Das Blühen der Zweige by Amber
Summary: Die Beziehung von Dr. Julian Bashir und dem cardassianischen Schneider Garak ist reif für den nächsten Schritt: Ein gemeinsames Quartier. Aber nicht alles ist rosa und flauschig, denn der Schatten des Dominion fällt auch auf die Beziehung der beiden. Doch ein überraschender Besuch verspricht Ablenkung und eine kleine Auszeit vom Stationsalltag.

Es ist der Nachfolger zu "Das Fallen der Blätter", spielt zeitlich ungefähr ein Jahr nach dem Epilog und es gibt ein wunderschönes Vorwort von Gunni Dreher. :)
Categories: TV Serien > Deep Space Nine (DS9) Characters: Elim Garak, Jadzia Dax, Julian Bashir, Keiko O'Brien, Kira Nerys, Miles O'Brien, Original Character(s), Quark
Elim Garak/Julian Bashir, Established Relationship, Family, Fluff, Friendship, Romance, Slash, Challenges: Keine
Series: Waldsinfonie
Chapters: 9 Completed: Nein Word count: 32946 Read: 652 Published: 20.08.17 Updated: 28.11.17
Story Notes:
"Wer den Canon suchet, findet ihn!" Zumindest mal mehr oder weniger. ^^

1. Vorwort (von Gunni Dreher) by Amber

2. Butterfly Waltz (Brian Crain) by Amber

3. Moonriver (2Cellos) by Amber

4. Blumenwalzer (Tchaikovsky) by Amber

5. You're still you (Josh Groban, Pianoversion) by Amber

6. Falling Leaves (Brian Crain) by Amber

7. "Fairytale“ (Einaudi) by Amber

8. Bridge over troubled water (Cello/Pianoversion) by Amber

9. Little Blue Music Box (Brian Crain) by Amber

Vorwort (von Gunni Dreher) by Amber
Vorwort von Gunni Dreher

„Hättest du das alles erwartet, als du damals hier her kamst?“ fragt Julian im zweiten Teil von Ambers wunderbarer Liebesgeschichte um Garak und Dr. Bashir.

„Was?" hakt Miles nach. "Dass du Nervensäge mal mein bester Freund wirst oder dass der Zukünftige meines Freundes Cardassianer ist, in meinem Haus als willkommener Gast ein- und ausgeht und von meiner Tochter sogar Onkel genannt wird?“

„Ja, genau das.“

„Nein“, kommt als Antwort zurück und dann, wie von Julians bestem, anständigstem und loyalstem Freund nicht anders zu erwarten: „Aber ich bin froh darum.“

Es liegen eine Menge Ereignisse hinter dem Paar, das den Mittelpunkt dieser Story bildet. Die meisten Leser werden Ambers bezaubernden ersten Teil "Das Fallen der Blätter" bereits kennen, in dem die beiden Hauptpersonen auf einer malerischen Herbstwanderung auf Bajor begreifen, wieviel sie einander bedeuten.

Anfangs noch voller Bedenken beginnen sie ihre Beziehung, um immer mehr darin zu wachsen, zu ihrer Verblüffung auf eine Menge Sympathie und Verständnis zu stoßen, aber auch um in Situationen, in denen es darauf ankommt, füreinander einzustehen.

Wer die erste Geschichte noch nicht kennt, dem möchte ich sie natürlich besonders Freunden dieses Pairings ans Herz legen, aber auch allen anderen DS9-Fans, immerhin werden diese Zeilen von einer nicht-Slasherin geschrieben. Fest steht, dass mir das Lesen des ersten Teils unglaublich viel Freude gemacht hat, und, nachdem Amber mich gebeten hatte, das Beta für den zweiten zu machen, ich direkt mit Feuer, Flamme und gespannter Neugier in die Fortsetzung eingestiegen bin.

Auf DS9 ist mittlerweile ein Jahr vergangen. Wie in "Das Fallen der Blätter" bereits angekündigt, beziehen die beiden Partner ein gemeinsames Quartier, das nicht nur ihren Bedürfnissen gerecht wird und ihrer Beziehung Raum zu weiterer Entfaltung bietet, sondern außerdem noch über eine perfekte Nachbarschaft verfügt.
Die Einweihung des neuen Heims ist ein Ereignis, das in angemessenem, wenn auch etwas unerwartetem Rahmen begangen wird und zudem auf eine Art, die dem Anlaß würdig ist - was bei Amber bedeutet, dass eine erkleckliche Menge an kulinarischen Spezialitäten aufgefahren wird (Kennern ihrer Geschichten sei hier schon einmal verraten: Ja, in der Handlung kommen Muffins vor!).

Eine weniger erfreuliche Tatsache ist, dass der Dominionkrieg seine Schatten vorauszuwerfen beginnt, weshalb Julian in seiner Krankenstation immer häufiger Situationen begegnet, die sein Können und seine Nerven aufs Äußerste herausfordern. Um so dankbarer ist er, abends zuhause jemanden vorzufinden, der ihn auffängt und es auf liebevolle Weise versteht, ihn auf andere Gedanken zu bringen.

In der Vergangenheit gezwungenermaßen ein einsamer Wolf, fängt Garak durch seine glückliche Beziehung an, seine verschütteten familiären Fähigkeiten wieder zurück ans Tageslicht zu holen. Er kümmert sich auf liebevollste Weise um seinen Partner, genießt die Freundschaft zu den O'Briens und beweist Talent im Umgang mit verdrossenen kleinen Kindern. Selbst die gärtnerischen Fähigkeiten, die er sich vor langer Zeit erwarb, kommen bei der Ausgestaltung des gemeinsamen Zuhauses wieder zur Anwendung.

Julian, der das harmonische Zusammenleben aus ganzem Herzen genießt, beobachtet Garaks Entwicklung aufmerksam und voller Zuneigung; gleichzeitig spürt er in sich immer stärker, dass er nie wieder ohne diesen Mann leben will.

Ein Ereignis kündigt sich an, als sich ein ehemaliger Freund von Curzon bei Jadzia meldet und kurz darauf auf der Station eintrifft. In dem Risaner Kal-Jinn, der von Quark für die in seinem Etablissement geplante Festivität "Risanische Nacht" engagiert wurde, lernen Julian und Garak einen ebenso freundlichen und kultivierten wie attraktiven Mann kennen (Anmerkung: Kal-Jinn ist eine Figur aus meinem vierten Roman "Verkaufende auf Risa", die sich Amber zu meiner Freude als Leihgabe erbeten hat). Voller Erwartung werfen sich die beiden Partner in Schale, um sich in die "Risanische Nacht" zu stürzen ...
End Notes:
Danke, meine allerliebste Gunnifee, für die ganze Mühe, die du dir gemacht hast und machst. Du bist eine wun-der-schöne Freundin und Betaleserin! *mwah*
Butterfly Waltz (Brian Crain) by Amber
„Wir sind gleich da.“ Mit einem vorfreudigen Lächeln führte Elim Garak seinen Partner Doktor Julian Bashir über den Korridor der Habitatsebene. Da Julians Augen verbunden waren, hatte Garak seinen Arm um dessen Taille geschlungen, um ihm sanft die Richtung weisen zu können.

„Wohin entführst du mich denn nun?“, wollte der Arzt zum wiederholten Male wissen.

„Verrate ich nicht.“ Vor einer Quartiertür blieb der Cardassianer schließlich stehen. „Bereit, mein liebster Doktor?“ Auf dessen Nicken hin nahm er ihm die Augenbinde ab. Julian blinzelte kurz, sah sich um und stutzte, als er die Quartiersnummer an der Tür ihm gegenüber las. „Äh … wir besuchen Miles?“

„Nein, dreh dich mal herum.“ Schmunzelnd und mit einem Funkeln in den Augen deutete Garak auf die Tür auf der anderen Gangseite. Julians Mienenspiel zu beobachten, bereitete ihm außerordentliches Vergnügen; der Mensch zog verwirrt die Stirn kraus, dann weiteten sich seine Augen ungläubig und ein fragendes Lächeln huschte über sein Gesicht. „Du meinst …?“

Garak nickte, gab den Zugangscode ein und zog seinen Partner in das Quartier. „Willkommen zu Hause.“

Das Zischen der sich schließenden Tür war für einige Minuten das einzige, was zu hören blieb. Julian blickte sich lächelnd im Raum um, immer wieder schüttelte er ungläubig den Kopf. Der Raum war größer als sein altes Quartier, eine große Couch mit Recamiere und ein einladender Ohrensessel um einen kniehohen Tisch bildeten den zentralen Blickfang. Die Sitzgruppe war so ausgerichtet, dass man einen wunderbaren Blick durch das große Fenster ins All werfen konnte. Auf einer Anrichte und einigen geschmackvollen Regalen an der Wand fanden sich sowohl seine als auch Garaks persönliche Gegenstände und sogar ein Arbeitsplatz mit Konsole war vorhanden.

„Wann?“ War schließlich das erste, was der Mediziner herausbrachte, als er sich mit einem Strahlen zu seinem Partner herumdrehte. Dieser griff zärtlich nach seiner Hand und führte ihn in den angrenzenden Raum. „Heute Vormittag, nachdem du zum Dienst gegangen bist“, erklärte er lächelnd. „Chief O'Brien hat mir mit dem Umzug geholfen, damit alles bis heute Abend fertig wurde.“

Hand in Hand betraten sie ihr gemeinsames Schlafzimmer. Ein breites Bett lud zu kuscheligen Stunden ein und von dort aus blickte ihnen ein arg zerrupfter, alter Teddybär entgegen, der auf Julians Lieblingskuscheldecke saß. Julian warf Garak einen verliebten Seitenblick zu, setzte sich auf das Bett und platzierte den Teddy nach einem Kuss auf das oft geflickte Gesicht auf den linken Nachttisch. Der Schneider ließ sich neben ihm nieder, nahm wieder die Hände seines Freundes und strich sanft mit den Daumen darüber. „Gefällt es dir?“

„Ob es mir gefällt?“ Julian lachte leise. „Seit Monaten erzählst du mir, es gibt kein passendes Quartier und dann das hier! Elim, es ist wundervoll!“ Er beugte sich hinüber und küsste seinen Liebsten zärtlich, eine prickelnde Woge der Zärtlichkeit überschwemmte ihn. Der Cardassianer grub seine Nase in Julians Haar.

„Es hat auch lange gedauert, bis dieses hier frei wurde. Ich dachte, du freust dich sicherlich, mit O'Brien Tür an Tür zu wohnen.“

„Machst du Witze, das ist großartig! Ich hoffe nur, du bereust es nicht“, fügte er giggelnd hinzu. „Nein, ernsthaft, es ist einfach unglaublich. Danke, Liebling, es ist perfekt.“ Sein Blick wurde weicher. „Unser Zuhause.“

Garak nickte still und strich Julian sanft über den Rücken. Ja, ihr Zuhause. Es war fast ein Jahr vergangen, seit er Julian auf Bajor gefragt hatte, ob sie zusammenziehen wollten. Und dann war so vieles geschehen, das ihren Zusammenzug verzögerte. Garaks Gesicht wurde nachdenklich. Keiko O'Brien hatte mit ihrer Tochter Molly eine Weile die Station verlassen und Chief O'Brien, Julians bester Freund, war daraufhin in eine düstere Gemütsverfassung gefallen und hatte viel mehr Zeit als sonst mit Julian verbracht. Das Dominion hatte sich als nicht zu unterschätzende Gefahr entpuppt und es herrschte ein bedrückender Vorkriegszustand. Politische Spannungen innerhalb der Föderation und ihrer Bündnispartner sorgten für zusätzliche Kummerfalten auf den Gesichtern der Stationscrew und den Bewohnern. Es gab immer wieder Berichte von Angriffen der Jem'Hadar, Shuttles voller Verletzter dockten regelmäßig an, Julian arbeitete soviel wie nie zuvor und seit dessen unfreiwilligem Einsatz auf Ajion Prime füllte sein sonst so unbeschwertes sonniges Gemüt oft eine tiefe Ernsthaftigkeit. Fast wagte Garak zu behaupten, der Krieg hätte Julian erwachsen werden lassen. Aber nur fast, wie der nächste Moment zeigte, als sich der Arzt mit Schwung nach hinten aufs Bett warf, liegend auf und ab hüpfte und seinen Partner angrinste.

„Na, wollen wir die Federung testen?“

Lachend und die trüben Gedanken beiseite schiebend, beugte Garak sich über seinen Partner und küsste ihn innig. Seine Hand krabbelte unter Julians Uniformoberteil und das Unterhemd, um über die warme Menschenhaut zu streichen, auf der ein leichter Schweißfilm lag.

„Ich hab die Temperatur auf 26 Grad eingestellt, ist das in Ordnung für dich?“, erkundigte er sich.

Julian nickte lächelnd und zog sein Uniformoberteil aus. „Natürlich, Liebling. Ich hab mich doch schon längst daran gewöhnt. Und dir ist es auch nicht zu kühl?“

Der Cardassianer schüttelte den Kopf und fuhr mit den Fingern über Julians bloßen Oberarm. „Dein Anblick wärmt mich immer wieder auf.“

„Mmmmh ...“ Errötend rutschte Julian näher an seinen Partner und vergrub seine Nase in dessen Halsbeuge. „Ich liebe dich, Elim.“

„Ich dich auch, mein liebster Doktor.“ Garak erschauerte, als Julian ihm zärtlich in den Hals biss und mit den Lippen über seine seitlichen Nackenkämme fuhr. Seine Hand wanderte Richtung Hosenbund, da störte das plötzliche Geräusch des Türsummers ihr Kuscheln. Überrascht tauschten die beiden einen Blick. Julian hob mit einem schiefen Grinsen die Schultern. „Geh du, du hast noch mehr an.“

Der Schneider erwiderte das Grinsen vergnügt, erhob sich, strich sein Hemd glatt und ging zur Tür. Als er diese öffnete, standen ihm über das ganze Gesicht lächelnd Chief Miles O'Brien und dessen Ehefrau Keiko gegenüber. „Überraschung!“, grüßte die Asiatin mit einem Strahlen und der Ingenieur fügte mit einem Blick auf Garaks leicht zerzaustes Haar grinsend hinzu: „Kommen wir etwa ungelegen?“

„Mitnichten, mein guter Chief.“ Garak vollführte eine einladende Geste. O'Brien schlug ihm im Vorbeigehen freundlich auf die Schulter und Keiko, die einen großen Karton in den Händen trug, küsste Garak leicht auf die Wange.

„Julian, die O'Briens sind zu Besuch!“, rief der Schneider gut gelaunt in Richtung Schlafzimmer und führte das Ehepaar zur Sitzgruppe.

„Dann muss ich mir ja nichts anziehen“, schallte es fröhlich zurück und Julian kam lediglich in Uniformhose und Unterhemd ins Wohnzimmer gehüpft. Den Blick seines Kollegen quittierte er mit einem vielsagenden Grinsen, dann umarmte er beide, wobei er Miles etwas länger drückte und ihm ein warmes „Danke!“ ins Ohr flüsterte.

„Geht schon klar“, brummte dieser nicht weniger herzlich und strich ihm über den Rücken.

„Darf ich Ihnen etwas zu trinken anbieten?“, erkundigte sich Garak, der die Szene ebenso wie Keiko mit einem fast schon zärtlichen Lächeln beobachtet hatte.

„Gerne, Garak. Ein Bier und Keiko möchte bestimmt einen lieblichen Weißwein?“

Keiko nickte zu den Worten ihres Mannes und setzte sich mit ihm aufs Sofa, den Karton stellte sie vorsichtig ab. Julians neugieriges Schmulen entging ihr dabei keineswegs. „Geduld, Julian.“

Garak brachte die gewünschten Getränke sowie einen Kanar für sich und ein Bier für Julian und die vier stießen an.

„Auf euer neues Zuhause!“, prostete Miles.

„Und gute Nachbarschaft!“, fügte Garak hinzu und lehnte sich entspannt zurück, den freien Arm um Julian geschlungen. Sie verbrachten soviel Zeit mit den O'Briens, dass er sich tatsächlich gänzlich ungezwungen und entspannt geben konnte. Und sein Doktor war in Gegenwart seines besten Freundes ohnehin locker und zufrieden.

„Was ist denn nun in der Kiste?“, ließ sich Julian vernehmen und krabbelte mit den Fingern nebenbei Garaks Bein.

Die O'Briens tauschten ein verschwörerisches Lächeln, dann öffnete Keiko den Karton, griff vorsichtig hinein und -

„Oh! Ein Fächerahorn!“, entfuhr es Garak und er beugte sich interessiert vor.

Keiko nickte lächelnd. „Ja, als Zimmerbonsai. Ich habe ihn selbst gezogen für euch.“

Garak schenkte ihr ein anerkennendes, strahlendes Lächeln und strich behutsam mit den Fingerspitzen über den feinen Stamm und die zartgrünen, fächerförmigen Ahornblätter. „Er ist wunderschön, vielen Dank, Keiko.“

Die Asiatin erwiderte das Lächeln und sah dann zu Julian, der überrascht zwischen dem Fächerahorn, Garak und Keiko hin- und herschaute. „Solche stehen auch auf Bajor. Woher wusstest du …?“

Glucksend schaltete sich Miles ein. „Dein lieber Schneider hat uns mal bei dem einen oder anderen Kanar davon erzählt, als du auf Ajion Prime warst.“

„Unter Fächerahorn hat alles angefangen“, ergänzte Keiko sehr sanft. „Und ein Fächerahorn soll euer Glück auch weiterhin begleiten.“

„Ihr seid einfach die besten!“ Julian fiel den O'Briens ungestüm um den Hals. „Danke!“ Er drückte beiden einen Kuss auf die Wange, was von Miles mit einem freundlichen „Schon gut“ brummelnd abgewunken wurde. Dann schmiegte er sich an seinen Partner und strahlte ihn an. „Wo wollen wir ihn hinstellen? Gleich hier auf den Tisch, dann sehen wir ihn immer?“

„Damit du und der Chief ihn gleich bei eurem ersten Filmabend mit dem Geruch von Chips und Bier verschüchtert?“, foppte Garak zwinkernd und erhob sich, den Bonsai vorsichtig hochhebend, um einen geeigneten Platz zu wählen. Julian indes tauschte ein Grinsen mit seinem besten Freund. „Gehört, das war quasi ein Freibrief!“

Miles nickte grinsend und küsste seine Frau auf die Stirn. „Keikoschatz, wirst du es verkraften, wenn Jules und ich jetzt auch mal hier einen Abend verbringen?“

„Sie wissen nicht, worauf Sie sich da einlassen!“, wandte sich Keiko mit einem perlenden Lachen an Garak und strich ihrem Mann zärtlich über den Arm.

Garak, der dem Fächerahorn einen angemessenen Platz auf der Anrichte gegeben hatte, kehrte zum Sofa zurück und hob die Stirnwülste. „Da stecken vermutlich eine Menge Erfahrung und Erlebnisse hinter dieser Aussage. Wir könnten aufteilen?“

„Gute Idee. Die geraden Wochen hab ich die Jungs, in den ungeraden sind sie hier.“

„Abgemacht!“ Unter dem gespielt empörten Schnauben der Jungs besiegelten Keiko und Garak die Abmachung mit einem Handschlag.

„Wo wir gerade bei offiziellen Bekanntmachungen sind“, begann nun der Ingenieur, trank einen Schluck Bier, griff nach der Hand seiner Ehefrau und lächelte Garak dann an. „Julian gehört ja irgendwie schon zur Familie und ihr seid jetzt so lange ein Paar … wollen wir das 'Chief' und 'Sie' nicht endlich vergessen? Immerhin gehörst du jetzt doch auch dazu.“ Er streckte dem Cardassianer die Hand entgegen. „Miles, okay?“

Einen Moment war der Schneider sprachlos, dann nickte er gerührt und ergriff Miles Hand. „Elim.“

„Willkommen in der Familie, Elim.“ Keiko legte ihre Hand sanft über die Hände der Männer.

„Danke.“ Ein warmes Gefühl breitete sich in Garak aus und er konnte nicht anders, als lächelnd die Hände der O'Briens zu drücken, fehlten ihm doch tatsächlich die Worte. Noch vor nicht allzuferner Zeit war er nicht mehr als der Exilcardassianer gewesen und dann hatte sich mit Julians Ankunft auf Deep Space Nine so vieles geändert. Nicht nur, dass er einen wundervollen Partner an seiner Seite hatte und seit so gefühlt unendlich langer Zeit wieder ein Zuhause, nein, auch Personen, die ihm vertrauten, ihn als Freund - als Familie - betrachteten.

Julian spürte den Gefühlsaufruhr seines Partners und schlang von hinten beide Arme fest um ihn. Dankbar lehnte sich der Cardassianer an ihn und umschloss dessen Hände mit seinen.

Miles räusperte sich ein wenig verlegen und erhob sich. „Ich hol mir noch was zu trinken …?“ Julian nickte ihm zu und rubbelte mit seiner Nase beruhigend über Garaks Rücken.

„Habt ihr schon gegessen?“, fragte Keiko und löste damit die allgemeine Gefühl der Rührung auf. „Ich habe Sushi vorbereitet, das könnte ich mitbringen, ich wollte mal eben nach Molly sehen, ob sie noch ruhig schläft.“

„Als ob ein 'schon gegessen' Jules hindern würde“, foppte Miles grinsend.

„Hey!“


***

Kaum war Keiko zurück, erklang erneut der Türsummer. „Nanu?“ Garak ging, um die Tür zu öffnen und fand sich überraschend Captain Sisko, Major Kira Nerys und Lieutenant Jadzia Dax gegenüber, die ihn allesamt fröhlich angrinsten. „Überraschung!“, flötete die Trill und betrat den Raum. „Alles Liebe zum gemeinsamen Quartier!“

Kira schlug Garak im Vorbeigehen lächelnd auf die Schulter und der Captain drückte dem perplexen Cardassianer einen Korb in die Hände. „Selbstgebackene Süßkartoffelbrötchen mit Chili, dazu Guacamole, Salsa und ein nach geheimem Familienrezept zubereitetes Mangochutney.“

„Und wir haben Kanar und Frühlingswein mitgebracht.“ Die Trill stellte jeweils drei Flaschen auf den Tisch und maß Julian mit einem wissenden Grinsen. „Also, wenigstens haben nicht wir gestört ...“

„Ich geh mir mal eben was überziehen ...“, murmelte der Arzt und wollte aufspringen. Ob vor seinem besten Freund oder seinem Vorgesetzten in Unterhemd und ohne Socken dazusitzen machte für ihn einen gewaltigen Unterschied.

„Unseretwegen keine Umstände, Doktor“, winkte Sisko grinsend ab. „Immerhin sind wir unangemeldet reingeplatzt.“

„Und so schlimm ist der Anblick nun auch nicht“, spottete Kira gutmütig.

„Armer Julian, los, setz dich wieder“, lachend zog Jadzia ihren verlegenen Kollegen neben sich aufs Sofa, während Sisko im Sessel Platz nahm und Kira sich neben die O'Briens auf den Sofarand setzte. „Hübsch haben Sie es.“

„Danke, Major.“ Garak verteilte Gläser und schenkte zusammen mit dem Captain Getränke ein. „Und vielen Dank für die gelungene und nette Überraschung.“ Er hob sein Glas und blickte Sisko auffordernd an. Dieser grinste, streckte sein Glas ebenfalls in die Höhe: „Wir bitten Sie beide, uns unseren Überfall zu verzeihen und wünschen Ihnen von Herzen alles Gute, viel Harmonie und natürlich Spaß“, hierbei zwinkerte er wissend und Jadzia hob anzüglich die Augenbrauen, was Julians Wangen nun endgültig tiefrot färbte, „in Ihrem gemeinsamen Zuhause. Zum Wohl!“

Gläser klirrten fröhlich und es wurde sich unter viel Lob und Begeisterung über die Speisen hergemacht.


***


Als zu viel zu später Nachtzeit die Gäste schließlich gegangen waren und alles aufgeräumt war, streckte Julian sichgähnend und lächelte seinen Partner an. „Alles okay?“

Garak nickte und zog Julian eng an sich. „Ja, mein Herz. Es war ein zwar unerwarteter, aber sehr schöner erster Abend.“

Julian rieb mit der Nase über Garaks Stirn und hauchte einen leichten Kuss auf dessen Meshava. „Find ich auch.“

Sie blieben noch einige Minuten eng aneinander geschmiegt in der Stille des Raumes stehen, genossen die innige Zweisamkeit, bis Garak schließlich Julian zärtlich küsste und ihm leise ins Ohr wisperte: „Willkommen zuhause, mein liebster Doktor.“


***
Moonriver (2Cellos) by Amber
Wie durch eine weiche Wolke brach der nächste Morgen für Julian an. Er fühlte noch die süße Schwere des Schlafes, aus der heraus Garaks Fingerspitzen auf seinem Gesicht ihn zärtlich liebkosten. Er lächelte, als er Garaks warmen Atem an seinem Hals spürte und suchte mit seiner Hand nach Garaks. Zärtlich trippelte er mit den Fingern über die Handfläche, den Unterarm und wieder zur Hand zurück.
Es war ein stilles, sanftes Aufwachen, das die beiden in seiner ganzen Süße auskosteten. Der Cardassianer war es wie meistens, der sich zuerst erhob. Er küsste seinen Liebsten auf die Stirn, zwinkerte ihm zu und warf sich seinen Morgenmantel über.
Als Julian kurz darauf den Wohnbereich betrat, blieb er überrascht stehen. „Candle-Light-Frühstück? Hab ich was verpasst?“

Vergnügt legte Garak einen Arm um Julians Taille und führte ihn zum Tisch, auf dem eine weiße Kerze brannte und eine Schale Erdbeeren neben einem Teller mit Erdbeer-Buttercreme-Muffins auf sie warteten.

„Nein, mein Liebster.“

„Hm.“ Julian ließ sich auf das Sofa sinken und musterte seinen Partner skeptisch. „Kein Jahrestag? Oder ein anderes Jubiläum?“

„Nein.“ Dem Schneider stand das Vergnügen geradezu ins Gesicht geschrieben und Julian zog scharf nachdenkend die Stirn kraus.

„Oookay … also, ich an deiner Stelle hätte vermutlich etwas zu beichten oder müsste mich für irgendwas entschuldigen … Beide Optionen kommen bei dir nicht in Frage, da bin ich überzeugt.“ Als Garaks schelmisches Grinsen zu einem Glucksen wurde, hob Julian ratlos die Hände. „Ich geb auf, zu früh zum Denken.“

„Trink erstmal einen Raktajino, du kommst sicherlich ...-“

„Elim!“, unterbrach ihn Julian in einer Mischung aus Verzweiflung und Neugier. „Nun rück schon raus damit!“

Lachend zog Garak ihn an sich und küsste ihn auf die Stirn. „Ungeduld, dein Name ist Julian!“ Julians aufkeimenden Protest unterdrückte er mit einem zärtlichen Kuss. „Mein liebster Doktor, der einzige Anlass ist, dass ich dich über alles liebe und dir einen schönen ersten Morgen im neuen Zuhause bereiten wollte.“

„Aaaaaaaw“, fiel dem Arzt lediglich dazu ein und er schmiegte sich eng an seinen Partner. „Ich wusste gar nicht, was für ein Romantiker in dir steckt.“

„Du bringst meine geheimsten und besten Seiten hervor.“

„Nun hör aber auf, Liebling“, gluckste Julian verlegen. „Ich weiß schon gar nicht mehr, was ich sagen soll ...“

„Mission erfolgreich“, neckte der Schneider und krabbelte Julians Rücken.


***


Den ganzen Tag verbrachte der Mediziner gefühlt auf einer Wolke schwebend und als er abends nach einem trotzdem sehr anstrengenden Tag endlich nach Hause kam, erwartete Garak ihn in ebensolcher Stimmung. Ohne es auszusprechen wussten sie, dass der Andere genauso empfand: Zuhause. Sie lebten zwar seit fast zwei Jahren mehr oder weniger zusammen und die Nächte, die sie getrennt voneinander hatten verbringen müssen, konnte man doch als sehr überschaubar bezeichnen. Aber das hier war anders. Näher, wärmer.

„Wie geht’s dem Baby?“, erkundigte sich Julian mit einem Grinsen und trat zur Anrichte. „Der lässt doch nicht die Blätter hängen, oder?“ Vorsichtig tupfte er auf die Blumenerde. „Und nicht zu trocken? Braucht der überhaupt viel Wasser? Und was ist mit Düngen?“

Schmunzelnd ob der Fürsorge gesellte sich Garak zu ihm und unterzog den Fächerahorn demonstrativ einer sehr gründlichen Musterung. „Alles in bester Ordnung, Doktor. Keiko hat uns einen erstklassigen Sprössling gegeben. Und nun schau ihn nicht so kummervoll an, sonst verliert er vor lauter Tristesse noch die Blätter.“

„Oh. Okay.“ Geschwind wandte der Arzt sich um und schob Garak vor sich her zum Sofa. „Wie war denn dein Tag?“

Der Schneider hatte gerade damit begonnen, ihm von seinem ereignislosen, wenn nicht sogar schon langweiligen Tag zu erzählen, als der Kommunikator sich piepend meldete und nach einem kurzen Knacken eine hektische Männerstimme erklang: “Dr. Bashir, dringend zu Andockrampe 2! Medizinischer Notfall! Bitte, Dr. Bashir, dringend zur Andockrampe 2!“

„Bashir hier, bin unterwegs!“ Eilig sprang er auf, küsste Garak flüchtig auf die Wange und griff nach seiner Notfalltasche.

