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STD 01 - Böses Erwachen von Adriana

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Eine Eigenart älterer Schiffe war, dass man dem Computer vieles nicht verbal befehlen konnte, sondern dafür irgendwelche Knöpfe drücken musste. Wie zum Beispiel, um einen Turbolift zu rufen ... Captain Lairis Ilana strich gedankenverloren, ja beinahe zärtlich über das Armaturenbrett, das aussah, als stammte es direkt aus dem Raumfahrtmuseum. Als der Turbolift endlich kam und die Tür zur Seite glitt, stand Lairis plötzlich einer fremden Frau in blauer Starfleet-Uniform gegenüber. Ein Ausdruck des Wiedererkennens, des Schmerzes und des ungläubigen Erstaunens lag in den großen grauen Augen der Unbekannten.
„Corazón“, flüsterte sie kaum hörbar.
„Corazón?“, wiederholte Lairis verständnislos. War das vielleicht irgendein Gott? Sie vergaß glatt, dass sie eigentlich in den Lift steigen wollte.
Im nächsten Moment gab sich die Frau wieder so förmlich, wie es sich für einen Offizier der Sternenflotte einem ranghöheren Offizier gegenüber ziemte. „Bitte entschuldigen Sie mein unangemessenes Verhalten, Captain! Sie haben mich ... an eine alte Freundin erinnert.“
„Es muss eine ungewöhnlich gute Freundin gewesen sein“, erwiderte Lairis nachdenklich, ohne ihren Blick vom Gesicht der Fremden abzuwenden. „Lieutenant Commander T’Liza?“
„Das ist richtig, Captain Lairis Ilana.“
„Dann brauche ich mich wohl nicht mehr vorzustellen.“ T’Liza – der Name klang vulkanisch, und Lairis begriff nun, weshalb sie ihn nicht sofort mit der Fremden im Turbolift in Verbindung gebracht hatte. Die Frau trug ihr Haar länger als jeder andere Vulkanier, den sie kannte. Es war schwarz, dicht und glänzend und reichte ihr bis über die Schultern. Damit verdeckte es natürlich ihre Ohren. Doch der blass grüne Schimmer auf ihren Wangen und die spitz nach oben zulaufenden Augenbrauen gaben ebenfalls Hinweis auf ihre Rasse.
„Es lag am Licht und an Ihrem Nehau, dass ich sie für jemand anderen hielt, Captain.“
„Ich hoffe, ich enttäusche Sie nicht, wenn Sie mich in normalem Licht betrachten?“ Es war wohl die merkwürdigste Frage, die Lairis je gestellt hatte. Aber T´Liza war auch mit Abstand die merkwürdigste Vulkanierin, die ihr je begegnet war.
„Captain, Sie haben mit Sicherheit schon unzählige Leute überrascht, verärgert, gerettet, geliebt, befreit, verunsichert, inspiriert und gequält. Aber noch nie jemanden enttäuscht. Bis auf Admiral Layton.“
„Sie kennen Layton? Jetzt überraschen Sie mich!“
„Ich bin seine Counselor.“
„Er ist sicher ein schwieriger Patient.“
„Ein beunruhigender! Ich wünsche Ihnen ein langes Leben und Frieden.“
„Langes Leben und Erfolg“, grüßte Lairis zurück.
Noch etwas benommen betrat sie den Turbolift und betete zu den Propheten, dass er nicht wieder auf halbem Wege ausfallen möge, wie er es in letzter Zeit so oft getan hatte. Doch der Lift brachte sie ohne Zwischenfälle zur Brücke, so als wollte das Schiff ein letztes Mal beweisen, dass es der Sternenflotte noch immer gute Dienste leisten konnte.
„Na, hast du schon die Daten für den Totengräber zusammengestellt?“ begrüßte Lairis ihren Ersten Offizier mit dem Anflug eines wehmütigen Lächelns.
„Klar.“ Jerad, ein großer, kräftiger Trill mit scharf geschnittenen Zügen, tiefen Grübchen und leicht ergrauten Haare, aktivierte sein Datenpad. „U.S.S. CASABLANCA, NCC-2518-A, Excelsior-
Klasse, in den Dienst gestellt: 2292 oder auch Sternzeit 9342.1, 470 Mann Besatzung.“
„Corazón Inserra“, murmelte Lairis plötzlich.
„Wie bitte?“
„Der erste Captain der CASABLANCA ... Es war eine Frau und ihr Name war Corazón Inserra.“
„Natürlich. Nur eine Frau kann ein Raumschiff CASABLANCA nennen“, lästerte Jerad.
