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STD 01 - Böses Erwachen von Adriana

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Julianna blickte hoffnungsvoll auf, als sie das Signal der Kom-Anlage vernahm. Ihre Augen waren verquollen und gerötet, die langen blonden Haare hingen schlaff herunter und das elegante Ballkleid zeigte hässliche Zieharmonikafalten.
Jerad nahm das Gespräch entgegen. „Commander, ein gewisser Lieutenant Marc van de Kamp möchte Sie sprechen“, meldete der Adjutant seines Vorgesetzten. Julianna ließ die Mundwinkel hängen, als sie mitbekam, dass es keine Nachricht ihrer Mutter war.
Lieutenant van de Kamp hatte sich ins Camp gebeamt und kam gleich zur Sache: „Als Julianna sagte, ihre Mutter wäre verschwunden, dachte ich, Lairis könnte ihr Implantat aktiviert haben. Also hab ich meinen Tricorder modifiziert und nach ihrer Isotopenspur gesucht …“
„Wenn sie ihr Implantat aktiviert hat, ist sie in Gefahr“, unterbrach der Trill ihn betrübt.
„Dann hab ich eine gute und eine schlechte Nachricht für Sie. Die schlechte: Sie hat ihr Implantat eingeschaltet und steckt vermutlich tief in der Tinte. Die gute: Ich konnte sie lokalisieren.“
„Wo?“ fragte der Trill atemlos.
„Las Cruces.“
Jerad runzelte die Stirn. „Das Mahnmal? Was hat sie früh um halb acht dort zu suchen?“
„Vor allem, da es heute geschlossen ist.“
„Sie wurde entführt.“ Jerads Magen verknotete sich.
„Wechselbälger“, vermutete der junge Lieutenant mit finsterer Miene. „Deshalb wollte ich nicht über Funk mit Ihnen sprechen. Es könnte sein, dass die Bande unsere Verbindungen abhört.“
„Ja, aber was wollen die ausgerechnet von Captain Lairis?“
Marc schüttelte den Kopf. „Keine Ahnung.“
„Hab ich richtig gehört? Meine Mutter wurde entführt?“ Die helle, brüchige, weibliche Stimme ließ beide Männer abrupt herumfahren.
Julianna war ihnen heimlich gefolgt und Jerad fürchte sehr, dass sie wieder anfing, zu heulen. Der Anblick weinender Frauen ging ihm an die Substanz – vor allem dann, wenn er ihren Kummer so gut nachvollziehen konnte, wie dieses Mal.
Es war kurz vor 7.00 Uhr morgens gewesen, als Julianna völlig aufgelöst vor seinem Zelt aufgetaucht war, weil sie nicht wusste, wo ihre Mutter steckte, und etwa zehn Minuten später, als die Sternenflotte ihm erklärt hatte, Captain Lairis hätte sich krankgemeldet.
„Aber wenn sie krank ist, wäre sie doch nach Hause gekommen oder hätte mich wenigstens informiert … oder irgendein Arzt oder wer auch immer …“ Julianna wiederholte sich wie eine defekte Com-Einheit. „Vielleicht liegt sie irgendwo im Krankenhaus, Jerad?“
Er schüttelte den Kopf. „Nicht in San Francisco. Dort hab ich bei allen Krankenhäusern nachgefragt.“
„Und in las Cruces gibt es keines. Jedenfalls keines, das noch in einem Stück wäre.“
Julianna starrte Lieutenant van de Kamp mit großen Augen an. „Meine Mutter wurde also von Wechselbälgern nach Las Cruces verschleppt?“
„Ja, das vermuten wir.“
„Das heißt, wer immer sich vorhin bei der Sternenflotte gemeldet hat …“
„Captain Lairis war es sicher nicht.“
Julianna presste beide Hände auf den Mund. Ihre Augen glänzten schon wieder verdächtig.
Lieutenant van de Kamp nahm sie kurz in die Arme.
„Keine Angst, wir finden deine Mutter – und zwar gesund und lebendig! Sie hat schon schlimmeres überlebt. Außerdem ist sie immer noch auf der Erde.“
„Genau! Wir wissen jetzt, wo sie ist – also soll die Sternenflotte eine Spezialeinheit schicken, die sie dort rausholt“, meinte Jerad und Julianna nickte zur Bestätigung.
Doch kaum wollte er nach seinem Kommunikator greifen, meldete sich der von Lieutenant van de Kamp. „Schalten Sie den Bildschirm ein“, befahl eine weibliche Stimme und Marc strahlte für einen Augenblick. „Captain?“
„Raten Sie noch mal.“ Nun kam die Stimme aus der Kom-Anlage.
