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Team O'Brien und das verhexte Holodeck von Amber, Janora

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Kapitel Bemerkung: ... wir können einfach nicht ohne Drachen. ^^
"Weißt du, Jules, als Quarks uns dieses Angebot gemacht hat, hab ich vieles erwartet. Aber das hier nicht."
Miles blickte an der losen Zeltwand vorbei auf die Arena, wo sich der silber-graue Drache vom letzten Abend aufmerksam umsah. Man merkte ihm an, dass er die neue Umgebung nicht besonders mochte. Wahrscheinlich war sie ihm zu ungewohnt. Noch weniger mochte er wahrscheinlich die Menschenmassen, die auf den hohen Tribünen außen herum saßen.
Die Schüler der Zauberschule waren allerdings bemerkenswert leise. Zu überrascht und eingeschüchtert waren sie von der riesigen Echse.

Julian wusste nicht so recht, ob er sich jetzt wirklich wundern sollte, dass sie nicht, wie erwartet, mitten in der Nacht in Miles' Zimmer standen sondern stattdessen unter der strahlenden Oktobersonne. Er entschied sich für ein unbestimmtes Schulterzucken und ließ seinen Blick schweifen.

"In fünf Minuten betritt der erste Champion die Arena", informierte sie ein vorbeieilender Zauberer und klopfte ihnen Glück wünschend auf die Schulter. "Zücken Sie lieber die Stäbe und behalten Sie den Schweden im Auge!"

"Klar, der ist ja zum Glück nicht schwer zu übersehen", murmelte Miles und blickte dann fragend zu seinem Kollegen. "Was erwarten die, das wir im Falle eines Falles tun? Rodeo mit den Viechern reiten, bis sie sich beruhigen?"

"Hä?"

"Die Drachen." Miles deutete auf den Schwedischen Kurzschnäuzler.

"Was meinst du mit Rodeo?"

"Na, so wie die Cowboys es früher im Wilden Westen mit den Pferden und Rindern gemacht haben, die durchgegangen sind ...Weißt du was, nicht so wichtig. Fokus auf die Drachen hier."

"Okay." Mit einem stillen Grinsen ob Miles' Affinität zu Western wandte sich Julian dem Drachen zu. Der war an einer schweren und sehr stabil aussehenden Eisenkette befestigt und saß auf etwas, das fast wie ein Nest aussah. Hm.

"UND DA BETRITT AUCH SCHON CEDRIC DIGGORY DIE ARENA!", erscholl plötzlich eine laute Stimme aus Richtung der Tribüne.

Miles und Julian hatten wie es ihnen geraten worden war, ihre Zauberstäbe in die Hand genommen. Sie blieben im Hintergrund stehen, wo sie eine gute Übersicht über alles hatten, aber selbst nicht im Fokus standen.
Beim Anblick des Teenagers wurde ihnen aber etwas mulmig.

"Schicken die wirklich Kinder da rein?!", empörte sich Miles.

"ER VERSUCHT SICH DEM SCHWEDISCHEN KURZSCHNÄUZLER ZU NÄHERN, ABER NATÜRLICH KLAPPT DAS NICHT. DA MUSST DU DIR SCHON WAS GESCHICKTERES EINFALLEN LASSEN, DIGGORY. ABER SCHÖN, DASS DU DIE EIER SCHON GEFUNDEN HAST."

"Das war knapp!", entfuhr es Julian, als der dunkelblonde Teenager einem Schwanzhieb auswich. Instinktiv griff er nach seinem unter dem Umhang verborgenen Medikit.

"AUTSCH! JA, SO EIN REMPLER MIT DEM FLÜGEL IST NICHT NETT ... ABER WAS HAT DIGGORY JETZT VOR?! JA! JAAAAAAAAAA! DARUM IST ER UNSER CHAMPION! APPLAUS FÜR DIE PERFEKT AUSGEFÜHRTE VERWANDLUNG EINES FELSENS IN EINEN HUND! OB UNSER WILDHÜTER HAGRID NUN BALD EIN NEUES HAUSTIER HAT?"

