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STD 01 - Böses Erwachen von Adriana

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Commander Jerad Silgon saß auf einem Klapphocker vor seinem Zelt und betrachtete den sternenübersäten Nachthimmel. Unsichtbare Vögel sangen von Freiheit und nächtlichen Jagden, ein heller Streifen am Horizont ließ noch ahnen, wo die Sonne untergegangen war … es hätte sehr romantisch sein können – wenn es nicht so verdammt heiß gewesen wäre. Jerad hatte sich bis aufs Unterhemd ausgezogen, trotzdem lief ihm der Schweiß über den ganzen Körper. Das Camp, das die Sternenflotte behelfsmäßig für die kurzfristig mobilisierten Sicherheitstruppen in Mittelamerika errichtet hatte, befand sich mitten in der Wüste von Mexiko.
„Naja, es hätte auch noch schlimmer kommen können“, sagte er mehr zu sich selbst als zu seinem Crewkameraden Vixpan, der lustlos an einer hohen Agave nagte und ab und zu mal wütend ausspie – wahrscheinlich dann, wenn er aus Versehen einen Stachel erwischt hatte. „Sie hätten uns zum Beispiel im Dschungel abladen können, wo es von Ungeziefer nur so wimmelt…
Wenn es was gibt, das noch schlimmer ist, als Hitze, dann sind es Mücken!“
Vixpan unterbrach seine stachelige Mahlzeit, hielt den Kopf leicht schräg, die Hörnchen vorgestreckt und blinzelte nachdenklich mit seinen himmelblauen Querpupillen-Augen. „Ein Dschungel würde mir besser gefallen.“
„Klar, da gibt es mehr zu knabbern – jedenfalls für Sie.“ Jerad rieb sich ein paar Mal über die Augenlider. „Hatten Sie schon immer so eine fluoreszierende Aura, Fähnrich?“
„Wie bitte?“
„Na gut, wenn Sie nicht fluoreszieren, dann hab ich wohl einen Sonnenstich. Verfluchter Backofen hier … Das mag ja schönes Wetter sein, wenn man sich nicht bewegen muss und kein Gehirn braucht. Vor allem kein Gehirn! Was mussten sie mich auch zur Vampirbrigade nach Mittelamerika schicken! Wissen die nicht, dass ich als Trill keine Temperaturen über 30°C vertrage, diese sepreanischen Waldesel? Hab mich heute früh beschwert und sie entschuldigten sich wortreich, wie leid es ihnen täte und dass sie mich so schnell wie möglich versetzen lassen – aber nun schmore ich immer noch hier. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Bürokraten! Wenn ich ins Hitzedelirium falle, verklage ich sie!“
„Wie wollen Sie es anstellen, jemanden zu verklagen, wenn Sie ins Delirium gefallen sind, Sir?“ fragte Vixpan vernünftig.
Jerad lachte rau. „Da haben Sie natürlich Recht. Rufen Sie einfach meinen Anwalt an, wenn ich umkippe.“
„Sollte ich dann nicht zuerst den Arzt holen?“
Jerad nahm einen Schluck aus seinem Flachmann und spülte ihn anschließend mit einem halben Liter Wasser herunter. „Noch etwas Tequila, Fähnrich? Das Zeug dehydriert mich nur.“
Vixpan nahm das Angebot dankbar an und nuckelte gierig an der Flasche.
„Hey, lassen Sie mir was übrig!“ protestierte der Trill.
„Sie sagten, das Zeug dehydriere Sie! Ich wollte Sie nur vor den negativen medizinischen Folgen bewahren.“
„Schon gut, machen Sie es nieder.“
„Ich hasse Wüsten!“ meckerte Vixpan inbrünstig.
„Stimmt, es gibt hier nur Hitze, Staub und ein paar temperamentvolle Latinos, die mich nach jedem Bluttest ansehen, als hätte ich ihre Mutter beleidigt.“
„Ein Planet … ich hatte mich so gefreut, endlich auf einem Planeten stationiert zu werden … Verstehen Sie mich nicht falsch, Sir – ich liebe die Raumfahrt und die USS CASABLANCA. Wenn sie verschrottet wird, werde ich eigens ein Klagelied komponieren … trotzdem war es das Größte, wenn Captain Lairis nach einer erfolgreichen Außenmission zu mir sagte: ‚Gehen Sie grasen, Fähnrich!’ Ich brauche ab und zu den Wind in meinem Pelz – und Gras! Schönes, saftiges, grünes Gras … schöne, üppige Weidegründe …“
„Ja, mir läuft die Spucke im Mund zusammen“, unterbrach Jerad ihn ungeduldig. „Wieso replizieren Sie nicht ein paar Blätter?“
Vixpan schüttelte sich angewidert. „Mäh, replizierte Blätter!“
„So, wie sich alles entwickelt, werden Sie sich bald an Feldrationen gewöhnen müssen“, entgegnete Commander Silgon hart.
„Keine replizierten Blätter!“ wiederholte Vixpan stur. „Dann lieber Agaven. Sie schmecken gar nicht schlecht: exotisch und würzig. Aber diese verfluchten Stacheln …“
Commander Silgon grinste. „Denken Sie eigentlich auch mal an was anderes, als Essen?“
„Ich denke an das, was ich vermisse“, verteidigte sich Vixpan. „Sie denken zum Beispiel sehr oft an Captain Lairis, seit sie nicht mehr zusammen dienen.“