„Viel Glück!“, rief Garak ihm zu und Julian drehte sich in der Tür nochmal herum. Ein durch die Erfahrungen der letzten Monate besorgtes Lächeln lag auf seinen Lippen. „Danke. Warte nicht auf mich, kann spät werden.“


***


Und es wurde spät. Zu spät, wie Julian mit einem resignierten Kopfschütteln korrigierte, als er weit nach Mitternacht ihr Quartier betrat. Garak hatte eine kleine Salzkristalllampe für ihn brennen lassen, wie er am Rande mit einem erschöpften Lächeln registrierte. Leise ging er ins Badezimmer, zog sich aus und warf seine Kleidung in den Wäscheaufbereiter. Dann stellte er sich unter die Dusche. Obwohl er schon auf der Krankenstation die Schalldusche genutzt hatte, brauchte er das Gefühl heißen Wassers und Seife, um den nicht wirklich vorhandenen Geruch von Blut, Tod und Versagen abzuwaschen. Müde lehnte er die Stirn an die Duschkabinenwand.
Es war so unnötig gewesen. So grausam und ungerecht. Und er wusste, es war töricht, sich darüber, über das Warum, Gedanken zu machen und die Gefühle zuzulassen. Aber das Bild des fast gänzlich zerschossenen Shuttles und dessen Besatzung ließ sich noch nicht verdrängen. Von der sechsköpfigen Crew hatte er vier Personen verloren. Fünf, wenn man es genau nahm. Die junge Betazoidin an Bord war im mittleren Trimester schwanger gewesen.
Julian atmete tief durch, drehte das Wasser ab und nachdem er sich abgetrocknet hatte, kroch er zu Elim unter die Decke und kuschelte sich fest an dessen Rücken, sog tief den warmen, lebendigen und beruhigenden Duft des Cardassianers ein. Dieser rührte sich leicht, fasste hinter sich, um Julians Bein zu streicheln. Julian presste sich enger an ihn und vergrub sein Gesicht an Garaks Rücken. Besorgt drehte sich Garak um.

„War es sehr schlimm?“

„Geht schon“, brummte Julian leise und beide wussten, dass das eine faustdicke Lüge war. Behutsam schloss Garak seinen Liebsten in eine sichere Umarmung und strich ihm tröstend über den Kopf. Er kannte Julian gut genug, um die Situation richtig einzuschätzen.

„Möchtest du reden?“

Der Jüngere schüttelte still den Kopf und umschlang ihn mit den Beinen, die Hände trostsuchend an Garaks Schultern geklammert. Verstehend nickte der Schneider, hauchte einen leichten Kuss auf Julians Kopf und malte beruhigende Muster mit den Fingern auf dessen Rücken, so dass der Arzt nach wenigen Minuten tatsächlich in den Schlaf fand.

***


Die nächsten Tage verliefen glücklicherweise ruhiger. Ein Eindruck, den Garak oft hatte, wenn ein schlimmes Ereignis wie etwa das des letzten Shuttleangriffs eingetreten war. Wie die Ruhe nach einem schweren Unwetter. Und noch einige Tage später schien der Spuk vergessen oder zumindest weit verdrängt. Sein Doktor hatte noch ein, zwei Tage an dem nächtlichen Vorfall geknabbert, schien aber inzwischen darüber hinweg; sofern das nun mal möglich war.

Mit einem liebevollen Schmunzeln beobachtete der Schneider, wie Julian jeden Abend erst ihn begrüßte und dann zum Fächerahorn ging, um sich kurz darauf glücklich lächelnd abzuwenden. Garak selbst hatte die Pflege des Bonsais übernommen und er spürte, wie ihm die Arbeit mit Pflanzen tatsächlich doch gefehlt hatte. Nachdenklich blickte er den Fächerahorn an und ließ dann seinen Blick durch den Raum schweifen.

„Sag einmal, mein liebster Doktor“, begann er und der Angesprochene sah neugierig von seinem PADD auf.

„Ja, Liebling?“

„Könnten dir ein wenig mehr Pflanzen im Raum gefallen?“

Verwundert schaute Julian sich um, zuckte dann mit den Schultern und nickte. Als er Garaks funkelnde Augen sah, breitete sich ein wissendes Grinsen auf seinem Gesicht aus. „Nur zu, Hase, tob dich ruhig aus ...“

Hase. Garak schmunzelte. So nannte Julian ihn wirklich äußerst selten. Als Julian ihn das erste Mal so genannt hatte, konnte er mit dem Begriff nicht viel anfangen, vermutete lediglich, dass es sich um ein terranisches Kosewort handelte. Dennoch hatte die Neugier ihn dazu verleitet, später im Computer den Begriff nachzuschlagen.
Und als er die ersten Bilder dieser pelzigen, kleinen und durchaus putzigen Geschöpfe sah, waren seine Stirnwülste irritiert sehr hoch gewandert. Was hatte er denn bitte mit diesen Nagern gemeinsam? Garak hatte den Artikel über Hasen überflogen; selbstständige Einzelgänger, gut, ja. Aber die Sache mit dem Paarungsverhalten?! Sicherlich spielte Julian nicht auf den schier unersättlichen Hunger nach Fortpflanzung an, der den possierlichen Tierchen zu eigen war? Hätte jemand den Schneider beobachtet, es wäre ein mimisches Schauspiel der Extraklasse gewesen. Weitere Recherchen klärten ihn jedoch darüber auf, dass es bei den Menschen durchaus ein gängiger und liebevoller Brauch war, seinen Partner mit Tiernamen zu kosen. Wobei besonders gerne kleine, niedliche Geschöpfe gewählt wurden (Julian schien ihm im Übrigen der perfekte Spatz zu sein). Ein sanftes Lächeln huschte über Garaks Gesicht. So befremdlich ihm dieser Brauch auch schien, nach und nach mochte er es, ja, fand es sogar – wie er sich stillheimlich eingestand – recht herzwärmend, wenn Julian ihn mit diesem Kosenamen bedachte. Hase. Er beugte sich zu Julian hinab, der bereits wieder konzentriert in seinem PADD verschwunden war und küsste ihn auf das Haar. „Ich gehe einmal eben nach nebenan und schaue, ob Keiko einen Augenblick für mich erübrigen kann.“

Mit einem schuldbewussten Grinsen hob Julian erneut den Blick. „Entschuldige, der Artikel hier ist ziemlich interessant. Ja, Liebling, noch ein paar Pflanzen mehr würden dem Raum mehr Leben geben. Ich fände es sehr schön.“

Lächelnd strich Garak ihm über die Wange. „Bis später, mein Herz.“

Als er vor der Tür der O'Briens stand, zögerte er kurz. Von drinnen war lautstarkes Kinderprotestweinen zu hören. Dann betätigte er aber doch den Türsummer und ein zerzauster Miles mit gerötetem Gesicht und einer Haarbürste in der Hand öffnete ihm. „Hi.“

„Guten Abend. Ich wollte kurz zu deiner Frau … Komme ich gerade sehr ungelegen?“

Schnaubend winkte der Ingenieur ab und zog Garak in den Raum. „Keiko ist im Theater. Komm rein, ich brauche Beistand!“ In der Tat wirkte der sonst so ausgeglichene Miles ziemlich nahe am Rande der Verzweiflung. Aus dem Kinderzimmer war noch immer Mollys Weinen zu hören, Miles musste sie dorthin geschickt haben, bevor er die Tür geöffnet hatte. Ratlos ließ der Chief sich auf das Sofa fallen und seufzte tief. Garak setzte sich ihm gegenüber und sah ihn abwartend an.

„Ich wollte sie bettfertig machen, da kippt sie sich Keikos komplettes Haaröl über den Kopf!“, platzte es auch schon aus Miles heraus. „Und jetzt lässt sie sich weder die Haare bürsten noch waschen!“

Wie auf ein Stichwort kam das kleine Mädchen aus seinem Zimmer gestürmt und blieb mit in die Seiten gestemmten Fäustchen stehen, was ihm eine verblüffende Ähnlichkeit mit seiner Mutter gab. Fast glaubte Garak, gleich ein „Miles Edward O'Brien!“ zu hören, hielt ein belustigtes Schmunzeln aber in der Situation für unangemessen. Zornestränen standen Molly in den Augen, das lange schwarze Haare klebte verknotet am Kopf.

„Mami soll das machen!“, weinte sie aufgelöst. „Bei dir ziept das immer ganz doll!“

„Mami ist aber nicht da und so kannst du nicht ins Bett, junge Dame!“ Man muss Miles zugute halten, dass er zwar streng, aber eher resigniert als wütend klang.

„Na und? Ich will aber, dass Mami das macht und nicht du!“

Bevor Miles darauf etwas erwidern konnte, hob Garak beschwichtigend die Hände. „Meine liebe Molly, spricht man denn so mit seinem Vater?“, fragte er freundlich, nahm Miles die Bürste aus der Hand, erhob sich und ging vor Molly in die Hocke. Beschämt blickte das Kind zu Boden und schwieg trotzig. Aufmunternd legte der Schneider ihr eine Hand auf die Schulter. „Komm, wir zwei lassen deinen Papa jetzt einmal verschnaufen und ich helfe dir beim Haarewaschen und Bürsten.“

Skeptisch sah Molly ihn an. „Kannst du das denn?“

Vergnügt zwinkerte er ihr zu. „Wer hübsche Kleider nähen kann, kann auch hübsche Haare waschen, oder? Außerdem“, er senkte verschwörerisch die Stimme. „Onkel Julian mag es auch sehr, wenn ich ihm die Haare wasche und sagt immer, es ziept dann gar nicht. Aber verrate ihm nicht, dass ich dir das erzählt habe.“

Das Mädchen kicherte und griff vertrauensvoll nach Garaks Hand. Der Cardassianer erhob sich, tauschte mit Miles kurz einen Blick, der ihm dankbar zunickte und ließ sich von Molly ins Bad führen. Dort wusch er ihr erst vorsichtig die Haare und kämmte die langen Haare anschließend sorgsam. Zu Mollys Freude schlug er ihr dann auch noch vor, ihr das Haar zu föhnen und zu Zöpfen zu flechten.

„So“, meinte Garak dann schließlich zufrieden. „Und jetzt gehst du zu deinem Papa, lässt dich bewundern und entschuldigst dich noch bei ihm, einverstanden?“

Molly nickte und umarmte Garak spontan. „Danke, Garak!“

„Nicht dafür, Liebes, das hat mir ebenso Freude bereitet.“

Während Molly ins Wohnzimmer hüpfte, folgte der Schneider langsam, blieb im Türrahmen stehen und ein warmes, leicht wehmütiges Lächeln huschte über sein Gesicht, als er sah, wie Vater und Tochter sich umarmten. Miles flüsterte seiner Kleinen etwas ins Ohr, woraufhin diese strahlend nickte und aufsprang. „Gute Nacht, Onkel Garak!“, rief sie ihm fröhlich zu und verschwand in ihrem Zimmer. Der Chief erhob sich und schenkte Garak ein fragendes Lächeln. „Geht das 'Onkel' klar für dich? Immerhin ist Julian ja auch so was wie ein Onkel für sie und sie nennt ihn auch Onkel ...“

Der Cardassianer nickte bedächtig. Das warme Gefühl, als Molly ihn Onkel nannte, war überraschend, aber schön. „Natürlich, Miles, es ist mir eine Ehre.“

Miles klopfte ihm auf die Schulter. „Du hast was gut bei mir, danke.“

„Nicht dafür, einer Dame in Not eilt ein Gentleman stets gerne zur Hilfe.“

„Schon klar“, lachte der Chief. „Bei euch beiden alles gut, was macht Jules?“

„Er wollte nur eben mal in einen interessanten Fachartikel reinlesen“, zwinkerte Garak und stimmte kurz in Miles' Lachen ein.

„Dann hast du also einen ruhigen Abend. Ich richte Keiko aus, dass du da warst, okay? Jetzt hab ich Molly eine Geschichte versprochen. Grüß Jules von mir.“

„Natürlich. Euch einen schönen Abend.“

Wieder zurück im eigenen Quartier blickte Julian ihn vom Sofa aus an. „Konntest du dich mit Keiko austauschen? Du strahlst so selig.“

Lächelnd setzte sich Garak zu Julian und nahm dessen Beine auf seinen Schoß. Und während er diese sanft massierte, erzählte er von seinem Erlebnis.

„Aaaaw, du bist einfach ein Charmeur und Held“, neckte der Arzt und rappelte sich so weit auf, dass er sich an Garak kuscheln konnte. „Miles wird dir ewig dankbar sein. Gibt es eigentlich irgendetwas, das du nicht kannst?“

Der Schneider dachte kurz nach, dann begann es in seinen Augen zu glitzern und er senkte seine Stirn auf Julians. „Dir widerstehen“, flüsterte er und küsste seinen Liebsten innig …


***


„Jules … du bist dran!“

Überrascht sah der Arzt zu seinem Freund und grinste verlegen. „Entschuldige, Miles, ich war in Gedanken.“

„Was du nicht sagst ...“

Julian nahm die Dartpfeile entgegen, warf dreimal und kehrte mit ihnen wieder an den Tisch zurück. Er hatte sich nach dem Dienst mit Miles noch im Quarks auf eine Runde Darts und Bier getroffen.

„Glückwunsch!“ Der Ingenieur schlug ihm auf die Schulter.

„Bitte?“

„Du hast gewonnen. Sag mal, was ist los mit dir? Du bist ja schlimmer als damals, als es mit euch beiden angefangen hat.“ Miles goss ihnen beiden nach und schaute seinen Freund mit gerunzelter Stirn an. „Hab ich was verpasst?“

Lächelnd schüttelte Julian den Kopf, trank einen Schluck und rieb sich verlegen die Stirn. Jetzt war Miles' Neugier aber geweckt. „Irgendwas ist los, erzähl schon.“

„Nein, ich glaub, es ist ziemlich albern ...“

„Blödsinn.“

Julian seufzte tief, seine Wangen färbten sich rot, teils vor Aufregung, teils vor Verlegenheit. „Miles, ich … Ich bin sowas von verliebt, du glaubst es nicht“, sprudelte er wispernd hervor. „Seit wir zusammen wohnen ist Elim so … anders. Zufriedener, fürsorglicher … Also, er ist immer ein Schatz und sehr aufmerksam und liebevoll, aber jetzt … ich kann's dir gar nicht so genau erklären, ich merke einfach nur, wie glücklich ihn das macht, wie viel ich ihm bedeute... oh man, ich weiß gar nicht, wohin mit so viel Liebe und Glück … Ich hätte nie gedacht, dass man so viel für jemanden empfinden kann ...“ Er brach ab und bemerkte gar nicht, dass Miles ihn mit einem sehr liebevollen, verstehenden Blick bedachte. Julians Gedanken waren bei Elim. Er sah dessen lächelndes Gesicht vor sich, die neckend funkelnden Augen und seufzte tief. Kopfschüttelnd ließ er die letzten Wochen Revue passieren. Er hätte es nie für möglich gehalten, aber sie waren einander auf emotionaler Ebene noch näher gekommen. Als hätte das Zusammenziehen eine neue Pforte geöffnet. Elim. Julian spürte, wie sich sein Herzschlag beschleunigte und es in seinem Bauch flau wurde.

„Miles, ich will ihn fragen.“

„Was willst du ihn fragen?“ Der Chief führte sein Glas zu den Lippen, dann weiteten sich seine Augen plötzlich und mit einem Knall stellte er das Glas wieder ab. „Du willst ihn fragen …?!“

Julian nickte nur. „Meinst du, er sagt ja?“, brachte er schließlich leise hervor.

„Er wäre blöd, wenn nicht“, entgegnete Miles und lächelte seinen blassen Freund voller Wärme an. „Wann willst du ihn fragen?“

Unbewusst rieb sich Julian über den Bauch. Darin schienen jede Menge Schmetterlinge aufgeregt zu tanzen. „Noch nicht gleich. Ich bin noch viel zu nervös“, gestand er.

Miles nickte, legte Julian einen Arm um die Schulter und drückte ihn kurz. „Aber es ist ein tolles Gefühl, oder?“

Der Jüngere lehnte sich gegen seinen Freund, fühlte sich herrlich aufgeregt und erleichtert und ließ seufzend den Kopf auf Miles' Schulter sinken. „Oh ja, das ist es. Sag mal, wenn Elim ja sagt ...“

„... das wird er!“

„... bist du doch mein Trauzeuge, oder?“

Nach einem kurzen Augenblick kam ein gebrummtes „Geht klar“, in dem Rührung und Freude gleichermaßen mitschwangen.

***
Blumenwalzer (Tchaikovsky) by Amber
Als Julian später vor seiner Quartiertür stand, zögerte er noch einen Moment und wandte sich halb zu Miles um, der gerade den Zugangscode zu seinem Quartier eingeben wollte. „Hättest du das alles erwartet, als du damals hier her kamst?“

Der Angesprochene verharrte kurz, drehte dann den Kopf und fragte mit einem kaum hörbaren Schmunzeln in der Stimme: „Was, dass du Nervensäge mal mein bester Freund wirst oder dass der Zukünftige meines Freundes Cardassianer ist, in meinem Haus als willkommener Gast ein- und ausgeht und von meiner Tochter sogar Onkel genannt wird?“

„Ja, genau das.“

„Nein“, antwortete Miles wahrheitsgemäß und fügte leiser hinzu: „Aber ich bin froh darum.“

Einige Herzschläge standen sie einfach so da, dann räusperte sich Julian: „Ich auch. Schlaf gut.“

„Du auch, bis morgen.“

Julian gab den Zugangscode ein und betrat das Quartier. Der Anblick, der sich ihm bot, ließ ihn lächeln: Garak saß konzentriert am Computer, eine Tasse – vermutlich – mit Tee neben sich, doch als er seinen Partner erblickte, hellte sich sein Gesicht auf und er erhob sich. „Hattest du einen schönen Abend, mein liebster Julian?“

„Ja, sehr. Du auch?“ Julian überbrückte die Distanz, küsste Garak liebevoll und schmulte dann neugierig auf den Bildschirm. „Ah, Shopping!“

Garak schmunzelte und hob den Zeigefinger. „Mitnichten, mein Herz, lediglich Informationsbeschaffung. Ich denke noch darüber nach, ob wir einheitlich den Raum mit Bonsais schmücken oder vielleicht sogar farblich aufeinander abgestimmte Ahorne diverser Größe und Art oder ein fröhliches Durcheinander verschiedener Pflanzen. Was meinst du?“

„Äh … Topfpflanzen?“

„Banause!“

„Und das liebst du an mir!“

Statt einer Antwort seufzte der Cardassianer ergeben und küsste Julian zärtlich. Dieser schaute dabei verwundert auf ein Glas mit dunkelgrüner, dicklicher Flüssigkeit. „Was ist das?“

„Oh, das.“ Garak nahm das Glas zur Hand und hielt es Julian hin. „Ein Saft aus diversen trillschen grünen Gemüsesorten. Lieutenant Dax erzählte mir, dass einer ihrer früheren Wirte, Emony, sich als aktive Turnerin zeitweilig ausschließlich davon ernährte und es ihrem Körper sehr wohl tat.“
Julian roch an dem Getränk und rümpfte die Nase. „Na, wenn du meinst ...“

„Bist du anderer Meinung?“

„Hm, na ja, ich bin Arzt, kein Koch ...“

„Ich meine ob der positiven Wirkung auf Körper und Gesundheit.“

„Also, als Arzt leugne ich nicht, dass sich gewisse Diäten positiv auf den Organismus auswirken können. Dennoch rate ich zu einer ausgewogenen, dem gesamten Organismus angepassten Ernährung.“ Er hielt kurz inne. „Schmeckt es dir wenigstens?“

„Koste mal.“

Julian tat, wie geheißen, verzog das Gesicht und stellte das Glas ab. „Hnnng. Heiß serviert und gut gewürzt, dazu knuspriges Baguette, dann vielleicht ...“

„Ach, jetzt doch zum Koch geworden?“

Julian lachte. „Touché. Nee, ich weiß einfach ein gutes Gericht zu schätzen, mehr noch was Leckeres zu Naschen ...“ Er schmiegte sich enger an Garak und knabberte sanft an dessen Hals.

„Versuchst du gerade, mich zu verführen, Julian?“

„Lohnt sich ein Versuch?“

„Du magst doch Herausforderungen“, neckte Garak leise und legte seine Arme um Julians Hüfte.

„Ach, weißt du … eigentlich ist mir heute mehr nach Überfall denn nach Verführung!“ Mit diesen Worten drängte er den überraschten Cardassianer an die Wand, presste sich eng an ihn und küsste ihn innig. Seine Hand wanderte zu Garaks Schritt und dessen Reaktion darauf und sein begieriges Knurren machten deutlich, was er von dem Überfall hielt …


***


„Elim?“, schnurrte es einige Zeit später von der Brust des Cardassianers herauf.

„Hmmmm?“, brummte dieser schläfrig zurück.

„Wir haben doch beide morgen frei und ich hab das Gefühl, wir haben ewig keinen ganzen Tag mehr zusammen verbracht.“ Julian stützte sich auf die Unterarme und schaute seinen Partner an. „Morgen bin ich ausschließlich für dich da.“

Garak strich Julian sanft die Wirbelsäule auf und ab. „Das ist schön, Julian, ich freue mich.“

„Du bist mir wichtig und ich hatte in den letzten Wochen einfach kaum Zeit für dich. Elim“, Julians Stimme bekam einen liebevollen Klang. „Du tust so vieles für mich und damit meine ich nicht nur unser wunderbares Zuhause. Du fängst mich auf, bist immer da und gibst mir Ruhe. Du bedeutest mir so viel, ich will dir morgen einfach mal was Gutes tun. Ich liebe dich.“

Das Lächeln des Cardassianers wurde weicher, sein Blick sanfter. „Das weiß ich doch, mein Liebster“, brachte er nach einigen gerührten Herzschlägen hervor.

„Ja, aber du sollst es auch mal merken“ Julian küsste seinen Partner auf die Nasenspitze. „Und damit meine ich nicht nur auf die eine Art.“ Er wippte grinsend mit den Augenbrauen, was Garak ein amüsiertes Schnauben entlockte: „Mein lieber Doktor, du kannst manchmal erfrischend albern sein!“

Julian kuschelte sich wieder auf Garaks Brust. „Wenn du magst, können wir nach dem Frühstück zu dieser interkulturellen Kunstausstellung gehen, von der du erzählt hast.“

„Oh, das wäre in der Tat ganz reizend“, stimmte der Schneider erfreut zu und fuhr damit fort, Julians Rücken zu streicheln. „Ich verspreche dir, es wird dir gefallen.“

„Na, dafür sorgst du schon“, brachte der Arzt halb unter Gähnen hervor, legte Garak eine Hand in den Nacken und kraulte ihn zärtlich, bis er merkte, wie sein Körper schwerer wurde und der Schlaf ihn sanft einfing.


***


Am nächsten Morgen saß Garak lächelnd auf der Bettkante und betrachtete seinen noch schlafenden Partner – ein Vergnügen, dem er schon lange nachging. Bereits bei ihrer ersten gemeinsamen Nacht – wenn man die unsägliche Begebenheit mit seinem defekten Implantat und den daraus resultierenden Problemen einmal außer Acht ließ – hatte Garak Julian am Morgen einige Augenblicke nur angesehen. Ohne es zu bemerken, strich der Schneider bei der Erinnerung daran sanft durch Julians Haar. Damals war der junge Arzt bei einem Filmabend auf Garaks Sofa eingeschlafen. Garak selbst hatte in dieser Nacht schwer in den Schlaf gefunden, hatte sich lange in seinem Bett von einer Seite zur anderen gewälzt und an den Schlafenden nebenan gedacht. Seine Gefühle für Julian gingen da schon weit über Freundschaft hinaus, doch schien dies dem Arzt absolut nicht aufgefallen zu sein. Oder etwa doch? Unbewusst bestimmt, dessen war sich Garak fast sicher. Jedenfalls hatte er am frühen Morgen neben dem Sofa gestanden und den Anblick genossen. Mehr noch, hatte ihn zärtlich in sich aufgenommen; das verwuschelte Haar, die geröteten Wangen, der … -

„Du tust es schon wieder“, unterbrach Julian schmunzelnd und mit geschlossenen Augen seine Gedanken.

„Wie meinen, liebster Doktor?“

„Mich beim Schlafen beobachten!“ Julian robbte näher an Garak und rieb seinen Kopf an dessen Bein. Belustigt kraulte der Cardassianer den Nacken seines Partners.

„Woher nimmst du diese These, wenn du doch scheinbar schläfst?“

„Ich werde davon wach“, behauptete Julian und angelte nach Garaks Hand, um ihn daran ins Bett zu ziehen.

„Du scheinst dir deiner ja sehr sicher zu sein“, neckte Garak, während er sich vor Julian legte und diesen an sich zog.

„Ja. Du bist enttarnt und ich fordere hiermit Belohnung ob meines unvergleichlichen Scharfsinns, den undur - ...“ Julian verstummte abrupt, als Garak seinen Redefluss mit einem Kuss stoppte. Dass Garak breit grinste, konnte Julian auf seinen Lippen spüren. Glucksend schmiegte er sich enger an seinen Partner …


***


Fröhlich schlenderte Julian am späten Vormittag hinter Garak her und sah sich die Exponate der interkulturellen Kunstausstellung an. Er selbst konnte damit nicht viel anfangen, aber sein Partner wusste tatsächlich zu jedem Objekt eine interessante und lehrreiche Bemerkung zu machen und es war nicht schwer zu erkennen, wie begeistert Garak von der Ausstellung war. Gerade erklärte er Julian etwas über die andorianische Skulptur der Stärke – drei weiße Steinbrocken und in deren Mitte ein flacher grauer Klumpen irgendwas -, dabei funkelten seine Augen vergnügt, seine Hände untermalten die wie immer äußerst wohlgesetzten Worte. Julian hatte sich noch nie aus dem Bann Garaks meisterlicher Eloquenz ziehen können, so genoss er auch jetzt den gesamten Anblick des Cardassianers, ohne wirklich auf den Inhalt des Gesagten zu achten. Garak wirkte entspannt, ja, tatsächlich glücklich, etwas, das vor etlichen Monaten noch undenkbar gewesen wäre. Abgesehen davon sah er heute einfach fantastisch aus. Die bordeauxfarbene Samttunika mit den tannengrünen Applikationen und den sandgelben Nähten als Akzente stand ihm ausgezeichnet. Der lange, taillierte Schnitt schmeichelte seiner Figur und hob die ausgeprägte Schulterpartie des Cardassianers hervor. Verblüfft über seine Gedanken hielt Julian inne. Bordeauxfarben? Akzente? Figurschmeichelnder Schnitt? Grinsend schüttelte er leicht den Kopf. Na, wenn da mal nicht Elims Einfluss aus ihm sprach. Trotzdem …

„Du, Elim?“

„Hm?“, unterbrach der Schneider seinen Vortrag, betrachtete aber weiterhin das betazoidische Ölgemälde eines lilafarbenen Sees mit blassgelben Seerosen, vor dem sie inzwischen standen.

„Du siehst heute umwerfend aus!“

Garak wandte sich um, auf seinem Gesicht ehrliche Überraschung. An der Art, wie er seine Tunika glatt strich und dem leichten Zucken seiner Mundwinkel konnte Julian erkennen, dass Garak tatsächlich verlegen war. „Hm … vielen Dank, mein liebster Doktor.“

Ohne ihr Zutun fanden sich ihre Hände und mit einem stillen Lächeln führten sie den Rundgang durch die Ausstellung fort.


***

„Und, wie hat dir die Ausstellung gefallen? War sie nicht äußerst abwechslungsreich und interessant?“ Garak blieb noch kurz am Ausgang stehen und ließ seinen Blick abschließend über den Kunstraum schweifen.

„Hmh, doch, war interessant“, stimmte der Arzt mit einem verhaltenen Gähnen zu und rieb sich den Magen.

„Eine nicht sehr aufschlussreiche Äußerung, mein Lieber.“

„Man kann nicht gut denken, gut lieben, gut schlafen, wenn man nicht gut gegessen hat!“, konterte Julian.

„Die weisen Worte des Hungernden?“

„Nein“, lachte Julian. „Virginia Woolf. Eine terranische Schriftstellerin des frühen 20. Jahrhunderts, bekannt für ihre tiefgründigen, oft poetischen Essays und Romane und eine wichtige Person des Feminismus.“ Bevor Garak bezüglich des letzten Teils eine spöttische Bemerkung machen konnte, lächelte Julian ihn entwaffnend an. „Wo möchtest du essen und den Austausch über die Ausstellung fortführen, mein Liebling?“

„Wäre dir das Quark's? recht?“

„Natürlich, was immer du heute willst.“

„Bring mich nicht auf falsche Gedanken“, raunte Garak nah an Julians Ohr, so dass der Jüngere eine angenehme Gänsehaut bekam.

„Hey, ihr beiden!“, erscholl es plötzlich hinter ihnen und Lieutenant Jadzia Dax schlüpfte grinsend zwischen sie, um sich rechts und links unterzuhaken. „Keine Anzüglichkeiten auf dem Promenadendeck! Wenn Odo das bemerkt ...“

Lachend knuffte Julian seine Kollegin in die Seite. „Noch ist nichts dergleichen passiert.“ Er lächelte Garak an und blickte dann wieder zur Trill.

„Ihr glaubt nicht, was heute Früh passiert ist“, platzte diese heraus.

„Worf hat gelächelt?“

„Julian!“, rügte Garak sanft seinen Partner, aber Dax winkte grinsend ab.


