TrekNation Einloggen
Info-CenterImpressumTeam
Erweiterte Suche

Eine Liebeserklaerung von Gabi

[Reviews - 6]   Drucker Kapitel oder Geschichte Inhaltsverzeichnis

- Schriftgröße +
Kapitel Bemerkung:

ab 18 - PWP und Characterstudy - hier habe ich mich einfach mal ausgetobt

 

 

 

„War das nötig?“ Hugh Culber blickte immer wieder über die Schulter in Richtung des Lifts, als er mit einer Weinflasche in der Hand Paul Stamets den Flur entlang folgte. Der dunkelhäutige Arzt kämpfte gegen das Gefühl an, zurückzulaufen und sich für den anderen Mann zu entschuldigen.

„Was?“ Der Wissenschaftler blieb vor einer der gleichaussehenden Türen stehen. Auf dem Schild prangte die Nummer 146.

Culber streckte die Hand aus, um sich kurzzeitig am Rücken des Vordermanns zu stabilisieren, in den er beinahe hinein gelaufen wäre. „Der Junge wollte dir lediglich den Lift aufhalten“, bemerkte er vorwurfsvoll. Er nahm seine Aufmerksamkeit vom Korridor fort und widmete sie wieder dem Griesgram vor sich, der gerade den Zimmercode eingab.

„Er stand mir im Weg.“ Stamets öffnete die Tür.

Culber konnte über die Schulter des anderen Manns einen ersten Blick auf das typisch sterile Hotelzimmer mit Doppelbett werfen. Kopfschüttelnd folgte er dem anderen hinein. „Wie kann man nur so konstant unfreundlich durchs Leben gehen?“

Stamets hatte sein Jackett an einen Haken neben der  Tür gehängt. Er wandte sich mit hochgezogenen Brauen an seinen Gast. „Ausgesprochen unbehelligt.“

Culber hielt dem herausfordernden Blick stand. Da hatte er sich eine schöne Aufgabe ausgesucht. Doch gerade diese Zähigkeit war es, die für ihn den besonderen Reiz an der Eroberung ausmachte – dies und das faszinierend bleiche Aussehen des unfreundlichen Genies. „Ich bin froh, dass wir nicht zu mir konnten“, konterte er spöttisch. „So ein Verhalten meinen Kollegen gegenüber wäre auf meinen Ruf zurückgeschlagen.“

Stamets‘ Augenbrauen hoben sich noch eine Spur höher, doch er hielt sich mit einem zynischen Kommentar zurück. Zumindest für den Moment. „Beim Rang eines Lieutenants hätte ich Einzelquartiere erwartet.“

„Wären es normalerweise auch“, gestand Culber ein, „aber die Basis befindet sich gerade im Umbau. Wir sind überbelegt.“

„Ich könnte mein Quartier mit niemandem teilen“, befand Stamets kategorisch.

„Überraschung.“ Culber konnte das Grinsen nicht unterdrücken. Stamets wirkte auf ihn genau wie die Person, die über ein falsch gefaltetes Handtuch einen Moralvortrag halten konnte.

„Okay!“ Der andere baute sich vor ihm auf.

Fasziniert beobachtete Culber, wie sich die hellen Augenbrauen über der Nasenwurzel in einem nahezu perfekten Dreieck der Missbilligung zusammenzogen. Diese an Arroganz fast nicht mehr zu überbietende Mimik war ihm bereits in der Bar am Tag zuvor aufgefallen. Er musste sich zurückhalten, nicht mit dem Finger die tiefen Stirnfurchen zu berühren.

„Bevor wir hier mit irgendetwas weitermachen, möchte ich geklärt haben, ob du rausgeworfen werden willst, oder Sex mit mir haben möchtest? Momentan stehen deine Chancen Fünfzig zu Fünfzig.“

Culber stellte die Weinflasche auf der Anrichte ab, trat dicht vor sein Gegenüber und gab dem Drang nach. Sein Zeigefinger strich über die Mulde zwischen den Brauen. „Können wir die Reihenfolge ändern?“

„Was?“ Stamets‘  Hände schossen nach oben, um Culbers Arm zu packen und ihn zu immobilisieren.

Culber lächelte unschuldig. „Um mit dir verbal mithalten zu können, fehlt mir eine Lebenserfahrung an Zynismus.“ Er legte den Kopf schief. „Aber das mache ich mit Wärme und Zärtlichkeit wett. Daher würde ich vorschlagen, wir versuchen es erst mit Sex und danach kannst du entscheiden, ob du mich rauswerfen möchtest.“