Unter dem Jubel der Masse stürmte Diggory mit einem goldenen Ei unter dem Arm aus der Arena, während die Drachenwärter versuchten, das Tier zu beruhigen und aus der Arena zu zerren.

Es entstand eine kurze Pause, in der der kleine grüne Drache in die Arena gebracht und in die Nähe des Nestes gekettet wurde. Sofort schnupperte er an den Eiern und machte es sich schützend darauf bequem.
Kurz darauf betrat eine junge Französin die Arena.

"UND HIER KOMMT FLEUR DELACOUR. SCHICK WIE EH UND JE. WIE WIRD SIE SICH IHRER AUFGABE STELLEN?"

Offensichtlich ging sie die Sache etwas geschickter an, indem sie sich seitlich hinter Felsen versteckt anschlich.

"DAS HAT DER WALISISCHE GRÜNLING WOHL GEROCHEN. ABER WOW! WAS FÜR EINE REAKTION! DER SCHLAFZAUBER HAT IHN MITTEN IN DIE BRUST GETROFFEN. DAMIT WIRD ES EIN LEICHTES SEIN ... UND SCHON HAT SIE IHR EI - ... NEIN, DER GRÜNLING IST WACH UND OH-OH ... DAS SIEHT NICHT GUT AUS! IN DECKUNG, DELACOUR!"

Miles und Julian waren bereits losgelaufen, als sie das Unglück sahen. Der benommene Drache war ganz und gar nicht begeistert davon, das Mädchen mit dem goldenen Ei verschwinden zu sehen und holte tief Luft.

"Deckung!", rief Julian Fleur zu und hechtete auf sie zu. In einer schützenden Umarmung warf er sich mit der Schülerin in den Schutz eines Felsens, gerade noch rechtzeitig. Ein greller, heißer Feuerstrahl schoss über sie hinweg und Julian spürte die Hitze brennend in seinem Nacken. Fleur unter ihm schluchzte erstickt und umklammerte ihr Ei.

"Miles!" Julian brüllte gegen die Flammen an. "Lenk ihn ab!"

Die Menge auf der Tribüne hielt den Atem an. Man hörte einige Rufe nach den Professoren, als die Schüler die beiden erkannten.

Miles vergaß ebenfalls Luft zu holen, als er sich erneut Auge in Auge mit diesem Drachen befand.

"DAS WAR EINE SCHNELLE REAKTION VON PROFESSOR BASHIR! GUT GEMACHT, PROFESSOR. PROFESSOR O'BRIEN MUSS JETZT ABER ETWAS TUN, SONST SCHMELZEN BEIDE WIE BUTTER IN DER SONNE. ER HEBT SEINEN STAB UND ... IST DAS EIN LUMOS? WAS WILL ER DAMIT ERREICHEN? JETZT MACHT ER ETWAS AN SEINEM ZAUBERSTAB. ICH GLAUBE, DAS LICHT INTENSIVIERT SICH, ABER ICH WEIß IMMER NOCH NICHT, WIE IHM DAS HELFEN SOLLTE."

Immerhin hatte der Chief jetzt die Aufmerksamkeit des Tieres auf sich gelenkt, das sich seinem neuen Opfer zuwandte. Der Grünling fauchte ihn an, dann fiel jedoch sein Blick auf den kreisrunden Lichtpunkt auf dem Felsboden und folgte dann dessen Bewegung. Plötzlich war alles andere vergessen. Miles wackelte mit seinem Stab, ließ das Licht mal hierhin, mal dorthin gleiten, während der Drache aufgeregt und ein bisschen beleidigt, dass er den Punkt nicht fangen konnte, hinterher flatterte. Wie eine Katze. Miles konnte selbst nicht glauben, dass das funktionierte. Er warf einen kurzen Blick zu Julian, der Fleur zum sicheren Ausgang brachte, wollte den Drachen aber nicht zu lange aus den Augen lassen. Dieser versuchte gerade, den Lichtpunkt mit seiner Pranke zu erschlagen und brüllte entrüstet, weil es nicht klappte. Die Menge über ihm bekam sich nicht mehr ein vor Lachen.

