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Team O'Brien und das verhexte Holodeck von Amber, Janora

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Kapitel Bemerkung: Happy Halloween!
"Für die ... Sicherheit in der Drachenarena ... klar, okay ..." Julians Nasenspitze war nur minimal blass geworden, als er die Worte des Schulleiters wiederholte und sich zu Miles umdrehte. Dessen Gesichtsfarbe glich auch eher wässriger Erbsensuppe. "Kriegen wir hin", fügte Julian seinem Freund zuliebe fast schon selbstbewusst hinzu.

Dumbledor nickte zufrieden. "Wunderbar! Nach dem Abendessen können Sie sich dann mit Hagrid an seiner Hütte treffen. Sie begleiten ihn in den Wald, um noch einiges für den Wettkampf morgen Mittag zu besorgen. Er wird Sie aufklären." Damit drehte sich der Zauberer tänzelnd herum und trippelte gut gelaunt von dannen.

Aufmunternd legte Julian seine Hand auf Miles Schulter. "Na, wenn wir da im Wald nicht einen Hinweis bekommen, wie wir hier wieder rausfinden, oder?“

"Waren im Wald nicht dieser Werwolf und dieses Ding, das die Seele aufsaugt?", erinnerte sich Miles an den Film, den sie gesehen hatten. Andererseits war Hagrid selbst auch schon durchaus beachtlich und wenn sie Glück hatten, nahm alles andere Reißaus.
"Lass uns erst mal Frühstücken gehen."

In dem Punkt waren sie sich einig. Keiner von beiden wollte riskieren, dass sie zurück zur großen Halle kamen und die Türen schon wieder verschlossen vorfanden, weil sie zu spät waren.
Also machten sie sich auf den Weg zurück ins Schloss.

"Aber der Werwolf, Lupin, ist doch zurückgetreten. Und die Dementoren befinden sich wieder auf ... Askaban?", mutmaßte der Arzt. Kurz bevor sie die Schule betraten fröstelte er, als ein Schatten urplötzlich die Sonne verdunkelte. Die beiden hoben neugierig ihren Blick - und stutzen, als sie statt der Sonne in das Antlitz des vollen Mondes starrten.

"Äh?" Julian schaute zu Miles. "Wir nehmen das jetzt einfach so hin ... oder?"

Der Chief wiegte überlegend den Kopf hin und her. "Wenn es das ist, was ich vermute, ist es langsam an der Zeit, eine Formel für die Tempus Matrix aufzustellen." Er fing den Blick seines Freundes auf. "Schon wieder ein Zeitsprung ...?"

"Vermutlich. Hey", die Augen des Jüngeren hellten sich auf. "Also gibt es Abendessen! Das find ich noch besser als Frühstück!"

Grinsend zog er den Chief am Arm hinter sich her und trat mit ihm durch die geöffneten Tore der großen Halle. Ein herrlicher Duft nach Kürbissuppe, frischem Brot und gebratenem Hähnchen schlug ihnen entgegen. Julian deutete eine Verbeugung an: "Nach dir."

Von der Stimmung des Arztes angesteckt, erwiderte Miles die Geste. "Nein, nach dir", lachte er.

Verwirrt von den beiden liefen einige Schüler an ihnen vorbei in die Halle.Grinsend schob Julian Miles voran, nickte hier und da einigen Schülern zu. Allerdings fiel ihm auf, das manche die Köpfe zusammensteckten und zu tuscheln begannen. An ihren Plätzen am Lehrertisch angekommen, grüßte er freundlich in die Runde und beugte sich dann zu Miles' Ohr, als dieser ebenfalls saß: "Ist dir auch aufgefallen, dass wir ziemlich im Mittelpunkt des Interesses stehen? Die Sache mit den Drachen sollte doch geheim sein ... meinst du, die ahnen etwas?"

"Gut möglich." Miles zuckte mit den Schultern. "Vielleicht haben die vorhin alle den verbrannten Mann gesehen. Der war ja nicht gerade unauffällig."

So oder so langten beide erst mal ordentlich zu. Das richtige Frühstück war ja ausgeblieben und ganz ehrlich, unerwartete Begegnungen mit Drachen machten hungrig.

"Probier mal von dem Aufstrich hier", schob Miles seinem Freund eben diesen zu und häufte ihm etwas davon auf den Teller.

"Danke. Magst du noch ein halbes Brötchen von mir?"