Stamets schnaubte, sagte jedoch nichts, was Culber als Zustimmung aufnahm. Er hatte nicht gedacht, dass der Wissenschaftler sich auf Sex mit ihm einlassen würde. Culber selbst war ein sehr körperlicher Typ, er liebte es zu berühren und berührt zu werden, und er liebte Intimitäten. Von Stamets hatte er erwartet, dass dieser sich empört gegen den Vorschlag einer gemeinsamen Nacht aussprechen würde, hatte die Chance jedoch auch nicht unausgesprochen verstreichen lassen wollen, in Anbetracht der Tatsache, dass der Kongress heute zu Ende gegangen war, und der Mykologe morgen früh Alpha Centauri wieder verlassen würde. Die Antwort war dann zwar erwartet abfällig, jedoch positiv erfolgt. Den gesamten Weg von der Bar hier hinauf in die Quartiere des Konferenzhotels hatte er sich überlegt, was wohl der Grund dafür sein könnte. Ob Stamets des Öfteren One-night-stands hatte? Er konnte sich nicht vorstellen, dass der Wissenschaftler andere Männer aufriss. Dazu fehlte ihm jedweder Charme. Vielleicht hielt er sich an Professionelle? Doch auch das konnte Culber sich irgendwie nicht bei ihm vorstellen. Er beschloss für sich, dass Stamets nach so überraschend wenig Widerstand zugesagt hatte, weil er, Culber, ihm das Gefühl hatte vermitteln können, dass ihm zu vertrauen war. Diese Erklärung gefiel ihm am besten.

Er versuchte, seine immer noch festgehaltenen Hände in Richtung der blonden Schläfen zu bewegen. Ihm wurde dieser Spielraum gewährt. Das glückliche Lächeln wollte seine Züge nicht mehr verlassen, als er das Gesicht streichelte. Das einrahmende, kurzgeschnittene Haar fühlte sich ein wenig spröde unter seinen Fingerspitzen an, passend zum Charakter des Mannes.

Seine Eroberung hielt die Lider nahezu geschlossen. Culber hatte beobachtet, dass Stamets verhältnismäßig oft mit geschlossenen Augen sprach. Es war so, als ob er die ihm unangenehme Welt aus seinen privaten Gedanken ausschließen wollte. Es hatte jedoch auch den Vorteil, dass die faszinierend farblosen Wimpern gut zur Geltung kamen.

Er reckte den Hals und platzierte einen Kuss auf dem einen Auge, dann, als sich kein Widerstand regte, auch auf dem anderen. Das Geräusch, das sich dabei aus Stamets‘ Kehle löste, fuhr ihm direkt ins Becken. Es war ein widerwilliges, leises Knurren, das deutlich machte, dass der Urheber niemals freiwillig eingestehen würde, dass ihm das, was ihm gerade widerfuhr, gefiel. Culber wagte noch einen weiteren Vorstoß, indem er sein Becken gegen das des anderen Manns schmiegte. Seine Lippen strichen vom Auge über den Nasenrücken zum Mund. Auch hier begegnete er keinem Widerstand. Stamets würde keine Initiative ergreifen, so viel machte sein Verhalten klar. Doch er würde es dem anderen erlauben.

„Bett, oder willst du erst duschen?“, hauchte er an Stamets‘ Wange.

„Was ist mit dem Wein …“

„Später. Ich will dich jetzt.“ Culber konnte spüren, wie ein sanftes Zittern über die Haut unter seinen Fingern lief. Mit zufriedenem Lächeln streichelte er noch einmal über Schläfen und Wangen. Er strich mit der Hand weiter über den Kiefer hinunter, den Arm entlang und fasste schließlich die Finger. „Komm.“ Er zog den Mann hinter sich her zum Bett hinüber, wo er ihn in einer eleganten halben Drehung mit dem Rücken zur Matratze wirbelte.

„Ich sagte doch, ich führe beim Tanzen“, bemerkte Stamets, nachdem er sich anstandslos hatte drehen lassen. Culber glaubte, ein schwaches Zittern in der Stimme zu vernehmen. Der Wissenschaftler war sichtlich nicht mehr auf gewohntem Terrain.

„Heute Nacht führe ich.“ Er schenkte ihm ein vertrauensvolles Lächeln, ließ die Hände los und legte die Fingerspitzen an den Kragen von Stamets‘ Hemd. „Lass mich machen.“ Mit beiden Zeigefingerkuppen fasste er den Verschluss und zog ihn langsam hinunter. Der dunkelrote Stoff teilte sich und entblößte noch mehr von der schwach pigmentierten Haut. Die Brust war unbehaart und flach. Kraftsport war eindeutig etwas, das ohne Stamets stattfand. Als Culbers Finger auf Höhe der fünften Brustwirbel angekommen waren, schnellten die Hände des anderen nach oben und legten sich um seine Handgelenke.

Culber nahm den Blick von der weißen Haut und begegnete demjenigen des anderen Mannes. Stamets‘ Augen waren nun völlig offen. Der Mediziner stellte fasziniert fest, dass sie in diesem Zustand nahezu kreisrund waren, die Iris von einem tiefen Dunkelblau, das mit den weißen, geschwungenen Wimpern kontrastierte. Er verlor sich einen Moment in diesem Blick, bevor ihm bewusst wurde, wie ernst der Wissenschaftler wirkte. Für einen Sekundenbruchteil befürchtete er, dass Stamets es sich anders überlegt hatte.

„Ich mache das normalerweise nicht“, erklärte der Mann mit leiser Stimme.