Julian gab Fleur noch einen aufmunternden Klaps auf die Schulter, dann drehte er sich zu Miles herum, neugierig, warum die Menge derart in Gelächter ausgebrochen war. Und als er die Situation erfasste, grinste er breit. Ja, das war typisch für den Chief!

"Zieh dich langsam zurück", rief er halblaut und beobachtete, wie sein Freund rückwärts auf ihn zukam. Beide behielten den Drachen im Auge, doch da kamen auch schon Charly Weasley und seine Kollegen und übernahmen es, den Waliser abzuführen.

"Genial, Miles!", lachend schlug Julian seinem Freund auf den Rücken.

Erleichtert atmete Miles aus. "Danke", grinste er dennoch. "Ich hoffe aber, der nächste geht nicht so durch. Keine Ahnung, ob das auch mit den anderen klappt. Ist mit dem Mädchen alles in Ordnung?"

Julian nickte. "Ja, ihr ist nichts passiert." Er rieb sich über den durch die Hitze juckenden Nacken. "Kannst du grade mal schauen, ob ich sehr geröstet wurde?"

"Klar, zeig her." Miles trat hinter ihn und besah sich Nacken und Robe, konnte aber nichts feststellen. "Alles noch dran. Glück gehabt. Dass du dich immer gleich in die Gefahr stürzen musst ..." Missbilligend schüttelte er den Kopf.

Derweil war der nächste Drache hereingebracht worden und das Turnier ging in die nächste Runde.

"... KRUM KEIN GLÜCK DAMIT. DAS KOMMT DAVON, WENN ER VERSUCHT, DEN DRACHEN SO PLUMP EINZUSCHÜCHTERN. DAS IST EBEN KEIN QUIDDITCH SPIEL. ABER TROTZDEM SIND WIR RIESENFANS VON DIR!"

Die Freunde wandten sich wieder dem Geschehen zu. "Wow", Julian pfiff anerkennend durch die Zähne, während Miles beeindruckt die Augenbrauen hochzog.

"UND EIN ERNEUTER SCHOCKZAUBER, ABER DAS MACHT DEM FEUERBALL GAR NICHTS. IM GEGENTEIL! MEINE GÜTE, WO STECKEN DIE HERREN VON DER SICHERHEIT?!"

Besagte Herren hatten just im selben Moment die Gefahr erkannt, als Krum mit seinem Zauber daneben zielte und der Drache einen Angriff mit dem Schwanz antäuschte, um dann aber seinen gewaltigen Kopf zu senken und vorzustürmen.

Julian richtete kurzerhand seinen Zauberstab auf Krum, der stoisch stehen blieb und ließ ihn gerade noch rechtzeitig zwei Meter über dem Drachenkopf hinwegschweben. Etwas unsanft aber sicher, setzte er den Schüler hinter der Echse am Nest ab.

Leider würde das bei dem wütenden Drachen nicht funktionieren. Ebenso wie der Lichtzauber. Denn als der Drache sich umsah, wohin Krum verwunden war, und ihn bei seinem Nest erblickte, um ein Ei zu stehlen, sah er rot.

Miles aktivierte den letzten Zauber, den er noch in petto hatte und erwischte den Chinesischen Feuerball volle Breitseite.

Der Drache wurde umgerissen und brüllte auf. Leider war er sofort wieder auf den Beinen und ging nun auf den Chief los, der machte, dass er weg kam.

"Jules! Hilfe!"

"Verdammt!", fluchte Julian als er sah, wie der Drache aufholte. "Haken schlagen!", brüllte er über das Fauchen des Drachens hinweg und der Chief versuchte, diesen Rat zu befolgen. Julian indes dachte fieberhaft nach und sein Blick schweifte hektisch durch die Arena. Da! Gleich würden Miles und der Feuerball an einem Felsvorsprung vorbeirennen.

"Miles, schneller!"

Kaum hatte sein Freund den Felsen passiert, schleuderte Julian einen Schockzauber und traf den Stein an der gewünschten Stelle. Mit einem lauten Krachen löste sich ein dicker Brocken und stürzte direkt auf den Kopf des Drachens. Dieser brüllte auf, taumelte und hieb ziellos mit seiner Vorderpranke umher.