Essen vertreibt ja bekanntlich Kummer und Sorgen und so fiel den beiden die nächste halbe Stunde nicht auf, wie einige der Mädchen seufzten und sie mit verklärtem Blick ansahen, viele Jungs allzu auffällig nicht zu ihnen blickten - der eine oder andere Sechzehnjährige schaute dafür um so trauriger und bekam mitfühlende Schulterklopfer seiner Freunde - und dass sogar am Lehrertisch Professor Trewlany mit rauchiger Stimme Snape einen Vortrag darüber hielt, was geschah, wenn die Plejaden im Herbst bei Vollmond auftauchten und die männlichen Schwingungen des Mars' im Zeichen der Jungfrau standen.

"Bist du fertig?" Julian schob seinen Teller beiseite und trank sein Glas aus.

Miles hatte seine Serviette bereits beiseite gelegt und nickte. "Dann lass uns mal Hagrids Hütte suchen."

Sie standen auf, verabschiedeten sich von von Lehrern, an denen sie vorbei kamen und steuerten den Ausgang an. Unterwegs grüßten sie einige Schülern, die ihren Blick auffingen.

"Professor Bashir!", rief eine Stimme vom Gryffindortisch, die sich als Hermines herausstellte. "Professor, Ihre Stunde heute war grandios." Die Schülerin lächelte ihn an und wandte sich dann wieder ihrem Kürbis zu.

Miles stupste seinen Freund an."So, so, war das heute so?"

"Natürlich, meine Stunden sind immer grandios!", wisperte Julian ihm grinsend mit geröteten Wangen zu und winkte Hermine. "Vielen Dank, Miss Granger, mit Ihnen als Schülerin ist das aber auch kein Problem!"

Kichernd duckte sich Hermine zu ihren Freunden, die sie bloß verständnislos anblickten. Offenbar hatten die beiden Jungs an ihrer Seite keinen Durchblick, was die junge Dame anging.
Miles schüttelte bloß den Kopf, bevor sie die Halle und auch das Schloß wieder verließen.
In der Dämmerung konnten sie in einiger Entfernung auf halben Weg zum Wald Hagrids Hütte ausmachen. Der Halbriese stand dort bereits und schien auf sie zu warten.
"Machst du Licht?", fragte Miles Julian.

"Lumos!", rief Julian enthusiastisch und schnippte mit seinem Zauberstab. "Das macht echt Spaß! Kannst du mir auf DS9 so was basteln?"

"Bestimmt. Theoretisch nehmen wir die hier ja auch wieder mit zurück."

Es ging einen ausgetrampelten Pfad auf einer Wiese herab. Die Nacht versprach eine frische zu werden, keine einzige Wolke war am Himmel zu sehen und ließ der klaren Luft Platz, um auszukühlen.

"Da sindse ja, 'n Abend, die Herren Professoren!", grüßte Hagrid die beiden Ankömmlinge fröhlich und schlug ihnen auf die Schulter. Man muss an dieser Stelle den beiden zugute halten, dass sie lediglich kurz wankten und nach Luft japsten.

"Hallo Hagrid", ächzte Julian freundlich und rieb sich die Schulter.

"Machense ma Ihr'n Stab aus, Professor, Sir", bat der Halbriese und ließ seinen Blick nervös schweifen. "Is Vollmond, da seh'n se genug und is ja nich nötig, dass mehr aufse aufmerksam wird, wie sein muss." Er bückte sich nach einer großen Laterne und pfiff leise durch die Zähne. "Hey, Fang, komm!" Ein riesiger, sabbernder und unendlich tapsiger Hund kam angeschossen und sprang fröhlich fiepend um die Gruppe herum. "Schluss, du kannst später knutschen, jetz' müssen wa leise sein ... Schön dicht bei mir bleiben, 'kay?"

Julian und Miles tauschten einen doch etwas nervösen Blick und folgten Hagrid zum Waldrand.

Dort angekommen zog der Halbriese einen kleineren Leinensack aus dem Inneren seines Mantels hervor. "Hier komm' Cheneyi-Blüten rein. Für den Stachelbuckel. Der hat's nicht so mit unserm Essen. Schmeckt ihm nicht. Andre Länder, andre Sitten, nich wahr?", nickte er. "Aber mit der richt'gen Würze isst's sich gleich viel besser." Er drückte Miles den Beutel in die Hand. "Da dürfen'se druf aufpasse."

Dann bekam Julian auch gleich noch einen hinterher."Okay ...", gluckste dieser. So schlimm schien der Ausflug dann doch nicht zu werden - dachte er zumindest, bis Hagrid fortfuhr: "Und der Chinesische Feuerball - den hamse noch nich geseh'n, ganz feiner Löwendrache - der brauch n paar Irrlichter, is so ne Diii-eeet, weil er'n bisschen schlecht gelaunt is ... kennt hier ja kein', bestimmt Heimweh ... und achtense drauf, die Irrlichter woll'nse bestimmt inne Sümpfe locken und Ihre eure Lebenslichter mitnehm."

