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Das Blühen der Zweige von Amber

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„Wir sind gleich da.“ Mit einem vorfreudigen Lächeln führte Elim Garak seinen Partner Doktor Julian Bashir über den Korridor der Habitatsebene. Da Julians Augen verbunden waren, hatte Garak seinen Arm um dessen Taille geschlungen, um ihm sanft die Richtung weisen zu können.

„Wohin entführst du mich denn nun?“, wollte der Arzt zum wiederholten Male wissen.

„Verrate ich nicht.“ Vor einer Quartiertür blieb der Cardassianer schließlich stehen. „Bereit, mein liebster Doktor?“ Auf dessen Nicken hin nahm er ihm die Augenbinde ab. Julian blinzelte kurz, sah sich um und stutzte, als er die Quartiersnummer an der Tür ihm gegenüber las. „Äh … wir besuchen Miles?“

„Nein, dreh dich mal herum.“ Schmunzelnd und mit einem Funkeln in den Augen deutete Garak auf die Tür auf der anderen Gangseite. Julians Mienenspiel zu beobachten, bereitete ihm außerordentliches Vergnügen; der Mensch zog verwirrt die Stirn kraus, dann weiteten sich seine Augen ungläubig und ein fragendes Lächeln huschte über sein Gesicht. „Du meinst …?“

Garak nickte, gab den Zugangscode ein und zog seinen Partner in das Quartier. „Willkommen zu Hause.“

Das Zischen der sich schließenden Tür war für einige Minuten das einzige, was zu hören blieb. Julian blickte sich lächelnd im Raum um, immer wieder schüttelte er ungläubig den Kopf. Der Raum war größer als sein altes Quartier, eine große Couch mit Recamiere und ein einladender Ohrensessel um einen kniehohen Tisch bildeten den zentralen Blickfang. Die Sitzgruppe war so ausgerichtet, dass man einen wunderbaren Blick durch das große Fenster ins All werfen konnte. Auf einer Anrichte und einigen geschmackvollen Regalen an der Wand fanden sich sowohl seine als auch Garaks persönliche Gegenstände und sogar ein Arbeitsplatz mit Konsole war vorhanden.

„Wann?“ War schließlich das erste, was der Mediziner herausbrachte, als er sich mit einem Strahlen zu seinem Partner herumdrehte. Dieser griff zärtlich nach seiner Hand und führte ihn in den angrenzenden Raum. „Heute Vormittag, nachdem du zum Dienst gegangen bist“, erklärte er lächelnd. „Chief O'Brien hat mir mit dem Umzug geholfen, damit alles bis heute Abend fertig wurde.“

Hand in Hand betraten sie ihr gemeinsames Schlafzimmer. Ein breites Bett lud zu kuscheligen Stunden ein und von dort aus blickte ihnen ein arg zerrupfter, alter Teddybär entgegen, der auf Julians Lieblingskuscheldecke saß. Julian warf Garak einen verliebten Seitenblick zu, setzte sich auf das Bett und platzierte den Teddy nach einem Kuss auf das oft geflickte Gesicht auf den linken Nachttisch. Der Schneider ließ sich neben ihm nieder, nahm wieder die Hände seines Freundes und strich sanft mit den Daumen darüber. „Gefällt es dir?“

„Ob es mir gefällt?“ Julian lachte leise. „Seit Monaten erzählst du mir, es gibt kein passendes Quartier und dann das hier! Elim, es ist wundervoll!“ Er beugte sich hinüber und küsste seinen Liebsten zärtlich, eine prickelnde Woge der Zärtlichkeit überschwemmte ihn. Der Cardassianer grub seine Nase in Julians Haar.

„Es hat auch lange gedauert, bis dieses hier frei wurde. Ich dachte, du freust dich sicherlich, mit O'Brien Tür an Tür zu wohnen.“

„Machst du Witze, das ist großartig! Ich hoffe nur, du bereust es nicht“, fügte er giggelnd hinzu. „Nein, ernsthaft, es ist einfach unglaublich. Danke, Liebling, es ist perfekt.“ Sein Blick wurde weicher. „Unser Zuhause.“