Culber atmete durch und nickte. „Ich weiß.“ Ohne den Blickkontakt zu brechen, versuchte er, die Bewegung des Hemdverschlusses weiterzuführen. Stamets‘ Finger blieben auf seinen Handrücken liegen, folgten jedoch in Richtung Hosenbund. „Darf ich fragen, warum du mir dann erlaubt hast, mit auf dein Zimmer zu kommen?“

Der Griff um die Handgelenke wurde wieder fester. Das nun offene Hemd bewegte sich, als Stamets Luft holte. „Du bist so dermaßen penetrant, dass du den Rest des Abends nicht locker gelassen hättest, hätte ich nein gesagt.“

Culber lachte. „Das hätte gut sein können.“ Er zwinkert und nutzte die kurze Ablenkung, um seine Hände mit einer raschen Drehung aus ihren Fesseln zu befreien. Bevor sein Gegenüber nachfassen konnte, hatte er die Ränder des Hemds gepackt und es über dessen Schultern nach hinten geschoben.

Stamets sog scharf die Luft ein und es kostete Culber einiges an Anstrengung, ihn nicht sofort rücklings auf das Bett zu werfen. Er versuchte, das Pochen in seinem Becken zu ignorieren. Bevor Stamets wieder seine Hände ins Spiel bringen konnte, hatte er seine eigenen auf die nun nackte Brust gelegt. Er spreizte die Finger und betrachtete einen Moment lang fasziniert das konstrastierende Spiel seiner braunen Haut gegen den blassen Untergrund. Langsam strich er die Handflächen zu den Seiten, bis seine Daumenkuppen die rosafarbenen Brustwarzen bedeckten. Er spürte, wie sie sich unter dieser Berührung verhärteten. Behutsam begann er sie mit leichtem Druck zu massieren.

Ein weiterer geräuschvoller Atemzug ließ ihn den Blick heben. Stamets‘ Brauen hatten sich ein wenig zusammengezogen. Die Wimpern zuckten, als der Blick zwischen der eigenen Brust und dem Mann vor ihm wechselte. Culber konnte die Unsicherheit in den Zügen sehen. Er hatte die letzten beiden Abende gelernt, dass sich Stamets sehr rasch verschloss, wenn er nicht mehr Herr der Lage war. Sein vordringlichstes Ziel musste es sein, den spröden Mann davon zu überzeugen, dass er sich vorbehaltlos in seine Hände begeben durfte.

„Ich werde ganz vorsichtig sein“, flüsterte er. Mit sanftem Druck brachte er den anderen dazu, sich auf die Bettkante zu setzen.

„Ich bin nicht zerbrechlich“, brummte der Wissenschaftler, als er mit Culbers Hilfe weiter auf das Bett hinauf rutschte, bis er auch die Füße auflegen konnte.

„Äußerlich nicht …“ Culber kniete sich nun neben ihn und widmete sich Schuhen und Socken.

„Was soll das heißen?“

Er nahm einen der nackten Füße auf den Schoß und legte beide Daumenkuppen an den Ballen. Im ersten Moment zuckte Stamets zurück, bis Culber den richtigen Druck gefunden hatte, der nicht mehr kitzelte. „Das weißt du selbst.“ Er begann mit der Fußmassage. Einen Moment sahen sie sich schweigend an. Stamets hatte den rechten Unterarm über die Stirn gelegt, so als ob er jederzeit die Möglichkeit haben wollte, seine Augen damit zu bedecken. Es wirkte, als ob sich der Wissenschaftler eine Antwort nach der anderen in seinem Kopf zurechtlegte und dann wieder verwarf.

Culber nahm sich den anderen Fuß vor.

Schließlich nickte Stamets. Ein einziges Mal nur. Und in diesem Moment wusste der Arzt, dass er einen Fehler gemacht hatte. Sein Puls beschleunigte sich, während er versuchte, den gleichmäßigen Rhythmus der Finger beizubehalten. Es hätte ein Spiel werden sollen, eine angenehme Ablenkung für zwei erwachsene Männer ohne jede Verpflichtung. Er hatte sich von der abweisenden Art Stamets‘ angezogen gefühlt, hatte sich herausgefordert gefühlt, diesen Eisprinz zum Schmelzen zu bringen. Und jetzt musste er feststellen, dass er im Tauwasser zu ertrinken drohte. Er biss sich auf die Unterlippe, um durch den kurzen Schmerz die aufwallenden Emotionen unter Kontrolle zu bringen. Morgen früh würde der Mykologe abreisen und sie würden sich nicht wiedersehen. Das hier sollte lediglich eine aufregende Nacht werden, eine schöne Erinnerung.

„Alles okay?“ Stamets‘ Stimme riss ihn aus dem Strudel der Emotionen, in den er drohte hineinzugeraten.

Culber rang sich ein Lächeln ab. „Aber natürlich.“ Er beendete die Massage, beugte sich vor und öffnete den Verschluss von Stamets‘ Hose, etwas hastiger als er das vorgehabt hatte. „Du gibst mir sofort ein Zeichen, wenn ich etwas mache, was dir unangenehm ist, okay?“

Ein weiteres Nicken. „Okay.“

Als der bleiche Körper schließlich unbekleidet vor ihm lag, hielt er einen Moment inne. Er war sich sicher, dass Stamets niemals am Strand in der Sonne lag. Diese Art von Haut würde unweigerlich zu Sonnenbrand neigen, wenn sie zu lange den Elementen ausgesetzt war. Jeder Druck hinterließ bereits eine schwache Rötung darauf, jede stärkere Durchblutung war sofort sichtbar.

