Tarsus IV -Die Rückkehr by water-girl
Summary: Was geschieht, wenn Jim nach Tarsus zurückkehren muss?
Dies ist meine Antwort.
Categories: Kinofilme > Star Trek (AOS) Characters: James T. Kirk, Leonard 'Bones' McCoy, Original Character(s), Spock
Alternate Universe, Bromance, Family, Friendship, Hurt/Comfort, Challenges: Keine
Series: Keine
Chapters: 6 Completed: Ja Word count: 17212 Read: 9759 Published: 06.08.13 Updated: 18.09.13
Story Notes:
Diese Geschichte spielt nach dem Narada zwischenfall und vor Star Trek into Darkness.

Da mir die Englische Version besser gefällt habe ich beschlossen McCoy seinen orignalspitznahmen Bones zu lassen anstelle der deutschen Variante Pille.

Vielen Dank an meine Betaleserin, Emony, die sich mutig meiner zahlreichen Rechtschreibfehler angenommen hat.

1. Kapitel 1 by water-girl

2. Kapitel 2 by water-girl

3. Kapitel 3 by water-girl

4. Kapitel 4 by water-girl

5. Kapitel 5 by water-girl

6. Kapitel 6 by water-girl

Kapitel 1 by water-girl
Alles in allem war es eine ruhige, fast schon langweilige Schicht.

Hiraku und Pavel unterhielten sich leise über den anstehenden Landurlaub und Kirk tat als würde er nichts hören.

Die Crew hatte sich wirklich eine Pause verdient. Nach dem Desaster mit den Klingonen, bei welchem sich, was eine einfache diplomatische Mission hätte werden sollen, sich als komplette Katastrophe entpuppte, waren alle erschöpft und Viele erholten sich noch von ihren Verletzungen. Bei dem Gedanken daran strich sich Kirk über die frisch verheilten noch empfindlichen Rippen. In Gedanken erinnerte er sich daran, dass Bones ihn morgen zur Nachuntersuchung sehen wollte. Allein bei dem Gedanken an die Krankenstation stellten sich seine Nackenhaare auf. Was er auch versuchte, Jim konnte sich einfach nicht mit diesen Hypos anfreunden, von denen der Doktor nur zu gerne Gebrauch machte. Es war beinahe lächerlich, der große Captain James T. Kirk fürchtete sich vor einer lächerlichen Injektion. Nun ja wenn man seine Geschichte betrachtete...

Die melodische Stimme Uhuras unterbrach seinen Gedankengang. "Captain eine Nachricht von Starfleet Command Priorität eins kommt gerade herein."

Jim stöhnte leise. Diese Art von Nachricht bedeutete selten etwas Gutes und die Wahrscheinlichkeit, dass die Crew in nächster Zeit Landurlaub bekam, wurde gerade verschwindend gering. Normalerweise war Kirk niemand, der sich vor Arbeit drückte aber seine Crew hatte eine Pause bitter nötig und er auch wie er sich bitter eingestehen musste.
"Danke, Lieutenant. Ich nehme die Nachricht im Bereitschaftsraum entgegen. Spock, du hast die Brücke."

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Zu seiner Überraschung war es Admiral Pike. Für gewöhnlich war Komac der Überbringer der schlechten Botschaften.

"Admiral Pike, was können meine Crew und ich für Sie tun?"

"Jim, ich weiß der Enterprise wurde ein kurzer Landurlaub genehmigt, aber ich fürchte dies hier ist wichtiger."

Die Tatsache, dass der Admiral seinen Vornahmen benutzte, ließ auf einen nicht ausschließlich dienstlichen Grund für seinen Anruf schließen.

"Was ist los, Chris?"

"Jim, es geht um eine neu Kolonialisierung. Die Enterprise hat den Auftrag die örtlichen Begebenheiten zu prüfen. Ich weiß, dass ist für gewöhnlich keine Prior-Eins Mission, aber es geht nicht um irgendeinen Planeten. Es geht um Tarsus IV. Ich weiß wie hart das für dich sein muss und es tut mir leid, dass du dorthin zurück musst, aber du weißt besser als jeder andere worauf geachtet werden muss, damit sich so eine Tragödie nie mehr wiederholt. Es wird außerdem ein Memorial zu Ehren der Opfer geben und es ist wichtig, dass Starfleet Präsenz zeigt."

Chris sah ihm direkt in die Augen, daher entging ihm auch nicht der Schmerz darin. Wie zur Entschuldigung fügte er hinzu: "Es tut mir leid, Jim, aber das nächste Ziel der Enterprise heißt Tarsus IV."

Jim war erstarrt in seinen Erinnerungen. Es war alles wieder da.
'Die Schreie, diese grässlichen Schreie, all die hungrigen Gesichter, seine Kinder und alle, die er nicht hatte retten können. Und sein Gesicht- Kodos viel zu fröhliches Gesicht, als er den Exekutionsbefehl vorlas. Die gierigen Augen als er Jim höchstpersönlich folterte, um zu erfahren wo die übrigen Kinder waren. Die Überraschung in seinem Gesicht, als Jim seine überraschende Chance zur Flucht nutze. Und der Offizier, der sie schließlich fand und 2 Tage nach seiner Flucht, 3 Monate zu spät, ihre Rettung einleitete.'

Kirks Gesicht war bleicher als Pike es jemals gesehen hatte, als er mechanisch nickte.

"Ich sollte den Kurswechsel durchgeben. Kirk Ende."

Eigentlich war es an dem ranghöheren Offizier ein Gespräch zu beenden, aber in diesem Fall war es Kirk egal. Chris würde es verstehen. Als der Bildschirm schwarz wurde, atmete Jim noch einmal tief durch und bewegte sich langsam wieder Richtung Brücke.
Seine Mannschaft sah ihn erwartungsvoll an.

"Wir haben neue Order erhalten. Der Landurlaub ist gestrichen. --- Sulu, Kurswechsel nach --- Tarsus IV."

Er stockte zwischendurch, hatte allein Probleme den Namen des Ortes auszusprechen, an den er niemals mehr zurückkehren wollen.
Sulu schien sein Zögern nicht zu bemerken. Oder er schob es auf die grausame Geschichte des Ortes, die jedem von ihnen zumindest in Ansätzen ein Begriff war.

"Kurs gesetzt, Sir. Ankunft in etwa 40 Stunden."

Spock schien seinen Captain mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

"Captain, fühlen Sie sich nicht wohl?"

"Es geht mir gut, Spock."

'Verdammt das Spitzohr war manchmal einfach zu aufmerksam.'

"Captain, Sie sind für einen Menschen ungewöhnlich blass und wirken desorientiert. Außerdem haben Sie vor 2,14 Minuten angefangen zu zittern, obwohl sich die Umgebungstemperatur auf der Brücke nicht geändert hat. Der Logik zufolge geht es Ihnen also nicht gut. Darf ich daher respektvoll vorschlagen, dass Sie sich für die verbleibenden 21,2 Minuten Ihrer Schicht von mir ablösen lassen und die Krankenstation aufsuchen?"

'Jep definitiv zu aufmerksam.' Kirk fluchte innerlich. Warum machte ihm diese Sache nach all der Zeit immer noch so zu schaffen?
Er seufzte innerlich.

"Danke, Mr. Spock."

Langsam stand er auf und bewegte sich mechanisch Richtung Turbolift.

"Spock, die Brücke gehört dir."

In seinem Quartier angekommen ließ er sich vollständig bekleidet aufs Bett fallen. Seine Gedanken kreisten beständig um Tarsus IV. Und langsam aber sicher wurde ihm davon schlecht.

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"Brücke an Krankenstation."

Spocks monotone Stimme klang irgendwie fast natürlich aus den Lautsprechern der Kommunikationsanlage.

"Krankenstation; McCoy hier. Was ist Los? Ist irgendjemand krank oder verletzt?"

"Negativ, Doktor. Ich wollte mich nur nach dem Befinden des Captains erkundigen."

McCoys innerer Alarm ging sofort an und er musste sich beherrschen, um ruhig zu antworten.
"Spock, Jim ist nicht hier. Warum sollte er?"

"Der Captain fühlte sich unwohl und hat sich vor exakt 18,6 Minuten von mir ablösen lassen. Meine Schlussfolgerung war daher, dass er die Krankenstation aufsuchen würde. Offenbar ein Irrtum, entschuldigen Sie die Störung, Doktor."

"Verdammt, Spock, alles wofür Sie sich entschuldigen müssen ist, mich nicht früher gerufen zu haben. Jim neigt dazu Krankheiten herunterzuspielen. Für ein Genie ist er manchmal einfach ein verdammter Idiot. Ich sehe lieber mal nach ihm. McCoy Ende."

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Das Summen des Türsignals hallte durch das Halbdunkel seines Raumes und Jim spielte kurz mit dem Gedanken, es einfach zu ignorieren und zu hoffen, dass sein Besucher wieder verschwand. Doch er war immer noch Captain eines Raumschiffes und hatte als solcher eine Pflicht zu erfüllen. Begleitet von einem Seufzen gab er das Signal die Tür zu entriegeln und ließ seinen Besucher ein.

"Bones, was machst du denn hier?"

Die Frage war eigentlich rhetorisch, da es offensichtlich war, dass sein Freund als Arzt hier war. Dennoch konnte Bones es sich nicht verkneifen zu antworten: "Spock meinte du fühlst dich nicht gut und als dein Freund und Arzt dachte ich, ich sehe lieber mal nach dir. Also was ist los, Jim? Und komm mir jetzt ja nicht mit der alles-Bestens-Nummer dafür kenne ich dich zu gut. Und außerdem siehst du furchtbar aus."
Jim kam um die Antwort auf sehr unorthodoxe Weise herum. Denn genau in diesem Moment entschied sein Mittagessen, dass es lieber wieder herauswollte. Statt einer Antwort griff er also nach dem Eimer, den er vorsorglich neben seinem Bett postiert hatte, und erbrach sich.

Kühle Hände, McCoys Hände, hielten seinen Kopf bis er fertig war, nahmen ihm den Eimer ab und halfen ihm anschließen sich wieder hinzulegen. Während McCoy seinen Freund und Captain scannte, fragte er sich zum wiederholten Male, warum Jim nicht früher zu ihm gekommen war. Ein kleiner Teil von ihm fühlte sich dadurch jedes Mal gekränkt und fragte sich, ob er etwas falsch gemacht hatte.

"Warum bist du nicht früher gekommen, Jim?"

"Es war vorher nicht so schlimm."

Eine typische Kirk Antwort, die ihm eigentlich nichts sagte, was er nicht schon wusste.
Ähnlich wie die Scanergebnisse.

"Außer einem leichten Fieber, kann ich keine Anzeichen einer Infektion oder Entzündung feststellen. Und die gebrochenen Rippen sind inzwischen so gut wie verheilt. Hast du vielleicht was Falsches oder Ungewöhnliches gegessen?"

"Nicht dass ich wüsste. Das einzig Ungewöhnliche waren die Kekse, die du mir zu meinem Mittagessen geschmuggelt hast. Möglicherweise fühlten sie sich in meinem Magen einfach nicht wohl."

"Das sind keine Kekse, sondern genau dosierte und nebenbei bemerkt magenfreundliche Proteine und Nahrungsergänzungsmittel. Und ich müsste sie dir nicht geben ,wenn du endlich anfangen würdest, normal zu essen und aufhören würdest Mahlzeiten auszulassen.
Verdammt, Jim, du hast seid du Captain bist so viel Gewicht verloren, dass du sogar 6 Kilo unter dem Minimum- Standardgewicht liegst. Wirklich, Jim, du musst besser essen."

Bei den letzten Worten war seine Stimme sanft geworden, ein Zeichen dafür, dass ihm wirklich etwas an dem Thema lag. Leider sah sich Jim gerade außerstande das ordentlich zu würdigen.

"Könntest du bitte im Augenblick nicht über essen reden?"

Der Arzt in ihm registrierte das bleiche verschwitzte Gesicht Kirks mit Unbehagen.

"Ist dir immer noch übel, eventuell auch Kopfschmerzen?"

"Du hast ja keine Ahnung", stöhne Jim gequält.

Die schwache Antwort und die Tatsache, dass Jim sich nicht wehrte als McCoy ihm das Hypo in den Nacken presste, sagte ihm mehr über den Zustand seines Freundes als es alle Trikorder des Universums könnten.

"Noch irgendetwas, das ich wissen sollte?"

Der Arzt war sein bester Freund und einen Moment lang spielte Kirk mit dem Gedanken, ihm alles zu erzählen, doch stattdessen schloss er nur die Augen und antwortete zögernd. "Nein, nichts weiter. Ich bin nur müde."

"Dann versuch etwas zu schlafen. Du hast es bitter nötig und schon bald kannst du dich auf der Erde beim Landurlaub entspannen. Gut möglich, dass es sich hierbei nur um eine Reaktion auf zuviel Stress handelt."

"Sorry, Bones, hast du das Memo nicht gekriegt? Der Landurlaub ist gestrichen. Wir haben eine neue Mission. Tarsus IV soll neu kolonisiert werden und wir sollen die Umgebung vorher checken. Ach ja und außerdem dürfen wir noch schön Starfleets Vorzeigecrew bei der Memorialfeier spielen und uns mit ein paar netten Reportern auseinandersetzen."

Jim zitterte leicht als er den Namen des Planeten aussprach. Hoffentlich schob Bones es auf das leichte Fieber und hakte nicht weiter nach.
Offenbar war das Glück auf seiner Seite.

"Jim, die Crew und allen voran die Führungsoffiziere, inklusive des Captains, brauchen dringend Urlaub."

"Ich weiß, Bones, aber ich habe meine Befehle. Glaub mir, da ist nichts was ich hätte tun können."

"Schlaf jetzt, Jim, und versuch dich etwas zu entspannen. Ich komm morgen früh wieder vorbei und sehe nach dir."

Als Bones gehen wollte griff Jim nach seinem Arm. Jim wusste, dass seine Stimme zitterte und er weinerlich klang, aber es war ihm egal. "Bitte bleib. Nur bis ich eingeschlafen bin. Ich möchte gerade nicht allein sein."

McCoy hatte Jim diese Art von Bitte nie abschlagen können. Besonders nicht, wenn Jim krank oder verletzt war und ihn brauchte. Daher nickte er nur und legte sich neben seinen Freund.
Innerhalb von Minuten waren beide eingeschlafen.
Kapitel 2 by water-girl
McCoy erwachte bereits eine Stunde später, weil sein Magen knurrte. Jim neben ihm schlief friedlich weiter, als er vorsichtig aufstand. Selbst im Schlaf sah der junge Captain erschöpft aus. McCoy beschloss, dass Jim dringend mehr Schlaf brauchte, also desaktivierte er Jims Wecker für den nächsten Tag. Dann ging er los um Spock zu verständigen und sich etwas zu Essen zu besorgen.
Beim Hinausgehen machte er sich eine mentale Notiz, morgen früh als Erstes nach Jim zu sehen und dafür zu sorgen, dass Jim frühstückte. Der Captain brauchte dringend mehr Pausen und regelmäßige Mahlzeiten.

