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Das Blühen der Zweige von Amber

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„Ich gehe los zur Arbeit, genieß deinen freien Tag, mein Liebling.“ Julian nahm Elims geraunte Worte am Rande wahr, lächelte unbewusst, als er den zarten Kuss empfing und kuschelte sich tiefer ins Kopfkissen. Als kurz darauf der Türsummer hartnäckig um Aufmerksamkeit bat, rollte Julian aus dem Bett, rieb sich gähnend über die Stirn und grabschte nach der Decke, die er sich beim Gehen überwarf. Elim schien etwas vergessen zu haben, aber warum kam er nicht einfach herein? Verschlafen öffnete Julian die Tür und nuschelte: „Warum klingelst du denn, Hase?“

„Weil ich den Zugangscode nicht kenne, Tiger.“

Julian hob den Blick und erwiderte Jadzias Grinsen mit einem irritierten Lächeln. „Was machst du denn hier?“

„Ich war eben bei deinem Liebsten im Laden und der verriet mir, dass du frei hast“, erklärte die Trill und hielt ihrem Freund einen kleinen Karton unter die Nase. „Da dachte ich mir, du hattest ein paar wirklich miese Tage, also besorge ich uns kleine betazoidische Küchlein und komme zum Frühstück.“

„Äh … klar, komm rein.“ Julian rieb sich erneut gähnend die Stirn. Wenn Elim schon im Laden war … dann war er wohl tatsächlich nochmal eingeschlafen. Als Julian Jadzias grinsenden Blick auf sich spürte, schaute er an sich herab, verzog kurz das Gesicht und wies zum Bad. „Ich geh mir mal eben was anziehen ...“

„Ach, ich mag, was du trägst – oder auch nicht trägst“, neckte Jadzia gutmütig.

Kopfschüttelnd und mit einem leisen Lachen ging der Arzt ins Badezimmer, um sich kurz frisch zu machen. Was hätte er vor einigen Jahren noch darum gegeben, sich in so einer Situation mit der hübschen Trill wiederzufinden. Und jetzt? Selig lächelnd trocknete er sich das Gesicht ab und wechselte ins Schlafzimmer, wo er sich eine bequeme Trainingshose anzog und nach einem Shirt suchte. Jetzt war sie neben Miles seine beste Freundin, verlobt und er selbst bis über beide Ohren verliebt in Elim. Er wünschte es sich nicht anders, nicht einen einzigen Augenblick lang.

„Awwwww!“, tönt es in diesem Moment verzückt aus dem Wohnzimmer. Awww? Julian hatte keinen blassen Schimmer, was Jadzia dazu verleitet hatte, also schnappte er sich ein Shirt und schlüpfte rasch hinein, als er ins Wohnzimmer zurückkehrte. Dort fand er seine Freundin am Replikator stehen, einen kleinen Zettel in der Hand und ihm schoss verlegene Röte ins Gesicht, als ihn eine Ahnung beschlich.

„Mein liebster Traumstern“, las Jadzia lächelnd vor. „Gerade jetzt denke ich an dich und wünsche dir einen schönen Vormittag. Ich freue mich auf dich, Elim.“ Die Trill ließ den Zettel sinken und presste ihn sich an die Brust. „Oh, Julian, wie süß!“

„Jaaaa ...“, meinte dieser gedehnt und griff nach Elims Botschaft. Ein zärtliches Lächeln umspielte seine Lippen, als er die Worte noch einmal las.

„Er hat dir einen Liebesbrief geschrieben! Macht er das oft?“

„Hmmm ...“ Julian strahlte still vor sich hin, nickte unbestimmt und hob dann plötzlich grinsend den Blick. „Komm mal mit! Und vergiss den Kuchen nicht!“ Er orderte zwei große Raktajino aus dem Replikator und hüpfte dann gut gelaunt ins Schlafzimmer. Neugierig folgte die Trill ihm und ließ sich dann neben Julian, der eine kleine Box unter dem Bett hervor zog, auf dem Boden nieder. Sie stellte ihre Tassen neben sich ab und sah ihren Freund erwartungsvoll mit blitzenden Augen an.

Zärtlich strich Julian über den Deckel der Box, öffnete diese dann und schob sie mit einem halb verlegenen, halb stolzen Lächeln zu Jadzia. Diese beugte sich sogleich darüber, hob entzückt eine Augenbraue und erwiderte dann Julians Strahlen. „Oh nein, sind die alle von ihm?“ Sie wartete Julians Nicken gar nicht ab und zog den untersten Zettel heraus. „Mein liebster Doktor“, las sie fast schon andächtig. „Wenn du dich anlehnen willst … ich bin da, jederzeit. - Oh, Julian, war das der erste?“

„Ja“, lächelnd erinnerte sich Julian an den Moment, als er den Zettel fand und eine wohlige Wärme breitete sich in ihm aus. „Wir waren damals mit Miles zu dieser Erkundungsmission in den Gammaquadranten aufgebrochen, erinnerst du dich? Du hast uns bei Rage abgezogen. An den Abenden davor hatte Elim mir aus 'Die weiße und schwarze Blüte der Pflicht' vorgelesen… Jaaa … und diesen Zettel fand ich dann in meinem Gepäck, er lag bei dem Buch und es war die Stelle markiert, an der Elim und ich zuletzt waren ....“

„Awww ...“

„Hmmmmh ...“

Still saßen sie beisammen mit dem Rücken ans Bett gelehnt, aßen die süßen Küchlein und Jadzia las mit einem sanften Lächeln die kleinen zärtlichen Briefchen, warf hin und wieder Julian ein Zwinkern oder Lächeln zu und seufzte leise. „Ich hatte nicht gedacht, dass Garak so romantisch ist.“

„Doch, schon.“ Das noch immer andauernde Lächeln auf Julians Gesicht ließ seine Wangen glücklich glühen und die Augen verliebt leuchten. „Worf kann ich mir übrigens auch nicht unbedingt romantisch vorstellen.“

Jadzia gluckste. „Nein, das Romantischste, was er in letzter Zeit zustande gebracht hat, war vermutlich, dass er mir morgens frisches Gagh ans Bett brachte.“ Lachend schüttelte sie den Kopf und sah trotzdem sehr glücklich aus. „Er hat andere Qualitäten.“ Sie zwinkerte anzüglich und Julian stimmte in ihr Lachen ein: „Erinnere mich nicht daran, wie oft ich dich zusammenflicken muss! Wobei … entweder behandelt ihr euch jetzt selbst - oder habt euch ausgetobt und verbringt die Abende geruhsam mit Tongo?“
„Weder noch!“, entgegnete Jadzia grinsend. „Wir haben inzwischen einfach ausreichend Übung darin und können gewisse Risiken minimieren.“

Der junge Arzt schüttelte den Kopf, grinste aber. Klingonische Liebespraxen waren ihm vollkommen unverständlich.

„Übrigens, Julian … Was ich dich schon lange mal fragen wollte ...“

Oha. Auf belustigte Weise alarmiert runzelte Julian neugierig die Stirn. „Ja?“

„Wie ist Garak eigentlich als Mann? Ich war noch nie mit einem Cardassianer intim, werde es wohl auch nicht mehr in diesem Leben und mich interessiert es brennend.“

„Äh“, begann Julian und spürte, wie ihm erneut die Verlegenheitsröte in die Wangen schoss. Eigentlich hätte er ja mit so einer Frage rechnen sollen … „Hm, ich … kann da jetzt nicht so wirklich Vergleiche ziehen ...“, stammelte er. „Ich meine … Vor Elim … also ...“ Oh man!

„Ah!“ Jadzia Grinsen wurde verständnisvoller. „Du warst vor Garak nie mit einem Mann zusammen?“

Julian brummelte eine Bestätigung und versteckte sich kurz hinter seiner Tasse. So sehr er Jadzia auch als Freundin liebte, manchmal war sie eine Herausforderung.

„Okay, dann eine andere Frage. W- ...“

„Hey“, unterbrach Julian sie lachend und stieß ihr mit dem Ellbogen in die Seite. „Ich brauch noch einen Raktajino – du auch?“

Zusammen gingen sie wieder ins Wohnzimmer. „Kal-Jinn hat mir übrigens geschrieben“, berichtete Jadzia. „Er hat jetzt für uns ein Resort auf Risa gebucht und mir Bilder und Informationen dazu geschickt. Willst du mal sehen? Ich hab dir die Nachricht weitergeleitet.“

„Auf jeden Fall!“ Julian setzte sich an seine Computerkonsole, fand Jadzias Nachricht und öffnete sie. „Wow!“, entfuhr es ihm begeistert, als er das erste Bild sah: Eine aus der Vogelperspektive gemachte Aufnahme der Anlage zeigte diese am Fuß einiger Steilklippen. Das Hauptgebäude samt großer Poolanlage befand sich am Anfang des Geländes. Und von dort zogen sich viele verschlungene Pfade durch idyllisch angeordnete Gruppen von Pinien und Palmen zu kleinen freistehenden Hütten.

„Alle Hütten haben eine Terrasse mit Meerblick“, informierte ihn Jadzia. „Und man braucht nur rund 10 Minuten zu Fuß, bis man am Pool oder Hauptgebäude ist.“

„Das ist ja super! Zum Strand ist es auch nicht weit“, vermutete Julian fröhlich und zeigte auf einen Weg, der vom Gelände zu einem langen Sandstrand führte.

„Kal-Jinn meinte, man kann den zum Resort gehörenden Strand nutzen. Ansonsten findet man, wenn man hier entlang geht“, sie deutete mit dem Finger auf die entsprechende Stelle, „einige versteckte einsame Buchten.“

Die beiden tauschten ein Grinsen aus. Julian scrollte weiter durch die Bilder. Die Poolanlage bestand aus drei Pools in verschiedener Größe, die durch Kanäle miteinander verbunden waren. Und Whirlpools gab es in einigen Separees. Das Hauptgebäude bot ein Restaurant mit Buffet, dann gab es dort noch diverse Angebote wie Sauna, Massagen, Fitnesscenter, Kosmetik, Friseur und so weiter. .

„Jetzt kommen die Bilder der Hütten!“, freute sich die Trill. „Kal-Jinn hat die beiden hier hinten für uns reserviert.“

„Oh, die gefallen mir“, begeistert schaute sich Julian die Innenaufnahmen der Unterkünfte an. Innen war alles in hellen Farben gehalten und mit Bast, Schwemmholz und Topfpflanzen dekoriert. Außer einem Bad mit Wanne und Dusche gab es nur einen großen Raum, in dem sich hinter einem Vorhang ein großes Doppelbett befand, und zur Terrasse ausgerichtet war eine gemütliche Sitzgruppe. „Hey, wir müssen uns nicht mal bis zum Hauptgebäude bewegen“, gluckste der Arzt. „Hier steht, alle Unterkünfte sind mit einem Replikator ausgestattet, der auf dem kulinarisch neusten Stand ist.“

Die beiden stöberten noch eine Weile durch die Touristeninformationen und plauderten, bis sich Jadzia am frühen Nachmittag verabschiedete. Julian übertrug die Fotos auf ein Padd, er wollte zu Elim, um ihn zu einer Teepause zu überreden und ihm die Bilder zu zeigen.


***


Die nächsten Tage verliefen auf der Station ungewohnt ruhig, selbst Julian hatte nicht viel zu tun, nachdem er die Akte über die Ensa endlich geschlossen hatte. Und so widmete er sich seiner Idee zur Gründer-Enttarnung. Odo hatte er noch nicht damit behelligt, sondern stattdessen begonnen, alle ihm zugänglichen Daten über die Gründer und Odos medizinische Akte zu lesen. Und das war einiges an wirklich interessantem Material. An diesem Abend war Elim mit Kira zum Training verabredet und Miles hatte ihm abgesagt, da er ja am nächsten Tag in aller Frühe mit Keiko nach Bajor fliegen wollte. Also machte Julian es sich zuhause auf dem Sofa bequem und arbeitete von dort aus.

Als Elim heimkam, fand er seinen Partner mit dem Padd auf der Brust dösend vor. Lächelnd ging er zu ihm, legte das Padd auf den Tisch und hauchte Julian einen Kuss auf die Lippen. Ein wohliges Schnurren antwortete ihm und er spürte Julians warme Hände unter sein Hemd krabbeln. „War dein Abend schön?“, fragte Julian leise und fuhr mit seiner Nase über Elims Wange.

„Ja, sehr. Allerdings auch anstrengend. Nerys ist unglaublich zäh und stark für eine Person ihrer Statur. Ich werde mich morgen wohl nur sehr gemächlich bewegen können.“

„Oh, hat dich unser Major verprügelt?“, neckte der Jüngere grinsend.

„So würde ich das nicht sagen …“

„Armer Liebling. Ego geknickt, Muskeln strapaziert …“

„Spotte nur, du wenn auch sehr entzückender doch nerviger Plagegeist .“ Elim biss ihm spielerisch in die Nase.

Julian giggelte und fuhr mit seinen Fingerspitzen seitlich an Elims Wirbelsäule entlang. „Komm, leg dich hin, du hast dir eine Massage verdient.“

„Wie überaus zuvorkommend.“ Gerade wollte Elim sich sein Hemd ausziehen, da erklang der Ton einer eingehenden Videonachricht. Die beiden tauschten einen überraschten Blick, dann ging der Schneider jedoch zur Komanlage. Und seine Stirnwülste wanderten verwundert nach oben, als er den Anrufer identifizierte.

„Oh, welch angenehme Überraschung, guten Abend!“, grüßte er lächelnd. Neugierig spitzte sein Liebster die Ohren, verzog aber gleich darauf das Gesicht, als eine wohlbekannte Stimme aus dem Lautsprecher klang.

“Guten Abend, Elim, mein Junge“, erwiderte Amsha Bashir den Gruß. “Du siehst gut aus!“

„Vielen Dank, meine liebe Amsha“, deutete Elim eine Verbeugung an und seine Augen blitzten vergnügt auf. „Ich spiegle lediglich dein strahlendes Antlitz wieder!“

Julian rollte die Augen und ließ sich rücklings auf das Sofa fallen. Seine Mutter lachte glockenhell auf. “Du Schmeichler! Ich ahne schon, wie du dir meinen Sohn geangelt hast. Sag, ist Jules - Julian - zu sprechen?“

Ruckartig setzte sich eben jener wieder auf und wedelte hektisch verneinend mit den Händen.

„Bedaure“, entgegnete Elim entschuldigend und hob seine Hände. „Unser lieber Doktor ist gerade einem Notruf gefolgt. Aber sei beruhigt, nichts Gravierendes.“

“Oh, schade. Richtest du ihm aus, dass ich angerufen habe? Und dass er sich bitte melden soll?“

„Aber selbstverständlich.“

“Dann genieß noch einen ruhigen Abend, mein Lieber.“

„Vielen Dank. Und bestelle deinem Gatten Grüße. Auf Wiedersehen, Amsha.“ Er trennte die Verbindung und sah Julian tadelnd an. „Warum willst du nicht mit deiner Mutter sprechen? Ich kann mich nicht daran erinnern, dass sie dich schon einmal angerufen hat, seit wir zusammenwohnen.“

„Korrekt“, bestätigte Julian und seufzte genervt. „Vermutlich will sie mir nur irgendwas erzählen, was mein Vater aktuell Tolles macht oder – schlimmer – einen Besuch ankündigen, nachdem wir ihren Einladungen noch nicht gefolgt sind ...“

„Rufst du sie morgen zurück?“

„Hmmhnnnghmmm … Willst du nicht? Ihr versteht euch doch prächtig ...“

Nun war es an Elim, zu seufzen. Er erhob sich, ging zu Julian und zog ihn an sich heran. „Julian, ruf sie an. Wenn sie wirklich einen Besuch planen, verweise auf die heikle Situation mit dem Dominion und dass es zu gefährlich ist. Und stimme unverbindlich zu, dass wir sie bei Gelegenheit besuchen.“ Die mit Sicherheit kommenden Widerworte unterband er mit einem entschiedenen Kuss. „Und jetzt …?“

„ … bekommst du endlich deine Massage?“ Julian lächelte ihn zärtlich an und zog ihn mit sich ins Schlafzimmer. „Mach es dir schon mal bequem, ich hole noch Massageöl.“ Kurz darauf erfüllte der holzige, warme Duft von Sandelholz die Luft. „Und jetzt, entspann dich, Hase, und lass dich von des Doktors fähigen Fingern verwöhnen!“

„Solange sie nicht so kalt sind wie sonst ...“ Elim gluckste leise, als er daraufhin hörte, wie Julian in seine Handflächen blies und sie aneinander rieb.


***

Eng aneinandergekuschelt lagen sie nach der Massage im Bett. Julian hatte sich mit dem Kopf an Elims Brust geschmiegt und fuhr mit den Fingern sanft dessen schuppige Haut entlang. Wohlig seufzend sank der Cardassianer tiefer in die Matratze, streichelte schläfrig das Haar seines Doktors und schaute blinzelnd ins Halbdunkle über ihm.

„Ich bin sehr glücklich mit dir, Elim“, vernahm er Julians Wispern und lächelte. Zur Antwort zog er seinen Liebsten enger an sich. „Ich freue mich auf Risa“, flüsterte er nach einigen Augenblicken. „Da habe ich dich endlich wieder für längere Zeit nur für mich.“

Julian gluckste. „Oh, und ich kann dir endlich mal wieder alles erzählen, worüber ich mir so den lieben langen Tag Gedanken mache ...“

Lachend ging Elim auf das Necken ein. „Bewahre! Mir wird schon das eine oder andere Argument einfallen, um dich zum Schweigen zu bringen!“

„Zum Beispiel …?“, Julian richtete sich ein wenig auf, stütze sich auf seinen Unterarm ab und funkelte seinen Partner vergnügt an.

„Zum Beispiel ...“ Zärtlich legte Elim Julian eine Hand in den Nacken, zog ihn zu einem Kuss zu sich hinab - und der Türsummer meldete sich!

„Das zweite Argument finde ich doof“, seufzte Julian und erhob sich. Wenn so spät jemand sein Quartier aufsuchte, musste es sich um einen Notfall handeln. Rasch schlüpfte er in seine Trainingshose und eilte zur Tür. Kaum hatte er diese geöffnet, stürzte ein völlig zerzauster und hektischer Miles herein.

„Jules, es tut mir leid, aber ich brauch ganz dringend deine Hilfe!“

„Was ist passiert? Molly? Ich hol meine Tasche ...“ Julian wollte sich gerade umdrehen, da packte Miles ihn an der Schulter.

„Nein, nicht so ein Notfall! Aber trotzdem, Keiko ist total von der Rolle, wir wissen nicht, was wir machen sollen und -“

„ … du setzt dich jetzt und erzählst in Ruhe“, entschied Julian und bugsierte seinen Freund aufs Sofa. Aus den Augenwinkeln nahm er Elims Gestalt im Türrahmen wahr. Er drehte sich zu ihm und formte lautlos „Tee“ mit seinen Lippen. Elim nickte und ging zum Replikator. Inzwischen hatte sich Miles hingesetzt und den Kopf auf seine Hände gestützt.

„Also, Miles, was ist los?“ Behutsam legte Julian ihm eine Hand auf die Schulter und schenkte seinem Partner ein dankbares Nicken, als dieser den Tee brachte und fragend auf den Platz zu Miles' anderer Seite deutete. Elim setzte sich und hielt dem Chief eine Tasse Tee hin, aus der ein leichter, scharfer Duft nach Alkohol aufstieg. „Hier, das beruhigt Geist und Nerven.“

Seufzend richtete Miles sich auf, nahm die Tasse entgegen und trank einen kleinen Schluck. Ein kurzes Grinsen huschte über seine Lippen und er hob anerkennend die Augenbraue. Dann blickte er von Elim zu Julian und räusperte sich, als er deren verwuscheltes Haar bemerkte. Dass Julian nur eine Hose trug und Elim einen samtenen Bademantel, bestätigte seine Annahme und sein Gesicht verzog sich schuldbewusst. „Ich hab euch geweckt?“

„Nö“, winkte Julian grinsend ab. „Aber ist nicht schlimm, jetzt erzähl schon.“

„Okay … Also, morgen Früh wollte ich Keiko doch nach Bajor begleiten. Und jetzt hat vor zehn Minuten Mollys Babysitterin abgesagt! Weil sie“, er schnaubte genervt, „sich ganz plötzlich emotional nicht in der Lage fühlt, ein Kind zu betreuen, da ihr Freund sich von ihr getrennt hat. So ein Schwachsinn ...“ Der Ingenieur fügte noch einen halblauten Fluch hinzu, bei dem Elims Stirnwülste in die Höhe schossen und Julian grinsend zur Seite blickte, und nahm noch einen tiefen Schluck Tee. „Jedenfalls haben wir keine Ahnung, wen wir so spontan und mitten in der Nacht noch fragen könnten, da Jake gerade nicht auf der Station ist und … na ja …“

„Miles“, unterbrach Elim ihn. „Selbstverständlich passen wir auf Molly auf.“

„Ehrlich?“, kam es unisono von Miles und Julian. Der Cardassianer zwinkerte seinem Partner fröhlich zu und wandte sich dann wieder an Miles: „Aber sicher, mit dem größten Vergnügen.“

„Elim …“, meldete sich Julian bedauernd zur Wort. „Ich kann morgen nicht freimachen. Bis Mittag hab ich durchweg zu tun und nachmittags sieht es ähnlich aus.“

„Aber ich kann Molly mit in den Laden nehmen“, meinte der Schneider gut gelaunt.

„Hmmm … und wir könnten auf jeden Fall zusammen Mittag essen“, stimmte Julian nachdenklich nickend zu. „Und abends sind wir ja auch zusammen.“

„Natürlich nur, wenn es dir recht ist, Miles?“, wandte sich Elim ihrem gemeinsamen Freund zu, auf dessen Gesicht sich ein erleichtertes Lächeln ausbreitete.

„Molly wird ausflippen, wenn ich ihr sage, dass sie den ganzen Tag mit ihren Lieblingsonkeln verbringen darf“, seufzte der Chief und es klang, als fiele ein sehr großer Stein von seinem Herzen. „Und das geht klar für euch?“

„Selbstverständlich“, nickte Elim zuversichtlich, während Julian sich um ein ebenso optimistisches Lächeln bemühte. Dass Elim mit Molly zurecht kam, daran zweifelte er keine Sekunde. Nur er selbst wusste nicht unbedingt, wie er mit Kindern umgehen sollte, die nicht als Patienten bei ihm waren. Aber er verließ sich auf seinen Partner; wenn Elim meinte, es wäre kein Problem, würde es schon klappen. Hoffentlich.

„Danke, Jungs.“ Miles klopfte beiden mit der Hand auf den Oberschenkel, trank seinen Tee aus und erhob sich. „Ich sag Keiko gleich Bescheid. Wir bringen Molly dann um 0630 zu euch, okay?“

„Klar“, nickte Julian. „Wann kommt ihr zurück?“

Miles zuckte mit den Schultern. „Ist noch unsicher, je nachdem, wie das Bewerbungsgespräch läuft und ob Keiko eventuell schon Probearbeiten soll. Kann sein, dass ihr Molly noch ins Bett bringen müsst … okay?“

„Das schaffen wir schon“, beruhigte ihn Elim. „Macht euch keine Sorgen und hetzt euch nicht.“

„Okay. Und nochmal: Danke, ihr beiden!“

Kaum war Miles gegangen, lehnte sich Julian seufzend zurück. „Elim … du bist dir sicher, dass wir das schaffen?“

Der Cardassianer schmunzelte und legte seinen Arm um Julian. „Vertrau mir, ich hab schon deutlich herausforderndere Aufträge übernommen. Eine entzückende junge Dame einen Tag lang zu behüten erscheint mir als durchaus machbar.“

„Ooookay ...“


***


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