Culber riss den Blick vom Becken fort und widmete seine Aufmerksamkeit wieder den blauen Augen, die ihn nun ein wenig vorwurfsvoll ansahen. Er lächelte eine Entschuldigung; niemand wurde gerne angestarrt. Wie als Wiedergutmachung hob er die Hände zum Ausschnitt seines eigenen Hemdes und öffnete es. Mit einer gewissen Genugtuung bemerkte er das kurze Aufblitzen in den Augen des blonden Mannes, das dieser zu spät wieder unter Kontrolle bekam. Culber legte großen Wert darauf, seinen Körper in Schuss zu halten und er wusste, dass er gut aussah. Seine Kleidung gesellte sich zu derjenigen Stamets‘ auf dem Fußboden vor dem Bett.

„Bist du mit einem Fitnesscenter verheiratet?“ Das Krächzen war kaum vernehmbar, doch es war vorhanden.

Culber beugte sich über ihn. Er fasste nach dem Handgelenk, das immer noch über den hellen Augenbrauen lag, und führte die Finger an seine Brust. Stamets berührte die Haut erst etwas zögerlich, dann selbstsicherer. Sein anderer Arm hob sich ebenfalls, so dass alle zehn Finger die Brust- und Bauchmuskulatur des Arztes erkunden konnten.

Culber gönnte sich ein paar Sekunden, in denen er es war, der die Augen schloss. Er genoss die Wanderung der Hände über seinen Oberkörper. Sie fühlten sich ein wenig kühl gegen seine erwartungsvolle Wärme an, doch das war passend für den Wissenschaftler. „Ich habe mich unter anderem auf Sportmedizin spezialisiert“, erklärte er mit immer noch geschlossenen Augen. „Und da will ich den Kadetten als gutes Vorbild vorangehen.“ Nun hob er die Lider wieder, um Stamets direkt anzublicken. „Gerade im wissenschaftlichen Zweig gibt es doch viele Offiziersanwärter, welche die Sportkurse eher als lästige Notwendigkeit abtun“, erklärte er zwinkernd.

Stamets schnaubte leise. „Man kann es auch übertreiben.“ Doch seine Augen sprachen davon, dass er tatsächlich von Culbers Körper beeindruckt war.

Der Arzt lehnte sich langsam in die Hände des anderen vor. Stamets gab allmählich nach, bis beide aufeinander lagen. Culber spürte, wie die Hände zu seinen Oberarmen rutschten. Die Unsicherheit des Mykologen schien abzunehmen. „Gib doch einfach zu, dass ich dir gefalle.“ Culber schnappte nach der Unterlippe.

Stamets öffnete willig den Mund. „Das würde ich nie zugeben“, murmelte er zwischen zwei Küssen. „So etwas sagt man einem Liebhaber nicht in der ersten Nacht.“

Culber streckte die Beine aus. Versuchsweise drückte er ein Knie zwischen Stamets‘ Schenkel. Der öffnete sie bereitwillig. Diese Nachgiebigkeit, die er aufgrund der verbalen Spitzen des Wissenschaftlers nicht erwartet hätte, erregte ihn unvermutet heftig. Es war, als ob Stamets ihn testen wollte, ob er Manns genug war, ihn zu nehmen. Seine Küsse wurden härter, während er gleichzeitig versuchte, die Bewegung seines Beckens zurückzunehmen. Es kostete ihn mehr Beherrschung, als er vermutet hätte.

Die Arme schlangen sich fester um ihn, packten seinen Rücken. Er fand sich auf die Seite gerollt, Stamets‘ Schenkel fest über seine Hüfte gepresst. Der blonde Mann hatte in dieser Lage nun mehr Bewegungsfreiheit und nutzte diese, um selbst den Rhythmus vorzugeben.

Culber musste den Kuss lösen, um zu Atem zu kommen. Seine Lippen streiften über den kräftigen Kieferknochen seines Liebhabers, schließlich drückte er das Gesicht in dessen Halskuhle.

„Paul.“ Er atmete tief durch. „Wir müssen langsamer machen, ich komm sonst.“

„In der Stellung bereits?“ Der leisen Gegenfrage fehlte der Spott, den er vermutet hätte. Der Ton klang fast zärtlich.

Er beschloss, dass er sich nicht nach der Paul-Stamets-Anleitung-für-Erste-Nächte richten würde. „Du machst mich total an“, teilte er dem bleichen Hals mit. „Du bist so wunderschön.“

„Man sagt das nicht …“

„… seinem Liebhaber in der ersten Nacht.“ Culber biss ihn spielerisch in die Haut. „Halt den Mund und akzeptier einfach, dass du mich erregst.“ Er hob den Kopf. Seine Augen begegneten dem nachdenklichen Blick unter den weißen Wimpern. Er befürchtete, dass Stamets doch mehr emotionale Intelligenz besaß, als er ihm zugestanden hatte. Der Blick schien zu ahnen, was in ihm vorging. Er versuchte mit einem knappen Lächeln und einem weiteren Kuss von seiner zunehmenden Gefühlsverwirrung abzulenken.

„Leg den Kopf zurück, und lass mich machen“, flüsterte er. Langsam rutschte er nach unten, seine Lippen berührten auf dem Weg jeden Zentimeter Haut, nahmen jede Unebenheit wahr, jedes Härchen, jedes Muttermal. Stamets‘ Hand ruhte locker auf seinem Kopf.