"ACH DU SCHANDE! DAS SIEHT BÖSE AUS!!! HEILZAUBERER!!! WIR BRAUCHEN SOFORT HEILER HIER!!!"

Julian erbleichte. "Scheiße, Miles!"

Der Chief hatte sich bei dem Lärm hinter ihm nicht umgedreht, weswegen er die Pranke nicht hatte kommen sehen. Die Wucht, als hätte ihn ein Shuttle von der Seite gerammt, traf ihn also vollkommen unvorbereitet und er flog gegen den Felsen.

Sein Arm knackte irgendwo und auch den Kopf stieß er sich an, woraufhin er alles nur noch benebelt und viel leiser um sich herum wahrnahm.

"Jules?"

Die Drachenpfleger waren bereits herbei geeilt und kümmerten sich um den bewusstlosen roten Berg.

Innerhalb von Sekunden war Julian an der Seite seines Freundes und kniete sich zu ihm hinab. Ein kurzer erster Blick zeigte ihm einen offenen Bruch am Unterarm und eine Platzwunde an der Schläfe.

"Bleib ganz ruhig, okay?" Beruhigend strich er Miles über die Wange, ließ seine Hand dort verweilen und kramte seinen Tricorder heraus. Der Scan ließ ihn erleichtert aufatmen und er schenkte dem Chief ein Lächeln. "Nur ein Bruch und eine Platzwunde. Gehirnerschütterung auch, aber deine Biowerte sind für diesen Zustand normal."

Aus den Augenwinkeln bemerkte er drei Hexen in weißen Umhängen, die auf sie zukamen. "Da kommen die hiesigen Ärzte. Keine Angst", fügte er hinzu, als er Miles nervösen Blick bemerkte. "Ich lass dich nicht allein."

Miles blinzelte und biss die Zähne zusammen. "Wir müssen hier raus", nuschelte er und meinte damit nicht nur die Drachenarena.

Die Heilerinnen knieten sich zu ihnen und untersuchten ihn. "Er muss in den Krankenflügel", war die schnelle Erkenntnis. Eine der Hexen legte ihre Hand auf Miles' Schulter. "Ich appariere ihn dorthin."

"Jules ..." Seine Benommenheit nahm ein wenig ab, dafür die Schmerzen aber zu.

"Keine Sorge, alles wird gut." Die langjährige Praxis ließ Julians Stimme zuversichtlicher klingen, als er sich selbst in diesem Moment fühlte.

"Sie bringen ihn direkt in den Krankenflügel?", wandte er sich an die Hexe neben sich.

"Ja, Professor. Machen Sie sich keine Sorgen um Ihren Partner, im Nullkommanix haben wir ihn wieder hergestellt." Sie schenkte Julian ein fröhliches Lächeln. "Bis gleich!" Und weg war sie - und Miles auch.

***

Es hatte wohl etwas vom Beamen. Allerdings mit einem lauten Knall statt den üblichen sanften Tönen. Und ohne Licht. Aber Miles kniff sowieso die Augen vor Schmerz zusammen.
Er wurde auf ein Bett gelegt und die Krankenschwester kam angelaufen, um ihn zu untersuchen.
Der Chief schüttelte den Kopf, als er die vertraute Stimme vermisste. "Julian?"

***

Entsetzt starrte Julian auf den leeren Platz vor sich. "Ist doch nicht wahr!", stöhnte er und wandte sich an eine der verbliebenen Hexen. "Wo befindet sich die Krankenstation?!"

"Hmmm, ehem, den Krankenflügel, meinen Sie, Professor?"

"Ja, meinetwegen auch den."

"Im Schloss, Erdgeschoss, gleich ganz hinten rechts den langen Flur lang und am Gemälde von Schwester Salvia Maria Lorbeelia vorbei die Doppeltür links."

"Gut." Julian nickte knapp und winkte einen am Rand der Arena stehenden Drachenwächter zu sich. "Sie kennen sich mit Drachen aus?"

"Jaaaa ...?", antwortete der schlacksige Mann in dem roten Umhang, der höchstens Anfang zwanzig war.

