Team O'Brien und das verhexte Holodeck by Amber, Janora
Summary: "Ich mach mit, wenn du mitmachst", meinte Miles schließlich.
Julian runzelte die Stirn und wiegte den Kopf hin und her. So ganz überzeugt war er noch nicht, andererseits ... "Okay."
"Wirklich?" Der Chief hatte nicht unbedingt mit der Zustimmung des anderen gerechnet.
"Doch nicht?"
"Doch. Oder?"

Ob Dr. Bashir und Chief O'Brien das mal nicht bereuen, nachdem sie von Quark eine Einladung zu einem "exklusiven" Holoabenteuer bekommen haben ...
Categories: TV Serien > Deep Space Nine (DS9) Characters: Julian Bashir, Miles O'Brien
Adventure, Bromance, Crossover, Humor, Challenges: Keine
Series: Die Gesammelten Fälle von unvermeidlichen Crossoverunfällen!
Chapters: 7 Completed: Nein Word count: 23066 Read: 345 Published: 19.08.17 Updated: 11.11.17
Story Notes:
Der zweite Fall! ^^ In gewohnter Manier zusammen verzapft mit viel Spaß. Und der Team Kirk-Fraktion sei versprochen: Jim und Bones plagen sich das nächste mal wieder. Wir konnten das Bones nur nicht s c h o n wieder antun. XD

1. Prolog by Amber

2. Die Große Halle by Amber

3. Citruellus Pomelius der Dritte von Plymouth-Witherby by Amber

4. Wingardium Levi-OOOOO-sa by Amber

5. Patronustier: Echse by Amber

6. Der verbotene Wald by Janora

7. Drachen by Amber

Prolog by Amber
"Ach, komm schon, Miles, wir haben jetzt die letzten drei Mal in Alamo verbracht. Mir tun immer noch alle Knochen weh, wenn ich daran denke!" Demonstrativ rieb sich Dr. Julian Bashir den Rücken, während er neben seinem Kollegen Chief Miles O'Brien das Promenadendeck in Richtung Quark's entlang schlenderte. "Lass uns doch mal was anderes versuchen?" Grüßend nickte er dem Lurianer Morn zu, als sie die Bar betraten.

"Aber auch kein weiteres Agentenabenteuer", erwiderte Miles vehement. "Von denen hatten wir auch wirklich mehr als genug."
Er ließ kurz den Blick schweifen und nickte dann zu zwei freien Plätzen direkt an der Theke."Vor allem von diesem Bond", fügte er noch hinzu.

"Und Kajaking fällt auch weg", bestimmte der Arzt grinsend und klopfte seinem Kollegen gutmütig auf die Schulter. "Das tagelange Gejammer auf der Krankenstation ist kaum zu ertragen." Er ließ sich auf einen Barhocker fallen. Im Nu stand der Ferengi Quark vor ihnen. "Chief, Doktor. Was kann ich Ihnen bringen? Und soll ich für morgen Abend die Holosuite reservieren?"

"Für mich nur einmal vulkanische Salzkartoffelnchips." Miles blickte zu seinem Freund. "Und ja, wenn wir uns auf etwas einigen können. Gefühlt haben wir jedes Szenario schon ein Dutzend mal durchgenommen."

"Machen Sie eine große Portion draus, Quark, und dazu zwei Ale." Julian wandte sich wieder Miles zu. "Nicht jedes. Ich hab dir neulich vorgeschlagen, dass wir mal dieses Ritterprogramm von Dax und Kira ausprobieren können, aber ..."

Der Chief verzog das Gesicht. "Ich werde mich nicht als Blechbüchse verkleidet auf ein Pferd setzen und meine Gegner mit einer Lanze aufspießen." Er seufzte leise. "Ich schwinge lieber ein Lasso."

"Lasso?" Nun war es an Julian, das Gesicht zu verziehen. "Womöglich noch mit Cowboyhut und Stiefeln?" Er gluckste bei der Vorstellung, wie sie beide in breitbeinigster Wild-West-Manier durch die Prärie schritten. Bevor er jedoch noch etwas dazu sagen konnte, brachte Quark die gewünschte Bestellung. "So, die Herren, vulkanische Chips und Ale."

"Wir können auch einfach Dart spielen ... oder ... was hältst du von einem Abenteuer im Dschungel?", schlug der Arzt vor.

Miles bedankte sich bei Quark, schüttelte dann aber zu Julian gerichtet den Kopf. "Von Dschungel habe ich erst mal noch genug, danke. Du erinnerst dich doch bestimmt auch noch an unseren letzten Ausflug dorthin. Und Dart ...?" Er überlegte kurz. "Das machen wir doch sowieso andauernd."

"Vielleicht kann ich den Herren behilflich sein?", mischte sich der Ferengi ein und beugte sich ein wenig vor. Ein Glitzern in den Augen und ein schwer zu deutendes ... Lächeln? Grinsen? auf den Lippen. "Ich hätte da ein Angebot", er senkte verschwörerisch die Stimme.

Neugierig schaute Julian von Quark zu Miles und wieder zurück. "Ich weiß nicht recht ...", meinte er dann zögerlich. Geschäfte mit Quark waren nicht ohne ... Dafür mit einer Menge Ärger und nun ja, Kriminalität verbunden.

Die Aufmerksamkeit des Chiefs war dagegen geweckt. "Was für ein Angebot?", hakte er daher nach. Es konnte ja nichts schaden, es sich einmal anzuhören.

"Es gäbe möglicherweise, natürlich nur, wenn Interesse bestünde, die Möglichkeit zu einem maßgeschneiderten, unvergesslichen Abenteuer", fuhr Quark weiterhin geheimnisvoll fort.

"Miles", versuchte der Arzt es nochmal, wenn auch nur halbherzig, da eigentlich doch recht neugierig war. "Wir sind Angehörige der Sternenflotte, wir symbolisieren etwas, wir ..."

"Immer mit der Ruhe, Doktor", unterbrach ihn Quark beschwichtigend und zauberte unter dem Tresen eine alte, verstaubte Flasche hervor, aus der er sich, Miles und Julian je ein Gläschen einschenkte. "Ich möchte Ihnen nichts wirklich Illegales anbieten." Er hob sein Glas, prostete den Männern zu und trank einen Schluck. "Mein ... Kunde ... möchte nur nicht, dass sein ... Angebot ... an die Falschen gerät."

"Damit wir uns richtig verstehen, wir sprechen hier immer noch von einem Holoabenteuer, oder?" Bei dem Ferengi konnte man in der Tat nicht vorsichtig genug sein. Deswegen schnupperte Miles auch erst mal an seinem neuen Glas, als er es anhob. Es nach Alkohol und wenn er auch nicht sicher war, was für einer, so war es doch gewiss ein guter.

"Aber natürlich", erwiderte Quark.

Fragend blickte Miles zu Julian.

Der zuckte geschlagen mit den Schultern, führte ebenfalls sein Glas zum Mund, nahm einen Schluck und atmete scharf ein. "Himmel, Quark!", ächzte er und hustete mit tränenden Augen.

Lachend klopfte Miles ihm auf den Rücken und zog dann mit seinem Glas nach. Allerdings verging ihm das Lachen, als auch seine Kehle zu brennen anfing. "Puuh. Quark, ich frag lieber nicht, was das ist." Er schob sich ein paar Chips in den Mund, um den Alkohol zu neutralisieren.
"Aber im ernst, wir brauchen ein paar mehr Informationen über dieses 'Abenteuer', bevor wir zusagen."

"Nun", begann der Barbesitzer und warf einen prüfenden Blick durch die Gegend, bevor er leise fortfuhr. "Sie hätten die Möglichkeit, sich morgen Abend um 2100 zu Andockrampe 2 mit einem speziellen Zugangscode Einlass zu verschaffen, dort wird auf dem Holodeck eines Raumschiffes ein exklusives Programm gestartet."

Das war natürlich sehr wage und in keiner Weise beruhigend. Aber wenn die Alternative Dart spielen war ...
Die beiden Freunde tauschten einen Blick aus.

"Ich mach mit, wenn du mitmachst", meinte Miles schließlich.

Julian runzelte die Stirn und wiegte den Kopf hin und her. So ganz überzeugt war er noch nicht, andererseits ... "Okay."

"Wirklich?" Der Chief hatte nicht unbedingt mit der Zustimmung des anderen gerechnet.

"Doch nicht?"

"Doch. Oder?"

"Natürlich!", mischte sich schnell Quark ein und drückte dem Arzt unauffällig einen Datenstick in die Hand. "Alle Informationen finden Sie darauf. Morgen Abend, 2100, Andockrampe 2. Den Zugangscode erfahren Sie morgen um 2030 persönlich von mir. Und", fügte er eindringlich hinzu. "Mein Kunde wünscht nicht, dass außer Ihnen beiden noch jemand von diesem speziellen Angebot erfährt. Sollte jemand fragen, sind Sie in Holosuite 3."

Mit einem letzten Nicken wandte sich der Ferengi wieder seinen anderen Gästen zu, von denen bereits einige darauf warteten bedient zu werden.

Miles runzelte die Stirn. "Also das war ..." Er war sich nicht mal sicher, wie er es nennen sollte.

"Ja, das war ... ungewöhnlich?" Nachdenklich drehte der Arzt den Stick in seiner Hand, dann trank er entschlossen sein Ale aus, nach kurzem Zögern auch den Kurzen von Quark und klopfte Miles auf den Rücken. "Los, in mein Quartier, ich will jetzt wissen, was da drauf ist! Oder?"

"Jetzt sofort?" Miles blickte auf ihren Teller mit den Chips, die beinahe unangerührt noch vor ihnen standen.

„Die kann Quark uns doch einpacken." Voller geheimniskrämerischem Tatendrang winkte er Quark heran, um zu zahlen. "Sag mal, Miles ...?", vorsichtig hielt er sich am Bartresen fest. "Is dir auch ‘n bisschen schwummerig?"

Ein wenig besorgt musterte Miles ihn. "Geht es dir gut, Jules?" Nachdem aber ein Hauch von seinem Atem zu ihm rüber geweht kam, änderte er seine Meinung. "Ich glaube, du hast dein Glas einfach zu schnell ausgetrunken. Komm, ich bring dich zu dir und dann schauen wir uns diesen Stick an."

Schnell ließ er sich noch das Essen einpacken und dann bugsierte er den Arzt zum Turbolift.

In Julians Quartier angekommen - was nur minimal länger gedauert hatte als sonst - ließen sich die Freunde vor der Computerkonsole nieder. Julian steckte den Stick in den Slot und als sich die darauf befindliche Datei öffnete, tauschte er einen irritierten Blick mit Miles. "Ein Film?"

Der Chief zuckte mit den Schultern. "Vielleicht war es der falsche Stick?", überlegte er. "Oder es hat etwas mit morgen zu tun. Sieht auf jeden Fall alt aus."

"Hm", meinte Julian unbestimmt nach einigen Minuten. "Schaut aus, als würde es ein Spielfilm sein, keine Dokumentation oder so." Er hielt den Film kurz an. "Lass uns zum Sofa wechseln, ich hol uns noch ein Bier aus dem Replikator, okay?"

