Adventskalender 2017. Ikarav- Was immer kommt, verzweifelt nicht by werewolf
Summary: Mein diesjähriger Adventskalender.
Kiar durchlebt schwierige Zeiten, und manchmal scheint es, als gäbe es keine Hoffnung mehr, als wäre kein Land in Sicht. Doch es ist nie alles verloren.
Categories: TV Serien > Deep Space Nine (DS9) Characters: Original Character(s)
Drama, Challenges: Keine
Series: Keine
Chapters: 11 Completed: Nein Word count: 1171 Read: 111 Published: 01.12.17 Updated: 11.12.17
Story Notes:
"Folgt meinem Ruf durch kalte Fluten, über die Gischt in schwarzer Nacht. Gebt eure Hoffnung nie verloren, müht euch voran mit letzter Kraft." (Santiano "Könnt ihr mich hören")
Der Titel ist ein weiteres Zitat daraus.

Die Charaktere sind Cardassianer und stammen aus meiner FF "Leben" und der Vier Jahreszeiten Challenge.
Kiar ist nicht unbedingt freiwillig im Einsatz auf Bajor, während Mirja in der Heimat auf seine Rückkehr hofft.

1. 1.12. by werewolf

2. 2.12. by werewolf

3. 3.12. by werewolf

4. 4.12. by werewolf

5. 5.12. by werewolf

6. 6.12. by werewolf

7. 7.12. by werewolf

8. 8.12. by werewolf

9. 9.12. by werewolf

10. 10.12. by werewolf

11. 11.12. by werewolf

1.12. by werewolf
Seit längerer Zeit weiß ich heute wieder, welcher Tag ist. Eine angenehme Überraschung, festzustellen, dass tatsächlich zwei Wochen vergangen sind. Manchmal scheinen die Stunden Tage zu sein, und die wenigen Momente des Friedens sind hingegen schneller vorbei als Sekunden.
In dreiundzwanzig Tagen ist Ikarav, weiß ich jetzt. Was wird dann sein? Ich weiß es nicht und vielleicht ist es besser so. Ahnungslos zu sein über das, was kommt. Denn beeinflussen kann ich es ohnehin nicht, nur warten und hoffen oder befürchten. Das ist alles. Vielleicht wird diese Zeit einfach vergehen und ich kann zurückkehren, irgendwann. Nach Cardassia. Nach Hause.
End Notes:
Danke fürs Lesen :) Reviews wie immer gerne.
2.12. by werewolf
Diesem Papier gilt die sorgfältigste Aufbewahrung, es darf nicht verloren gehen. Wie das Bild von Zuhause. Ich nahm es mit, dass es mich begleite und mir das Gefühl gebe, einen Ort zu haben, zu dem ich wieder gehen werde, wenn das alles hier vorbei ist. Damit ich Hoffnung habe, die mich antreibt und ermutigt. Mich zurechtzufinden im Toben eines Sturms, den Weg zu finden in einem schweren Gewitter. Den Weg immer klar vor Augen zu haben und nicht abzuweichen oder zu fallen in einen der Abgründe rechts und links davon. Einen festen Schritt zu haben, der nicht stolpert, nicht abrutscht.
3.12. by werewolf
Wer bin ich? Ein Soldat, der wandert mit seinem Gepäck und Gewehr in einer endlosen Reihe über Hügel, Ebenen, Berge, Täler. Der wandert stundenlang und tagelang, der selten ausruht und wenig schläft, der immer wacht und viel sieht. Einer unter Hunderten manchmal und allein oft, für sich immer. Der gehorcht und nickt, der tut, was man ihm sagt. Einer, der müde ist und Hunger fühlt, der Schmerzen hat und leiden kann, denkt und fühlt und glaubt und hofft. Der leben will und der eine Seele hat. Einer, der eine Person ist, der anderen gleichen kann und einzigartig ist für sich.
4.12. by werewolf
Die größte Erleichterung, das ist für mich nicht das Ausruhen der schmerzenden Muskeln nach einem Tagesmarsch, nicht das ersehnte Wasser nach einem Tag des Durstens. Nicht der Schlaf nach zwei Tagen des Wachens, nicht das Schmerzmittel nach einer Verletzung.
Die größte Erleichterung ist für mich dieses Schreiben, das Hoffen und das Wissen, geliebt zu werden. Es gibt kein größeres Glück als das, auch wenn andere Dinge vordringlicher erscheinen.
Das kann mir hier keiner wegnehmen, egal, wer es versucht. Was man im Herzen trägt, kann nicht gestohlen werden, denn dies ist der sicherste Ort, etwas zu verwahren. Wie Erinnerungen und Gefühle.
End Notes:
Jeder Tag hat 100 Wörter, aber irgendwie wird das hier anders angezeigt.
5.12. by werewolf
Einer dieser Tage, an denen man ahnt, dass etwas Schlimmes passieren wird. Man weiß es nicht, ahnt es nur, wie ein fernes Gewitter in der Luft liegt. Ich weiß nicht was, ich weiß nicht wann. Die Ungewissheit, sie ist quälend und zermürbend. Aber sie lässt mir noch eine Frist, vielleicht ist es ja mein letzter Tag, meine letzte Stunde gar. Jederzeit kann etwas passieren, und dann?