„Die Ähnlichkeit ist verblüffend. Gratulation!“ sagte Marc zu der Formwandlerin, deren Gesicht – Lairis Ilanas Gesicht – den gesamten Bildschirm ausfüllte. „Wie’s aussieht, ist es Ihnen sogar gelungen, die Sternenflotte an der Nase herumzuführen.“
„Nicht nur die Sternenflotte.“ Nun lächelte der Wechselbalg selbstgefällig. „Captain Lairis war der Überzeugung, ich könnte ihre Bekannten keine zwei Minuten lang täuschen … In Wahrheit hab ich mich gestern Abend eine geschlagene Viertelstunde mit ihrem einfältigen Schmusetrill unterhalten, und er war völlig ahnungslos.“
„Entschuldigung, aber der Schmusetrill ist anwesend“, protestierte Jerad. Doch sein Protest kam ziemlich kraftlos, so als würde er sich in Grund und Boden schämen.
Julianna sog die Luft scharf ein und warf ihm einen vorwurfsvollen Blick zu. „Wann hat Mom – ich meine, dieses Ding da – Kontakt mit dir aufgenommen?“
„So gegen 22.00 Uhr …“
„Warum hast du mir nichts davon erzählt?“
„Vielleicht war ich zu sehr damit beschäftigt, dich mit Taschentüchern zu versorgen!“
„Dich ruft sie an und mich lässt sie doof sterben … das passt überhaupt nicht zu meiner Mutter! Du hättest merken sollen, dass etwas nicht stimmt!“
„Julianna, ich verstehe ja, dass du wütend bist … aber ich war todmüde und dachte nach ihrem Anruf, es wäre alles in Ordnung. Gut, Ilana wirkte ein bisschen verkrampft, was ich auf den
Stress und die Situation geschoben habe …“
„Hast du noch mehr Ausreden auf Lager?“
„Ich kenne wohl deine Mutter nicht so gut, wie du.“
„Ja, du kriechst auch nur regelmäßig unter ihre Bettdecke!“
Marc räusperte sich. „Julianna, nun reicht’s!“ fuhr er sie an.
Jen’thal hatte für diese beiden aus ihrer Sicht völlig unlogischen und unbeherrschten Solids nur einen verächtlichen Blick übrig.
Jerad griff nach Juliannas Arm. „Entschuldigen Sie uns“, sagte er zu Lieutenant van de Kamp.
Wenn sich Julianna Lairis in dieser Gemütsverfassung befand, war sie für Diskussionen nicht sehr zugänglich. Da half es nur, sie eine Weile in Ruhe zu lassen – oder sie schnell aus der Schusslinie zu schaffen, bevor es für alle Beteiligten zu peinlich wurde.
„Ich möchte mit Captain Lairis sprechen“, verlangte Lieutenant van de Kamp kühl.
„Geben Sie ihr Zeit. Sie ist ein bisschen … wackelig auf den Beinen.“
„Was haben Sie ihr angetan, Sie Miststück?!“
„Ich hatte gehofft, Sie wären ein ruhiger, sachlicher Mensch, mit dem man vernünftig reden könnte – ohne den für Solids typischen Gebrauch unflätiger Beleidigungen … Übrigens: versuchen Sie nicht, den Anruf zurückzuverfolgen oder die Frequenz abzuhören. Damit verschwenden Sie nur Ihre Zeit.“
Die Wechselbälger wussten also nicht, dass Marc seinen Captain längst aufgespürt hatte ... Somit hielt er ein Ass in Ärmel. Doch er war viel zu wütend, um sich darüber zu freuen.
„Verdammt, was erwarten Sie von mir? Sie haben meinen Captain entführt und …“
„Sie mit einer schmerzhaften, todbringenden Seuche infiziert, das will ich ja gar nicht leugnen.“
„Ist das Ihr Ernst?“
„Ich teile nicht die Vorliebe der Solids für Humor.“
Marc brauchte einen Moment, um seine Gedanken zu sortieren, als ihm die ganze Tragweite dieses Satzes aufging. Auf ihre kaltschnäuzige Art war die Formwandlerin ehrlich: Sie würde nicht bluffen, um die Sternenflotte unter Druck zu setzen. Sie ging gleich aufs Ganze.
„Was wollen Sie?“ fragte Marc resigniert.
„Ihr Captain sagte mir, Sie könnten die Konstruktionspläne der USS DEFENDER beschaffen. Wenn ich richtig informiert bin, verfügt dieses Schiff über zahlreiche … Extras, die für das Dominion äußerst interessant sein könnten: zum Beispiel eine Interphasen-Tarnvorrichtung …“
„Die Konstruktionspläne der DEFENDER?“ Marc lachte freudlos auf. „Und Sie behaupten, Sie hätten keinen Humor! Wo soll ich die Dinger her haben? Ich bin nicht auf der DEFENDER stationiert, meine Sicherheitsstufe ist nicht einmal hoch genug, um an solche Pläne zu kommen!“
„Der Chefkonstrukteur der DEFENDER ist doch angeblich ein guter Freund von Ihnen …“
„Was?“ Marc runzelte die Stirn. „Ich kenne den Mann überhaupt nicht“, wollte er gerade herausplatzen, doch er erkannte intuitiv, dass es schlauer war, das Spiel mitzuspielen. „Okay, wir haben ab und zu ein paar Bier getrunken …“
„Dann vertiefen Sie diese Beziehung! Tun Sie ihm etwas ins Bier, das seine Zunge lockert …“
„Warum tun Sie das nicht selbst? Sie könnten sich in einen seiner Kollegen verwandeln …“
„Damit er mich mit einem Phaser abtastet oder versucht, mein Blut zu testen?“
„So schnell schlagen Sie sich Ihre fixe Idee nicht aus dem Kopf, wie?“
„Dafür habe ich schon zuviel Zeit und Kraft hinein investiert.“
„In der Tat. Stammt die Ampulle mit dem Virus noch von einem Ihrer letzten Eroberungszüge oder schleppen Sie so etwas für den Notfall immer mit sich rum?“
Jen’Thal zuckte die Achseln. „Ein cardassianischer Schmerzgenerator wäre sehr viel auffälliger – und weitaus weniger effizient in seiner Wirkung.“
„Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr?“ fragte Marc voller Widerwillen.