„Was ist mit dir?“ Wieder das Krächzen in der Stimme, dieses Mal prominenter. Die Finger fanden auf Culbers kurzgeschorenem Schädel keine Möglichkeit zum Festhalten, so vollführten die Kuppen ein sanftes Stakkato.

„Später.“ Sein Mund erreichte nun die Härte, an der er mit Bauch und Brust vorbeigeglitten war. „Erst du.“ Langsam schlossen sich die Lippen darum. Für einen Augenblick wurde es still im Zimmer. Culber hielt den Atem an. Da er in dieser Stellung bedauerlicherweise das Gesicht seines Liebhabers nicht sehen konnte, musste er sich auf andere Sinne verlassen, um Stamets‘ Stimmung auszuloten. Das kräftige Pochen, das gegen seine Zunge vibrierte, versicherte ihm, dass seine Berührung willkommen war. Schließlich vernahm er ein geräuschvolles Einatmen. Offensichtlich hatte auch Stamets die Luft angehalten. Behutsam machte er weiter, lauschte bei jeder Veränderung seiner Lippen oder seiner Zunge nach dem Atem und erfühlte das leichte Zittern des Körpers. Seine Handflächen drückten die Hüfte des anderen in die Matratze, seine Daumen strichen die Lenden entlang und durch das Haar, das auch hier nahezu farblos war.

Nach ein paar forschenden Versuchen bekam er ein Gefühl für Stamets‘ Reaktion und konnte seine intime Massage verstärken. Die Belohnung waren die ersten heftigeren Atemzüge und ein leises Aufstöhnen.

Reflexartig presste Stamets‘ Hand seinen Kopf kräftiger gegen das Becken. Doch bevor Culber etwas sagen konnte, weil ihm der Druck das Atmen schwer machte, merkte der andere von selbst, dass er seinem Liebhaber damit keinen Gefallen tat. Die Hand wurde ruckartig vom Hinterkopf genommen. Das leise Rascheln des Lakens deutete an, dass Stamets‘ sich stattdessen in die Bettdecke krallte.

Culber spürte, dass das Zittern zunahm. Er reizte den Wissenschaftler noch einen Augenblick länger, dann hielt er inne und ließ ihn mit sanften Liebkosungen wieder ein wenig zur Ruhe kommen. Er wollte das Vorspiel so lange wie möglich hinauszögern.

Als er es das dritte Mal gemacht hatte, veränderte sich das erwartungsvolle Keuchen in ein deutlich frustriertes. „Verdammt … Hugh …“

Mit einem Lächeln ließ der Arzt die Zunge einmal mehr kreisen; erregend, aufreizend, herausfordernd, doch gerade nicht stark genug für das Finale. Er hoffte, dass er den Bogen nicht überspannte. Stamets‘ Frusttoleranzschwelle war für ihn noch schlecht einzuschätzen.

„Hugh!“

Culber verstärkte den Griff an den Hüftknochen, als die Bewegung des Beckens zunahm.

Mit einem resignierenden Seufzen kippte der Ton in der Stimme seines Liebhabers. „Bitte …“

Er schloss die Augen. Es tat so gut, dieses kleine Wort aus dem Mund des Mannes zu hören. Er löste seine Rechte von Stamets‘ Hüfte – der Arzt in ihm bemerkte dabei flüchtig, wie stark gerötet die Haut unter den Druckstellen der Finger war – und führte seine Finger dorthin, wo sich sein Mund bereits befand. Seine Lippen schlossen sich fester, der Druck seiner Zunge wurde kräftiger. Es dauerte nur wenige Augenblicke, bis er die herbe Flüssigkeit an seinem Gaumen schmeckte.

Der unterdrückte Aufschrei, der sich als kleines Beben durch Stamets‘ Körper fortsetzte, jagte Culber einen wohligen Schauder über den Rücken. Der Griff seiner Hände lockerte sich, er ließ sie spielerisch an Stamets‘ Flanken entlang nach oben gleiten und spürte der Muskelrelaxation nach. Schließlich löste er mit einem letzten Zungenschlag seine Lippen und richtete sich neben seinem Liebhaber in eine sitzende Position auf.

Jetzt endlich konnte er ihn betrachten. Der Unterarm lag abermals über der Stirn, die Augen waren geschlossen. Die Bauchdecke bewegte sich unter Atemzügen, die noch ein wenig kurz waren, doch der Rest des Körpers wirkte entspannt. Die bleiche Haut war von einem gleichmäßigen rosaroten Schimmer überzogen, lediglich im Bereich der Hüfte zeugten unschöne rote Flecken von Culbers festem Griff.

Als eine Zeitlang keine weitere Handlung erfolgte, hoben sich Stamets‘ Lider einen kleinen Spalt weit.

Culber lächelte ihn an und hoffte, dass seine Augen das übermitteln konnten, was er fühlte, ohne dass er etwas möglicherweise Dummes sagen musste.

„Danke“, flüsterte Stamets.

Er schüttelte innerlich den Schauder ab. „Sei nicht so nett, sonst bekomme ich es mit der Angst zu tun“, überspielte er seine eigentlichen Gefühle. Um sich und auch seinen Liebhaber von möglichen ungewünschten emotionalen Verwicklungen abzulenken, legte er seine Rechte wieder auf Stamets‘ Becken zurück. Er ließ die Finger tiefer gleiten, zwischen den Beinen hinunter. „Darf ich?“ Er konnte nicht verhindern, dass seine Stimme heißer klang.