„Nein! Aber ich brauche eure Hilfe. Habt ihr kurz Zeit?“

„Wir wollten gerade zum Mittagessen ...“ Julian tauschte einen fragenden Blick mit Garak, dieser nickte und fuhr fort: „Begleiten Sie uns doch, Lieutenant, beim Essen unterhält es sich angenehmer.“

„Gerne, und bis wir da sind, können Sie mir ja erzählen, ob sich die Ausstellung lohnt, Garak?“

Plaudernd erreichten die drei das Quarks und ließen sich, nachdem sie Morn an der Bar zugewunken hatten, an einem Tisch nieder. Sogleich tauchte Quark wie aus dem Nichts mit einem – vermutlich – einladenden Lächeln vor ihnen auf, ein Tablett mit drei Gläsern, gefüllt mit milchiger, apricotfarbener Flüssigkeit, in der Hand. „Hallo Lieutenant, Doktor, Garak. Welch Freude, Sie zu sehen!“ Ungefragt stellte er vor jedem von ihnen ein Glas ab und fuhr geschäftstüchtig fort. „Bitte, ein neuer Drink aufs Haus. Ich brauche Ihre ehrliche Meinung, ob ich ihn in die Karte aufnehmen sollte.“

Während Garak misstrauisch die Stirnwülste hochzog, beäugten Julian und Dax neugierig das Getränk. Die Trill führte schließlich zuerst das Glas zum Mund, nahm einen großen Schluck und ihre Augen weiteten sich begeistert. „Oh, Quark, das ist köstlich! Süß, leicht salzig, fast schon fruchtigherb. Was ist es?“

Der Ferengi deutete eine Verbeugung an. „Das, meine Teure, ist das Vaginalsekret eines gornisch. ...“

Der Rest ging in einem Würgen und dem klirrenden Geräusch eines heftig abgestellten Glases unter. „Um Himmels Willen ...“, hauchte ein blassgrüner Julian und presste sich eine Hand vor den Mund. Ungerührt dessen trank die Trill ihr Glas aus und zwinkerte Quark zu. „Vielleicht sollten Sie es unter einem Pseudonym anbieten?“

„Gute Idee!“

Indes strich Garak seinem Partner beruhigend über den Rücken. „Mein lieber Doktor“, mahnte er sanft. „Hast du immer noch nicht gelernt, nicht blindlings jedem zu vertrauen? Besonders keinem Ferengi, der dir ein unbekanntes Freigetränk anbietet.“

Julians Magen sendete die Botschaft, den Mund vorsorglich noch geschlossen zu halten und so schob Julian wortlos sein Glas zu Dax, die dankend lächelte. Quark, der kurz verschwunden war, stellte ein kleines Glas vor den Arzt. „Whiskey? Ohne irgendwas, pur, wie der Chief ihn mag.“ Während Julian zögerlich an der goldenen Flüssigkeit roch und dann seinen rebellierenden Magen mit dem Whiskey besänftigte, nahm der Ferengi die Bestellung der anderen auf. „Und Sie, Doktor? Frisch eingetroffen, Muscheln und Austern, schön salzig und - ...“

„Quark! Bitte“, wehrte Julian ab und lehnte sich mit geschlossenen Augen zurück. Als Arzt konnte er mit allerhand ekligem Gekröse, Ausscheidungen und Anblicken umgehen, aber auch sein Magen hatte Grenzen.

„Für den Doktor dasselbe wie für mich“, entschied Garak und drückte kurz Julians Hand. „Geht es wieder?“

Der Arzt brummelte etwas Unbestimmtes und wandte sich dann seiner Kollegin zu. „Also, Jadzia, wie können wir dir helfen, was ist passiert?“

Vergnügt beugte die Trill sich vor und verschränkte die Hände. „Ihr habt es vielleicht mitbekommen, am Wochenende veranstaltet Quark die 'Risanische Nacht'?“ Das Paar nickte gespannt und Dax fuhr fort: „Und dazu hat Quark auch einige Unterhalter aus Risa engagiert. Wie es der Zufall so will, auch einen guten alten Freund von mir.“ Sie unterbrach sich, als Quark die Speisen und Getränke brachte und nahm ihre Tortellini bajoranischer Art entgegen. Auf Julians fragenden Blick bezüglich seines Gerichtes erklärte Garak zwinkernd: „Eine cardassianische Getreidesuppe mit Gemüse, sehr magenfreundlich.“ Er wartete ab, ob Julian die Auswahl zusagte, lächelte zufrieden und wandte sich dann interessiert der Trill zu.

„Und dieser gute alte Freund ist vermutlich Teil der Angelegenheit, die unserer Hilfe bedarf?“

Dax nickte. „Exakt. Also, heute Früh bekam ich überraschend eine private Nachricht von Risa. Kal-Jinn hatte Quarks Angebot angenommen und als er sich über DS9 informierte, fiel ihm der Name Dax ins Auge. Allerdings wunderte er sich, Jadzia statt Curzon zu lesen. Zusammengefasst: Kal-Jinn und Curzon kannten sich sehr gut, nur wusste Kal-Jinn nicht, dass Curzon verstorben war. Jedenfalls war es für uns beide eine schöne Überraschung, dass er mich wiedergefunden hat und wir freuen uns auf das Wiedersehen. Und hier kommt ihr ins Spiel.“ Sie machte eine kurze Pause und gab den anderen beiden die Gelegenheit, einen neugierigen Blick auszutauschen, ehe sie fortfuhr: „Die Sache ist folgende: Ich habe Kal-Jinn zugesagt, ihn zu empfangen und mit ihm zu Abend zu essen. Allerdings ist Worf entsetzlich eifersüchtig, also habe ich kurzerhand euch beide zum Abendessen eingeladen.“

„Aha“, meinte Julian grinsend. „Und wann?“

„Morgen, 1700 bei Worf und mir. Und“, fügte sie mit einem diebischen Grinsen hinzu. „Ich hab im Dienstplan nachgesehen, du hast Zeit.“

Lachend winkte Julian ab. „Schon okay, meinetwegen. Was meinst du, Elim?“

Der Angesprochene nickte belustigt, schaute dann aber die Trill wissend an. „Ich vermute allerdings, dass das noch nicht alles war?“

„Wie immer richtig getippt“, pflichtete Dax ihm lächelnd bei. „Tags darauf habe ich vormittags keine Zeit, ihm die Station zu zeigen ...“

„Ich auch nicht“, bedauerte der Arzt nach kurzem Nachdenken. „Da hab ich drei Impftermine mit Besuchergruppen und zwei OPs auf dem Plan.“

„Nun, wenn es sich lediglich um einen Stationsrundgang handelt ...“, begann Garak.

„... und Mittagessen?“ Dax griff kurz nach der Hand des Schneiders. „Garak, das wäre wunderbar, meinen Sie, das könnten Sie einrichten?“

„Wie könnte ich der reizendsten Dame auf der Station etwas abschlagen?“

„Oh, danke!“ Die Trill sprang auf und hauchte Garak ein Küsschen auf die Wange. „Julian hat schon recht, Sie sind ein Schatz. Ich muss jetzt wieder auf die OPS, fühlt euch zum Mittagessen eingeladen.“ Damit verschwand sie Richtung Tresen und ließ einen schmunzelnden Garak zurück, der seinen Partner mit einem langen Blick maß. „Ein Schatz bin ich, so, so.“

Julian strahlte ihn versonnen an und griff nach seiner Hand. „Ein ausgesprochen gutaussehender Schatz und ein Charmeur obendrein!“ Lachend küsste er den Schneider auf den Handrücken. „Komm, lass uns auch gehen. Nachtisch gibt’s zuhause.“

„So?“ Es blitzte kurz vergnügt in Garaks Augen, als Julians Wangen sich röteten und der grinsend den Kopf schüttelte.

„Nicht so. Also, ich meinte wirklich ein Dessert, eigentlich ...“

„Eigentlich?“

„Ach, komm einfach mit heim!“

Der Blick, der zwischen ihnen wechselte, machte deutlich, nach welcher Art von Nachtisch ihnen eigentlich gelüstete.


***


Nach einem ausgiebigen horizontalen Dessert im Bett saßen Julian und Garak in bequemer Kleidung auf dem Sofa bei einem Kräutertee zusammen. Garak schaute immer mal wieder prüfend von dem Bonsai in die eine Richtung, mal in die andere, nickte unbewusst oder schüttelte den Kopf. Diese unkontrollierten kleinen Regungen zeigten Julian, wie sehr entspannt und er selbst der Schneider doch war. Und das ließ in Julian eine tiefe Wärme aufsteigen. Vieles, das Garak umgab oder hinter ihm lag war für ihn immer noch ein Fragezeichen, dabei kannte er seinen Partner wohl so gut wie kein anderer. Das war in Ordnung, mehr sogar, der Arzt akzeptierte, dass Garak ihm nicht alles aus seiner Vergangenheit erzählte, auch wenn er ihn hin und wieder an einigen Erinnerungen teilhaben ließ. Wichtiger war es dem jungen Arzt jedoch, dass Garak sich ihm gegenüber so sehr geöffnet hatte und in seiner Gegenwart vollkommen in sich ruhte, ohne Maskerade, gänzlich ungezwungen. Julian seufzte lautlos, beugte sich zu seinem Partner und küsste ihn liebevoll auf die Meshava. „Ich hab noch eine Überraschung für dich. Warte hier!“ Er zwinkerte geheimnisvoll, erhob sich und ging ins Schlafzimmer. Der Schneider stellte seine Teetasse ab und schaute Julian neugierig hinterher. Es rumpelte kurz, er hörte ein Ächzen und dann tauchte der Arzt mit einem großen, flachen Paket in den ausgebreiteten Armen wieder im Wohnzimmer auf.

Eilig stand Garak auf und half Julian, das doch recht unhandliche Paket auf den Tisch zu legen. „Für dich!“, verkündete der Mensch strahlend, strich sich aber nervös eine Haarsträhne aus dem Gesicht, während Garak vorsichtig den Karton öffnete und -

„Julian!“, entfuhr es ihm überrascht, als ein Aquarell in einem zarten, verschnörkelten Holzrahmen zum Vorschein kam. „Das sind ja edosianische Orchideen!“

„Du hattest mal erwähnt, wie gern du sie magst und ich hatte mich informiert, bei den Stationsbedingungen hätten sie keine Chance, also dachte ich ...“ Julian brach ab. „Gefällt es dir?“

Der Schneider ließ seinen Blick schon fast zärtlich über das Gemälde gleiten und nickte. „Es ist ein unglaublich gelungenes und schönes Abbild, sehr authentisch und auf eine angenehme ruhige Art überaus lebendig.“ Er drehte sich zu seinem Partner um und nahm dessen Hände. „Eine wirklich schöne Überraschung, danke, mein liebster Julian.“

Julian erwiderte Garaks Lächeln erleichtert und stupste mit seiner Nasenspitze gegen die des Cardassianers. „Es ist ein Original von Edo, gemalt von Areya Liasa, einer jungen Künstlerin. Ihre Werke sind im ganzen Quadranten bekannt – sofern man sich dafür interessiert“, erklärte er schmunzelnd.

„Selbst von einem unbekannten Maler wäre es für mich von unschätzbarem Wert, du aufmerksamer Stern meines Herzens“, wisperte Garak und zog Julian an sich. „Lass es uns aufhängen.“

Gemeinsam wählten sie einen Platz an der Wand gegenüber des Sofas aus und blieben davor stehen. „Tolan hatte wunderschöne edosianische Orchideen“, ergriff Garak leise das Wort und legte seinen Arm um Julians Taille. „Es waren auch seine liebsten Blumen und er hat mir alles Wissen, das er sich über sie angeeignet hat, weitergegeben. Damals auf Cardassia hatte ich sogar eigene Züchtungen im Garten. Und das entgegen aller Befürchtungen, dass an diesem Standort keine Orchideen gedeihen. Tolan war mir ein guter Lehrer.“

„Fehlt er dir?“

„Nun, das liegt lange zurück und inzwischen ist eine Menge geschehen“, schloss Garak mit einem Lächeln. „Es ist dennoch schön, seine Orchideen wieder so bildlich vor den Augen zu haben. Danke, Liebster.“

In stiller Zweisamkeit standen sie unter den Orchideen, Arm in Arm und genossen die Nähe und Liebe des anderen.


***


Am nächsten Abend schlenderte Garak gegen 1630 zu Julian in die Krankenstation. Er hatte seinen Laden gerade geschlossen und wollte seinen Partner abholen, der laut seiner letzten Nachricht einen „furchtbar nervenaufreibenden Tag und grässlichen Hunger“ hatte. Garak fand Julian an seiner Konsole sitzend konzentriert etwas lesen und sich auf einem PADD Notizen machend. Leise trat er hinter den Arzt und legte ihm die Hände auf die Schultern. „Bereit für Feierabend, mein liebster Doktor?“

Julian zuckte für einen winzigen Moment zusammen, legte dann aber den Kopf in den Nacken und lächelte zu dem Cardassianer herauf. „Hallo Elim. Einen Augenblick, ich muss nur noch etwas speichern.“ Während er sich wieder seiner Arbeit widmete, küsste Garak ihn auf sein weiches Haar und massierte ihm leicht den Nacken.

„Hmmmm, das tut gut“, schnurrte der Arzt, beendete das laufende Programm, legte das PADD beiseite und lehnte sich für einen kurzen Moment zurück. Dann griff er nach Garaks Händen und drückte sie dankbar. „Lass uns gehen. Ich hoffe, Jadzia hat das Essen schon vorbereitet. Ich sterbe vor Hunger.“

Mit dem ihm so eigenen Lächeln griff der Schneider in seine Jackettasche und holte eine kleine Box hervor, die er Julian reichte. Als dieser sie neugierig geöffnet hatte, grinste er breit und küsste Garaks Nasenspitze. „Notfallmuffin?“

„Du klangst so, als bräuchtest du einen.“

„Kluger Elim.“

Pünktlich kamen die beiden bei Dax und Worf an und Julian betätigte den Türsummer.

„Julian, Garak! Wie schön!“ Mit einem strahlenden Lächeln zog Jadzia Dax das Paar herein und küsste beide auf die Wange. Hinter der Trill stand Worf und nickte beiden freundlich zu. „Doktor Bashir, Garak.“

„Hallo Worf“, grüßte Julian gut gelaunt, während Garak dem Klingonen zulächelte. Jadzia legte je einen Arm um den Arzt und den Schneider und schob sie dann fröhlich zur Sitzgruppe, von der sich soeben der risanische Gast mit einem Lächeln erhob.

„Kal-Jinn“, stellte die Trill vor, „Das sind Dr. Julian Bashir und sein Lebensgefährte Garak, der das von dir bereits bewunderte Kleid gezaubert hat.“

„Kein Wunder, dass Worf eifersüchtig ist“, schoss es Julian durch den Kopf, als Kal-Jinn ihm die Hand reichte und ihn anlächelte. Nicht nur, dass er groß war – sogar einige Zentimeter größer als er selbst und das war nicht klein -, der Risaner sah rundum fantastisch aus: Das honigfarbene Haar fiel ihm lang und weich den mit Sicherheit gut durchtrainierten Rücken hinab (wenn man den Rest des Körpers sah, lag diese Vermutung nicht fern) und seine bernsteinfarbenen Augen leuchteten mit einer warmen Tiefe. Der gesamte Mann strahlte eine unglaubliche und überaus kultivierte Anziehungskraft aus.

„Doktor Bashir“, grüßte Kal-Jinn mit wohlklingender Stimme. „Mr. Garak, es ist mir eine große Freude, Sie beide kennenzulernen. Jadzia hat in den höchsten Tönen von Ihnen gesprochen.“

„Äh … danke, freut mich auch“, stammelte Julian wenig eloquent und riss sich von Kal-Jinns Anblick los. Garak indes war wieder einmal Meister der freundlichen Zuvorkommenheit. „Die Freude diesem so überraschenden Wiedersehen beiwohnen zu dürfen obliegt ganz unsererseits und ist eine ausgesprochene Ehre, guter Kal-Jinn. Ich hoffe, Sie hatten eine angenehme Ankunft?“

„In der Tat, vielen Dank, Mr. Garak.“

„Bitte, einfach nur Garak.“

Schmunzelnd hatte Dax der Begrüßung zugesehen und schüttelte lachend den Kopf. „Ach, jetzt lasst doch die Förmlichkeiten und setzt euch. Worf ist hungrig und wie ich Julian kenne, steht er auch kurz vorm Hungertod.“

„Tu ich nicht“, widersprach der Arzt grinsend und legte seinen Arm um Garaks Hüfte. „Elim hat mich davor bewahrt und mir vorhin einen Notfallmuffin mitgebracht.“

„Aaaaw, süß.“

„Ja, nicht? Mein Held!“

Die beiden giggelten und Garak meinte zwinkernd zu Kal-Jinn: „Oft genügen die kleinsten Dinge, um ein Held zu werden.“

Die fünf ließen sich um den Tisch nieder und Dax deutete auf die einzelnen Platten und Schüsseln: „Risanischer Nuss-Frucht-Salat, trillsche Gemüseplatte mit terranischer Mango-Avocado-Salsa, cardassianische Räucherfischvariationen und klingonisches Targcarpaccio. Dazu bajoranischer Spätsommerwein.“

„Wow, das klingt kulinarisch vom Feinsten!“, freute sich Julian und nahm dankend ein Glas Wein von Worf entgegen.

„Auf die Idee hat mich Garak gestern gebracht“, erklärte Dax mit einem Lächeln an den Schneider. „Als er von der interkulturellen Kunstausstellung sprach und wie gut alles harmonierte.“

„Oh, diese Ausstellung klingt interessant“, sagte der Risaner zu Garak. Dieser nickte: „In der Tat, das ist sie auch. Wenn Sie möchten, können wir uns dort gerne morgen Vormittag vergnügen und uns anschließend bei einem Mittagessen darüber austauschen?“

Kal-Jinn warf einen fragenden Blick zu seiner Freundin. „Macht nur“, erwiderte sie lächelnd, "bis zum Nachmittag muss ich auf der OPS sein.“

„Wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt?“, fragte Julian an Kal-Jinn gerichtet. Der stellte sein Glas ab und tauschte ein verschwörerisches Grinsen mit Dax.

„Es ist ein paar Jahre her. Ich hatte ganz frisch in meinem Beruf angefangen und es war ein recht ruhiger, lauer Sommerabend im 'Meerestraum'. Ich saß an der Bar, beobachtete die Gäste und wartete auf Kundschaft.“

„Zur selben Zeit“, stieg Dax ein, „war Curzon mal wieder auf Risa und weil der Abend schon etwas fortgeschritten war, hatte er schon den einen oder anderen Orionischen Greenstar getrunken. Gut gelaunt betrat er den 'Meerestraum', eine hochangesehene, niveauvolle Bar am Strand, da fiel ihm im Gedränge vor der Bar eine große Frau mit langen blonden Haaren an der auf. Curzon nahm Kurs auf, tippte ihr sanft auf die Schulter und legte allen Charme in die Frage, ob er die hübsche Dame auf einen Drink einladen dürfe. Die Dame drehte sich zu ihm herum und antwortete mit überraschend tiefer Stimme ...“

„... Ob die Dame möchte, weiß ich nicht, aber der Herr ist nicht abgeneigt“, beendete Kal-Jinn lachend den Satz.

„Ihr könnt euch Curzons Gesicht nicht vorstellen“, kicherte die Trill. „Jedenfalls stand er zu seiner Einladung und spendierte Kal-Jinn einen Drink.“

„Und daraus wurden bald drei und wir verbrachten eine lange Nacht damit, über alles und nichts zu philosophieren. Zweimal sah ich Curzon in den nächsten Jahren noch wieder und jedesmal trafen wir uns im 'Meerestraum' und er erzählte mir von all den Dingen, die ihn beschäftigten und die er erlebt hatte. Und jetzt sitzt an seiner statt Jadzia vor mir – verlobt, jung und strahlend.“ Kal-Jinn und Jadzia drückten sich kurz die Hände, dann wandte sich Kal-Jinn wieder Garak und Julian zu. „Sie beide kommen morgen Abend doch hoffentlich zur Risanischen Nacht?“

„Haben wir denn eine Wahl?“, entgegnete Julian und grinste Dax an, die ihm zuzwinkerte.


***


„Ich wünsche dir einen schönen Vormittag, mein Liebling.“ Julian küsste Garak zum Abschied zärtlich, während der Schneider ihm noch rasch das Haar ordnete und einen Fussel von der Uniform entfernte. „Den wünsche ich dir auch, mein liebster Doktor. Zum Mittagessen sehen wir uns?“

„Ich versuch es. Replimat?“

„Replimat.“

Noch ein hastiges Küsschen, dann war der Arzt auch schon auf dem Gang, während Garak sich für den Vormittag mit Kal-Jinn zurecht machte. Sie hatten sich zum Frühstück im Quark's verabredet, dann wollten sie die Ausstellung besuchen und gemeinsam mit Julian zu Mittag essen. Und anschließend noch eine Besichtigungsrunde durch die Station, bis Kal-Jinn zurück ins Quark's musste, um sich für den Abend vorzubereiten.

***


„Schauen Sie, Garak, da kommt Julian.“ Kal-Jinn blieb am Eingang des Replimat stehen und wies den Gang entlang. Unbewusst richtete Garak sich vorfreudig auf und strich sein Hemd glatt, ein weicher Ausdruck legte sich auf sein Gesicht. Das wissende Lächeln, mit dem Kal-Jinn ihn bedachte, entging ihm, da er seinem Partner entgegen blickte.

„Hallo Elim.“ Zärtlich strich Julian Garak über den Arm und Garak fuhr kurz mit der Hand über Julians Wange. „Hallo mein Liebster.“

„Hey Kal-Jinn.“ Julian wandte sich lächelnd dem Risaner zu und klopfte ihm auf die Schulter. „Hatten Sie einen vergnüglichen Vormittag?“

„Durchaus, Julian. Ihr Partner ist ein wunderbarer Kenner der Kunst und überaus unterhaltsam. Jedes Exponat wurde durch seine Worte noch bedeutender und schöner.“

Julian konnte nicht umhin, Garak einen sehr verliebten Blick zuzuwerfen. „Wer in schönen Dingen einen schönen Sinn sieht, hat Kultur.“

„Dennoch, in Wahrheit spiegelt die Kunst den Betrachter und nicht das Leben“, entgegnete Kal-Jinn und deutete eine galante Verbeugung in Richtung Garak an.

Der Cardassianer zog halb belustigt, halb verlegen die Stirnwülste hoch. „Da die beiden Herren mir gerade über die Maßen mit den Worten Oscar Wildes schmeichelten, ist es nur angemessen, wenn ich zum Essen einlade.“


***


Am Abend wartete Julian im Wohnzimmer auf seinen Partner. Wie meistens war er vor Garak fertig – was wohl daran lag, dass Elim ihm fast immer die Auswahl der Garderobe abnahm – und stand mit dem Rücken ans Fenster gelehnt da. Elim hatte ihm zu einem schwarzen Nadelstreifensmoking und einer schmalen Krawatte geraten und Julian verließ sich auf Elims Geschmack. Als der Cardassianer schließlich aus dem Schlafzimmer trat, stockte Julian für einen Moment der Atem. Elim trug einen perfekt sitzenden weinroten Anzug über einem weißen Hemd und sah einfach unglaublich gut darin aus. Die Manschetten umschlagend trat er mit einem vergnügten Funkeln in den Augen auf Julian zu: „Bereit, dich an meiner Seite in die Risanische Nacht zu stürzen?“

„Klar“, antwortete der Arzt mit belegter Stimme und schlang seine Arme um Elims Taille. „Mit dir an meiner Seite wage ich jedes Abenteuer ….“ Er räusperte sich, zog seinen Partner fest an sich. Ihre Körper berührten sich, zärtlich strich er mit den Lippen über Elims Stirnwülste, die Schläfe und kamen in der Halsbeuge zur Ruhe. Tief sog er das warme, vertraute Aroma des Cardassianers ein, spürte, wie dieser ganz leicht unter der Berührung erschauerte. Was liebte er diesen Mann, er konnte es immer noch nicht ganz fassen, wie stark dieses Gefühl war. Julian lehnte seine Stirn an Garaks, suchte seinen Blick. Sie waren einander so nah, atmeten die süße Luft ein, die den geliebten Duft des Partners mit sich trug. Julian seufzte leise, schloss seine Arme noch enger um Elim. Dieser Moment war so unbeschreiblich schön, dass es ihn beinahe traurig machte, war es doch einer dieser Augenblicke, sich niemals auf diese Weise wiederholen. Julian atmete tief ein, sein Herz schlug aufgeregt in seiner Brust und sein Magen fühlte sich flau an. Er nahm allen Mut zusammen und seine Stimme klang ungewohnt ernst, aber war voller Zärtlichkeit: „Du, Elim ...“


***
End Notes:
Den wundervolle Kal-Jinn habe ich in Gunnis Roman "Verkaufende auf Risa" kennengelernt und es war sofort klar, der m u s s Garak kennenlernen! Und - tada - passiert! Die Geschichte hier spielt zeitlich vor Gunnis Roman. Tausend Dank, liebste Gunni, das ich deinen Kal-Jinn entführen durfte. Wir wollen ihn gar nicht mehr gehen lassen ... :)
You're still you (Josh Groban, Pianoversion) by Amber
Mit zärtlicher Neugier betrachtete Garak seinen Partner. Dass dieser nervös war, war offensichtlich, aber es schien keine negative Aufregung zu sein. Sanft rieb Garak seine Stirn an Julians und wartete, was kommen würde. Das aufgeregte Flattern in sich konnte er gerade nicht wirklich zuordnen, nahm es also erst einmal hin.

„Elim“, begann Julian noch einmal und räusperte sich leise. „Ich … du ...“ Mit einem kaum hörbar frustrierten Schnauben brach der Arzt ab und schloss die Augen. Er traute sich nicht. So schlicht und einfach war es. Also warum? Julian spürte Elims fragenden Blick, deshalb öffnete er die Augen wieder. „Elim, du bist ein wundervoller Mann“, raunte er zärtlich. „Ich liebe dich von ganzem Herzen und will dich nie wieder loslassen.“ Wie um seine Aussage zu bekräftigen, schloss er seine Arme tatsächlich noch ein wenig fester um den Cardassianer. Dieser setzte lächelnd zu einer Antwort an, als sich der Türsummer meldete.
Verwirrt ob des plötzlichen Einbruchs der Realität, schauten sie einander an und brachen glucksend in Lachen aus.

„Wir haben echt ein Talent für so Situationen, oder?“, giggelte der Mensch, löste sich von Garak und rief: „Herein!“

Die Tür glitt auf und Miles O'Brien trat ein, dabei nestelte und zupfte er an seiner Fliege herum. „Kann einer von euch vielleicht …?“

Schmunzelnd trat der Schneider auf ihn zu und band ihm gekonnt die Fliege. Dann richtete er noch den Kragen und zog das kastanienfarbene Jackett zurecht.

„Keiko kommt nicht mit?“, erkundigte sich Julian, während er die beiden mit einem Lächeln beobachtete.

„Nein, sie hat sich vorhin mit Molly hingelegt und gemeint, auf so einen Zirkus hat sie keine Lust. Aber sie wünscht uns trotzdem viel Spaß.“ Miles klopfte Garak dankend auf den Arm und wandte sich zur Tür. „Seid ihr so weit?“ Garak und Julian tauschten noch ein zärtliches Lächeln und nickten.

„Habt ihr eine Ahnung, was uns erwartet?“, fragte Julian und legte beim Gehen seinen Arm um Garaks Taille. Dieser schüttelte den Kopf. „Kal-Jinn ließ nichts darüber verlauten. Nur, dass wir in angemessener Abendgarderobe erscheinen sollen.“

„Risa“, brummte der Chief und runzelte die Stirn. „Was macht dieser Kal-Jinn eigentlich beruflich?“

„Ich vermute, er ist so etwas wie ein Animateur, oder?“, wandte sich Julian an seinen Partner, um dessen Lippen ein wissendes Lächeln spielte. „Jaaaa … so etwas in der Art, ganz recht.“ Dabei beließ er es, trotz der neugierigen Blicke von links und rechts. Er hatte während des Vormittags mit dem Risaner einige Vermutungen zu dessen Beruf angestellt, diese durch diverse Äußerungen und Anekdoten bestätigt bekommen und dann mit der Geschichte über Curzon und Kal-Jinns Kennenlernen kombiniert. Garak sah keinen Grund, über die berufliche Tätigkeit des Risaners zu sprechen, wenn dieser es nicht von sich aus tat. So behielt er sein Wissen für sich und schenkte dem neugierigen Julian ein geheimnisvolles Zwinkern, was diesen genervt aufstöhnen ließ.
Das Trio erreichte das Quark's und blieb verblüfft in dessen Eingang stehen. „Wow!“, entfuhr es Julian und Miles nickte bekräftigend. Die Bar war kaum wiederzuerkennen: Überall waren leuchtend bunte exotische Blüten angebracht, große Kübel mit Palmen und Orchideen standen umher. Bunte Lampions schenkten angenehmes Licht und eine Musikband spielte leise im Hintergrund sanfte, lebendige Melodien. Die Dabomädchen und Ferengikellner trugen Tabletts mit schillernden Cocktailgläsern herum und auf dem Tresen thronte ein gigantischer Eiskristallvogel, aus dessen Schnabel perlend klares Wasser sprudelte. Die Gäste waren ausnahmslos in feine Garderobe gekleidet, sogar Morn hatte seinen üblichen Aufzug gegen einen eleganten grauen Einteiler getauscht.

Erwartungsfroh rieb Garak sich die Hände: „Nun denn, meine Herren, hinein ins Vergnügen!“

Grinsend folgten Miles und Julian dem Cardassianer ins wirbelnde Treiben. Von einem vorbeikommenden Kellner ließen sie sich orange-blaue Cocktails mit bunten Früchten und Schirmchen reichen und stießen an. Julian ließ seinen Blick schweifen, ob er irgendwo Jadzia, Kal-Jinn oder einen freien Tisch entdeckte. Letzteres war der Fall und er schob seine beiden Begleiter dorthin.