"Unbekannten Lichtern nicht nachlaufen, verstanden", murmelte Miles. "Bekommen die anderen beiden Drachen auch noch Diäten?"

"Klar, aber dazu kommen'mer noch." Hagrid blickte zu den Bäumen. "Kümmern'mer uns erst mal darum und dann seh'n mer weiter. Bleiben'se schön bei mir, klar?"

"Klar", erwiderten die beiden Freunde unisono.

Julian und Miles waren erstaunt, wie lautlos der Halbriese sich durch das Dickicht des Waldes bewegen konnte. Obwohl der Vollmond sein fahles Licht durch die Nacht sandte, schien der Wald alles in seiner fast vollkommenen Düsternis zu verschlucken. Außer ihrem Atem, der als unheimliche Kondenswolke vor ihnen schwebte, hörten sie keinerlei Geräusche. Es war fast zu still. Sogar Fang, der anfänglich noch schnüffelnd von einem Baum zum anderen gehuscht war, hielt sich mit eingezogenem Schwanz dicht hinter Hagrid. Unwillkürlich rutschten auch die Freunde näher aneinander.
Der matte Schein der Laterne schenkte kaum genug Licht, um wirklich zu erkennen, was um sie herum war und so füllten Schatten und Umrisse ihre Phantasie mit grausigen Bildern aus Geschichten längst vergangener Kindertage.

Es raschelte plötzlich hinter ihnen und mit einem ängstlichen Jaulen rannte Fang davon.

"Still!", mahnte Hagrid und leuchtete ins knorrige Gebüsch.

Zuerst passierte nichts. Dann tauchte plötzlich ein Eulenkopf im Dickicht auf und starrte sie an. Das Tier öffnete seinen Schnabel und stieß einen hohen Ton aus. Dann raschelte das Gebüsch wieder. Ein zweiter Kopf tauchte auf. Dann noch einer.

Hagrid entspannte sich merklich. "Falscher Alarm." Er sah sich zu den anderen beiden um. "Das ist bloß eine Cerberus-Eule."

"Cerberus?", fragte Miles.

Die Eule fand es überhaupt nicht toll, dass sie keine Aufmerksamkeit mehr bekam und machte einen Satz nach vorne.

"Oh...", machte Miles, als er bemerkte, dass die drei Köpfe an einem Körper hingen.

"Cerberus war ein dreiköpfiger Hund in der griechischen Mythologie", klärte ihn Julian auf und musterte interessiert das Geschöpf.

Aha", erwiderte Miles klug.

Hagrid sah sich derweil nach seinem Hund um. "Dasser sich auch immer so anstellt." Murmelnd ging er weiter. "Jedesmal dasselbe."

Julian und Miles beeilten sich ihm zu folgen, was in der Dunkelheit gar nicht so einfach war. Sie folgten zwar dem schwachen Licht, mussten jedoch mit jedem Schritt aufpassen, dass sie nicht über eine Wurzel stolperten oder mit ihren hier in der Wildnis wirklich unpraktischen Umhängen irgendwo hängen blieben.
Doch natürlich blieben sie hängen, genauer gesagt, Julians Umhang verfing sich im Unterholz. Er blieb kurz stehen, bückte sich hinunter, um den Saum von einer sehr hartnäckigen Dornenranke zu befreien und als er wieder aufsah, blickten ihn zwei große gelbe Augen an.

"Eh, du Pisser!"

Verwirrt runzelte Julian die Stirn und schüttelte ungläubig den Kopf. Wie hatte man ihn gerade betitelt? "Entschuldigung ...?"

"Eh, du Pisser!" Das dünne, dreiste Stimmchen, zu dem die Augen gehörten, kam aus einem spitz zulaufenden Maul. Der Arzt sah genauer hin und fand sich etwas gegenüber, das entfernte Ähnlichkeit mit einem Marder oder Frettchen hatte.

"Kann ich dir helfen?", erkundigte er sich freundlich, wenn auch sehr irritiert.

"Geh mir nicht auf die Eier, du Pisser!", knurrte das Fellvieh drohend und bleckte die Zähne.

"Ich mach doch gar nichts, schon gut ...", beschwichtigte Julian und erhob sich vorsichtig. Diese Bewegung reichte dem Tierchen und es sprang mit einem Satz auf seine Brust. "Eh, du Pisser!"

Dem Arzt entfuhr ein leiser Aufschrei.

Miles eilte zu ihm. "Jules!" Er sah das Fellknäuel und packte danach, bekam aber einen fehlgeleiteten Schlag von Bashir ab. "Halt still!"

"Pisser!"