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Trotz des desaktivierten Alarms schlief Kirk nicht lange. Genau genommen dauerte es nur etwa bis kurz nach Mitternacht, bevor ihn die Alpträume unsanft weckten. Den Kopf fest ins Kissen gedrückt, um nicht laut zu schreien, denn wer auf der Flucht ist schreit besser nicht. Es dauerte eine Weile bis er sich wieder zurechtfand und seine Lungen sich daran erinnerten wie man atmet.

Leise fluchte er. Die Alpträume waren so lange ausgeblieben. ’Warum?’ Diese Frage stellte er sich nicht zum ersten Mal. ’Warum war seine Vergangenheit so ein verfluchter Haufen Scheiße? Weil sein Vater gestorben war, um ihn zu retten, weshalb seine Mutter ihn nicht einmal ansehen konnte ohne zu weinen? Weil sein Stiefvater Frank, dieser Bastard, in halb zu Tode geprügelt hatte, wann immer seine Mutter mal wieder irgendwo im Weltall unterwegs gewesen war? Weil er den Wagen seines Vaters damals lieber über eine Klippe gefahren hatte, als ihn Frank zu überlassen? Weil seine Mutter Frank immer eher geglaubt hatte, als ihm und er deshalb zu seinem Onkel nach Tarsus geschickt worden war? Und weil auch hier sein Glück nur kurze Zeit dauern sollte?’

An dieser Stelle der Gedankenkette wurde ihm schlagartig etwas klar. Die erste Zeit auf Tarsus, die knapp vier Jahre vor der Katastrophe, war die schönste Zeit seines Lebens gewesen, die einzige echte Kindheit, die er gehabt hatte.
Er fürchtete sich nicht davor nach Tarsus zurückzukehren, er fürchtete nur die Erinnerungen an diese letzte Zeit, die all das unweigerlich wieder mit sich bringen würde.

Es war fast unmöglich, dass seine Crew, mehr noch seine Familie, im Laufe der Mission etwas über seine Vergangenheit erfahren würden. Wie würden sie reagieren, wenn sie erfuhren, was er alles getan hatte, um zu überleben. Der rationale Teil von ihm wusste, dass sie es verstehen würden, doch der Rest von ihm hatte einfach zu große Angst. Würde ihm seine Vergangenheit auch hierher folgen?

Seufzend begriff Kirk, dass an Schlaf nicht mehr zu denken war. Also stand er auf, zog sich um, und ging in Richtung Sportdeck. Ein paar Runden laufen und den Boxsack verprügeln, würden ihm sicher helfen den Kopf frei zu bekommen. Das tat es immer.

Nachdem Jim sich ein paar Stunden ausgepowert hatte, war sein Kopf tatsächlich wieder freier und er beschloss die Flucht nach vorn zu wagen. Wenn ihn irgendeiner verstehen konnte, dann war es Bones. Bones war seit Jahren sein bester Freund und kannte schon einen Teil seiner Vergangenheit, was es Jim einfacher machen würde, alles zu erklären. Spocks fehlende Emotionen machten ihn zwar ebenfalls zu einer guten Wahl, aber Jim war sich nicht sicher wie weit ihre Freundschaft inzwischen ging. Außerdem würde Bones ihm nie verzeihen, wenn Jim Spock zuerst von derartigen Dingen erzählte.
Ja er würde Bones aufsuchen. Jetzt sofort, bevor er es sich anders überlegen konnte.

„Computer, lokalisiere Dr. McCoy.“

„CMO Dr. McCoy befindet sich in seinem Quartier.“

Perfekt. Wenn Jim sich beeilte, würde er den Arzt noch vor dessen Schicht erwischen.

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McCoy ließ ihn sofort nach dem Betätigen des Summers ein. Genau wie der Captain war auch der CMO immer im Dienst.

„Verdammt, Jim, was machst du um die Uhrzeit hier? Du solltest schlafen. Geht es dir schlechter? Bist du verletzt?“

Bei den letzten Fragen begann der Arzt seinen Freund mit den Augen zu scannen. Stirn runzelnd registrierte er, dass Jim noch sein Sportzeug trug. Seine Stimme war ungewohnt sanft bei seiner nächsten Frage: „Du hast nicht geschlafen, oder, Jim?“

„Bones, ich muss mit dir reden. Es gibt da ein paar Dinge, die du vielleicht wissen solltest. Möglicherweise wirst du mich hinterher hassen und nie mehr wiedersehen wollen und glaub mir, ich werde das dann verstehen und respektieren, aber ich muss es jetzt jemandem erzählen, weil ich einfach nicht mehr kann und auch wenn es Selbstsüchtig ist, dich damit zu belasten und…“

„Jim, verdammt.“

McCoy machte sich Sorgen um seinen Freund. Jim neigte eigentlich nicht zur Hysterie. Außerdem war der Captain bleich und zitterte leicht.

„Jim, ich werde dich niemals hassen, ganz gleich was du mir erzählen wirst. Da ich dich davon allerdings vermutlich erst im Praxisversuch überzeugen kann, setzt du dich jetzt hierher zu mir, bevor du umfällst, und erzählst mir endlich was so verdammt wichtig ist, dass du aussiehst als hättest du einen Geist gesehen.“

Mit diesen Worten zog er seinen Freund zu dem kleinen Sofa im Raum und setzte sich neben ihn. Die Hand auf Kirks Oberschenkel sah er ihm in die Augen und bedeutete ihm zu beginnen.
Stockend begann Jim seine Geschichte.

„Ich beginne mit dem Teil, den du schon kennst. Als ich elf war, habe ich die alte Corvette meines Vaters in einen Abgrund gefahren. Frank wollte den Wagen verkaufen, dazu hatte er kein Recht. Außerdem war es aber auch der Tag, an dem Sam abgehauen ist. Ich wusste, Sam brauchte ein Ablenkungsmanöver, um weit genug wegzukommen, bevor Frank ihn vermissen konnte. Hätte Frank Sam erwischt, hätte er ihn tot geprügelt. Sam ist davongekommen, aber nachdem die Polizei mich bei Frank abgesetzt hatte, hat er mich schlimmer verprügelt als jemals zuvor. Ich weiß nicht mehr alles davon. Als ich im Krankenhaus aufgewacht bin, stand derselbe Polizist an meinem Bett, der mich bei Frank abgeliefert hatte. Ich hatte meine Jacke in seinem Wagen liegen lassen und er wollte sie mir wieder bringen. Darauf hatte ich gehofft. Das war meine Lebensversicherung und sie hat besser funktioniert, als ich erwartet hatte. Der Polizist ist offenbar genau in dem Moment hereingekommen, als Frank mich stranguliert hat.
Frank kam also ins Gefängnis, mein Bruder war über alle Berge und meine Mutter war noch mindestens ein Jahr irgendwo im All. Alles was ich von ihr gehört hatte, war, dass es meine Schuld sei, dass Frank nun auch noch weg sei und dass mein Onkel vielleicht endlich einen ehrbaren Menschen aus mir machen würde.
Ich wurde also zu meinem Onkel und meiner Tante geschickt.
Die Beiden lebten zu dem Zeitpunkt als Kolonisten auf Tarsus IV.“

An dieser Stelle bemerkte Jim den mitfühlenden Druck von Bones’ Hand, die noch immer auf seinem Oberschenkel lag. Es fühlte sich gut an, seinen Freund bei sich zu wissen, der ihm den Mut gab, fortzufahren.

„Am Anfang war es toll. Es war wie die Familie, die ich nie hatte. Ich habe auf Tarsus mein erstes richtiges Geburtstagsfest und mein erstes echtes Weinachten gefeiert.
Mit 12 Jahren war ich mit dem Schulstoff durch und durfte am Rechner Collegekurse belegen. Mit 14 Jahren hatte ich einen Bachelor in Ökologie und meine Mastergrade in Ingenieurskunst Fachbereich Informatik, Warptechnik, Physik und Mathe. Ich war also gerade dabei mich auf meine Doktorarbeiten und den Master in Ökologie zu konzentrieren, als ich sie entdeckte; die ersten Fäulnispilze in den Feldern. Ich ging mit meiner Entdeckung zum Gouverneur, und warum auch nicht, schließlich hatte ich erst auf sein Drängen hin mit dem Ökologiestudium begonnen.“

An dieser Stelle wurde McCoy klar, was das bedeutete. Jim war nicht nur einer der Überlebenden von Tarsus IV, er war außerdem einer der wenigen Personen, die Kodos’ Gesicht kannten und ihn Identifizieren konnten. Vor Überraschung zog er scharf Luft ein, doch er wollte Jim nicht unterbrechen, also hörte er einfach weiter zu.

„Ich dachte damals noch, es ginge ihm um das Wohlergehen der Kolonie. … Was war ich nur für ein naiver Idiot. … Verflucht ich selbst habe ihm die Rechnungen präsentiert, dass die Lebensmittel nicht einmal mehr für die Hälfte der Kolonie reichen würden. Ich war dabei eine resistente Getreidesorte zu züchten. Alles was nötig gewesen wäre, war ein Notruf. Starfleet hätte uns bis zur nächsten Ernte geholfen und alle hätten überlebt.
Aber darum ging es diesem Bastard nie. Als ich es endlich realisiert hatte, war es schon fast zu spät.“

Jim seufzte laut bevor er fortfuhr.

„Wäre Hoshi nicht gewesen, wäre ich heute vermutlich tot. Sie hat mir damals geholfen. Als ich 13 wurde, hat Hoshi angefangen mich in Sprachen zu unterrichten. Ich war natürlich nicht so begabt wie eine Hoshi Sato oder eine Nyota Uhura, aber ich war auch nicht völlig untalentiert. Wir haben damals mit andorianisch angefangen. Danach kamen noch orionisch und vulkanisch hinzu. Als alles den Bach herunterging, hatte wir gerade mit klingonisch angefangen.
Hoshi war es auch, die die Höhlen gefunden hatte. Wir haben sie gemeinsam mit allem Nötigen ausgestattet und Hoshi hat mir eingeschärft, im Notfall so Viele wie möglich dorthin zu bringen. Sie hat auch die Teile für die Notrufstation besorgt. Es kam so viel schlimmer, als wir erwartet hatten.
Als der Exekutionsbefehl kam, sollten sich alle auf den öffentlichen Plätzen versammeln. Sie hatten uns Kinder von den Erwachsenen getrennt und ihnen erzählt, dass wir überleben würden, wenn sie keinen Widerstand leisten würden. … Sie wurden alle wie Vieh zur Schlachtbank geführt. Einige haben geweint, andere geschrien. Auch Hoshi hat geschrien, aber nicht aus Angst. Sie hat mir auf andorianisch zugerufen, dass ich die Kinder zu den Höhlen bringen soll.
Als die Soldaten mit den Erwachsenen fertig waren und dorthin kamen, wo wir hätten sein müssen, waren wir längst außer Sicht.
Ich habe meine Kinder zu den Höhlen gebracht. Tom, der Älteste, wurde mein Stellvertreter. Ich bin wann immer es möglich war mit einer kleinen Gruppe in die Stadt geschlichen, um Lebensmittel und Medikamente zu hohlen. Nach einem Monat hatte ich die Notrufanlage soweit, dass ich damit einen Notruf mit Hoshis Starfleet ID absetzten konnte.
Wann immer einer von Kodos’ Schlächtern unserem Lager zu Nahe kam, habe ich ihn getötet. Ich wollte nicht, dass die anderen zu Mördern wurden. Es hat so lange gedauert. Wie kann ein Notruf von einer Kolonie mit über 4000 Kolonisten fast 2 Monate unbeantwortet bleiben?“

Wieder ein Seufzen. Das alles noch mal zu erleben war nicht einfach für Jim.

„Viele der Kinder wurden krank. Auch der kleine Kev. Er war erst 6 und der Jüngste von denen, die die erste Woche überlebt hatten. Er war immer der Erste, der mir entgegen gerannt kam, wenn ich von einem meiner Streifzüge zurück kam. Jetzt lag er hinten in der Höhle, als einer der Kränksten.
Ich wollte Medikamente besorgen, aber Medizin war auch schon vor der Katastrophe knapp, jetzt war sie besser bewacht als alles andere. Ich wurde geschnappt.
Kodos wollte wissen wo die anderen Kinder sind. Er versuchte es abwechselnd mit Versprechungen und Folter.
Dass ich entkommen konnte, war mehr Zufall als alles andere. Kodos versuchte mich mit meinen persönlichen Besitztümern zu locken. Er hatte keine Ahnung, was er da in der Hand hielt, als er mir meine erste selbstgebaute sprachgesteuerte Minibombe mit EMP-Impuls vorführte. Ich habe sie aktiviert und bevor Kodos es bemerkte hatte sie ihm den halben Arm weggesprengt. Durch den Impuls sind die Schlösser aufgesprungen und ich konnte entkommen. In dem Chaos hab ich mir nur noch schnell die nötige Medizin geschnappt und bin abgehauen.
Wie ich es zurück zum Camp geschafft habe weiß ich selbst nicht mehr. Als die Hilfsschiffe 2 Tage später kamen, war ich mehr tot als lebendig. Als die Offiziere uns schließlich fanden habe ich mich vor meine Kinder gestellt, bereit zu sterben und jeden mitzunehmen, der ihnen schaden wollte. … Vielleicht nennt man sie deshalb noch heute JTs Kids. … An den Rest kann ich mich kaum noch erinnern. Ich bin zusammengebrochen als ich realisiert hatte, dass keine Gefahr mehr drohte.
Nachdem sie mich aus dem Krankenhaus entlassen hatten bin ich ins Haus meiner Mutter gezogen. Sie war schließlich nie dort und man ging davon aus, dass ein 16 Jähriger mit College Ausbildung für sich selbst sorgen konnte. Ich bekam einen Job auf der Schiffswerft, beendete mein Studium und habe danach den Computer unseres netten kleinen Schiffes hier entworfen und programmiert. Als Pike mich rekrutiert hat, war ich gerade mit den letzten Programmen fertig geworden. Und na ja den Rest kennst du ja.“

Fast schon ängstlich auf eine Reaktion seines Freundes wartend blickte Kirk auf. Den leichten Schock, auf das Gehörte, in McCoys Augen missdeutend, bekam er schon Panik.

„Es tut mir leid, Bones… ich hätte dich damit nicht belasten sollen… ich sollte lieber…“

Als er aufstehen wollte hielt Bones ihn fest und zog Jim mit ungewöhnlich viel Kraft in eine feste Umarmung.

„Oh, Jim“, murmelte er, während Jim die Tränen nicht länger zurückhalten konnte und leise in die Schulter seines Freundes weinte.

„Also hasst du mich nicht?“ Jims Stimme war nur ein Flüstern.

