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Halloween von Emony

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Vorwort

Dies ist mein Beitrag zur aktuellen Challenge. Ich habe mich für die Dialogzeile "So etwas wie düstere Legenden gibt es nicht." entschieden.

Die Story soll allen Halloween Fans gewidmet sein.
Passende Musik könnt ihr euch hier reinziehen: http://8tracks.com/artphilia/collections/halloween (Vol. 2 gefällt mir besonders gut)
„Ich bin schon total gespannt auf diese Kostümparty“, ließ sich Gaila aus dem kleinen Badezimmer vernehmen, das an ihren gemeinsamen Schlafraum angrenzte.

„Halloween ist albern“, kommentierte Nyota, hob dabei jedoch kaum ihren Blick von dem PADD in ihren Händen.

„Es ist ein Brauch, Nyota. Wie kannst du einen Brauch deiner Heimat ablehnen?“ Gaila beobachtete ihre Freundin durch den Spiegel.

„Ich komme aus Afrika. Da wird Halloween nicht zelebriert. Von daher …“

„Meine Güte, Schätzchen“, wandte sich Gaila nun ein wenig ungeduldiger an ihre Zimmergenossin und drehte sich diesmal sogar zu ihr herum. „Ich stamme noch nicht mal von diesem Planeten und finde diesen Brauch spannend. So etwas gibt es auf Orion überhaupt nicht. Auf keinem Kontinent, nirgendwo. Und ich finde die Idee reizvoll, einen Abend lang verkleidet herumzulaufen und so zu tun als wäre ich jemand anderes.“

„Schön für dich.“ Nyota sah weiterhin nicht auf, starrte sogar noch verbissener auf den Text in ihren Händen. „Halloween, eigentlich Samhain, ist nicht unbedingt als Kostümparty in die Geschichte eingegangen, sondern war vielmehr ein keltischer Brauch, der die Jahresnacht einleitete. Für die Kelten gab es praktisch nur zwei Jahreszeiten; den Jahrestag und die Jahresnacht. Samhain war das Silvester der Kelten. Der Unsinn mit dem Verkleiden und dem Mythos, man könne ausgerechnet an diesem Tag im Jahr mit der Welt der Toten kommunizieren beziehungsweise sich vor Geistern und Dämonen verstecken, indem man sich kostümiert, kam erst viele Jahrhunderte später und wurde irgendwann zu einem regelrechten Kommerzwahn.“

Gaila versuchte zu ignorieren, was Nyota ihr da eben erzählte. Sie wollte sich den Spaß nicht nehmen lassen und unbedingt zu der Party gehen, zu der auch Jim Kirk kommen würde. Daher beschloss sie kurzerhand das Thema zu wechseln. „Was liest du da überhaupt?“, fragte sie daher mit gespieltem Interesse, ging zu Nyota hinüber und versuchte einen Blick auf das PADD zu erhaschen.

„Suraks Lehren.“ Nyotas knappte Antwort sollte Gaila eigentlich signalisieren, dass sie kein gesteigertes Interesse hatte, sich weiterhin mit ihrer Freundin zu unterhalten.

Gaila seufzte genervt. „Das hört sich öde an. Ich hab neulich was über eure düsteren Legenden gelesen, das solltest du mal lesen. Jim Kirk hat mir nahegelegt, mich damit zu befassen. Er meinte, es helfe mir, Halloween zu verstehen.“

Nyota ließ das PADD sinken, seufzte und sah ihrer Freundin fest in die Augen. „So etwas wie düstere Legenden gibt es nicht.“ Hatte sie Gaila nicht eben erst erklärt, was es mit Halloween auf sich hatte? Sprach sie gegen Wände? Oder drückte sie sich gar undeutlich aus?

„Oh doch!“, versicherte ihr Gaila enthusiastisch und setzte sich neben Nyota aufs Bett. „Und die sind richtig unheimlich.“

„Die sind vor allem Blödsinn.“

Gaila verdrehte die Augen. „Wenn du meinst. Dann kann ich ja auch Folgendes tun, ohne dass du in Panik gerätst.“ Die Orionerin stand demonstrativ auf, ging zurück ins Badezimmer und stellte sich vor den Spiegel. „Bloody Marry … Bloody Marry … Bloody-“

„Stopp!“, rief da Nyota etwas eindringlicher als geplant und trat eilig hinter ihre Freundin.

Mit einem triumphalen Grinsen sah Gaila sie durch den Spiegel an. „Nervös?“

„Gar nicht“, log Nyota und stemmte ihre Hände in die Hüfte, wobei sie in der rechten immer noch das PADD hielt. „Ich finde nur, dass man gewisse … Dinge … nicht ausprobieren sollte.“

„Das heißt, du wirst heute auch nicht an der Séance teilnehmen?“

Nyota blinzelte ein wenig schockiert. „Was für eine Séance?“

„Jim und Gary haben vor, Kontakt zur Geisterwelt aufzunehmen und …“, begann Gaila ihre vollkommen naive Erklärung, als wisse Nyota nicht, was eine Séance war.

Diese hob gebieterisch ihre Hände, in der rechten das PADD. „Sekunde. Stopp. Du hast doch nicht etwa vor, da mitzumachen?“

„Wieso nicht? Das hört sich nach Spaß an.“

Nyota legte ungeduldig das PADD auf eine nahe Kommode und schließlich beide Hände auf die Schultern ihrer Freundin. „Gaila, davon rate ich dir tunlichst ab. Ich glaube nicht unbedingt an Übersinnliches wie Geister und Dämonen, aber ich finde, dass man gewisse Grenzen nicht überschreiten sollte.“

„Warum nicht? Wir wollen doch Forscher werden. Was ist der Unterschied zwischen einem fremden Planeten und der Geisterwelt?“, wollte Gaila in ehrlich Unschuld wissen.

Die Frage gab Nyota zu denken, bevor sie antworten konnte. Langsam trat sie zurück an ihr Bett und ließ sich darauf nieder. Sie faltete die Hände in ihrem Schoß. „Der Unterschied liegt vor allem zunächst darin, dass die Kulturen auf fremden Planeten lebende, atmende Wesen sind. Wenn wir in Konflikt mit ihnen geraten, können wir uns jederzeit verteidigen oder zurückziehen.“

„Und vor Geistern kann man sich deiner Ansicht nach nicht schützen?“

Nyota nickte stumm.

„Also glaubst du durchaus daran, dass es düstere Legenden und Geister gibt und dass man Kontakt zu ihnen aufnehmen kann.“

„Das habe ich so nicht gesagt. Aber ich habe … Respekt vor der Möglichkeit. Verstehst du? Es gibt einfach Dinge, die muss ich nicht ausprobieren, um zu beweisen, dass ich falsch oder richtig liege. Ich möchte es einfach nicht drauf ankommen lassen, durch ein gedankenloses Spiel, einen Geist aus dem Jenseits in unsere Welt zu holen, der mich womöglich ein Leben lang verfolgt und in den Wahnsinn treibt.“

„Ihr Menschen seid seltsam. Ihr fürchtet euch vor unbewiesenen Möglichkeiten, reist jedoch mit einer Arroganz durchs All, die den Vulkaniern in nichts nachsteht.“

Nyota war sich nicht sicher, ob sie in Gailas Kommentar eine schlecht versteckte Beleidigung oder ein Kompliment heraushören sollte. Daher beschloss sie darauf nichts zu erwidern.

„Du solltest trotzdem mit zu der Party kommen“, fuhr Gaila fort, „Schon allein um sicher zu gehen, dass Jim und Gary mich nicht doch überreden. Du weißt wie ich bin, wenn ich getrunken hab …“

Das war Nyota inzwischen allerdings bewusst. Immerhin war sie mit Gaila inzwischen seit etwas mehr als einem Jahr befreundet. In ihrem ersten Jahr an der Akademie hatte Gaila jedoch noch kein so ausgeprägtes Interesse an irdischen Bräuchen gehabt. Sie hatte Halloween zusammen mit Nyota im Kino verbracht, ehe sie zu einer Anti-Halloween Party eingeladen worden waren, die von einigen Föderationsangehörigen ins Leben gerufen worden war, die eben nichts von diesem Brauch hielten.

„Also?“, hakte Gaila nach.

„Von mir aus, dann komme ich eben mit“, gab sich Nyota geschlagen, weigerte sich jedoch partout sich übermäßig gruselig zu verkleiden oder gar zu schminken.

~*~

„Gaila, der Tod steht dir gut!“, rief Gary mit zwei Bechern Bowle in der Hand, als er sie im Eingangsbereich erblickte.

Gaila hatte beschlossen, als orionische Zombiefrau zu der Party zu gehen. Nyota neben ihr verschränkte die Arme vor der Brust, um ganz deutlich ihre Ablehnung zu signalisieren. Gaila nahm einen der Becher, die Gary den Frauen hinhielt, Nyota passte erwartungsgemäß.

„Eigentlich ist ein Kostüm Pflicht“, ließ Gary die angehende Linguistin wissen und tippte sich an den Cowboyhut.

„Ich bin verkleidet, siehst du das nicht?“, fragte sie und sah ihn mit unbeeindruckter Miene an. Sein Gesichtsausdruck war verwirrt und so drehte sie leicht den Kopf, damit er einen Blick auf ihre spitzen Ohren erhaschen konnte.

Plötzlich lachte Gary los. „Sehr originell, das muss ich schon sagen. Als Vulkanierin machst du dich echt gut. Vor allem mit diesem Gesichtsausdruck.“ Abermals hielt er ihr den Becher hin, doch sie lehnte erneut ab.

„Ich trinke nichts, das mir hier angeboten wird. Wer weiß, was ihr da reinmischt.“ Hinter Gary tauchte Jim Kirk, verkleidet als Vampir, und sein Freund auf. Nyota konnte McCoy ansehen, dass er genauso große Lust auf diese infantile Party hatte wie sie selbst, dennoch war er hier. Unkostümiert und vermutlich genauso genötigt, wie Nyota selbst. Vielleicht sollte sie sich an diesem Abend an den Arzt halten. Dann hatte sie schon jemanden, mit dem sie über die ganzen anderen Leute hier lästern konnte …

„Jim!“, rief Gaila, viel zu erfreut für Nyotas Geschmack, als sie den größten Aufreißer der Akademie bemerkte.

Ein breites Lächeln erschien auf Jims Gesicht. „Gaila, du siehst umwerfend aus. Selbst tot bist du noch sexy. Wie schaffst du das nur?“

Das Grün in ihrem Gesicht wurde trotz Make-Up, das sie eigentlich blasser wirken ließ, tiefdunkel, wie Nyota genervt feststellte. McCoy, hinter Jim, rollte die Augen und kippte den Inhalt seines Bechers in einem einzigen großen Schluck runter. Ja, dachte Nyota düster, in McCoy hatte sie an diesem Abend eindeutig eine verwandte, gequälte Seele gefunden.

„Willst du tanzen?“, fragte Jim da und Gaila stimmte sofort zu, ehe sie hastig ihren Becher austrank und Nyota in die Hand drückte. Dann verschwand sie mit Jim in der Menge.

Gary sah Nyota an und deutete mit einem stummen Kopfnicken Richtung Tanzfläche.

In bester Vulkaniermanier zog Nyota eine Augenbraue hoch und schüttelte dann kaum sichtbar den Kopf. „Vorher gefriert die Hölle.“

Daraufhin schüttelte Gary nur den Kopf und murmelte etwas, das wie ‚Eiskönigin‘ klang, ehe er sich davon trollte und eine vermeintliche Krankenschwester anbaggerte.

McCoy blickte an Nyota vorbei Richtung Ausgang. Er schien zu überlegen, ob er einfach abhauen sollte. Und sie konnte ihm diesen Gedanken absolut nicht verdenken. „Wenn wir jetzt verschwinden, erwischen wir noch die Spätvorstellung im Kino um die Ecke.“

Der Arzt blickte hinter sich, doch da stand niemand. Nun ja, niemand den Uhura hätte ansprechen können. Er deutete zweifelnd auf sich und sie nickte mit einem sehr unvulkanischen Lächeln im Gesicht.

„Ich war noch nie mit einer Vulkanierin aus“, ließ er sie wissen.

Sie zuckte die Schultern. „Und ich nie mit einem Arzt.“

McCoy versuchte sich nicht an dem ausgesprochen seltsamen Vergleich zu ärgern, nickte seinerseits und bot Uhura die Armbeuge an. „Ich bin eindeutig zu alt für diesen Scheiß.“

„Das hat nichts mit dem Alter zu tun, Doktor McCoy. Wir sind einfach nicht die Art von Menschen, die Spaß an derlei Partys haben“, informierte sie ihn.

Er warf einen Blick über die Schulter zurück und Nyota glaubte seine Gedanken lesen zu können. „Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen, aber ich glaube, Jim wird Sie heute nicht vermissen. Ebenso wenig, wie Gaila mich.“

„Vermutlich haben Sie recht“, bestätigte er und führte Nyota hinaus in die Nacht. Dichter Nebel war bereits über die Küste herauf gezogen und schien die Stadt verschlingen zu wollen. „Aber tun Sie mir den Gefallen und nennen Sie mich nicht Doktor McCoy. Ich bin Leonard.“

„Nyota“, stellte sie sich im Gegenzug vor. „Aber verraten Sie Jim nicht, dass ich Ihnen meinen Vornamen anvertraut habe. Den muss man sich bei mir verdienen.“ Sie schenkte dem Mann neben sich ein kleines Schmunzeln.

McCoy grinste und Nyota stellte überrascht fest, dass es ihm wesentlich besser stand, als der ständig mürrische Gesichtsausdruck. „Ich schwöre bei meiner Südstaatenehre, dass ich Ihren Vornamen wie ein Geheimnis hüten werde.“ Nach einem kurzen Moment fragte er: „Was für einen Film sehen wir uns eigentlich an?“

„Casablanca.“

„Wunderbar, ein Klassiker“, nickte Leonard erfreut. Er hatte schon mit einem der üblichen Horrorfilme gerechnet, die gerne an Halloween gezeigt wurden und dermaßen vorhersehbar waren.

„Ich glaube, dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft“, zitierte Nyota und sah zu Leonard hinüber, ehe beide leise lachend in die Nacht davon schlenderten.


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