Mit wesentlich festerer Schritten als noch zuvor auf dem Herweg ging er zum Replikator. "Auch noch Chips? Eis?"

Miles nickte und machte es sich auf der Couch bequem."Bloß nicht. Bei der Ernährung darf ich mir sonst wieder was von Keiko anhören. Ich nehm ein Sandwich. Soll ich dir was tragen helfen?"

"Danke, geht schon", winkte Julian ab, brachte das Bier und dann ein Teller mit diversen Sandwichhappen. "Keiko hat vermutlich recht. Du solltest dir noch was schönes überlegen, weil du sie zwei Abende meinetwegen allein lässt." Er grinste seinen Freund an. "Ich würde Blumen und ein Dinner vorschlagen."

"Das ist wahrscheinlich eine gute Idee." Nachdenklich tippte sich Miles gegen das Kinn. "Hatte ich eh seit längeren mal wieder vor. Aber bei der ganzen Arbeit, die sonst immer ansteht …"

Sie machten es sich bequem und besahen sich dann neugierig, was Quark ihnen da angedreht hatte.

Etwas mehr als zwei Stunden später tauschten die Freunde erneut einen etwas ratlosen Blick. "Also", meinte Julian zögerlich und rieb sich kurz die Stirn. "Ich weiß jetzt nicht genau, was ich davon halten soll …"

Miles nickte zustimmend. "Ich bin genau so klug wie vorher." Nicht, dass der Film nicht gut gewesen wäre, aber nichts ließ erkennen, inwieweit es sie auf morgen vorbereiten sollte.
Die Große Halle by Amber
"Sind wir hier wirklich richtig?", fragte O'Brien ein wenig skeptisch, als er die abgenutzte Tür betrachtete. Die Tasche in seiner Hand gab ihm auch keinen weiteren Aufschluss, aber sie hatten es so gemacht, wie Quark es ihnen aufgetragen hatte.

"Jaaaa", meinte Bashir gedehnt und schaute ebenso misstrauisch auf die nicht unbedingt vertrauenerweckende Tür des Shuttles. "Wir sollen jetzt nur den Zugangscode eingeben, dann kämen wir direkt in die Holokammer. Was es mit denen hier", er schwenkte seine lederne Umhängetasche, die der O'Briens glich, "auf sich hat, weiß ich aber auch noch nicht. Das Schloss dazu öffnet sich auch erst, sobald wir durch diese Tür sind ... Also, Alter vor Schönheit!"

„Haha.“ Der Chief verdrehte die Augen und wandte sich dem digitalen Türschloss zu, um den Code, den Quark ihnen eben mit verschwörerischer Miene gegeben hatte, einzugeben. Es ertönte ein leises Piepsen und dann ein Wusch, als die Tür sich öffnete. Neugierig schauten beide hinein, konnten aber in der Dunkelheit nicht viel sehen.
O'Brien tauschte einen Blick mit Bashir aus, zuckte mit den Schultern und machte dann einen Schritt hinein.

"Wooooow!", entfuhr es dem Arzt, als er sich mitten in einer riesigen, antiken Halle wiederfand. Er blinzelte kurz. Das Licht der vielen Kerzen, die überall in der Halle verteilt waren und die vier langen parallel zueinander stehenden Tische in der Hallenmitte zu hunderten schmückten, blendete ihn. Am Ende der Halle erhob sich vor einer deckenhohen Fensterfront ein Podest, auf dem sich orthogonal zu den vier Tischen ein weiterer langer Tisch erstreckte. Bisher war noch niemand außer ihnen im Raum, aber eine erwartungsfrohe Stimmung lag in der Luft.

"Das kennen wir doch", erinnerte sich Miles. Er hob den Kopf und entdeckte, dass die Decke der Halle ein Meer von Sternen zeigte, als würden sie unter offenem Himmel stehen. "Sieh dir das an!"

Ein fast schon kindliches Grinsen überzog Julians Gesicht, als er ebenfalls nach oben sah und dann, aus einem Impuls heraus, an sich hinab. "Miles!", rief er zugleich erfreut und überrascht und musterte seinen Freund. "Umhänge! Wir tragen tatsächlich Umhänge!"

Verwundert folgte O'Brien dem Blick seines Freundes und besah sich die schwarze Robe an seinem Leib. "Erstaunlich." Das Outfit schien ihm zu weit, um praktisch zu sein, vor allem die Ärmel. Aber damit würde er für diesen Abend auskommen.
"Ich frag mich ja, was wir noch so dabei haben." Er stellte seine Tasche auf einen der leeren Tische und öffnete sie. Heraus kam eine Sammlung von verschiedenen Gegenständen. Allen voran ein kurzer Stab.

Bashirs Grinsen wurde um einiges breiter, bevor er jedoch seine Taschen durchforsten konnte, erklangen hinter ihnen Schritte und eine tiefe, warme und erstaunlich autoritäre Stimme: "Aaaaah, Professor O'Brien, Professor Bashir! Wie schön, Sie zu sehen! Hatten Sie eine angenehme Reise?" Ein alter Mann in einem lila Umhang trat auf sie zu. Dabei wippte auf seinem Kopf ein spitzer Zauberhut um die Wette mit dem langen silberweißen Haar und dem noch längeren silberweißem Bart. Unter einer halbmondförmigen Brille, die auf einer langen, gebogenen Nase saß, funkelten ihnen zwei kluge und fröhliche Augen entgegen.

Professor? Nun, wahrscheinlich machte das auf eine gewisse Art am meisten Sinn.
O'Brien war der erste, der nickte. "Ja, danke ..." Er versuchte sich an den Namen des Mannes zu erinnern, wusste aber nur noch, dass es ein merkwürdiges Wort war.

"Professor Dumbledor!", half ihm Bashir auf die Sprünge und griff erfreut die dargebotenen Hände. "Ich fass es nicht! Es ist unglaublich, Sie kennenzulernen - hier zu sein! In ...", er hielt ehrfurchtsvoll inne und senkte unbewusst die Stimme, "Hogwarts!"

Der Schulleiter schüttelte ihre Hände. "In Kürze beginnt die große Schuljahresanfangszeremonie. Aber wir haben noch genug Zeit, dass Sie Ihr Gepäck verstauen können." Er blinzelte. "Obwohl sie ja leicht zu reisen scheinen."

"Äh", Bashir warf einen zögerlichen Blick zu O'Brien. "Vermutlich kommt es noch oder ist schon in unseren Quartieren?"

Der Chief zuckte mit den Schultern.

"Vermutlich ..." Dumbledor blickte sie über seine Brillengläser hinweg an. Dann klatschte er in die Hände. "Wir freuen uns zwei so fähige Professoren für unsere Schule gewinnen zu können."

"Äh", meinte der zum Professor gemachte Arzt wenig eloquent, ließ sich dann aber von seiner ihm eigenen plappernden Neugier treiben: "Verzeihen Sie, Professor, wann kommen die Schüler, wann lernen wir den Rest der Lehrkörper kennen, können wir schon einen Blick in unsere Unterrichtsräume werfen, was ist ... -"

"Eile mit Weile", unterbrach ihn der Dumbledor mit einem milden Lächeln und deutete mit seinen langen Fingern zu dem erhöhten Tisch. "Ah, da kommen ja schon die Professoren McGonagall und Snape und - ja, Professor Flitwick ist auch dabei. Wie wäre es, wenn Sie beide mich nun nach oben begleiten und ihre Plätze aufsuchen?"

Nickend folgten die beiden Freunde dem älteren Mann, dabei warfen sie immer wieder staunende Blicke umher. An dem Tisch angekommen stellte Dumbledor ihre neuen Kollegen vor. "Professor McGonagall", er verneigte sich leicht gegenüber einer streng dreinblickenden älteren Dame in schottenkarriertem Umhang und passendem Hut. "Hauslehrerin Gryffindors, unterrichtet Verwandlungen und ist meine Stellvertreterin. Hier haben wir Professor Snape", er wie auf einen finsteren hochgewachsenen Mann mit fahlem Gesicht und strähnigen schwarzen Haaren, um dessen Lippen ein zynisches Lächeln lag. "Sein Fachbereich ist Zaubertränke und er ist Hauslehrer der Slytherins. Hier", Dumbledor reichte einem winzigen, hibbeligen Männlein mit glänzendem Rauschebart die Hand, der von seinem durch Bücher erhöhten Stuhl zu kippen drohte. "Professor Flitwick, Zauberkunst und Hauslehrer der Ravenclaws. Und Professor Sprout steht den Hufflepuffs vor und unterrichtet Kräuterkunde. Die Kollegin werden Sie nachher kennenlernen."

Die beiden Sternenflottenoffiziere nickten jedem freundlich zu.

"Das hier ist Professor Bashir", stellte der Schulleiter sie nun vor. "Er wird Verteidigung gegen die dunklen Künste übernehmen. Und Professor O'Brien ist ab sofort für Muggelkunde zuständig."

"Oh, ein Ire", entfuhr es dem kleinen Mann auf seinem Stuhl.

Der Chief nickte. "In Dublin aufgewachsen."

"Sehr schön, sehr schön." Flitwick deutete auf den Platz neben ihn. "Sie sitzen übrigens gleich hier."

O'Brien warf einen Blick zum Schulleiter, welcher aber gerade dabei war Bashir den seinen Stuhl auf seiner anderen Seite zu zeigen.Bashirs Grinsen und er selbst schienen eine Symbiose eingegangen zu sein, als er strahlend die Professoren ansah und sich dann neben den Chief sinken ließ. "Miles, das ist unglaublich! Verteidigung gegen die dunklen Künste! Ich fass es nicht, ich hab den coolsten Posten bekommen!"

"Schön für dich", raunte O'Brien zurück. "Ich habe leider keine Ahnung was Muggelkunde sein soll." Ein wenig skeptisch blickte er zu den leeren Tischen in der Halle, an dem bald die Schüler sitzen würden. Schüler, die sie offensichtlich unterrichten sollten. Unterrichten in Fächern, von denen sie keine Ahnung hatten. Aber wer wusste schon, was diese Simulation noch für sie bereit hielt.

"Muggel ... das waren doch die Nichtzauberer, oder?", kramte Bashir in der Erinnerung an den Film vom vergangenen Abend. "'Der gefangene von Askaban' ...? So hieß der Film doch. Hm, meinst du, wir sind in dieser Episode oder in einer der beiden vorherigen?" Ohne die Antwort seines Kollegen abzuwarten, wandte er sich an die neben ihm sitzende McGonagall. "Professor, sagen Sie, wie hieß doch gleich mein Vorgänger?" Der Blick aus den grauen Augen war streng, die Stimme hatte jedoch einen freundlichen Klang. "Sie meinen Professor Lupin? Warum fragen Sie?" "Lupin, genau. Mir war der Name nur entfallen und ich wollte doch meinen Schülern gut informiert entgegentreten." Skeptisch hob McGonagall eine Augenbraue, die sich auch von Bashirs sonst so entwaffnendem Lächeln nicht senken ließ, also drehte sich der Arzt nach einem kleinlauten "Danke" zurück zu O'Brien.

