TrekNation Einloggen
Info-CenterImpressumTeam
Erweiterte Suche

STD 01 - Böses Erwachen von Adriana

[Reviews - 0]   Drucker Kapitel oder Geschichte Inhaltsverzeichnis

- Schriftgröße +
Lieutenant Marc van de Kamp, Chefingenieur der USS CASABLANCA, zog den Kopf ein, bevor er das Quartier seines Captains betrat. Marc war über 1,90 Meter groß und duckte sich jedesmal gewohnheitsmäßig, bevor er durch eine Tür ging – selbst, wenn diese Tür drei Meter hoch war. Er hielt einen Werkzeugkoffer in der Hand und lächelte. „Wo brennt’s, Captain?“
„Wenn es nur brennen würde, hätte ich Sie nicht gerufen.“
Sie seufzte leise und zeigte auf einem Haufen chaotischer Maschinenteile hinter sich.
Marc kratze sich am Kopf, wobei er selbigen leicht schief hielt, und sagte kein Wort.
„Keine Sorge, ich befehle Ihnen ganz bestimmt nicht, mein Quartier aufzuräumen“, zog Lairis ihn auf. „Ich wollte meiner Tochter einen dieser neuen Antigrav-Scooter zum Schulabschluss schenken – aber leider war weder aus der Verpackung noch aus dem Anschauungsexemplar ersichtlich, dass es ein romulanisches Fabrikat ist. Und – wie es die Propheten mit ihrem makaberen Sinn für Humor so wollen – ist die Bedienungsanleitung komplett auf Romulanisch. Sehen Sie mal, was für ein Quatsch dabei herauskommt, wenn ich sie durch mein Übersetzungsprogramm jage.“
„Schießen Sie nicht im Schalter für den abgesicherten Modus ... Verbinden Sie sich mit einem elektrischen Meter und brauchen Sie Abstand, um auf eine niedrige Geschwindigkeit zu gehen ... Hmm, das klingt in der Tat ein bisschen unlogisch.“ Marc lachte. „Soll ich das Ding für Sie zusammenbauen?“
„Ich hatte es schon fast zusammengebaut – bis ich dahinter kam, dass es eine Mini-Quantensingularität als Energiequelle verwendet.“
„Und da haben Sie es wieder auseinandermontiert?“
„Würden Sie Ihrer Tochter ein Geschenk machen, das sie bei unsachgemäßem Gebrauch dreihundert Jahre in die Vergangenheit schleudert?“
„Ich weiß nicht ... das käme auf die Tochter an.“
„Ihr Humor ist geschmacklos. Schämen Sie sich, Lieutenant!“ Lairis runzelte die Stirn. „Dummer Weise ist die Singularität direkt mit der Antigrav-Einheit gekoppelt. Wir müssen uns also was einfallen lassen, damit das gute Stück wieder fliegen kann.“
„Ich könnte einen simplen Elektromotor mit einer Dilicium-Batterie einbauen. Aber dazu müsste ich die Schaltkreise teilweise neu anordnen und natürlich auch eine neue Bedienungsanleitung schreiben. Aber das kriege ich hin.“ Nichts brachte Marcs blaue Augen so zum Leuchten wie eine technische Herausforderung.
„Danke, Lieutenant! Ich revanchiere mich.“
„Keine Ursache.“ Marc grinste. „Ohne Sie hätte ich Freizeit und würde mich langweilen.“
Captain Lairis grinste zurück. „Geben Sie zu, dass Sie es kaum erwarten können, an diesem Ding herumzubasteln – und wie ich Sie kenne, sind Sie erst zufrieden, wenn es nicht nur fliegen kann, sondern auch noch Opernarien singt und Kaffee kocht. Aber denken Sie dran: Ich hab Julianna versprochen, an meinem freien Tag mit ihr zu feiern!“
„Kein Problem.“ Lieutenant van de Kamp griff nach einer unscheinbaren silbernen Kugel von knapp zwei Zentimetern Durchmesser. „Ist das die Singularität?“
„Ja, es gibt doch nichts Beruhigenderes als ein Schwarzes Loch in meiner Obstschale! Können Sie nicht eine Öse daran befestigen, damit ich es als Kettenanhänger tragen kann?“
„Würde Ihnen sicher gut stehen, Captain.“
„Vielleicht lösen wir sogar einen neuen Modetrend aus.“
Das penetrante Signal der Com-Anlage hackte Marcs Lachen ab.
„Ilana ...“ Jerads Stimme klang ernst, viel zu ernst. „Du musst dir etwas ansehen. Diese Bilder sind eben über den Nachrichtenkanal der Sternenflotte gekommen. Ob sie schon zu den Medien durchgesickert sind, weiß ich nicht.“