„Jim, wie kommst du nur auf die Idee, dass dich irgendjemand hassen könnte? Du hast fast 200 Leben gerettet, obwohl du selbst noch ein Kind warst. Und es tut mir leid, dass dir nur so wenige Jahre Kindheit vergönnt waren. Kein Wunder, dass du reagiert hast, als hättest du einen Geist gesehen. Ich weiß dies hier muss furchtbar für dich sein, aber ich bin froh, dass du es mir endlich erzählt hast, denn es ist auch für dich wichtig. Oh, Jim, wann wirst du endlich begreifen, dass ich immer für dich da bin?“

„Wie kannst du so ruhig bleiben, Bones? Ich bin ein Mörder, und ich lebe, obwohl ich auf der Todesliste stand. Und ich wusste von dem verdammten Schimmelpilz; wenn ich nur eher…“

„Nein, Jim. Du hättest nichts anders machen können. Was du getan hast war bewundernswert und heldenhaft.“

McCoy sagte es mit solcher Inbrunst, dass Kirk einfach nicht anders konnte, als ihm zu glauben. Jim lächelte seinen Freund an. Es war nicht das breite aufgesetzte Posterlächeln hinter dem er seinen Schmerz versteckte, sondern ein ehrliches und aufrichtiges Lächeln, das sagte es geht mir zwar nicht richtig gut, aber bedeutend besser als noch vor wenigen Minuten.
Jim streckte sich und stand auf.

„Ich denke, ich sollte lieber duschen, mich umziehen und dann ab auf die Brücke, bevor Spock noch einen Suchtrupp nach mir losschickt.“

„Umziehen und duschen ja, auf die Brücke nein. Ich habe dich für heute krankgeschrieben. Du wirst gleich mit mir frühstücken und dann den Schlaf von letzter Nacht nachhohlen.“

Jim, der jetzt die emotionale Achterbahnfahrt der letzten Stunden spürte, gähnte herzhaft.

„Ich muss zugeben, schlafen klingt gar nicht mehr so übel, aber ich hab wirklich keinen Hunger.“

„Ich weiß, Jim, aber du musst etwas essen. Dein Körper braucht die Energie und du könntest wirklich ein paar Kilos mehr vertragen. Ich treffe dich in 20 Minuten in der Messe und lass mich dich nicht holen.“

In McCoys Tonfall schwang die Drohung von Hyposprays und Infusionen mit Nährstoffen mit, sollte es nötig werden.

18 Minuten später befand sich der Captain der Enterprise auf dem Weg in die Messe.
Kapitel 3 by water-girl
Sie erreichten Tarsus IV in der Mitte von Kirks nächster Schicht.
Der Captain war noch immer ungewöhnlich blass, doch Spock schob es auf die leichte Erkrankung der letzten Tage.
Dr. McCoy hatte einen Bericht verfasst, in dem er ausdrücklich auf die Auswirkungen von langen Stressperioden auf die körperliche und mentale Gesundheit von Raumschiffbesatzungen hinwies und hatte dringenden Landurlaub für die Crew, im Anschluss an die Mission, gefordert.

Als Erster Offizier hatte Spock den Bericht selbstverständlich gelesen und es schien ihm als könne er einige der aufgezählten Symptome an seinem Captain feststellen. Unter diesem Gesichtspunkt konnte er dem Doktor nur Recht geben. Die Crew, und insbesondere die Führungsoffiziere, zeigten deutliche Anzeichen von Stress und Überarbeitung. Nyota hatte ihn doch tatsächlich vor exakt 4 Stunden wegen einer Lappalie angeschrien und ihm vorgeworfen, dass er sie nicht lieben würde, als ob er je für ein lebendes Wesen mehr Gefühle zugelassen hätte, nur um sich dann exakt 14 Minuten später dafür zu entschuldigen.
Ja, Spock unterstütze den Antrag des Doktors auf eine Ruhepause.
Es war nur logisch.

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Kirk übernahm das Briefing der Landetruppe. Spock hatte zwar angeboten, das für ihn zu übernehmen, aber Kirk hatte mit der Begründung abgelehnt, dass er bereits bestens mit allen Einzelheiten vertraut war.

„Da alle mit den Details des Tarsus- Massakers vertraut sind, spare ich mir diesen Teil. Tarsus IV ist ein Klasse M Planet. Die Atmosphäre ist erdähnlich, die gemäßigte Klimazone deutlich ausgeprägter. Durch seine meteorologischen Eigenschaften eignet er sich überdurchschnittlich gut zur Landwirtschaft. Wir sind hier um eine mögliche Neukolonisierung zu prüfen.
Insbesondere muss unser Augenmerk dabei diesen Pilzsporen gelten.“

Eine 3-D Darstellung der Zusammensetzung erschien auf dem Schirm in der Mitte des Tisches.

„Des Weiteren werden wir an der Memorialzeremonie für die Opfer des Massakers teilnehmen. Die Teilnahme für die Crew ist optional, für die Führungsoffiziere Pflicht. Noch Fragen?“

Als sich niemand zu Wort meldete, nickte Kirk.

„Gut, die Zeremonie findet um 1500 statt, das Außenteam trifft sich in 30 Minuten im Transporterraum. Es ist wichtig für die Sternenflotte, dass wir auch bei den Medien einen guten Eindruck hinterlassen. … Also dann, wegtreten.“

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Der Vormittag war nicht schlimm gewesen. Nein er war grauenhaft. Sie waren den Höhlen sehr nahe gekommen, ebenso wie der alten Stadt. Alles hier erinnerte Jim an die vielleicht schlimmste Zeit seines Lebens. Und als wäre das noch nicht genug, war die Presse allgegenwärtig.

Der Posterboy-Captain der Sternenflotte und die tragischen Überlebenden von Tarsus IV. Diese Story wollte sich offenbar niemand entgehen lassen. Also lächelte Kirk in die Kameras und versuchte sich innerlich zu wappnen.
Er würde gleich eine Rede halten müssen, erklären wie wichtig dieser Planet für die Förderation war und dabei nach Möglichkeit allen das Gefühl geben, dass er nicht gerade lieber ganz wo anders wäre.

Zum Glück waren die Reporter gerade anderweitig beschäftigt, daher erlaubte sich Kirk den Luxus einen Moment innezuhalten, sich an eine Mauer zu lehnen und kurz die Augen zu schließen, um dem Schwindel, der ihn erfasst hatte, Herr zu werden.

„Alles in Ordnung, Captain?“

Spock hatte seinen Captain schon länger im Auge behalten, weil ihm aufgefallen war, dass dieser nicht gerade auf der Höhe zu sein schien.

„Nur etwas schwindelig. Es geht gleich wieder.“

Dummerweise suchten sich seine Beine genau diesen Moment aus, um einzuknicken und er sank an der Wand zu Boden. Spock fühlte seinen Puls.

„Ich werde Dr. McCoy holen gehen.“

Keine Minute später war er mit dem Gesuchten wieder zurück.

„Verdammt, Jim.“

Kirk fühlte wie ihm ein Hypo in den Nacken gepresst wurde und seine Welt rastete wieder ein.

„Dein Kreislauf ist im Keller“, informierte ihn Bones unnötigerweise.

Der Arzt checkte seinen Puls und die übrigen Werte, während er weitersprach. „Ich kann nicht einmal behaupten, dass mich das besonders überrascht. Du hast seit Tagen nicht genug geschlafen oder gegessen. Ja, ich weiß sehr wohl, dass unser gemeinsames Frühstück gestern deine letzte Mahlzeit war. Was hast du dir nur dabei gedacht, Jim?“

„Sorry, Bones, ich habe es wohl einfach vergessen.“

Bones antwortete mit einem Grunzen, offenbar war Jim in anbetracht der Umstände vergeben.

„Ich weiß wie wichtig dies hier für dich ist, Jim. Deswegen werde ich dir jetzt etwas geben, das dich noch ein paar Stunden durchhalten lässt. Aber wenn das hier vorbei ist, lässt du mich dafür sorgen, dass du mindestens acht Stunden durchschläfst. Verstanden, Jim?“

Der Captain nickte nur müde.

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Zuerst sprach der Organisator der Veranstaltung darüber, was dieses Memorial für ihn bedeutete und wie wichtig es sei aus der Vergangenheit zu lernen, um in Zukunft Fehler zu vermeiden.

Jim war als zweiter Redner vorgemerkt und saß deshalb recht weit vorne. Daher bekam er nicht richtig mit wie das Chaos begann, aber als einer der Reporter zu einer Frage ansetzte, stürmte eine Gruppe junger maskierter Männer mit Phasern das Gebäude.

„KEINER BEWEGT SICH, DANN WIRD AUCH KEINER VERLETZT!“

Diese donnernde Stimme kam Kirk seltsam bekannt vor.

Der Anführer der Gruppe ging zum Rednerpult, während seine Leute den Rest in Schach hielten. Im Gegensatz zu seinen Männern, trug er keine Maske.

„Das alles hier ist ein Schlag ins Gesicht für sämtliche Überlebenden. Die Sternenflotte soll sich um die neue Kolonie kümmern, ha! Sie haben es doch bei den Letzten auch nicht geschafft.
Sie haben nach dem verdammten Notruf noch 2 Monate gebraucht und diese Leute sollen Fragen klären und Sicherheit schaffen. Sie sind heute hier, weil sie alles über Tarsus wissen wollen. Nun hier bin ich liebe Presseleute, ein echter Überlebender von der Todesliste. Also fragen Sie!“

Einen Moment herrschte Totenstille, dann hob ein junger Reporter zitternd die Hand und stellte mit leiser Stimme eine ängstliche Frage.

„Warum sind Sie auf diese Weise gekommen? Warum haben Sie Ihren Wunsch als Redner zu kommen nicht einfach angekündigt? Sie hätten doch sicher als Gast kommen können.“

„JTs Regeln“, lautete die knappe Antwort.

Jim stöhnte innerlich, dies war also zum Teil seine Schuld.

„Tue immer das Unerwartete. Sie haben nicht erwartet, dass sich eine Gruppe von Kindern widersetzt und das überlebt. Also haben wir genau das getan. Alle 193 überlebenden von JTs Kindern haben danach gelebt. Aber, dass sie uns JT genommen haben, war hart genug.“

Hier bekam Kirk ein schlechtes Gewissen. Er hatte damals nicht gedacht, dass seine Kinder ihn für tot halten würden, wenn sein Name von der Liste gestrichen wurde, um ihn zu schützen. Immerhin war er der Einzige gewesen, der nicht nur Kodos, sondern auch jeden seiner höheren Offiziere identifizieren konnte.
Ob die anderen Soldaten wohl auch zu seinen Kindern gehörten? Schwer zu sagen. Sie sahen alle vollkommen gleich aus und sprachen kein Wort. Moment mal das erinnerte ihn an irgendwas.

Seine Konzentration würde unterbrochen als der Reporter, nun mutiger, fragte: „Was zum Teufel wollen Sie?“

„Ich will verhindern, dass es wieder geschieht und ich habe hier ein paar Fragen an unsere tollen Vertreter von der Sternenflotte.“

„Was für Fragen?“

Diese kühle Erwiderung kam von Spock. Offenbar hatte er beschlossen, seinem Captain zuvor zu kommen und ihn so zu schützen, für den Fall, dass dem überraschenden Redner die Antworten nicht gefallen könnten und er sich entschied, auf den Überbringer der Worte zu schießen.

„Wie wollen Sie verhindern, dass es wieder geschieht? Wie wollen Sie wissen, dass der nächste Gouverneur besser ist und wie wollen Sie sicherstellen, schneller auf Notrufe reagieren zu können?

„Der neue Gouverneur wird mit größter Sorgfalt unter Berücksichtigung sowohl seiner fachlichen als auch seiner sozialen Kompetenz ausgewählt und er wird von zwei Adjutanten unterstützt und beaufsichtigt werden. Des Weiteren sind sieben öffentliche Notrufstationen geplant und mindestens alle drei Monate Routinekontrollen von Raumschiffen. Dennoch muss ich feststellen, dass alle Ihre Fragen und Bedenken darauf abzuzielen scheinen, dass es erneut zu einer Katastrophe kommen wird. Die logische Frage ist daher, warum?“

„Der Pilz wird wiederkommen. Die einzige Person, die alles darüber weiß und eine resistente Getreidesorte entwickeln konnte, ist tot. JT ist tot.“

Bei den letzten Worten brach der Mann in Tränen aus. Dadurch wirkte er so viel jünger, so dass es Kirk wie Schuppen von den Augen fiel. Er stand auf und ging raschen Schrittes auf den noch immer weinenden Mann am Rednerpult zu.

„Captain was…?“

Der Mann neben ihm versuchte noch ihn zurückzuhalten, doch er war nicht einmal annährend schnell genug.

„Du irrst dich, Tom“, sagte Jim sanft, „Und das gleich in mehrfacher Hinsicht.“

Erschrocken blickte der Angesprochene auf. „Woher…?“

Der Mann am Pult sah den Captain überrascht an, als versuche er noch zu begreifen was er sah.

„Du hast Regel Nummer zwei vergessen. ’Bei einem guten Plan weiß man schon vorher, wie er ausgeht.’ Du hast dies hier nicht komplett durchdacht. Und wirklich Tom, Hologrammkrieger, sind wir aus dem Alter nicht inzwischen raus?“

„JT!?“ Der Ruf kam von hinten und Jim fühlte sich plötzlich von einem jungen Mann, etwa in Chekovs Alter, aus vollem Lauf umarmt.

„Kev. … Du bist auch hier?“ Jetzt war Jim doch mehr als nur etwas verwirrt.

„JT, du lebst!“ Tom hatte offenbar etwas gebraucht, um zu verarbeiten, dass sein tot geglaubter Freund quicklebendig vor ihm stand. Nun deaktivierte er die inzwischen ohnehin enttarnten Hologramme und schloss Jim ebenfalls in die Arme.

Der Raum war totenstill. Alle starrten auf die Szene und versuchten zu erfassen, was da eben passiert war. Jim hörte das Klicken einiger Kameras und vermutlich waren sie auch gefilmt worden, doch irgendwie war ihm das gerade alles egal.

Tom sah Jim direkt in Augen. In seinem Blick lag die pure Erleichterung.

„Ich fürchte, du musst mich jetzt festnehmen, JT. Aber das ist ok. Du lebst und das ist alles was zählt.“

Kev sah erst Tom, dann Jim mit großen Augen an.

„Ich fürchte er hat Recht, Kev. … Mr. Spock.“

Spock stand ohnehin nur noch wenige Meter entfernt und war deshalb mit zwei großen Schritten bei ihm.

„Ja, Captain.“

„Bitte bringen Sie Mr. Leighton zur Enterprise.“

„Natürlich, Captain.“

Spock stellte keine überflüssigen Fragen. Kirk hatte wirklich den besten Ersten Offizier der Flotte. Dann drehte Jim sich wieder zu Tom um. „Es tut mir leid, Tom, aber ich muss dich vorläufig unter Arrest stellen.“

„Kein Problem, JT, ich habe nichts anderes erwartet. Wie gesagt, du lebst. Nichts könnte mir jetzt noch den Tag verderben.“

Nachdem Spock mit dem wohl glücklichsten Gefangenen, den er je gehabt hatte hochgebeamt war, drehte Jim seinen Kopf, um seiner Klette ins Gesicht sehen zu können.

