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Team O'Brien und das verhexte Holodeck von Amber, Janora

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Julian und Miles wirbelten überrascht herum. Sie standen in einem unbekannten Klassenraum und nicht unweit von ihnen entfernt blickte Snape sie eine Antwort erwartend an. Sie kamen sich vor wie Lausbuben, die gerade bei etwas erwischt worden waren.

"Ehm ...", machte Miles und hörte noch mit einem Ohr, wie das Klappern der Rüstung sich weiter der Tür näherte.

"Uns verfolgt eine Ritterrüstung!", platzte Julian heraus und deutete vorwurfsvoll zur Tür.

Der schwarzhaarige Zauberer verzog die dünnen Lippen zu einem spöttischen Grinsen. "Sollten Sie da nicht genau wissen, was zu tun ist, Professor?"

"Ähm ...", machte nun auch Julian ob der Rüge und wandte sich hilfesuchend an seinen Freund. "Sollte ich?"

Dieser zuckte mit den Schultern. Woher sollten sie beide das bitte schön wissen? Doch bevor er etwas Kluges darauf erwidern konnte, klopfte es plötzlich von der anderen Seite gegen die Holztür.
Die beiden Freunde blickte sich an. Die Rüstung konnte nichts Schlimmes sein, wenn der andere Lehrer dabei so ruhig blieb. Andererseits ...

"Möchten Sie Ihrem Gast nicht öffnen?", fragte Snape sie, als sie sich nicht rührten. Offenbar fand er es sehr unterhaltsam, sie zu beobachten.

Langsam griff Miles zur Klinke, da er näher stand. In der anderen Hand hatte er seinen Zauberstab, bereit den Haufen wegzupusten, wenn es nötig sein sollte. Er öffnete die Tür ein Stück und blickte hinaus.
Das Visier war geschlossen, weswegen der Chief nicht dahinter blicken konnte. Seine Aufmerksamkeit wurde dann aber auf den Plattenhandschuh gelenkt, der ihm etwas entgegen streckte. Einen Brief aus altem Pergament.

Obwohl die Rüstung vermutlich schon seit Äonen hier im Schloss stand, schien sie dennoch nicht unendlich viel Zeit zu haben. Als der Chief keinerlei Anstalten machte, nach den ersten drei Sekunden den Brief entgegenzunehmen, erklang aus dem Inneren des Helmes etwas, das man als enerviertes Schnauben bezeichnen könnte und die Rüstung wedelte knarzend und ungeduldig mit dem Pergament vor Miles' Gesicht.

"Ich glaube, der ist für dich", gluckste Julian, fand er doch, dass die Situation eine ausgesprochen komische Wendung genommen hatte.

Miles erwachte aus seiner Schockstarre und griff nach dem Papier. Daraufhin drehte sich die Rüstung um und machte sich quietschend und scheppernd wieder auf den Rückweg.
Der Chief schloss die Tür wieder. Damit hätte er nicht gerechnet.
Sein Blick fiel auf den Brief in seiner Hand, der keinerlei Absender hatte. Oder Empfänger. Oder sonst irgendetwas, das auf seinen Ursprung deutete. Da er aber merkte, dass Julian neben ihm aufgeregt ob dieser neuen Wendung wurde, öffnete er den Brief und las ihn sich kurz durch.
"Da steht, dass wir beide bei Sonnenaufgang zum Quidditchfeld kommen sollen."
Er reichte den Brief weiter an Bashir.

Dieser überflog ihn ebenfalls und runzelte nachdenklich die Stirn. "Könnte das ein Hinweis sein?", murmelte er halblaut und drehte sich dann zu Snape herum. "Professor, ist für morgen Früh ein Training oder Spiel angesetzt?"

"Sehe ich aus, wie Ihr Sekretär?", erwiderte Snape kühl. "Des Weiteren ... Was treiben Sie mitten in der Nacht außerhalb Ihrer Schlafräume? Und nun sagen Sie mir nicht, die Rüstung hätte Sie aus Ihrem Gemach heraus verfolgt?"

Allmählich ging dem Arzt Snapes Art auf die Nerven. "Die Frage in ähnlicher Form könnten wir genauso gut Ihnen stellen. Wenn mich nicht alles täuscht, liegt Ihr Klassenraum doch eigentlich im Keller , oder?"

Dem Schwarzhaarigen schien es ähnlich zu gehen, dann er verschränkte die Arme. "Ich bin für die Nachtaufsicht eingeteilt. Um dafür zu sorgen, dass keine Schüler", er machte eine kurze Pause und schien kurz davor zu sein 'oder sonstige Individuen' hinzuzufügen, als er die beiden musterte, "heimlich durch das Schloss schleichen."

"Prima", erwiderte Miles. "Machen Sie weiter damit. Wenn Sie uns nun entschuldigen würden, wir sind müde." Er warf Bashir einen auffordernden Blick zu und verließ dann den Raum, allerdings nicht, ohne sich nicht versichert zu haben, dass auf dem Flur keine weiteren Rüstungen herumliefen.

Julian schluckte eine passende an Snape gerichtete Bemerkung herunter und folgte dem Chief auf den Gang. Die Tür schloss er ein wenig fester, als notwendig und fühlte sich dadurch auf herrlich infantile Weise besser. "Miles, ich würde tatsächlich ein wenig Schlaf in Betracht ziehen. Sollte der Brief wirklich ein Hinweis sein, wie wir hier herauskommen und sollte die Zeit auch weiterhin ihre ganz eigene Dynamik beibehalten, wäre es mehr als ratsam, wenn wir ausgeruht sind.“

"Ganz meine Meinung. Abgesehen davon, hieß es nicht, dass dieses Jahr kein Quidditch gespielt wird, sondern stattdessen dieses Turnier stattfindet?"
Miles blickte erneut auf den Brief. Auch wenn dieser nicht unterschrieben war, so konnte er sich bei der ordentlichen, aber leicht schrägen Handschrift keinen anderen Verfasser als den Schulleiter selbst vorstellen.

„Stimmt." Julian rieb sich nachdenklich die Stirn. Sie waren wundersamer Weise ohne weitere Zwischenfälle an ihren Zimmertüren angekommen. "Dein Quartier oder meins?"

Miles musste lachen. "Ich dachte, wir wollten morgen ausgeruht sein und uns nicht mit unserem gegenseitigen Schnarchen wachhalten."

"Ich schnarche nicht!", entrüstete sich der Jüngere. "Komm schon, es ist sicherer. Wer weiß, was noch passiert." Dass er tatsächlich das gesamte Gebäude und die Situation an sich gruselig fand, musste er seinem Freund ja nicht auf die Nase binden. "Also dein Quartier, da liegen ja schon meine Sachen. Mach mal die Tür auf und geh zur Seite, ich lass mein Bett zu dir schweben!"

Mochte es am Umstand liegen, dass er in der Tat müde war oder einfach wusste, wann es nichts mehr brachte mit Julian zu diskutieren, aber Miles fügte sich stumm und öffnete die Tür zu seinem Zimmer. Außerdem war die Vorstellung von Julians Plan einfach zu amüsant gewesen, als dass er nicht dabei hätte zusehen wollen.

Vorfreudig krempelte Julian sich theatralisch die Ärmel hoch, sobald beide Türen geöffnet waren. Dann richtete er seinen Zauberstab auf sein Bett, drückte auf den entsprechenden Knopf und schwerfällig hob sich das Möbelstück in die Luft. "Tada!", verkündete er triumphierend, schwenkte den Zauberstab Richtung Tür - und das Bett krachte mit Schmackes gegen den Rahmen. "Ups ..." Beim zweiten, etwas weniger schwungvollen Versuch gelang es dem Arzt dann, das Bett neben das von Miles zu manövrieren. Er verschloss beide Türen wieder und ließ sich dann auf sein Bett fallen. "Geschafft!"

Glücklicherweise hatte sich Miles rechtzeitig in Deckung gebracht. Und mit etwas mehr Glück hatte auch niemand den Krach in der Nacht gehört. In diesem komischen Schloss sowieso nicht, fand er.
Mit einem amüsierten Grinsen nickte er Julian anerkennend zu. "Nicht schlecht. Jetzt aber wirklich ab ins Bett. Dann schaffen wir es morgen vor dem Treffen vielleicht noch zum Frühstück."

"Papa Miles hat gesprochen?", foppte der Arzt vergnügt, musste aber gähnen. Mit dem Kinn deutete er auf eine schmalere Tür gegenüber der Zimmertür. "Ich check mal, ob das das Badezimmer ist ..." Damit erhob er sich und stellte erleichtert fest, dass hinter der Tür wirklich ein kleines, altmodisches Bad mit einer historisch anmutenden Duschnische, WC und Waschbecken war. Nach einigem Suchen fand er in einem Schrank mehrere verpackte Zahnbürsten und Zahnpaste und ein Stück Seife. Auch flauschige Handtücher waren vorhanden. Wenn es jetzt am nächsten Morgen noch mit Frühstück klappte und sie einen Weg hier raus fanden ... was wollte er mehr? Pfeifend machte der Arzt sich für die Nacht zurecht und kroch dann in Unterwäsche in sein Bett unter die Decke. "Lassen wir eine Kerze brennen?"

"Ist es eine magische Kerze, die nicht plötzlich einen Großbrand auslösen und uns töten kann?", fragte Miles zurück auf dem Weg zu seiner Runde ins Bad. "Wenn du Licht möchtest, können wir ja einen Zauberstab anmachen."

"Haben die einen Akku?" Skeptisch beäugte Julian seinen Stab, zuckte dann aber gähnend die Schulter. "Ach, wird schon nichts schief gehen ... Lösch die Kerze. Ach so ... Hast du einen Wecker? Wobei, ich hab keine Ahnung, wie spät es ist ... oder wie die Zeit hier verläuft. Oder", er brach ab, als er den Blick seines Freundes bemerkte. "Schon okay, ich bin ja ruhig. Wir warten einfach ab."

Miles nickte zufrieden und verschwand nach nebenan.
Kurz darauf kletterte auch er in sein Bett und machte es sich bequem. "Gute Nacht, Jules", gähnte er noch, bevor er die Augen schloss.

"Schlaf gut", nuschelte der Jüngere zurück. Noch während er sich Gedanken darüber machte, ob sie nicht vielleicht abwechselnd schlafen sollten, hatte der Schlaf ihn auch schon geholt ...


***

Ein melodisches, sanftes Läuten weckte ihn schließlich auf. Etwas orientierungslos öffnete er halb die Augen - und fand sich Miles' schlafendem Gesicht gegenüber. "Hnnmmgf", brummelte er, als die Erinnerung an ihre Lage sich einstellte und er suchte mit den Augen nach der Quelle des Läutens. Erst jetzt bemerkte er, dass bereits ein kleines Feuer im Kamin flackerte und einige Öllampen ein angenehmes Licht spendeten. Und da, auf der Kommode, stand ein antiker Wecker, der fröhlich auf und ab hüpfte und sich mit kurzen Pummelärmchen auf zwei Messingglocken auf seinem "Kopf" schlug.

Miles hatte sich sein Kissen bereits über die Ohren gezogen, um dem Lärm zu entgehen. Brachte allerdings nicht viel, denn als wäre es voreingestellt gewesen, wurde der Weckton lauter.
"Hnnn ... Alarm aus", brummte er in den Raum, doch leider gab es keine Stimmenerkennungssoftware, die ihm zuhörte.

Grinsend kletterte Julian aus seinem Bett über Miles rüber, um so an die Kommode zu kommen. Er griff nach dem Wecker, aber dieser wich ihm geschickt aus. "Hey!", empörte sich der Arzt und jagte dem Wecker hinterher, der zielstrebig Kurs auf das Kopfkissen des Chief nahm, um dort mit neuem Elan noch fröhlicher zu Bimmeln.

Mit einem genervten Aufstöhnen machte dieser schließlich kurzen Prozess und erstickte den Wecker mit seinem Kissen.
"Ich hab den Room-Service nicht bestellt", meinte er trotzdem und bequemte sich dann mit einem weiteren Gähnen endlich aus dem Bett. Die Nacht war nach seinem Geschmack viel zu kurz gewesen.

"Guten Morgen!", grüßte Julian ihn gut gelaunt, wich dann aber ob Miles' Miene schnell ins Bad aus.

Glücklicherweise wurde die Aufmerksamkeit des Chiefs von zwei dampfenden Tassen abgelenkt, die auf dem Kaminsims standen. Bei näherer Betrachtung stellte er erfreut fest, dass es sich um Kaffee handelte. Jetzt dankte er dem unbekannten Room-Service doch noch.

Als Julian wenig später aus dem Bad herauskam, fand er einen zufriedenen Miles vor, der genüsslich aus einer Tasse schlürfte. "Kaffee", teilte dieser ihm mit und nickte zum Kaminsims, auf dem eine zweite Tasse stand.

"Ich frag erst gar nicht, wo der herkommt", seufzte der Arzt, griff aber dankbar nach dem Kaffee.

Nachdem sie ihren Kaffee ausgetrunken hatte und Miles ebenfalls seine Morgenhygiene hinter sich gebracht hatte, zogen die beiden sich die Umhänge über und packten ihre Zauberstäbe und das Medikit.

"Bereit?", vergewisserte sich Julian und öffnete dann voller Tatendrang die Tür - und stieß beim Hinausgehen mit jemandem zusammen. "Oh, Pardon!"

Miles, der gerade seinen Umhang noch einmal richtete, stolperte in Julian hinein.

"Hey, was ...?" Der Chief fing sich gerade noch auf und hielt sich an Julians Schulter fest.

"Verzeihung." Eine Frau mit buschigen Haaren schob ihre dicke Brille zurecht. "Oh, Professor Bashir, Professor O'Brien." Sie blickte mit verwirrten Gesichtsausdruck von den beiden Herren zu der Tür, aus der sie gerade gekommen waren. "Guten Morgen."

Julian klopfte mit seiner Hand beruhigend auf Miles' Hand und schenkte der Dame, die erschreckende Ähnlichkeit mit einer überdimensionalen Heuschrecke hatte, sein sonnigstes Lächeln. "Guten Morgen Professor Trewlany! War Ihre Nacht auch viel zu kurz?"

"Wie?" Die Lehrerin für Wahrsagen schien noch einen weiteren Moment verwirrt. Vielleicht war das aber auch einfach ihre Grundeinstellung. "Ja, Venus hat stark auf alle Feuerzeichen geschienen. Was ist eigentlich Ihr Patronustier?", fragte sie dann interessiert.

"Jules", stupste Miles seinen Freund leise an und deutete auf ein Fenster am Ende des Ganges. Von draußen war bereits der erste Schimmer des Tages zu sehen.

"Ähem ... Echse!", antwortete Julian der Frau und nannte das erste Tier, das ihm einfiel. Er hatte keinerlei Schimmer, was diese da von sich gab. Sein Blick folgte Miles' Finger und er drehte ihm leicht den Kopf zu, um ihm leise ins Ohr zu raunen: "Ich wei-heiß …"

Trewlany nickte. "So, so ... nun, das sind ja eigentlich nicht sehr gesellige Tiere." Sie lächelte verwirrt. "Ich muss wieder zurück in meinen Turm. Meine erste Stunde fängt gleich an."

Miles war sich ziemlich sicher, dass kaum schon ein Schüler wach war, aber er ließ sie ziehen, da sie es selbst ja auch eilig hatten.

"Einen schönen Tag, Professor Trewlany", wünschten sie beide ihr noch, bevor sie in die entgegengesetzte Richtung liefen.

"Schräge Frau", gluckste Julian und hastete seinem Kollegen hinterher. "Weißt du, wo das Quidditchfeld ist?" Im Vorbeieilen winkten sie Citruellus zu, der verschlafenen unter seiner Zitrone hervorschmulte.

"Draußen, mit einer Tribüne und viel Platz. Wie schwer kann das schon zu finden sein?", fragte der Chief zurück. Als er an den Flugsport aus dem Film dachte, war er irgendwie froh, dass ihre Koffer keine Besen beinhaltet hatten. Es war eine Sache in einem Shuttle durchs All zu fliegen, aber eine andere, wenn man auf einem Stock in fünfzig Metern Höhe von Bällen beworfen wurde.

"Brummbär", ließ Julian leise verlauten und wählte dann den hoffentlich kürzesten Weg nach draußen. Dabei passierten sie die geschlossenen Tore der Großen Halle, was ihre Hoffnung auf Frühstück - für das sie ohnehin keine Zeit gehabt hätten - zunichte machte.

Kaum waren aus dem Schloss getreten, eilte ein Mann in ihrem Alter an ihnen vorbei, dessen Umhang und Haare schwelten. Auf seinem Gesicht waren dicke, große Blasen, die Julian als Verbrennungen erkannte, zu sehen.

"Aus dem Weg!", herrschte der Zauberer sie an und stürmte ins Innere.

Die beiden machten ihm Platz und blickten ihm entsetzt nach.

"Sag, Jules, hast du auch das ungute Gefühl, dass wir dorthin müssen, wo der herkam?", fragte Miles.

"Hast du die Verbrennungen gesehen?", entgegnete der Arzt nachdenklich, ohne Miles' Frage wirklich wahrgenommen zu haben. "Die sehen schlimm aus. Und der Ausdruck in seinen Augen war mehr als panisch …"

"Jetzt hab ich gleich sehr viel mehr Lust, zu sehen, wo der hergerannt kam", murmelte der Chief mehr zu sich selbst. Etwas lauter fügte er hinzu. "Ja, hab ich. Vielen Dank auch. Übrigens, die Sonne ist schon am aufgehen."

Julian nickte und trottete grübelnd seinem Freund hinterher. Kaum waren sie um die Ecke des Schulgebäudes herum, konnten sie die sechs hoch in der Luft stehenden Ringe des Quidditchfeldes sehen - und mehr nicht, denn das gesamte Feld war von einer ziemlich hohen Steinmauer umgeben. Geräusche, die sie nicht wirklich zuordnen konnten, drangen dahinter hervor, es klang nach Fauchen und Zischen, unterdrückte Schreie ...

"Miles ...?"

"Ja, Jules...?"

"Ich hab da ein ganz ungutes Gefühl ..." Irgendwie roch die Luft auch sonderbar, je näher sie den Mauern gekommen waren. Julian blieb stehen. "Wäre ich eine Antilope, würde ich jetzt gerne Reißaus nehmen, verstehst du, was ich meine?"

Miles nickte. Das verstand er nur allzu gut.
"Beim nächsten Holo-Ausflug gehen wir angeln, okay?"

Jeder Schritt, den er machte, wurde schwerer zu tätigen und er war wirklich am Überlegen, sich einfach umzudrehen und wieder zu gehen.
Doch leider öffnete sich, während er noch darüber nachdachte, ein Tor in der Mauer und Dumbledore trat heraus. Als er sie beide erblickte, bedeutete er ihnen näher zu kommen. Irgendwo hinter ihm ertönte ein Fauchen und dann war ein großer Feuerball zu sehen. Wieder ertönten Schreie, dieses mal weniger dumpf.
Natürlich, dachte Miles resigniert. Sie waren der Mauer so nahe gekommen, dass sie vom Sensor, der die nächste Frequenz des Abenteuer einleitete, erfasst worden waren. Wäre er mal vorher weggelaufen.

"Da sind Sie ja", begrüßte der Schulleiter sie beide fröhlich und ungeachtet der Dinge, die hinter ihm passierten. "Kommen Sie nur herein."

Unbewusst griff Julian nach Miles' Umhang, als er ihm leise zuflüsterte: "Wenn wir hier gleich rauskommen, dann häng ich Quark an seinen hässlichen Ohren auf!"

Zögerlich folgten die beiden dem lilagewandeten Zauberer, der auch noch die Nerven besaß, ein terranisches Weihnachtslied fröhlich und schief vor sich hinzupfeifen - und blieben abrupt stehen.

"Gütiger Himmel!", entfuhr es Julian und Dumbledore strahlte ihn an: "Ja, nicht wahr? Wunderschöne Exemplare. Ah, da ist Hagrid. Hagrid! Kommen Sie doch einmal herüber!"

Der zottelige Halbriese stapfte zu ihnen herüber.
"Ja, Dumbledore, Sir?"

"Zeigen Sie doch bitte den Kollegen unsere vier Gäste für die ersten Prüfung."

"Jawohl, sehr gerne", grinste Hagrid vergnügt. Er schien sehr gerne über dieses Thema zu reden und bedeutete Miles und Julian ihm zu folgen."Also das hier ist ein Walisischer Grünling. Eine nette, kleine Dame, die noch ein wenig müde von ihrer Reise ist", fing er an und deutete auf einen mehreren Meter großen Berg, der eingerollt in einer Ecke lag.

"Walisischer Grünling ... klar ...", echote Julian halblaut. "Nette, kleine Dame ... klar ..."

"Und da drüben", fuhr Hagrid euphorisch fort und deutete auf eine gut acht Meter hohe silbrigblaue Echse, die nervös mit den mehrere Spann langen, ledrigen Flügeln schlug und den Kopf von einer Seite zur anderen schnellen ließ. "Ist unser Schwedischer Kurzschnabel. Ganz netter Bursche, hat kaum Menschen auf dem Gewissen, gibt ja auch nich so viele da oben im Norden bei den Eskimos oder wie die heiß'n, jedenfalls ist Borgi ein Lieber. Nich wahr, Borgi, n ganz lieber Putzi bist du. Wollnse ihn ma streicheln?" Strahlend schob Hagrid die beiden näher an das Gehege heran.

Borgi hob den Kopf, als die beiden Menschen sich so nahe an ihn heran trauten und stieß schnaubend Rauch aus seinen Nüstern.
Nachvollziehbarerweise zuckten sie instinktiv dabei zusammen.
Miles, der seit ihrem Eintritt kein einziges Wort verlauten lassen hatte, war unfähig sich zu bewegen, geschweige denn, den Arm auszustrecken und das Ungetüm zu streicheln.

Julian musterte seinen Freund kurz und entschied sich, etwas unglaublich Dämliches zu tun, damit es diesem wieder besser ging.

"Und der tut mir nichts, ja?", wandte er sich an Hagrid und deutete auf den Drachen.

"Nö, na ja, nich, wenn Sie ihm nix tun", wich der Halbriese aus, konnte aber seine Begeisterung darüber, dass jemand ernsthaft erwog, einen seiner Schützlinge zu streicheln, nicht verbergen. "Ganz langsam und redense mit ihm, nich, Borgi, das magste?"

Der Drache fauchte halbherzig in Hagrids Richtung und Julian schluckte schwer, als er sich vorsichtig dem Drachen noch etwas mehr näherte. Wenn er nun den Arm ausstrecken würde, dann könnte er die hintere Flanke der Echse berühren.

Miles Gesichtsfarbe wurde, wenn das überhaupt möglich war, noch blasser. Am liebsten hätte er sich auf Julian gestürzt und ihn zurückgezerrt, doch er war sich sicher, dass ruckartige Bewegungen vor der feuerspeiende Echse für seinen Freund lebensgefährlich wären.
"Jules", rief er daher halblaut zu dem Arzt, räusperte sich kurz, um wieder zu Stimme zu kommen. "Bist du von allen friedlichen Vulkaniern verlassen? Das ist Wahnsinn!"

Von der plötzlichen Stimme überrascht, drehte der Drache blitzschnell seinen Kopf zu deren Ursprung herum und maß den Ingenieur mit durchdringendem, kalten Blick.

"Oho, nich bewegen ...", murmelte Hagrid und hob beschwichtigend die Hände, während Julian am hinteren Ende des Drachen genau in diesem Moment dessen schuppige, ledrige Haut mit der flachen Hand berührte.

Der Chief schluckte schwer, als er auf einmal im Fokus des Drachen stand.
"Ehehe ... Hallo. Du, ich tu dir bestimmt nichts", versuchte er es vorsichtig, wobei er sich sicher war, dass das Tier ihn nicht verstand. Aber wer wusste schon, ob es nicht vielleicht eine Sprachsteuerung hatte. "Und ich schmeck auch nicht gut. Nur nach altem Polyacrylnitril, das willst du bestimmt nicht probieren ..."

Der Drache schien ihm aufmerksam zu lauschen, dann öffnete er urplötzlich sein weites Maul und - gähnte genüsslich und machte ein Geräusch, dass einem gigantischen Schnurren glich. Er wohliges Zittern durchfuhr den massigen Leib und der lange Hals drehte sich zu Julian, der damit begonnen hatte, dem Drachen beruhigend die Haut zu kraulen.

"Naaaaaw, Professor, er mag Sie!", quiekte Hagrid entzückt.

"Äh ... ja, mit Echsen kann ich gut", gluckste der Arzt und grinste Miles an.

Dieser formte stumm die Worte "Komm da weg!".

Der Drache beäugte den Arzt kurz und stupste ihn dann mit der Schnauze nett gegen die Schulter, was diesen beinahe zu Fall brachte, bevor er den Kopf niederlegte und zufrieden die Augen schloss.

Diese harmlose Geste reichte aus, dass Julian sprichwörtlich die Herzchen aus den Augen flogen und er sich nun seinerseits zu einem "Aaaaaw" hinreißen ließ. Er verharrte noch kurz bei dem Anblick des nun friedlich schlummernden Drachens und drehte sich verzückt zu seinem besten Freund um. "Miiiiiiles", wisperte er. "Ist das nicht unglaublich? Hagrid, können wir die and- ... Hagrid?" Julian sah sich um, der Halbriese stand nicht mehr bei ihnen. In diesem Moment hörten sie ein beängstigendes lautes Fauchen und Zischen, den mehrstimmigen Ruf "Protego Maxima!" und dann ein lauter Knall.

Sie machten ein paar Schritte in die Richtung, um nachzusehen und traten um die Ecke. Was sie dort sahen, ließ sie jedoch sofort wieder erstarren. Ein bronzefarbenes Ungetüm von Drache hatte sich befreit und war offensichtlich Amok gelaufen. Eine kleine Gruppe von Zauberern stand ganz in der Nähe, alle mit erhobenen Zauberstäben, und hatte wohl einen Schutzschild heraufbeschworen, gegen die die Echse gelaufen war. Denn gerade schüttelte sie benommen ihren Kopf.
Ungünstig war nur, dass die Zauberer auf der anderen Seite des ausladenden Platzes standen. Und der Drache zwischen ihnen.

"Verschwinden Sie dort", rief ihnen jemand zu.

Doch leider zu spät, denn der Drache hatte den Hals gedreht und sie beide entdeckt. Er fauchte erneut, war wohl keinesfalls glücklich über den eben erlebten Aufprall oder heute im allgemeinen nicht gut drauf. Er machte ein paar Schritte auf sie zu und hob dann den Kopf zurück, ganz als würde er tief Luft holen.
Julian wollte nicht herausfinden, ob die Geste dazu diente Feuer zu speien. Er packte Miles am Ärmel, um ihn irgendwo in Sicherheit zu ziehen, bevor sie beide gegrillt wurden.
Der Chief hatte allerdings bereits einen Schritt nach vorne gemacht, in der Hand seinen Zauberstab, den er auf den Drachen richtete. Bevor er überhaupt selbst genau wusste, was er eigentlich tat, hob sich die Echse in die Luft, drehte sich auf eine Handbewegung hin, gerade als durch ihr Maul Feuer strömte, welches nun senkrecht nach oben an den Steinwänden vorbei in den offenen Himmel schoss.

Verwirrt trat das Tier um sich und zischte verärgert, aber Miles hielt eisern den Knopf gedrückt.

Überrascht und mehr als beeindruckt starrte Julian abwechselnd von dem Drachen zu seinem besten Freund.
Auf der anderen Seite des Schutzschildes waren die Zauberer nicht weniger verblüfft. Dumbledore und ein rothaariger jüngerer Zauberer eilten um den Schild herum, richteten entschieden ihre Stäbe auf den Drachen und riefen: "Dormitarus!" Sanfte blaue Wellen schossen aus den Spitzen der Zauberstäbe hervor und als diese den Drachen in den Augen trafen, schlossen sich diese und ein knurriges, tiefes Schnarchen erklang.

Nur langsam ließ Miles den Arm wieder sinken. Das Schnarchen klang nämlich ehrlich gesagt nicht viel sanftmütiger als das Fauchen. Aber er wollte den Zauber auch nicht überlasten.
Miles schaute an sich herab; er lebte noch. Sein Kopf drehte sich zu dem Arzt um; dieser lebte auch noch. Ein Glück.

"Miles! Bist du okay?" Julian zog seinen blassen Freund in eine feste, aufmunternde Umarmung. "Das war großartig!"

Der Chief nickte. "Ja, und du?", fragte er gleich zurück. "Das war vor allem knapp."

Währenddessen kümmerten sich einige Zauberer um den nun schlafenden Drachen. Der Rothaarige allerdings kam auf die beiden Freunde zu.
"Hallo. Wow, das war eine schnelle Reaktion", nickte er Miles anerkennend zu "Woher wussten Sie, dass das bei einem ausgewachsenem Ungarischen Hornschwanz funktionieren würde?"

"Ehm ...?", erwiderte dieser klug.

Julian entließ seinen Freund aus der Umarmung und drehte ihn zu dem Rothaarigen herum. Da er bemerkte, dass Miles auf Anhieb nichts einfiel, mischte er sich ein, um den Chief nicht noch mehr in Verlegenheit zu bringen: "Oh, Professor O'Brien hat Ähnliches schon einmal gemacht, als wir in .... Afrika wandern waren und ein brunftiger Elefant sich wohl provoziert fühlte. Weißt du noch, Miles?"

"Stimmt, Jules", erwiderte dieser automatisch. "Professor Bashir und ich sind eine Weile gereist."

Der Rothaarige blickte von einem zum anderen und nickte dann erneut. "Sehr schön. Vielen Dank für die Hilfe. Ich bin übrigens Charlie Weasley", stellte er sich dann vor und reichte den beiden die Hand.

"Julian Bashir", stellte sich der Arzt vor und schüttelte Weasley die Hand. "Und Miles O'Brien. Sagen Sie, sind sie ein Verwandter von Ron?"

"Das ist mein kleiner Bruder", lachte der Rothaarige. "Ebenso wie Fred und George, falls Sie bereits das Vergnügen mit ihnen hatten."

"Ich erinner mich an den ein oder anderen Streich." Miles dachte an den Film, den sie gesehen hatten, in denen zwei rothaarige Jungs einiges angestellt hatten.

"Ja, das sind die Zwillinge."

Dumbledore - dicht gefolgt von Hagrid - gesellte sich zu ihnen und sah Miles über den Rand seiner Halbmondbrille anerkennend an. "Wunderbar reagiert, Professor. Wir sind Ihnen zu Dank verpflichtet. Nun bin ich mir noch sicherer, dass Sie beide die richtige Wahl sind."

"Wofür?", rutschte es Julian heraus, obwohl er nicht sicher war, ob er die Antwort wissen wollte.

"Um bei der ersten Aufgabe des Trimagischen Turniers in der Drachenarena für die Sicherheit während des Wettkampfs zu sorgen."


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