Der Chief erwischte das Tier und hielt es im Nacken hoch.

"Pisser! Eh, du..." Das kleine Ding keifte und fauchte nach ihnen. Miles blickte Julian fragend an. Da dieser auch keine bessere Idee vorweisen konnte, warf er das Frettchen, oder was es war, sanft zurück in die Dunkelheit.

"Ey, du Pisseeeer!"

"Ich bin gespannt, was als nächstes für eine Kuriosität kommt." Miles drehte sich suchend um. "Ehm ... wo ist Hagrid hin?"

"Äh ...?" Julian sah sich um, doch das Licht der Laterne war nirgends zu entdecken. Ein einzelner Windhauch ließ sie frösteln und die Äste der Bäume drohend winken.

"Mist! Hagrid?!" Keine Reaktion. "Hagrid!"

"Nicht so laut", ermahnte Miles ihn, als das leise Zirpen in der Nähe bei den Rufen verstummte. "Du weißt doch, was er gesagt hat. Keine Aufmerksamkeit erregen."

"Ja, aber wir brauchen entweder Licht oder Hagrid, der Licht hat. In dieser Finsternis kommen wir sonst keinen Schritt voran."

"Wenn wir eine Lichtung finden, können wir den Vollmond nutzen."

"Aber wie sollen wir eine Lichtung finden?"

Daraufhin fiel dem Chief nichts mehr ein.

"Okay", gab er schließlich nach einer Pause zu. "Was schlägst du vor?"

Julian überlegte. "Wir könnten uns selbst mit dem Schwebezauber über die Baumkronen heben und -..."

"Was schlägst du noch vor?", unterbracht Miles ihn, woraufhin der Arzt schmollend den Mund verzog. Aber in der Dunkelheit sah das ohnehin niemand.

"Wir machen uns ein wenig Licht und versuchen irgendwo einen Weg zu finden - und möglichst wenig Aufmerksamkeit zu erregen?", versuchte er es erneut.

Dieses Mal nickte O'Brien."Okay."

Julian zückte also seinen Zauberstab und trotz Hagrids vorangegangener Warnung aktivierte er das Licht. In der Finsternis erschien es ihnen sehr grell, obwohl es kaum hell genug war, um weiter als bis zum nächsten Baum zu leuchten.

"Ich glaube, wir waren in dieser Richtung unterwegs." Der Chief deutete nach rechts. "Da an den Ästen stand ich, als der Pisser sich auf dich gestürzt hat."

Also liefen siein diese Richtung los. Obwohl sie besser sahen als zuvor mit Hagrid, bewegten sie sich nicht schneller. Zu ungewohnt war die Umgebung. Die Schatten bewegten sich mit jedem ihrer Schritte und hinterließen ein unheimliches Gefühl. Sie waren die glatten Gänge und glänzenden Oberflächen ihrer Station gewöhnt, zusammen mit dem leisen Surren von Computern. Aber hier war alles rau, verdeckt von Blättern und in abgedunkelten, dumpfen Farben.
Und natürlich mussten sie immer noch auf Wurzeln und Äste achten, denn einen richtigen Weg gab es nicht. Nicht mal eine Art Trampelpfad. Im Grund nichts, was darauf hinwies, dass hier jemand spazieren gehen sollte oder vor kurzem vorbeigekommen war.
Sie hielten sich gegenseitig an ihren Umhangärmeln fest, damit sie sich nicht auch noch verlören.

"Siehst du etwas?", fragte Miles von hinten
.
Julian gab einen verneinenden Laut von sich. Ein Anzeichen, dass er sich nicht wohl fühlte. Normalerweise war er um Worte nicht verlegen.

In der Ferne hörte man ein Käuzchen rufen. Dann noch eines. Möglicherweise war es der Cerberus.
Hin und wieder vernahmen sie in der Ferne ein Knacken, aber nicht nah genug, dass sich die beiden damit aufhalten wollten. Nur eine fliehende Beute war eine sichere Beute. Wer stehen blieb, konnte leichter gefressen werden.

Natürlich vermieden es die beiden, das zu denken. Sie fühlten sich auch schon so unwohl genug.

Plötzlich blieb der Arzt stehen.

"Ich glaube, da vorne bewegte sich etwas", flüsterte er halblaut, versuchte angestrengt ins Halbdunkel zu starren.

Miles Körper spannte sich an.

"Der Hund vielleicht?", fragte er in gleicher Lautstärke zurück.

"Nein, ich glaube, es krabbelt." Julian machte einen Schritt nach vorne und der Leuchtkegel seines Stabes fiel auf einen umgestürzten Baumstamm.

Auf eben diesem bewegte sich ein dunkler Fleck ineinander durcheinander. Da seine Neugier geweckt war und keine akute Gefahr zu sehen war, ging Julian noch ein Stück vor.

Miles kam natürlich hinterher.

"Ich glaube das sind Spinnen. Ganz kleine“, wisperte Julian.



„Ekelhaft.“ Miles schüttelte sich. Aber solange die achtbeinigen Dinger nicht giftig waren, brauchten sie sich nicht darum kümmern. „Lass uns außen herum gehen.“

Der Meinung war der Arzt auch. Sie schlugen einen Bogen und gingen weitläufig an dem Baumstamm vorbei.

Das Käuzchen schrie wieder in der Ferne.

Die nächsten Minuten stolperten sie schweigend voran, doch an ihrer Umgebung änderte sich nichts. Es ging mal ein wenig bergauf, dann wieder bergab, mal nahmen die Wurzeln zu und mal war der Boden etwas steiniger. Bäume standen mal mehr, mal weniger weit auseinander. Kurzum: es gab keinerlei Anhaltspunkte für die beiden.
Und kein Hagrid oder Fang weit und breit.

„Vielleicht sollten wir lieber den Ausgang des Waldes suchen. Wir wissen ja eh nicht, wie diese Blüte aussieht, die wir sammeln sollen“, meinte Miles nach einer geraumen Weile.

Der Arzt drehte sich zu ihm und druckste ein wenig herum. „Also eigentlich ... versuche ich das längst schon.“

„Wie bitte?“ Entgeistert blickte Miles ihn an, doch Julian zuckte nur mit den Schultern.

Also seufzte der Chief sich ergebend. „Gut, dann vielleicht - ...“ Er stoppte, als er ein dumpfes Geräusch ganz in der Nähe hörte. „Hast du das auch gehört?“

„Ja.“

„Weißt du, was das war?“

„Nein.“

Die beiden rückten näher zusammen und Miles hielt die Luft an. Die dumpfen Töne, fast wie Schritte, ertönten nun hinter ihnen, und sie drehten sich um. Doch alles außerhalb des schmalen Lichtkegels lag in einem schalen Schwarz.

„Hagrid?“, fragte Julian mit geringer Hoffnung.

Links von ihnen erklang ein leises Scharren. Wenn der Arzt es nicht besser wüsste, würde er sagen, es kam von Hufen. Aber Pferde hier im Wald? Des Nachts? Unwahrscheinlich.
Viel eher war es eine andere gruselige Kreatur. Bisher war nichts wirklich bösartig auf diesem Ausflug gewesen. Aber ob ihr Glück darin anhalten würde, stand in den nicht sichtbaren Sternen.

Etwas wie leises Flüstern war um sie herum zu hören.

„Lass uns weitergehen“, raunte Miles, doch Julian schüttelte den Kopf.

„Ich glaube, wir sind eingekreist. Da würden wir nicht weit kommen.“ Dann hob der Arzt die Stimme. „Hallo? Entschuldigung?“

Natürlich hatte er genug Horror-Holos gesehen, um zu wissen, dass es nicht immer klug war, seinen Verfolger anzusprechen. Aber zu schweigen würde sie hier auch nicht weiterbringen.

„Warum entschuldigen Sie sich?“, ertönte plötzlich die Frage seitlich von ihnen. Und aus der Dunkelheit löste sich ein Schatten. Sie sahen einen menschlichen Kopf mit nackten Oberkörper. Weiter nach unten tauchte dann starkes, dunkles Fell auf und dann Pferdehufe. Hinter ihm folgte der restliche Pferdeleib.

Die beiden starrten den Zentaur an.

„Wir haben unseren Freund verloren und uns verlaufen“, versuchte Julian ihre Situation zu erklären. „Kennen Sie zufällig Hagrid?“

Die Miene des Fabelwesens verdüsterte sich. „Hagrid ... ja, durchaus.“

Neben ihm tauchte ein weiterer Zentaur auf, in der Hand hielt er einen handgemachten Speer. „Ich dachte, wir hätten ihm gesagt, dass er sich aus unserem Territorium fern halten soll.“ Mit seinen dunklen Augen blickte er die beiden ‘Eindringlinge‘ ganz offen feindselig an.

Unwillkürlich traten diese einen Schritt zurück.

„Zügel dich, Bane“, erwiderte Magorian „Das ist unhöflich.“

„Es ist auch unhöflich, in das Gebiet anderer einzudringen, ohne sich überhaupt einmal vorzustellen!“

„Das ist es in der Tat“, warf Julian hierauf ein, worauf die beiden Fabelwesen ihn ein wenig überrascht anblickten. Bane bleckte die Zähne. „Ich möchte das sofort nachholen“, fuhr der Arzt fort. „Mein Name ist Professor Bashir und das hier ist mein Kollege Professor O‘Brien.“ Er zeigte auf Miles, welcher der guten Erziehung gemäß mit dem Kopf nickte.

„Professoren?“, hakte Magorian nach und musterte sie verwirrt. „Sie sind beide nicht-magische Menschen. Wie können Sie Professoren sein?“

„Nicht nur Eindringlinge sondern auch noch Lügner.“ Knurrend deutete Bane mit seiner spitzen Speerspitze auf die beiden.

„Wir wollten doch nur - ...“ Weiter kam Miles nicht, bevor er von dem Zentaur unterbrochen wurde.

„Menschen wollen immer etwas.“ Bane war eindeutig nicht gut auf ihre Spezies zu sprechen. Magorian schien aber auch seine Geduld zu verlieren, denn die beiden kamen langsam, aber bedrohlich auf sie zu. Und das nicht alleine, denn hinter ihnen traten noch mehr Zentauren aus der Dunkelheit des Waldes hervor. Offensichtlich hatten sie es hier mit einer ganzen Herde zu tun.

Julian und Miles warfen sich einen kurzen Blick zu. Hier kamen sie nicht weiter, das wussten sie. Gewalttätig wollten sie nicht gegen ihre Gegner werden. Also nahmen sie die einzige Alternative: sie drehten sich um und sahen zu, dass sie Land gewannen.

Jetzt waren die Wurzeln und Äste egal. Sollten ihre Umhänge doch an den Dornen zerreißen. Hauptsache, sie wurden nicht von den Hufen, deren dumpfes Geräusch sie verfolgte, zertrampelt.
Immer wieder stolperten sie, schafften es aber, sich auf den Beinen zu halten und sich auch nicht zu verlieren. Zweige streiften ihr Gesicht, doch sie achteten nicht darauf.
Immer weiter liefen sie, bis sie nichts mehr außer ihrem eigenen Blut in den Ohren rauschen hörten. Völlig außer Atem kamen sie schließlich zum Stehen.

„Ich glaube“, japste Miles nach Luft, „wir haben sie abgehängt.“

„Ich hör sie auch nicht mehr“, stimmte der Arzt ebenfalls keuchend zu. Er blickte sich ein wenig um und bemerkte, dass sie eine Lichtung erreicht hatten. „Vielleicht mögen sie kein Mondlicht.“

Dieses schien von oben auf sie herab und tauchte ihre Umgebung in ein schales Grau. Vielleicht konnten sie sich hier ein wenig verstecken, bevor sie weiter gingen. Wohin, war allerdings die Frage. Denn spätestens jetzt hatten sie die Orientierung vollends verloren.
Und wenn Hagrid ihre Verfolgung nicht gehört hatte, war er auch keinesfalls in der Nähe.

Julian lehnte sich gegen einen moosigen Felsen, in dessen Schatten sie standen. Dabei fiel ihm etwas auf.

„Schau mal, Miles, hier wachsen Blumen.“

Der Chief blickte ihn verständnislos an. „Jules, wir sind in einem Wald. Hier wachsen bestimmt einige Blumen.“

Julian verdrehte die Augen. „Schon klar. Aber die hier wachsen genau im Mondlicht. Glaubst du, das ist die Pflanze, die wir suchen?“

Jetzt wurde Miles aufmerksam. „Du meinst, wir sollten hierher gelangen, damit wir sie einsammeln können?“ Das würde auf eine Weise sogar Sinn ergeben. „Wenn wir sie haben, taucht Hagrid vielleicht wieder auf und bringt uns hier raus.“

„Genau“, nickte der Arzt. „Komm hilf mir.“ Er pflückte ein paar der Blüten. Im Halbdunklen war er sich nicht ganz sicher, welche Farbe sie besaßen. Es konnte etwas zwischen blau und braun sein.

„Nehmen wir sicherheitshalber auch ein paar der Stängel und Blätter mit“, schlug Miles vor.

Sie sammelten eine gewisse Menge in einen der Jutesäcke, die unterwegs wunderbarerweise nicht verloren gegangen waren.

„Das sollte reichen.“ Nach einer Weile schloss der Chief den Sack. „Dann müsste gleich die nächste Aktion beginnen.“

„Hagrid?“ Hoffnungsvoll sah Julian sich um.

Doch der Halbriese war nirgends zu sehen.

Stattdessen starrte Miles auf den moosigen Felsen hinter dem Arzt. „Jules ...“

Der warnende Tonfall seines Freundes, ließ ihn aufhorchen und er folgte seinem Blick.
Zuerst dachte er, dass der Felsbrocken doch größer war, als er gedacht hatte. Dann fiel Julian auf, dass er langsam in die Höhe wuchs. Und dass er gar kein moosiger Felsen war. Lange Beine lösten sich links und rechts mit je einem leisen Klicken, insgesamt acht mal.

Das war keine Aktion, die sie erwartet hatten. Oder erwünscht.

Miles reagierte als erstes. Er wollte keinesfalls warten, bis sich diese riesige Spinne auseinander gefaltet hatte. Er packte seinen Kollegen am Ärmel und zog ihn mit zurück in den Wald.

„Hast du das gesehen?“, fragte Julian aufgeregt, weigerte sich aber nicht ihm zu folgen.

„Natürlich. Aber ich hatte heute wirklich genug Begegnungen mit übergroßen Fabeltieren!“ Miles griff nach seinem Zauberstab. Im Wald war es wieder viel dunkler als auf der Lichtung und ohne Licht liefen sie Gefahr, einen Baum nicht rechtzeitig zu sehen.

Julian hatte den gleichen Gedanken und aktivierte mit einem „Lumos“ seinen Stab.

Wieder liefen sie mitten ins Blaue hinein, machten einen Bogen um alles, das irgendwie unheimlich aussah oder sich zu bewegen schien. Keine leichte Aufgabe, die sie immer wieder dazu brachte Haken zu schlagen.

„Ich glaube da vorne ist es heller“, deutete Julian nach links und lenkte in die Richtung. Sie sprangen über einen Baumstamm, und stolperten dann plötzlich einen steilen Hang hinunter, den sie in der Dunkelheit nicht gesehen hatten.

Unsanft kam Miles unten auf, bemerkte, dass er mit dem Gesicht in taunassen Gras lag und setzte sich vorsichtig auf.

„Uffa! ... Julian?“

Er blickte sich um und sah, dass der Arzt hinter ihm eine ähnlich schmerzhafte Landung gemacht hatte.

„Au! Ja, ich bin da. Geht‘s dir gut?“

„Ich glaub schon.“

Bevor Miles sich nach Verletzungen abtasten konnte, wurde die Arbeit schon vom Doktor übernommen.


„Scheinst in Ordnung zu sein. Na ja, soweit m- … Wuuuooooh!“, unterbrach er sich überrascht, als eine riesige Pranke ihn am Genick packte und auf die Beine stellte.

„Da sindse ja, Professors, wo hamse denn gesteckt?“ Hagrid war erstaunlich lautlos aus dem Wald getreten und hatte erst Julian und dann Miles in die Aufrechte befördert. Fang sprang erfreut um die Gruppe herum und besabberte liebevoll Miles' Hand, was von einem nicht ganz so liebevollen Blick geduldet wurde. „Ich dacht schon, die Acromantula hättse erwischt, aber das hättse nich so gemeint, wissense, aber die Babys wollnja auch was zum Beißen haben und … Potzblitzverdammich! Fang! Nu lass den Professor mal trocknen!“

Julian und Miles schraken gleichermaßen zusammen während der Saurüde sich mit einem schmollenden Winseln in Richtung Hagrids Hütte verzog.

„Ehem“, brummte der Chief und wischte sich unauffällig seine Hand am Umhang ab. „Wir haben die Blüten, Hagrid.“ Damit reichte er dem Halbriesen den Sack.

„Großartig!“ Voller Freude schlug Hagrid Miles auf die Schulter, der glücklicherweise rechtzeitig von seinem Freund gestützt wurde, wäre er ansonsten mit Sicherheit zu Boden gegangen. „Das wird bei'm Gläschen gefeiert, nich, Professors, Sir?“

„Äh, klar, gerne … Oder?“ Julian warf Miles einen fragenden Blick zu, der aber in vorfreudiger Erwartung auf ein wärmendes Gläschen bereits die Handflächen aneinander rieb.

Wenig später saßen die drei um Hagrids Tisch, im Kamin prasselte ein lauschiges Feuer, in ihren Händen jeweils das, was ein Halbriese „Gläschen“ nannte. Fang schnarchte genüsslich zu ihren Füßen.

„ … ja, un dann hamse mir gesagt, du, Hagrid, hamse gesagt, wenn du das mit den Knallrümpfigen Krötern machen willst, dann – weia – mach das ma, aber verdammich und eins, wehe, den Kindern passiert was!“ An dieser Stelle schüttelte der Zottelkopf schnaubend den Kopf. „Als wenn die süßn Racker wem was tun machen würden … das sind doch noch Babys, wissense ...“

Während Julian interessiert lauschte und zustimmend nickte – und sich still fragte, was Knallrümpfige Kröter waren -, schlürfte Miles selig seinen Drink, der dem durchaus Konkurrenz machen konnte, den Quark ihn vor wann-auch-immer-vielen Tagen ausgegeben hatte.

Doch bekanntlich sollte man ja aufhören, wenn es am schönsten war und so nutzen die beiden Freunde die Gelegenheit, als Hagrids Kopf nach dem dritten „Gläschen“ mit einem lauten Klonk! auf die Tischplatte krachte.

„Hopp, lass uns auch zurück zum Schloss“, lallte Miles nur wesentlich und zog Julian mit sich hoch. Dieser schüttelte sich kurz und hielt einen unfeinen Laut zurück.

„Puuuh, was bin ich froh, dass wir nur einen von diesen Drinks hatten ...“, murmelte er und hielt vorsichtshalber seinen Kopf mit beiden Händen fest.

Sich gegenseitig stützend torkelten sie durch die mondhelle Nacht Richtung Schule zurück und wollten gerade durch das große Tor gehen, als in einiger Entfernung ein hohler Schrei erklang, gefolgt von einem Wimmern. Erschrocken drehten sie sich um, durchforsteten die Dunkelheit mit ihren Blicken.

„Links am Baum“, wisperte Julian und nickte in die entsprechende Richtung. Miles kniff die Augen zusammen und entdeckte nun auch den schwarzen, mannsgroßen Schemen, der sich über etwas beugte, dass am Boden kauerte.

Sie tauschten einen Blick, ratlos hob der Arzt die Schultern und Miles runzelte die Stirn. Sollten sie nachsehen? Ein weiteres gedämpftes Aufjaulen, dann gab einen lauten Knall und – nichts! Beide Gestalten waren verschwunden.

„Verdammt, Jules, was war das?“

„Keine Ahnung …“ Julian rieb sich die Arme, ihm war merklich kälter geworden und sein Atem kondensierte. „Wollen wir nachsehen?“ Wenn er ehrlich zu sich selbst war, hoffte er auf ein Nein.

Miles hatte ebenfalls beide Arme um sich geschlungen und zitterte. Schließlich nickte er zögerlich. Wenn sie hier rauskommen wollten, dann mussten sie auch aktiv werden.

Dicht an dicht schlichen sie Richtung Baum, die Zauberstäbe gezückt. Plötzlich hielt Julian seinen Freund zurück. „Da ist ... noch was … über der ... Krone ...“ Seine Zähne klapperten so sehr, er konnte kaum die Worte bilden.

Miles folgte seinem Blick – und mit einem Ruck riss er seinen Freund zurück.

„Verschwinde!“

„Was ...“

„Quatsch nicht, lauf!“ Seine Augen weiterhin auf den Himmel über dem Baumwipfel gerichtet, gab er Julian einen unsanften Schubs und dieser setzte sich endlich in Bewegung.

Kaum hatten sie die Schultore passiert, schlossen sich die Flügel und erschöpft rangen sie nach Atem.

„Miles, was war das denn jetzt?“ Julians Tonfall war eine Mischung aus empört und beunruhigt.

„Da war so ein schwarzer großer Schatten ...“, druckste Miles herum. „Weißt schon, wie so ein Dementor ...“

Julian stemmte schnaufend die Hände in die Hüften und richtete sich auf. „Du weißt schon, dass rund um das Schulgelände Schutzzauber und Fluchabwehrzauber sind, um zu verhindern, dass etwas hineinkommt, was nicht hinein soll?“

„Na ja ...“ Vielleicht hätten sie keinen Drink von Hagrid annehmen sollen? Aber andererseits … „Ach, egal. Lass uns schlafen gehen“, brummte er schließlich.

Durch das Adrenalin wieder etwas nüchterner wankten sie in Richtung ihres Zimmers. Kurz vor dem entsprechenden Gang hielt Julian Miles jedoch am Oberarm zurück. „Miles?“

„Hm?“

„Trotzdem danke.“

Brummelnd winkte Miles ab, schenkte seinem Freund aber ein Lächelnd. Genau in diesem Moment hörten sie Schritte und nahmen einen leichten Sherrygeruch wahr. Und da bog auch schon Professor Trewlany um die Ecke und blieb abrupt stehen, musterte durch ihre dicken Brillengläser die beiden Kollegen, deren Haar zerzaust war, die Umhänge voller Dreck und Blätter und die Wangen gerötet.

„Ooooh, Venus im Vollmond … ja ja ...“, lallte sie, tätschelte beiden die Wange und zog ihres Weges weiter.

Kopfschüttelnd brachen Miles und Julian in befreiendes Gelächter aus, die Anspannung fiel von ihnen ab. Allerdings nur, bis sie die Tür zu Miles' Zimmer öffneten.

***


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