"Lupin war doch der aus dem Film", überlegte dieser, der das kurze Gespräch natürlich mitbekommen hatte. "Das heißt, wir sind hier in der Episode danach."
Was er ganz gut fand, denn das hieß, dass hier keiner von diesen Glücksfressern herumflog. Die hatte er ganz und gar nicht gemocht.
Dem Chief fiel noch etwas anderes ein.
"Wir können gar nicht zaubern", informierte er Bashir so leise, dass ihn auch niemand hören konnte.

"Aber wir haben Zauberstäbe", murmelte dieser zurück und ließ sich seine gute Laune nicht verderben. "Und die werden schon irgendwie was können." Er wollte gerade noch etwas hinzufügen, als die große Doppeltür der Halle mit einem Knall aufflog und eine große Schar Kinder in schwarzen Umhängen angeführt von einem Riesen mit zerzaustem Bart und wirren Haaren die Halle betrat. "Hagrid!", wisperte Bashir aufgeregt und knuffte seinen Freund in die Seite. "Jetzt werden die neuen Schüler den Häusern zugeordnet."

Die Zeremonie war ebenso interessant wie kurzweilig. Die aufgeregten Erstklässler wurden nach und nach aufgerufen und bekamen einen Hut aufgesetzt, der ihr neues Haus ausrief. Der jeweilige Tisch jubelte lautstark und begrüßte den Zuwachs. Eine nette Geste, wie O'Brien fand, und er dachte an die Kinder auf der Station draußen.
Anschließend wurden die Lehrer vorgestellt. Darunter auch er und Bashir. Zum Glück mussten sie keine Rede halten.
Der Arzt strahlte alle seine baldigen Schüler breit an, während O'Brien ihnen bloß zunickte.
Aus dem Film wussten sie, dass jetzt das Festmahl beginnen würde.

Allerdings wurden sowohl die beiden als auch die Schüler enttäuscht, die bereits mit hungrigen Augen auf die Tische starrten, denn Professor Dumbledor erhob sich noch einmal und räusperte sich vernehmlich: "Einen Moment der Aufmerksamkeit bitte noch, meine nach Kürbissaft und Torte, Pasteten und Braten, Zitronenbonbons und Kuchen lechzenden Freunde! Es gibt noch eine kleine Ankündigung! In diesem Jahr wird es keine Quidditchsaison geben!" Das aufkommende wütende Gebrummel unterband er mit einer Geste . "Aber es wird eine andere Überraschung geben! Seit Jahren nicht mehr zelebriert und dennoch ein in der Geschichte der Zauberei bisher unerreichtes Spektakel ..."

Während Dumbledor mit seiner Ansprache fortfuhr, beugte sich Bashir näher zu O'Brien. "Kein Quidditch ... das ist gut. Wer weiß, sonst hätte einer von uns noch auf einen Besen steigen müssen!" Das strenge Räuspern von McGonagall ließ seine Ohren rot glühen und veranlasste ihn dazu, sich wieder aufmerksam dem Schulleiter zuzuwenden.

" ... und darum begrüßen wir nun voller Freude und mit Applaus als Gäste die Schüler von Durmstrang und Beauxbaton, die auch jeweils einen Champion für das Trimagische Turnier stellen werden!"

Die großen Türen der Hallen öffneten sich erneut und wieder kamen Schüler herein, jedoch in zwei anderen Schuluniformen und mit einer kleinen Showeinlage. Alle waren sehr beeindruckt.
Anschließend wurde noch ein großer Kelch hineingebracht und aufgestellt.
"Der brennt ja", entfuhr es O'Brien, als er die plötzlich aufkommenden Flammen sah, während Dumbledor erklärte, was es damit auf sich hatte.
So eine Technologie würde ihn ja durchaus reizen. Auch, wenn es sich hier angeblich um Magie handelte.

Dann gab es endlich das Essen, das sich aus dem Nichts vor ihnen materialisierte. Fast wie beim Beamen, nur stiller.
O'Brien und Bashir blickten sich an. Jetzt grinste auch der Chief.
"Guten Hunger", wünschten sie sich zeitgleich.

Eine Weile herrschte selige, gefräßige Stille, nur hin und wieder unterbrochen von einem zufrieden "Mnjomm" oder "Aaaaah, mmmm". Bashir notierte sich im Geiste, das gekühlter Kürbissaft, Steakpie, Applecrumble, Peanutbuttercupcakes und Erbsenminzsuppe künftig seinen Speiseplan erweitern würden. Mit einem Blick auf seinen schlemmenden Kollegen stellte er fest, dass diesem wohl ähnliches durch den Kopf ging, als er nach einer weiteren Portion Shepherdspie griff.

Nachdem dann auch das letzte hungrige Maul satt war, erhob sich Dumbledor wieder, klatschte in die Hände und rief: "Nun, meine Lieben, der erste Abend klingt nun aus, alle sind satt und sollen selig nun zur Ruhe gehen! Schlafet wohl!"

Die meisten der Lehrer und Schüler standen auf und auch die beiden Freunde erhoben sich. Kurz sahen sie sich suchend um, da sie nicht so recht wussten, wo sie hin sollten. Da schob sich aber eine durchsichtige Gestalt in ihr Gesichtsfeld. Er hatte auch bei den Lehrern gesessen, allerdings nichts gegessen. Wie das bei Geistern wohl so üblich war.
"Meine werten Herren Kollegen", begrüßte er sie mit einer unglaublich monotonen Stimme. "Ich geleite Sie zu Ihren Quartieren."

"Professor Binns, richtig?", fragte O'Brien. Er überlegte, wie es wohl wäre, einem Geist die Hand zu schütteln. Wahrscheinlich ähnlich wie bei einer Projektion.

Während der Geist nach einem bejahenden Nicken voran schwebte, folgten Bashir und O'Brien ihm, wobei Bashir erneut ein staunendes "Wow" entfuhr. Wie sich so ein Geist wohl anfühlte? Er streckte eine Hand aus und als diese in beziehungsweise durch den Geist fuhr, bekam er eine Gänsehaut und fröstelte. Was gäbe er jetzt für einen Tricorder!

Nachdem sie einige Treppen rauf und wieder hinab, nach links und rechts und wieder hinauf gestiegen waren, deutete Binns auf zwei sich gegenüberliegende Türen. "Ihre Gemächer. Die Passwörter wurden Ihnen ja mitgeteilt ..." Damit entschwebte er.

"Passwörter?", wandte sich Bashir hilfesuchend an seinen Freund.

Dieser blickte nachdenklich auf ihre Türen und fing dann an, die Wand neben der seinen abzutasten. "Hier gibt es bestimmt irgendwo ein Display. Vielleicht ist es das gleiche Passwort, das uns hier rein gebracht hat."
Doch so sehr auch klopfte und drückte, es öffnete sich kein Terminal. Die Wand schien aus massiven Stein zu sein.

"Quatsch", meinte der Arzt und runzelte die Stirn. "Denk doch mal an die Filme. Da mussten die irgendwelche Worte aussprechen, um Zugang zu bekommen. Und vergiss nicht", fügte er schmunzelnd hinzu. "Wir sind in der Zaubererwelt, hier gibt es keine Technik. Wobei ... Computer, wie lautet das Zugangspasswort für die Quartiere von Miles O'Brien und Julian Bashir?"

Leider antwortete der Computer nicht auf seine Frage.

"Wahrscheinlich ein Rätsel, das wir lösen müssen. Erinnerst du dich an irgendwelche Passwörter aus dem Film?" O'Brien blickte seinen Freund an.

"Zischende Zauberdrops?", versuchte er es probehalber, aber nichts passierte. "Hm, vielleicht ... warte mal ..." Nachdenklich runzelte Bashir die Stirn, dann erhellte sich sein Gesicht und er sprach seine Tür freundlich an: "Krankenstation!" Mit einem triumphierenden Grinsen quittierte er das Knarzen, mit dem sich die Tür öffnete.

Miles starrte ihn an. "Okay ... wie bist du denn jetzt ausgerechnet darauf gekommen?", wollte er wissen.

"Ich bin einfach ein Genie." Lachend klopfte er Miles auf die Schulter und nach einem gut gelaunten "OPS" öffnete sich auch die Zimmertür des Ingenieurs. "Dank mir später dafür!", grinste Bashir, schloss seine Tür und schob O'Brien vor sich her in dessen Quartier.

"He", beschwerte sich der Chief, wurde jedoch nicht gehört.
Das Quartier sah recht gemütlich aus. Bashir warf beide Taschen auf das Bett, das im hinteren Bereich stand.

"Also wenn mein Zimmer auch so ist, bin ich zufrieden", stellte er fest.

"Das bist du doch sowieso", zog Miles ihn auf. "Und die werden wird auch nicht brauchen." Er deutete aufs Bett.

Julian nickte. "Was meinst du, wie lange wir schon hier sind?"

"Keine Ahnung." Der Chief zuckte mit den Schultern. "Schon eine Weile, oder? Der Hauptteil sollte bald beginnen." Er untersuchte seine Robe ein wenig genauer. Auf der Brust war das Wappen der Schule aufgestickt. Das hatte er auch in der großen Halle und verschiedenen anderen Stellen hier gesehen. Innen entdeckte er ein paar leere, versteckte Innentaschen.

"Wer weiß, vielleicht gibt es in der Nacht einen Überfall von Drachen", überlegte der Arzt voller Vorfreude.

"Bitte keine Drachen. Wie wäre es mit etwas Kleinerem? Einem Einhorn zum Beispiel."

"Aber Miles, Einhörner sind hier doch nicht gefährlich. Das wäre doch lächerlich."

"Stimmt, jetzt, wo du es sagst ..."

So unterhielten sie sich noch eine ganze Weile, aber als dann immer noch nichts weiter geschah, runzelte Bashir die Stirn.

"Vielleicht müssen wir etwas tun oder finden, um den Kampf freizuschalten", überlegte er und blickte sich suchen um.

"Dann würde trotzdem etwas passieren", war sein Freund anderer Meinung. "Computer", erhob er die Stimme. "Starte die nächste Aktion."

Sie warteten kurz, doch es tat sich rein gar nichts.

"Computer, wie lautet die Uhrzeit? ... Computer! Ausgang! … Computer?!Simulation beenden."

Miles sah zum Arzt. Sie standen noch immer im gleichen Raum in Hogwarts und trugen ihre Roben. Nichts deutete darauf hin, dass es irgendeine Technik gab, die ihnen half.
Citruellus Pomelius der Dritte von Plymouth-Witherby by Amber
"Warum überrascht mich das nicht besonders?" Julian Bashir schenkte seinem Freund ein schiefes Grinsen und seufzte. "Vermutlich ist das Shuttle und die gesamte Technik derart veraltet, dass es Energieschwankungen geben kann, oder?" Das letzte Wort klang ein wenig ratsuchend.