„Kev, ich freu mich ja auch dich zu sehen, aber vielleicht solltest du mich jetzt loslassen, damit ich das hier zu Ende bringen kann.“

Kevin Riley, der sich schlagartig bewusst wurde, dass er gerade einen Captain der Sternenflotten vor den Augen der Reporter umarmte, wurde rot, ließ Kirk los und trat einen kleinen Schritt zurück, um seinem alten Freund und Held besser ins Gesicht schauen zu können. Diese intensiven blauen Augen hatte er nie vergessen können.

„Entschuldige, JT. Es ist nur so verdammt lange her und alle anderen, mit denen ich heute gesprochen habe, dachten auch du wärst tot.“

„Alle anderen, Kev? Wer ist denn noch alles hier?“

„Alle die es geschafft haben. Alle 193.“

Damit hatte Kirk nun wirklich nicht gerechnet. Als er in die Richtung sah, in die Kevin gezeigt hatte, entdeckte er sie sofort. Jeder Einzelne starrte ihn aus großen Augen an.

„Geh zu Amy rüber. Ja, Kev?“

Amy war für die jüngeren Kinder so was wie eine Ersatzmutter gewesen. Sie würden sich nachher viel zu erzählen haben.

Nachdem Kev genickt hatte und zu den anderen herübergegangen war, atmete Jim noch einmal tief durch und trat ans Rednerpult.

„Guten Tag. Die meisten der Anwesenden kennen mich. Mein Name ist James T. Kirk und ich bin der Captain des Förderationsraumschiffes Enterprise. Einige hier im Raum kennen mich jedoch besser als JT. Also dann, Ihre Fragen?“

Nach der wohl längsten Pause, die Kirk je auf einer Pressekonferenz erlebt hatte, stellte ein Reporter die Frage, auf dessen Beantwortung anscheinend jeder einzelne Reporter im Raum im Stillen gehofft hatte.

„Was ist damals hier auf Tarsus IV wirklich passiert? Und ich meine damit die reine Wahrheit.“

„Sind Sie sicher, dass Sie die Antwort hören wollen?“

Kirks Gegenfrage schien den Mann, der etwa um die 40 Jahre alt sein musste, zu verunsichern. Dennoch gab er nicht nach. „Natürlich.“

Kirk seufzte. Er hatte eigentlich nichts Anderes erwartet. „Ist das für euch in Ordnung, Leute?“, fragte er die ehemaligen Kinder.

„Alles was du willst, JT“, erwiderte Amy und sprach damit für die gesamte Gruppe der Überlebenden.

Gut seine Kinder von damals standen hinter ihm und Amys Stimme machte ihm Mut.
Kirk holte noch einmal tief Luft. Dann begann er zu erzählen. Er erzählte alles. Von den Pilzen über Hoshis Einsatz, bis hin zu ihrer Rettung durch die Sternenflotte. Kurz hatte er überlegt, seine Gefangennahme auszulassen, schließlich wussten selbst seine ehemaligen Kinder nicht alles darüber, doch dieser Teil gehörte ebenso zur Geschichte wie alles andere.
Und weil er gerade schon dabei war, und sein Freund etwas Mitgefühl gebrauchen konnte, klärte er auch gleich den Teil mit Tom.

„Tom ist ebenfalls ein Genie. Während unserer Zeit auf Tarsus wurden wir enge Freunde. Die Holosoldaten, welche Sie gesehen haben, hatten wir aus Langeweile entwickelt. Das ist alles schon derart lange her, dass ich heute eine Weile gebraucht habe um sie wiederzuerkennen. Tom muss sie heute aus seinem alten Haus geholt haben. Offenbar haben ihn die Erinnerungen schwerer getroffen als erwartet. Ich bitte Sie daher um Verständnis für diesen Zwischenfall. Seien sie versichert, dass zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr bestand. Ich werde mich persönlich dafür einsetzen, dass er alle Hilfen bekommt, die er braucht damit er nicht länger unter Tarsus leiden muss.
Gibt es noch weitere Fragen?“

Nach zwei Minuten Stille entschied Jim, dass er genug gesagt hatte und verließ das Podest.
Die beiden Politiker nach ihm, fanden ihre vorbereiteten Reden nun völlig unbrauchbar und fassten sich daher kurz.

Nach einer Schweigeminute war das Memorial zu Ende und alle gingen in den angrenzenden Raum, um sich etwas zu erfrischen.

Jim fand sich plötzlich umringt von all seinen Kindern. Alle wollten ihn umarmen oder berühren, um sich zu vergewissern zu können, dass er auch wirklich lebte und real war. Und sie wollten ihm danken. Jeder einzelne tat es auf seine Weise. Manche mit Worten, andere mit Blicken oder Gesten. Es tat Jim in der Seele gut, sie alle wohlbehalten wiederzusehen.

Und dann war da natürlich noch Kevin, der ihm immer besonders nahe gestanden hatte und ihn nie aus den Augen ließ. Kev hatte seine Eltern auf Tarsus verloren und Jim hatte ihn aufgegabelt. Wenn ihm seine Eltern fehlten, hatte er Jim oft ’Dad’ genannt und er wiederum hatte ihn dann ’mein kleiner Kev’ angesprochen. In gewisser Weise war Kev eine Weile wie ein Sohn für Jim gewesen.

Kevin Riley konnte es nicht glauben. Er hatte praktisch seinen tot geglaubten Vater zurück und er sollte verdammt sein, wenn er ihn wieder verlieren würde. Daher blieb er einfach bei Jim, als sich nach und nach alle wieder auf ihre Schiffe verabschiedeten.

„Solltest du nicht auch auf eines der Schiffe zurückkehren, Kev?“

Kevin konnte in Jims Augen sehen, dass dieser eigentlich nicht wollte, dass er ging. Dass er ihn ebenso sehr brauchte. Daher war es wohl Zeit seinen Trumpf auszuspielen.

„Kadett Kevin Riley bittet um Erlaubnis an Bord der Enterprise kommen zu dürfen.“

Die Enterprise war kein Zivilistenschiff. Aber ein Kadett konnte durchaus die Möglichkeit haben aushilfsweise auf ihr zu dienen.

„Kadett?“

Kirk konnte sich ein überraschtes und auch erfreutes Grinsen nicht verkneifen. Das war einfach perfekt.

„Im zweiten Jahr, Sir“, nickte Kevin Riley stolz.

„Erlaubnis erteilt. Folge mir Kev, ich muss den Rest meiner Offiziere einsammeln.“

Wie sich herausstellte, war das Einsammeln leichter als erwartet. Kaum waren sie nicht mehr von seinen Kindern umringt, waren sie da.
Uhura nahm ihren errötenden Captain sogar in den Arm.

„Ohh Gott, Jim, … wir hatten ja keine Ahnung.“

Sie schien tatsächlich den Tränen nah.

„JT, du hast es nie jemandem erzählt?“, fragte Kevin erstaunt.

Alle sahen den jungen Mann an als würden sie ihn erst jetzt bemerken.

„Nicht meine Lieblingserinnerung“, murmelte Jim.

„Ach so, ja. Kadett Kevin Riley, das ist meine Führungscrew. Zumindest ein Teil davon. Spock und Scotty sind schon wieder zurück zur Enterprise.“ Nachdem er der Vorstellung, nach seinen Maßstäben, genüge getan hatte, holte er seinen Kommunikator raus.

„Kirk an Enterprise. Sechs Personen zum Beamen.“

„Aye Sir.“
Kapitel 4 by water-girl
Wieder an Bord der Enterprise führte Jims erster Weg in die Arrestzelle. Er hatte sich noch nie so gefreut diesen Bereich des Schiffes aufzusuchen. Mit Kevin im Schlepptau deaktivierte er das Abschirmungsfeld und trat ohne zu zögern ein.

Tom kam auf Jim zu und zog ihn in eine Umarmung, als wollte er ihn nie wieder loslassen. Es war so verdammt lange her. Warum fühlte es sich dann an, als sei es erst gestern gewesen.
Sie sanken in der Umarmung zu Boden und Kevin gesellte sich zu ihnen.

Der peinlich berührte Sicherheitsoffizier versuchte, sie nicht zu sehr zu beachten und seinen Job zu machen. Doch mal ehrlich, wie oft sah man schon seinen Captain, seinen Gefangenen und einen Kadetten auf dem Boden der Arrestzelle kuscheln? Sollte er die Drei einfach gewähren lassen oder sollte er seinen Captain an das Protokoll im Umgang mit Gefangenen erinnern? Schließlich erlöste ihn die Ankunft des Ersten Offiziers von seiner Unschlüssigkeit.

Spock hatte sich die Aufzeichnung von Kirks Rede angesehen und war nun vollkommen im Bilde.

„Captain, Admiral Pike möchte Sie sprechen.“

„Danke, Spock. Ich komme sofort.“

Kirk ließ Tom wissen, dass er später wieder kommen würde und stand auf.

„Möchtest du hierbleiben Kev? Der Wächter kann dich später rauslassen.“

„Nichts im Universum könnte mich heute von dir trennen, JT. Sorry, Tom.“

Die beiden Angesprochenen nickten nur. Jim entfuhr ein leisen Seufzen, als er den Arrestbereich verließ.

„Nun gut, dann wollen wir mal schauen, was der gute Admiral möchte.“

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„Captain Kirk, ich muss Sie offiziell davon in Kenntnis setzen, dass Sie ohne Erlaubnis als geheim klassifiziertes Informationsmaterial an die Presse weitergegeben haben. Da die Umstände Ihnen jedoch kaum eine andere Wahl gelassen haben, wird von einer Disziplinarmaßnahme abgesehen. Des Weiteren wird Thomas Leighton, nachdem sein vorläufiger Arrest beendet ist, straffrei ausgehen, sofern er zustimmt, zeitnah psychiatrische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Enterprise wird ihn zu diesem Zweck persönlich auf der Erde abliefern.
Soweit dazu, wie lauten die ersten Messergebnisse?“ Pikes ernste Miene blickte Jim von Monitor (auf der Brücke, im Bereitschaftsraum?) entgegen.

„Bislang keine Hinweise auf Pilzsporen oder andere Schädlinge. Wir werden morgen und übermorgen weitere Tests durchführen“, erwiderte Kirk sachlich.

„Gute Arbeit, Jim. Und wie geht es Ihnen dabei?“

Die Benutzung seines Vornamens zeigte Kirk an, dass der offizielle Teil vorbei war.

„Es ist natürlich nicht einfach, aber ich denke ich komme schon klar. Es ist irgendwie schön Kev, Tom, Amy und all die anderen wiederzusehen.
Ohh und Admiral… kann ich mir Kadett Kevin Riley für ein paar Tage ausborgen?“

Bei den letzten Worten schweifte sein Blick zu Kev, der noch immer hinter ihm stand.

Admiral Pike war mitverantwortlich für den Kadettendienst auf Raumschiffen und musste bei Kirks Anfrage lächeln.

„Sicher, Jim. Eine Anfrage vom Captain des Flagschiffes wird seiner Akte sicher nicht schaden.“
Dann setzte Pike wieder seine hochoffizielle Miene auf und wandte sich an den jungen Mann.
„Kadett, Riley. Sie leisten mit sofortiger Wirkung Dienst auf der Enterprise bis diese in einer Woche zur Erde zurückkehrt. Die Zeit wird als Praxisarbeit für dieses Semester anerkannt.“

„Jawohl, Admiral.“

Eine Woche mit JT. Kev konnte sein Glück kaum fassen.

Nachdem Jim das Gespräch mit Pike beendet hatte, wies er den Quartiermeister an, Riley und Leighton eine Kabine zuzuteilen. Während er sich noch um ein paar kleinere alltägliche Schiffsangelegenheiten kümmerte, machte es sich Riley auf seiner Couch bequem und schlief nach kurzer Zeit ein.
Kirk beobachtete ihn lächelnd. Sein kleiner Kev war wohlauf, so lebendig und glücklich wie Jim nur hoffen konnte. Es war gut, dass er es geschafft hatte.
Trotzdem war seine Couch nicht der richtige Platz für die Nachtruhe des jungen Mannes. Sanft berührte er ihn an der Schulter.

„Was gibt’s, JT?“

„Toms Zeit in der Arrestzelle ist um. Komm mit, wir holen ihn raus und dann zeige ich euch beiden eurer Betten.“

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„JT.“

Tom freute sich eindeutig, ihn wiederzusehen und erinnerte Jim damit an einen Hund, der sich nach zehn Minuten freute sein Herrchen wiederzusehen, als wären es zehn Jahre gewesen.

„Deine Arrestzeit ist um, Tom. Du kommst mit ein paar Gesprächen beim Psychologen davon. Komm mit. Ich hoffe, es macht dir nichts aus mit Kevin eine Kabine zu teilen, aber ich dachte so ist es einfacher.“

„Keineswegs, JT, keineswegs.“

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In der Kabine trat Tom an den Nahrungsverteiler und orderte Essen für drei Personen.

„Es ist zwar inzwischen fast schon etwas spät, aber wenn ich euch so anschaue, habt ihr auch beide noch nicht zu Abend gegessen. Also haut rein“, sagte Jim zu seinen Gästen.

Kevin nahm ihn beim Wort und machte sich mit so großem Appetit über seine Mahlzeit her, dass Jim ein schlechtes Gewissen bekam, weil er nicht eher daran gedacht hatte.

Auch Tom aß, wenn auch langsamer als Kevin, als ihm auffiel, dass Jim nur in seinem Essen stocherte und kaum mal einen Bissen zu sich nahm.

„Es ist nicht einfach, oder?“

Jim sah ihn an und Tom erkannte in seinen Augen, dass sein alter Freund genau wusste wovon er sprach.

„Die Erinnerungen sind so real.“

Tom nickte

„Ich weiß genau, was du meinst.“

Kevin sah langsam von einem zum andern, bevor er sprach. „Ich musste in den letzten Jahren oft an euch beide denken. Immer wenn ich Probleme hatte, wenn etwas schiefging und ich das Gefühl hatte nicht mehr weiterzukönnen, hörte ich einen von euch, der mir Mut machte und mir das Gefühl gab, dass alles wieder gut werden würde.
Ich habe mich oft gefragt, was ihr wohl hört, wenn alles schlimm wird.“

Tom sah bei seiner Antwort wieder direkt in Kirks Augen.

„Ich höre, JT. Als ich heute in meinem alten Zimmer stand, war es so viel realer als all die Jahre zuvor. Ich habe dich wieder dort stehen sehen JT. Mehr tot als lebendig und bereit für uns zu sterben. Ich habe deinen Gesichtsausdruck nie vergessen, so erleichtert und voller Hoffnung für uns, als du dich umgedreht hattest. ’Jetzt ist alles Gut’, hast du gesagt, Die Sternenflotte ist gekommen. Jetzt seid ihr alle sicher, Tom.’ Und dann, als du zusammengebrochen bist und dieser Offizier dich mitgenommen hat, waren wir sicher du wärst tot.“

„Ich war nahe dran, Tom. Sie haben mich als Notfall zur Erde geschickt. Ich lag drei Wochen im Koma. Es dauerte danach noch fast einen Monat, bis ich das Krankenhaus aus eigener Kraft verlassen konnte. Mein Name wurde von den Listen gestrichen, um mich zu schützen, weil ich als Einziger sowohl Kodos als auch seine höheren Offiziere identifizieren konnte.
Ich war mehrmals kurz davor euch zu kontaktieren, aber dann hat mich jedes Mal der Mut verlassen. Ich war mir nicht sicher, ob ich das Recht hätte euer neues Leben zu stören.“

„Boah, JT, weißt du eigentlich was es mir bedeutet hat, als mir heute klar wurde, dass du da lebendig vor uns stehst? Ich konnte es erst kaum glauben. Noch immer habe ich Angst, dass, wenn ich dich nur einen Augenblick aus den Augen lasse, du dich in Luft auflöst und alles nur ein Traum war.“ Kevin wurde von seinen Gefühlen übermannt und konnte die Tränen nicht länger zurückhalten. Es war ein verdammt langer Tag gewesen.

„Ohh mein armer kleiner, Kev. Es tut mir so leid“, sagte Jim ergriffen. Jim nahm ihn in die Arme. Es tat ihm in der Seele weh, seinen kleinen Kev so aufgewühlt und verletzlich zu sehen.
Nach einer Weile stellte er mit einem Blick aufs Chronometer fest, dass sie schlafen gehen sollten.

Tom sah ihn und runzelte leicht die Stirn. „Du hast fast nichts gegessen.“

„Schon gut, ich hab keinen Hunger.“

Bei diesen viel zu vertrauten Worten versteifte sich Kevin kurz in Kirks Armen und klammerte sich an ihm fest, als wolle er ihn nie mehr loslassen.

Tom arrangierte derweil die Matratzen auf dem Boden.

„In Anbetracht unserer allgemeinen Traumata halte ich es für ratsam, wenn wir uns heute Nacht nicht trennen. So und nun: Schlafenszeit, Anweisung des Doktors.“

„Du bist Arzt geworden?“, fragte Jim erstaunt und musterte seinen Freund ungläubig.

„Psychologe“, nickte Tom.

Über diese Antwort musste Kirk lachen. „Ich hoffe dir ist bewusst, dass deine Strafauflage keine Selbstgespräche anerkennt, wenn es um die psychologische Behandlung geht.“

Kurz darauf lag er zwischen seinen beiden alten Freunden. Kev hatte sich eng an ihn gekuschelt und murmelte beim Einschlafen.

„Ich bin so froh, dass du noch lebst, Dad.“

Die restlichen Stunden der Nacht verbrachten alle drei ohne Alpträume.

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„Spock an Kirk.“

Verschlafen griff der Captain nach seinem Kommunikator und klappte ihn auf. „Kirk hier.“

„Captain, ist alles in Ordnung? Sie wollten die Landetruppe vor 5,2 Minuten im Transporterraum treffen.“

Verflucht er hatte in dem Tumult gestern vergessen einen Alarm zu stellen. „Entschuldigen Sie, Spock, ich habe verschlafen. Ich bin schon unterwegs. Kirk aus.“

Während er sich anzog, musterten ihn seine Freunde verschlafen. Es war eine sehr kurze Nacht gewesen.

„Kev, du meldest dich zum medizinischen Checkup, bevor du mit der zweiten Landegruppe runterkommst.
Tom du bist Zivilist und ich kann dir nichts vorschreiben, aber in Anbetracht der Umstände wäre es mir lieber, wenn du zumindest noch so lange auf dem Schiff bleibst bis die Medien abgezogen sind.“

„Geht klar, JT.“

„Jawohl, Captain.“

Beide Antworten kamen mit einem breiten Grinsen.

„Bis später, ihr zwei.“

Nach einem kurzen Sprint, erreichte der Captain keine 5 Minuten nach Spocks Erinnerung den Transporterraum.

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Heute waren die Felder auf denen der Pilz damals zuerst aufgetaucht war an der Reihe. Wie alles andere auf dem Planeten, waren auch die alten Felder von Unkraut überwuchert und strahlten in ihrer wilden Natürlichkeit eine unbestreitbare Schönheit aus. In der Vormittagssonne ging die Arbeit gut voran und schon bald waren Boden- und Pflanzenproben genommen und die Luft und das Wasser wurden selbst auf kleinste Spuren hin untersucht.

„Keine Bewegung, Ensign“, sagte der Captain zu einem seiner Botaniker, als er in glaubte etwas durchs hohe, dichte Gras schlängeln zu sehen. Kirk reagierte in letzter Minute und griff blitzschnell zu. Die Schlange wehrte sich, aber er hielt sie direkt hinterm Kopf, so dass sie keine Möglichkeit hatte, ihn zu beißen.

„In Feldern wie diesen müssen sie immer mit Schlangen rechnen. Sie haben Glück gehabt, Ensign, diese Schlange ist giftig. Sie müssen etwas vorsichtiger sein.“

Der Ensign, eine junge Frau, blickte ihn erschrocken an und nickte. „Aye, Sir.“

„Gut, dann holen Sie jetzt einen Behälter. Wir nehmen die Schlange mit.“

Keine Minute später war die Schlange sicher verwart und die Truppe ging weiter zu Feld zwei.
Zwischen Feld zwei und drei beamte Team eins mit den bisherigen Proben rauf und Team zwei kam herunter.

Ursprünglich wollte Spock Kirk ablösen, doch sie waren zu der Übereinkunft gekommen, dass Spock auf dem Schiff die Analyse der Proben überwachen sollte, während Jim die Außenteams leitete.

Zu Team zwei gehörten außer Riley noch McCoy und zwei Ensigns aus der biologischen Abteilung.

Wie schon zuvor gingen die Biologen an die Probennahmen, während Kirk, nun unterstützt von Riley, nach dem Pilz scannte. McCoy sollte nach Viren und anderen potenziellen gesundheitlichen Gefahren suchen.

Je später es wurde, um so mehr bereute es Kirk, seinem Essen am vorherigen Abend so wenig Aufmerksamkeit geschenkt zu haben. Nachdem er auch auf das Frühstück verzichtet hatte, spürte er nun langsam, dass sein Körper Energie brauchte. Auch wenn er es im Notfall schon deutlich länger ohne Nahrung ausgehalten hatte, bedeutete das nicht, dass es ihm leicht fiel. Es war in erster Linie nervig.
Je später es wurde, umso schlimmer wurden die Kopfschmerzen. Gleich würden sie aufs Schiff zurückkehren. Dann hörte er Kevin panisch schreien.

„JT!“

Erst jetzt registrierte er, dass er gefallen war. Alles fühlte sich so fern an. Dennoch nahm er Kevin wahr, als dieser plötzlich neben ihm stand.

„Nein, nicht noch mal, Dad, verlass mich nicht.“

„Ganz ruhig, Kev. Ich bin nur gestolpert. Alles ist gut.“

Jim wollte schon aufstehen, um Kevin zu beweisen, dass es ihm gut ging, aber McCoy hielt ihn mit einer sanften Handbewegung davon ab. Der Arzt war kurz nach Kevin bei ihm gewesen.

„Gestolpert, Jim, wirklich?“ McCoy musterte ihn skeptisch, während er ihn schnell scannte. „Sieht für mich eher wie ein kleiner Kreislaufkollaps aus. Keine Sorge, Junge, Jim wird wieder.“

Den letzten Satz fügte er an den Kadetten gewannt hinzu, der sich daraufhin etwas entspannte.

„Nun zu dir, Jim. Ich weiß, du hattest gestern viel zu tun und deshalb habe ich nicht nachgefragt, als du nicht in der Krankenstation aufgetaucht bist, aber ich dachte wirklich, du wärst klug genug etwas mehr auf deine Gesundheit zu achten.“

„Hey, ich hab brav geschlafen wie versprochen. Frag Spock, ich hab sogar den Anfang meiner Schicht verschlafen.“

Na gut, es waren keine acht Stunden gewesen, eher vier, aber das brauchte Bones ja wirklich nicht zu wissen.

„Das ist ein Anfang, Jim, aber davon rede ich gar nicht. Deine Blutzuckerwerte sind im Keller, praktisch nicht vorhanden. Ernsthaft Jim, wann hast du zuletzt was gegessen?“

„Ähm… gestern Morgen denke ich.“

Ok, zugegeben er fand selbst, das das nicht gesund klang. Aber er war durchaus schon längere Zeit ohne Essen ausgekommen.

„Jim, das ist fast 40 Stunden her und die paar Bissen kann man wohl kaum als Mahlzeit gelten lassen. Und die Tage davor hast du auch kaum mehr zu dir genommen.“

Kevin wimmerte. „Das ist meine Schuld, hätte ich dich gestern Abend nicht so vereinnahmt, hättest du noch …“

„Kev, Stopp.“ Jim unterbrach ihn, bevor er sich noch mehr in etwas hineinsteigern konnte, das in Jims Augen völlig überflüssig war. „Es ist nicht deine Schuld, dass ich keinen Bissen heruntergekriegt habe, bis wir uns ausgesprochen haben. Möglicherweise hätte ich sogar gefrühstückt, wenn ich nicht verschlafen hätte. Es ist nicht deine Schuld, okay?“

„Okay, Dad.“

McCoy sah den jungen Kadetten überrascht an. „Dad?“

Kevin wurde rot. „Ich war erst sechs und er hat sich um uns gekümmert und uns Mut gemacht. Wir sind JTs Kinder, also ist er unser Dad. Wir alle haben ihn manchmal so genannt. Alle außer Tom. Tom ist älter als JT, das wäre schräg gewesen.“

McCoy hatte in der Zwischenzeit sein Hypo geladen und presste es überraschend sanft in Jims Nacken.

„So, das sollte erstmal helfen. Ein Kreislaufstabilisator und ein paar Nährstoffe. Und glaub ja nicht, dass das eine Mahlzeit ersetzt. So und jetzt langsam Jim, dein Blutdruck ist schwach und ich möchte deinen Kreislauf nicht überfordern.“

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Captain Kirk erstattete Bericht.
Keine Hinweise auf die Pilzsporen, gesunder Boden, nichts sprach gegen eine Neu-Kolonisierung. Morgen würden sie sich die alte Stadt vornehmen.

Kaum war der Kanal geschlossen, fand sich Kirk einem sehr energischen Kevin Riley gegenüber. „Los JT. Tom und der Doktor warten sicher schon.“

Dem nichts entgegenzusetzen, gab Jim sich geschlagen.

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McCoy hatte den drei Männern eigentlich etwas Privatsphäre lassen wollen, doch Tom und Kev hatten darauf bestanden, dass er mit ihnen zu Abend aß.
Also hatten er und Tom schon das Essen für vier Personen vorbereitet, als Jim und Kev in die Kabine kamen.

„Jim, um Himmelswillen, setz dich hin, bevor du umfällst“, knurrte McCoy.

„Dir auch ’Hallo’, Bones. Und übertreibst du nicht etwas. So schlimm ist es wirklich nicht.“

McCoy gab einen Laut von sich, welchen Jim irgendwo zwischen genervt und besorgt einsortierte.

„Jim, ich weiß du kannst Einiges ertragen, sowohl körperlich als auch emotional. Aber auch du hast Grenzen und die solltest du langsam mal akzeptieren.
Du bist seit sechs Monaten pausenlos am Arbeiten, schläfst und isst zu wenig und heute bist du zusammengebrochen, weil dein Körper nicht mehr kann.
Ich kenne dich inzwischen gut genug, um zu sehen, dass dich nur noch die reine Willenskraft auf den Beinen hält. Also sein ein braver Captain, setz dich hin und iss endlich was, bevor ich es mir anders überlege und dich in die Krankenstation beordere, wo ich dich zwangsernähren kann.“

„Frieden, alter Freund. Ich ergebe mich.“ Schmunzelnd setzte sich Jim und die anderen folgten seinem Beispiel.

Während des Essens unterhielten sie sich. Nicht über Tarsus, nein, mit dem Thema waren sie für heute durch. Viel mehr interessierte sie, was jeder von ihnen in den letzten Jahren so getrieben hatte.

Kev hatte bei seinen Großeltern gelebt und die Schule beendet. Jetzt war er im zweiten Jahr an der Akademie.

Tom hatte bei seiner Tante gelebt und hatte Psychologie und Jura studiert.
In erster Linie war er Anwalt. Das Psychologiestudium hatte er aus Neugier und Langeweile heraus nebenbei absolviert.

Nach ein paar Stunden entschieden Leonard und Tom, dass es für alle höchste Zeit sei etwas zu schlafen. Während McCoy entschied lieber in seinem eigenem Bett zu schlafen, wollten die anderen drei lieber zusammen bleiben.

Beim Hinausgehen drehte McCoy sich noch mal um. „Und ich will dich morgen früh zum Frühstück sehen. Verstanden, Jim?“

Die Antwort bestand nur aus einem Lachen.
Kapitel 5 by water-girl
Die alte Stadt sah aus wie in seiner Erinnerung. Zugegeben, inzwischen hatte die Natur sich einiges zurückgeholt. Die Straßen und Gebäude waren von Unkraut überwuchert und alles aus Metall rostete mehr oder weniger vor sich hin. Aber die Anordnung der Gebäude und der Verlauf der alten Wege, waren exakt dieselben.

Jahrzehntelang war die Stadt ausgestorben gewesen, nun schwirrten Reporter und Überlebende durch die Straßen, auf der Suche nach Erinnerungen oder Frieden.

Neben den 193 Überlebenden von JTs Kindern war auch nahezu die Hälfte der Kolonisten gekommen, die damals von Kodos gewählt worden waren, um zu leben. Kirk erkannte auch einige Kolonisten wieder, die zu den Auserwählten gehört hatten.

Offiziell wusste niemand nach welchen Kriterien Kodos damals seine Wahl getroffen hatte. Niemand außer Jim. Jim hatte ihn seinerzeit dabei beobachtet ohne es wirklich zu verstehen.
Kodos hatte eine Liste an die Wand geheftet, eine Liste mit den Familiennamen aller Kolonisten. Dann hatte er einen großen Eimer Dartpfeile neben sich gestellt und sie scheinbar nebensächlich aus Langeweile geworfen. Jim hatte den Vorgang durch die offenstehende Tür beobachtet. Einer der Pfeile landete im Namen Riley, ein anderer in Kirk, einer in Sato, ein weiterer in Leighton und noch viele Weitere. Jim erinnerte sich an alle. Wenn er doch nur damals verstanden hätte was er sah…

Als Hoshi ihm gesagt hatte, worauf das alles ihrer Meinung nach hinauslaufen würde, hatte er ihr erst nicht glauben wollen. Doch Hoshi hatte ihn nie angelogen, also hatte er ihr geholfen alles vorzubereiten. Woher hätte er auch wissen sollen, dass Kodos die halbe Kolonie abschlachten wollte. Auch Hoshi hatte nicht gedacht, dass Kodos derart grausam sein würde.
Erst als sie alle zusammengerufen worden waren, hatte er es verstanden.

Jim wusste, dass er nicht mehr hatte tun können und trotzdem wurde er die Schuldgefühle nie vollständig los.
Er war damals in Kodos Palast ein und aus gegangen. Er hatte schließlich den Pilz entdeckt und war dabei gewesen in den Laboratorien eine resistente Getreidesorte zu schaffen, alles auf Anweisung des Gouverneurs.
’Warum hatte Kodos ihn damals überhaupt beauftragt, etwas zu tun, wenn er doch längst beschlossen hatte, die Hälfte der Kolonisten zu töten?’
Die Antwort auf diese Frage würde er wohl nie bekommen.

„JT.“

Eine weibliche Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. Überrascht drehte Jim sich um. Eine schwarzhaarige Frau kam auf ihn zu. Jim musste lächeln. Er hatte gehofft, Amy noch einmal zusehen, bevor die Mission beendet war.

„Schön dich zu sehen, Amy. Wie geht es, dir?“

„Freut mich auch dich wiederzusehen. Du hast uns allen einen ganz schönen Schock verpasst. Ich dachte ernsthaft ein paar der Kinder würden in Ohnmacht fallen. Abgesehen davon geht es mir gut. Auch wenn es härter war, als ich dachte hierher zurückzukommen. Und wie hältst du dich? Du siehst blass aus.“

„Ich schätze mir geht es ähnlich wie dir.
Da sich die Frage erübrigt was ich kürzlich so getrieben habe, wie wäre es wenn du mir erzählst wie es bei dir so gelaufen ist?“

Amy musste lächeln bei dieser Anspielung. Sie hatten vor ihren Kindern oft über die Zukunft gesprochen, als wollten sie keinen Zweifel an ihrer Rettung aufkommen lassen. Tom hatte immer gesagt er wolle für die Rechte der Menschen kämpfen und Amy wusste aus sicherer Quelle, dass er Anwalt geworden war. JT hatte immer forschen und Leben retten wollen. In erster Linie wollte er aber frei sein und reisen. Nun als Captain eines Sternenschiffs hatte er wohl etwas von allem bekommen. Und Amy selbst, nun ja sie hatte immer nur forschen wollen. Jeden Tag Neues entdecken und irgendwann einen Nobelpreis gewinnen.

„Ich bin Kindergärtnerin geworden.“

Ihrem Gegenüber entfuhr ein herzliches Lachen. JTs Lachen war ein wundervolles Geräusch an diesem Ort voller alter Erinnerungen. JT hatte nur selten gelacht zu jener Zeit. Wenn er es getan hatte, dann waren immer alle mit ihm fröhlich gewesen. JTs Lachen bedeutete, dass es sicher war und dass einen niemand finden konnte. Es bedeutete eine Art Flucht aus dem Alltag, aus Angst und Weinen.

Trotzdem hatte sie das Bedürfnis ihre Berufswahl zu erläutern. „Die Forschung lag mir irgendwie doch nicht so. Es dauert ewig bis man Ergebnisse bekommt und die Hälfte der Zeit arbeitet man für den Mülleimer. Außerdem habe ich gemerkt, dass ich mich gerne um die Kleinen kümmere. Und es ist eine ganz andere Art von Forschung. Jeden Tag lernen die Kinder etwas Neues und immer passiert irgendwas. Es wird nie langweilig und ich bin fast immer von fröhlichen Kindern umgeben, die mir das Leben leichter machen.“

Auf Jims Gesicht machte sich ein Grinsen breit. „Ich bin froh, dass du deine Berufung gefunden hast. Bei näherer Betrachtung macht es absolut Sinn. Du warst immer so gut mit den Jüngeren. Sie sind dir ja praktisch nie von der Seite gewichen. Du warst immer für sie da. Du hast sie nie verlassen.“

Bei seinen letzten Worten klang eine unglaubliche Bitternis mit, die Amy traurig stimmte. Es war nicht richtig, dass JT, ihr größter Held und Lebensretter, sich selbst so quälte.

„Du hast sie auch nie verlassen, JT. Nicht freiwillig. Du hast nur getan was nötig war. Wenn du Essen und andere überlebenswichtige Dinge geholt hast, warst du vielleicht mal ein paar Tage weg, aber du bist immer zurückgekommen. Und wärst du nicht gegangen wären wir vermutlich alle tot.“

„Als die Sternenflotte kam war ich nicht mehr da. Und ich habe nichts getan, um euch alle wiederzufinden. Ich bin einfach weggerannt und wollte nur noch vergessen.“

„JT, du warst mehr tot als lebendig als die Sternenflotte kam. Aber du warst für uns da, erinnerst du dich nicht? Wir hörten plötzlich Geräusche von draußen und du warst als Erster auf den Beinen, obwohl du so schlimm verletzt warst und hohes Fieber hattest. Du hast uns gesagt, wir sollen hinter dir in Deckung bleiben und dich mit nichts weiter als einem Messer in den Höhleneingang gestellt. Ich dachte damals, dass du dich bereit gemacht hättest zu sterben. Ich hatte so furchtbare Angst. Dann hörte ich dich rufen, dass es die Sternenflotte sei und im ersten Moment dachte ich, es wäre ein Traum. Dann hast du zu Tom gesagt, dass jetzt alles gut werden würde. Deine Worte waren so kraftvoll, so ausdrucksstark, ich konnte nicht anders, ich musste dir einfach glauben. Als du zusammengebrochen bist… ich war überzeugt du wärst tot. Doch deine letzten Worte gaben mir die Kraft weiterzumachen. Wann immer ich aufgeben wollte habe ich sie wieder gehört. Und so geht es auch den anderen. Du hast uns nie verlassen, JT. Auf eine unersetzbare Weise warst du immer für uns da. Für jeden von uns.“

Amy kannte diesen Ausdruck auf JTs Gesicht. Er wollte ihr glauben, aber ein Teil von ihm hinderte ihn daran.

„Nimm dir ein paar Stunden frei, JT, und komm mit mir. Wir reden mit den anderen und du wirst sehen, dass ich recht habe.“

Jim beschloss, dass sie Recht hatte. Spock konnte hier ohne Probleme für ihn übernehmen.

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Nachdem er zwei Stunden lang mit mehreren seiner Kinder gesprochen hatte, begann Jim Amy zu glauben und ein kleiner Stein der Schuld fiel von seinem Herzen und er fühlte sich seltsam leicht.

Es war kein Problem gewesen sich für ein paar Stunden zu entschuldigen. Spock leitete in seiner Abwesenheit das Außenteam und McCoy hatte ihm gesagt, er solle sich am Besten gleich den ganzen Tag freinehmen. Er wanderte mit Amy durch die alte Stadt und seine Füße fanden ihren Weg automatisch.

Erst als er wieder auf dem Platz stand, registrierte er wo er war. Es war genau hier gewesen. Keine drei Meter von seinem Standpunkt entfernt waren sein Onkel und seine Tante hingerichtet worden. Und dort vorne, nur fünf Meter weiter hatte Hoshi ihren letzten Atemzug geopfert, um ihm die Warnung zuzurufen. Er hatte sie alle sterben sehen. All das Blut und die Schreie. Der Geruch von verbranntem Fleisch. Und jedes einzelne Gesicht hatte sich in sein Gedächtnis gebrannt.
Jim wurde schlecht. In Momenten wie diesem, verfluchte Jim sein nahezu eidetisches Gedächtnis. Er stolperte in eine dunkle Ecke und übergab sich ordentlich, bevor sich sein Magen wieder beruhigte.

’Oh Gott. Was wenn die Presse das gesehen hatte. Das Bild des unzerstörbaren Captains wäre Geschichte.’

Doch niemand beachtete Jim. Amy hatte offenbar gesehen was los war und ein sehr wirkungsvolles Ablenkungsmanöver gestartet. Sie kniete im Dreck in der Mitte des Platzes und schrie sich die Seele aus dem Leib. Kirk konnte nun als Retter in der Not zu ihr eilen, während die gesamte Presse dieses Bild des Elends festhalten wollte und offenbar auf nichts anderes mehr achtete. Nun konnte Jim auch verstehen, was sie schrie.

„…tot… soviele tot… nichts als wertlose Insekten für ihn… elender Bastard… Tot… ALLE SIND TOT…“

Er nahm sie in den Arm und wiegte sie sanft, als wolle er sie beruhigen. Sie hörte langsam auf zu schreien. Jim setzte seine beste Captainsmiene auf und wandte sich an die Reporter.

„Diese Frau hat genug durchgemacht. Denken sie doch bitte mal an etwas anderes, als Ihre Story und lassen Sie ihr etwas Raum, um sich wieder zu fangen und mit der Belastung fertig zu werden.“

Die meisten Reporter zogen daraufhin beschämt ab, während Amy sich von Kirk aus dem Zentrum der allgemeinen Aufmerksamkeit führen ließ.

„Übertreib es nicht, JT, sonst werde ich noch rot bei so viel Aufmerksamkeit.“

„Entschuldige, wenn ich etwas übertrieben habe. Und danke, ich schulde dir echt was.“

„Kein Problem. Wir wollen doch die Legende nicht zerstören, nicht wahr?“

Ein leichtes Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht. Es sah aus, als wollte sie noch etwas hinzufügen doch sie wurden vom Geräusch seines Kommunikators unterbrochen.

„Captain, wir haben eine Frau aus Ihrer Richtung schreien gehört. Ist bei Ihnen und Mrs. Bern alles in Ordnung?“

Nun niemand konnte behaupten seine Crew wäre nicht aufmerksam genug.

„Alles unter Kontrolle, Mr. Spock. Nur ein kleinerer Zwischenfall, es geht allen Beteiligten gut. Kirk Ende.“

Dann fiel ihm auf was Spock gesagt hatte. „Mrs. Bern?“

„Oh, habe ich das noch gar nicht erzählt? Ich habe geheiratet. Er ist Botaniker und wir wollen bald in eine Kolonie ziehen, damit er mit außerirdischen und irdischen Pflanzen experimentieren kann. Tarsus wäre eigentlich perfekt.“

Jim sah sie ungläubig an. „Du würdest wirklich hierher zurückkehren wollen? Nach allem was passiert ist?“

„Nun ja, zugegeben, die Zeit in den Höhlen war sicher nicht die Beste meines Lebens, aber du musst zugeben, es war schön auf Tarsus aufzuwachsen. Ich habe hier mehr als zehn Jahre gelebt. Dies ist irgendwie zum Teil meine Heimat. Es ist ein wunderschöner Planet, um Kinder großzuziehen. Viel freie Fläche zum toben und nach allem was passiert ist, wird dies die vermutlich sicherste und am besten kontrollierte Kolonie in der gesamten Förderation werden.“

Jim nickte langsam. Amy hatte Recht. Dies war ein wundervoller Planet, wenn man von seiner blutigen Geschichte absah.

„Ich denke, ich verstehe was du meinst. Du hast meinen größten Respekt. Ich weiß nicht, ob ich dafür stark genug wäre.“

„JT, du darfst nicht vergessen, dass meine schlimmen Erinnerungen sich auf die Schreie beschränken. Du hast dafür gesorgt, dass wir schon auf halben Weg in die Höhlen waren, als der schlimmste Teil begann. Danach habe ich bis zu unserer Rettung nur die Höhlen und die Wälder in der direkten Umgebung gesehen. Du hast so viel mehr als ich durchgemacht. Ich weiß nicht ob ich damit hätte Leben können.“

Richtig, Hoshi war eine der Ersten gewesen, die erschossen worden war. Jim hatte Amy und Tom mit den ersten Kindern sofort losgeschickt und selbst das Schlusslicht ihrer Gruppe gebildet. Die meisten der Kinder, die es nicht geschafft hatten, waren unter den letzten gewesen. Sie hatten ihren Lebenswillen verloren, als sie ihre Familien sterben sahen. Kev war der Letzte gewesen, der mit ihm gegangen war. Er hatte den Kleinen den größten Teil der Strecke getragen. Kevin hatte seine Eltern sterben sehen und weinte die ganze Strecke über leise in JTs Shirt.

Jim schüttelte die Erinnerungen ab.

„Ich bin sicher, du wärst trotzdem die Frau geworden, die du jetzt bist. Du bist eine der stärksten Persönlichkeiten, die ich kenne.“

Sie gingen inzwischen durch ein paar schmalere Gassen. Nur einen Steinwurf von hier entfernt war das Haus von Jims Onkel gewesen.

Plötzlich hörten sie, wie sich eine Waffe entlud und Jims Schulter brannte höllisch. Ihm stieg der Geruch von verbranntem Fleisch in die Nase und es war gut, dass sein Magen nichts mehr herzugeben hatte. Amy rief ihn, doch er war zu sehr damit beschäftigt bei Bewusstsein zu bleiben um antworten zu können. ’Wann war er auf dem Boden gelandet?’ Und plötzlich sah er den Mann mit der Waffe und Adrenalin flutete seinen Körper.

„Matthew.“

Jim versuchte Aufzustehen, doch seine Beine schienen damit nicht so ganz einverstanden zu sein. Der Mann kam näher.

„Ohh immer noch so schlau, kleiner Scheißer! Nun, offenbar bist du doch nicht ganz so schlau plötzlich der Welt zu verkünden, dass du noch lebst.“

„Amy, lauf! Hol’ Spock.“

Normalerweise hätte Amy derartige Anweisungen infrage gestellt, doch die Zeit heute hatte sie etwas in die Vergangenheit zurückversetzt, wo JTs Wort nicht nur Gesetz war, sondern auch Überleben bedeutete. Im Zickzacklauf ausweichend, rannte sie so schnell sie konnte, um Hilfe zu holen.

Der Mann, Matthew, versuchte auf sie zu schießen, doch war er ein lausiger Schütze und sie dafür sehr geübt darin, schnell zu verschwinden.

„Wieder allein, JT. Genau wie beim letzten Mal. Dachtest du wirklich, nur weil du den Boss um die Ecke gebracht hast, hättest du vor uns anderen nichts mehr zu befürchten. Wir alle wollen Rache für den großen Kodos.“

„Also ist der Schweinehund krepiert. Endlich mal gute Neuigkeiten“, erwiderte Jim .
Jim versuchte seine Gedanken zu ordnen. Die Phaserverbrennung schmerzte etwas, aber nicht annährend so schlimm wie im ersten Moment. Entweder war das ein gutes Zeichen und es war nicht so schlimm, wie er zuerst dachte, oder es war ein schlechtes Zeichen, weil durch die Verbrennung Nerven abgestorben waren. Bei seinem Glück tippte er auf das Zweite.

Matthew, nun derart nah herangekommen, dass sogar ein so schlechter Schütze wie er war, Kirk tödlich treffen würde, verlangte wieder seine Aufmerksamkeit.

„Der größte Mann in der Geschichte, ist wegen dir gestorben. Nachdem ihm der Verlust seines Armes fast ein Jahr zu schaffen gemacht hat, ist er an einer simplen Infektion gestorben. Man hätte ihn leicht retten können, doch wegen dir konnte er kein Krankenhaus aufsuchen und so ist er nach langer Zeit in Schmerzen und Fieber gestorben. Und nun wirst du ihm folgen.“

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Amy rannte schneller, als sie es jemals zuvor getan hatte. In Rekordzeit erreichte sie JTs Landungsgruppe.

„Schnell, er hat auf ihn geschossen und jetzt wird er ihn umbringen. Bitte, ihr müsst ihm helfen. JT darf nicht sterben!“

Sie rief laut genug, um die Aufmerksamkeit sämtlicher Personen in Hörweite zu haben, aber das war ihr egal, solange nur JT gerettet wurde.

Der Vulkanier erfasste die Situation sofort.

„Wo?“

Nur ein Wort. Er schien ruhig und kontrolliert zu sein, doch wenn sie genau hinsah, erkannte sie wie seine Emotionen unter der Oberfläche nur so brodelten. Mal ehrlich, wer glaubte noch an das Märchen, das Vulkanier keine Gefühle besaßen?

Amy deutete in die Richtung und folgte dem Vulkanier mit dem Rest des Teams, darunter ein extrem erbleichter Kev, und noch einige anderen Personen. Ein Teil davon waren Reporter, andere erkannte sie als Überlebende aus ihrer Gruppe. Der Vulkanier war übermenschlich schnell und überdurchschnittlich konditioniert.
Hoffentlich schafften sie es noch rechtzeitig.

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Spock rannte. Er musste es einfach schaffen.

Das Erste was er erfasste, war sein Captain am Boden einer Gasse. Ein Mann hatte ein altmodisches Phasergewehr auf seinen Kopf gerichtet.

Noch im Laufen berechnete er die Kraft und den Winkel, die er benötigen würde, um den Gegner schnell und effizient auszuschalten, ohne dabei seinen Captain in Gefahr zu bringen.

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Jim sah in den Lauf der Waffe und spürte eine seltsame Ruhe.
Den Tod hatte er nie gefürchtet und es gab schlimmere Wege zu gehen, verstrahlt werden beispielsweise. Dagegen klang erschossen werden, doch fast wie ein Spaziergang, war kurz und beinahe schmerzlos.

Zeit für seinen letzten Atemzug, wurde ihm gesagt. Gut, wenigstens hatte der Verrückte ein Gefühl für Dramatik.

Dann flog Matthew mit einem Krachen gegen die nächste Wand, festgehalten von Spock. Schließlich sank er wie ein nasser Sack in sich zusammen. Spock hatte ihn mit dem vulkanischen Nervengriff betäubt. Anschließend ging Spock zu seinem Captain hinüber, um nach ihm zu sehen.

„Das war knapp. Danke, Spock.“

Spock wollte antworten, dass Dank unnötig sei, doch in diesem Moment traf der Rest der Gruppe ein.

„JT.“

„JT!“

Amy und Kev riefen ihn. Jim hörte Kevin würgen. Natürlich… auch Kevin hatte die Massenmorde gesehen wie er. Auch wenn er erst sechs Jahre alt gewesen war, musste das einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben.

„Es ist alles in Ordnung. Nur eine kleine Fleischwunde, nichts Ernstes.“

Zumindest hoffte er das. Brandwunden konnten tückisch sein.

„Jim, verdammt, was hast du jetzt wieder angestellt?“ Bones war hier. Das war gut. Bones würde ihm helfen, dass tat er immer.

McCoy scannte die Wunde während er seinen Patienten gleichzeitig mit den Augen gründlich untersuchte, dann rammte er Jim ohne Vorwarnung ein Hypo in den Nacken. „McCoy an Enterprise; zwei Personen hochbeamen. Medizinisches Notfallteam bereithalten. Patient mit Verbrennungen dritten Grades.
… Keine Sorge, Jim, ich krieg das wieder hin. Entspann dich einfach.“

„Gut, ich vertrau dir.“

Dann hieß ihn die Finsternis willkommen.
Kapitel 6 by water-girl
Es war ein sonniger Tag gewesen. Sie waren schon früh aufgestanden. Der Gouverneur hatte sie auf den Stadtplatz rufen lassen. Gestern war die andere Gruppe dort gewesen und hatte Notfallrationen bekommen. Heute waren sie dran. JT glaubte nicht daran. Nicht nach allem was in den letzten Wochen passiert war.

Kaum kamen sie an wurden die Kinder von den Eltern getrennt. Sie würden eine Sonderbehandlung bekommen hieß es. Ohh ja, für sie war das ganz besondere Privileg vorgesehen gewesen ihre Eltern sterben zu sehen.

Dann war Matthew auf das Podium getreten. Inzwischen wunderte sich niemand mehr besonders, wenn dieser Mann den Gouverneur vertrat. Kodos hatte sich so gut wie nie öffentlich gezeigt. Matthew war nun seit fast zwei Jahren Kodos’ neues Gesicht.

Matthews Stimme war kalt gewesen, als er begonnen hatte die Nachricht vorzulesen.

„Die Revolution ist erfolgreich. Aber das Überleben hängt von drastischen Maßnahmen ab. Ihre Fortbestände sind eine Bedrohung für das Wohlergehen der Gesellschaft. Ihre Leben bedeuten einen langsameren Tod für die mehr geschätzten Mitglieder der Kolonie. Deshalb habe ich keine andere Wahl, als euch alle zum Tode zu verurteilen. Eure Exekution ist somit angeordnet, signiert Kodos, Gouverneur von Tarsus IV.“

Daraufhin war Panik ausgebrochen und alle versuchten zu fliehen. Die ersten Schüsse wurden abgefeuert. Matthew sprach erneut und seine kalte Stimme wurde von den Lautsprechern auf dem gesamten Platz derart verstärkt, dass es unmöglich war sie zu ignorieren.

„Wenn ihr keinen Widerstand leistet verspreche ich euch, dass es kurz und schmerzlos sein wird. Außerdem werden eure Kinder dann überleben. Andernfalls werden wir zuerst sie und dann euch hier zu Tode foltern.“

Hoshi war aufgestanden und mit erhoben Armen auf Matthew zugegangen. Kurz bevor Matthew ihr in die Brust schoss war sie nahe genug dran, damit Jim ihre letzten Worte über die Lautsprecher hören konnte. Sie rief ihm auf andorianisch zu, er solle die Kinder in die Höhlen bringen. JT wusste, in diesem Moment war sie für ihn und die Kinder gestorben. Also tat er was sie wollte.

Danach war das Massaker erst richtig losgegangen. Schüsse blitzen und zischten über den ganzen Platz, Frauen wie Männer schrien als ihre Leben beendet wurden. Und über allem breitete sich der Geruch von Tod und verbranntem Fleisch aus. Aus dem einst so beliebten Stadtplatz wurde ein Ort des Schreckens und des Todes.
Warum war es nur so weit gekommen?


Diese Frage verfolgte Jim als er langsam wieder ins Bewusstsein zurückfand.

Warum hatte Kodos damals nicht einfach Hilfe gerufen. Sicher, Tarsus war eine rebellische Kolonie gewesen, die gerade in politischer Hinsicht ihren eigenen Weg gehen wollte. Aber bestimmt hätte man hier doch die Hilfe der Förderation in Anspruch nehmen können.

So sehr er Matthew auch verabscheute, er musste mit ihm sprechen. Er brauchte Antworten. Hoffentlich würde er sie auch bekommen.

Das Erste was er sah, als er die Augen schließlich öffnete, waren die Wände der Krankenstation. Außer ihm war gerade niemand im Raum. Ungewöhnlich, wenn man bedachte, dass Bones sonst immer hier war wenn er aufwachte.

Vorsichtig hob er eine Hand und tastete nach seiner Schulter. Befühlte einen Verband, unter dem die Schulter schmerzhaft pochte. Offenbar war die Wunde zu schlimm gewesen, um sie in einer Sitzung zu heilen.

Die Tatsache, dass er noch seine Uniformhose trug, sagte ihm, dass er noch nicht allzu lange hier war. Und das leicht schwebende Gefühl verriet ihm, dass er unter Schmerzmitteln stand.

Langsam setzte er sich auf. Der Raum drehte sich nicht und alles blieb an seinem Platz. Gut so. Jim stand auf. Er würde sich ein frisches Uniformhemd besorgen und dann Matthew suchen gehen. Wenn Spock logisch und nach Vorschrift gehandelt hatte, und wann tat Spock das nicht, befand sich Matthew in einer Arrestzelle auf der Enterprise.

Nur noch wenige Schritte bis zur Tür.

„Jim, was zum Teufel machst du außerhalb des Bettes und was glaubst du wo du hingehst?“

’Erwischt.’ Nun damit hatte sich wenigstens die Frage nach Bones Aufenthaltsort erledigt. Der Arzt kam aus der Richtung seines Büros, wo er vermutlich etwas Papierkram erledigt hatte.

„Bones, ich muss mit Matthew reden. Hat Spock ihn in die Arrestzelle gebracht?“

„Du musst nur wieder ins Bett und dich ausruhen. Und warum willst du dir das überhaupt antun? Der Kerl hat auf dich geschossen.“

„Ich… Ich brauche einfach ein paar Antworten.“

Jims Stimme war eher ein Flüstern und in seinen Augen spiegelte sich so tiefe Traurigkeit und Verzweiflung, dass Bones einen tiefen Drang verspürte, ihm zu helfen. Alles zu tun, damit es Jim wieder besser ging. Mit einem Seufzen ergab er sich seinem Schicksal.

„Na gut, Jim. Aber ich komme mit dir und anschließend kommst du sofort mit mir hierher zurück.“

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„Sieh an, sieh an, wen haben wir denn da? Klein Jimmy hat offenbar noch nicht genug mit mir gespielt und möchte noch eine bisschen weitermachen. Doch ob ich es ihm erlaube… wer weiß, wer weiß?“

Ein irres Lachen folgte diesen Worten und ließ Matthew wie einen Wahnsinnigen erscheinen.

„Ich will nicht mit dir spielen.“

Das letzte Wort betonte Jim so stark, dass Bones ihn besorgt ansah. ’Was war damals nur alles passiert?’ Jims Stimme war sonst nie so kalt.

„Ich habe Fragen und du wirst mir antworten.“

„Und warum sollte ich das bitte tun?“

„Spar dir die Show, Matthew. Wir wissen doch beide, dass dein verdammtes Ego viel zu groß ist, um dich für den Rest deines Lebens darüber auszuschweigen. Also tu gar nicht erst so als wolltest du es nicht.“

„Immer noch der kleine Rebell, JT. Nun dann stell deine ach so wichtigen Fragen.“

„Ich will wissen warum?“

„Warum? Was soll das heißen warum?“

„Warum mussten alle sterben? Warum hat Kodos keine Hilfe gerufen?“

„Der große Kodos war perfekt. Nur wer perfekt war durfte uns führen. Wäre er so schwach gewesen, um Hilfe zu bitten, wäre er nicht mehr perfekt gewesen und wir hätten ihn ersetzen müssen.“

„Wen meinst du mit ’Wir’?“

„Wir sind die stolze und großartige Gruppe der perfekten Menschen. Wir mögen nur wenige sein, doch wir tun alles um den Genpool der Menschheit von seinen Verunreinigungen zu befreien.“

„Kodos hat also tausende Personen abschlachten lassen, nur um nicht als Führer einer kleinen radikalen Gruppe abgesetzt zu werden?“ In Jims Stimme schwang Fassungslosigkeit.

„Oh nein, wir hätten ihn nicht abgesetzt. Wir hätten ihn getötet. Nur wer perfekt ist darf unser Führer sein, wer versucht uns zu führen ohne perfekt zu sein, wird dafür getötet.
Nun zum Schluss hat es ihm ja nicht viel gebracht. Er hat seine Perfektion durch dich verloren. Ich war leider gezwungen seine wertlos gewordene Existenz zu beenden. Alles was von ihm übriggeblieben ist, ist seine schöne Tochter.“

Matthew brach in ein irres Lachen aus. Offenbar war er wirklich geisteskrank.

’Kodos ist Tod.’, Die Erkenntnis traf den Captain wie einen Hammerschlag und ließ ihn taumeln. All die Jahre der Angst und Ungewissheit und dabei war Kodos längst tot. Doch Kodos war nicht das einzige Monster gewesen. Matthew war mindestens genauso schlimm, wie sein alter Führer.
’Moment mal was hatte der Mann gerade über Kodos Tochter gesagt.’

„Was habt ihr mit Leonore gemacht?“

Jim erinnerte sich an ein Mädchen in Kevins Alter, dass immer um ihn herumgestrichen war, wenn er in Kodos’ Palast gekommen war. Was hatten diese Monster ihr nur angetan.

Das irre Grinsen des Wahnsinns erschien wieder auf Matthews Gesicht.

„Ich habe die Kleine in die Perfektion gerettet. Sie wird bald meine Frau und unsere Kinder werden der Organisation wieder zu ihrer früheren Größe verhelfen.“

Dieses kleine süße Mädchen als Teil einer derart gefährlichen Gruppe. Allein der Gedanke…

„Wo ist sie? Wo hältst du sie gefangen?“

Als Antwort bekam er nur ein irres Lachen.

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„Captain, wir haben ein kleines nicht für diesen Raumsektor registriertes Schiff entdeckt.“

Sulus Stimme kam aus dem kleinen Lautsprecher an seinem Computer. Der Captain hatte Bones davon überzeugen können, ihn in seine Kabine zu entlassen. Das war erstaunlich einfach gewesen. Offenbar war Bones nachdem er das Gespräch gehört hatte, der Meinung gewesen, dass sein Captain etwas Zeit für sich gebrauchen könnte.

Schwieriger war es gewesen den Computer so zu programmieren, dass er damit dieselben Arbeiten verrichten konnte wie von der Brücke aus.

Bones hatte ihm angedroht, ihn in die nächste Woche zu sedieren, wenn er sich der Brücke nur auf zwei Decks nährte.
Jim wusste, dass sein Schlupfloch eigentlich keines war und Bones sicher nicht begeistert wäre, wenn er wüsste, dass Jim beinahe seinen vollen Dienst wieder aufgenommen hatte und zusätzlich dazu noch immer nach Zeichen von Leonore Kodos’ Verbleib suchte.

Offiziell hatte Sulu gerade das Kommando auf der Brücke, doch er wusste, sein Captain wollte informiert werden daher fuhr er fort.

„Sie identifizieren sich.“

*Hier ist die Sonnentanz. An Bord befinden sich nur Steuermann Anton Fill und ich Leonore Karidian. Wir fliegen den Planeten an, um einen der Gäste Matthew Meyers des Memorials abzuholen.*

Kirk blieb der Atem weg. Der Vorname passte und auch ihre Stimme klang vertraut. Und warum sollte sie sonst ausgerechnet nach Matthew fragen? Konnte es so einfach sein?
Es gab nur eine Möglichkeit.

„Sulu, rufen Sie Spock auf die Brücke. Ich bin in fünf Minuten da.“

Sulus Erwiderung hörte er schon nicht mehr.

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„Captain, ich dachte Dr. McCoy hat Sie noch nicht wieder Dienstfähig geschrieben.“

„Hat er auch nicht und Sie werden einen Teufel tun, es ihm zu sagen.“

Spock sah ihn an und hob eine Braue.

„Ich weiß nicht was eine irdische Symbolfigur damit zu tun hat, dass Sie offensichtlich Schmerzen haben und dringend Ruhe benötigen. Es ist daher unlogisch für Sie zum Dienst zu erscheinen.“

„In diesem Fall nicht, Spock. Ich habe noch etwas Wichtiges zu erledigen. Uhura öffnen Sie bitte einen Kanal zur Sonnentanz.“

„In Ordnung, Captain. Sie können sprechen.“

„An das Raumschiff Sonnentanz. Hier spricht Captain Kirk vom Förderationsraumschiff Enterprise. Ihr vorgesehener Passagier Matthew Meyers befindet sich derzeit im Arrestbereich meines Schiffes und wird sich in Kürze wegen seiner Taten vor einem Förderationsgericht verantworten müssen.“

„Ein Gerichtsprozess? Was wird unserem Freund vorgeworfen?“

„Versuchter Mord an einem Offizier der Sternenflotte. Außerdem wurde er von besagtem Offizier als Kodos rechte Hand identifiziert.“

Die weibliche Stimme klang resignierend als sie antwortete. „Ist es uns gestattet, unseren Freund zu besuchen? Ich möchte mit Matthew reden.“

„Sie sind herzlich eingeladen, Miss Karidian.“

Jim hoffte inständig nicht gerade einen großen Fehler begannen zu haben und Spocks Augenbrauen hoben sich noch ein kleines Stück.

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„Willkommen an Bord.“

„Ich bin sicher, das ist ein Missverständnis. Matthew würde nie etwas Falsches tun. Er ist doch perfekt.“

Kein Zweifel es war Leonore Kodos. Was war nur aus dem netten kleinen Mädchen geworden? War sie am Ende genau so eine Fanatikerin wie es ihr Vater gewesen war?

„Miss Karidian, es handelt sich keinesfalls um ein Missverständnis. Ich war persönlich dabei, als der Mordversuch geschah.“ Jim sprach langsam und leise um zu ihr durchzudringen. Leider ohne Erfolg

„Dann bin ich sicher, Ihr Offizier war daran nicht unschuldig. Und außerdem, warum glauben Sie ihm einfach so seine wilden Anschuldigungen. Das ganze ist mehr als zehn Jahre her. Vermutlich wollte er sich nur Wichtig machen.“

„Ich versichere Ihnen, dass es keine Aggression seitens des Offiziers gegeben hat. Des Weiteren steht die Glaubwürdigkeit des Offiziers zweifellos fest, da er sich bereits mehrfach durch außergewöhnliche Leistungen ausgezeichnet hat. Und glauben Sie mir, Miss Karidian, das letzte was er tun muss, ist sich wichtig machen“, erwiderte Spock anstelle von Jim.

Bildete Jim sich das nur ein oder war Spocks Stimme bei dem letzten Satz tatsächlich bedrohlich geworden. ’Wow, vielleicht besteht für die epische Freundschaft ja doch noch Hoffnung.’

Leonores Begleiter, der bislang nur stumm dagestanden hatte, schaltete sich ein. Es war offensichtlich, dass Leonore bald die Beherrschung verloren hätte.

„Vielleicht sollten wir nun zu Matthew gehen und uns seine Geschichte anhören. Ich bin sicher, das wird etwas Licht in die Sache bringen.“

„Ja, du hast Recht, Anton. Bringen Sie uns jetzt bitte zu unserem Freund, Captain.“

Widerwillig drehte Kirk ihr den Rücken zu. Sein Gefühl warnte ihn vor Gefahr. Das war nicht mehr das kleine unschuldige Mädchen von früher.

„Hier entlang“, bat Jim höflich, aber kühl.

Spock ging als Letzter, wohl um ihre ’Gäste’ im Auge zu behalten. Offenbar traute sein Erster Offizier den Neuankömmlingen auch nicht.

Kirk versuchte die Schulter ruhig zu halten und sich trotzdem möglichst natürlich zu bewegen. Auf einmal hörte er hinter sich ein überraschtes Keuchen.

Als er sich umdrehte, stürzte Leonore mit einem Messer auf ihn zu.
Verflucht, warum hatte man das bei der Durchsuchung nicht entdeckt?

Millimeter bevor das Messer ihn berührte, brach Leonore zusammen und Jim erkannte Spock hinter ihr stehen. Ihr Begleiter Anton lag ebenfalls reglos auf dem Boden.

„Weißt du, Spock, dieser Nervengriff ist echt cool, wenn er nicht gegen einen selbst eingesetzt wird. Kannst du mir das beibringen.“

„Die wenigsten Nicht-Vulkanier verfügen über die benötigte geistige und körperliche Disziplin, um den Nervengriff zu erlernen.“

„Das ist kein Nein.“

Spock beschloss daraufhin offenbar das Thema lieber wieder fallen zu lassen.

„Ich denke wir sollten lieber die Sicherheit rufen, um unsere Gäste den Rest des Weges zur Arrestzelle zu begleiten. Ich denke sie haben nun mehr als genügend Zeit für ein Gespräch mit ihrem Freund.“

„Natürlich, Spock. … Moment mal war das gerade ein Witz?“

„Vulkanier scherzen nicht.“

„Nun, dann war es eben ein guter Nicht-Witz. Es besteht also noch Hoffnung für dich.“

Ein breites Grinsen zog sich über Jims Gesicht. Spock hob lediglich eine Augenbraue.

„Kirk an Sicherheit: Wir haben zwei neue Gäste in Korridor B51. Ich brauche ein paar Wärter, die sie in die Arrestzelle begleiten.“

„Aye Captain, schon unterwegs.“

Da der Arrestbereich ohnehin nur noch einen Gang entfernt war, dauerte es nur eine knappe Minute bis vier Sicherheitswächter auftauchten und ohne Fragen zu stellen ihre neuen Gefangenen einsammelten.

Als sie um die Ecke verschwanden, tauchte McCoy wie aus dem Nichts auf.

„Verdammt, Jim, ich hatte dir Ruhe verordnet! Ich weiß es wäre vermutlich zuviel verlangt, dich zu bitten, wenigstens mal einen Tag Bettruhe zu halten, aber zumindest du solltest den Unterschied zwischen Ruhe und einem Lauf durchs ganze Schiff kennen.“

„Bones, woher wusstest du…? Spock.“ Jim wandte sich mit schmalen Augen an seinen Ersten Offizier.

„Nein, Spitzohr hat mich nicht verständigt, obwohl das durchaus seine Aufgabe gewesen wäre“, McCoys vorwurfsvoller Blick wanderte von Kirk zu Spock, „Nein, Kevin Riley kam panisch in meine Krankenstation gerannt und hat dich gesucht, weil er, als er dich nicht in dem Quartier finden konnte, davon ausgegangen ist, dass es dir wieder schlechter geht. Verflucht ich habe fast zehn Minuten gebraucht, um ihn zu beruhigen und ihm zu versichern, dass du weder tot bist noch mit einem Bein im Grabe stehst. Der arme Junge hat wirklich schon genug durchgemacht. Wenn schon nicht für dich, kannst du dann wenigstens für ihn auf dich Acht geben? Kannst du es für mich?“

Bei den letzten Worten verdeckte Bones seine Sorge um Jim nicht mehr hinter Wut. Und Jim bekam ein furchtbar schlechtes Gewissen.

„Es tut mir leid, Bones. Es war nur… Ich musste…“

„Was musstest du, Jim?“ McCoy verschränkte die Arme vor der Brust und funkelte Jim mürrisch an.

„Die Frau, die gerade in die Arrestzelle gebracht wurde, ist Leonore Kodos“, erklärte Jim und hoffte auf Verständnis.

Der Gesichtsausdruck seines Freundes wurde sofort sanfter. „Oh Gott, Jim. Geht es dir gut?“

„Keine Sorge, Spock hat seinen Nervengriff angewendet. Sie hat mich mit dem Messer nicht einmal berührt.“

„Messer, verflucht noch eins! Das meinte ich nicht und das weißt du ganz genau.“

„Bones, ich…“

„Captain, vielleicht möchten Sie jetzt Miss Kodos befragen. Sie müsste inzwischen wieder bei Bewusstsein sein“, ließ sich Spock vernehmen, der bis dahin das Gespräch zwischen Kirk und McCoy verfolgt hatte.

Gerettet vom Ersten Offizier. ’Das macht dann drei mal heute’, dachte Kirk ironisch. Er hatte wirklich keine Ahnung, was er seinem besten Freund antworten sollte.


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„Du hast meinen Vater getötet. Ich habe dich verehrt, JT. Du warst nahezu perfekt. Doch jetzt weiß ich woher das kommt. Du hast diese Perfektion von meinem Vater gestohlen und ihn so getötet.“ In den Augen der Frau lag der blanke Hass.

Unwillkürlich trat der Captain einen Schritt zurück. Dann fühlte er Bones Hand an seinem Rücken, die ihm neue Zuversicht und Kraft schenkte, um jetzt nicht nachzugeben.

„Ich habe deinen Vater nicht getötet, Leonore. Obwohl ich nicht behaupten kann, dass ich seinen Tod übermäßig bedauere. Ich habe weder auf ihn geschossen, noch habe ich ihn gezwungen mich zu fangen und zu foltern. Und ich habe ihm auch nicht die Bombe in die Hand gedrückt. Ich war nur ein kleiner Junge, der die Chance zur Flucht genutzt hat.“

„Lügen, Leonore, alles Lügen. Dieser kleine Bastard hat sich den Befehlen deines Vaters widersetzt und ihn so gezwungen zu handeln. Er ist eben nicht perfekt so wie wir. Die Kriterien haben ihn zu den nicht Überlebenswürdigen gezählt und deshalb ist es alles seine Schuld. Hör auf deinen Onkel. Ich kenne die Wahrheit.“, wandte sich Anton an sie.

’Onkel’. Natürlich Kodos kleiner Bruder. Und sein zweiter Stellvertreter. Er war damals ebenfalls auf dem Platz gewesen, doch bei dem Wort Wahrheit platzte Jim der Kragen.

„DIE WAHRHEIT. Ich kenne die Wahrheit. Kodos wusste von dem Pilz und hat nichts unternommen, weil er in die Geschichtsbücher eingehen wollte. Seine sogenannten Kriterien waren Dartpfeile, die er ohne hinzusehen auf eine Wand geschleudert hat. Vermutlich dachte er die Perfektion würde die Auserwählten schützen. Nur komisch, dass sein Name nicht auf der Liste stand. Er war nie etwas anderes als ein verrückter, feiger Bastard und ihr beide seid nicht besser. Ihr habt keine Ahnung, wie lange ich darauf gewartet habe euch in die Finger zu bekommen. Und dann kriege ich euch, nur um herauszufinden, dass ihr versucht habt, aus dem einzig guten, das es an Kodos gab, seiner Tochter nämlich, eine fanatische mordlustige Gebärmaschine zu machen. Ihr widert mich an“, sprudelte es ungehalten aus Jim heraus, der nach all den Jahren endlich all das aussprechen konnte, das ihm auf der Seele lastete. Er spürte förmlich, wie eine Tonnen schwere Last von seinen Schultern fiel. Hinter sich spürte er immer noch Bones’ Präsenz, die ihm weiterhin das Selbstbewusstsein stärkte und ihn daran erinnerte, dass er nicht mehr der Junge JT war, sondern ein Captain der Sternenflotte.

„Und was willst du mit uns machen jetzt wo du uns hast? Was kann so ein pseudo-vollkommener kleiner Bastard wie du schon ausrichten?“ Aus Matthews Stimme sprach der blanke Hohn.

„Wir werden euch der Gerichtsbarkeit der Förderation überstellen. Dort wird entschieden was mit euch geschieht. Und dann ich werde persönlich dafür sorgen, den Prozess öffentlich zu machen, damit alle Welt weiß, was mit Personen wie euch geschieht. Wie viele aus eurer tollen Gruppe der Perfektion werden euch dann noch beistehen? Seht es endlich ein ’Perfektion ist nur eine Illusion’“, erwiderte Jim kühn.

Möglicherweise lag es an dem Licht, doch Jim hätte schwören können, dass er zumindest in Leonores Augen so etwas wie Reue und Bedauern erkennen konnte. Vielleicht gab es zumindest für sie noch Hoffnung.

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Die Enterprise kreiste in ihrer Umlaufbahn um die Erde. Matthew und Anton kamen bis an ihr Lebensende in eine Rehabilitations- und Betreuungsklinik. Bei Leonore sah das etwas anders aus. Sie war damals noch zu jung gewesen, um bewusst entscheiden zu können, was richtig und was falsch war. Man wollte zuerst versuchen, mit Hilfe komplexer psychologischer Betreuung und Schulung ihre Gehirnwäsche zu lösen. Jim hoffte nur, dass es dabei einen Erfolg gab.

Die Zeit mit Kevin und Tom war schön gewesen. Dieses Mal würden sie in Kontakt bleiben, dass hatten sie sich fest versprochen. Und wenn man eines über Jim Kirk alias JT sagen konnte, dann dass er niemals und unter keinen Umständen ein gegebenes Versprechen brach.

Tarsus war schrecklich gewesen, aber es war nur ein Planet. Jim hatte immer gewusst, dass er in den Weltraum gehörte. Verdammt noch mal, er war schließlich im All geboren. Er gehörte auf ein Raumschiff. Er gehörte genau hierher. Hier, auf der Brücke, fühlte er sich wohl. Seine Familie war hier.

„Jim, wie fühlst du dich?“ Sein bester Freund war leise neben ihn getreten. Die Verbrennung war nun schon zwei Wochen alt, aber Jim dachte auch nicht, das Bones ihn danach gefragt hatte.

„Geheilt, oder zumindest auf dem Weg dahin.“ Er sah Bones an und schenkte ihm ein kleines Lächeln.

Und beide wussten, was er damit meinte. Es schmerzte, aber der Schmerz würde vergehen. Der körperliche genauso wie der seelische Schmerz. Es würde ihm wieder gut gehen.

Hier waren seine Freunde, seine Familie, und mit ihrer Hilfe konnte er alles schaffen. Sogar die schwarzen Löcher der Vergangenheit heilen.

„Mr. Sulu, bringen Sie uns raus.“



- - - -Ende- - - - -
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