Nun, die anderen scheinen es nicht zu bemerken, und ich beneide sie. Sie, die Unwissenden, die Unerschrockenen. Die ja sagen zu dem, was hier passiert, keine Angst haben. Die glauben, dass es Sinn macht.
6.12. by werewolf
In letzter Zeit mache ich mir zuweilen Gedanken über Körper und Geist, wie sie zusammenhängen und was sie trennt. Denn oft sieht man den klaren Geist in der zugrunde gerichteten Physis, aber auch, dass die zerschlagene Psyche einen gesunden Körper bewohnt.
Doch sie beeinflussen sich auch, denn wie kann der Geist unbeschadet bestehen, wenn das ihn beherbergende Fleisch immerzu versehrt ist? Wenn ihn die Narben und Verletzungen seiner äußeren Hülle immerzu an das erinnern, was er auszustehen hat? Kann er erhaben sein darüber, kann er? Ich glaube nicht. Aber er kann den erschöpften Körper auch zu unmöglich scheinenden Leistungen antreiben.
7.12. by werewolf
Heute ist es passiert. Egal was, egal wann, es ist passiert. Kann es nicht schreiben, kann es nicht sagen, werde wohl immer darüber schweigen. Wollen mich beurlauben, komme aber nicht zurück. Keine Möglichkeit, sagen sie. So ist es bedeutungslos. Nur nach Hause möchte ich. Nach Hause. Sonst nichts.
Werde aber hierbleiben und warten auf mein Ende. Das sicher bald kommen wird. Das schon längst hätte kommen müssen.
Ich muss weg von der Front, sagen sie, aber wohin? Nur eine Zeit geben wollen sie mir, nicht dauerhaft entlassen. Eine Zeit, zu kurz und zu lang zugleich. Rückkehr in das Unvermeidliche. Wahnsinn.
8.12. by werewolf
Mit einem Kameraden aneinandergeraten. Eine Kleinigkeit nur, aber im Moment reichen die hier, damit etwas passiert. Wir sind alle schon viel zu lange hier draußen, die Nerven gespannt. Sie haben uns einen Betreuer zugesichert, der hier Beistand geben soll. Wie wäre das möglich, er kann nicht leugnen, was hier gerade vor sich geht, und er kann uns nicht zusichern, den nächsten Tag zu erleben, geschweige denn, zu überstehen. Er kann auch nicht ändern, dass Viele diesen Krieg als Unrecht empfinden.
Ein Tropfen Wasser in einer endlosen Wüste der Moral bringt nicht viel, er versickert und zerläuft ohne Folgen, ohne Erfolg.
9.12. by werewolf
Ich bin mir nicht sicher, ob ich später noch lesen kann, was ich hier geschrieben habe. Die Zeilen sind so dicht untereinander, dass sie fast schon ineinander übergehen, und es ist auch nur selten das beste Papier. Eben zum Beispiel schreibe ich auf der Rückseite einer Munitionsverpackung. Dinge, die man bekommen kann, wenn man beobachtet.
Aber auch wenn ich es nicht mehr entziffern kann, es hilft mir, zu schreiben. Meine Gedanken zu entlasten. Sonst wäre ich vielleicht schon verrückt geworden. Es hilft mir, wenn ich mir vorstelle, mir hört jemand zu und versteht mich. Weil ich es nicht sagen kann.
10.12. by werewolf
Author's Notes:
Da das Archiv gestern Abend nicht erreichbar war, wird das Kapitel nachgeliefert :)
Bin seit heute Morgen auf dem rechten Ohr fast taub. Der Arzt kann den Grund dafür nicht sagen, er meint, vielleicht eine kurzzeitige Überreizung.
Ich glaube, es ist die Weigerung, zu hören. Die Welt, die sich außerhalb des Denkens befindet, hält nicht viel bereit, was man mitbekommen möchte. Für Manche ist die innere Welt alles, was ihnen geblieben ist. Man sortiert sie nach ein paar Tagen aus, niemand weiß, wo sie hinkommen.
Man sagt, der Gegner sei grausam, aber wenn die Soldaten nur Material sind, austauschbar, nichts wert, dann gibt es keine Grausamkeit mehr. Dann verliert das alles an Bedeutung.
11.12. by werewolf
Wieder von Mirja geträumt. Das tue ich in letzter Zeit öfter als sonst. Liegt es daran, dass ich immer weniger glaube, zurückzukehren? Diese Träume geben mir Trost, aber sorgen auch dafür, dass ich mich noch einsamer fühle. Erinnern mich an das, was ich gehabt, und an das, was ich verloren habe. Denn wie dicht liegt es beieinander, kann gar dasselbe sein. Erstaunlich, erschreckend, verwunderlich, tröstlich.
Die Momente des Erwachens, in denen ich nicht weiß, ob geträumt oder wirklich, ob Wunsch oder Welt. Sie kommen und gehen, diese Augenblicke, und lassen mich zurück mit einem Gefühl der Verwirrung und Heimat zugleich.
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