Der blonde Mann betrachtete ihn einen Moment lang, dann nickte er. „Sei vorsichtig. Ich bin empfindlich.“

Er verstärkte das Streichen des Fingers. Sein Puls machte einen kleinen Hüpfer, als er merkte, dass Stamets die Schenkel weiter spreizte, um ihm besseren Zugang zu gewähren. Die Chancen, sich nicht in diesen Mann zu verlieben, wurden immer geringer. „Keine Sorge, ich bin vorbereitet gekommen.“ Er presste noch einmal seine Handfläche gegen die warme Haut, um dem anderen das Signal zu geben, genau so liegen zu bleiben, dann drehte er den Oberkörper und beugte sich über den Bettrand hinunter zu seinem Hemd. Aus der Tasche fischte er eine kleine Tube mit Gleitgel. „Denn ich gehe nicht davon aus, dass du auf Kongressen auf einen One-Night-Stand vorbereitet bist“, erklärte er, als er sich wieder aufgerichtet hatte.

„Überraschenderweise nicht“, murmelte der Wissenschaftler. Er hielt immer noch Blickkontakt, sein Höhepunkt hatte ihn merklich entspannt.

Culber selbst wendete die Augen nur einmal ab, um sicherzugehen, dass seine Finger an der richtigen Stelle waren, dann konzentrierte er sich ganz auf das Gesicht seines Liebhabers. Sobald die Kieferknochen zuckten, machte er langsamer. Nach einer Weile nahm er die Hand fort, strich Stamets‘ Oberschenkel entlang und legte die Finger in die Kniekehle. Diese Stellung war nicht die bequemste für den Wissenschaftler, aber er wollte dessen Gesicht beobachten können.

Langsam begann er damit, sein Becken nach vorne zu bringen. Stamets‘ Kiefer zuckte nur kurz, dann entspannte er sich wieder. Culber streckte die Beine aus und lehnte sich nach vorne. In dieser Haltung konnte er nicht tief eindringen, doch der vorhandene Reiz genügte vollkommen.

Stamets nahm den Unterarm von seiner Stirn, als Culber sich zu ihm vorbeugte. Die Finger legten sich in den Nacken des Mediziners, zogen ihn hinunter. Er schnappte überrascht nach Luft, bevor ihre Lippen sich trafen. Es war, als ob das letzte Eis geschmolzen war. Culber fühlte die andere Hand auf seinem verlängerten Rücken, den besitzergreifenden Druck, der ihn tiefer presste.

„Paul …“ Die Zunge eroberte seinen geöffneten Mund und nahm ihm die Möglichkeit jeder weiteren verbalen Äußerung. Es dauerte einen Moment, bis er sich auf die veränderte Situation eingestellt hatte, bis sein Herzschlag sich wieder beruhigt hatte, bis er es wagte, sich in langsamen Stößen zu bewegen ohne Gefahr zu laufen, sofort zum Höhepunkt zu kommen. Von den Armen des spröden Wissenschaftlers umfangen zu werden, löste erneut die Gefühle in ihm aus, die er sich nicht zu fühlen erlaubte. Seine Lippen versuchten durch Berührung das auszudrücken, was er nicht zu flüstern wagte. Stamets‘ Körper war so wunderbar nachgiebig unter ihm, so wunderbar responsiv. Er passte sich an seine Bewegungen an, erwiderte seine Zärtlichkeiten ohne die zurückhaltenden Barrieren, die den Wissenschaftler zuvor ausgezeichnet hatten. Culber war sich sicher, dass der Mann wieder seine distanzierte Haltung einnehmen würde, sobald sie ihr Liebesspiel beendet hatten. So versuchte er, diesen Moment so weit hinauszuzögern, wie es ihm nur irgend möglich war. Der Moment fühlte sich richtig an, ihre Körper so, als ob sie schon immer zueinander gehört hätten.

Leider konnte er den Punkt, an welchem die Bedürfnisse des Körpers diejenigen des Geistes überlagerten, nicht ewig hinauszögern. Als er es sich endlich erlaubte zu kommen, zitterten seine Muskeln bereits vor Anstrengung. Er spürte nur noch die Welle der Erleichterung über sich zusammenschwappen. Hinterher konnte er nicht sagen, ob er in diesem Moment aufgeschrien hatte, ob er Pauls Namen gerufen hatte – was er hoffte, dass es nicht der Fall gewesen war -,  ob er einfach nur wortlos auf dem hellen Körper zusammengesackt war. Erst einen Moment, nachdem er sich auf den Rücken gerollt hatte, klärte sich sein Bewusstsein wieder. Langsam streckte er die immer noch zitternden Beine aus, erst dann wandte er den Kopf zu Stamets. Der lag neben ihm auf der Seite, die Knie angezogen, die Lider halb geschlossen, die Mundwinkel in einem entspannten Lächeln. Culber legte eine Hand auf das Knie des Mannes. „Alles okay?“

„Ich hab einen Krampf …“

„Oh …“ Culber ignorierte seine eigene Trägheit und rollte sich auf die Seite. „Entschuldige …“ Er setzte sich auf und legte beide Hände auf die Hüftgelenke des anderen. Er stockte, als seine Finger Feuchtigkeit berührten, die über einen Schweißfilm hinausging. „Bist du nochmal …?“

„Mhm.“ Das Nicken war träge, doch das Lächeln der geschlossenen Lippen blieb.