Miles starrte ihn an. "Das hat aber nichts damit zu tun, dass das Programm sich trotzdem abschalten müsste. Es würde sich nicht aufrecht erhalten, wenn tatsächlich Energieschwankungen dafür verantwortlich wären."
Er blickte sich um. "Komm, wir schauen uns um, ob nur noch das räumliche Gitter vorhanden ist oder ob sich hier tatsächlich noch etwas tut."

"Okay, stimmt." Seufzend ging Julian zur Tür, öffnete diese und schaute rechts und links den langen, leeren Gang der Hogwarts Schule für Zauberei und Hexerei entlang. "Halloooo?", rief er halblaut.

"So doch nicht." Kopfschüttelnd zog der Chief ihn mit. "Wenn wir zur großen Halle zurückfinden ... da sollte jemand sein." Er bog links ab und stieg dann mit dem Arzt eine Wendeltreppe hinab. Allerdings begann diese sich, gerade als sie in der Mitte standen, zu bewegen und aufzuschlängeln. Die beiden hielten sich überrascht am Geländer fest. Als die Treppe wieder still stand, zeigte sie in eine ganz andere Richtung.

"Ja, großartig!", maulte Bashir und trat leicht gegen die oberste Treppenstufe, damit diese zurück pendelte - was sie natürlich nicht tat. "Treppe, bitte zurück in die Ursprungsposition! ... Äh ... Gibt's dazu nen speziellen Zauberspruch, vielleicht?"

"Keine Ahnung. Ich hab kein Zauberbuch oder so." Miles blickte von dem Gang, aus dem sie gekommen waren, hin zur neuen Richtung. "Sollen wir zurück und die Sachen noch mal untersuchen oder uns lieber ein wenig verlaufen? Vielleicht ist das hier einfach ein Programmfehler." Er deutete auf die Stufen.

Stimmt, ihre Taschen hatten sie achtlos auf Miles' Bett liegengelassen, fiel es nun auch Julian wieder ein. "Ach, egal. Komm, lass uns weitergehen." Damit packte er sicherheitshalber Miles am Oberarm - er traute dieser Treppe nicht! - und zog ihn mit sich von eben dieser herunter in den Gang. Aus den Augenwinkeln bemerkte er eine Bewegung und wandte den Kopf in die Richtung.

"Hallo, hallo, hallo!", sprach ihn fröhlich ein dicker kleiner Zauberer mit gelber Robe und einer Zitrone auf dem Kopf an, der auf einer Leinwand in einem Bilderrahmen an der Wand hing an.

"Äh, bitte?"

"Mein Name ist Citruellus Pomelius der Dritte von Plymouth-Witherby. Sie sehen so aus, als könnten Sie Hilfe gebrauchen?"

Die beiden Freunde blickten sich an.

"Ähm ja ...", nickte Miles schließlich. Aus dem Film wusste er, dass die Bilder sich hier durchaus bewegen konnten. Und die Sprachfunktionen schienen auch noch korrekt zu laufen. "Wahrscheinlich tun wir das. Wir haben uns auf dem Weg in die große Halle verlaufen. Wir suchen jemanden.“

"Zur großen Halle?", erstaunt kratzte sich der Zauberer an seiner Zitrone. "Nun ... da sind Sie hier auf dem falschen Gang. Sie hätten mit der Treppe nach schräg links unten mittig gemusst. Und dann immer weiter gerade aus. Aber", wiegelte er mit einer nachsichtigen Geste ab. "Das kann so jungen Spunden wie Ihnen schon passieren. Nur, gestatten Sie mir eine Frage: Das Frühstück ist bereits vorbei, sollten Sie nicht in Ihren Unterrichtsräumen sein?"

"Frühstück?", fragte der Arzt.

"Jungspunde?", hakte der Chief nach.

Für jede Antwort, die sie bekamen, kamen gleich ein paar neue Fragen hinterher.

"Wie gesagt, wir haben uns verlaufen ...", versuchte Miles es dann noch einmal in der Hoffnung, etwas konkretes zu hören.

"Ich bin zwar alt und hänge hier schon einige hundert Jahre, aber schwerhörig bin ich noch nicht!", mingelte der Zitronige. "Den Weg zur Halle habe ich Ihnen beschrieben. Aber hören Sie auf meinen Rat: In Hogwarts wird Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit noch immer sehr groß geschrieben! Der Unterricht hat vor fünfzehn Minuten begonnen!"

"So ein Mist", murmelte Bashir und erntete prompt ein echauffiertes Schnauben. "Gut, in Ordnung, Mister Po- ... Pome ..."

"Citruellus Pomelius der Dritte von Plymouth-Witherby!"

"Ja, schon klar. Also, können Sie uns sagen, wo die Räume für Verteidigung gegen die dunklen Künste und Muggelkunde sind?"

"Nein."

Aufstöhnend rollte Bashir mit den Augen und wandte sich an Miles. "Ich diskutiere hier jetzt nicht mit einem schmollenden Gemälde!"

"Was heißt denn hier schmollend?", empörte sich der zweidimensionale Zauberer. "Ich kann es Ihnen nicht sagen, weil die Räume dieses Schuljahr gewechselt haben und ich nicht informiert bin!"

"Kennen Sie denn jemanden, der uns weiterhelfen kann?", wollte der Chief von dem Bild wissen.

"Sicher. Gehen Sie einfach in die große Halle und fragen Sie dort."

"Danke ..." Miles drehte sich zu seinem Freund. "Du hast den guten Mann gehört, wir müssen in die große Halle. Komm, wenn wir die Treppe dazu bringen, schräg rechts - ..."

"Schräg links unten mittig!", rief Citruellus Pomelius der Dritte von Plymouth-Witherby hinter ihnen.

"... und dann kommen wir hoffentlich an."

Sie setzten sich in Bewegung und liefen den Gang zurück.Und wider Erwarten standen die beiden keine zehn Minuten später vor den Toren zur großen Halle - die allerdings verschlossen waren. Probehalber stemmten sie sich gegen die Torflügel, aber natürlich bewirkte das außer einigem Stöhnen, Keuchen und frustriertem Murren nichts.

"Ich sagte doch bereits: Das Frühstück ist beendet", hörten sie eine wohlbekannte Stimme hinter sich.

Genervt drehten sie sich um und tatsächlich konnten sie in einem großen Landschaftsgemälde ihren kleinen Zaubererfreund erkennen, der sie mit in die Hüften gestemmte Händen anblickte.

"Sie sagten aber auch, dass wir hier nachfragen sollen."

"Sie sind nicht gerade die hellsten Patroni im Wald, oder?"

"Wenn ich es nicht besser wüsste, Jules, würde ich sagen, dass dieses Bild uns gerade beleidigt hat."

Bevor Julian oder der Zitronenhutige etwas erwidern konnten, erklangen eilige Schritte im Gang und eine hohe Stimme japste: "Professor? Professor Bashir?"

Überrascht drehte sich Julian um und sah sich einer etwas 15-Jährigen Schülerin mit buschigem Haar und angespanntem Gesicht gegenüber. "Ja, Miss ...?"

"Granger, Sir, Hermine Granger. Ich suche Sie schon seit 25 Minuten! Vor einer halben Stunde hat der Unterricht begonnen, Ihre Schüler warten auf Sie im Klassenraum und ich hielt es für meine Pflicht, nach Ihnen zu sehen. Immerhin sind Sie neu hier und wer weiß was Ihnen alles hätte zustoßen können, allein schon der Weg durch das Gebäude und ... -"

"Moment, Moment, Miss Granger!", unterbrach Julian den sprudelnden Redefluss und war seltsamerweise auch völlig außer Atem. "Du bist meine Schülerin?"

Der Blick, mit dem Hermine ihn besah, ließ ihn Grinsen. "Entschuldige die Frage. Pass auf, der Unterricht ist ohnehin gleich vorbei ..."

"Wir haben eine Dop-pel-stun-de und ..."

"Ja, genau, der Unterricht ist ohnehin gleich vorbei, wie wäre es, wenn du die verbliebene Zeit nutzt, und Professor O'Brien und mir das Schulgelände etwas zeigst?"

Die junge Dame kniff die Augen weiterhin zusammen. "Ich glaube nicht..", fing sie an, wurde aber von dem erhobenen Zeigefinger des Doktors unterbrochen.

"Was hast du vor?", fragte Miles flüsternd seinen Freund. "Hältst du das für eine gute Idee?"

"Hast du einen besseren Vorschlag?", raunte dieser zurück. "Natürlich könntest du auch erst mal mit zu mir in den Unterricht kommen und danach suchen wir deinen Raum?"

Der Chief überlegte kurz. "Nee, ich weiß ja immer noch nicht mal so richtig, was ich überhaupt unterrichten soll. Und ich lass dich bestimmt nicht alleine durch diesen Irrgarten laufen", entschied er dann.

Hermine hatte versucht bemüht in eine andere Richtung geblickt und zumindest so getan, als würde sie dem Gespräch der beiden nicht lauschen. So musste es ein Zufall gewesen sein, dass sie sich genau jetzt wieder den Professoren zuwandte. "Professor Bashir, heißt das, wir haben jetzt doch noch Unterricht und Professor O'Brien begleitet uns? Soweit ich informiert bin, hat er heute seine erste Unterrichtsstunde im Anschluss an Ihre und zwar bei uns - also, Gryffindor - ich kann Sie", hier sprach sie übergangslos Miles an, "dann zu dem Raum führen und Ihnen", ihr Blick huschte wieder zu dem breit schmunzelnden Bashir, "das Lehrerzimmer zeigen, Sie haben dann nämlich eine Freistunde und -"

"Hermine, sollten wir uns nicht langsam auf den Weg machen, sonst ist der Unterricht vorbei?", unterbrach Julian das Mädchen und unterdrückte ein freundliches Lachen.

"Ganz recht so!", mischte sich ihr alter Bekannter in Gelb ein. "Keine Zeit verlieren, Bildung ist alles!"

Hermine drehte sich also um und führte sie durch einige Gänge hindurch. Es sei angemerkt, dass sich auch dieses mal Treppen bewegten, aber das schien außer den beiden Freunden niemanden zu stören.
Schließlich erreichten sie eine Tür, die bloß angelehnt war, und durch die man gelangweilte Schüler hören konnte.
"Das ist Ihr Klassenzimmer", meinte die Schülerin als wäre es das Offensichtlichste auf der Welt.

"Gut, äh, danke, Hermine", nickte Julian und schob das Mädchen sanft vor. "Geh schon mal rein, wir kommen gleich."

Hermine warf ihm einen fragenden Blick zu, gehorchte aber und Julian drehte sich zu Miles. "Was mach ich denn jetzt? Schüler? Ich hab doch keine Ahnung von Zauberei!"

"Ich doch auch nicht ..." Miles überlegte. "In dem Film hatte der eine Lehrer diese Übung mit dem Monster im Schrank. Aber der andere hat sie einfach etwas aus dem Buch abschreiben lassen. Das könntest du auch tun", schlug er vor.