"Dann lasst uns mal sehen, was Quark so im Angebot hat", murmelte Miles vor sich hin und zog sich die Karte heran. "Risanisches Gebäck, zig verschiedene Cocktails und Longdrinks, Cremeeis mit kandierten Nüssen und Früchten ..."

"Uh, das will ich!", unterbrach ihn Julian fröhlich, was seinem Freund ein belustigtes Schnauben entlockte: "War klar, Jules ... Risanisches Küstenale klingt aber auch gut ..."

"Doktor Bashir! Chief! Garak!", begrüßte sie ein wie aus dem Nichts auftauchender grinsender Quark, der zur Feier des Tages einen Blumenkette um den Hals trug. "Was darf ich Ihnen bringen? Wenn ich eine Empfehlung aussprechen dürfte ..."

"Bestimmt nicht!", winkte der Arzt schnell ab. "Die letzte rumort immer noch in meinem Magen ..."

"Ich nehm das Risanische Küstenale", bestellte Miles und scrollte durch die Karte. "Und dazu die mit Honig und Gewürzen gerösteten Risanischen Nüsse."

Quark notierte und wandte sich dann an Garak. "Sie sollten unbedingt den Himmelswein versuchen, ein vollmundiger, dennoch leichter Genuss, dessen Rezeptur ein streng gehütetes Geheimnis der Risaner ist."

"Sie verstehen es, Ihre Gäste zu locken, Quark. Ich versuche ihn."

"Ich nehm auch ein Ale und dazu das Cremeeis", schloss Julian die Bestellung ab und erntete für die Kombination seiner Wünsche ein paar hochgezogene Stirnwülste von seinem Partner. "Eis und Ale?"

"Klar, kann ja danach immer noch den Wein trinken. Außerdem", er zwinkerte Elim zu. "Aus Erfahrung weiß ich, dass ich höchstens die Hälfte von meinem Eis bekomme."

"Ähm, sagt mal ..." Miles runzelte die Stirn und deutete auf eine Seite der Karte. "Was hat es denn damit auf sich?"

Julian und Garak schauten sich die entsprechende Seite an. "Preisklassen der Verkaufenden?" Der Arzt war ebenso ratlos und wandte sich intuitiv an seinen Partner, als ihm etwas dämmerte. "Kal-Jinn trägt doch eine Goldkette mit dem Symbol hier oben? Heißt das ... ?"

Garak nickte und versuchte erst gar nicht, sein Schmunzeln ob Julians und Miles' betretener Blicke zu verbergen. "Lasst mich raten, euch überrascht nicht unbedingt die Tatsache, dass Kal-Jinn in diesem Beruf tätig ist, sondern dass es dieses Gewerbe offiziell überhaupt gibt?"

"Äh ..." - "Na ja ...", drucksten die beiden Sternenflottenangehörigen herum und Julian räusperte sich schließlich. "Verstehe ich das richtig, 'Verkaufende' ist letztendlich nur ein anderer Begriff für ...", verlegen brach er ab und suchte nach einem politisch korrekten Wort.

"Die Föderation unterstützt also professionelle Prostitution?", brummte der Chief ungläubig.

"So würde ich das nicht sagen", verneinte der Cardassianer und trank den Rest seines Cocktails. In diesem Moment kam Quark wieder an den Tisch und brachte die georderten Speisen und Getränke. Natürlich hatte er die letzten beiden Sätze aufgeschnappt. "Was heißt hier 'professionelle Prostitution'", winkte er verächtlich ab. "Wenn Sie glauben, unsere wunderbaren Verkaufenden hätten nur das eine zu bieten, dann wäre ihre Gesellschaft deutlich günstiger zu haben. Oh nein, meine Herren, die Qualitätsansprüche, die Risa an seine Verkaufenden stellt, sind sehr hoch, nicht nur im körperlichen Bereich, sondern besonders im Intellektuellen und Kulturellen. Aber ich seh schon", schloss er kopfschüttelnd, als er die immer noch peinlich berührten Gesichter von Miles und Julian sah, "Bei Ihnen beiden brauche ich da gar nicht erst Werbung für machen ..." Mit einer kleinen Verneigung entschwand er wieder und Julians Blick suchte erneut Garaks. "Klärst du uns etwas näher auf, du scheinst ja nicht wirklich überrascht oder schockiert zu sein."

Lächelnd strich Garak seinem Partner über die Wange. "Warum auch, mein Liebling? Ich sehe darin nur Vorteile. Lass mich erklären", wandte er sich mit einer bittenden Geste an Miles, der ihn unterbrechen wollte. "Ihr wisst, dass die Risaner ein, wie sie selbst sagen, natürliches gebendes Wesen besitzen und die Freuden und Schönheit des Lebens, seien sie körperlicher, intellektueller oder musischer Natur, über alles schätzen. Und das wussten nach und nach natürlich auch die Völker, die regelmäßig Risa besuchten und nutzten das zu ihrem Vorteil aus. Also wurde das Verkaufende-Gewerbe offiziell ins Leben gerufen, die 'herkömmliche' Feilbietung solcher Leistungen wurde weitestgehend komplett unterbunden. Wer Verkaufender werden möchte, muss eine lange und intensive Ausbildung absolvieren. Kunst und Kultur verschiedener Spezies, Xenolinguistik, Literatur, Musik, eben alles, was einen angenehmen Gesellschafter ausmacht. Denn darin obliegt ihre Hauptaufgabe: Dem Kunden eine für ihn vollkommene Gesellschaft zu sein. Und als Bonus natürlich auch auf körperlicher Ebene, was aber mehr als nur Lust bedeutet. Die Verkaufenden unterliegen strengen und regelmäßigen medizinischen Kontrollen, ihre Tarife sind festgelegt, sie halten sich aus politischen Machenschaften heraus; ergo rundum perfekte Gesellschaft, wenn man nicht alleine sein möchte."

Nachdenklich hatte Julian der doch recht unerwartet ausführlichen Erläuterung seines Partners gelauscht und nickte dann langsam. "Doch, ich denke, so schlecht ist das gar nicht. Besonders aus medizinischer Sicht scheint mir das für einen Urlaubs- und Vergnügungsort wie Risa die beste Lösung für alle zu sein."

"Ich weiß nicht", brummte der Chief. "Ist sowas denn nötig, dass jemand seinen Körper verkauft?"

"Ob es nötig ist oder nicht, schon immer ist der Handel mit lebendigem Fleische ein äußerst lukratives Geschäft, meist zum Nachteil der Ware", argumentierte der Cardassianer.

"Eben", stimmte Julian ihm zu. "Und auf die Art der Risaner scheint zumindest gewährleistet, dass die Verkaufenden ordentlich versorgt und behandelt werden und ich kann mir vorstellen, dass die Kriminalität im entsprechenden Milieu drastisch abnahm, wenn nicht gar gänzlich verschwand."

"Ihr habt damit gar keine Probleme, moralisch?", wunderte sich Miles.

"Moral ist lediglich ein von einer bestimmten Gesellschaft zu einer bestimmten Einstellung geprägter Begriff", antwortete Garak mit seinem ihm so eigenen Lächeln und nutzte den Moment, um Julians Eisbecher zu sich heranzuziehen. Lachend klopfte Julian seinem Kollegen auf den Rücken. "Entspann dich, Miles, Kal-Jinn ist ein feiner Kerl, du wirst ihn mögen." Damit nickte er in Richtung des hochgewachsenen Risaners, der sich lächelnd einen Weg zu ihnen bahnte.

"Julian, Garak!", begrüßte er sie mit einem Strahlen. "Amüsieren Sie sich?"

"Ganz ausgezeichnet, guter Kal-Jinn", bestätigte Garak und deutete auf den freien Platz. "Wollen Sie uns einen Augenblick Gesellschaft leisten, Sie kennen Chief O'Brien noch nicht. Im Vertrauen", grinsend senkte er die Stimme, allerdings nicht so sehr, dass Julian und Miles entgehen konnte, was er sagte, "manchmal befürchte ich, das ich zusätzlich zu meinem liebsten Doktor auch noch einen guten O'Brien bekommen habe."

Giggelnd knuffte Julian seinen Liebsten in den Arm. "So schlimm ist es nun auch wieder nicht." Er reichte Kal-Jinn die Hand und trat dann unauffällig Miles ans Bein, woraufhin dieser Kal-Jinn ebenfalls die Hand hinhielt. "Miles O'Brien, freut mich."

"Die Freude obliegt ganz mir, Mr. O'Brien."

"Wo stecken denn Jadzia und Worf?", erkundigte sich Julian bei dem Risaner, um Miles aus der für ihn immer noch etwas unangenehmen Situation zu ziehen.

"Jadzia hat Worf überredet, mit ihr gemeinsam eine risanische Partnermassage zu besuchen", erklärte Kal-Jinn und wies mit der Hand zur Treppe. "Oben in den Holosuiten hat Quark Wunderbares vollbracht. Es gibt einen großen Wellnessbereich mit Massagen, Whirlpool, Sauna, Dampfbädern und natürlich der Möglichkeit, sich wieder für den gesellschaftlichen Teil hier unten herrichten zu lassen. Einige unserer angesehensten Friseure und Kosmetiker stehen zur Verfügung. Und in einem anderen Bereich gibt es Raum für privatere Unterhaltungen." Er schenkte Julian ein Zwinkern, woraufhin dieser prompt errötete. Schmunzelnd legte Garak seinen Arm um Julians Schulter und drückte ihn an sich. "Er neckt dich doch nur, weil er genau weiß, wie bezaubernd du aussiehst, wenn du errötest."

Lachend erhob sich Kal-Jinn, klopfte Julian freundschaftlich auf die Schulter und nickte den anderen beiden zu. "Amüsieren Sie sich noch gut, wir sehen uns im Laufe des Abends wieder." Er winkte einen Kellner heran. "Bringen Sie doch bitte den drei Herren einen Risas Herbstfunkeln auf meine Rechnung." Damit lächelte der Risaner nochmal in die Runde und ging davon.

"Ich geb es zu", meinte Miles und sah ihm hinterher. "Scheint in der Tat ein netter Kerl zu sein." Er trank sein Ale aus und deutete auf Julians Eisbecher, der tatsächlich noch halbvoll war. "Schmeckt's nicht?"

"Doch, nur wirklich ganz schön süß." Der Arzt schob den Becher zu Miles, der Garak einen fragenden Blick zu warf.

"Nur zu, Miles, ich stille meine Lust nach Süßem vorerst visuell." Der Cardassianer küsste Julian sanft auf die Stirn, während dieser etwas Zärtliches in Garaks Halsbeuge nuschelte. Mit einem gutmütigen Kopfschütteln machte der Chief sich über das restliche Eis her.

Kurz darauf standen drei hohe schmale Gläser vor ihnen, deren dampfender bronzener Inhalt je nach Lichteinfall intensiv golden schimmerte. Beeindruckt hob Garak das Glas und schnupperte vorsichtig. "Oh, das duftet außerordentlich verlockend ... Würzig, warm, ein wenig süß ..."

Seine Freunde erhoben nun auch neugierig ihre Getränke.

"Auf einen tollen Abend mit meinen beiden besten Freunden!", prostete Julian.

Während Miles etwas etwas Unverständliches, aber eindeutig Gerührtes brummte, drückte Elim Julians freie Hand. "Ich denke", meinte er nachdenklich mit einem warmen Lächeln, "dem kann ich mich so nur anschließen."

Sie stießen gemeinsam an und es folgte ein Moment andächtiger Stille, der schließlich von Julians begeistertem "Wow, ist das lecker!" unterbrochen wurde.

„So spricht ein wahrer Gourmet“, neckte ihn Garak liebevoll. Sein Partner kam nicht dazu, etwas zu erwidern, da sich urplötzlich eine grinsende Jadzia neben ihm auf den freien Stuhl fallen ließ. „Na ihr drei Hübschen?“ Sie drückte Julian ein Küsschen auf die Wange und lehnte den Kopf an seine Schulter. „Aaaaw, ihr glaubt's nicht, Worf und ich hatten eine wirklich sinnliche Partnermassage zusammen, ich fühl mich ganz hibbelig ...“

„Äh ...“, grinsend tätschelte Julian seiner Kollegin den Rücken. „Und wo hast du Worf gelassen?“

„Er holt uns etwas zu trinken. Was habt ihr da?“ Ohne die Antwort abzuwarten nahm sie Julians Glas und trank einen Schluck. „Oh, das will ich auch!“ Fröhlich gestikulierte sie mit einer Hand wild in eine bestimmte Richtung, während sie das Glas hochhielt und damit winkte. „Ist das nicht großartig?“ Jadzia sah sich lächelnd im Quark's um. „Ich muss nachher unbedingt noch tanzen und – oh, NERYS! Hey! Wir sind hier drüben!“

„Major, Sie sehen bezaubernd aus!“, begrüßte Garak die Bajoranerin und musterte anerkennend das samtene rostbraune Kleid, das einer eleganten Toga glich.

„Danke“, leicht verlegen erwiderte Kira das Lächeln und zog sich einen Stuhl heran. „Und?“

Während Jadzia gutgelaunt berichtete, was sie und Worf bisher gemacht hatten, welche Besonderheiten die Holosuiten böten und welche Getränke empfehlenswert seien, kam Worf an den Tisch und nickte grüßend in die Runde. Er reichte Jadzia einen Risas Herbstfunkeln und sank dann mit einem Blutwein in der Hand auf einen von Garak herangezogenen Stuhl. „Danke.“

„Ich hol uns auch noch mal was“, bot Julian an. „Für Sie auch, Kira?“

„Gerne, Julian, danke.“

Mit etwas zu viel Elan erhob sich der Arzt und stützte sich kurz auf Garaks Schulter ab. „Huch. Vielleicht nehme ich lieber was Alkoholfreies für mich ...“ Damit torkelte er kaum merklich zur Bar. Wieder zurück am Tisch verteilte er die Getränke.

„Das sieht mir aber doch sehr nach noch einem Herbstfunkeln für dich aus?“, schmunzelte Miles und nahm dankend sein Ale entgegen. Grinsend zuckte Julian die Schultern und nippte an besagtem Getränk. „Es schmeckt einfach zu gut und immerhin sind wir heute sozusagen auf Risa.“

Entspannt saßen die sechs zusammen, tranken und plauderten. Schließlich sprang die Trill auf, als sich die Musik änderte und ein wenig schneller, lebhafter wurde, wobei sie Kira an der Hand mit zog. „Los, komm!“

„Aber -“ Weiter kam Kira nicht, bevor sie sich mit Jadzia auf der Tanzfläche wiederfand.

„Glück gehabt“, zwinkerte Miles Worf zu, der tatsächlich so etwas wie ein erleichtertes Grinsen zustande brachte. Worfs Glück währte allerdings nicht von Dauer, da zum nächsten Musikstück die beiden Frauen zurückkehrten und während Jadzia ihren Partner mit einem entschlossenen Griff mit sich zog, blieb Kira unschlüssig vor den drei Verbliebenen stehen. „Ach, was soll's“, murmelte Miles halblaut und stand auf. „Major?“

Lächelnd sah Julian den beiden nach und lehnte sich an Elim. „Ich mag dich“, schnurrte er leise.

„So? Vorhin hast du mich noch geliebt“, konnte sich Elim nicht verkneifen und gluckste, als Julians verwirrter Blick ihn fand.

„Mach ich ja auch. Aber ich mag dich trotzdem“, bekräftigte der Jüngere und rückte noch ein wenig näher.

Es blitzte kurz in Elims Augen auf. „Ich mag deine Krawatte.“

„Was?“

„Ja, in der Tat“, bestätigte Elim und ein neckendes Lächeln huschte über seine Lippen. „Ich denke, abgesehen davon, dass sie dir ausgezeichnet steht, mein hübscher Doktor, lassen sich mit deiner Krawatte sicherlich einige Dinge anstellen, die ich noch lieber mag, als die Krawatte um deinen Hals zu bewundern.“

„Hm? … Oh! … Äh ... also … ähm …“, haspelte Julian und grinste dann halb verlegen, halb keck. „Zum Beispiel?“

Der Schneider neigte sich zu Julians Ohr und setzte zu einer Erwiderung an, da ließ sich Miles plötzlich wieder auf seinen Stuhl fallen und atmete tief durch. "Ich bin zu alt für so was ..." Sein Blick huschte zwischen den Partnern hin und her und er hob fragend eine Augenbraue. "Stör ich?"

"Nein", grinste Julian und fuhr selig fort: "Elim wollte mir gerade erzählen, was er alles mit meiner Krawatte anzustellen gedenkt."

"Oh man ..." Der Ingenieur deutete auf die leeren Gläser. "Entweder braucht ihr weniger oder ich mehr."

Garak erhob sich schmunzelnd. "Wie meinte mein liebster Doktor: Immerhin sind wir heute auf Risa."

Verliebt schmachtete Julian ihm hinterher. "Ist er nicht unglaublich?"

"Ja, ja ..."

"Miles, ehrlich! Schau dir doch nur mal seinen Rücken und die Schultern an ..."

"Mehr seh ich ja grad auch nicht ..."

" ... und wie er sich bewegt ..."

"Jules?"

"Hm?"

"Frag ihn endlich!"

Seufzend schüttelte Julian den Kopf und ließ ihn auf die Tischplatte sinken. "Wollte ich vorhin, aber ... ich trau mich nicht", teilte er dieser nuschelnd mit. Nun war es an Miles, zu seufzen und mit kräftigen Bewegungen rieb er mit der Hand über den Rücken seines Freundes. "Warum denn nicht?"

"Was, wenn er doch nein sagt?"

"Wird er nicht."

"Was macht dich so sicher?", seufzte Julian und drehte den Kopf so, dass er zu seinem Freund hoch schmulen konnte. Der zuckte die Schultern. "Nichts Spezielles, ich weiß es einfach."

Nachdenklich schaute Julian ihn an. Plötzlich grinste er.

"Was ist nun los?", erkundigte sich der Ingenieur irritiert.

"Ich seh dich doppelt."

"Du brauchst einen Kaffee."

"Ich brauch nur Elim."

"Oh man ..."

Gewünschter Schneider trat auch just in diesem Augenblick wieder an den Tisch und musterte die beiden Freunde belustigt. "Ich vermute, Julian einen Kaffee mitzubringen, war angebracht?" Er und Miles tauschten ein Grinsen und Julian stützte seinen Kopf auf die Hände. "Danke, Liebling, wenn ich dich nicht hätte ..."

" ... müsste dich der gute Chief vermutlich später in dein Quartier tragen", beendete Garak neckend den Satz.

Sie genossen einige Minuten schweigenden Beisammenseins, bis Kira, Worf und Dax sich wieder zu ihnen setzten. Die Trill stellte eine große Karaffe auf den Tisch und funkelte vergnügt in die Runde. "Quark hat mir einen risanischen Wintereiswein spendiert."

Anerkennend hob Garak seine Stirnwülste und Dax zwinkerte ihm verschwörerisch zu. "Die Waffen einer Frau."

Worf schnaubte, nahm aber dennoch ein Glas entgegen.

"Für mich nicht, Jadzia, danke", winkte Kira ab. "Ich wollte mich mal oben in den Suiten umsehen. Das risanische Dampfbad klingt verlockend. Kommt jemand mit?", fragte sie beim Aufstehen, und als einheitliches Kopfschütteln folgte, ging sie mit einem kurzen "Bis später" alleine los.
Die Verbliebenen stießen gerade an, als der soeben frei gewordene Stuhl erneut besetzt wurde. "Der Abend ist großartig, aber ich brauch einen Moment Pause!" Kal-Jinn lehnte sich mit einem verschmitzten Lächeln zurück und nahm mehr als dankbar ein Glas Wein von Dax entgegen. "Ich hatte ja keine Vorstellung, wie gerne Sternenflottenoffiziere tanzen." Er zwinkerte Dax zu. "Anwesende ausgeschlossen." Genüsslich trank der Risaner einen Schluck und wandte sich an Julian und Garak. "Sie beide habe ich noch gar nicht tanzen gesehen?"

"Öh ..." - "Nun ja ..." Das Paar tauschte einen Blick, während Dax sich interessiert verbeugte und O'Brien ein wenig diskreter die Augenbrauen hob.

"Elim", wandte sich Julian an seinen Partner und machte eine entschuldigende Geste. "Ich gestehe, ich bin gar nicht auf den Gedanken gekommen, mit dir zu tanzen ..."

"Alles gut, mein liebster Doktor." Garak strich ihm kurz sanft über die Wange.

"Garak, Sie können sicherlich gut führen", vermutete die Trill und blickte ihn fast schon herausfordernd an. Der Cardassianer drehte sich zu ihr und erwiderte den Blick mit ähnlicher Intensität. "Möglich." Mit einem fragenden Lächeln wandte er sich an Julian, der grinsend nickte und ihm einen Kuss gab. "Zeig's ihr, Hase", wisperte er ihm leise ins Ohr. "Viel Spaß."

"Danke." Garak erhob sich und reichte Dax die Hand. "Lassen Sie es uns herausfinden, wenn Ihr auserwählter Klingone mir diese Bitte gewährt?"

Worf nickte nur, nachdem Dax ihm ein tatsächlich bittendes Lächeln zugeworfen hatte und schaute dann gemeinsam mit Julian dabei zu, wie ihre Partner zur Tanzfläche gingen.

"Und Sie, Julian?", riss Kal-Jinns warme Stimme den Arzt aus seinen Gedanken.

Überrascht schaute Julian auf und sah den Risaner vor sich stehen, der ihm galant eine Hand entgegen hielt: "Gewähren Sie mir einen Tanz?"

"Was? Ich ... also ...", stammelte Julian und warf einen hilfesuchenden Blick zu Miles. Der bemühte sich kaum, ein Grinsen zu verbergen und gab dem Arzt einen freundschaftlichen Klaps auf die Schulter. "Wäre keine schlechte Idee, allmählich mal tanzen zu lernen, Jules", meinte er verschwörerisch.

"Aber ..."

"Kommen Sie, Julian, einen Tanz?" Kal-Jinn lächelte ihn aufmunternd an und mit einem resignierten Seufzen fasste Julian nach dessen Hand. "Okay, aber ich garantiere für nichts." Er ließ sich von dem Risaner zur Tanzfläche führen und sah sich nervös um. Er hatte seit Jahren nicht getanzt – und da auch nicht unbedingt geschickt - und noch nie mit einem Mann. Warum hatte er nur zugestimmt? "Weil du einen sitzen hast und außerdem hat Miles nicht unrecht", gab er sich selbst Antwort und registrierte, wie Kal-Jinn ihm eine Hand auf den Rücken legte und mit der anderen seine fest umschloss. Wie von selbst legte er seine eigene linke Hand auf Kal-Jinns Schulter. Okay, so verkehrt fühlte sich das gar nicht an. Und nach einigen Takten merkte Julian sogar, dass er tatsächlich Spaß hatte und Kal-Jinn ein hervorragender Tänzer war.

"Sehen Sie, Julian", sprach dieser ihn leise an. "So schlimm ist es nicht, also trauen Sie sich und tanzen Sie mit Garak."

Und als wäre es abgesprochen, endete das Stück und ein langsameres, verträumtes Lied begann. Kal-Jinn verbeugte sich leicht und warf einen bedeutungsvollen Blick hinter Julian. Verwundert drehte Julian sich um und fand sich Elim gegenüber wieder, der ihn mit einem liebevollen Funkeln in den Augen anlächelte. "Darf ich bitten?"

"Äh, klar", war alles, was Julian herausbrachte, als Elim ihn an sich zog und sanft durch die ersten Takte führte. Sein Herz schlug aufgeregt und unbewusst rückte er näher an Elim, dessen Hand auf seinem Rücken eine sichere Wärme ausstrahlte. Julian merkte, wie die Ruhe seines Partners auf ihn überging und er lehnte seine Wange an Elims.

"Alles in Ordnung?", vergewisserte sich der Cardassianer leise. Ihm war durchaus bewusst, wie neu und fremdartig diese Situation Julian anmuten musste. In all den Monaten ihres Zusammenseins hatten sie sich in der Öffentlichkeit zwar zueinander bekannt, aber dabei hielten sie stets eine gewisse Diskretion aufrecht. Nicht, weil sie sich in irgendeiner Form unwohl fühlten, es war schlicht und ergreifend ihre Art. Und nun teilten sie einen doch sehr intimen Moment mit allen.

"Hmmmmh", schnurrte Julian glücklich und küsste ihn zärtlich neben das Ohr. "Würde ich dich nicht schon so unsagbar lieben, spätestens jetzt hätte ich mich in dich verliebt."

Garaks Herz machte einen kleinen Freudenhüpfer - etwas, das er, bevor er Julian kennengelernt hatte, stets als lächerliche Redewendung abgetan hätte - und er drückte ergriffen die Hand seines Liebsten. Wie sehr hing er doch inzwischen an seinem Doktor. Sanft rieb er mit seiner Nasenspitze über Julians Wange und lächelte.

Als das Stück endete, verharrten sie noch einen Augenblick, dann bot der Cardassianer Julian zwinkernd seinen Arm an. „Darf ich den Herren noch auf einen Drink einladen?“

„Ein weiser Mann riet mich, nicht so gutgläubig auf die freundlichen Angebote von Fremden einzugehen“, neckte Julian und hakte sich unter. „Aber bei so einem attraktiven Mann kann ich einfach nicht ablehnen.“

Das Paar schlenderte zurück an ihren Tisch, wo Miles alleine saß und ihnen lächelnd entgegen blickte. „Euch beide zu seh'n, wärmt einem richtig das Herz“, brummelte er freundlich und trank einen Schluck aus seinem Glas. „Hab euch'n Ale mitbestellt ...“

Grinsend ließ sich Julian neben ihm nieder. „Du lallst ja.“

„Tuichnich ...“

„Oh doch, guter Chief, eine nicht zu leugnende Tatsache“, foppte nun auch Garak und schob sein Ale zu Julian. „Vielen Dank, Miles, aber ich hole mir noch ein Risas Herbstfunkeln.“

„Oh, bring mir eins mit, bitte“, rief Julian ihm nach und Garaks Ale wanderte weiter zu Miles, der seinen Kopf an Julians Schulter lehnte. „Weißt du, du solltest ihn frag'n … ehrlich.“

„Versprochen“, versicherte der Jüngere leise und klopfte seinem Freund auf die Schulter. „Ganz sicher.“

Garak kam mit den Getränken zurück und blickte mit einem Schmunzeln auf die beiden Männer, die Kopf an Kopf mit geschlossenen Augen da saßen. Doch als er sich neben Julian setzte, schlug dieser die Augen auf. „Miles ist eingeschlafen“, teilte er giggelnd mit, wobei das Haupt des Schlafenden von seiner Schulter rutschte. Vorsichtig bettete der Arzt Miles' Stirn auf der Tischplatte, strich ihm über die Haare und schob die Gläser ein Stück zur Seite.

„Wollen wir ihn nicht in sein Quartier bringen?“

„Der wacht bestimmt gleich wieder auf“, widersprach Julian und nickte Richtung Dax und Kira, die fröhlich auf ihren Tisch zukamen.

„Hat's Miles umgehauen?“ Grinsend schüttelte die Bajoranerin den Kopf und nippte an ihrem Cocktail. Jadzia indessen strahlte Julian und Garak an. „Aaaaw, ihr zwei saht so süß beim Tanzen aus!“

„Ich lasse Ihnen das in Anbetracht der späten Stunde und des großzügigen Alkoholgenusses als Kompliment durchgehen“, meinte Garak zwinkernd, während Julian stöhnend den Kopf neben Miles' legte.

„Schön, ihr seid noch da.“ Kal-Jinn tauchte auch noch auf und blieb kurz mit einem verwunderten Blick auf Miles und Julian stehen.

„Alles gut, Kal-Jinn“, winkte die Trill ab. „Miles ist eingeschlafen und Julian … ist er nicht niedlich?“

Man musste dem Risaner zugute halten, dass er zwar breit grinste, aber im Gegensatz zu den anderen nicht in freundschaftliches Giggeln ausbrach. „Hast du ihm etwa gesagt, wie romantisch und schön der Anblick von ihm und Garak beim Tanzen war?“

„Leute!“, beschwerte es sich aus Richtung Tischplatte, was Garak dazu veranlasste, seinem Partner liebevoll den Rücken zu kraulen.

„Du bist aber auch manchmal niedlich ...“, lallte ein anderer Teil des Tisches schläfrig und Miles' Kopf hob sich. „Molly sagt das auch. Wenn sie groß ist, will sie Onkel Julian heiraten, wenn Onkel Garak das erlaubt.“

„Ich glaube“, meinte Garak bedauernd. „Da muss ich ausnahmsweise deiner Tochter einen Wunsch abschlagen.“

„Aaaaaaw!“ Kira und Dax tauschten einen Blick, aber bevor sie etwas sagen konnten, erhob sich Miles schwankend. „Ich brauch'n Kaffee.“

Grinsend stand Kira auf und legte dem Torkelnden einen Arm um die Hüfte. „Ich begleite Sie mal lieber zur Bar.“

„Geht es dem Chief gut?“, erkundigte sich Worf besorgt, der soeben an den Tisch trat. „Und Doktor Bashir?“

„Ja, alles in Ordnung.“ Die Trill zog ihren Klingonen zu einem Kuss herab. „Der Abend ist unschlagbar“, wandte sie sich dann an den Risaner. „Quark hat mit eurer Unterstützung Großartiges geleistet.“

„Vielen Dank“, erwiderte der Risaner mit einer leichten Verbeugung. „Da ich euch vier gerade auf einem Platz zusammen habe ...“ Er machte eine bedeutungsvolle Kunstpause, was Julian dazu brachte, sich neugierig von der Tischplatte aufzurichten. „Ihr habt mir den Aufenthalt hier sehr angenehm gemacht“, fuhr Kal-Jinn fort und nickte besonders Garak dankend zu. „Ich möchte euch gerne für ein Wochenende nach Risa einladen. Drei Tage im 'Tanzende Blätter', ein etwas kleineres Ressort an der Küste. Was meint ihr?“

„Oh, Kal-Jinn, das ist ja super, natürlich!“, stimmte die Trill sofort zu und umarmte ihren Freund. Auch Julian strahlte: „Wow, ja, liebend gerne!“

„Jadzia ...“, wagte Worf einzuwerfen und Garak tippte Julian ebenfalls auf die Schulter: „Auf ein Wort, mein liebster Doktor. Entschuldigt uns kurz“, bat er die anderen mit einem Lächeln und zog den euphorischen Julian mit sich in einige Schritte Entfernung.