„Ach, das wusstest du nicht?“
„Ja, ja Schande über mich!“ Jerad grinste immer noch. „Die Geschichte eines Raumschiffs, das schon sein Cluster auf dem Schrottplatz reserviert hat ... nein, das ist mir einfach zu deprimierend, so etwas überlasse ich meinem Captain.“
„Vielen Dank auch!“
„Was meinst du: Wollen wir uns einen Logbucheintrag dieser Captain Insarra ansehen?“
„Bist du sicher, dass du davon nicht depressiv wirst?“
„Ich werde es überleben. Jetzt bin ich neugierig.“
Viele Crewmitglieder verkniffen sich nur mühsam ein Kichern.
„Fähnrich Wheeler?“
Die blonde junge Frau hinterm Steuer wandte sich um. „Ja, Captain?“
„Was meinen Sie: Schafft es der alte Dampfer noch bis zur Erde?“
„Warum nicht? Solange wir nicht schneller als Warp 5 fliegen ...“
„Sind wir überhaupt jemals schneller geflogen, Fähnrich?“
„Nicht in meiner Schicht, Captain.“ Wheeler lächelte.
„Also dann ... Energie! Ich möchte die High-School-Abschlussfeier meiner Tochter nicht verpassen.“
Doch kaum hatte Fähnrich Wheeler den Warpantrieb aktiviert, fing ihre Konsole unsäglich an zu brummen. „Hilfe, das hört sich ja an, wie das Antigrav-Moped von meinem Ex!“
„So lange es fliegt ...“ erwiderte der Captain fatalistisch.
Jerad folgte ihr in den Bereitschaftsraum.
Sie schaltete den Terminal ein und begann, Dateien aus dem Archiv herunter zu laden. Das 3D-Foto einer Frau in einer roten Starfleet-Uniform aus dem späten 23. Jahrhundert zog sie sofort in seinen Bann. Die Frau war eine Humanoide und etwa vierzig Jahre alt. Ihre Haare waren rötlicher als die von Lairis, die Augen grüner und natürlich hatte Captain Inserra auch keine bajoranischen Riffeln auf dem Nasenrücken. Dennoch ...
„Sie sieht dir wirklich sehr ähnlich“, stellte auch Commander Silgon fest.
„Was T´Liza wohl meinte, als sie sagte, mein Nehau würde sie an Corazón erinnern?“
„Nehau ...“ Jerad überlegte. „Ich glaube, damit bezeichnen Vulkanier die Ausstrahlung eines anderen, die Aura oder wie immer man das nennen mag.“
„Hmm ... welchen Eintrag soll ich abspielen?“
„Egal. Meinetwegen den Allerersten.“ Jerad legte seine Hände auf ihre Schultern und streifte ihren Nacken mit einem flüchtigen Kuss.
„Persönliches Computerlogbuch, Captain Inserra, Sternzeit 9346.2...“ ertönte Corazóns dunkle, rauchige Stimme. „Es war gar nicht einfach, dem Sternenflottenkommando zu erklären, weshalb ich die CASABLANCA zu Bruch fliegen musste. Mir hat es ja auch in der Seele wehgetan. Sie war ein gutes Schiff, und ich werde sie vermissen. Aber die verdammten Klingonen waren dabei, das Chanara-System zu erobern. Die einzige Chance, sie zu besiegen, war, ihr Flaggschiff zu zerstören. Aber zerstör’ erst mal einen Kreuzer der Vor’Cha-Klasse! Mit Phasern und Torpedos lässt sich da nicht viel machen... Also hab’ ich die Crew evakuiert und direkten Kurs auf dieses Monstrum genommen. Ich kam mir vor wie einer dieser lebensmüden japanischen Kamikaze-Piloten! Zu sterben hatte ich allerdings nicht vor. Wenige Sekunden, bevor die CASABLANCA in die äußeren Plasmaverteiler des Klingonen-Kreuzers gekracht ist, hat mich Kerala von Bord gebeamt. Himmel, war das knapp!
Dann saß ich mit meiner Crew auf diesem grässlichen Klasse-L-Planeten fest... Da war es sogar noch heißer und staubiger als auf Vulkan! Ich hätte nie gedacht, dass das möglich ist... Zum Glück wurden wir bald von der LANZELOT hochgebeamt. Den Kampf hatten unsere Leute inzwischen gewonnen. Durch den Crash mit der CASABLANCA war das Flaggschiff explodiert und hatte vier ‘Birds of Prey’ mitgerissen. Ich will mich ja nicht selber loben, aber ich glaube, das war es, was die Schlacht zugunsten der Sternenflotte entschieden hat.