"Hm, aber ich hab kein Buch ... Und ... Ach, mir wird schon was einfallen, es sind nur Schüler ..." Damit straffte er sich, fuhr sich durchs Haar und betrat den Klassenraum, Miles folgte ihm.

Mehrere Augenpaare flogen den beiden entgegen und Bashir schluckte nervös. "Guten Morgen", begann er und schenkte den Schülern ein offenes Lächeln. "Dank Miss Granger kann ich das tatsächlich noch sagen. Ohne sie wären wir beide vermutlich bis heute Abend hier im Schloss herum gerirrt." Einige Schüler lachten, andere warfen sich gelangweilte Blicke zu, nur Hermine lauschte seinen Worten, als wären sie des Zauberdrops reinste Weisheit. "Also, ich bin Professor Julian Bashir, euer neuer Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste. Mein Kollege Miles O'Brien hospitiert heute hier, weil ... äh ... ja, weil wir einige Zeit zusammen in der Muggelwelt waren und dort gemeinsam studiert haben, auf Muggelart gegen jedwedes Ungemach zu kämpfen ... Stimmt's, Professor?"

Miles war sowohl beeindruckt von dieser astreinen Lüge seines Freundes, als auch im höchsten Maße amüsiert. Wenn der Mann eines konnte, dann war es Menschen mit Worten für sich zu gewinnen, dachte er bei sich.
"So ist es", stimmte er ihm zu. Eigentlich hatte er vorgehabt im Hintergrund stehen zu bleiben, aber wenn Jules schon so anfing, kam er gleich mit nach vorne. Wer wusste schon, was der Arzt noch so vorhatte.

Julian klopfte ihm kameradschaftlich auf die Schulter und wandte sich dann der Klasse zu. "Einige von euch haben ja schon des Öfteren in der Muggelwelt zu tun, andere gar nicht. Wer kann mir denn die signifikantesten Unterschiede zwischen der Art, wie Zauberer und wie Muggel mit Gefahren umgehen, nennen?"

Sofort schoss die Hand von Hermine Granger in die Höhe, was dem Arzt ein Schmunzeln entlockte. "Ja, Miss Granger?"

"Zauberer ziehen instinktiv ihren Zauberstab und bereiten sich mental auf einen passenden Zauber vor, während Muggel meist in eine körperlich Abwehrhaltung fallen, Sir."

"Sehr gut, fünf Punkte für Gryffindor." Das wollte er die ganze Zeit schon mal sagen. "Na, wer möchte noch was beisteuern, los, traut euch!"

Ein paar andere Hände hoben sich halbherzig auf Kopfhöhe.

"Ja, Sie, Mr ...?"

"Malfoy", erwiderte der blonde Junge. "Muggel verkriechen sich vor Angst."

Ein paar der Teenager, die um ihn herum saßen, kicherten leise, während andere ihm böse Blicke zuwarfen.

"Was nicht immer der schlechteste Weg ist", erwiderte Julian ruhig. "Ein terranischer Philosoph sagte einmal: Er hatte den Mut, feige zu sein; er war ein wahrer Held! Nun, Mister Malfoy, was meinen Sie, möchte uns dieser Philosoph damit sagen?"

"Dass dieser Philosoph bestimmt ein Muggel war."

Miles schüttelte den Kopf über diese ignorante Dickköpfigkeit. Er erinnerte sich an den Jungen aus dem letzten Film und war sich sicher, dass es Bashir ebenso ging.

"Vielen Dank für Ihren überaus reifen und unschätzbaren Beitrag, Mister Malfoy", seufzte Bashir und tauschte einen genervten Blick mit seinem Kollegen.

So verging die Stunde irgendwie, wobei der Arzt sogar noch herausfand, dass einige alte Ausgaben des Lehrbuchs im Schrank hier vorhanden waren. Damit könnte er sich bis zur seiner nächsten Unterrichtseinheit ein wenig einlesen. Falls er denn noch eine geben sollte. Denn irgendwie warteten die beiden Freunde immer noch darauf, dass etwas geschah. Irgendetwas aufregendes. So wie es bei dieser Art von Holoabenteuern normalerweise üblich war.
Am Ende der Stunde räumten die Schüler ihre Sachen zusammen und einige standen auf, um zum nächsten Fachraum zu gehen.
Nur Hermine steuerte die entgegengesetzte Richtung an und kam zu den beiden 'Lehrern'.

"Professor Bashir, das war eine tolle Stunde!"

"Äh, danke, aber eine Unterrichtsstunde ist nur so gut, wie die Summe aller Beteiligten." Das Augenrollen seines Freundes quittierte Julian mit einem Grinsen und knuffte ihn in die Seite. "Mal sehen, wie du dich schlägst!" Dann wandte er sich wieder der Schülerin zu. "Wenn du dann so lieb wärst, Hermine ... Wo darf Mil - Professor O'Brien nun unterrichten und wo finde ich das Lehrerzimmer?"

"Ich bringe Sie dorthin. Es ist nicht weit", erwiderte die Schülerin bereitwillig. Sie ging mit flotten Schritten voraus und die beiden anderen folgten ihr.

"Du hast dich nicht schlecht geschlagen", raunte Miles seinem Freund unterwegs leise zu. "Ich bin mal gespannt, wer mir so vorgesetzt wird." Er hoffte, dass nicht diese aufmüpfigen Film-Slytherins dabei waren.

"Danke", wisperte der Jüngere zurück. "Denk an die Filme, der Vater der Rotschöpfe ist doch so ein Muggelfan, vielleicht kannst du dich ja ein bisschen auf den Sohn von ihm stützen – Ron?"

"Stimmt." Miles nickte zustimmend. "Wir sehen uns dann später beim Essen in der großen Halle?" Da sollten sie wieder hinfinden. Auch ohne ihren komischen Gemäldezauberer.

"Okay." Julian konnte nicht verhindern, dass seine Stimme nun doch etwas nervöser klang. "Pass auf dich auf, ja?"

"Sicher. Du aber auch auf dich."

Wie auf ein Stichwort blieb Hermine vor ihnen stehen und drehte sich um. "Das hier ist der Raum für Muggelkunde", verkündete sie.

"Danke", erwiderte Miles. Er warf einen letzten Blick zu Julian und ging dann durch die angewiesene Tür, hinter der bereits einige Schüler warteten. Bis zum Unterrichtsanfang hatte er aber noch genau vier Minuten.

Julian sah Miles mit gemischten Gefühlen hinterher. Es behagte ihm überhaupt nicht, dass sie sich jetzt trennen sollten. Was, wenn doch irgendetwas gravierendes mit dem Programm nicht stimmte?

"Professor", unterbrach Hermines Stimme seine Gedanken und er blickte die Schülerin an, die ihm ein aufmunterndes Lächeln schenkte. "Kommen Sie doch einfach mit hinein, Muggelkunde ist ein interessantes Fach und wird viel zu oft unterschätzt."

"Hm ... Miles?", rief er halblaut in das Klassenzimmer.

Der Chief blickte auf, als er seinen Kollegen so bald wiedersah. Ungeachtet der wartenden Schüler kam er ihm ein Stück entgegen.

"Jules, ist alles in Ordnung?", fragte er ihn stirnrunzelnd.

Julian zog ihn am Umhang auf den Gang und senkte die Stimme. "Wir sollten uns jetzt nicht trennen, mir verursacht das ein mulmiges Gefühl. Ich komm mit rein, okay?"

"Klar. Ist wahrscheinlich wirklich besser. Komm, wir lassen uns erzählen, welche altertümlichen Technologien die Kinder hier so kennen."
Wingardium Levi-OOOOO-sa by Amber
"Guten Morgen und Willkommen bei Muggelkunde", begrüßte Miles seine Klasse, als die Stunde anfing. "Ich bin Chie -... Professor O'Brien, wie Sie ja sicher alle bereits mitbekommen haben. Mein Kollege, Professor Bashir," er deutete auf Julian, "und ich haben uns einige Zeit völlig ohne Magie in der Muggelwelt aufgehalten." Es war wohl das einfachste, wenn sie bei dieser Geschichte blieben. Damit würden sie einiges erklären können.
Er schaute in die Runde der Schüler und rief sein karges Wissen über die Filme ab.
"Auch einige von Ihnen sind ohne Magie aufgewachsen, nicht wahr?"

Vereinzeltes Nicken war die Antwort, ganz besonders von der fleißigen Miss Granger.

"Welche Dinge kennen Sie denn, die Sie in der Muggelwelt genutzt haben, die nicht von Zauberern benutzt werden?", fragte Miles in die Runde.

Einige Hände hoben sich zaghaft auf Kopfhöhe.

Julian konnte ein Grinsen nicht verbergen. Natürlich ging Miles über die Technikschiene. Und natürlich schoss Hermines Hand in die Höhe. Entspannt lehnte er sich gegen das Lehrerpult, kreuzte die Beine und wartete ab, wie sein Freund wohl weitermachte.

"Ja, Miss Granger?", nickte Miles dem Mädchen zu.

"Nun, meine Eltern haben sich schon vor einigen Jahren ein Faxgerät angelegt", berichtete die Junghexe nicht ohne eine Spur stolz. "Damit kann man Briefe in Minutenschnelle von einem Ort an einen anderen schicken."

Miles starrte sie an. Ein Fax. Er hatte die dumpfe Vorahnung, dass er hier tiefer in die Kiste greifen musste.
Eine andere Hand hob sich und als der Chief den fragenden Blick des Schülers sah, nahm er ihn dran.

"Ist das wie eine apparierende Eule?"

"Nein, ganz bestimmt nicht", schüttelte Miles den Kopf. "Es funktioniert über eine komprimierte, elektronische Codierung, wobei beide Geräte über das Telefonnetz verbunden sein müssen."

Jetzt schaute ihn alle Schüler fragend an. Miles sah hilflos zu seinem Freund.

"Ein Telefon schickt die Nachricht zu einem anderen Telefon", versuchte der es dann einfacher zu erklären.

"Professor O'Brien. Was ist ein Telefon?", kam die Frage irgendwo von links außen.

Den fast schon anklagenden Blick, mit dem Miles ihn bedachte, erwiderte Julian mit einem strahlenden Grinsen. Aus den Augenwinkeln sah er, wie Hermines Hand schon wieder in beunruhigender Geschwindigkeit hin- und herwedelte, aber dann bemerkte er, wie ein schlaksiger Rothaariger zögerlich die Hand hob und er stupste Miles an.

Dieser nickte und wandte sich dem bekannten Gesicht zu."Ja, Mr. Weasley?"

"Ein Telefon ist so ein Ding, mit dem man mit jemanden sprechen kann, der auch eines hat, aber ganz weit weg ist", erklärte der Rothaarige vorsichtig. "Es hat eine Scheibe mit Zahlen und ein Kabel für das Stück, in das man hinein spricht und den anderen hört."

"Ja, so kann man es wohl nennen", stimmte Miles ihm zu. Er wandte sich der Tafel zu - im Ernst, in welcher Zeit waren sie denn, dass man noch SCHIEFERTAFELN UND KREIDE benutzte ?? - und skizzierte das älteste Modell eines Telefons, das ihm einfiel.