„Was ist passiert?“ fragte sie klamm.
„Sieh es dir einfach an“, wiederholte Jerad. „Ich kann es immer noch nicht glauben.“
Dann verschwand sein Gesicht vom Bildschirm und Lairis sah stattdessen einen Konferenzraum voller Menschen und Romulaner. Plötzlich nahm sie einen weiß glühenden Blitz wahr, ein Knall ertönte – und im nächsten Augenblick wurde der Raum von einem gigantischen Feuerball verschlungen. Die Konferenz von Antwerpen ... einfach in die Luft gesprengt.
„Das ... das ist ja entsetzlich!“ rief sie. „Hast du eine Ahnung, wie das passieren konnte, ich meine, was den Unfall verursacht hat?“
Ihr Erster Offizier schwieg, und seine düstere Miene verhieß nichts Gutes.
„Es war doch ein Unfall, oder?“ hakte sie angespannt nach.
„Es war eine Bombe“, erwiderte Jerad, die Augen starr auf einen Punkt gerichtet, den Lairis nicht sehen konnte.
„Was?“ rief die Bajoranerin entsetzt.
„Ganz recht, Ilana! Das Sternenflottenkommando hat genauso reagiert wie du. Aber es kommt noch besser ... du musst die Aufzeichnung mit 1/10 Normalgeschwindigkeit abspielen und das Bild fünffach vergrößern.“
Lairis folgte seinen Anweisungen.
„Halt!“
„Gut, ich habe das Bild gestoppt. Und jetzt?“
„Fahr mit 1/10 Normalgeschwindigkeit fort und achte auf die Vase in der Ecke.“
Was Lairis nun sah, ließ sie für einen Bruchteil der Ewigkeit den Atem anhalten. Ihre Hände umklammerten die Kante des Schreibtischs wie Schraubzwingen und sie vermeinte, zu spüren, wie die Temperatur im Raum um fünf Grad sank. Marc neben ihr war ganz blass.
Die Vase schien zu schmelzen, obwohl man wusste, dass das bei einem Tongefäß eigentlich nicht möglich war. Dennoch zerfloss sie, und ein unförmiges Schleimgebilde landete mit einem kaum hörbaren „Plop“ auf dem Fußboden.
„Ein Wechselbalg?“ rief Lairis und wusste dabei selbst nicht genau, ob das eine Feststellung oder eine Frage sein sollte. Jerad nickte nur.
„Ich komme gleich auf die Brücke“, versprach sie. „Setzen wir den Kurs zur Erde fort und warten wir auf Befehle vom Sternenflottenkommando.“ Dann sank Sie schwer in ihren Sessel, für einen Moment unfähig, irgendwas zu fühlen oder zu denken. „Diese verdammten Wechselbälger sind überall.“
„Also, ich weiß nicht ...“, widersprach Lieutenant van de Kamp überraschend.
Lairis fuhr hoch. „Was wollen Sie damit sagen?“
Marc fuhr sich ein paar Mal mit dem Zeigefinger über seine Stupsnase. „Captain, wir sollten uns die Aufzeichnung noch mal in normaler Geschwindigkeit ansehen.“
„Da sieht man doch nicht viel.“
„Eben! Ich schätze, es liegen nur Sekundenbruchteile zwischen dem Moment, wo die Vase Plop macht, und der Explosion. In so kurzer Zeit kann nicht einmal ein Wechselbalg davonkommen. Das heißt, der Attentäter ist tot.“
Lairis atmete heftig ein und aus, als ihr klar wurde, was ihr Chefingenieur andeuten wollte.
„Die Gründer opfern sich nicht selbst, wenn sie es vermeiden können. Das passt nicht zu ihnen. Dafür haben sie ihre Jem´Hadar.“
Marc nickte bedächtig. „Wenn ich ein Wechselbalg wäre und eine Konferenz in die Luft jagen wollte, hätte ich einen Zeitzünder programmiert und mir eine Ausrede einfallen lassen, um rechtzeitig zu verschwinden.“
„Sie haben Recht! Verdammt Lieutenant, Sie haben Recht!“ Lairis tauschte einen bedeutungsvollen Blick mit ihrem Chefingenieur. Was sie an ihm schätze, war neben seinem technischen Geschick die Fähigkeit, in jeder Situation kompromisslos und klar zu denken.
„Aber, wenn es kein Wechselbalg war – wer war es dann?“
„Ich bin mir nicht sicher, ob ich das wissen will“, murmelte Marc.


Bitte gib den unten angezeigten Sicherheitscode ein: