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Raindrops von Darchelle

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Nach einer weiteren, ziemlich erfolglosen Woche, in der Leonard erstaunlicherweise nicht immer Zeit gehabt hat, Jim zu besuchen, schneit ein Brief in seine kleine Wohnung. Es ist eine Aufforderung, zur nächsten Mission zu fliegen. Abflug in drei Tagen. Es klingt dringend, dennoch will Leonard die Erde nicht ohne Jim verlassen. Sogleich wendet er sich an den Zuständigen, der ihm aber gar nicht zuhört und nur sagt: “Anweisung von ganz oben. Captain Shivers will Sie dabei haben.”
Captain Shivers? Stimmt. Nachdem Jim dienstuntauglich geworden ist, hat Shivers, ein älterer, erfahrener Commander, das Kommando über die Enterprise übernommen. Weshalb Spock das nicht übernommen hat, ist Leonard schleierhaft, aber eigentlich egal. Schamlos wendet er sich an den Captain persönlich.
“Etwas Distanz tut Ihnen gut, glauben Sie mir. Kirk wird auch ohne Ihre Hilfe wieder, so hart das klingen mag. Wenn wir zurückkehren, wird er Sie sicher herzlich empfangen.” Damit wird er abgewimmelt. Leonard hat gar keine Chance, seinen Standpunkt zu vertreten.
“Abflug um 0800”, gibt Shivers bekannt und unterbricht das Gespräch. Fassungslos starrt Leonard auf seinen Kommunikator.
Er hat sich noch nicht ganz von diesem Gespräch erholt, da piept das blöde Ding schon wieder.
“Ja?”, nimmt er den Anruf mürrisch entgegen.
“Doktor McCoy. Hier spricht Doktor Frenklin. Sie sollten hier her kommen.” Leonard hält den Atem an. Doktor Frenklin ist Jims behandelnder Arzt.
“Was ist passiert?”, fragt er, während er seine Jacke schnappt und zur Wohnung hinaus eilt.
“Mister Kirk hat eine äusserst drastische Entscheidung getroffen, von der er sich nicht abhalten lässt. Vielleicht können Sie mit ihm reden.”

“Für immer, hm?”, fragte Pille träge. Er lag neben Jim auf seinem Bett und fuhr sanft die Muskeln seines Freundes mit den Fingerspitzen nach.
“Immer und ewig”, bestätigte Jim schnurrend. Die Liebe zwischen ihnen war so stark, dass kaum etwas sie trennen konnte. Auch keine Mission, die alles von ihnen abverlangte.
“Ich sagte doch, ich lüge dich nicht an.” Jim küsste Leonard leidenschaftlich. Er fühlte sich so glücklich wie schon lange nicht mehr.


Leonard kann nicht glauben, was er gerade erfahren hat. Wie kann Jim das nur wollen? Wie kann er ihm das antun?
Keuchend kommt er im Krankenhaus an. Jim liegt in seinem Bett und starrt auf das Pad vor ihm. Als er Leonards Schritte vernimmt, blickt er auf.
“Dok, lange nicht gesehen”, sagt er grinsend und legt das Pad zur Seite.
Wieso grinst er auch noch so dämlich, als hätte er nicht gerade sein ganzes Leben aufgegeben?
“Jim, warum?”, fragt Leonard, ohne ihn zu grüssen.
“Was?”
“Wieso gibst du auf?”
Da scheint Jim zu begreifen.
“Meine Erinnerungen kommen nicht mehr zurück. Was hat es für einen Sinn, sich zu bemühen? Ich lebe mein Leben lieber weiter. Knüpfe da an, wo ich aufgehört habe.”
Er klingt ziemlich überzeugt von seinem Plan. Leonard ist schockiert.
“Deine Erinnerungen kommen sehr wohl zurück. Du musst bloss Geduld haben. Du darfst diese fünf Jahre nicht einfach aufgeben!” Leonard sollte ruhiger sprechen, wenn er zu Jim durchdringen will, aber das gelingt ihm gerade ganz und gar nicht.
“Weshalb nicht? Wenn ich sie vergessen habe, können sie ja nicht so wichtig sein”, bemerkt Jim kühl.
Leonards Herz bleibt beinahe stehen. Ein unerträglicher Schmerz breitet sich in seinem Körper aus.
“Jim”, flüstert er geschockt. Wie kann er das sagen? Er weiss genau, dass er Captain eines Raumschiffs ist und Leonard ihm viel bedeutet, auch wenn er sich im Moment nicht daran erinnert!
“Es ist so viel passiert in den letzten fünf Jahren, das kannst du nicht einfach ersetzen, glaub mir.” Leonard versucht, seinen Puls zu beruhigen.
“Mir sagt ja niemand, was ich ersetzen würde und es wird mir auch nicht mehr einfallen”, meint Jim bitter, “also kann ich sie gleich so gut vergessen lassen und mich neu orientieren.”
Jims Sturheit verwandelt Leonards Verzweiflung langsam in Wut.
“Mit dieser Einstellung werden die Erinnerungen erst recht nicht zurückkommen!”
“Ich quäle mich nicht mehr länger. Nennen Sie mir einen guten Grund, weshalb ich um etwas kämpfen sollte, das ich nicht wiedererlangen werde.”
Jim ist ebenfalls gereizt. Super, haben sie gerade Streit?
Leonard seufzt. Wenn er diese Karte jetzt nicht ausspielt, wird er Jim verlieren. Er wollte es ihm nicht sagen, sollte es ihm nicht sagen, aber jetzt sieht er keinen anderen Weg mehr. Ihre Freundschaft, die Leonard bereits beteuert hat, hat Jim entweder wieder vergessen oder sie reicht ihm nicht aus, um weiter nach seinen Erinnerungen zu suchen.
“Wir… wir sind mehr als nur Freunde”, sagt er schliesslich und fühlt sich dabei schlecht und erleichtert zugleich.
Jim zieht beide Augenbrauen hoch.
“Wollen Sie mir damit sagen, dass ich Sie mal flachgelegt habe?” Das klingt sehr ungläubig.
“Was?” Leonard ist für einen Moment irritiert. Dann versteht er, worauf Jim heraus will. Jim denkt, er sei immer noch 24. Damals hat er es sicher nie für möglich gehalten, einmal eine feste Beziehung einzugehen.
“Nicht wirklich. Wir sind zusammen.” Leonard verweigert sich die Vergangenheitsform. Noch ist nichts verloren.
Jim lacht amüsiert auf. “Ja klar. Und was träumen Sie nachts?”
Wieder spürt Leonard diesen stechenden Schmerz in seiner Brust. Noch schlimmer als damals, als er dachte, er hätte Jim für immer verloren. Und das muss etwas heissen.
“Es ist wahr, Jim. Ich liebe dich”, beteuert er.
“Daran würde ich mich erinnern, ganz bestimmt. Sie sind doch irre.”
Das sagt er so abschätzig, dass Leonard der Atem wegbleibt. Im Moment würde er am liebsten zwei Dinge tun: 1. Jim voll in die Fresse schlagen und ihn dann 2. lange und leidenschaftlich küssen. Stattdessen ballt er seine Hände zu Fäusten und kämpft die Tränen nieder.
“Such in deinen Erinnerungen, es ist wahr.” Seine Stimme zittert.
“Hören Sie auf, mich zu bedrängen”, faucht Jim und setzt sich auf. “Meine Entscheidung ist gefallen und niemand hält mich davon ab, schon gar nicht so ein Spinner wie Sie.” Das hat gesessen. “Du hättest bei diesem Unglück draufgehen sollen!”, schreit Leonard und stürmt aus dem Krankenhaus. Die Tränen kann er nicht weiter zurückhalten. Jim hat sie aufgegeben. Hat sein halbes Leben aufgegeben, um ein neues ohne Leonard zu starten. Er hat seinen besten Freund als einen Verrückten abgestempelt und ihm den Rücken gekehrt. Soviel zu ihrer starken Liebe.
Plötzlich erscheint die neue Mission auf der Enterprise gar nicht mehr so schrecklich. Bloss so weit weg von Jim wie möglich.


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