"Sehr gut, dann übernehmen Sie jetzt hier, ich muss mich um Professor O'Brien kümmern!" Ohne eine Antwort abzuwarten oder das blasse Gesicht des anderen auch nur zu würdigen, sprintete Julian los.

Auch die anderen sahen dem Professor ein wenig verwirrt nach, da der Wettbewerb jedoch weitergehen musste und immer noch ein Schüler darauf wartete, endlich gegen einen Drachen antreten zu können, kümmerten sie sich eher darum, als um den Arzt.

Im Schloss selbst war wenig los, da beinahe ausnahmslos alle auf der Zuschauertribüne saßen. Im Krankenflügel selbst wurde Julian jedoch von einer der Heilerinnen aufgehalten, die Miles hergebracht hatte.

"Der Professor ist gerade bei Madame Pomfrey in Behandlung", informierte sie ihn.

"Genau deswegen muss ich da rein." Julian schob die verdutzte Hexe beiseite, klopfte pro forma einmal an die Tür und öffnete diese aber auch sogleich.

Drinnen warfen ihm die Heilerin, die mit Miles appariert war und eine weitere einen fragenden Blick zu.

"Professor, wir behandeln Ihren Partner gerade ..."

"Ja, ich befü- ... vermute es!", entgegnete Julian und versuchte sich an einem freundlichen Lächeln, obwohl er mehr als besorgt war, als sein Blick auf seinen Freund fiel, der blass und kaum bei Bewusstsein auf einer Liege lag. "Wissen Sie, Professor O'Brien bedarf einer ... besonderen ... Behandlung, da er viele Allergien hat und -"

"Professor", die ihm bereits bekannte Heilerin - vermutlich Madame Pomfrey - ging auf ihn zu, ein mütterliches Lächeln auf dem Gesicht. "Ich verstehe Ihre Sorge zu gut, aber sie ist unbegründet." Sanft fasste sie ihn am Oberarm und führte ihn zu einem kleinen Stuhl. "Bleiben Sie hier einfach sitzen, trinken Sie einen Tee", sie wedelte kurz mit ihrem Zauberstab und eine große Tasse dampfenden Tees erschien vor Julian und schwebte erwartungsvoll-aufmunternd auf und ab, "und lassen Sie uns unsere Arbeit tun. Wir haben Professor O'Brien einen Trank zur Beruhigung gegeben, der gebrochene Knochen wird mit Skelewachs behandelt und die Platzwunde ist versorgt. Und nun, entschuldigen Sie mich."

Damit drehte sie sich wieder um und ging auf das Krankenbett zu, dabei schnippte sie noch einmal kess mit dem Zauberstab und ein dichter Vorhang schloss sich darum.

Miles war schon seit dem ersten Schluck des Narkotikum außer Gefecht gesetzt und bekam nur am Rande mit, was mit ihm geschah.

Viele Zauberstäbe wurden geschwungen und eine Osteoreparatur in Gang gesetzt. Der Chief spürte ein leichtes Kribbeln in seinem Arm und lächelte betäubt, als ihm langsam dämmerte, dass seine Schmerzen einem wohligen Gefühl von Watte gewichen waren.

Er selbst hatte demnach auch keine Ahnung, wie lange seine Behandlung dauerte, aber als Madame Pomfrey durch den Vorhang heraus trat, war der Tee, den Julian kaum angerührt hatte, beinahe kalt. Sie schwang ihren Stab, um ihn wieder zu erhitzen.

"Sie haben ihren Kollegen bald wieder bei sich, Professor."

"Darf ich zu ihm?" Julian war aufgesprungen. Und das erste Mal in seiner Laufbahn als Mediziner hatte er die Erfahrung machen müssen, wie schrecklich es ist, wenn man nur die „wartende Person auf dem Besucherstuhl“ war. Künftig würde er das bedenken ...

"Natürlich, aber gönnen Sie ihm noch etwas Ruhe."