Culber begann die Gelenke mit leichtem Druck zu massieren. „Entschuldigung …“, glaubte er ein weiteres Mal äußern zu müssen. „Ich war …“

Stamets‘ Hand fand sich auf seinem Handrücken wieder, eine sanfte Berührung, die von der Müdigkeit des Besitzers zeugte. „Alles okay, Hugh. Ich bewundere dein Stehvermögen, ehrlich.“ Er war eindeutig zu müde, um bissig zu sein.

„Nun … danke.“ Culber war vom Verlauf des Gesprächs irritiert, ein freundlicher Stamets war irgendwie … befremdlich. Mit einem letzten kräftigen Druck nahm er die Hände fort. „Versuch jetzt bitte, die Beine zu strecken … ja … gut so.“

Stamets seufzte erleichtert, als er sich dehnte. „Besser!“ Er lag jetzt auf dem Rücken, öffnete kurzzeitig die Augen, blinzelte gegen das Deckenlicht und schloss sie wieder. „Zur Dusche schaffe ich es nicht mehr. Das muss bis morgen warten.“ Seine Hand tastete nach der Bettdecke, um sich den Bauch notdürftig damit trockenzureiben.

Culber saß etwas unentschlossen neben ihm. Es war deutlich, dass der Wissenschaftler kurz vorm Einschlafen war – inmitten eines völlig zerwühlten, von Körpersekreten durchnässten Betts. Er nahm ihm die Decke ab und drehte sie so, dass die feuchte Seite nach unten zeigte. „Roll rüber.“ Auf mehrmaliges Anschubsen hin rollte sich Stamets murrend zur Bettkante. Culber breitete die Decke aus. „Jetzt wieder zurück.“ Dann griff er nach der zweiten Decke, die sich während ihres Liebesspiels zur anderen Kante hin verflüchtigt hatte, und zog sie über den bleichen Körper.

Als Stamets keine Anstalten zu einer weiteren Reaktion machte, deutete Culber mit dem Daumen über die Schulter in Richtung Türe. Eine Geste, die der andere aufgrund der geschlossenen Augen natürlich nicht sehen konnte. „Soll ich …? Soll ich jetzt gehen?“

„Hm…?“ Die Augen öffneten sich einen kleinen Spalt breit. „Wenn du nicht schnarchst, kannst du hier schlafen“, murmelte der Wissenschaftler.

„Ich …“ Culber fühlte sich überraschenderweise ein wenig gehemmt. „Wir müssten unter einer Decke schlafen, das wäre ein wenig intim …“

Die Augen öffneten sich für einen Moment vollständig. In den großen, runden Pupillen blitzte kurzzeitig der altbekannte Spott auf. „Sehr viel intimer als beim Sex geht es ja wohl nicht.“

Und das war der Punkt, in dem sich Paul Stamets irrte. Culber löschte das Licht, schlüpfte zu ihm unter die Decke, und als Reaktion auf die Nähe drehte sich der Wissenschaftler bereits im Halbschlaf zu ihm um und legte den Kopf an seine Schulter. Culber war hellwach. Diese kleine, gänzlich unbewusste Geste war so viel vertrauter als es jeder Austausch von Körperflüssigkeiten zur gegenseitigen Lustbefriedigung jemals sein konnte. Culber hob den Arm und legte ihn um die hellen Schultern. Er versicherte sich, dass Stamets‘ Atem bereits derjenige des ruhigen, gleichmäßig festen Schlafs war, und er ihn auf keinen Fall hören konnte. Dann senkte er seine Stirn in das blonde, noch schweißfeuchte Haar. „Ich liebe dich, Paul. Ich will verdammt sein, aber ich habe mich in dich verliebt. Ich will dich nicht verlieren.“ Er zog ihn mit beiden Armen noch etwas näher an seinen Körper und lag dann die halbe Nacht wach.

 

Als Hugh Culber aufwachte, war er alleine im Bett. Und nicht nur im Bett. Sein gehetzter Blick teilte ihm mit, dass sich außer seiner Kleidung, die nun ordentlich über einer Stuhllehne hing, nichts weiteres Persönliches im Hotelzimmer befand.

„Verdammter Mistkerl!“ Er sprang aus dem Bett. Er wollte in seine Hose steigen und auf den Korridor hinausstürmen, doch er hielt rechtzeitig inne. Er hatte keine Ahnung, wann Stamets abgereist war, und er gehörte dringend unter die Dusche. Mit einem Satz war an der internen Kommunikationseinheit und rief die Rezeption an. Dort erfuhr er zu seinem großen Frust, dass Stamets tatsächlich bereits vor über eine Stunde das Hotel verlassen hatte.

„Scheißkerl!“ Er schlug gegen die Wand der Duschkabine, während das Wasser all die Erinnerungen an letzte Nacht von ihm abspülte. Ein Teil von ihm wollte den Geruch des anderen Mannes an sich behalten, doch der vernünftigere Teil obsiegte.