„Elim, Risa! Das ist doch super! Sonne, Wärme, Nichtstun ...“

„Schon“, unterbrach Elim ihn sanft. „Aber drei Tage mit deinem klingonischen Kollegen … ich weiß nicht.“

„Oh. Stimmt.“ Nachdenklich zog der Arzt die Stirn kraus, dann huschte ein sonniges Grinsen über sein Gesicht und er rückte näher an seinen Partner. „Du, Elim … ich glaub nicht, dass wir die anderen viel sehen werden, dafür sorg ich schon ...“ Er wippte vielsagend mit den Augenbrauen und entlockte Elim ein Glucksen. „Außerdem“, fuhr Julian fort. „Wann wirst du je so schnell wieder die Gelegenheit finden, mich drei Tage in Badehose zu bewundern?“

Der Schneider zog seinen Partner eng an sich. „Du spielst mit unfairen Mitteln, Julian Bashir!“

„Heißt das ja?“

„Nun, zum einen kann ich dir ohnehin nichts abschlagen und zum anderen“, Garak griff nach Julians Krawatte und zog neckend daran. „ist die Aussicht, dich mehrere Tage wenig bis gar nicht bekleidet zu sehen, durchaus verlockend.“

Julian erwiderte das Lächeln, während er noch ein ganz wenig näher an Elim rutschte. „Und ich dachte immer, du liebst meinen Intellekt ...“

„Korrekt, den liebe ich auch, aber deinen Körper begehre ich.“

„Hmmmm ...“ Die altbekannte Röte schoss dem Jüngeren in die Wangen und ein Kribbeln jagte durch seinen Körper. Garak küsste ihn zärtlich auf die Stirn und wollte sich wieder zu den anderen aufmachen, aber Julian hielt ihn fest. „Bleib noch“, hauchte er ihm ins Ohr und schmiegte sich an ihn.

„Immer“, erwiderte Elim ebenso leise. „Wenn du mich bittest …?“

Julians Herzschlag setzte kurz aus. Wie meinte Elim das jetzt? So, wie er es verstand? Sein Magen begann zu flattern und er schluckte. Zögerlich suchte er den Blick seines Partners, der ihn zärtlich und unerwartet intensiv ansah.
„Elim“, begann Julian und räusperte sich. „Muss ich dich denn bitten zu bleiben?“ Feigling, schimpfte er sich stumm selbst, aber dann lächelte Garak ihn so tief an, dass Julian nicht umhin kam, es genauso zu erwidern.

Sanft strich der Cardassianer seinem Partner über die Wange und schüttelte leicht den Kopf. „Nein, mein Liebster, musst du nicht.“ Elim senkte seine Stirn auf Julians. „Ich hab mich schon lange dazu entschlossen, bei dir zu bleiben ...“

„Das ist gut“, flüsterte Julian zurück und küsste Elim zärtlich. „Lass uns wieder zu den anderen gehen und ihnen Bescheid geben.“

Am Tisch zurück, lächelte ihnen Kal-Jinn bereits zu. „Sie nehmen meine Einladung also an?“

Julian nickte. „Sehr gerne, Kal-Jinn.“

Fröhlich klatschte Jadzia in die Hände. „Super, ich checke gleich morgen unsere Dienstpläne und rede mit Benjamin, wann wir frei bekommen.“ Dann streckte sie sich genüsslich. „Okay, für heute reicht es aber. Komm, Worf, du musst zuhause noch ein Versprechen einlösen.“ Sie zwinkerte ihrem Mann zu und die beiden verabschiedeten sich mit dem Hinweis, dass sie morgen zum Verabschiedungsfrühstück von Kal-Jinn im Replimaten zusammenkommen wollten.

In dem Moment kamen auch Kira und ein deutlich weniger schwankender, wenn auch müder Miles wieder zurück.

„Ich denke, wir machen uns auch allmählich auf den Heimweg?“, schlug Julian Elim und Miles vor. Die beiden nickten und Julian wandte sich an Kira: "Brechen Sie auch auf? Dann können wir ja noch ein Stückchen zusammen gehen."

„Danke, Julian, aber ...“, erwiderte die Bajoranerin und ein verlegener Blick huschte zu Kal-Jinn, der sich lächelnd erhob und eine Arm um Kiras Taille legte. „Nerys äußerte den Wunsch, noch ein wenig zu Tanzen.“

Während Miles' und Garaks Augenbrauen beziehungsweise Stirnwülste in die Höhe schossen, grinste Julian verstehend. „Na, dann wünsch ich noch eine schöne Restnacht.“

Die drei sahen den beiden nach wie sie Richtung Tanzfläche strebten, dann hakte sich Julian links und rechts bei Miles und Elim unter. „Ab nach Hause.“

Gemächlich schlenderten sie das zu dieser Stunde gänzlich leere Promenadendeck entlang, bis Julian plötzlich stehen blieb. „Sagt mal, habt ihr auch Lust auf Kuchen?“

„Spinnst du, es ist mitten in der Nacht!“, brummte Miles ungläubig.

„Was hat das denn mit der Uhrzeit zu tun?“, lachte der Arzt. „Komm schon, ein warmer Brownie mit Vanilleeis ...“

„Klingt wirklich gut ...“, stimmte Miles zögerlich zu und rieb sich den Magen. „Dazu eine Tasse Tee ...“

„ … mit Sahne und Honig ...“

„Okay, überzeugt!“ Zielstrebig steuerte der Ingenieur den gegenüberliegenden Replimaten an, während Garak seinem Partner einen teils belustigten, teils ungläubigen Blick zuwarf. „Ernsthaft, mein liebster Doktor?“

Julian grinste nur, nahm Garak bei der Hand und zog ihn mit sich. Wenig später saßen die drei in stiller Harmonie vor einem großen Teller mit warmen, zartherben Brownies, auf denen das Vanilleeis langsam schmolz. Garak nippte an seinem Tee und schaute mit einem zufriedenen Lächeln zwischen seinem Partner und seinem Freund hin und her. Wer hätte das je erwartet?
End Notes:
XD Eigentlich sollte das ja ein feuchtfröhlicher bunter Abend werden ... aber Josh ... *seufz* Beschwerden bitte direkt an den fantastischen Josh Groban mit seinen wundervollen Flauschehaaren und der unglaublichen Stimme - und ich bin ja schon ruhig ... ^^
Falling Leaves (Brian Crain) by Amber
Ein warmer, spielerischer Hauch in seinem Nacken holte Garak sanft aus dem Schlaf. Ohne sein Zutun legte sich ein Lächeln auf sein Gesicht und ein wohliges Prickeln durchfuhr seinen Körper.

"Guten Morgen, mein Liebling", vernahm er Julians leise Stimme an seinem Ohr. "Aufwachen, wir haben etwas verschlafen ..."

"Ausreichend, um im Bett bleiben zu können?"

"Nein", giggelte Julian. "Ausreichend, damit du noch zwanzig Minuten Zeit hast." Er küsste Garak zärtlich auf die Wange und erhob sich vom Bett. "Ich war schon im Bad, es gehört also ganz dir."

Seufzend setzte sich der Cardassianer auf, sein Blick fiel auf Julians über der Stuhllehne hängende Krawatte und er grinste vergnügt. Gestern Nacht waren sie beide mit dem festen Vorhaben heimgekommen, Garaks Krawattenidee aufzugreifen. Doch kaum hatten ihre nackten Körper das weiche, kuschelige Lager berührt und sich unter den zärtlichen Liebkosungen des geliebten Partners entspannt, hatte auch schon der Schlaf seine warmen Hände über sie ausgebreitet.
Versonnen stand Garak auf und ging ins Bad, um sich fertig zu machen. Aus dem Wohnbereich hörte er seinen Partner gutgelaunt vor sich hin pfeifen. Julian erstaunte ihn immer wieder. Sie hatten gerade mal vier Stunden geschlafen und Julian sah nicht nur ausgesprochen munter aus, nein, er schien es sogar zu sein. Garak schüttelte ansatzweise den Kopf, unterbrach diese Tätigkeit dann aber rasch, als ein stechender Schmerz ihn daran erinnerte, dass er vielleicht den einen oder anderen Risas Herbstfunkeln zu viel hatte.

„Geht's dir gut?“, erkundigte sich Julian besorgt, als Garak mit leicht gerunzelter Stirn zu ihm ins Wohnzimmer kam und sich den Kopf rieb. „Kater?“

„Bitte?“

„Spürst du die Nachwirkungen des Alkohols?“, klärte Julian ihn auf. „Das ist ein terranischer Ausdruck: einen Kater haben. Der Begriff hat sich ungefähr Mitte des 19. Jahrhunderts geprägt, vermutlich ist er aus dem Wort Katarrh entstanden, das - ...“

„Mein liebster Doktor“, unterbrach Garak sanft den Redefluss. „So gerne ich deiner entzückenden Stimme lausche und Neues lerne … Ja, ich denke ich habe einen Kater.“

Julian schloss zu ihm auf und strich ihm über die Stirn. „Soll ich dir was gegen die Kopfschmerzen geben? Übelkeit auch?“

„Danke, es wird schon gehen“, lehnte Garak ab und atmete tief durch. „Nach einem Tee und etwas Bewegung fühle ich mich sicher besser.“

„Und wenn nicht ...“

„... finde ich den Weg zur Krankenstation.“


***


„Guten Morgen ihr zwei!“, wurde das Paar kurz darauf von einer fröhlichen Jadzia begrüßt, die zwischen einem finster guckenden Worf, einer gähnenden, aber durchaus zufrieden aussehenden Kira und einem müde lächelnden Kal-Jinn saß. Sie hatten zwei Tische zusammengeschoben, so dass ausreichend Platz für alle war.

„Guten Morgen“, grüßte Julian zurück und drückte Garak sanft auf einen Stuhl. „Ich bring dir was Leichtes mit.“

Kira sah Garak mitfühlend an. „Nachwehen?“

„Ein wenig.“

„Probieren Sie das mal!“ Jadzia reichte dem Cardassianer ein Glas mit bitter riechender, sprudelnder Flüssigkeit. „Curzons Geheimrezept, es wirkt wahre Wunder.“

„Ich bin nicht gänzlich überzeugt ...“

„Vertrauen Sie Ihr, Garak“, mischte sich Kal-Jinn lächelnd ein und legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Ich habe es auch schon einige Male getrunken. Das schlimmste daran ist der Geruch und der Geschmack.“

„Sehr amüsant“, schnaubte Garak und nahm zögerlich das Glas entgegen. Er schnupperte und drehte den Kopf rasch – zu rasch, wie dieser sich beschwerte – zur Seite. „Ich verzichte.“

„Trinken Sie“, empfahl nun auch Worf. „Einfach ansetzen und runter damit. Ich weiß, wovon ich spreche.“

„Das wage ich nicht zu bezweifeln, aber – Oh, mein lieber Doktor, gut, dass du zurück bist“, wandte sich Garak erleichtert an seinen Partner, der ein Tablett mit Raktajino, Tee, Trauben und Butterhörnchen abstellte. „Was sagst du dazu?“ Er hielt Julian das Glas hin.

„Aaah, Curzons geheime Medizin! Es schmeckt scheußlich, aber die Übelkeit verschwindet. Wohl bekomm's!“ Aufmunternd klopfte der Arzt seinem Partner auf den Rücken.

Alle Augenpaare richteten sich auf den Cardassianer, der einen tiefen Seufzer tat und dann mutig das Glas ansetzte. Am liebsten hätte er den Inhalt sofort wieder ausgespuckt, als sich ein bitterer Geschmack in seinem Mund ausbreitete und ihm gleichzeitig heiß und kalt werden ließ. Unwillkürlich schüttelte er sich und keuchte leicht. „Du meine Güte ...“

„Besser?“, erkundigte sich Jadzia mit einem triumphierenden Grinsen und in der Tat, Garak stellte fest, dass die Übelkeit verschwunden war.

„Ich bin beeindruckt, meine Liebe. Beeindruckt und ein wenig angewidert. Aber vielen Dank."

Lachend schüttelte die Trill den Kopf. "Nichts zu danken. Wo steckt Miles?"

"Zuhause", antwortete Julian kauend und trank einen Schluck Raktajino. "Er meinte gestern noch, er mag lieber mit der Familie frühstücken, wenn er schon so lange unterwegs war."

Allseits verstehendes Gemurmel und Genicke.

Dass die Nacht für alle kurz war, zeigte sich darin, dass das Frühstück relativ schweigsam vonstatten ging - was ob der Anwesenheit von Jadzia und Julian schon an ein Wunder grenzte, wie Garak in Gedanken schmunzelte.

"Okay, ich werde dann mal zur Krankenstation losgehen." Julian küsste Garak auf die Stirn, erhob sich und wandte sich an Kal-Jinn: "Es hat mich wirklich sehr gefreut, dass wir uns kennengelernt haben!"

Der große Risaner stand ebenfalls auf und trat zu Julian. "Mich auch, sehr sogar." Damit zog er den Arzt in eine feste Umarmung, die dieser gerne erwiderte. "Wir sehen uns bald auf Risa, Julian", sprach Kal-Jinn ihm leise ins Ohr und senkte dann noch mehr die Stimme, so dass Julian sich anstrengen musste, ihn zu verstehen: "Frag ihn, er wird ja sagen."

Überrascht drehte Julian den Kopf, um den Risaner anzusehen. "Woher weißt du ...?", wisperte er.

"Ich hab Augen im Kopf", erklärte Kal-Jinn grinsend und schlug Julian freundschaftlich auf die Schulter. Julians Wangen färbten sich rot und er schüttelte lächelnd den Kopf: "Ich halt dich auf dem Laufenden."

"Mach das, ich muss ja auch wissen, ob ich für euren Aufenthalt was Spezielles planen muss."

Lachend knuffte Julian den Risaner in die Seite, um sich dann nochmal zu seinem Partner zu neigen, der die beiden mit fragender Neugier beobachtet hatte. "Ich liebe dich, hab ich dir das heute schon gesagt?", flüsterte Julian ihm ins Ohr, küsste ihn sanft auf die Wange und verließ dann winkend und fröhlich pfeifend den Replimaten.

Mit hochgezogenen Stirnwülsten blickte Garak Kal-Jinn an, der sich neben ihn setzte. „Sollte ich etwas wissen?“

„Alles zu seiner Zeit, mein Guter“, antwortete der Risaner mit einem geheimnisvollen Zwinkern.

Theatralisch seufzend zuckte Garak die Schultern und widmete sich wieder seinem Kräutertee.


***


Nach dem Frühstück verabschiedeten sich Dax und Kira unter vielen Umarmungen und Küsschen von Kal-Jinn, auch Worf ließ sich in eine herzliche Umarmung ziehen, nachdem die Trill ihm einen augenrollenden Blick zugeworfen hatte.

„Ich werde dich vermissen!“ Jadzia drückte ihren Freund noch einmal feste. „Und es ist wirklich in Ordnung, dass ich nicht bis zu deinem Abflug bei dir bleiben kann?“

„Natürlich, Jadzia“, erwiderte der Risaner. „Garak wollte mir noch seinen Laden zeigen und mit Sicherheit werde ich noch viel zu viel Geld ausgeben, weil sein Angebot einfach unwiderstehlich ist.“

Der Schneider deutete eine lächelnde Verbeugung an und wartete, bis Kal-Jinn sich von allen verabschiedet hatte. Dann schlenderten die beiden gemächlich das Promenadendeck entlang, bis sie schließlich vor „Garaks Kleider“ standen. Garak schloss den Laden auf, schaltete das Licht ein und machte eine einladende Geste: „Willkommen in meinem bescheidenen Atelier.“

„Vielen Dank!“ Kal-Jinn trat ein und ließ seinen Blick anerkennend schweifen, bis er an einem gemütlich aussehenden blauen Sofa hängenblieb, das etwas versteckt im hinteren Ladenbereich stand und irgendwie nicht so ganz in das Gesamtbild des Ladens passen wollte. „Wenn ich eine Vermutung anstellen darf … Julian?“

Schmunzelnd nickte der Cardassianer. „Er hat bisweilen die etwas enervierende Angewohnheit, seinen entzückenden Hintern auf meinem Arbeitstisch zu platzieren. Und irgendwann habe ich dann resigniert, es war einfach keine Wille zur Besserung in Sicht.“ Mit einer unbewussten, sehr liebevollen Geste strich Garak über den Stoff des Sofas. „Und ich gestehe, inzwischen genieße ich es, mir hin und wieder eine Teezeit darauf zu gönnen.“

„Ihr steht euch wirklich sehr nah." Kal-Jinn trat neben Garak und legte ihm eine Hand auf die Schulter. "Bewahr dir das Gefühl gut, so etwas ist nicht selbstverständlich und ein unbeschreibliches Glück."

Garak erwiderte das Lächeln herzlich. Dass Kal-Jinn soeben zum vertraulichen "Du" gewechselt hatte, erschien ihm überaus passend und freute ihn. "Nun, genug geträumt, lass uns einmal schauen, was wir für dich finden." Enthusiastisch drehte sich der Schneider herum und hob den Zeigefinger. "Ich habe einen wunderschönen petrolfarbenen Stoff, der hervorragend zu deinen Augen passen wird und dazu ..."


***


Die nächsten Tage nach der Risanischen Nacht kamen den Stationsbewohnern ein wenig langweilig und trist vor und so kam es, dass es zur Abwechslung mal Garak war, der deutlich mehr zu tun hatte als Julian, da anscheinend jeder zweite Bewohner – bevorzugt weiblichen Geschlechts – in seinen Laden kam und ein „lockeres, bunteres Kleid“ haben wollte.

Gerade saß Julian nach Schichtende auf dem Sofa, trank einen Raktajino und sah seinem Partner dabei zu, wie dieser einer etwas korpulenteren Dame auf möglichst diplomatische Weise von dem Kauf eines pinken, weiten Kleides mit gerafftem cremefarbenem Tüll abraten wollte; dabei konnte er sich nur mühsam ein Lachen verkneifen. Letztendlich half keine Diplomatie, keine Schmeichelei und keine Bestechung – die Kundin verließ samt Kleid strahlend den Laden und der Schneider hängte entschieden das „Geschlossen“-Schild an die Tür.

„Ach, Elim, komm schon“, versuchte Julian ihn lachend aufzuheitern. „Du hast alles versucht. Denk doch einfach daran, dass sie bei der nächsten Geburtstagsparty glatt als Torte auftauchen könnte!“

„Du bist unmöglich, mein liebster Julian“, seufzte Garak schmunzelnd und strich ihm liebevoll über die Haare.

„Und entzückend“, fügte der Arzt grinsend hinzu und half dabei, den Laden aufzuräumen. „Übrigens hat Jadzia mit dem Captain geredet. Vermutlich können wir tatsächlich nächsten Monat einige Tage frei bekommen, um nach Risa zu fliegen.“

„Oh, das sind ganz ausgezeichnete Nachrichten, mein Liebling.“

Julian trat an seinen Partner heran und umarmte ihn fest. „Ich freu mich schon sehr darauf. Endlich mal wieder ein paar Tage mit dir ganz ungestört, kein Kommunikator, kein medizinischer Notfall im ungünstigsten Moment ...“

Zärtlich spielte Garak mit den weichen Haaren in Julians Nacken. Er wusste, wie sehr Julian seinen Beruf liebte, aber er verstand, dass ihn dieser momentan stark an seine Grenzen brachte. Eine Auszeit würde ihm mehr als gut tun.

„Komm, mein liebster Doktor, lass uns nach Hause gehen.“

Im Quartier angekommen machte Julian das, was Garak mit einem liebevollen Grinsen die "Babyrunde" nannte: Er huschte zum Fächerahorn, musterte ihn kurz und nickte dann zufrieden, ehe er seinen Blick über die drei anderen Jungpflanzen - allesamt verschiedene Ahorne - im Raum wandern ließ, die Garak vor einigen Tagen geholt hatte.

"Alles zur Zufriedenheit, Herr Doktor?", fragte Garak lächelnd. Es war nicht unbedingt so, dass Julian viel von Zimmerpflanzen verstand oder sich darum kümmerte, aber er schien jedes Bäumchen tatsächlich sehr gerne zu haben.

Der Mensch erwiderte das Lächeln und rieb sich etwas verlegen die Stirn. "Alles noch voller Blätter. Tee?"

"Gerne."

Während Julian Tee bereitete, goss Garak die Pflanzen und ließ sich dann neben seinem Partner auf das Sofa sinken. Dankend nahm er den Tee entgegen und seufzte entspannt. Das wohlige Gefühl "Zu Hause" erfüllte jede Faser seines Körpers und Julians munteres Plappern lieferte die vertraute Begleitmusik.

"Triffst du dich heute noch mit Miles?", erkundigte er sich.

"Ist noch nicht sicher. Er steckt irgendwo in einer Röhre und streitet sich mit den Plasmaleitungen. Pass auf“, fügte er grinsend hinzu und betätigte seinen Kommunikator: „Bashir an O'Brien.“

“O'Brien hier, was gibt’s?“

„Na, wo steckst du, Miles?“

“Sehr lustig, Jules. Was willst du?“

„Nur mal nach dir hören.“

“Okay, das ist nett“, brummelte es auch dem Kommunikator. “Ich melde mich, wenn ich hier fertig bin. Bis dann.“

„Bis später“, beendete Julian die Verbindung und drehte sich an Garak, der schmunzelnd den Kopf schüttelte: „Dass du herzerfrischend albern mit einer Tendenz zu boshaft sein kannst, habe ich bereits einmal erwähnt?“

Lachend kuschelte der Arzt sich an seinen Partner. „In der einen oder anderen Form ohne das 'boshaft' – ja, schon einige Male.“ Er krabbelte mit seiner Hand unter Garaks Tunika, um dessen warme Haut zu streicheln. Nach einigen Augenblicken hielt er in der Bewegung inne, runzelte die Stirn und blickte zu Garak hinauf. „Du, Liebling?“

„Hm?“

„Kann es vielleicht sein, dass du … hm ...“, er räusperte sich und setzte ein möglichst unschuldig-diplomatisches Lächeln auf, „ein ganz klein wenig zugenommen hast?“

„Bitte?!“, echauffiert richtete der Cardassianer sich auf und maß seinen Partner empört. „Mitnichten!“

„Doch, ich denke schon. Ist doch nicht schlimm!“, fügte Julian eilig hinzu und küsste Garaks Nase.

„Mein liebster Doktor, das möchte ich vehement von mir weisen!“

Seufzend und mit einem spitzbübischen Grinsen hangelte Julian neben dem Sofa nach seiner Arzttasche, förderte einen Tricorder zutage und richtete diesen auf den halb belustigten, halb empörten Garak. „Da“, meinte der Arzt schließlich und zeigte ihm die Anzeige. „Dein Körperfettanteil ist um 1,3 Prozent gestiegen!“

„Das … kann nicht sein.“

„Der Tricorder lügt nicht“, grinste Julian, warf diesen zurück in die Tasche und schmiegte sich wieder an seinen Liebsten. „Mach dir nichts draus, ich liebe jedes Gramm an dir.“

„Du spottest mir, du unsäglicher Plagegeist!“

„Niemals“, behauptete der Jüngere und konnte ein Glucksen nicht mehr zurückhalten.

„Ich glaube, ich gehe noch eine Runde über das Promenadendeck.“

Bei jeder anderen Person wäre diese Aussage als Maulen klassifiziert worden, bei Garak klang es nach einer höflichen Information – mit einem leicht schnippischen Unterton, wie Julian lachend registrierte, als er seinen aufstehenden Partner am Ärmel festhielt.

„Elim, setz dich wieder“, giggelte er. „Du siehst nach wie vor fantastisch aus und außerdem mag ich den Nachmittag gerne mit dir verbringen. Sei nicht beleidigt.“

Seufzend beugte der Cardassianer sich zu Julian hinab und küsste ihn liebevoll auf die Stirn. Wenn er ehrlich zu sich selbst war, hatte Julian nicht ganz unrecht, er war in der Tat in den letzten Monaten ein wenig bequem geworden. „Ich bin nicht beleidigt, mein Liebster. Na gut“, fügte er hinzu, als Julian ihn wissend mit hochgezogenen Augenbrauen angrinste. „Vielleicht ein wenig … verstimmt … Dennoch, ich denke, ein Spaziergang wäre angemessen.“

„Elim …“

„Ich bin dir nicht böse, auch wenn du eine unwahrscheinlich undiplomatische Art besitzt, unliebsame Fakten von dir zu geben.“

„Ich bin Arzt, kein Diplomat und außerdem ...“

„Bis später, mein liebster Julian.“ Damit küsste Garak seinen Partner nochmal zärtlich auf die Stirn und verließ das Quartier, Julians grinsendes Augenrollen und Seufzen entging ihm dabei glücklicherweise. Natürlich war er nicht böse auf Julian, er wusste, dass sein Liebster ihn liebte und ihn auch nicht kränken wollte. Allerdings fehlte Julian manchmal die Gabe, seine Worte nicht direkt auf der Zunge zu tragen. Lächelnd schüttelte der Cardassianer den Kopf. Es stimmte, er hatte vor seiner Beziehung mit dem Arzt tatsächlich hin und wieder in seinem Quartier etwas für seine körperliche Fitness getan.

„Garak, hallo!“, riss ihn eine Stimme aus den Gedanken und er drehte sich herum.

„Major Kira, welch ausgesprochene Freude, Sie zu treffen.“

Die Bajoranerin erwiderte sein Lächeln, zog dann aber besorgt die Stirn kraus: „Ist alles in Ordnung? Sie wirken ziemlich nachdenklich?“

„Oh, danke, alles bestens“, versicherte Garak, hörte aber selbst, dass er nicht sonderlich glaubhaft klang und so fügte er mit einem resignierten Schulterzucken hinzu: „Ich vertrete mir nur etwas die Beine, nachdem mein feinfühliger Liebster mich überaus charmant darauf hinwies, mir könnte ein wenig mehr Bewegung gut tun.“

„Das hat er nicht wirklich?“, empörte sich Kira und schüttelte ungläubig den Kopf. „So taktlos kann nicht mal Ju- doch. Moment. Kann er.“

Ob der rechtschaffenen Empörung in Kiras Gesicht musste Garak lachen. „Es ist in Ordnung, zu meiner Schande muss ich gestehen, dass er Recht hat. Und nun denke ich über eine Lösung nach.“

Kiras Blick wurde nachdenklich, sie wog den Kopf hin und her und nickte schließlich, ehe sie zu dem Cardassianer aufsah und ihm ein ehrliches, freundliches Lächeln schenkte: „Garak, ich bin gerade auf dem Weg zur Trainingshalle und wollte mich im Nahkampf üben … Wenn Sie möchten … Sie wären bestimmt eine interessantere Gesellschaft als ein Hologegner?“

Überrascht hob Garak seine Stirnwülste. „Nun … ich bin mir nicht sicher ...“

„Ach, kommen Sie“, die Bajoranerin schlug ihm kameradschaftlich auf die Schulter. „Vermutlich können wir eine Menge voneinander lernen, nicht?“

Nun war es an Garak, nachdenklich den Kopf von einer Seite zur anderen zu neigen … „Warum nicht, Sie haben recht! Allerdings habe ich keine angemessene Gewandung bei mir ...“

„Kein Problem“, winkte Kira ab. „Der dortige Replikator hat Sportkleidung jedweder Art und Schallduschen sind auch vorhanden, wir können also direkt los.“

„Einverstanden. Ich würde nur eben noch Julian informieren, falls er mich sucht ...“

„Moment. Kira an Bashir!“

“Bashir hier?“

„Garak wird mich zur Trainingshalle begleiten.“

“Äh … okay?“

„Gut. Dann Ihnen einen schönen Nachmittag, Julian.“

“Okay …“

Mit einen spitzbübischen Funkeln in den Augen trennte die Bajoranerin die Verbindung und grinste Garak an. „Jetzt hat er was zum Nachdenken. Auf geht’s!“


***

Eineinhalb Stunden später saßen der Cardassianer und die Bajoranerin erschöpft, aber zufrieden und - vor allem - verschwitzt Schulter an Schulter an die Wand der Halle gelehnt und tranken Wasser aus Flaschen.

Garak lächelte still vor sich hin. Wer hätte diese Situation je voraussagen können: eine ehemalige Widerstandskämpferin und ein ehemaliger Aggressor, Seite an Seite nach einem freundschaftlichen Kampftraining?

Kira schien ähnliches durch den Kopf zu gehen, denn sie wandte sich mit einem nachdenklichen Ausdruck in ihren dunklen Augen Garak zu. "Was meinen Sie ...", sie hielt kurz inne, dann machte sich ein offenes und sehr herzliches Lächeln auf ihrem Gesicht breit. "Nerys, einverstanden? Lass uns die Vergangenheit endlich abschließen. Freunde?"

Perplex und mehr als erstaunt erwiderte Garak den Blick und schaute dann auf Kiras ausgestreckte Hand. Der Frau schien es ernst zu sein! Er war sich nicht sicher, was ihn mehr überraschte: die Tatsache, dass Kira ihm das Du anbot oder dass eine Bajoranerin ernsthaft bereit war, einem Cardassianer zu vergeben?