Mit einigen großen Schritten war Julian bei Miles angekommen und warf der noch anwesenden Heilerin einen bittenden Blick zu. Diese nickte lächelnd und ließ die beiden Freunde allein, den Vorhang schloss sie hinter sich. Seufzend zückte Julian seinen medizinischen Scanner. Seine Stirn runzelte sich konzentriert, als er die Daten las. "Kaum zu glauben …"

Obwohl keinerlei äußerliche Behandlungsmerkmale sichtbar waren, zeigten ihm die Scans eindeutig, dass die Knochen bereits nachwuchsen - und das auch noch korrekt. Selbst von der Gehirnerschütterung war nichts mehr zu bemerken. Der Arzt justierte die Einstellungen ein wenig und hob kaum merklich die Augenbrauen. Nicht mal Spuren einer unbekannten Substanz waren wahrzunehmen; nur einige pflanzliche, tierische und mineralische Rückstände, die vermutlich von dem eingeflösten Trank kamen. " ... fast, wie Zauberei", murmelte er leise und schüttelte den Kopf.

"Oh, hallo, Jules", nuschelte Miles, als würde er jetzt erst bemerken, dass der Arzt bei ihm war. "Woll'n wir heut Abend 'ne Holo-Schwiet mieten? Keiko ischt auf'm Auschflug." Er gähnte sacht. "Isch hab durscht."

Julian schenkte ihm ein Lächeln. "Alles gut, Miles. Schlaf noch ein wenig, ich hol dir was zum Trinken." Suchend schaute er sich um.

"Ok, bisch gleich." Miles schloss seine Augen und war dann auch schon wieder weggedöst.

Als hätte Madame Pomfrey das geahnt, steckte sie ihren Kopf durch den Vorhang. "Er braucht jetzt viel Ruhe", erklärte sie dem Arzt, als wüsste er das nicht selbst. Auffordernd blickte sie ihn an, den Krankenflügel nun zu verlassen und den Patienten in ihrer Obhut zu lassen.

"Er hat Durst und ich werde ihn garantiert nicht hier alleine lassen", widersprach Julian und verschränkte die Arme vor der Brust, wobei er unauffällig den Tricorder in einem Ärmel verschwinden ließ.

Die Hexe maß ihn mit einem strengen Blick, unter dem er tatsächlich die Arme sinken ließ.

"Madame ... Ich werde ganz leise hier neben ihm sitzen und ihn in keiner Weise stören ... bitte."

Irgendwas an seinem Tonfall oder dem leicht panischen Ausdruck in seinen Augen schien die ältere Heilerin wohl zu erweichen. "Nun ... gut. Aber wenn ich nur einen Mucks höre ..."

"Werden Sie nicht, versprochen!"

Mit einem zweifelnden Schnauben wedelte Madame Pomfrey wieder einmal ihren Zauberstab und ein halbwegs bequemer Ohrensessel samt Schemel tauchte auf, dazu eine Karaffe mit Wasser und zwei Gläser.

"Aber keinen Mucks!" Damit ließ sie die Freunde wieder alleine.

Miles schlief eine ganze Weile und als er das nächste Mal erwachte, fühlte er sich schon viel besser und er stand auch nicht mehr unter dem Einfluss von Medikamenten. Dennoch blickte er sich erst einmal blinzelnd um, um sich zu orientieren.

"Julian?" Er entdeckte seinen Kollegen ganz in der Nähe. "Mein Arm ist taub."

Der Arzt schlug seine Augen auf, als er seinen Namen hörte. Müde rieb er sich über die Augen, er war wohl eingeschlafen. Und daran, dass es ziemlich dunkel im Raum war, eine Kerze auf dem Tischchen brannte und daneben ein Teller mit belegten Broten stand, musste es wohl ein längeres Schläfchen gewesen sein.
Julian griff nach Miles' ausgestreckter Hand. "Bin da. Warte ..." Er holte den Tricorder hervor. "Das taube Gefühl kommt vom Heilungsprozess. Dein Knochen wächst zusammen, ich denke, morgen Früh - wann immer das auch sein mag - ist die Heilung abgeschlossen. Hast du Schmerzen, ist dir übel?"