Garak nickte still und strich Julian sanft über den Rücken. Ja, ihr Zuhause. Es war fast ein Jahr vergangen, seit er Julian auf Bajor gefragt hatte, ob sie zusammenziehen wollten. Und dann war so vieles geschehen, das ihren Zusammenzug verzögerte. Garaks Gesicht wurde nachdenklich. Keiko O'Brien hatte mit ihrer Tochter Molly eine Weile die Station verlassen und Chief O'Brien, Julians bester Freund, war daraufhin in eine düstere Gemütsverfassung gefallen und hatte viel mehr Zeit als sonst mit Julian verbracht. Das Dominion hatte sich als nicht zu unterschätzende Gefahr entpuppt und es herrschte ein bedrückender Vorkriegszustand. Politische Spannungen innerhalb der Föderation und ihrer Bündnispartner sorgten für zusätzliche Kummerfalten auf den Gesichtern der Stationscrew und den Bewohnern. Es gab immer wieder Berichte von Angriffen der Jem'Hadar, Shuttles voller Verletzter dockten regelmäßig an, Julian arbeitete soviel wie nie zuvor und seit dessen unfreiwilligem Einsatz auf Ajion Prime füllte sein sonst so unbeschwertes sonniges Gemüt oft eine tiefe Ernsthaftigkeit. Fast wagte Garak zu behaupten, der Krieg hätte Julian erwachsen werden lassen. Aber nur fast, wie der nächste Moment zeigte, als sich der Arzt mit Schwung nach hinten aufs Bett warf, liegend auf und ab hüpfte und seinen Partner angrinste.

„Na, wollen wir die Federung testen?“

Lachend und die trüben Gedanken beiseite schiebend, beugte Garak sich über seinen Partner und küsste ihn innig. Seine Hand krabbelte unter Julians Uniformoberteil und das Unterhemd, um über die warme Menschenhaut zu streichen, auf der ein leichter Schweißfilm lag.

„Ich hab die Temperatur auf 26 Grad eingestellt, ist das in Ordnung für dich?“, erkundigte er sich.

Julian nickte lächelnd und zog sein Uniformoberteil aus. „Natürlich, Liebling. Ich hab mich doch schon längst daran gewöhnt. Und dir ist es auch nicht zu kühl?“

Der Cardassianer schüttelte den Kopf und fuhr mit den Fingern über Julians bloßen Oberarm. „Dein Anblick wärmt mich immer wieder auf.“

„Mmmmh ...“ Errötend rutschte Julian näher an seinen Partner und vergrub seine Nase in dessen Halsbeuge. „Ich liebe dich, Elim.“

„Ich dich auch, mein liebster Doktor.“ Garak erschauerte, als Julian ihm zärtlich in den Hals biss und mit den Lippen über seine seitlichen Nackenkämme fuhr. Seine Hand wanderte Richtung Hosenbund, da störte das plötzliche Geräusch des Türsummers ihr Kuscheln. Überrascht tauschten die beiden einen Blick. Julian hob mit einem schiefen Grinsen die Schultern. „Geh du, du hast noch mehr an.“

Der Schneider erwiderte das Grinsen vergnügt, erhob sich, strich sein Hemd glatt und ging zur Tür. Als er diese öffnete, standen ihm über das ganze Gesicht lächelnd Chief Miles O'Brien und dessen Ehefrau Keiko gegenüber. „Überraschung!“, grüßte die Asiatin mit einem Strahlen und der Ingenieur fügte mit einem Blick auf Garaks leicht zerzaustes Haar grinsend hinzu: „Kommen wir etwa ungelegen?“

„Mitnichten, mein guter Chief.“ Garak vollführte eine einladende Geste. O'Brien schlug ihm im Vorbeigehen freundlich auf die Schulter und Keiko, die einen großen Karton in den Händen trug, küsste Garak leicht auf die Wange.

„Julian, die O'Briens sind zu Besuch!“, rief der Schneider gut gelaunt in Richtung Schlafzimmer und führte das Ehepaar zur Sitzgruppe.

„Dann muss ich mir ja nichts anziehen“, schallte es fröhlich zurück und Julian kam lediglich in Uniformhose und Unterhemd ins Wohnzimmer gehüpft. Den Blick seines Kollegen quittierte er mit einem vielsagenden Grinsen, dann umarmte er beide, wobei er Miles etwas länger drückte und ihm ein warmes „Danke!“ ins Ohr flüsterte.

„Geht schon klar“, brummte dieser nicht weniger herzlich und strich ihm über den Rücken.

„Darf ich Ihnen etwas zu trinken anbieten?“, erkundigte sich Garak, der die Szene ebenso wie Keiko mit einem fast schon zärtlichen Lächeln beobachtet hatte.

„Gerne, Garak. Ein Bier und Keiko möchte bestimmt einen lieblichen Weißwein?“

Keiko nickte zu den Worten ihres Mannes und setzte sich mit ihm aufs Sofa, den Karton stellte sie vorsichtig ab. Julians neugieriges Schmulen entging ihr dabei keineswegs. „Geduld, Julian.“

Garak brachte die gewünschten Getränke sowie einen Kanar für sich und ein Bier für Julian und die vier stießen an.