"So sieht ein Telefon aus. Ja, Miss Granger?"

"Die meisten Telefone haben mittlerweile aber Tasten", erzählte diese. "Ebenso wie die Faxgeräte."

"Muss man lauter sprechen", fragte ein pummliges Mädchen aus der vorletzten Reihe vorsichtig, "wenn der andere in einem anderen Land wohnt?"

"Nee", antworte der Rotschopf, "Oder, Harry?"

Der angesprochene Junge, der neben dem Rothaarigen saß, schüttelte den Kopf. "Nein."

"Verrückt", ließ das Mädchen hinten noch halblaut von sich hören.

"Welche Geräte kennen Sie noch?", wiederholte O'Brien seine vorherige Frage, um noch mehr Altertümlichkeiten zu sammeln.

Und von denen bekam er im Laufe der Stunde noch so einige vorgesetzt, dass er nur immer wieder den Kopf schütteln konnte und seine Kommentare zurückhalten musste.

***

„Man, was für ein Vormittag ..." Mit einem Schnauben ließ Julian Bashir sich am Mittagstisch in der großen Halle nieder. Sein Magen signalisierte ihm, dass er tatsächlich mehrere Stunden nichts gegessen hatte. Und bisher hatten er und sein Freund keine Minute allein gehabt, um ihre Lage zu besprechen. Wenigstens hatten sie inzwischen von Professor McGonagall ihren Stundenplan erhalten und wussten so, dass sie nach dem Mittagessen frei hatten. "Iss schneller", wisperte Julian Miles zu. "Wir müssen reden."

Der Chief nickte, ließ es sich aber nicht nehmen, trotzdem noch eine weitere Portion auf seinen Teller zu häufen. Wer hätte gedacht, dass Unterrichten so hungrig machte? Voller Respekt dachte er an Keikos frühere Arbeit, die er jetzt mit ganz anderen Augen sah.

Nach dem Essen verdrückten sich die beiden in den Gang, der zu ihren Zimmern führte.

"Na, aber hallo!", rief ihnen kurz vor der Abzweigung zu ihrem Gang eine wohlbekannte Stimme hinterher.

"Komm, wir tun so, als hätten wir ihn nicht gehört", schlug Julian leise vor. Aber zu spät.

"Haben die Professoren die erste Woche genossen?"

Die beiden Freunde konnten nicht verhindern, dass sie wie angewurzelt stehen blieben und sich umdrehten.

"Wie, eine Woche?", fragte Miles. "Wir sind doch erst seit gestern hier."

"Ja, ja", erwiderte Citruellus. "Ich finde auch immer, dass die Zeit viel zu schnell an uns vorbei fliegt. Natürlich habe ich hier auch mehr Zeit als Sie beide."

"Computer?", platzte Julian raus. "Bashir an OPS! ... Miles?!"

Der Zitronige kratzte sich nachdenklich an seiner gelben Kopfbedeckung. "Hmmmm ... mich dünkt, die Herren, sind bereits ein wenig überarbeitet?"

"Genau", nickte O'Brien. "Und wir müssen uns ganz dringend ausruhen. Wenn Sie uns also entschuldigen …"

Ohne eine Antwort abzuwarten zog er Julian mit sich und hielt erst an, als sie beide in seinem Zimmer standen.

"Mist, irgendwas läuft hier schief!", fluchte er.

"Ach, nee!" Hektisch tigerte der Arzt im Zimmer auf und ab. "Wir müssen hier raus. Oder zumindest jemanden erreichen." Nervös strich er sich durch die Haare und blieb stehen. "Miles ... Hast du so was schon mal erlebt? Also, dass ein Holoprogramm derart aus den Fugen geraten ist?"

"Ja, aber die Enterprise ist ein Flaggschiff der Föderation und nicht ... wasauchimmer das ist, worauf wir sind." Miles gestikulierte in den leeren Raum. Er seufze leise. "Im Notfall kann man nur auf eine Rettung von außen warten. Aber dafür müsste jemand herkommen und das Programm abschalten. Von hier habe ich leider keinen Zugriff darauf."

Frustriert ließ sich Julian rücklings neben Miles auf dessen Bett fallen und schloss die Augen. "Okay ... Keiko wird sich bestimmt Sorgen machen, wenn du zu lange weg bist." Er gähnte verhalten. "Was meinst du, wie lange wir schon hier sind? Zumindest kommt es mir wie einige Stunden vor ... und in Anbetracht der Tatsache, dass wir erst nach Feierabend hier her gekommen sind ... Bist du müde?"

Als hätte der Arzt einen Schalter bei ihm umgelegt, bemerkte Miles plötzlich, wie müde er eigentlich war. Vor allem mit der leckeren Mahlzeit von eben in seinem Bauch. Aber an Schlaf war in dieser Situation nicht zu denken. Die Frage seines Freundes ignorierend, ließ er seinen Blick im Raum schweifen.
"Die Taschen!", fiel ihm dann plötzlich auf und er schwang sich wieder auf die Beine. Die hatten sie bei dem ganzen Chaos ja ganz vergessen. Vielleicht war da ja etwas Essentielles drin.

Durch Miles' Schwung aufgerüttelt, öffnete Julian die Augen wieder und setzte sich auf. Er ließ sich seine Tasche reichen und kippte deren Inhalt auf das Bett. Sein Blick fiel zuerst auf den Zauberstab - und sein Notfall-MediKit, das er eingepackt hatte. "Miles ... eventuell hab ich einen Medizinischen Tricorder dabei ... warte mal …"

Miles selbst zog ebenfalls einen Zauberstab hervor, zusammen mit einem Schulbuch über sein Fach. "Strom - Die Magie der Muggel", las er vor. "Gott, Jules, sag mir bitte, dass du etwas Brauchbareres hast."

"Ha!" Triumphierend hielt Julian einen Medizinischen Tricorder hoch und reichte ihn Miles. "Kannst du den modifizieren und was herausfinden?" Ohne dessen Antwort abzuwarten, durchstöberte er den Rest seiner Ausrüstung. "Flüche und Gegenflüche", las er einen Buchtitel vor. "Magische Tierwesen und wo sie zu finden sind ... Gammeln mit Ghulen - was haben die Cardassianer hier verloren?"

"Lass mich sehen." Der Chief schnappte sich das Gerät und bastelte kurz daran herum. Zum Glück hatte er bereits viel Erfahrung darin, jegliche Art von Tricordern für seine Zwecke zu modifizieren, weswegen er bereits kurz darauf den Raum scannen konnte.

"Hm ...", machte er, als er die Auswertung überflog.

"Hmmm ...", machte auch Julian, der seine Nase tief in "Gammeln mit Ghulen" gesteckt hatte. "Das muss ich Garak mal zeigen ...", giggelte er.

"Scheinbar haben wir keinerlei Problem hier." Miles' Stirnrunzeln erzählte aber etwas ganz anderes.

"Bitte?" Der Arzt hob den Blick. "Wie, du meinst, der Tricorder zeigt an, dass ... ja, was ?"

"Dass alles ganz normal verläuft. Soweit ich es erkennen kann, zeigt das Programm keinen Fehler und sollte eigentlich reagieren. Warte ..." Miles richtete den Scanner auf Bashir. "Jap, du bist auch ganz normal."

"Natürlich bin ich normal", empörte sich Julian gespielt, in dem Versuch, die Situation aufzulockern. "Ich fasse zusammen: Laut Tricorder sind wir in einem leeren Raum, umgeben von einem Hologitter? Wo ist der Ausgang?"

"Naja, genau ..." Miles startete erneut den Scanner und drehte sich um sich selbst. Dann drehte er sich noch einmal, richtete den Tricorder nach oben und unter sich. "Hm ...", machte er erneut. "Ich glaube, ich hab den Fehler gefunden. Es gibt keinen."

Das saß. "Wieso überrascht mich das nicht?", seufzend kippte Julian wieder nach hinten und legte sich "Gammeln mit Ghulen" aufs Gesicht. "Okay ... ich schlage vor, wir spielen erst mal mit und versuchen, einen Ausgang zu finden", nuschelte er unter dem Buch hervor. "Vielleicht gibt es ja außerhalb der Schule einen?"

"Es bleibt uns wohl nicht viel anderes übrig." Miles zuckte mit den Schultern und legte den Tricorder beiseite, nahm stattdessen den Zauberstab zur Hand. "Immerhin sehen wir jetzt wie richtige Zauberer aus. Wie machen die das … ?" Er wedelte damit herum, als sich plötzlich die Kommode, auf die er in etwa gedeutet hatte, in die Luft erhob. Der Chief zuckte überrascht zurück, worauf das Möbelstück mit einem Rumms wieder auf den Boden fiel. "Hast du das gesehen, Jules?!"

Erschrocken fuhr Julian hoch, dabei fiel ihm das Buch von der Nase. "Nein! Aber gehört! Was war das?"

Miles deutete auf die nun schief stehende Kommode. "Die ist geflogen!"

Skeptisch runzelte der Arzt die Stirn. "Geflogen? Einfach so? Oder meinst du, sie hat sich bewegt, wie es die Treppen tun?"

"Ich bin mir nicht ganz sicher ..." Miles blickte nachdenklich auf den Zauberstab. "Warte mal ..." Er erhob ihn wieder und richtete ihn diesmal auf den Haufen Bücher auf dem Bett, versuchte dann die Bewegung von eben nachzumachen. Es schien zu funktionieren, denn auf die Bücher schwebten langsam in die Höhe. "Ha!"

"Genial! Wie machst du das?!"

"Na, ich zaubere", grinste der Chief. Er bewegte den Arm ein wenig nach rechts und die Bücher folgten.

"Klar", grinste Julian zurück und zog nun ebenfalls seinen Zauberstab aus der Tasche, um ihn genau zu untersuchen. Er fühlte sich relativ glatt an, allerdings an der einen Seite, wo sein Daumen den Griff berührte, konnte Julian drei Knubbel ertasten. "Hmmmm ...", meinte er nachdenklich, zielte mit dem Zauberstab auf "Gammeln mit Ghulen", schwenkte ihn und drückte auf den untersten der Knubbel. Es gab einen lila Blitz, ein lautes Zischen und ein Haufen Papierfetzen flatterte rauchend durchs Zimmer.

Die beiden sprangen instinktiv in Deckung. "Was hast du denn jetzt angestellt?!", fragte Miles entgeistert.

"Gezaubert .... ?", kam es kleinlaut zurück.

Milesschlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn. "Zaubere bloß nie auf mich."

Mit einem ansatzweisen Grinsen schüttelte Julian den Kopf und widmete sich wieder seinem Zauberstab. Er deutete damit in die hinterste, leere Ecke des Raumes und drückte die mittlere Erhöhung. Ein freundliches, helles Licht glomm an der Spitze des Stabes auf. "Hey, das kenn ich! Lumos! Und jetzt pass mal auf - Nox!" Das Licht erlosch wieder. "Hast du auch drei Knubbel?", fragte er seinen Freund gut gelaunt.

Miles betrachtete seinen Stab genauer und tatsächlich fand er drei Erhebungen in Fingernähe. Offenbar war er eben bei seinem Versuch zu zaubern auf den obersten gekommen. "Ja", nickte er und drückte den darunter. Jetzt erleuchtete auch er den Raum.

"Das ist nett, oder?" Julian ließ seinen Zauberstab auch noch mal erglühen und malte damit kleine liegende Achten in die Luft. Dann runzelte er die Stirn. "Sag mal ... meinst du, wir haben die gleichen Zauber?"

"Das Licht haben wir auf jeden Fall beide. Probier du mal deinen dritten Zauber."

"Okay. Halt dich gut fest! - Hey, war ein Spaß!", beschwichtigend hob Julian die Hände und zielte auf die Kommode, die gleich darauf einen guten halben Meter über dem Boden schwebte.

"Dann sind es wohl die gleichen. Aber ich werd hier bestimmt nichts anderes mehr zerfleddern." Miles schaute von den Papierfetzen, die überall in seinem Zimmer verteilt waren, zu seinem Freund.

Schulterzuckend ließ der Jüngere die Kommode sinken, deutete auf den größten Haufen Papierfetzen und beförderte ihn schwebender Weise zum Papierkorb. "Alternativ könnten wir auch den anderen Zauber nehmen und so lange zerfetzen, bis nichts mehr übrig ist …"

"Klar, und dann stecken wir es am besten in Brand ..."

"Haben keinen Brandzauber ... Ach, sag mal ... Hast du eine Ahnung, wie die beiden Zaubersprüche heißen? Immerhin müssen wir doch einen Zauber rufen, wenn wir zaubern wollen."

Miles war sehr versucht zu demonstrieren, dass man mit dem Zerfetzzauber bestimmt auch etwas zum Brennen bringen konnte. Aber er beließ es dann doch lieber bleiben. "Das war doch der mit der Feder aus dem Holo-Video. Lingadium irgendwas", erinnerte er sich.

"Stimmt ... warte mal ..." Julian kramte in seinem Gedächtnis und nickte dann, als ihm die entsprechende Szene einfiel. "Wutschen und Wedeln!", giggelte er und machte eine entsprechende Bewegung mit seinem Zauberstab Richtung Kopfkissen. "Wingardium Levi-OOOOO-sa!"

Miles starrte ihn an. "Ich glaube, die Lehrer haben nicht immer die Zauber gesprochen ...", meinte er dann, denn so wollte er das ganz bestimmt nicht machen.

"Ja, aber wenn wir es vor den Kindern machen wollen, sollten wir sie wissen", hielt Julian dagegen und sein Gesicht hellte sich auf. "Ich weiß, wie wir den Namen des Fetz-Zaubers herausbekommen. Ich führe ihn morgen einfach der Klasse vor und wer mir sagen kann, welcher es ist, bekommt fünf Punkte." Er strahlte seinen Freund an.

Er schien sich so sehr über seine Idee zu freuen, dass Miles es nicht übers Herz brachte, einzuwenden, dass sie morgen vielleicht gar nicht mehr hier wären. "Was machen wir jetzt?", fragte er stattdessen. "Unsere neue Lektüre lesen?" Er deutete auf die restlichen Bücher. "Oder noch ein wenig auf Erkundungstour gehen?"

Julian unterdrückte ein Gähnen. "Ich hol mir noch einen Raktajino aus dem Replikator, dann können wir los", scherzte er halbherzig und stand auf, dabei steckte er sich sein Medikit in die Innentasche seines Umhangs. "Kannst du meinen Tricorder wieder in seine ursprüngliche Fassung einstellen, ich würde ihn gerne mitnehmen, wenn wir losgehen?"

"Ja, gib mir einen Moment." Miles kümmerte sich kurz um den Scanner, den er dann an den Arzt weiterreichte. "Da, alles wieder beim Alten." Er selbst steckte nur seinen Zauberstab ein, als sie sein Zimmer verließen.

Der Flur lag im Dunkeln. Es schien finsterste Nacht zu sein und alles war still. Fast schon unheimlich, wenn man bedachte, dass sie sich nicht in einem Hologramm befinden könnten, sondern wirklich in einem sehr alten Schloss voller Hexen, Zauberer und Gespenster. "Lumos", flüsterte Julian und war froh über das kleine Licht. "Wo lang? Und was wollen wir genau suchen? Wollen wir raus? Also, das Schloss verlassen? Oder wol -"

Er verstummte, da sie beide plötzlich sehr laute Schritte zusammen mit einem sich näherndem Scheppern hörten. Sie blickten sich an und drehten sich dann um, um nachzusehen. Miles zückte jetzt ebenfalls seinen Zauberstab, nur für den Fall der Fälle.

Eine Ritterrüstung trat in den Lichtkegel, in den Händen ihre Pike, mit der sie sich den beiden Freunden langsam näherte.

Vorsichtig schob Julian seinen Freund rückwärts den Gang entlang, die Augen fest auf die sich nähernde Rüstung geheftet. "Sobald du eine Tür findest, rein da!", wisperte er.

Das Metall folgte ihnen unbeirrt weiter, während sie sich gleichermaßen entfernten. Zum Glück dauerte es nicht lange, bis Miles eine Tür entdeckte. Er packte seinen Freund am Arm und zog ihn mit sich in den fremden Raum hinein.

"Darf ich den Herren behilflich sein?", erklang eine kühle, unfreundliche Stimme in ihrem Nacken.
Patronustier: Echse by Amber
Julian und Miles wirbelten überrascht herum. Sie standen in einem unbekannten Klassenraum und nicht unweit von ihnen entfernt blickte Snape sie eine Antwort erwartend an. Sie kamen sich vor wie Lausbuben, die gerade bei etwas erwischt worden waren.

"Ehm ...", machte Miles und hörte noch mit einem Ohr, wie das Klappern der Rüstung sich weiter der Tür näherte.

"Uns verfolgt eine Ritterrüstung!", platzte Julian heraus und deutete vorwurfsvoll zur Tür.

Der schwarzhaarige Zauberer verzog die dünnen Lippen zu einem spöttischen Grinsen. "Sollten Sie da nicht genau wissen, was zu tun ist, Professor?"

"Ähm ...", machte nun auch Julian ob der Rüge und wandte sich hilfesuchend an seinen Freund. "Sollte ich?"

Dieser zuckte mit den Schultern. Woher sollten sie beide das bitte schön wissen? Doch bevor er etwas Kluges darauf erwidern konnte, klopfte es plötzlich von der anderen Seite gegen die Holztür.
Die beiden Freunde blickte sich an. Die Rüstung konnte nichts Schlimmes sein, wenn der andere Lehrer dabei so ruhig blieb. Andererseits ...

"Möchten Sie Ihrem Gast nicht öffnen?", fragte Snape sie, als sie sich nicht rührten. Offenbar fand er es sehr unterhaltsam, sie zu beobachten.

Langsam griff Miles zur Klinke, da er näher stand. In der anderen Hand hatte er seinen Zauberstab, bereit den Haufen wegzupusten, wenn es nötig sein sollte. Er öffnete die Tür ein Stück und blickte hinaus.
Das Visier war geschlossen, weswegen der Chief nicht dahinter blicken konnte. Seine Aufmerksamkeit wurde dann aber auf den Plattenhandschuh gelenkt, der ihm etwas entgegen streckte. Einen Brief aus altem Pergament.

Obwohl die Rüstung vermutlich schon seit Äonen hier im Schloss stand, schien sie dennoch nicht unendlich viel Zeit zu haben. Als der Chief keinerlei Anstalten machte, nach den ersten drei Sekunden den Brief entgegenzunehmen, erklang aus dem Inneren des Helmes etwas, das man als enerviertes Schnauben bezeichnen könnte und die Rüstung wedelte knarzend und ungeduldig mit dem Pergament vor Miles' Gesicht.

"Ich glaube, der ist für dich", gluckste Julian, fand er doch, dass die Situation eine ausgesprochen komische Wendung genommen hatte.

Miles erwachte aus seiner Schockstarre und griff nach dem Papier. Daraufhin drehte sich die Rüstung um und machte sich quietschend und scheppernd wieder auf den Rückweg.
Der Chief schloss die Tür wieder. Damit hätte er nicht gerechnet.
Sein Blick fiel auf den Brief in seiner Hand, der keinerlei Absender hatte. Oder Empfänger. Oder sonst irgendetwas, das auf seinen Ursprung deutete. Da er aber merkte, dass Julian neben ihm aufgeregt ob dieser neuen Wendung wurde, öffnete er den Brief und las ihn sich kurz durch.
"Da steht, dass wir beide bei Sonnenaufgang zum Quidditchfeld kommen sollen."
Er reichte den Brief weiter an Bashir.

Dieser überflog ihn ebenfalls und runzelte nachdenklich die Stirn. "Könnte das ein Hinweis sein?", murmelte er halblaut und drehte sich dann zu Snape herum. "Professor, ist für morgen Früh ein Training oder Spiel angesetzt?"

"Sehe ich aus, wie Ihr Sekretär?", erwiderte Snape kühl. "Des Weiteren ... Was treiben Sie mitten in der Nacht außerhalb Ihrer Schlafräume? Und nun sagen Sie mir nicht, die Rüstung hätte Sie aus Ihrem Gemach heraus verfolgt?"

Allmählich ging dem Arzt Snapes Art auf die Nerven. "Die Frage in ähnlicher Form könnten wir genauso gut Ihnen stellen. Wenn mich nicht alles täuscht, liegt Ihr Klassenraum doch eigentlich im Keller , oder?"

Dem Schwarzhaarigen schien es ähnlich zu gehen, dann er verschränkte die Arme. "Ich bin für die Nachtaufsicht eingeteilt. Um dafür zu sorgen, dass keine Schüler", er machte eine kurze Pause und schien kurz davor zu sein 'oder sonstige Individuen' hinzuzufügen, als er die beiden musterte, "heimlich durch das Schloss schleichen."

"Prima", erwiderte Miles. "Machen Sie weiter damit. Wenn Sie uns nun entschuldigen würden, wir sind müde." Er warf Bashir einen auffordernden Blick zu und verließ dann den Raum, allerdings nicht, ohne sich nicht versichert zu haben, dass auf dem Flur keine weiteren Rüstungen herumliefen.

Julian schluckte eine passende an Snape gerichtete Bemerkung herunter und folgte dem Chief auf den Gang. Die Tür schloss er ein wenig fester, als notwendig und fühlte sich dadurch auf herrlich infantile Weise besser. "Miles, ich würde tatsächlich ein wenig Schlaf in Betracht ziehen. Sollte der Brief wirklich ein Hinweis sein, wie wir hier herauskommen und sollte die Zeit auch weiterhin ihre ganz eigene Dynamik beibehalten, wäre es mehr als ratsam, wenn wir ausgeruht sind.“

"Ganz meine Meinung. Abgesehen davon, hieß es nicht, dass dieses Jahr kein Quidditch gespielt wird, sondern stattdessen dieses Turnier stattfindet?"
Miles blickte erneut auf den Brief. Auch wenn dieser nicht unterschrieben war, so konnte er sich bei der ordentlichen, aber leicht schrägen Handschrift keinen anderen Verfasser als den Schulleiter selbst vorstellen.