"Ich ..." Miles fühlte in seinen Körper, um zu prüfen, ob irgendetwas von Julians Fragen auf ihn zutraf. Dabei erinnerte er sich daran, warum er überhaupt hier lag. "Mensch, der Drache ist durchgegangen, nicht wahr?" Er blickte auf seinen bandagierten Arm. "Das ist übel. Die Sicherheitsprotokolle scheinen nicht zu greifen. Wir waren bei jeder Aktion hier wirklich in Gefahr!"

Beruhigend klopfte Julian ihm auf den gesunden Arm. "Darüber hab ich auch schon nachgedacht. Das heißt, wir müssen besonders vorsichtig sein." Er senkte die Stimme. "Und schleunigst machen, dass wir hier wegkommen, du hast verdammtes Glück gehabt!"

Der Chief nickte. "Aber ohne internen Zugang zum Computer kommen wir hier nicht raus, wenn wir die Partie nicht bis zum Ende spielen. Aber wer weiß schon, wie lange dieser Unsinn hier noch gehen soll."

Als wären die letzten Worte des Ingenieurs ein Stichwort gewesen, wurde es plötzlich absolut dunkel im Raum und instinktiv schlossen die beiden die Augen. Als sie diese wieder aufschlugen, blinzelten sie irritiert ob der morgendlichen Helligkeit, die durch das Fenster - ihr Fenster - fiel. Und ihre Irritation stieg noch, als sie sich gewahr wurden, wo genau sie sich befanden:

In einem gemütlichen Doppelbett in Miles' Quartier.

Auf der Anrichte standen zwei Tassen, von denen ein intensiver Kaffeeduft zu ihnen wehte und zwischen einigen Blumensträußchen und Grußkarten lagen kleine Schachteln mit allerlei Süßigkeiten. An einer Sonnenblume war ein buntes Band befestigt, auf dem "Gute Besserung, Professor O'Brien, LG Hermine Granger" stand.

"Was ...?" Julian sah zu Miles, der nicht minder ratlos schien.

Seufzend ließ sich der Chief auf die weiche Matratze fallen.

"Weißt du was, ich frag einfach nicht. Zentauren, riesige Spinnen, Zauberer mit Zitronen auf dem Kopf ... meinetwegen." Mit seinem gesunden Arm griff er nach dem Kaffee. "Ich lass mir das jetzt erst mal schmecken." Er prostete Julian zu und nahm einen Schluck.

Vermutlich wirkte das Beruhigungsmittel noch nach, anders konnte sich Julian Miles' Seelenruhe gerade nicht erklären. Also beugte er sich über seinen Freund hinüber, nahm sich seinen Kaffeebecher und nippte nachdenklich daran. Und das Doppelbett ... ignorierte er erstmal zu Gunsten der wirklich kuscheligen Kissen in seinem Rücken.

"Pläne?"

Bevor Miles jedoch antworten konnte, klopfte es zaghaft an der Tür.

"Herein", rief Julian, nachdem er einen verwunderten Blick mit seinem Bettnachbarn getauscht hatte.

Zögerlich wurde die Tür geöffnet und ein von einer buschigen Mähne umrahmter Kopf tauchte auf. "Guten Morgen, Professor Bashir. Guten Morgen, Professor O'Brien."

"Hermine!", überrascht erhob sich Julian. "Was können wir für dich tun?"

"Nun ...", etwas verlegen nagte das Mädchen auf seiner Unterlippe. "Ich habe hier einen Brief für Sie, Professor. Er lag auf Ihrem Pult und ich dachte , weil Sie heute nicht zum Unterricht erschienen sind, was natürlich selbstverständlich ist, nachdem, was passiert ist, mir würde es wohl ähnlich gehen, sollte Victor etwas passieren ... oder Ron, ich wäre außer mir vor Sorge, ich meine, Professor O'Brien hätte getötet werden können oder schlimmeres, jedenfalls ..."

"Hermine", unterbrach Julian sie mit einem milden Lachen. "Der Brief?"

"Oh, ja, natürlich!" Die Schülerin errötete und überreichte ihrem Professor den Brief. "Dann, ehm, gute Besserung, Professor O'Brien und hoffentlich kommen Sie bald wieder, Professor Bashir." Damit machte sie einen kleinen Knicks und verschwand schnell wieder.

***


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