„Auf euer neues Zuhause!“, prostete Miles.

„Und gute Nachbarschaft!“, fügte Garak hinzu und lehnte sich entspannt zurück, den freien Arm um Julian geschlungen. Sie verbrachten soviel Zeit mit den O'Briens, dass er sich tatsächlich gänzlich ungezwungen und entspannt geben konnte. Und sein Doktor war in Gegenwart seines besten Freundes ohnehin locker und zufrieden.

„Was ist denn nun in der Kiste?“, ließ sich Julian vernehmen und krabbelte mit den Fingern nebenbei Garaks Bein.

Die O'Briens tauschten ein verschwörerisches Lächeln, dann öffnete Keiko den Karton, griff vorsichtig hinein und -

„Oh! Ein Fächerahorn!“, entfuhr es Garak und er beugte sich interessiert vor.

Keiko nickte lächelnd. „Ja, als Zimmerbonsai. Ich habe ihn selbst gezogen für euch.“

Garak schenkte ihr ein anerkennendes, strahlendes Lächeln und strich behutsam mit den Fingerspitzen über den feinen Stamm und die zartgrünen, fächerförmigen Ahornblätter. „Er ist wunderschön, vielen Dank, Keiko.“

Die Asiatin erwiderte das Lächeln und sah dann zu Julian, der überrascht zwischen dem Fächerahorn, Garak und Keiko hin- und herschaute. „Solche stehen auch auf Bajor. Woher wusstest du …?“

Glucksend schaltete sich Miles ein. „Dein lieber Schneider hat uns mal bei dem einen oder anderen Kanar davon erzählt, als du auf Ajion Prime warst.“

„Unter Fächerahorn hat alles angefangen“, ergänzte Keiko sehr sanft. „Und ein Fächerahorn soll euer Glück auch weiterhin begleiten.“

„Ihr seid einfach die besten!“ Julian fiel den O'Briens ungestüm um den Hals. „Danke!“ Er drückte beiden einen Kuss auf die Wange, was von Miles mit einem freundlichen „Schon gut“ brummelnd abgewunken wurde. Dann schmiegte er sich an seinen Partner und strahlte ihn an. „Wo wollen wir ihn hinstellen? Gleich hier auf den Tisch, dann sehen wir ihn immer?“

„Damit du und der Chief ihn gleich bei eurem ersten Filmabend mit dem Geruch von Chips und Bier verschüchtert?“, foppte Garak zwinkernd und erhob sich, den Bonsai vorsichtig hochhebend, um einen geeigneten Platz zu wählen. Julian indes tauschte ein Grinsen mit seinem besten Freund. „Gehört, das war quasi ein Freibrief!“

Miles nickte grinsend und küsste seine Frau auf die Stirn. „Keikoschatz, wirst du es verkraften, wenn Jules und ich jetzt auch mal hier einen Abend verbringen?“

„Sie wissen nicht, worauf Sie sich da einlassen!“, wandte sich Keiko mit einem perlenden Lachen an Garak und strich ihrem Mann zärtlich über den Arm.

Garak, der dem Fächerahorn einen angemessenen Platz auf der Anrichte gegeben hatte, kehrte zum Sofa zurück und hob die Stirnwülste. „Da stecken vermutlich eine Menge Erfahrung und Erlebnisse hinter dieser Aussage. Wir könnten aufteilen?“

„Gute Idee. Die geraden Wochen hab ich die Jungs, in den ungeraden sind sie hier.“

„Abgemacht!“ Unter dem gespielt empörten Schnauben der Jungs besiegelten Keiko und Garak die Abmachung mit einem Handschlag.

„Wo wir gerade bei offiziellen Bekanntmachungen sind“, begann nun der Ingenieur, trank einen Schluck Bier, griff nach der Hand seiner Ehefrau und lächelte Garak dann an. „Julian gehört ja irgendwie schon zur Familie und ihr seid jetzt so lange ein Paar … wollen wir das 'Chief' und 'Sie' nicht endlich vergessen? Immerhin gehörst du jetzt doch auch dazu.“ Er streckte dem Cardassianer die Hand entgegen. „Miles, okay?“

Einen Moment war der Schneider sprachlos, dann nickte er gerührt und ergriff Miles Hand. „Elim.“

„Willkommen in der Familie, Elim.“ Keiko legte ihre Hand sanft über die Hände der Männer.