Und dann verstehe einer diese Admiräle... Erst hängen sie mir eine Tapferkeitsmedaille um den Hals und dann schmeißen sie mir Verschwendung von Ressourcen vor! Und natürlich Verstoß gegen das Starfleet-Protokoll für die Kriegführung in bewohnten Sternensystemen. Verdammt, die sollten erst mal gegen diese blutrünstigen, klingonischen Wikinger kämpfen - dann wüssten sie, was ihr dusseliges Protokoll wert ist!
Aber, was beschwere ich mich überhaupt ... Schließlich hab’ ich heute das Kommando über dieses Prachtstück erhalten! Excelsior-Klasse - der letzte Schrei! Angeblich hat sie sogar Transwarp-Antrieb, aber als ich ihn ausprobieren wollte, ist mir gleich der Warpkern abgesoffen! Soviel zum Fortschritt...
Natürlich trägt auch dieses Schiff den wundervollen Namen CASABLANCA. Die meisten denken, ich hätte es nach einer Stadt auf der Erde benannt, aber das stimmt nicht ganz... ‘Casablanca’ ist der Titel eines Filmklassikers aus dem zwanzigsten Jahrhundert. Es ist mir ein wenig peinlich, das zuzugeben, aber ich habe eine Schwäche für alte Liebesfilme...“
Jerad pfiff durch die Zähne. „Interessante Frau! Es würde ihr gar nicht gefallen, dass ihr geliebtes Schiff einfach in seine Einzelteile zerlegt wird, wie ein alter Küchenmixer.“
Lairis seufzte. „Nach Wolf 359 haben wir die CASABLANCA nie wieder richtig flott gekriegt. Unter meinem Kommando hatte sie das Gnadenbrot, die wirklich aufregenden Missionen haben wir natürlich nicht bekommen.“
„Tausendmal aufregender als das, was ich früher machen musste.“ Jerad verzog das Gesicht. „Die sagenhafte Relaisstation R-27, ein wahres Eldorado der Langeweile. Nicht mal der Maquis hat sich in unsere Gegend verirrt. Dabei wäre ein kleines Gefecht genau das gewesen, was meine Crew gebraucht hätte, um wieder ein bisschen lebendiger zu werden ... Aber wer interessiert sich schon für eine Raumstation mit fünf Mann Besatzung in einem besonders dünn besiedelten Teil der Entmilitarisierten Zone. Ich bin dir wirklich dankbar, dass du mich dort rausgeholt hast! Noch zwei Jahre in dieser Blechbüchse und du hättest mich zu meinen tierischen Vorfahren ins Primatengehege stecken können!“
Sie lachte, doch seine Augen wurden plötzlich schmal. „Ich hoffe, du hast mich nicht nur zu deinem Ersten Offizier gemacht, weil du dir die Schuld für meinen Karriereknick gibst!“
„Natürlich fühle ich mich mitverantwortlich für das, was damals passiert ist“, erwiderte Lairis ernst. „Aber ich würde dich ganz bestimmt nicht zu meinem Ersten Offizier ernennen, nur um irgendwelche Fehler von damals wieder gut zu machen! Jedenfalls nicht, wenn ich auch nur den geringsten Zweifel an deinen Fähigkeiten hätte! Du weißt, ich halte sehr viel von dir - persönlich wie beruflich – und denke, dass die Sternenflotte mehr als dämlich war, deine Talente als Knöpfchendrücker auf einer Relaisstation zu verschwenden!“
Jerad beugte sich zu ihr herab, legte seine Arme um ihre Taille und küsste sie. „Du siehst, ich lerne noch nicht einmal aus meinen Fehlern.“
„Dann brauchst du wohl einen Symbioten, der dir dabei hilft ...“
„Das wird nichts mehr.“ Sein Lächeln verschwand. „Die Symbiosekomission war ganz offensichtlich der Meinung, dass ich ihren Ansprüchen nicht genüge. Ein Kerl, der seine Hormone nicht mal so weit unter Kontrolle hat, dass er die Finger von seinen Kadetten lässt, verdient halt kein so edles Geschöpf wie einen Symbionten. Punkt. Aus.“
„Es ist nicht fair, dass du den ganzen Ärger bekommen hast, und ich ...“
„Bei Unzucht mit Abhängigen wird nie der Abhängige bestraft.“
„Unzucht? So weit ist es doch gar nicht gekommen!“
„Aber nur, weil uns deine tratschsüchtige Zimmergenossin vorher aus den Gänseblümchen gescheucht hat.“ Er lächelte schief. „Bereust du es denn?“
„Ich bereue nur, dass wir uns erwischen ließen!“
„Du bist doch ein heimtückisches, verdorbenes Luder, Lairis Ilana!“ scherzte er zwischen zwei Küssen. „Und so was in der Sternenflotte – pfui!“
„Was willst du machen? Ich stamme eben aus dem bajoranischen Busch – ich bin hoffnungslos unzivilisiert.“


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