„Wenn Ihr Captain und Sie nicht gerade Blut austauschen, geht sie gegen Null.“
„Lassen Sie mich mit ihm sprechen“, verlangte eine schwache Stimme im Hintergrund.
„Captain?“ fragte Marc nervös.
Jen’thal trat beiseite und machte der echten Lairis Platz. Diese wirkte bleich und mitgenommen, ihre Augen waren trübe, ihr Gesicht voller aufgeplatzter Wunden.
„Oh mein Gott!“ rutschte es Marc heraus.
„Verstehen Sie jetzt, dass ich Ihre Hilfe brauche?“
„Sie … Sie sind es wirklich? Das ist kein Trick, oder?“
Lairis versuchte ein Lächeln. „Sie wollten einen neuen Antrieb in meinen Antigrav-Scooter einbauen … Erinnern Sie sich noch?“
„Schon erledigt. Das Ding steht fertig zusammengebaut in Ihrem Hotelzimmer. Nur das mit der Bedienungsanleitung hab ich noch nicht auf die Reihe gekriegt.“
„Nicht so schlimm. Julianna liest sie sowieso nicht. Sie behauptet immer, sie könne mit Technik intuitiv umgehen.“
„Ja, das wissen wirklich nur Sie und ich.“ Marc lächelte nicht. „Ich wünschte, ich könnte irgendwas für Sie tun …“
„Das können Sie“, erklärte Lairis ernst.
„Aber doch nicht die Konstruktionspläne der DEFENDER! Das … das ist Wahnsinn!“
„Sehen Sie mich doch an: Mein Gesicht sieht aus wie eine Luftaufnahme der andorianischen Spinnenschlucht! Ich sterbe, Lieutenant, und es wird ein Tod, den ich meinem ärgsten Feind nicht wünsche. Wenn es nur um mich ginge, könnte ich jetzt mehr oder weniger heldenhaft abtreten, aber …“ Sie hustete und ein dünnes Blutrinnsal floss über ihr Kinn. „Kadett Raymond Kitamura ist mit mir zusammen gefangen worden …“
„Captain Kitamuras Sohn?“
Lairis nickte. „Ich werde überall aufplatzen wie ein Grillwürstchen und schreien, bis meine Stimme versagt … mein verdammtes Blut im ganzen Zimmer verteilen … Das ist kein Anblick, den ich einem 17-jährigen Jungen wünsche, der gerade seinen Vater verloren hat! Außerdem wird er früher oder später genauso elend verrecken – und zwar allein …“
„Das will ich ja auch nicht, aber wir müssen zuerst an das Große Ganze denken! Falls die DEFENDER wirklich eine Tarnvorrichtung hat …“
„Diese Leute haben einen Biowaffen-tauglichen Virus auf die Erde gebracht, sie können jede erdenkliche Gestalt annehmen, ihre Soldaten wachsen wie Zuchtpilze in Kübeln nach … Glauben Sie, eine mickrige Tarnvorrichtung könnte sie aufhalten? Sollen sie sie haben, mir ist es egal …“ Lairis klang richtiggehend verzweifelt.
„Captain, ich kann mir wohl nicht vorstellen, was Sie gerade durchmachen, aber … ich erkenne Sie nicht wieder! Sie haben gegen die Cardassianer gekämpft, gegen die Borg …“
„Ich habe nicht gegen die Borg gekämpft – ich bin vor ihnen getürmt“, entgegnete sie traurig. „Und dieses Dominion ist ein ganz anderes Kaliber als die Cardis! Sie sind fast so schlimm, wie die Borg, und wir haben keine Chance gegen sie. Vielleicht wäre es besser, zu kooperieren.“
„Indem wir Ihnen unsere Technologie in den Rachen zu schmeißen? Selbst wenn ich Ihnen helfe – das Sternenflottenkommando wird da nicht mitmachen, fürchte ich.“
„Lassen Sie sich etwas einfallen!“ Lairis betonte diese Worte ganz besonders.
Lieutenant van de Kamp sah in ihre Augen und verstand. „Ich kann Ihnen nichts versprechen.“
„Sie sind unsere einzige Hoffnung! Lassen Sie uns nicht im Stich!“
„Auf keinen Fall“, erklärte Marc fest.


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