürdigen gezählt und deshalb ist es alles seine Schuld. Hör auf deinen Onkel. Ich kenne die Wahrheit.“, wandte sich Anton an sie.

’Onkel’. Natürlich Kodos kleiner Bruder. Und sein zweiter Stellvertreter. Er war damals ebenfalls auf dem Platz gewesen, doch bei dem Wort Wahrheit platzte Jim der Kragen.

„DIE WAHRHEIT. Ich kenne die Wahrheit. Kodos wusste von dem Pilz und hat nichts unternommen, weil er in die Geschichtsbücher eingehen wollte. Seine sogenannten Kriterien waren Dartpfeile, die er ohne hinzusehen auf eine Wand geschleudert hat. Vermutlich dachte er die Perfektion würde die Auserwählten schützen. Nur komisch, dass sein Name nicht auf der Liste stand. Er war nie etwas anderes als ein verrückter, feiger Bastard und ihr beide seid nicht besser. Ihr habt keine Ahnung, wie lange ich darauf gewartet habe euch in die Finger zu bekommen. Und dann kriege ich euch, nur um herauszufinden, dass ihr versucht habt, aus dem einzig guten, das es an Kodos gab, seiner Tochter nämlich, eine fanatische mordlustige Gebärmaschine zu machen. Ihr widert mich an“, sprudelte es ungehalten aus Jim heraus, der nach all den Jahren endlich all das aussprechen konnte, das ihm auf der Seele lastete. Er spürte förmlich, wie eine Tonnen schwere Last von seinen Schultern fiel. Hinter sich spürte er immer noch Bones’ Präsenz, die ihm weiterhin das Selbstbewusstsein stärkte und ihn daran erinnerte, dass er nicht mehr der Junge JT war, sondern ein Captain der Sternenflotte.

„Und was willst du mit uns machen jetzt wo du uns hast? Was kann so ein pseudo-vollkommener kleiner Bastard wie du schon ausrichten?“ Aus Matthews Stimme sprach der blanke Hohn.

„Wir werden euch der Gerichtsbarkeit der Förderation überstellen. Dort wird entschieden was mit euch geschieht. Und dann ich werde persönlich dafür sorgen, den Prozess öffentlich zu machen, damit alle Welt weiß, was mit Personen wie euch geschieht. Wie viele aus eurer tollen Gruppe der Perfektion werden euch dann noch beistehen? Seht es endlich ein ’Perfektion ist nur eine Illusion’“, erwiderte Jim kühn.

Möglicherweise lag es an dem Licht, doch Jim hätte schwören können, dass er zumindest in Leonores Augen so etwas wie Reue und Bedauern erkennen konnte. Vielleicht gab es zumindest für sie noch Hoffnung.

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Die Enterprise kreiste in ihrer Umlaufbahn um die Erde. Matthew und Anton kamen bis an ihr Lebensende in eine Rehabilitations- und Betreuungsklinik. Bei Leonore sah das etwas anders aus. Sie war damals noch zu jung gewesen, um bewusst entscheiden zu können, was richtig und was falsch war. Man wollte zuerst versuchen, mit Hilfe komplexer psychologischer Betreuung und Schulung ihre Gehirnwäsche zu lösen. Jim hoffte nur, dass es dabei einen Erfolg gab.

Die Zeit mit Kevin und Tom war schön gewesen. Dieses Mal würden sie in Kontakt bleiben, dass hatten sie sich fest versprochen. Und wenn man eines über Jim Kirk alias JT sagen konnte, dann dass er niemals und unter keinen Umständen ein gegebenes Versprechen brach.

Tarsus war schrecklich gewesen, aber es war nur ein Planet. Jim hatte immer gewusst, dass er in den Weltraum gehörte. Verdammt noch mal, er war schließlich im All geboren. Er gehörte auf ein Raumschiff. Er gehörte genau hierher. Hier, auf der Brücke, fühlte er sich wohl. Seine Familie war hier.

„Jim, wie fühlst du dich?“ Sein bester Freund war leise neben ihn getreten. Die Verbrennung war nun schon zwei Wochen alt, aber Jim dachte auch nicht, das Bones ihn danach gefragt hatte.

„Geheilt, oder zumindest auf dem Weg dahin.“ Er sah Bones an und schenkte ihm ein kleines Lächeln.

Und beide wussten, was er damit meinte. Es schmerzte, aber der Schmerz würde vergehen. Der körperliche genauso wie der seelische Schmerz. Es würde ihm wieder gut gehen.

Hier waren seine Freunde, seine Familie, und mit ihrer Hilfe konnte er alles schaffen. Sogar die schwarzen Löcher der Vergangenheit heilen.

„Mr. Sulu, bringen Sie uns raus.“



- - - -Ende- - - - -


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