Ohne es bewusst zu steuern, ergriff er Kiras Unterarm in der Art des bajoranischen Gruß und drückte ihn herzlich.

"Nichts lieber als das, Nerys", sprach er gleichermaßen gerührt und verwundert aus und fügte mit einem leichten Neigen des Kinns hinzu: "Elim."

Sie verharrten kurz in dieser Position, schauten einander fest in die Augen und verstanden in diesem Moment all die ungesagten Dinge, die nur jemand verstehen konnte, der die Besatzungszeit miterlebt hatte: Reue, Schuld, Wut, Trauer, Stolz und über allem der Wunsch nach Vergeben für all die begangenen Gräueltaten.

Zeitgleich nickten sie und lösten lächelnd den Griff.

"Darauf sollten wir anstoßen!", entschied Kira und grinste. "Bist du bereit, Julians Neugier und Geduld noch etwas zu strapazieren?"

"Mit dem größten Vergnügen, dieser Anlass soll wirklich gebührender als mit Wasser gefeiert werden", zwinkerte Garak.


***

Kurz darauf saßen die beiden geduscht und frisch an einem Tisch im Quark's und stießen mit einem von Quark empfohlenen andorianischen Eiswein an.

"Elim, darf ich dich etwas fragen?"

"Natürlich."

"Du musst auch nicht darauf antworten ..."

"Zu jeder Frage gibt es mehrere passende Antworten, liebe Nerys", entgegnete Garak mit einem vergnügten Zwinkern.

"Gut. Du und Julian", begann Kira zögerlich, "Das frage ich mich schon die ganze Zeit, wie ist es dazu gekommen, also, wer hat den Anfang gemacht?"

Garak trank einen Schluck Wein und musterte sein Gegenüber. Kira sah ihn interessiert an und lächelte auffordernd: "Julian erzählt nichts. Also, er und ich stehen uns auch nicht so nah, als dass er über derart privates mit mir sprechen würde. Und Jadzia hat er trotz all ihrer mehr oder weniger fairen Versuche, etwas aus ihm herauszubekommen, abgeblockt. Wir wissen nur, dass es irgendwie mit eurem Zelturlaub auf Bajor begonnen hat."

Der Cardassianer nickte langsam und sandte im Stillen ein beeindrucktes Danke an seinen Liebsten. Ihm war bewusst, dass Julian größtenteils ihm zuliebe wohl darauf verzichtet haben musste, allzuviel über den Beginn ihrer Beziehung zu sprechen - abgesehen natürlich mit Miles. Als Kira ihn nun so herzlich ansah, seufzte er lautlos. Warum nicht? Immerhin war es auch Kira gewesen, der er damals gegenüber unbeabsichtigt geäußert hatte, wie viel er für Julian empfand und ihre Reaktion darauf war tadellos und freundlich gewesen.

"Unser lieber Doktor hatte bereits bei seiner Ankunft hier auf der Station mein Interesse geweckt", begann er langsam und ein Lächeln huschte über sein Gesicht, als er an den quirligen, bisweilen mehr als nervigen, attraktiven jungen Arzt dachte, der frisch von der Akademie kam um die Welt zu verbessern. Inzwischen war Julian zwar deutlich reifer und - vor allem - ruhiger geworden, aber es steckte noch mehr als genug von dem Akademieabgänger in ihm und das war etwas, das Garak sehr schätzte. "Jedenfalls hatte ich für mich entschieden, mich etwas näher mit ihm zu befassen und das nicht nur, weil ich ihn für ausgesprochen gutaussehend hielt."

Kira gluckste leise und Garak fuhr fort: "Während unserer regelmäßigen Mittagessen lernte ich ihn immer besser kennen und war hingerissen und fasziniert von Julians Art. Dieses ständige Hin und Her zwischen dem scheinbar naiven Kindskopf und dem vorbildlichen Offizier mit dem Hang, alles und jedem die Hand zu reichen. Und irgendwann ... war aus Neugier und Wertschätzung tatsächlich ... mehr geworden", druckste er verlegen herum und schüttelte über sich selbst den Kopf. "Julian war es schließlich, der dieser routinierten Freundschaft eine neue Tiefe gab, indem er immer öfter vorschlug, die Abende gemeinsam zu verbringen. Und so kam es, dass wir oft bis in die Nacht zusammen saßen und redeten oder einen von ihm ausgesuchten Film sahen - und ich weiß nicht wie, aber ich verliebte mich in ihn." Garaks Blick wurde weicher und rückte in die Ferne. Dass Kira verzückt und gebannt an seinen Lippen hing, bemerkte er nicht. Erst, als sie ihm eine Hand auf den Unterarm legte: "Und dann?"

Garak wandte ihr den Blick zu und erwiderte ihr Lächeln. "Leider nichts 'und dann'", gestand er. "Ich hatte keine Ahnung, wie Julian die Sache - ob er überhaupt irgendetwas - sah. Natürlich, ich bildete mir gerne ein, dass er, wenn auch diskret, auf meine dezenten Avancen reagierte und hin und wieder mehr als nur freundschaftliches Interesse an mir zeigte, aber ..." Er zuckte mit den Schultern. "Er war die einzige Person auf dieser Station, die überhaupt Interesse hatte, ihre Freizeit mit mir zu verbringen, das wollte ich nicht verlieren."

Verstehend nickte Kira und schenkte sich und Garak noch einmal Wein nach. "Um ehrlich zu sein, Elim, einige von uns konnten es nicht begreifen, was Julian an dir fand - und umgekehrt genauso. Aber es war offensichtlich, dass da irgendwas zwischen euch lief und glaub mir, es machte nicht nur Jadzia halb wahnsinnig, nicht zu wissen was sich da wirklich abspielte!"

Garak lachte gut gelaunt. "Oh, meine Liebe, letzteres machte mich auch allmählich verrückt. Vor allem, als Julian dann auf die Idee kam, mich zum Zelten nach Bajor einzuladen! Du glaubst nicht, was mir alles durch den Kopf ging, welche Szenarien. Von katastrophal bis hin zu sehr expliziten," zwinkerte er und entlockte Kira ein Kichern: "Oh doch, das wäre mir an deiner Stelle ähnlich gegangen ..."

"Und nun kommen wir auch schon fast zum Schluss der kleinen Geschichte", erzählte der Cardassianer weiter, nachdem er erneut aus seinem Glas getrunken hatte. Der Wein war gut - und vermutlich nicht ganz unschuldig an der ausgelassenen Stimmung zwischen ihnen. "Auf Bajor war es plötzlich eine ganz neue Situation. Nur er und ich, keine Pflichten, keine Beobachter. Nur wir. Es war neu, aber zugleich so vertraut. Und als wir in Bajors herrlichem Herbstwald wanderten, abends bei Feuerschein auf den See blickten, die Sterne über uns funkelten ... nun ja ...", er brach lächelnd ab und Kira drückte sanft seinen Arm. "Ohne, dass tatsächlich etwas geschah oder gesagt wurde, es änderte sich ganz zart und ruhig alles zwischen uns. Unsere erste Nacht verbrachten wir Hand in Hand und glaub mir, ich war der glücklichste Mann im Quadranten ..."

"Aaaaaw", entfuhr es der Bajoranerin leise. "Mehr ist nicht passiert?" Garak schüttelte den Kopf. "Wie romantisch ...", seufzte Kira und stützte ihr Kinn auf die Hände.

"Ja, es war sehr romantisch", bestätigte Garak und in seinem Bauch wirbelte es wohlig warm bei der Erinnerung daran. "Zurück auf der Station hielten wir es für klüger, erstmal nichts über den noch unsicheren, neuen Stand unserer ... Beziehung ... verlauten zu lassen, aber bereits nach wenigen Wochen war es Julian, der mich damit überraschte, dass er offiziell als mein Partner auftreten wollte. Und den Rest der Geschichte kennst du", endete er lächelnd.

Die beiden blieben noch einen Moment in dem vertrauten Schweigen sitzen, dann griff Kira nach Garaks Hand. "Danke."

"Ich habe zu danken." In der Tat, es hatte ihm mehr als gut getan, einmal darüber zu sprechen, ihre ganze Geschichte zu erzählen und in Kira hatte er eine wundervolle Zuhörerin gefunden.

Das Piepsen von Kiras Kommunikator unterbrach den Moment. "Kira hier."

"Ich bin's, Julian", erklang die Stimme des Arztes. "Ist alles in Ordnung, ist Elim noch bei Ihnen?"

Kira zwinkerte Garak zu. "Ja, Julian, alles in Ordnung. Wir wollten uns gerade verabschieden."

"Oh, okay ..."

"Bis morgen zur Dienstbesprechung, Julian!", verabschiedete sich die Bajoranerin und trennte die Kom-Verbindung.

Gemeinsam standen sie auf und gingen noch ein Stück des Weges zusammen.

"Nächste Woche zur selben Zeit?", erkundigte sich Kira, bevor sie in den Gang zu ihrem Quartier einbog.

"Sehr gerne, Nerys."

"Habt noch einen schönen Abend." Kira umarmte Garak kurz. "Bis dann."

Garak sah der Bajoranerin noch einen Augenblick nach, dann machte er sich lächelnd auf den Weg nach Hause. Wie sehr sich sein Leben doch verändert hatte ...

***
End Notes:
Danke nochmal an Kal-Jinn. Aaaaw, du wundervoller Schatz wirst uns fehlen! Aber ... *zwinker* ... ich weiß ja was, was ihr anderen noch nicht wisst. XD
"Fairytale“ (Einaudi) by Amber
Author's Notes:
EIn ganz dickes Dankeschön mit viel *mwah* und *hug* an Emony & Gabi, für die medizinische und wissenschaftliche Hilfestellung. Ihr seid super!
Julian Bashir eilte durch den Gang in Richtung OPS. Im Laufen zog er noch seine Uniformjacke über, ein Grinsen umspielte seine Lippen. Er hatte hochgradig verschlafen und würde mit Sicherheit zu spät zur Dienstbesprechung kommen.
Als Elim am Abend von seinem Treffen mit Kira zurückkam und ihm von dem Training und dem anschließenden Gespräch erzählt hatte, war er in ziemlich romantischer Laune gewesen und eins hatte zum anderen geführt – und so hatten weder er noch Julian daran gedacht, den morgendlichen Wecker auf eine frühere Zeit als sonst zu stellen.
Im Turbolift angekommen, fuhr der Arzt sich durch die Haare und versuchte, Ordnung in diese zu bringen. Er freute sich so sehr für seinen Partner. Nicht nur, dass er in Kira eine sicherlich tolle Trainingspartnerin gefunden hatte, nein, mehr noch, sie hatten miteinander endlich Frieden geschlossen. Waren Freunde geworden. Julian selbst wusste, wie unsagbar wertvoll ein guter Freund war, selbst wenn man einen so wundervollen Partner wie Elim hatte. Er unterbrach seine Gedanken, als er vor Captain Siskos Büro stand, zog sich noch einmal die Uniform zurecht und betätigte den Summer. Die Tür glitt auf und mit einem „Entschuldigung, verschlafen, Sir“, versuchte er möglichst unauffällig neben Miles Platz zu nehmen.

„Hat es sich wenigstens gelohnt?“, fragte Dax mit einem süffisanten Grinsen von der anderen Seite des Raumes unüberhörbar und Julians Wangen nahmen einen tiefen Rotton an.

Sisko grinste ebenfalls und schob seinem leitenden Mediziner einen Kaffeebecher zu. „Ausnahmsweise kein Problem, Doktor, wir warten noch auf Odo, der mich allerdings im Vorfeld darüber informiert hat, dass er einige Minuten später kommen wird.“

„Danke, Sir“, nahm Julian den Kaffeebecher und die freundlich verpackte Rüge entgegen. „Kommt nicht wieder vor.“

Der Captain winkte ab und wandte sich Kira zu, mit der er wohl bis eben im Gespräch gewesen war. Miles stupste ihn an. „Und?“

„Was, und?“

„Und, hat es sich gelohnt?“

Julian schüttelte grinsend den Kopf. „Seit wann bist du so neugierig?“

„Na“, Miles hob seine Kaffeetasse und murmelte halblaut. „Ich warte halt auf eine bestimmte Nachricht ...“

„Hm ...“, seufzte Julian nun in seinen Kaffee. „Und ich auf den richtigen Zeitpunkt.“

„Den gibt es nicht“, meinte der Chief leise. „Jeder Zeitpunkt ist dafür gleich gut gewählt, solange du für die richtige Atmosphäre und Worte sorgst.“

„Das macht es gleich viel einfacher“, maulte der Arzt resigniert und lehnte seinen Kopf an die Schulter seines Freundes. „Ehrlich, Miles ...“ Weiter kam er nicht, denn die Tür öffnete sich erneut mit einem leisen Zischen und Odo betrat den Raum.

„Sehr gut“, nickte Captain Sisko und eröffnete die Dienstbesprechung mit einem kurzen Bericht aus dem Sternenflottenhauptquartier, der bestätigte, was alle Anwesenden bereits befürchtet hatte: Die Spannung zwischen dem Dominion und der Föderation spitzte sich immer mehr zu und drohte in naher Zukunft zu eskalieren, sollte nicht noch ein Wunder eintreten und die Situation entschärfen.

Seufzend richtete sich Julian wieder auf und nahm die unangenehmen, wenn auch nicht überraschenden Informationen zur Kenntnis. Im Geiste notierte er sich, dass er sich umgehend mit einer wirkungsvolleren Methode als Bluttest befassen wollte, um potentielle Wechselbälger zu enttarnen. Vielleicht könnte er mit Miles und Odo zusammen eine Art Scanner entwickeln, der gezielter nach Abweichung der Biowerte suchte? Andererseits … die Bluttest waren wirkungsvoll, wenn auch für jedermann nervenaufreibend. Vielleicht könnte - …

„Doktor?“, riss ihn Siskos Stimme aus den Gedanken und er schaute mit gerunzelter Stirn auf. Der Blick seines Captains machte deutlich, dass er ihn bereits mehrmals angesprochen zu haben schien.

„Ihren Bericht, wenn es denn keine Umstände macht.“

„Entschuldigen Sie, Sir“ verteidigte sich der Arzt, „Ich war in Gedanken mit der Thematik einer effektiveren Methode zur Enttarnung potentieller Wechselbälger beschäftigt.“ Siskos interessiert hochgezogene Augenbraue nahm er als Erlaubnis, seine Idee auszubreiten – und war schließlich Schuld daran, dass die Dienstbesprechung eine geschlagene Stunde länger ging als angesetzt. Dennoch hatte er den Eindruck, dass es sich gelohnt haben könnte, seinen Magen noch eine Weile länger auf sein Frühstück warten zu lassen.

Nachdenklich nippte Julian an seinem Tee, den er neben einem Marmeladenbrötchen auf seinem Arbeitsplatz in der Krankenstation stehen hatte. Er ging gerade noch einmal alle medizinischen Daten durch, die er über die Gründer besaß, was allerdings relativ schnell ging. Ob er Odo wohl darum bitten könnte, für einige Versuche mit Bioscannern zur Verfügung zu stehen? Manchmal hatte Odo sich schon ein wenig … eigen … wenn es um medizinische Untersuchungen ging ...


***

„… jedenfalls scheint sich die Lage allmählich doch mehr und mehr zuzuspitzen“, beendete Julian mit einem Seufzen seinen kurzen Bericht von der Dienstbesprechung, als er am Abend neben Elim auf dem Sofa saß. Müde hatte er den Kopf an die Schulter seines Liebsten gelehnt und genoss es, wie Elim ihm sanft über die Arme strich. „Was sagst du dazu?“

„Ach, mein Liebling, du weißt doch, aus militärischen Dingen halte ich mich heraus ...“

„Von wegen“, gluckste Julian und knuffte ihn liebevoll. „Und komm mir jetzt nicht mit deiner Einfacher-Schneider-Nummer. Komm, lass uns ins Bett gehen.“

„Du willst schon schlafen?“

„Das hab ich nicht gesagt“, erwiderte Julian grinsend und küsste seinen Partner vergnügt auf die Nase.


***


So leise wie es in der Dunkelheit möglich war, zog Julian sich eilig seine Uniform an, nachdem ihn ein Notruf zur Andockrampe geweckt hatte. Ein Schiff aus dem Gammaquadranten mit einer unbekannten Seuche benötigte dringend Hilfe, mehr wusste man ihm bisher nicht mitzuteilen. Er wollte gerade das Schlafzimmer verlassen, als er die vertraute warme Hand Elims an seiner Schulter spürte.

„Entschuldige, ich wollte dich nicht wecken“, flüsterte Julian ihm zu und küsste seine Fingerspitzen.

„Das hast du nicht“, versicherte Elim ebenso leise. „Viel Erfolg, mein Liebster.“

„Danke, das ist lieb.“ Julian huschte mit seinen Lippen kurz über Elims. „Schlaf weiter, es ist noch ausreichend Zeit bis zum Weckerklingeln.“

„Pass auf dich auf.“

Lächelnd strich der Arzt seinem Partner noch einmal über die Wange. „Natürlich.“

Obwohl er in Gedanken schon bei dem zu erwartenden Szenario war, blieb das Lächeln noch einige Augenblicke auf seinen Lippen. Es tat gut, dass jemand da war, der sich um ihn sorgte. Irgendwie machte es die sich immer mehr häufenden nächtlichen Notrufe zwar nicht besser, aber einfacher. Als er an der Andockrampe ankam, eilten ihm Odo und Kira mit ernster Miene entgegen.

„Julian, gut, dass Sie kommen“, die Bajoranerin reichte ihm ein Datenpadd. „Darauf befinden sich die Daten, die uns von der Krankenstation des Schiffs übermittelt wurden. Das Volk nennt sich Ensa, sie hatten einen Zwischenfall mit den Jem'Hadar und seitdem breitet sich ein ihnen unbekanntes Virus unter der Crew aus. Von den ehemals 75 Mitgliedern der Besatzung sind nur noch 33 am Leben. Sie befinden sich in Quarantäne auf der Krankenstation, alle in unterschiedlichem Maße von dem Virus befallen.“

„Wir haben niemandem Zugang zu dem Schiff gestattet, Doktor“, ergänzte Odo und verschränkte abwartend die Arme, während Julian das Padd überflog.

„Okay“, meinte er schließlich. „Auf den ersten Blick kann ich mit den Daten nicht viel anfangen. Es ist zu vermuten, dass sich das Virus über die Luft ausbreitet. Aber um genauere Daten zu erfassen, muss ich auf das Schiff, Major.“

Kira blickte zu Odo, der nickte: „Ich werde Sie begleiten, Doktor.“

„Okay. Wir sollten Schutzanzüge tragen. Ja, Sie auch“, bekräftigte Julian bestimmt und sah Odo entschlossen an. „Wir wissen noch nicht, wie genau sich das Virus ausbreitet und ich möchte nicht riskieren, dass Sie es mit auf die Station schleppen.“

Wenig später betraten die beiden das fremde Schiff der Ensa. Die Beleuchtung auf den Gängen war auf ein Minimum reduziert, eine unheimliche Stille herrschte. Julian hielt seinen medizinischen Tricorder vor sich und folgte Odo langsam. Niemand begegnete ihnen.

„Die Krankenstation liegt im hinteren Bereich des Schiffes“, informierte ihn Odo. „Haben Sie schon etwas herausgefunden?“

„Nein, noch nicht“, murmelte der Arzt konzentriert, während er die Daten im Auge behielt. Der Gang, den sie entlang schritten, endete an einem verschlossenen Schott. Odo betätigte den Türöffner, trat vorsichtig hinein und blieb so abrupt stehen, dass Julian in ihn hinein stolperte. „Doktor ...“

„Himmel ...“ Julian starrte mit aufgerissenen Augen auf den Anblick, der sich ihm bot:

Der Raum glich einer Leichenhalle. Überall waren auf Tischen Körper aufgebahrt. Julian ging zu dem Tisch, der ihm am nächsten war und schluckte. Ein Humanoide mit ockerfarbener Haut und geschlitzter Nase starrte ihn leblos aus wimpernlosen mandelförmigen Augen an. Auf seinem Gesicht, dem bloßen Oberkörper und den nackten Armen waren dicke Beulen und Pusteln zu sehen, die unterschiedliche Grüntöne hatten. Julian scannte den Toten, versuchte, aus den unbekannten Daten schlau zu werden.

„Es sind 45, Doktor“, rief ihm Odo halblaut vom Ende des Raumes zu. Der Arzt nickte und ließ seinen Blick durch den Raum schweifen. An einer Tür blieb er hängen. „Dahinter sind 33 Lebenszeichen auszumachen.“

Gemeinsam traten sie zu der Tür und betätigten den Türsummer.

„Tragen Sie Schutzanzüge?“, erklang eine Stimme.

„Natürlich“, bestätigte Julian und das Schott öffnete sich und gab den Weg zur Krankenstation frei. Auf 33 Biobetten befanden sich die restlichen Crewmitglieder jeweils unter einem Quarantäneschild.

„Gut, Sie zu sehen“, begrüßte sie ein Mann aus dem vordersten Bett. „Ich bin Rsin, Commander dieses Schiffes.“

„Doktor Julian Bashir und Constable Odo“, stellte Julian sie vor und trat auf das Biobett zu, wobei er den Commander musterte. Dieser hatte noch keinerlei Beulen auf dem Körper, allerdings einige grünliche raue Flecken im Gesicht. „Commander, ich würde gerne jeden von Ihnen erst hier untersuchen und dann über Weiteres nachdenken ...“


***

Als Garak am Morgen durch das Wecksignal aufwachte, fiel ihm als erstes das Fehlen Julians auf. Im Wohnzimmer war er auch nicht und mit einem flüchtigen Blick zur Kommunikationskonsole registrierte er, dass Julian ihm auch keine Nachricht gesendet hatte. Der Cardassianer seufzte. Sein Partner hatte vermutlich eine anstrengende Nacht hinter sich. Während er sich einen Tee aus dem Replikator holte, beschloss er, vor Ladenöffnung einmal bei der Krankenstation vorbeizusehen.

Eine Stunde später betrat Garak ebenjene und blickte sich suchend um. Eine bajoranische Krankenschwester kam freundlich lächelnd auf ihn zu. Garak erkannte sie als Schwester Alnus, eine der wenigen Bajoraner, die ihn stets freundlich behandelten und das nicht erst, seit er mit Julian eine Partnerschaft führte.

„Guten Morgen, Mr. Garak. Ihnen fehlt doch nichts?“, begrüßte sie ihn.

„Guten Morgen“, erwiderte er charmant lächelnd. „Nichts, außer meinem Doktor.“

Alnus lachte kurz, dann wurde ihr Blick ernster. „Doktor Bashir ist noch auf der Quarantänestation, aber vielleicht können Sie ihn ja überzeugen, wenigstens eine kurze Pause zu machen.“

Sie deutete Garak, ihr zu folgen und blieb an einer Tür stehen, wo sie auf den Knopf für die Komverbindung drückte. „Doktor, hier ist Besuch für Sie.“ Dann nickte sie Garak lächelnd zu und ging zurück zu ihrem Arbeitsplatz. Einige Minuten vergingen, dann öffnete sich die Tür und Julian trat heraus, das Gesicht müde und ernst, aber als er seinen Partner erblickte, hellten sich seine Züge auf.

„Elim.“

„Guten Morgen, mein Liebster.“ Garak musterte ihn besorgt. „Du solltest dich ausruhen.“

„Keine Zeit“, entgegnete der Jüngere, konnte aber ein Gähnen nicht unterdrücken. „Aber einen Raktajino könnte ich jetzt vertragen.“ Er griff nach Garaks Hand und zog ihn mit sich zu seinem persönlichen Arbeitsplatz. Der Cardassianer drückte ihn sanft auf einen Stuhl und ging zum Replikator. Mit dem gewünschten Getränk kehrte er zurück und stellte es vor Julian ab. Dieser hatte die Augen geschlossen und den Kopf in den Nacken gelegt, die Stirn tief gefurcht.

„Was ist passiert?“, erkundigte sich Garak und begann damit, Julians Schultern zu massieren.

„Ein bislang unbekanntes Virus“, erklärte Julian müde. „Die Symptome sind zunächst nicht weiter besonders, daher ist es dem Schiffsarzt der Ensa wohl auch nicht in den Sinn gekommen, sofort eine Quarantäne zu verhängen. Nachdem ich allerdings Blutproben von diversen Patienten - lebenden und bereits verstorbenen - miteinander verglichen habe, bin ich zu dem Schluss gelangt, dass es sich bei dem Virus um einen wahren Verwandlungskünstler handelt. Er zerstört das Immunsystem der Infizierten in weniger als zweiundsiebzig Stunden. Die Symptome sind irreführend und nicht immer dieselben.“ Julian trank einen Schluck aus seiner Tasse und bemühte sich beim Fortfahren darauf bedacht zu sein, nicht zu sehr in Fachjargon zu verfallen, der jedem Mediziner in Fleisch und Blut übergegangen war. „Ein Patient hat grippale Symptome, der nächste erweckt den Anschein, eine heftige allergische Reaktion zu zeigen. Das hat für mich zunächst gar keinen Sinn ergeben, bis ich eben die Analyse der Serum-Proben abgeschlossen hatte. Die Leukozytenanzahl ist bei den verstorbenen Patienten praktisch gleich null gewesen und bei den infizierten Leuten sinken sie ebenfalls drastisch. Etwas Vergleichbares habe ich in meiner gesamten Karriere noch nicht gesehen und die medizinische Datenbank der Sternenflotte hat mir bisher auch kaum Aufschluss gebracht.“ Er lehnte sich mit dem Kopf an Garaks Oberkörper und schnaubte frustriert. "Es ist beschissen, ich habe keinen blassen Schimmer, wo ich weitermachen soll!"

Garak tippte Julian nach einem kurzen Moment des Nachdenkens auf die Schulter. "Lass mich doch eben mal an deinen Computer ..." Er ignorierte Julians fragenden Blick, als er dessen Platz einnahm, gab flink einige Daten und Codes ein und erhob sich wieder. "Eine Stunde, maximal", raunte er in das Ohr seines Doktors. "Die medizinischen Datenbanken von Cardassia und Romulus."

Julians Augen weiteten sich. "Wie ... Ach, egal, ich will es lieber nicht wissen." Er küsste Garak grinsend. "Ich hab schon einen tollen Mann!"

Garaks Stirnwülste wanderten in dem Maße überrascht in die Höhe, in dem sich Julians Wangen rot färbten.

"Äh ... also, ich meinte ...", stammelte der Jüngere verlegen. "Danke, Liebling."

"Nicht dafür", entgegnete Garak und strich sich das Hemd glatt. Ein zartes Lächeln umspielte seine Lippen. "Bis heute Abend, mein liebster Doktor."


***

Der Abend jedoch schritt fort, ohne dass Julian heim kam. Garak schaute immer wieder besorgt auf den Chronometer und entschied sich dann schließlich, noch einmal die Krankenstation aufzusuchen. Natürlich war es nichts Neues, dass Julian länger und oft auch sehr lange Dienst hatte, gerade in Krisensituation machte der Arzt mehr als eine Schicht am Stück, aber normalerweise meldete er sich zwischendurch bei ihm. Etwas, worauf Garak heute vergeblich zu warten schien – und das bereitete ihm Sorge. Entweder hatte Julian einen Heilweg gefunden und vor lauter Euphorie und Enthusiasmus die Zeit vergessen oder – und das war, was den Cardassianer beunruhigte – Julian saß noch immer grübelnd in der Krankenstation.

Letztere Vermutung bestätigte sich, als Garak Julians Arbeitsplatz betrat und den Arzt tief in Gedanken versunken abwechselnd auf den Monitor und einen Tricorder in seiner Hand schauen sah.

„Julian?“

Erschrocken fuhr der Angesprochene herum und seufzte dann. „Elim, entschuldige, ich hab dich nicht reinkommen hören. Alles in Ordnung?“

„Das wollte ich von dir wissen. Es ist nach 2100, mein Liebster“, entgegnete Garak sanft, während er die Distanz zu Julian überbrückte und ihn musterte: Julian sah erschöpft aus. Körperlich und geistig. Kaum hatte er einen Arm um seinen Partner gelegt, da lehnte dieser sich auch schon müde gegen ihn.

„Elim, ich komm nicht weiter ...“, nuschelte Julian an Elims Brust. „Mir sind trotz aller Bemühungen noch sieben Patienten weggestorben, ich schaffe es nicht mal, die Symptome zu lindern. Und den anderen geht es stündlich schlechter. Ich hab alles versucht und jede noch so winzige Möglichkeit in Betracht gezogen ...“

„Wie ist der Zustand der übrigen denn jetzt?“ Beruhigend strich Elim ihm über den Rücken.

„Diejenigen, denen es ganz schlecht geht, hab ich in Stasis gelegt. Und die anderen … momentan zwar schlecht, aber stabil.“

„Dann kommst du jetzt nach Hause und ruhst dich etwas aus. So kannst du nicht weitermachen.“ Mit einer Handgeste unterband der Cardassianer Julians aufkommenden Widerspruch. „Julian, du weißt, dass ich Recht habe. Nimm dir eine Pause, iss etwas, schlafe und dann komm wieder.“

Da Julian eindeutig zu erschöpft und mit den Gedanken auch ganz woanders war, nickte er lediglich. „Ich sag nur einer Schwester Bescheid.“

Im Quartier angekommen verschwand Julian unter die Dusche, während Garak ihm ein leichtes Abendessen vorbereitete. Und nicht mal eine halbe Stunde später war der Arzt auch schon dicht an seinen Partner geschmiegt eingeschlafen.


***


“Doktor Bashir, bitte sofort zur Krankenstation!“

Sofort saß Julian aufrecht im Bett und griff nach seinem Kommunikator. “Bin unterwegs, Bashir Ende.“ Noch während er in seine Uniform schlüpfte, küsste er seinen Partner flüchtig auf die Stirn und war auch schon aus dem Schlafzimmer verschwunden, ehe dieser wirklich registriert hatte, was passiert war.

Müde rieb sich Garak die Stirn. „Computer, Uhrzeit?“

“Es ist 0436.“

Seufzend sprang Garak ebenfalls aus dem Bett und erwischte Julian noch an der Quartiertür, wo dieser fluchend am Reißverschluss seiner Uniformjacke zerrte.

„Lass mich das machen.“ Sanft schob Garak Julians Hände zur Seite und schloss geschickt den Reißverschluss. Julian lehnte seine Stirn kurz gegen Garaks. „Drück die Daumen, Liebling ...“

„Selbstverständlich. Julian?“

„Hm?“

„Ich liebe dich.“

Ein Lächeln huschte über das Gesicht des Arztes. „Ich dich auch.“ Er löste sich nach einem kurzen Kuss von Garak und machte sich eilig auf den Weg zur Krankenstation. Dort fand er seinen Vertretungsarzt und die Schwestern in heilloser Aufregung.

„Was ist passiert?“, verlangte er zu wissen und nahm ein Datenpadd entgegen.

„Bei fünf Patienten kam es plötzlich zum Atemstillstand und kurz darauf brachen sämtliche Vitalfunktionen zusammen. Wir konnten nichts mehr tun“, erklärte der bajoranische Vertretungsarzt geknickt.

„Bei fünf Patienten?!“

„Das ist noch nicht alles ...“ Julians Kollege führte ihn zu den Stasisbetten. „Zwei von ihnen hatten einen anaphylaktischen Schock, wir konnten sie retten, aber das Virus scheint sich dennoch immer weiter auszubreiten und - ...“

Ein schrilles Piepen zog ihre Aufmerksamkeit zu einem Patienten, der sich im Schlaf aufbäumte, würgte und dicken, zähflüssigen Schleim erbrach. Sofort waren die Ärzte bei ihm.


***


Die Ladentür von „Garaks Kleider“ glitt auf und der Schneider sah von seiner Arbeit auf. „Ah, Miles, gut, dass du kommst.“

„Hey, Elim“, grüßte der Chief und stellte seinen Werkzeugkoffer ab. „Du hast was von einem Summen hinter der Wand erzählt?“

Garak nickte und führte Miles zu einem Wandpaneel. „Seit vorgestern. Hörst du es?“

Miles legte den Kopf schief und lauschte. „Mhmm“, brummelte er, löste das Paneel und zog einen Tricorder. „Da ist eine defekte Leitung, nichts Gravierendes, hab ich gleich erledigt.“

Während Miles sich an die Arbeit machte, schaute Garak ihm interessiert über die Schulter.

„Wie geht’s Julian?“

„Gute Frage“, antwortete der Cardassianer seufzend. „Er hat nur ein paar Stunden geschlafen und seit frühmorgens ist er auf der Krankenstation. Ich habe noch nichts von ihm gehört.“

„Hmmmnh“, brummte es zurück. „Nicht mal zum Mittagessen? Gib mir mal bitte die Stableuchte ...“

Garak reichte das Gewünschte. „Nein. Ich werde nach Dienstschluss bei ihm vorbeischauen.“

„Mach das. Kannst du mir den Flusskoppler geben? Danke. Verdammt.“ Ein paar Funken stoben und Miles drehte den Kopf zur Seite, wobei er Garaks besorgtes Gesicht musterte. „Mach dir keine Sorgen, Jules kommt schon klar …“

„Du hast sicherlich Recht. Dennoch …“

Der Ingenieur klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter. „Elim, du kennst ihn. Er ist zäher als er aussieht. Selbst ein paar Tage Stress und Doppelschichten übersteht er.“ Miles verschwand wieder in dem Loch in der Wand, weswegen die nächsten Worte kaum zu verstehen waren, also beugte Garak sich nah zu ihm herunter. „... Ajion Prime auch und von dem ständigen Ärger hier – Isolinearen Schlüssel, bitte. … danke – mal abgesehen, ehrlich, da -“

Mit einem lauten Knall und Funkenregen sprang ein Stück der Wandverkleidung ab und traf Garak an der Schläfe. Der Cardassianer griff sich an den Kopf, taumelte einige Schritte zurück und Miles schnappte sich den Feuerlöscher, um den Brand zu ersticken. „Verdammt, welcher Pfuscher hat sich dann da ans Werk gemacht? Alles klar?“ Er drehte sich zu Garak herum, unter dessen Hand Blut hervorquoll. „Lass mich mal sehen ...“

„Alles gut, Miles“, wehrte der Schneider ab, was seinen Freund jedoch nicht im mindesten beeindruckte.

„Nur eine kleine Platzwunde, das krieg ich hin. Oder willst du auf die Krankenstation?“

Garak schüttelte den Kopf und Miles zog Desinfektionsmittel und einen Hautgenerator aus seinem Werkzeugkoffer. „So hübsch und fachlich wie Julian kann ich es nicht, aber …“ Er nickte zufrieden. „Fast nichts mehr zu sehen.“

„Danke.“

Miles winkte ab und widmete sich dem nun etwas größeren Problem in der Wand. Schweigend sah Garak ihm dabei zu, bis das Geräusch der sich öffnenden Ladentür ihn aufblicken ließ.

„Julian!“, erfreut sprang er auf, blieb aber ob Julians Miene stehen. „Was ist passiert?“

„Das könnte ich dich auch fragen, hat es hier gebrannt? Und was ist mit deiner Schläfe?“ Mit wenigen Schritten war Julian bei seinem Partner und musterte ihn kritisch. „Elim, du bist verletzt, das ist eine Platzwunde! Und hier riecht es verbrannt?!“

„Beruhige dich“, Elim hob beschwichtigend die Hände. „Miles repariert eine defekte Leitung, dabei ist ein Wandpaneel abgesprungen und hat mich an der Stirn getroffen. Der gute Miles hat es bereits versorgt und -“

„Ja, wunderbar!“, schnaubte Julian gereizt und schüttelte den Kopf. Ungewollt stiegen Bilder in ihm auf: Garaks Laden voller Rauch und in Schutt und Asche, unter Trümmern schwer verletzt Elim.

So lange war das noch nicht her. Vielleicht ein halbes Jahr, als Elims Laden von einem Attentäter gesprengt worden war, der es eigentlich auf Elims Leben abgesehen hatte. Und kurz darauf war Elim zu einer geheimen Mission in den Gammaquadranten aufgebrochen, lediglich von Odo begleitet. Sie hatten versucht, Enabran Tain zu retten, der anscheinend von den Romulanern gefangengehalten wurde. Was dort allerdings genau passiert war, wusste Julian nicht, nur, dass es sich nicht um eine Gefangennahme gehandelt, sondern Tain versucht hatte, den Obsidianischen Orden wiederzubeleben und Seite an Seite mit dem Tal Shiar gegen die Gründer vorgehen wollte. Was gehörig schief ging. Elim und Odo waren, wie auch immer, gerade so mit dem Leben davongekommen. Über mehr und warum Elim es so eilig gehabt hatte, Tain zu folgen, hatte er nicht mit ihm gesprochen – und Julian hatte es akzeptiert, auch, wenn es hin und wieder an ihm nagte. So wie jetzt.

Vielleicht hatte auch der Umstand etwas damit zu tun, dass sein Tag miserabel gelaufen war. Gerade mal sechs Patienten waren noch am Leben und er fühlte sich mies – und anstatt Trost zu finden, fand er seinen Partner schwer verletzt und blutüberströmt in einem brennenden Laden vor! Gut, das war etwas übertrieben, aber trotzdem … „Wieso hast du mich nicht gerufen? Ich hätte mich um dich gekümmert.“

„Julian, es ist doch nichts passiert und du hast wahrlich genug andere Sorgen“, versuchte Elim es noch einmal mit ruhiger Stimme. Irgendetwas an Julians Blick besorgte ihn; Julian wirkte nicht nur über die Maßen erschöpft, sondern wütend, enttäuscht.

„Prima, da passt es doch hervorragend, dass ich mir jetzt auch noch Sorgen darum machen muss, dass du verletzt bist!“

Miles kroch aus seinem Loch hervor und erhob sich. „Jules, komm wieder runter. Es geht ihm gut.“

„Danke, Doktor O'Brien für die fachliche Meinung!“, fuhr Julian seinen besten Freund an. „Vielleicht hast du ja Zeit, dich auch noch um die Dinge auf der Krankenstation zu kümmern, mir gehen allmählich die Ideen aus!“

„Hey ...“

Garak und Miles tauschten einen Blick und nahmen Julian kurzerhand in ihre Mitte. Während Garak ihm den Arm um die Taille legte, strich Miles ihm über den Rücken.

„Schon gut“, winkte Julian ab und rieb sich müde über die Augen. „Entschuldigt. Es … läuft nicht besonders gut drüben … Geht es dir wirklich gut?“, fragte er an seinen Partner gewandt.

„Ja, mein Liebling, es geht mir gut.“

„Okay … okay. Ich geh dann wieder an die Arbeit.“ Julian klopfte beiden auf die Schulter und verließ mit hängendem Kopf den Laden, ehe einer der beiden ihn aufhalten konnte.

„Meine Güte, was war das denn jetzt?“ Miles pfiff durch die Zähne. „Er scheint ja doch ganz schön fertig.“

„Hmh“, nickte Garak nachdenklich. „Ich hab da so eine Vermutung …“

Miles hob fragend eine Augenbraue, aber Garak winkte ab. „Ich denke, sekundär hat ihn eben etwas … Privates so aufgebracht, nicht unbedingt der Umstand der Situation ...“

„Aha. Schon klar … Ihr klärt das doch später?“

„Selbstverständlich.“

Seufzend und kopfschüttelnd machte sich der Ingenieur wieder an die Arbeit.


***


Wütend stampfte Julian zurück zur Krankenstation. Wütend und frustriert. Es tat ihm zwar leid, dass er Elim und Miles so angefahren hatte, aber, Himmel, er hatte verdammt noch mal recht, oder? Zumindest in dem Punkt, dass es ihn wurmte, sich immer Sorgen zu machen, etwas aus Elims Vergangenheit könne sie beide plötzlich einholen.

War es Elim nicht klar, wie schwer es für ihn gewesen war? Erst der versuchte Mord an Elim und dann dessen plötzlicher Aufbruch und die ganze Ungewissheit, die das alles mit sich gebracht hatte. Warum war es notwendig gewesen, dass er ohne Zögern alle Hebel in Bewegung gesetzt hatte, um Tain zu Hilfe zu eilen? War es nicht Tain, der ihn hierher ins Exil gebracht hatte?

„Scheiße ...“ Er schlug mit der Faust gegen die Wand neben seiner Konsole und lehnte den Kopf daneben. Und das Problem mit den Ensa nagte stark an ihm. Er war ein herausragender Mediziner, er wusste das. Aber hier schien ihm sein Wissen, seine Intelligenz, einfach nichts zu bringen. Wut und Frust allerdings auch nicht, gestand er sich seufzend ein. Also atmete er tief mit geschlossenen Augen durch. Über Elim oder eher, über Elims Vergangenheit wollte – konnte – er jetzt nicht nachdenken. Er lenkte seine gesamte Aufmerksamkeit auf den aktuellen Statusbericht seiner Patienten und drängte alles Weitere in den Hintergrund.


***


„Elim?“

Julians leise Stimme holte den Cardassianer aus dem Schlaf. Im Quartier war es dunkel, nur die Salzkristalllampe, die stets brannte, wenn Julian nachts zu einem Notruf musste, spendete ein warmes Licht. Garak setzte sich auf, er war auf dem Sofa eingeschlafen. Neben ihm saß sein Partner.

„Mein liebster Doktor, wie spät ist es?“, erkundigte er sich und streckte seine Hand nach Julians Wange aus.

Der Jüngere schmiegte sich eng hinein. „Irgendwas gegen 0300 ...“

„Und du bist jetzt erst gekommen?“

Julian nickte schweigend und schluckte. Er fühlte sich völlig ausgelaugt, hatte keine Kraft mehr für irgendetwas und so ließ er sich einfach gegen die Brust seines Partners sinken und vergrub sein Gesicht. „Elim … ich hab's nicht geschafft, rechtzeitig etwas gegen das Virus zu finden … Keiner der Ensa hat überlebt … “

„Oh … Julian, das tut mir leid.“ Garak legte seine Arme fest um Julian und wiegte ihn behutsam, dabei strich er ihm zärtlich übers Haar. „Du hast alles versucht, es ist nicht deine Schuld.“

„Natürlich, wessen sonst?“ Ruckartig setzte der Arzt sich auf. „Irgendwo muss mir ein Fehler unterlaufen sein, ich muss irgendetwas übersehen haben … aber ...“ Erschöpft ließ er sich wieder hinabsinken. „... das macht mein Versagen jetzt auch nicht ungeschehen ...“

„Julian … Du hast nicht versagt“, versuchte Garak seinen Liebsten zu trösten. „Manche Dinge im Leben lassen sich nicht aufhalten oder ändern. Egal, wie sehr man dafür kämpft.“

Julian ließ etwas verlauten, dass eine Mischung aus Schnauben und trostlosem Lachen war. Dann setzte er sich erneut auf und suchte Garaks Blick. „Elim … was war wirklich der Grund, warum du zu Tain wolltest?“

Für einen Augenblick wandte sich Garak ab und straffte die Schultern. Tain war tot. Was für einen Unterschied würde es jetzt noch machen, wenn jemand – nein, nicht jemand - wenn Julian die Wahrheit erführe?

„Standet ihr euch nah?“, hakte Julian sanft nach und nahm Garaks Hände in seine, um sie zu streicheln. „Liebling, ich bin vor Sorge damals fast durchgedreht. Mir zieht sich immer noch alles zusammen, wenn ich daran denke, dass du zweimal in kürzester Zeit fast nicht mehr bei mir gewesen wärst …“

„Ja, Julian“, antwortete Garak leise. „Und, nein. Es ist nicht einfach zu erklären. Wir hätten uns nahe stehen können. Hätten einander nahe stehen sollen ...“ Seufzend brach er ab und schüttelte den Kopf.

„War er dein Vater?“

Überrascht hob Garak den Blick und starrte seinen Partner an. „Wie …?“

Julian zuckte mit den Schultern. „Es war irgendwie naheliegend ...“

Zögerlich nickte der Cardassianer. „Ja, Enabran Tain war mein Vater … Aber wir standen uns dennoch nicht besonders nah.“

„Es tut mir leid, Elim.“ Nun war es Julian, der seinen Partner in die Arme zog. „Alles. Die ganze Sache und dass ich vorhin so ein Idiot war und - ...“ Ihm brach die Stimme.

„Ach, Julian.“ Garaks Stimme war bei weitem nicht so fest, wie er es sich gewünscht hatte und er räusperte sich. „Mein lieber Julian, dir braucht nichts leid zu tun. Es ist wie es ist – und vorhin, gut, deine Reaktion war nachvollziehbar. Du hattest – hast – zwei sehr schwere Tage hinter dir. Ich sollte dich trösten, nicht umgekehrt.“

„Können wir uns nicht gegenseitig trösten?“, nuschelte Julian in Garaks Halsbeuge und atmete durch.

Ein doch etwas unangebrachtes Glucksen stieg in Garak auf und er legte seinen Zeigefinger unter Julians Kinn, damit dieser ihn ansah. „Julian …?“

„Hmmmm …?“

„Cardassianer brauchen keinen Trost.“

Verwirrt runzelte Julian die Stirn, bemerkte dann aber das Funkeln in Elims Augen und spürte, wie eine warme Woge durch ihn hindurch schwemmte. Ohne es verhindern zu können, musste er ebenfalls leise lachen und schüttelte den Kopf. „Wunderbar, dann steht mir ja der gesamte Trost mit all seinen Vorzügen zu.“

Eng umschlungen blieben sie auf dem Sofa sitzen. Das kurze Lachen hatte tatsächlich gut getan, Julian fühlte sich immer zwar noch schlecht, aber nicht mehr so schwer. Elims Fingerspitzen in seinem Nacken, dessen warmer Atem an seiner Wange und der beruhigende gleichmäßige Herzschlag … er spürte, wie der Tag mehr und mehr von ihm abfiel, seine Gedanken zur Ruhe kamen … Einzig Elims Nähe und Geborgenheit nahm er noch bewusst wahr, bevor der längst überfällige Schlaf ihn übermannte …

***
End Notes:
:/ 'tschuldigung, aber das musste zwischendurch mal rein, so ein bisschen Drama am Rande. Aber toll war's trotzdem, oder? Und können wir alle jetzt mal offiziell dem guten Chief den Orden "Bester Freund" übergeben? Ist längst überfällig!
Bridge over troubled water (Cello/Pianoversion) by Amber
Author's Notes:
Nihihi ... *giggel* Betafee Gunni erhält hiermit den "Durch die Finger schmule"-Orden, weil sie gerade hier in der ersten Szene ganz tapfer durchgehalten hat. ^^
Hier ist der erste Absatz ein kleiner Ausrutscher nach FSK18. Gunni und ich sind uns aber einig: kann man getrost lesen, selbst wenn man sonst bei explizierten Szenen eher den Raum verlässt. ^^
„Computer, Wecksignal abschalten“, murmelte Julian schläfrig und schubberte mit seiner Nase über Elims Brust. Für einen Moment war er verwirrt, dass sie auf dem Sofa lagen, dann seufzte er leise. Träge krabbelte er mit seiner Hand unter das Hemd seines Partners, fühlte die warme Haut und seufzte müde. Elims Arme schlossen sich fester um ihn und er spürte die zarte Berührung von Elims Lippen auf seinem Haar.

„Guten Morgen, mein Liebling.“

Elims Stimme, leise und sanft. Wie gerne wäre Julian jetzt einfach liegen geblieben, hätte die Pflicht noch etwas vor sich hergeschoben. Erneutes Seufzen und tieferes in-Elim-Kriechen. Der Cardassianer schmunzelte und tippelte mit seinen Fingerspitzen über Julians Rücken, streichelte den Nacken, fuhr zart über den Hals, das Kinn und strich schließlich über die unrasierte Wange des Arztes. Er konnte sich nicht helfen, er fand es unglaublich anziehend, wenn Julian einen Dreitagebart hatte und so zog er seinen Partner enger an sich.

„Ich muss los, Hase“, flüsterte Julian entschuldigend. „Und vorher duschen wollte ich auch noch ...“

„Hmmm … dabei könnte ich dir ja helfen?“

„Sicher“, grinste der Jüngere und ließ sich dennoch etwas tiefer in die Umarmung sinken. „Nur komm ich dann zu spät.“

„Keine Sorge, ich kümmere mich darum, dass du rechtzeitig kommst.“

Julian lachte und gab Elim einen spielerischen Hieb. „Hatten wir uns nicht mal auf 'keine Anzüglichkeiten vor Schichtbeginn' geeinigt?“

„Nun … ich betrachte es eher als lose Vereinbarung ...“

„Elim“, Julian stützte sich auf Elims Brust und sah ihn bedauernd lächelnd an. „Mein Kopf ist total voll, ich will erst die Sache mit den Ensa abschließen, okay?“ Zärtlich senkte er seine Lippen auf Elims und küsste ihn liebevoll. Cardassianer allerdings sind nicht unbedingt bekannt dafür, schnell aufzugeben, und so suchte Elims Zunge Einlass, umspielte Julians Lippen, bis diese sich teilten. Mit seiner linken Hand griff er in Julians Nacken, die rechte wanderte in tiefere Gefilde.

„Sicher …?“, raunte er in Julians Ohr, sodass diesem ein heißer Schauer durch den Körper fuhr.

„Hmmm …zehn Minuten könnte ich entbehren ...“

Ohne den Kuss zu lösen, standen sie beide auf und gingen in das Badezimmer. Unter immer intensiveren Küssen entledigten sie sich ihrer Kleidung und Julian zog Elim mit sich in die Duschkabine. Während er sich mit einer Hand an Elim krallte, stellte er mit der anderen das Wasser an, ließ dann seine Hand aufreizend langsam über den muskulösen, schuppigen Körper des Cardassianers gleiten. Dieser erschauerte und drängte Julian an die Duschwand.

"Dreh dich um", hauchte er ihm kehlig ins Ohr und griff mit beiden Händen nach Julians Hüfte. Auch ohne Elims Aufforderung hatte er sich bereits herumgedreht und presste sich mit dem Hintern fest an Elims Unterleib. Elim nahm die Einladung an, rieb seine Erektion zwischen Julians Beinen, die vor Erregung und Müdigkeit zu zittern begannen. Dankbar nahm Julian wahr, wie sein Partner ihm einen Arm um den Bauch legte, um ihn zu stützen, dabei umfasste er Julians Mitte, bewegte langsam seine Hand auf und ab. Julian stöhnte auf, seine Stirn sank gegen die Kabinenwand und er drängte sich enger an Elim, zuckte aber gleich wieder mit den Hüften nach vorne, stieß in Elims heiße Hand. Er keuchte lustvoll auf, als Elim vorsichtig seinen Eingang dehnte, sich mit sanften Stößen vorwärts schob. Das heiße Wasser aus der Dusche lief über ihre Körper, machte jede Bewegung fließender, jeder Tropfen sendete neue Reize durch ihre Körper. "Elim ..." Julians Stimme war kaum mehr als ein lustvolles Seufzen, als er in dem Rhythmus in Elims Hand stieß, in dem Elim sich in ihm bewegte. Mit einem tiefen, erschöpften Stöhnen ergoss er sich zeitgleich mit seinem Partner. Hätte dieser ihn nicht gehalten, wäre er kraftlos zusammen gesackt.


***


Tatsächlich betrat Julian etwas später zwar pünktlich, aber mit noch nassen Haaren und einem Thermobecher mit Raktajino in der Hand, die Krankenstation. Er begrüßte die anwesenden Schwestern und ließ sich an seinem Arbeitsplatz nieder. Die nächsten Stunden war er vollauf damit beschäftigt, noch einmal alle Daten und Ergebnisse bezüglich der Ensa durchzugehen. Aber so viel er auch suchte, er fand einfach keinen weiteren Anhaltspunkt, wie er hätte etwas anders machen sollen. Seufzend und müde rieb er sich über die Stirn. Wenn er in den letzten Tagen für jeden Seufzer einen freien Tag bekommen hätte, könnte er mit Elim einen schönen langen Urlaub machen… Er schüttelte den Kopf und gähnte lächelnd. Elim. Dass er nach dem gestrigen Tag beziehungsweise Nacht überhaupt in den Schlaf gefunden hatte, lag einzig und allein an der Sicherheit und Geborgenheit, die Elim ihm mit seiner bloßen Präsenz gab. Und ja, er hatte heute Früh sogar für eine sehr gute Viertelstunde die Anspannung der letzten Ereignisse vergessen können. Er vermisste Elim. Das fühlte er immer besonders, wenn er durch berufliche Dinge nur wenig Zeit mit seinem Partner verbringen konnte. Er brauchte Elim, zog soviel Kraft und Ruhe aus ihm. Und wieder seufzte Julian und stützte das Kinn auf einer Hand ab, mit der anderen schob er lustlos das PADD mit den letzten Blutwerten der Ensa von sich weg.

Als er sich damals für eine Laufbahn als Sternenflottenmediziner entschieden hatte, war in seiner Planung keine feste Beziehung gewesen. Schon gar keine derart ernste Partnerschaft, bei der er mit jemandem zusammen lebte und heiraten wollte. Heiraten. Das klang immer noch so unwirklich verrückt, ließ seinen Bauch kribbeln und warme Röte in seine Wangen aufsteigen. Ja, er wollte Elim heiraten. Trotz der ungesagten Dinge, die Elims Vergangenheit mit sich brachte.

„Julian?“, riss ihn Miles' Stimme aus den Gedanken und er drehte sich mit seinem Stuhl herum.

„Oh, sieht übel aus!“ Sofort sprang der Arzt auf und eilte auf seinen Freund zu, dessen rechter Arm mit dicken Brandblasen übersät war. Sanft führte er Miles zu einer Liege, drückte ihn darauf und besah sich den Schaden „Was ist passiert?“

„Diese elende widerspenstige Raumstation!“, polterte der Chief mit zusammengebissenen Zähnen, als Julian damit begann, die Verbrennung zu behandeln. „Ich gehe jede Wette ein, diese lausigen Cardassianer – 'tschuldige … - lachen sich immer noch in die dreckigen Fäu- ...“

„Miles!“

„'tschuldige …“ Er warf Julian einen reumütigen Blick zu. „Eine Plasmaleitung ist geplatzt – genau in dem Moment, als mein Arm gefühlt zwei Meter in einem Schacht steckte und ich ihn nicht mehr rausbekam, weil der vermaledeite Konstrukteur dieser Station scheinbar keine Ahnung von Anatomie hatte - oder keine Arme! Dämlicher … Aua!“

„'tschuldige.“

„Von wegen.“ Der Ingenieur musterte seinen Freund eingehend. „Du siehst ganz schön fertig aus.“

„Danke.“

„Nein, ehrlich. Alles klar?“

„Hmh“, kam die konzentrierte Antwort.

„Hast du überhaupt geschlafen?“

„Hmmmh.“

„Hmmm … Aber zwischen dir und Elim ist wieder alles in Ordnung?“

„Hm?“ Überrascht sah Julian auf.

„Na, gestern Nachmittag … in Elims Laden, da wirktest du etwas … angespannt.“

„Ach so.“ Julians Züge wurden für einen Moment nachdenklich, als ihm das nächtliche Gespräch mit Elim wieder präsent wurde. Enabran Tain war Elims Vater. Julian spürte erneut Wut in sich aufsteigen, aber nicht auf Elim, sondern auf Tain – wie irrational das auch war. Wie konnte der eigene Vater derart ungerecht und grausam an seinem Sohn handeln? Gut, die Frage stellte jetzt nicht unbedingt der Richtige, gestand er sich mit einem unbewussten, frustrierten Schnauben ein. Sein Vater war auch nicht gerade das Paradebeispiel eines tollen Vaters. Trotzdem … Tain hätte Elim mehr als einmal skrupellos sterben lassen! Wenn er damals, als er bei Tain wegen Elims Implantat war, gewusst hätte, wer dieser Mann wirklich ist … Kopfschüttelnd widmete Julian sich wieder den Verletzungen seines Patienten.

„Jules!“

„Was denn?“

„Rede mit mir!“

„Ich behandle dich gerade, falls du es nicht bemerkt hast, du hast fiese Verbrennungen auf deinem Arm.“

„Ist sonst auch kein Hindernis. Was ist los?“ Miles legte seine unverletzte Hand auf Julians Unterarm.

Julian seufzte, beendete die Behandlung, indem er noch eine kühlende Salbe auftrug und erwiderte schließlich Miles' besorgten Blick. „Es ist alles okay zwischen uns, ehrlich.“

„Aber?“

„Aber … Miles, es ist halt nicht immer ganz so einfach … Elims Vergangenheit ...“ Er brach ab und zuckte hilflos die Schultern. Entschieden zog Miles seinen Freund neben sich auf die Krankenliege und legte ihm Trost spendend eine Hand auf die Schulter. Diese kleine Geste reichte schon, um Julian erneut spüren zu lassen, wie erschöpft er in allen Bereichen war und er lehnte sich gegen seinen Freund. „Mir war klar, dass Elims Zeit vor Deep Space Nine immer irgendwie im Hintergrund präsent sein würde … und es ist okay für mich, wirklich. Ich liebe ihn und was früher war, ist vergangen und gehört halt zu ihm.“

„Habt ihr nie darüber geredet?“

„Na ja, wir haben uns jetzt nicht gegenseitig unsere Memoiren vorgelesen …“

„Blödmann“, neckte Miles und Julian fuhr fort: „Elim ist ein sehr kontrollierter, überlegter Mann. Ich denke, für ihn ist es ungleich schwieriger, eine Person so sehr an seinem Leben teilhaben zu lassen. Nicht nur an seinem jetzigen. Ich weiß mehr von und über ihn, als jeder andere und das erfüllt mich mit Stolz, macht mich glücklich. Aber trotzdem … Miles, ich hab einfach Angst, ihn zu verlieren. Angst, dass irgendwann etwas aus seiner Vergangenheit ihn mir wegnimmt und ich nichts dagegen tun kann ...“

„Ach, Jules“, seufzte nun Miles und drückte Julian aufmunternd. „Einfach ist es nie. Ich bin mir sicher, Elim würde nichts tun, was eurer Beziehung schadet, dazu liebt er dich zu sehr. Vielleicht will er dich einfach schützen und hält deswegen einige Aspekte seiner Vergangenheit zurück. Gib ihm Zeit. Gib euch Zeit.“

"Hmh ...", meinte Julian nach einigen stillen Momenten leise und nickte.

"Schau mal", fuhr Miles fort. "In jeder ernsten Beziehung gibt es Bewährungsproben - und ich bin sicher, dass ihr damit fertig werdet." Er rieb Julian aufmunternd über den Rücken. "Als ich damals hier anfing, du ahnst nicht, wie sehr Keikos und meine Ehe darunter litt. Aber wir haben's irgendwie auf die Reihe bekommen. Und als Keiko für einige Monate die Station verlassen hatte, war das hart für uns beide, aber notwendig. Manchmal ist der Weg nicht ganz einfach, aber mit einem Partner, dem man vertraut und den man so liebt, wie du deinen Elim ... Da kann nichts Schlechtes bei rauskommen, nicht, wenn ihr euch aufeinander verlassen könnt, egal, was passiert." Der Chief räusperte sich und warf Julian einen Seitenblick zu. Der Arzt starrte nachdenklich vor sich hin, die Stirn gerunzelt. Dann nickte er zögerlich. Miles hatte sicher recht. Und egal, was hinter Elim lag, er würde ihm blindlings folgen, alles für ihn tun und vertraute ihm. Umgekehrt war er überzeugt, dass Elim ebenso empfand. Julian drehte den Kopf zur Seite und erwiderte Miles' Blick mit einem wirklich müden Lächeln. "Danke, Miles."

"Geht schon klar", brummte dieser und eine Weile saßen die Freunde ruhig nebeneinander, jeder hing seinen eigenen Gedanken nach. Schließlich brach Miles kaum hörbar die Stille: "Keiko hat ein Bewerbungsgespräch in einer botanischen Forschungsstation auf Bajor."

"Was? Miles, das ... tut mir leid. Wann?" Julian sah seinen Freund mitfühlend an.

"Anfang nächster Woche. Ich hab frei bekommen und fliege sie hin."

"Geht es dir gut damit?" Prüfend musterte der Arzt ihn, Miles winkte ab.

"Es ist okay. Der Posten ist auf ein Jahr befristet und Bajor ist nicht weit weg, wir könnten uns regelmäßig sehen. Außerdem", der Chief senkte die Stimme und sah Julian ungewöhnlich ernst an, "Ich wäre erleichtert, Keiko und Molly aus der Schusslinie zu wissen, sollte sich die Lage hier noch mehr zuspitzen."

Julian nickte verstehend und beide verfielen wieder in Schweigen.

"Ich werd dann mal wieder in mein Wandloch zurück ...", meinte der Ingenieur schließlich und erhob sich.

"Miles?" Julian war ebenfalls aufgestanden und hielt ihn an der Schulter zurück. "Wenn Keiko wirklich nach Bajor geht ... Elim und ich rutschen gerne im Bett enger zusammen."

"Blödmann", lachte Miles und umarmte seinen Freund dankbar.

***


„Julian, welch Überraschung!“ Erfreut machte Garak ein paar Schritte auf seinen Partner zu, der am späten Nachmittag in seinem Laden auftauchte, um ihn zärtlich in seine Arme zu schließen. Der Arzt schnurrte etwas Unverständliches an Garaks Brust.

„Wie bitte?“ Verständnislos blickte der Cardassianer auf Julians Hinterkopf. Julian richtete sich auf und stupste Garak mit seiner Nasenspitze auf die Stirn. „Ich hab dich vermisst.“

Ein warmes Lächeln überzog Garaks Gesicht. „Ich dich auch, mein Liebster. Hast du Dienstschluss?“

„Ja. Und du, machst du noch lange?“

Garak deutete mit dem Kinn zu einer Ankleidepuppe, auf der ein wohlbekanntes rosa Ungetüm in Tüll hing. „Ich muss nur etwas fertig machen und auf eine Kundin warten, dann kann ich schließen.“

Julian war zum Sofa gegangen und ließ sich breit grinsend darauf fallen. „Die Tortenfrau?“

Mit einem halb amüsierten, halb tadelnden Schnauben warf der Schneider eine Garnrolle nach ihm, die Julian trotz aller Erschöpfung geschickt auffing. „Mein liebster, respektloser Doktor“, mahnte Garak schmunzelnd. „Nicht jeder ist mit einem derart ansehnlichen und athletischen Körper gesegnet.“

„Ja, der macht schon was her, oder?“ Julian grinste und räkelte sich auf dem Sofa, was allerdings ob des nicht zu unterdrückenden Gähnens nicht gänzlich als laszive Pose glückte.

Garak schüttelte belustigt – und eindeutig mit einem sehr verliebten Blick – den Kopf und widmete sich seiner Näharbeit. Als er sich einige Minuten später zu Julian umdrehte, da er die zuvor geworfene Garnrolle benötigte, fand er seinen Partner eingerollt und tief schlafend vor. „Unfassbar ...“ Liebevoll strich der Schneider ihm über die Haare und zog eine dünne Decke über ihn.

Weder davon noch von dem Besuch der Kundin bekam Julian etwas mit, sein Körper hatte instinktiv auf die vertraute Umgebung und die ruhende Position reagiert und den dringend benötigten Schlaf eingefordert. Erst als Garak, nachdem er seinen Laden aufgeräumt und geschlossen hatte, ihn mit einem Stückchen Samtstoff unter der Nase kitzelte, wachte er mit einem Lächeln auf den Lippen auf.

„Hmmm … ich liebe dieses Sofa ...“ Halbherzig schlug er nach Garaks Hand und dem Stofffetzen. „Lass uns noch ein bisschen in glücklicher Zweisamkeit ...“

„Nichts da, mein Liebling. Hiermit mache ich mein Recht als dein Mann geltend und fordere sämtliche Zweisamkeit für mich ein.“

Das tat seine beabsichtigte Wirkung. Ruckartig schlug Julian die Augen auf. Elim sah ihn aus vergnügt funkelnden Augen mit dem ihm so eigenem unergründlichen Lächeln an.

„Äh ...“, gab Julian verwirrt von sich und spürte, wie sich seine Wangen rot färbten. Ahnte Elim etwas?

Dieser ergriff Julians Hand, hauchte einen zärtlichen Kuss auf den Handrücken und zog ihn schließlich hoch. „Lass uns heimgehen, mein Liebster. Und“, Elim senkte seine Stimme und rieb seine Nase an Julians Ohr, „Mach dir nicht so viele Gedanken. Ich liebe dich.“ Er schlang seinen Arm um Julians Taille und gemeinsam machten sie sich auf den Heimweg; Garak hin und wieder leise glucksend und Julian abwechselnd gähnend und grübelnd die Stirn runzelnd.


***
End Notes:
So, an dieser Stelle mal: Ganz tiefen Dank an die Leser, die meinen Schätzen die Treue halten. Und denjenigen, die mir auch Reviews da lassen: *mwah* Danke!

Vermutlich kommt jetzt ein paar Wochen nix, durch die aktuelle Challenge und das Weihnachtswichteln hab ich noch bisschen was zu tun. Aber eigentlich hab ich vor, so schnell wie möglich weiterzuschreiben, sonst bekomm ich schreckliche Sehnsucht und gehe ein - ohne Scheiß! Und Ihr müsst das dann ausbaden, weil es n o c h fluffiger wird! Muhahaha. ^^
Little Blue Music Box (Brian Crain) by Amber
„Ich gehe los zur Arbeit, genieß deinen freien Tag, mein Liebling.“ Julian nahm Elims geraunte Worte am Rande wahr, lächelte unbewusst, als er den zarten Kuss empfing und kuschelte sich tiefer ins Kopfkissen. Als kurz darauf der Türsummer hartnäckig um Aufmerksamkeit bat, rollte Julian aus dem Bett, rieb sich gähnend über die Stirn und grabschte nach der Decke, die er sich beim Gehen überwarf. Elim schien etwas vergessen zu haben, aber warum kam er nicht einfach herein? Verschlafen öffnete Julian die Tür und nuschelte: „Warum klingelst du denn, Hase?“

„Weil ich den Zugangscode nicht kenne, Tiger.“

Julian hob den Blick und erwiderte Jadzias Grinsen mit einem irritierten Lächeln. „Was machst du denn hier?“

„Ich war eben bei deinem Liebsten im Laden und der verriet mir, dass du frei hast“, erklärte die Trill und hielt ihrem Freund einen kleinen Karton unter die Nase. „Da dachte ich mir, du hattest ein paar wirklich miese Tage, also besorge ich uns kleine betazoidische Küchlein und komme zum Frühstück.“

„Äh … klar, komm rein.“ Julian rieb sich erneut gähnend die Stirn. Wenn Elim schon im Laden war … dann war er wohl tatsächlich nochmal eingeschlafen. Als Julian Jadzias grinsenden Blick auf sich spürte, schaute er an sich herab, verzog kurz das Gesicht und wies zum Bad. „Ich geh mir mal eben was anziehen ...“

„Ach, ich mag, was du trägst – oder auch nicht trägst“, neckte Jadzia gutmütig.

Kopfschüttelnd und mit einem leisen Lachen ging der Arzt ins Badezimmer, um sich kurz frisch zu machen. Was hätte er vor einigen Jahren noch darum gegeben, sich in so einer Situation mit der hübschen Trill wiederzufinden. Und jetzt? Selig lächelnd trocknete er sich das Gesicht ab und wechselte ins Schlafzimmer, wo er sich eine bequeme Trainingshose anzog und nach einem Shirt suchte. Jetzt war sie neben Miles seine beste Freundin, verlobt und er selbst bis über beide Ohren verliebt in Elim. Er wünschte es sich nicht anders, nicht einen einzigen Augenblick lang.

„Awwwww!“, tönt es in diesem Moment verzückt aus dem Wohnzimmer. Awww? Julian hatte keinen blassen Schimmer, was Jadzia dazu verleitet hatte, also schnappte er sich ein Shirt und schlüpfte rasch hinein, als er ins Wohnzimmer zurückkehrte. Dort fand er seine Freundin am Replikator stehen, einen kleinen Zettel in der Hand und ihm schoss verlegene Röte ins Gesicht, als ihn eine Ahnung beschlich.

„Mein liebster Traumstern“, las Jadzia lächelnd vor. „Gerade jetzt denke ich an dich und wünsche dir einen schönen Vormittag. Ich freue mich auf dich, Elim.“ Die Trill ließ den Zettel sinken und presste ihn sich an die Brust. „Oh, Julian, wie süß!“

„Jaaaa ...“, meinte dieser gedehnt und griff nach Elims Botschaft. Ein zärtliches Lächeln umspielte seine Lippen, als er die Worte noch einmal las.

„Er hat dir einen Liebesbrief geschrieben! Macht er das oft?“

„Hmmm ...“ Julian strahlte still vor sich hin, nickte unbestimmt und hob dann plötzlich grinsend den Blick. „Komm mal mit! Und vergiss den Kuchen nicht!“ Er orderte zwei große Raktajino aus dem Replikator und hüpfte dann gut gelaunt ins Schlafzimmer. Neugierig folgte die Trill ihm und ließ sich dann neben Julian, der eine kleine Box unter dem Bett hervor zog, auf dem Boden nieder. Sie stellte ihre Tassen neben sich ab und sah ihren Freund erwartungsvoll mit blitzenden Augen an.

Zärtlich strich Julian über den Deckel der Box, öffnete diese dann und schob sie mit einem halb verlegenen, halb stolzen Lächeln zu Jadzia. Diese beugte sich sogleich darüber, hob entzückt eine Augenbraue und erwiderte dann Julians Strahlen. „Oh nein, sind die alle von ihm?“ Sie wartete Julians Nicken gar nicht ab und zog den untersten Zettel heraus. „Mein liebster Doktor“, las sie fast schon andächtig. „Wenn du dich anlehnen willst … ich bin da, jederzeit. - Oh, Julian, war das der erste?“

„Ja“, lächelnd erinnerte sich Julian an den Moment, als er den Zettel fand und eine wohlige Wärme breitete sich in ihm aus. „Wir waren damals mit Miles zu dieser Erkundungsmission in den Gammaquadranten aufgebrochen, erinnerst du dich? Du hast uns bei Rage abgezogen. An den Abenden davor hatte Elim mir aus 'Die weiße und schwarze Blüte der Pflicht' vorgelesen… Jaaa … und diesen Zettel fand ich dann in meinem Gepäck, er lag bei dem Buch und es war die Stelle markiert, an der Elim und ich zuletzt waren ....“

„Awww ...“

„Hmmmmh ...“

Still saßen sie beisammen mit dem Rücken ans Bett gelehnt, aßen die süßen Küchlein und Jadzia las mit einem sanften Lächeln die kleinen zärtlichen Briefchen, warf hin und wieder Julian ein Zwinkern oder Lächeln zu und seufzte leise. „Ich hatte nicht gedacht, dass Garak so romantisch ist.“

„Doch, schon.“ Das noch immer andauernde Lächeln auf Julians Gesicht ließ seine Wangen glücklich glühen und die Augen verliebt leuchten. „Worf kann ich mir übrigens auch nicht unbedingt romantisch vorstellen.“

Jadzia gluckste. „Nein, das Romantischste, was er in letzter Zeit zustande gebracht hat, war vermutlich, dass er mir morgens frisches Gagh ans Bett brachte.“ Lachend schüttelte sie den Kopf und sah trotzdem sehr glücklich aus. „Er hat andere Qualitäten.“ Sie zwinkerte anzüglich und Julian stimmte in ihr Lachen ein: „Erinnere mich nicht daran, wie oft ich dich zusammenflicken muss! Wobei … entweder behandelt ihr euch jetzt selbst - oder habt euch ausgetobt und verbringt die Abende geruhsam mit Tongo?“
„Weder noch!“, entgegnete Jadzia grinsend. „Wir haben inzwischen einfach ausreichend Übung darin und können gewisse Risiken minimieren.“

Der junge Arzt schüttelte den Kopf, grinste aber. Klingonische Liebespraxen waren ihm vollkommen unverständlich.

„Übrigens, Julian … Was ich dich schon lange mal fragen wollte ...“

Oha. Auf belustigte Weise alarmiert runzelte Julian neugierig die Stirn. „Ja?“

„Wie ist Garak eigentlich als Mann? Ich war noch nie mit einem Cardassianer intim, werde es wohl auch nicht mehr in diesem Leben und mich interessiert es brennend.“

„Äh“, begann Julian und spürte, wie ihm erneut die Verlegenheitsröte in die Wangen schoss. Eigentlich hätte er ja mit so einer Frage rechnen sollen … „Hm, ich … kann da jetzt nicht so wirklich Vergleiche ziehen ...“, stammelte er. „Ich meine … Vor Elim … also ...“ Oh man!

„Ah!“ Jadzia Grinsen wurde verständnisvoller. „Du warst vor Garak nie mit einem Mann zusammen?“

Julian brummelte eine Bestätigung und versteckte sich kurz hinter seiner Tasse. So sehr er Jadzia auch als Freundin liebte, manchmal war sie eine Herausforderung.

„Okay, dann eine andere Frage. W- ...“

„Hey“, unterbrach Julian sie lachend und stieß ihr mit dem Ellbogen in die Seite. „Ich brauch noch einen Raktajino – du auch?“

Zusammen gingen sie wieder ins Wohnzimmer. „Kal-Jinn hat mir übrigens geschrieben“, berichtete Jadzia. „Er hat jetzt für uns ein Resort auf Risa gebucht und mir Bilder und Informationen dazu geschickt. Willst du mal sehen? Ich hab dir die Nachricht weitergeleitet.“

„Auf jeden Fall!“ Julian setzte sich an seine Computerkonsole, fand Jadzias Nachricht und öffnete sie. „Wow!“, entfuhr es ihm begeistert, als er das erste Bild sah: Eine aus der Vogelperspektive gemachte Aufnahme der Anlage zeigte diese am Fuß einiger Steilklippen. Das Hauptgebäude samt großer Poolanlage befand sich am Anfang des Geländes. Und von dort zogen sich viele verschlungene Pfade durch idyllisch angeordnete Gruppen von Pinien und Palmen zu kleinen freistehenden Hütten.

„Alle Hütten haben eine Terrasse mit Meerblick“, informierte ihn Jadzia. „Und man braucht nur rund 10 Minuten zu Fuß, bis man am Pool oder Hauptgebäude ist.“

„Das ist ja super! Zum Strand ist es auch nicht weit“, vermutete Julian fröhlich und zeigte auf einen Weg, der vom Gelände zu einem langen Sandstrand führte.

„Kal-Jinn meinte, man kann den zum Resort gehörenden Strand nutzen. Ansonsten findet man, wenn man hier entlang geht“, sie deutete mit dem Finger auf die entsprechende Stelle, „einige versteckte einsame Buchten.“

Die beiden tauschten ein Grinsen aus. Julian scrollte weiter durch die Bilder. Die Poolanlage bestand aus drei Pools in verschiedener Größe, die durch Kanäle miteinander verbunden waren. Und Whirlpools gab es in einigen Separees. Das Hauptgebäude bot ein Restaurant mit Buffet, dann gab es dort noch diverse Angebote wie Sauna, Massagen, Fitnesscenter, Kosmetik, Friseur und so weiter. .

„Jetzt kommen die Bilder der Hütten!“, freute sich die Trill. „Kal-Jinn hat die beiden hier hinten für uns reserviert.“

„Oh, die gefallen mir“, begeistert schaute sich Julian die Innenaufnahmen der Unterkünfte an. Innen war alles in hellen Farben gehalten und mit Bast, Schwemmholz und Topfpflanzen dekoriert. Außer einem Bad mit Wanne und Dusche gab es nur einen großen Raum, in dem sich hinter einem Vorhang ein großes Doppelbett befand, und zur Terrasse ausgerichtet war eine gemütliche Sitzgruppe. „Hey, wir müssen uns nicht mal bis zum Hauptgebäude bewegen“, gluckste der Arzt. „Hier steht, alle Unterkünfte sind mit einem Replikator ausgestattet, der auf dem kulinarisch neusten Stand ist.“

Die beiden stöberten noch eine Weile durch die Touristeninformationen und plauderten, bis sich Jadzia am frühen Nachmittag verabschiedete. Julian übertrug die Fotos auf ein Padd, er wollte zu Elim, um ihn zu einer Teepause zu überreden und ihm die Bilder zu zeigen.


***


Die nächsten Tage verliefen auf der Station ungewohnt ruhig, selbst Julian hatte nicht viel zu tun, nachdem er die Akte über die Ensa endlich geschlossen hatte. Und so widmete er sich seiner Idee zur Gründer-Enttarnung. Odo hatte er noch nicht damit behelligt, sondern stattdessen begonnen, alle ihm zugänglichen Daten über die Gründer und Odos medizinische Akte zu lesen. Und das war einiges an wirklich interessantem Material. An diesem Abend war Elim mit Kira zum Training verabredet und Miles hatte ihm abgesagt, da er ja am nächsten Tag in aller Frühe mit Keiko nach Bajor fliegen wollte. Also machte Julian es sich zuhause auf dem Sofa bequem und arbeitete von dort aus.

Als Elim heimkam, fand er seinen Partner mit dem Padd auf der Brust dösend vor. Lächelnd ging er zu ihm, legte das Padd auf den Tisch und hauchte Julian einen Kuss auf die Lippen. Ein wohliges Schnurren antwortete ihm und er spürte Julians warme Hände unter sein Hemd krabbeln. „War dein Abend schön?“, fragte Julian leise und fuhr mit seiner Nase über Elims Wange.

„Ja, sehr. Allerdings auch anstrengend. Nerys ist unglaublich zäh und stark für eine Person ihrer Statur. Ich werde mich morgen wohl nur sehr gemächlich bewegen können.“

„Oh, hat dich unser Major verprügelt?“, neckte der Jüngere grinsend.

„So würde ich das nicht sagen …“

„Armer Liebling. Ego geknickt, Muskeln strapaziert …“

„Spotte nur, du wenn auch sehr entzückender doch nerviger Plagegeist .“ Elim biss ihm spielerisch in die Nase.

Julian giggelte und fuhr mit seinen Fingerspitzen seitlich an Elims Wirbelsäule entlang. „Komm, leg dich hin, du hast dir eine Massage verdient.“

„Wie überaus zuvorkommend.“ Gerade wollte Elim sich sein Hemd ausziehen, da erklang der Ton einer eingehenden Videonachricht. Die beiden tauschten einen überraschten Blick, dann ging der Schneider jedoch zur Komanlage. Und seine Stirnwülste wanderten verwundert nach oben, als er den Anrufer identifizierte.

„Oh, welch angenehme Überraschung, guten Abend!“, grüßte er lächelnd. Neugierig spitzte sein Liebster die Ohren, verzog aber gleich darauf das Gesicht, als eine wohlbekannte Stimme aus dem Lautsprecher klang.

“Guten Abend, Elim, mein Junge“, erwiderte Amsha Bashir den Gruß. “Du siehst gut aus!“

„Vielen Dank, meine liebe Amsha“, deutete Elim eine Verbeugung an und seine Augen blitzten vergnügt auf. „Ich spiegle lediglich dein strahlendes Antlitz wieder!“

Julian rollte die Augen und ließ sich rücklings auf das Sofa fallen. Seine Mutter lachte glockenhell auf. “Du Schmeichler! Ich ahne schon, wie du dir meinen Sohn geangelt hast. Sag, ist Jules - Julian - zu sprechen?“

Ruckartig setzte sich eben jener wieder auf und wedelte hektisch verneinend mit den Händen.

„Bedaure“, entgegnete Elim entschuldigend und hob seine Hände. „Unser lieber Doktor ist gerade einem Notruf gefolgt. Aber sei beruhigt, nichts Gravierendes.“

“Oh, schade. Richtest du ihm aus, dass ich angerufen habe? Und dass er sich bitte melden soll?“

„Aber selbstverständlich.“

“Dann genieß noch einen ruhigen Abend, mein Lieber.“

„Vielen Dank. Und bestelle deinem Gatten Grüße. Auf Wiedersehen, Amsha.“ Er trennte die Verbindung und sah Julian tadelnd an. „Warum willst du nicht mit deiner Mutter sprechen? Ich kann mich nicht daran erinnern, dass sie dich schon einmal angerufen hat, seit wir zusammenwohnen.“

„Korrekt“, bestätigte Julian und seufzte genervt. „Vermutlich will sie mir nur irgendwas erzählen, was mein Vater aktuell Tolles macht oder – schlimmer – einen Besuch ankündigen, nachdem wir ihren Einladungen noch nicht gefolgt sind ...“

„Rufst du sie morgen zurück?“

„Hmmhnnnghmmm … Willst du nicht? Ihr versteht euch doch prächtig ...“

Nun war es an Elim, zu seufzen. Er erhob sich, ging zu Julian und zog ihn an sich heran. „Julian, ruf sie an. Wenn sie wirklich einen Besuch planen, verweise auf die heikle Situation mit dem Dominion und dass es zu gefährlich ist. Und stimme unverbindlich zu, dass wir sie bei Gelegenheit besuchen.“ Die mit Sicherheit kommenden Widerworte unterband er mit einem entschiedenen Kuss. „Und jetzt …?“

„ … bekommst du endlich deine Massage?“ Julian lächelte ihn zärtlich an und zog ihn mit sich ins Schlafzimmer. „Mach es dir schon mal bequem, ich hole noch Massageöl.“ Kurz darauf erfüllte der holzige, warme Duft von Sandelholz die Luft. „Und jetzt, entspann dich, Hase, und lass dich von des Doktors fähigen Fingern verwöhnen!“

„Solange sie nicht so kalt sind wie sonst ...“ Elim gluckste leise, als er daraufhin hörte, wie Julian in seine Handflächen blies und sie aneinander rieb.


***

Eng aneinandergekuschelt lagen sie nach der Massage im Bett. Julian hatte sich mit dem Kopf an Elims Brust geschmiegt und fuhr mit den Fingern sanft dessen schuppige Haut entlang. Wohlig seufzend sank der Cardassianer tiefer in die Matratze, streichelte schläfrig das Haar seines Doktors und schaute blinzelnd ins Halbdunkle über ihm.

„Ich bin sehr glücklich mit dir, Elim“, vernahm er Julians Wispern und lächelte. Zur Antwort zog er seinen Liebsten enger an sich. „Ich freue mich auf Risa“, flüsterte er nach einigen Augenblicken. „Da habe ich dich endlich wieder für längere Zeit nur für mich.“

Julian gluckste. „Oh, und ich kann dir endlich mal wieder alles erzählen, worüber ich mir so den lieben langen Tag Gedanken mache ...“

Lachend ging Elim auf das Necken ein. „Bewahre! Mir wird schon das eine oder andere Argument einfallen, um dich zum Schweigen zu bringen!“

„Zum Beispiel …?“, Julian richtete sich ein wenig auf, stütze sich auf seinen Unterarm ab und funkelte seinen Partner vergnügt an.

„Zum Beispiel ...“ Zärtlich legte Elim Julian eine Hand in den Nacken, zog ihn zu einem Kuss zu sich hinab - und der Türsummer meldete sich!

„Das zweite Argument finde ich doof“, seufzte Julian und erhob sich. Wenn so spät jemand sein Quartier aufsuchte, musste es sich um einen Notfall handeln. Rasch schlüpfte er in seine Trainingshose und eilte zur Tür. Kaum hatte er diese geöffnet, stürzte ein völlig zerzauster und hektischer Miles herein.

„Jules, es tut mir leid, aber ich brauch ganz dringend deine Hilfe!“

„Was ist passiert? Molly? Ich hol meine Tasche ...“ Julian wollte sich gerade umdrehen, da packte Miles ihn an der Schulter.

„Nein, nicht so ein Notfall! Aber trotzdem, Keiko ist total von der Rolle, wir wissen nicht, was wir machen sollen und -“

„ … du setzt dich jetzt und erzählst in Ruhe“, entschied Julian und bugsierte seinen Freund aufs Sofa. Aus den Augenwinkeln nahm er Elims Gestalt im Türrahmen wahr. Er drehte sich zu ihm und formte lautlos „Tee“ mit seinen Lippen. Elim nickte und ging zum Replikator. Inzwischen hatte sich Miles hingesetzt und den Kopf auf seine Hände gestützt.

„Also, Miles, was ist los?“ Behutsam legte Julian ihm eine Hand auf die Schulter und schenkte seinem Partner ein dankbares Nicken, als dieser den Tee brachte und fragend auf den Platz zu Miles' anderer Seite deutete. Elim setzte sich und hielt dem Chief eine Tasse Tee hin, aus der ein leichter, scharfer Duft nach Alkohol aufstieg. „Hier, das beruhigt Geist und Nerven.“

Seufzend richtete Miles sich auf, nahm die Tasse entgegen und trank einen kleinen Schluck. Ein kurzes Grinsen huschte über seine Lippen und er hob anerkennend die Augenbraue. Dann blickte er von Elim zu Julian und räusperte sich, als er deren verwuscheltes Haar bemerkte. Dass Julian nur eine Hose trug und Elim einen samtenen Bademantel, bestätigte seine Annahme und sein Gesicht verzog sich schuldbewusst. „Ich hab euch geweckt?“

„Nö“, winkte Julian grinsend ab. „Aber ist nicht schlimm, jetzt erzähl schon.“

„Okay … Also, morgen Früh wollte ich Keiko doch nach Bajor begleiten. Und jetzt hat vor zehn Minuten Mollys Babysitterin abgesagt! Weil sie“, er schnaubte genervt, „sich ganz plötzlich emotional nicht in der Lage fühlt, ein Kind zu betreuen, da ihr Freund sich von ihr getrennt hat. So ein Schwachsinn ...“ Der Ingenieur fügte noch einen halblauten Fluch hinzu, bei dem Elims Stirnwülste in die Höhe schossen und Julian grinsend zur Seite blickte, und nahm noch einen tiefen Schluck Tee. „Jedenfalls haben wir keine Ahnung, wen wir so spontan und mitten in der Nacht noch fragen könnten, da Jake gerade nicht auf der Station ist und … na ja …“

„Miles“, unterbrach Elim ihn. „Selbstverständlich passen wir auf Molly auf.“

„Ehrlich?“, kam es unisono von Miles und Julian. Der Cardassianer zwinkerte seinem Partner fröhlich zu und wandte sich dann wieder an Miles: „Aber sicher, mit dem größten Vergnügen.“

„Elim …“, meldete sich Julian bedauernd zur Wort. „Ich kann morgen nicht freimachen. Bis Mittag hab ich durchweg zu tun und nachmittags sieht es ähnlich aus.“

„Aber ich kann Molly mit in den Laden nehmen“, meinte der Schneider gut gelaunt.

„Hmmm … und wir könnten auf jeden Fall zusammen Mittag essen“, stimmte Julian nachdenklich nickend zu. „Und abends sind wir ja auch zusammen.“

„Natürlich nur, wenn es dir recht ist, Miles?“, wandte sich Elim ihrem gemeinsamen Freund zu, auf dessen Gesicht sich ein erleichtertes Lächeln ausbreitete.

„Molly wird ausflippen, wenn ich ihr sage, dass sie den ganzen Tag mit ihren Lieblingsonkeln verbringen darf“, seufzte der Chief und es klang, als fiele ein sehr großer Stein von seinem Herzen. „Und das geht klar für euch?“

„Selbstverständlich“, nickte Elim zuversichtlich, während Julian sich um ein ebenso optimistisches Lächeln bemühte. Dass Elim mit Molly zurecht kam, daran zweifelte er keine Sekunde. Nur er selbst wusste nicht unbedingt, wie er mit Kindern umgehen sollte, die nicht als Patienten bei ihm waren. Aber er verließ sich auf seinen Partner; wenn Elim meinte, es wäre kein Problem, würde es schon klappen. Hoffentlich.

„Danke, Jungs.“ Miles klopfte beiden mit der Hand auf den Oberschenkel, trank seinen Tee aus und erhob sich. „Ich sag Keiko gleich Bescheid. Wir bringen Molly dann um 0630 zu euch, okay?“

„Klar“, nickte Julian. „Wann kommt ihr zurück?“

Miles zuckte mit den Schultern. „Ist noch unsicher, je nachdem, wie das Bewerbungsgespräch läuft und ob Keiko eventuell schon Probearbeiten soll. Kann sein, dass ihr Molly noch ins Bett bringen müsst … okay?“

„Das schaffen wir schon“, beruhigte ihn Elim. „Macht euch keine Sorgen und hetzt euch nicht.“

„Okay. Und nochmal: Danke, ihr beiden!“

Kaum war Miles gegangen, lehnte sich Julian seufzend zurück. „Elim … du bist dir sicher, dass wir das schaffen?“

Der Cardassianer schmunzelte und legte seinen Arm um Julian. „Vertrau mir, ich hab schon deutlich herausforderndere Aufträge übernommen. Eine entzückende junge Dame einen Tag lang zu behüten erscheint mir als durchaus machbar.“

„Ooookay ...“


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