„Danke.“ Ein warmes Gefühl breitete sich in Garak aus und er konnte nicht anders, als lächelnd die Hände der O'Briens zu drücken, fehlten ihm doch tatsächlich die Worte. Noch vor nicht allzuferner Zeit war er nicht mehr als der Exilcardassianer gewesen und dann hatte sich mit Julians Ankunft auf Deep Space Nine so vieles geändert. Nicht nur, dass er einen wundervollen Partner an seiner Seite hatte und seit so gefühlt unendlich langer Zeit wieder ein Zuhause, nein, auch Personen, die ihm vertrauten, ihn als Freund - als Familie - betrachteten.

Julian spürte den Gefühlsaufruhr seines Partners und schlang von hinten beide Arme fest um ihn. Dankbar lehnte sich der Cardassianer an ihn und umschloss dessen Hände mit seinen.

Miles räusperte sich ein wenig verlegen und erhob sich. „Ich hol mir noch was zu trinken …?“ Julian nickte ihm zu und rubbelte mit seiner Nase beruhigend über Garaks Rücken.

„Habt ihr schon gegessen?“, fragte Keiko und löste damit die allgemeine Gefühl der Rührung auf. „Ich habe Sushi vorbereitet, das könnte ich mitbringen, ich wollte mal eben nach Molly sehen, ob sie noch ruhig schläft.“

„Als ob ein 'schon gegessen' Jules hindern würde“, foppte Miles grinsend.

„Hey!“


***

Kaum war Keiko zurück, erklang erneut der Türsummer. „Nanu?“ Garak ging, um die Tür zu öffnen und fand sich überraschend Captain Sisko, Major Kira Nerys und Lieutenant Jadzia Dax gegenüber, die ihn allesamt fröhlich angrinsten. „Überraschung!“, flötete die Trill und betrat den Raum. „Alles Liebe zum gemeinsamen Quartier!“

Kira schlug Garak im Vorbeigehen lächelnd auf die Schulter und der Captain drückte dem perplexen Cardassianer einen Korb in die Hände. „Selbstgebackene Süßkartoffelbrötchen mit Chili, dazu Guacamole, Salsa und ein nach geheimem Familienrezept zubereitetes Mangochutney.“

„Und wir haben Kanar und Frühlingswein mitgebracht.“ Die Trill stellte jeweils drei Flaschen auf den Tisch und maß Julian mit einem wissenden Grinsen. „Also, wenigstens haben nicht wir gestört ...“

„Ich geh mir mal eben was überziehen ...“, murmelte der Arzt und wollte aufspringen. Ob vor seinem besten Freund oder seinem Vorgesetzten in Unterhemd und ohne Socken dazusitzen machte für ihn einen gewaltigen Unterschied.

„Unseretwegen keine Umstände, Doktor“, winkte Sisko grinsend ab. „Immerhin sind wir unangemeldet reingeplatzt.“

„Und so schlimm ist der Anblick nun auch nicht“, spottete Kira gutmütig.

„Armer Julian, los, setz dich wieder“, lachend zog Jadzia ihren verlegenen Kollegen neben sich aufs Sofa, während Sisko im Sessel Platz nahm und Kira sich neben die O'Briens auf den Sofarand setzte. „Hübsch haben Sie es.“

„Danke, Major.“ Garak verteilte Gläser und schenkte zusammen mit dem Captain Getränke ein. „Und vielen Dank für die gelungene und nette Überraschung.“ Er hob sein Glas und blickte Sisko auffordernd an. Dieser grinste, streckte sein Glas ebenfalls in die Höhe: „Wir bitten Sie beide, uns unseren Überfall zu verzeihen und wünschen Ihnen von Herzen alles Gute, viel Harmonie und natürlich Spaß“, hierbei zwinkerte er wissend und Jadzia hob anzüglich die Augenbrauen, was Julians Wangen nun endgültig tiefrot färbte, „in Ihrem gemeinsamen Zuhause. Zum Wohl!“

Gläser klirrten fröhlich und es wurde sich unter viel Lob und Begeisterung über die Speisen hergemacht.


***


Als zu viel zu später Nachtzeit die Gäste schließlich gegangen waren und alles aufgeräumt war, streckte Julian sichgähnend und lächelte seinen Partner an. „Alles okay?“

Garak nickte und zog Julian eng an sich. „Ja, mein Herz. Es war ein zwar unerwarteter, aber sehr schöner erster Abend.“

Julian rieb mit der Nase über Garaks Stirn und hauchte einen leichten Kuss auf dessen Meshava. „Find ich auch.“

Sie blieben noch einige Minuten eng aneinander geschmiegt in der Stille des Raumes stehen, genossen die innige Zweisamkeit, bis Garak schließlich Julian zärtlich küsste und ihm leise ins Ohr wisperte: „Willkommen zuhause, mein liebster Doktor.“


***


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