„Captain Lairis ist aber kein Grasbüschel“, zog Jerad ihn auf. Dann wurde seine Miene schlagartig erst. „Seit wir auf der Erde gelandet sind, hab ich nichts mehr von ihr gehört. Sie hat versprochen, sich zu melden, sobald sie Zeit hat …“
„Haben Sie versucht, sie zu erreichen?“
„Vor einer Stunde. Aber sie geht nicht an ihren Kommunikator und ihre Tochter meinte nur, sie wäre ausgegangen.“
„Dann ist sie wohl noch unterwegs.“
„Ohne ihren Kommunikator? Nach allem, was heute passiert ist? Doch nicht Ilana mit ihrem Sicherheitsfimmel!“
„Dann schläft sie wohl schon.“
„Vielleicht.“ Jerad klang nicht sehr überzeugt.
„Probieren Sie es einfach noch mal, Sir“, schlug Vixpan vor und verabschiedete sich. „Es ist spät und die brütende Hitze wird bald lausiger Kälte weichen. Ich gehe schlafen. Mein Zelt ist isoliert und bietet allen Comfort.“
„Ja, meins auch … trotzdem fühle ich mich da drin wie eingesargt“, murmelte Jerad.
„Wieso?“ fragte Vixpan naiv.
Der Trill schüttelte den Kopf. „Keine Ahnung. Kaum bin ich von unserem alten Schiff und …“ Nun lächelte er halb. „… von unserem alten Captain getrennt, werde ich neurotisch.“
„Vielleicht macht Ihnen irgend etwas Angst … genau wie mir.“
Commander Silgon blickte erstaunt auf. „Vielleicht sind wir einfach zu konservativ, um so viel Irrsinn an einem Tag zu verkraften.“
„Wir sind in der Sternenflotte. Irrsinn gehört zu unserem Beruf.“
„Ja, mag sein … aber nicht solcher! Langsam kriege ich sogar Heimweh nach R-27 – und nicht nur, weil die Station eine Klimaanlage hatte … Ich sehe keinen Sinn in dem, was wir hier tun! Diese Phaserabtastungen und Bluttest … Einen Formwandler, der zu allem entschlossen ist, kann man damit nicht aufhalten, fürchte ich.“
„Fürchte ich auch. Gute Nacht, Commander.“
„Gute Nacht, Fähnrich. Ich bleibe hier und heule den Mond an.“
Das Piepen seines tragbaren Terminals beendete Jerads dumpfes Brüten. Er eilte ins Zelt und lächelte vor Erleichterung, als er Lairis Ilanas Gesicht auf dem Monitor sah.
„Hallo, schöne Fremde!“
Lairis runzelte die Stirn. „Schöne Fremde?“
„Ich dachte schon, du würdest heute gar nicht mehr anrufen! Weißt du, ich hab dich vermisst und mir sogar ein bisschen Sorgen gemacht … aber egal! Hauptsache, es geht dir gut!“
„Ja, mir geht es gut und ich vermisse dich auch“, erwiderte die Frau. „Aber du brauchst dir keine Sorgen um mich zu machen. Ich war nur … sehr beschäftigt.“


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