Kurz darauf kehrte er ins Zimmer zurück und packte seine Kleidung. Als er sein Hemd vom Stuhlrücken nahm, segelte ein Stück Papier zu Boden. Er wollte es erst unbeachtet liegen lassen, da es sich ganz offensichtlich um ein abgerissenes Stück einer Serviette aus der Bar handelte. Doch dann sah er, dass darauf etwas geschrieben stand, was schwach auf der Rückseite durchschien. Er bückte sich, hob den Fetzen auf und drehte ihn um. In etwas krakeligen Großbuchstaben aufgrund des rauen Untergrunds prangte ihm das einfache Wort „Danke“ entgegen. Widersprüchliche Gefühle versuchten sich in ihm an die Oberfläche zu kämpfen. Der verletzte Stolz rief ihm zu, dass das eine billige Abspeisung war, nicht besser als die Bezahlung für einen Professionellen. Doch seine romantische Seite veranlasste die Finger dazu, sich behutsam um das Stück Serviette zu legen und es in der Hemdtasche zu verstauen, direkt über seinem laut pochenden Herzen.

 

„Ich habe die Nacht auf Zimmer 146 verbracht“, erklärte Culber der jungen Frau an der Hotelrezeption, „mit Dr. Paul Stamets. Ich brauche unbedingt seine Privatadresse.“

Die Angestellte lächelte ihm freundlich, jedoch resolut entgegen. „Ja, Dr. Stamets hat angewiesen, dass wir Sie ausschlafen lassen sollen.“ Das Lächeln wankte nicht. „Aber wenn er Ihnen nicht seine Adresse gegeben hat, dann kann ich das ganz bestimmt nicht machen. Wir geben keine privaten Daten unserer Gäste heraus. Ich bin sicher, das verstehen Sie.“

„Es ist wichtiger, dass SIE verstehen.“ Seine Finger trommelten auf dem Tresen. Er versuchte es seinerseits mit Lächeln. Er wusste, dass er mit seiner positiven Ausstrahlung normalerweise sehr weit kam. Er hoffte nur, dass ihm die Nervosität keinen Strich durch die Rechnung machte. „Hören Sie, er hat die Nacht seines Lebens mit mir verbracht. Und nur, weil er so ein verdammter Sturkopf ist, hat er sich aus dem Staub gemacht, bevor wir reden konnten.“

Das knappe Nicken bei der Erwähnung von „Sturkopf“ entging ihm nicht. Zwar hatte die Dame sofort wieder ihr professionelles Lächeln aufgesetzt, doch sie war offensichtlich ebenfalls bereits mit der falschen Seite von Stamets‘ 'Höflichkeit' zusammengetroffen. Sie nickte verständnisvoll, machte jedoch keine weiteren Anstalten, Culbers Bitte nachzugehen.

Er seufzte. Zwar gab es sicherlich andere Möglichkeiten, den Wohnort des Wissenschaftlers herauszufinden, aber diese hier war die einfachste und schnellste. „Ich habe mich heute Nacht verliebt … ja, Sie schauen ungläubig. Paul ist ein Eisklotz, aber darunter lodert ein Feuer, das ganz wunderbar ist.“ Er beugte sich weiter vor, bis sich sein Gesicht dicht vor demjenigen der jungen Frau befand. Ihre Augen blitzten amüsiert auf.  "Sie wollen mich doch nicht ins Unglück stürzen, oder? Ich muss ihn wiedersehen - und er muss ganz sicher auch mich wiedersehen. Das ist besser für sein Seelenheil."

"Hören Sie ..." Die junge Dame hatte merklich damit zu kämpfen, ihre professionell neutrale Miene zu halten. Ihre Mundwinkel wollten sich von einem einstudierten zu einem ehrlichen Lächeln verwandeln. Culber hoffte, dass sie es zu ließ. Er zog einen leichten Schmollmund, um seinen Welpenblick noch zu unterstreichen. "Ich darf keine Daten weitergeben." Sie berührte demonstrativ eine Taste ihres Terminals und warf dem Monitor ebenfalls einen demonstrativen Blick zu. "Ich muss mich jetzt für ein paar Minuten im Büro um die Anmeldungen für heute Nachmittag kümmern. Wenn ich zurückkomme, möchte ich gerne, dass Sie sich auf Weg nach Hause befinden." Sie schob den Stuhl zurück und nickte ihm zu.

Culber schenkte ihr ein strahlendes Lächeln. Er rief ihrem davoneilenden Rücken ein leises "Ich liebe Sie!" zu, passte einen Moment ab, in welchem niemand in der Lobby der Rezeption seine Aufmerksamkeit schenkte, und setzte dann mit einem Sprung über das Desk hinweg. Auf dem Monitor prangte Paul Stamets' Privatadresse inklusive des Codes für Subraumkommunikation. Er nahm seinen persönlichen Kommunikator hervor, tippte die Daten ein, und schloss dann die Datei.

So leicht würde er den Griesgram nicht davonkommen lassen. Jetzt fand er sich nur noch vor die gewaltige Aufgabe gestellt, den Eisprinz davon zu überzeugen, dass der ihn brauchte.

 

 

 

 

 

 

 

 



Bitte gib den unten angezeigten Sicherheitscode ein: