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Das Blühen der Zweige von Amber

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Wie durch eine weiche Wolke brach der nächste Morgen für Julian an. Er fühlte noch die süße Schwere des Schlafes, aus der heraus Garaks Fingerspitzen auf seinem Gesicht ihn zärtlich liebkosten. Er lächelte, als er Garaks warmen Atem an seinem Hals spürte und suchte mit seiner Hand nach Garaks. Zärtlich trippelte er mit den Fingern über die Handfläche, den Unterarm und wieder zur Hand zurück.
Es war ein stilles, sanftes Aufwachen, das die beiden in seiner ganzen Süße auskosteten. Der Cardassianer war es wie meistens, der sich zuerst erhob. Er küsste seinen Liebsten auf die Stirn, zwinkerte ihm zu und warf sich seinen Morgenmantel über.
Als Julian kurz darauf den Wohnbereich betrat, blieb er überrascht stehen. „Candle-Light-Frühstück? Hab ich was verpasst?“

Vergnügt legte Garak einen Arm um Julians Taille und führte ihn zum Tisch, auf dem eine weiße Kerze brannte und eine Schale Erdbeeren neben einem Teller mit Erdbeer-Buttercreme-Muffins auf sie warteten.

„Nein, mein Liebster.“

„Hm.“ Julian ließ sich auf das Sofa sinken und musterte seinen Partner skeptisch. „Kein Jahrestag? Oder ein anderes Jubiläum?“

„Nein.“ Dem Schneider stand das Vergnügen geradezu ins Gesicht geschrieben und Julian zog scharf nachdenkend die Stirn kraus.

„Oookay … also, ich an deiner Stelle hätte vermutlich etwas zu beichten oder müsste mich für irgendwas entschuldigen … Beide Optionen kommen bei dir nicht in Frage, da bin ich überzeugt.“ Als Garaks schelmisches Grinsen zu einem Glucksen wurde, hob Julian ratlos die Hände. „Ich geb auf, zu früh zum Denken.“

„Trink erstmal einen Raktajino, du kommst sicherlich ...-“

„Elim!“, unterbrach ihn Julian in einer Mischung aus Verzweiflung und Neugier. „Nun rück schon raus damit!“

Lachend zog Garak ihn an sich und küsste ihn auf die Stirn. „Ungeduld, dein Name ist Julian!“ Julians aufkeimenden Protest unterdrückte er mit einem zärtlichen Kuss. „Mein liebster Doktor, der einzige Anlass ist, dass ich dich über alles liebe und dir einen schönen ersten Morgen im neuen Zuhause bereiten wollte.“

„Aaaaaaaw“, fiel dem Arzt lediglich dazu ein und er schmiegte sich eng an seinen Partner. „Ich wusste gar nicht, was für ein Romantiker in dir steckt.“

„Du bringst meine geheimsten und besten Seiten hervor.“

„Nun hör aber auf, Liebling“, gluckste Julian verlegen. „Ich weiß schon gar nicht mehr, was ich sagen soll ...“

„Mission erfolgreich“, neckte der Schneider und krabbelte Julians Rücken.


***


Den ganzen Tag verbrachte der Mediziner gefühlt auf einer Wolke schwebend und als er abends nach einem trotzdem sehr anstrengenden Tag endlich nach Hause kam, erwartete Garak ihn in ebensolcher Stimmung. Ohne es auszusprechen wussten sie, dass der Andere genauso empfand: Zuhause. Sie lebten zwar seit fast zwei Jahren mehr oder weniger zusammen und die Nächte, die sie getrennt voneinander hatten verbringen müssen, konnte man doch als sehr überschaubar bezeichnen. Aber das hier war anders. Näher, wärmer.

„Wie geht’s dem Baby?“, erkundigte sich Julian mit einem Grinsen und trat zur Anrichte. „Der lässt doch nicht die Blätter hängen, oder?“ Vorsichtig tupfte er auf die Blumenerde. „Und nicht zu trocken? Braucht der überhaupt viel Wasser? Und was ist mit Düngen?“

Schmunzelnd ob der Fürsorge gesellte sich Garak zu ihm und unterzog den Fächerahorn demonstrativ einer sehr gründlichen Musterung. „Alles in bester Ordnung, Doktor. Keiko hat uns einen erstklassigen Sprössling gegeben. Und nun schau ihn nicht so kummervoll an, sonst verliert er vor lauter Tristesse noch die Blätter.“

„Oh. Okay.“ Geschwind wandte der Arzt sich um und schob Garak vor sich her zum Sofa. „Wie war denn dein Tag?“

Der Schneider hatte gerade damit begonnen, ihm von seinem ereignislosen, wenn nicht sogar schon langweiligen Tag zu erzählen, als der Kommunikator sich piepend meldete und nach einem kurzen Knacken eine hektische Männerstimme erklang: “Dr. Bashir, dringend zu Andockrampe 2! Medizinischer Notfall! Bitte, Dr. Bashir, dringend zur Andockrampe 2!“

„Bashir hier, bin unterwegs!“ Eilig sprang er auf, küsste Garak flüchtig auf die Wange und griff nach seiner Notfalltasche.

„Viel Glück!“, rief Garak ihm zu und Julian drehte sich in der Tür nochmal herum. Ein durch die Erfahrungen der letzten Monate besorgtes Lächeln lag auf seinen Lippen. „Danke. Warte nicht auf mich, kann spät werden.“


***


Und es wurde spät. Zu spät, wie Julian mit einem resignierten Kopfschütteln korrigierte, als er weit nach Mitternacht ihr Quartier betrat. Garak hatte eine kleine Salzkristalllampe für ihn brennen lassen, wie er am Rande mit einem erschöpften Lächeln registrierte. Leise ging er ins Badezimmer, zog sich aus und warf seine Kleidung in den Wäscheaufbereiter. Dann stellte er sich unter die Dusche. Obwohl er schon auf der Krankenstation die Schalldusche genutzt hatte, brauchte er das Gefühl heißen Wassers und Seife, um den nicht wirklich vorhandenen Geruch von Blut, Tod und Versagen abzuwaschen. Müde lehnte er die Stirn an die Duschkabinenwand.
Es war so unnötig gewesen. So grausam und ungerecht. Und er wusste, es war töricht, sich darüber, über das Warum, Gedanken zu machen und die Gefühle zuzulassen. Aber das Bild des fast gänzlich zerschossenen Shuttles und dessen Besatzung ließ sich noch nicht verdrängen. Von der sechsköpfigen Crew hatte er vier Personen verloren. Fünf, wenn man es genau nahm. Die junge Betazoidin an Bord war im mittleren Trimester schwanger gewesen.
Julian atmete tief durch, drehte das Wasser ab und nachdem er sich abgetrocknet hatte, kroch er zu Elim unter die Decke und kuschelte sich fest an dessen Rücken, sog tief den warmen, lebendigen und beruhigenden Duft des Cardassianers ein. Dieser rührte sich leicht, fasste hinter sich, um Julians Bein zu streicheln. Julian presste sich enger an ihn und vergrub sein Gesicht an Garaks Rücken. Besorgt drehte sich Garak um.

„War es sehr schlimm?“

„Geht schon“, brummte Julian leise und beide wussten, dass das eine faustdicke Lüge war. Behutsam schloss Garak seinen Liebsten in eine sichere Umarmung und strich ihm tröstend über den Kopf. Er kannte Julian gut genug, um die Situation richtig einzuschätzen.

„Möchtest du reden?“

Der Jüngere schüttelte still den Kopf und umschlang ihn mit den Beinen, die Hände trostsuchend an Garaks Schultern geklammert. Verstehend nickte der Schneider, hauchte einen leichten Kuss auf Julians Kopf und malte beruhigende Muster mit den Fingern auf dessen Rücken, so dass der Arzt nach wenigen Minuten tatsächlich in den Schlaf fand.

***


Die nächsten Tage verliefen glücklicherweise ruhiger. Ein Eindruck, den Garak oft hatte, wenn ein schlimmes Ereignis wie etwa das des letzten Shuttleangriffs eingetreten war. Wie die Ruhe nach einem schweren Unwetter. Und noch einige Tage später schien der Spuk vergessen oder zumindest weit verdrängt. Sein Doktor hatte noch ein, zwei Tage an dem nächtlichen Vorfall geknabbert, schien aber inzwischen darüber hinweg; sofern das nun mal möglich war.

Mit einem liebevollen Schmunzeln beobachtete der Schneider, wie Julian jeden Abend erst ihn begrüßte und dann zum Fächerahorn ging, um sich kurz darauf glücklich lächelnd abzuwenden. Garak selbst hatte die Pflege des Bonsais übernommen und er spürte, wie ihm die Arbeit mit Pflanzen tatsächlich doch gefehlt hatte. Nachdenklich blickte er den Fächerahorn an und ließ dann seinen Blick durch den Raum schweifen.

„Sag einmal, mein liebster Doktor“, begann er und der Angesprochene sah neugierig von seinem PADD auf.

„Ja, Liebling?“

„Könnten dir ein wenig mehr Pflanzen im Raum gefallen?“

Verwundert schaute Julian sich um, zuckte dann mit den Schultern und nickte. Als er Garaks funkelnde Augen sah, breitete sich ein wissendes Grinsen auf seinem Gesicht aus. „Nur zu, Hase, tob dich ruhig aus ...“

Hase. Garak schmunzelte. So nannte Julian ihn wirklich äußerst selten. Als Julian ihn das erste Mal so genannt hatte, konnte er mit dem Begriff nicht viel anfangen, vermutete lediglich, dass es sich um ein terranisches Kosewort handelte. Dennoch hatte die Neugier ihn dazu verleitet, später im Computer den Begriff nachzuschlagen.
Und als er die ersten Bilder dieser pelzigen, kleinen und durchaus putzigen Geschöpfe sah, waren seine Stirnwülste irritiert sehr hoch gewandert. Was hatte er denn bitte mit diesen Nagern gemeinsam? Garak hatte den Artikel über Hasen überflogen; selbstständige Einzelgänger, gut, ja. Aber die Sache mit dem Paarungsverhalten?! Sicherlich spielte Julian nicht auf den schier unersättlichen Hunger nach Fortpflanzung an, der den possierlichen Tierchen zu eigen war? Hätte jemand den Schneider beobachtet, es wäre ein mimisches Schauspiel der Extraklasse gewesen. Weitere Recherchen klärten ihn jedoch darüber auf, dass es bei den Menschen durchaus ein gängiger und liebevoller Brauch war, seinen Partner mit Tiernamen zu kosen. Wobei besonders gerne kleine, niedliche Geschöpfe gewählt wurden (Julian schien ihm im Übrigen der perfekte Spatz zu sein). Ein sanftes Lächeln huschte über Garaks Gesicht. So befremdlich ihm dieser Brauch auch schien, nach und nach mochte er es, ja, fand es sogar – wie er sich stillheimlich eingestand – recht herzwärmend, wenn Julian ihn mit diesem Kosenamen bedachte. Hase. Er beugte sich zu Julian hinab, der bereits wieder konzentriert in seinem PADD verschwunden war und küsste ihn auf das Haar. „Ich gehe einmal eben nach nebenan und schaue, ob Keiko einen Augenblick für mich erübrigen kann.“

Mit einem schuldbewussten Grinsen hob Julian erneut den Blick. „Entschuldige, der Artikel hier ist ziemlich interessant. Ja, Liebling, noch ein paar Pflanzen mehr würden dem Raum mehr Leben geben. Ich fände es sehr schön.“

Lächelnd strich Garak ihm über die Wange. „Bis später, mein Herz.“

Als er vor der Tür der O'Briens stand, zögerte er kurz. Von drinnen war lautstarkes Kinderprotestweinen zu hören. Dann betätigte er aber doch den Türsummer und ein zerzauster Miles mit gerötetem Gesicht und einer Haarbürste in der Hand öffnete ihm. „Hi.“

„Guten Abend. Ich wollte kurz zu deiner Frau … Komme ich gerade sehr ungelegen?“

Schnaubend winkte der Ingenieur ab und zog Garak in den Raum. „Keiko ist im Theater. Komm rein, ich brauche Beistand!“ In der Tat wirkte der sonst so ausgeglichene Miles ziemlich nahe am Rande der Verzweiflung. Aus dem Kinderzimmer war noch immer Mollys Weinen zu hören, Miles musste sie dorthin geschickt haben, bevor er die Tür geöffnet hatte. Ratlos ließ der Chief sich auf das Sofa fallen und seufzte tief. Garak setzte sich ihm gegenüber und sah ihn abwartend an.

„Ich wollte sie bettfertig machen, da kippt sie sich Keikos komplettes Haaröl über den Kopf!“, platzte es auch schon aus Miles heraus. „Und jetzt lässt sie sich weder die Haare bürsten noch waschen!“

Wie auf ein Stichwort kam das kleine Mädchen aus seinem Zimmer gestürmt und blieb mit in die Seiten gestemmten Fäustchen stehen, was ihm eine verblüffende Ähnlichkeit mit seiner Mutter gab. Fast glaubte Garak, gleich ein „Miles Edward O'Brien!“ zu hören, hielt ein belustigtes Schmunzeln aber in der Situation für unangemessen. Zornestränen standen Molly in den Augen, das lange schwarze Haare klebte verknotet am Kopf.

„Mami soll das machen!“, weinte sie aufgelöst. „Bei dir ziept das immer ganz doll!“

„Mami ist aber nicht da und so kannst du nicht ins Bett, junge Dame!“ Man muss Miles zugute halten, dass er zwar streng, aber eher resigniert als wütend klang.

„Na und? Ich will aber, dass Mami das macht und nicht du!“

Bevor Miles darauf etwas erwidern konnte, hob Garak beschwichtigend die Hände. „Meine liebe Molly, spricht man denn so mit seinem Vater?“, fragte er freundlich, nahm Miles die Bürste aus der Hand, erhob sich und ging vor Molly in die Hocke. Beschämt blickte das Kind zu Boden und schwieg trotzig. Aufmunternd legte der Schneider ihr eine Hand auf die Schulter. „Komm, wir zwei lassen deinen Papa jetzt einmal verschnaufen und ich helfe dir beim Haarewaschen und Bürsten.“

Skeptisch sah Molly ihn an. „Kannst du das denn?“

Vergnügt zwinkerte er ihr zu. „Wer hübsche Kleider nähen kann, kann auch hübsche Haare waschen, oder? Außerdem“, er senkte verschwörerisch die Stimme. „Onkel Julian mag es auch sehr, wenn ich ihm die Haare wasche und sagt immer, es ziept dann gar nicht. Aber verrate ihm nicht, dass ich dir das erzählt habe.“

Das Mädchen kicherte und griff vertrauensvoll nach Garaks Hand. Der Cardassianer erhob sich, tauschte mit Miles kurz einen Blick, der ihm dankbar zunickte und ließ sich von Molly ins Bad führen. Dort wusch er ihr erst vorsichtig die Haare und kämmte die langen Haare anschließend sorgsam. Zu Mollys Freude schlug er ihr dann auch noch vor, ihr das Haar zu föhnen und zu Zöpfen zu flechten.

„So“, meinte Garak dann schließlich zufrieden. „Und jetzt gehst du zu deinem Papa, lässt dich bewundern und entschuldigst dich noch bei ihm, einverstanden?“

Molly nickte und umarmte Garak spontan. „Danke, Garak!“

„Nicht dafür, Liebes, das hat mir ebenso Freude bereitet.“

Während Molly ins Wohnzimmer hüpfte, folgte der Schneider langsam, blieb im Türrahmen stehen und ein warmes, leicht wehmütiges Lächeln huschte über sein Gesicht, als er sah, wie Vater und Tochter sich umarmten. Miles flüsterte seiner Kleinen etwas ins Ohr, woraufhin diese strahlend nickte und aufsprang. „Gute Nacht, Onkel Garak!“, rief sie ihm fröhlich zu und verschwand in ihrem Zimmer. Der Chief erhob sich und schenkte Garak ein fragendes Lächeln. „Geht das 'Onkel' klar für dich? Immerhin ist Julian ja auch so was wie ein Onkel für sie und sie nennt ihn auch Onkel ...“

Der Cardassianer nickte bedächtig. Das warme Gefühl, als Molly ihn Onkel nannte, war überraschend, aber schön. „Natürlich, Miles, es ist mir eine Ehre.“

Miles klopfte ihm auf die Schulter. „Du hast was gut bei mir, danke.“

„Nicht dafür, einer Dame in Not eilt ein Gentleman stets gerne zur Hilfe.“

„Schon klar“, lachte der Chief. „Bei euch beiden alles gut, was macht Jules?“

„Er wollte nur eben mal in einen interessanten Fachartikel reinlesen“, zwinkerte Garak und stimmte kurz in Miles' Lachen ein.

„Dann hast du also einen ruhigen Abend. Ich richte Keiko aus, dass du da warst, okay? Jetzt hab ich Molly eine Geschichte versprochen. Grüß Jules von mir.“

„Natürlich. Euch einen schönen Abend.“

Wieder zurück im eigenen Quartier blickte Julian ihn vom Sofa aus an. „Konntest du dich mit Keiko austauschen? Du strahlst so selig.“

Lächelnd setzte sich Garak zu Julian und nahm dessen Beine auf seinen Schoß. Und während er diese sanft massierte, erzählte er von seinem Erlebnis.

„Aaaaw, du bist einfach ein Charmeur und Held“, neckte der Arzt und rappelte sich so weit auf, dass er sich an Garak kuscheln konnte. „Miles wird dir ewig dankbar sein. Gibt es eigentlich irgendetwas, das du nicht kannst?“

Der Schneider dachte kurz nach, dann begann es in seinen Augen zu glitzern und er senkte seine Stirn auf Julians. „Dir widerstehen“, flüsterte er und küsste seinen Liebsten innig …


***


„Jules … du bist dran!“

Überrascht sah der Arzt zu seinem Freund und grinste verlegen. „Entschuldige, Miles, ich war in Gedanken.“

„Was du nicht sagst ...“

Julian nahm die Dartpfeile entgegen, warf dreimal und kehrte mit ihnen wieder an den Tisch zurück. Er hatte sich nach dem Dienst mit Miles noch im Quarks auf eine Runde Darts und Bier getroffen.

„Glückwunsch!“ Der Ingenieur schlug ihm auf die Schulter.

„Bitte?“

„Du hast gewonnen. Sag mal, was ist los mit dir? Du bist ja schlimmer als damals, als es mit euch beiden angefangen hat.“ Miles goss ihnen beiden nach und schaute seinen Freund mit gerunzelter Stirn an. „Hab ich was verpasst?“

Lächelnd schüttelte Julian den Kopf, trank einen Schluck und rieb sich verlegen die Stirn. Jetzt war Miles' Neugier aber geweckt. „Irgendwas ist los, erzähl schon.“

„Nein, ich glaub, es ist ziemlich albern ...“

„Blödsinn.“

Julian seufzte tief, seine Wangen färbten sich rot, teils vor Aufregung, teils vor Verlegenheit. „Miles, ich … Ich bin sowas von verliebt, du glaubst es nicht“, sprudelte er wispernd hervor. „Seit wir zusammen wohnen ist Elim so … anders. Zufriedener, fürsorglicher … Also, er ist immer ein Schatz und sehr aufmerksam und liebevoll, aber jetzt … ich kann's dir gar nicht so genau erklären, ich merke einfach nur, wie glücklich ihn das macht, wie viel ich ihm bedeute... oh man, ich weiß gar nicht, wohin mit so viel Liebe und Glück … Ich hätte nie gedacht, dass man so viel für jemanden empfinden kann ...“ Er brach ab und bemerkte gar nicht, dass Miles ihn mit einem sehr liebevollen, verstehenden Blick bedachte. Julians Gedanken waren bei Elim. Er sah dessen lächelndes Gesicht vor sich, die neckend funkelnden Augen und seufzte tief. Kopfschüttelnd ließ er die letzten Wochen Revue passieren. Er hätte es nie für möglich gehalten, aber sie waren einander auf emotionaler Ebene noch näher gekommen. Als hätte das Zusammenziehen eine neue Pforte geöffnet. Elim. Julian spürte, wie sich sein Herzschlag beschleunigte und es in seinem Bauch flau wurde.

„Miles, ich will ihn fragen.“

„Was willst du ihn fragen?“ Der Chief führte sein Glas zu den Lippen, dann weiteten sich seine Augen plötzlich und mit einem Knall stellte er das Glas wieder ab. „Du willst ihn fragen …?!“

Julian nickte nur. „Meinst du, er sagt ja?“, brachte er schließlich leise hervor.

„Er wäre blöd, wenn nicht“, entgegnete Miles und lächelte seinen blassen Freund voller Wärme an. „Wann willst du ihn fragen?“

Unbewusst rieb sich Julian über den Bauch. Darin schienen jede Menge Schmetterlinge aufgeregt zu tanzen. „Noch nicht gleich. Ich bin noch viel zu nervös“, gestand er.

Miles nickte, legte Julian einen Arm um die Schulter und drückte ihn kurz. „Aber es ist ein tolles Gefühl, oder?“

Der Jüngere lehnte sich gegen seinen Freund, fühlte sich herrlich aufgeregt und erleichtert und ließ seufzend den Kopf auf Miles' Schulter sinken. „Oh ja, das ist es. Sag mal, wenn Elim ja sagt ...“

„... das wird er!“

„... bist du doch mein Trauzeuge, oder?“

Nach einem kurzen Augenblick kam ein gebrummtes „Geht klar“, in dem Rührung und Freude gleichermaßen mitschwangen.

***


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