„Stimmt." Julian rieb sich nachdenklich die Stirn. Sie waren wundersamer Weise ohne weitere Zwischenfälle an ihren Zimmertüren angekommen. "Dein Quartier oder meins?"

Miles musste lachen. "Ich dachte, wir wollten morgen ausgeruht sein und uns nicht mit unserem gegenseitigen Schnarchen wachhalten."

"Ich schnarche nicht!", entrüstete sich der Jüngere. "Komm schon, es ist sicherer. Wer weiß, was noch passiert." Dass er tatsächlich das gesamte Gebäude und die Situation an sich gruselig fand, musste er seinem Freund ja nicht auf die Nase binden. "Also dein Quartier, da liegen ja schon meine Sachen. Mach mal die Tür auf und geh zur Seite, ich lass mein Bett zu dir schweben!"

Mochte es am Umstand liegen, dass er in der Tat müde war oder einfach wusste, wann es nichts mehr brachte mit Julian zu diskutieren, aber Miles fügte sich stumm und öffnete die Tür zu seinem Zimmer. Außerdem war die Vorstellung von Julians Plan einfach zu amüsant gewesen, als dass er nicht dabei hätte zusehen wollen.

Vorfreudig krempelte Julian sich theatralisch die Ärmel hoch, sobald beide Türen geöffnet waren. Dann richtete er seinen Zauberstab auf sein Bett, drückte auf den entsprechenden Knopf und schwerfällig hob sich das Möbelstück in die Luft. "Tada!", verkündete er triumphierend, schwenkte den Zauberstab Richtung Tür - und das Bett krachte mit Schmackes gegen den Rahmen. "Ups ..." Beim zweiten, etwas weniger schwungvollen Versuch gelang es dem Arzt dann, das Bett neben das von Miles zu manövrieren. Er verschloss beide Türen wieder und ließ sich dann auf sein Bett fallen. "Geschafft!"

Glücklicherweise hatte sich Miles rechtzeitig in Deckung gebracht. Und mit etwas mehr Glück hatte auch niemand den Krach in der Nacht gehört. In diesem komischen Schloss sowieso nicht, fand er.
Mit einem amüsierten Grinsen nickte er Julian anerkennend zu. "Nicht schlecht. Jetzt aber wirklich ab ins Bett. Dann schaffen wir es morgen vor dem Treffen vielleicht noch zum Frühstück."

"Papa Miles hat gesprochen?", foppte der Arzt vergnügt, musste aber gähnen. Mit dem Kinn deutete er auf eine schmalere Tür gegenüber der Zimmertür. "Ich check mal, ob das das Badezimmer ist ..." Damit erhob er sich und stellte erleichtert fest, dass hinter der Tür wirklich ein kleines, altmodisches Bad mit einer historisch anmutenden Duschnische, WC und Waschbecken war. Nach einigem Suchen fand er in einem Schrank mehrere verpackte Zahnbürsten und Zahnpaste und ein Stück Seife. Auch flauschige Handtücher waren vorhanden. Wenn es jetzt am nächsten Morgen noch mit Frühstück klappte und sie einen Weg hier raus fanden ... was wollte er mehr? Pfeifend machte der Arzt sich für die Nacht zurecht und kroch dann in Unterwäsche in sein Bett unter die Decke. "Lassen wir eine Kerze brennen?"

"Ist es eine magische Kerze, die nicht plötzlich einen Großbrand auslösen und uns töten kann?", fragte Miles zurück auf dem Weg zu seiner Runde ins Bad. "Wenn du Licht möchtest, können wir ja einen Zauberstab anmachen."

"Haben die einen Akku?" Skeptisch beäugte Julian seinen Stab, zuckte dann aber gähnend die Schulter. "Ach, wird schon nichts schief gehen ... Lösch die Kerze. Ach so ... Hast du einen Wecker? Wobei, ich hab keine Ahnung, wie spät es ist ... oder wie die Zeit hier verläuft. Oder", er brach ab, als er den Blick seines Freundes bemerkte. "Schon okay, ich bin ja ruhig. Wir warten einfach ab."

Miles nickte zufrieden und verschwand nach nebenan.
Kurz darauf kletterte auch er in sein Bett und machte es sich bequem. "Gute Nacht, Jules", gähnte er noch, bevor er die Augen schloss.

"Schlaf gut", nuschelte der Jüngere zurück. Noch während er sich Gedanken darüber machte, ob sie nicht vielleicht abwechselnd schlafen sollten, hatte der Schlaf ihn auch schon geholt ...


***

Ein melodisches, sanftes Läuten weckte ihn schließlich auf. Etwas orientierungslos öffnete er halb die Augen - und fand sich Miles' schlafendem Gesicht gegenüber. "Hnnmmgf", brummelte er, als die Erinnerung an ihre Lage sich einstellte und er suchte mit den Augen nach der Quelle des Läutens. Erst jetzt bemerkte er, dass bereits ein kleines Feuer im Kamin flackerte und einige Öllampen ein angenehmes Licht spendeten. Und da, auf der Kommode, stand ein antiker Wecker, der fröhlich auf und ab hüpfte und sich mit kurzen Pummelärmchen auf zwei Messingglocken auf seinem "Kopf" schlug.

Miles hatte sich sein Kissen bereits über die Ohren gezogen, um dem Lärm zu entgehen. Brachte allerdings nicht viel, denn als wäre es voreingestellt gewesen, wurde der Weckton lauter.
"Hnnn ... Alarm aus", brummte er in den Raum, doch leider gab es keine Stimmenerkennungssoftware, die ihm zuhörte.

Grinsend kletterte Julian aus seinem Bett über Miles rüber, um so an die Kommode zu kommen. Er griff nach dem Wecker, aber dieser wich ihm geschickt aus. "Hey!", empörte sich der Arzt und jagte dem Wecker hinterher, der zielstrebig Kurs auf das Kopfkissen des Chief nahm, um dort mit neuem Elan noch fröhlicher zu Bimmeln.

Mit einem genervten Aufstöhnen machte dieser schließlich kurzen Prozess und erstickte den Wecker mit seinem Kissen.
"Ich hab den Room-Service nicht bestellt", meinte er trotzdem und bequemte sich dann mit einem weiteren Gähnen endlich aus dem Bett. Die Nacht war nach seinem Geschmack viel zu kurz gewesen.

"Guten Morgen!", grüßte Julian ihn gut gelaunt, wich dann aber ob Miles' Miene schnell ins Bad aus.

Glücklicherweise wurde die Aufmerksamkeit des Chiefs von zwei dampfenden Tassen abgelenkt, die auf dem Kaminsims standen. Bei näherer Betrachtung stellte er erfreut fest, dass es sich um Kaffee handelte. Jetzt dankte er dem unbekannten Room-Service doch noch.

Als Julian wenig später aus dem Bad herauskam, fand er einen zufriedenen Miles vor, der genüsslich aus einer Tasse schlürfte. "Kaffee", teilte dieser ihm mit und nickte zum Kaminsims, auf dem eine zweite Tasse stand.

"Ich frag erst gar nicht, wo der herkommt", seufzte der Arzt, griff aber dankbar nach dem Kaffee.

Nachdem sie ihren Kaffee ausgetrunken hatte und Miles ebenfalls seine Morgenhygiene hinter sich gebracht hatte, zogen die beiden sich die Umhänge über und packten ihre Zauberstäbe und das Medikit.

"Bereit?", vergewisserte sich Julian und öffnete dann voller Tatendrang die Tür - und stieß beim Hinausgehen mit jemandem zusammen. "Oh, Pardon!"

Miles, der gerade seinen Umhang noch einmal richtete, stolperte in Julian hinein.

"Hey, was ...?" Der Chief fing sich gerade noch auf und hielt sich an Julians Schulter fest.

"Verzeihung." Eine Frau mit buschigen Haaren schob ihre dicke Brille zurecht. "Oh, Professor Bashir, Professor O'Brien." Sie blickte mit verwirrten Gesichtsausdruck von den beiden Herren zu der Tür, aus der sie gerade gekommen waren. "Guten Morgen."

Julian klopfte mit seiner Hand beruhigend auf Miles' Hand und schenkte der Dame, die erschreckende Ähnlichkeit mit einer überdimensionalen Heuschrecke hatte, sein sonnigstes Lächeln. "Guten Morgen Professor Trewlany! War Ihre Nacht auch viel zu kurz?"

"Wie?" Die Lehrerin für Wahrsagen schien noch einen weiteren Moment verwirrt. Vielleicht war das aber auch einfach ihre Grundeinstellung. "Ja, Venus hat stark auf alle Feuerzeichen geschienen. Was ist eigentlich Ihr Patronustier?", fragte sie dann interessiert.

"Jules", stupste Miles seinen Freund leise an und deutete auf ein Fenster am Ende des Ganges. Von draußen war bereits der erste Schimmer des Tages zu sehen.

"Ähem ... Echse!", antwortete Julian der Frau und nannte das erste Tier, das ihm einfiel. Er hatte keinerlei Schimmer, was diese da von sich gab. Sein Blick folgte Miles' Finger und er drehte ihm leicht den Kopf zu, um ihm leise ins Ohr zu raunen: "Ich wei-heiß …"

Trewlany nickte. "So, so ... nun, das sind ja eigentlich nicht sehr gesellige Tiere." Sie lächelte verwirrt. "Ich muss wieder zurück in meinen Turm. Meine erste Stunde fängt gleich an."

Miles war sich ziemlich sicher, dass kaum schon ein Schüler wach war, aber er ließ sie ziehen, da sie es selbst ja auch eilig hatten.

"Einen schönen Tag, Professor Trewlany", wünschten sie beide ihr noch, bevor sie in die entgegengesetzte Richtung liefen.

"Schräge Frau", gluckste Julian und hastete seinem Kollegen hinterher. "Weißt du, wo das Quidditchfeld ist?" Im Vorbeieilen winkten sie Citruellus zu, der verschlafenen unter seiner Zitrone hervorschmulte.

"Draußen, mit einer Tribüne und viel Platz. Wie schwer kann das schon zu finden sein?", fragte der Chief zurück. Als er an den Flugsport aus dem Film dachte, war er irgendwie froh, dass ihre Koffer keine Besen beinhaltet hatten. Es war eine Sache in einem Shuttle durchs All zu fliegen, aber eine andere, wenn man auf einem Stock in fünfzig Metern Höhe von Bällen beworfen wurde.

"Brummbär", ließ Julian leise verlauten und wählte dann den hoffentlich kürzesten Weg nach draußen. Dabei passierten sie die geschlossenen Tore der Großen Halle, was ihre Hoffnung auf Frühstück - für das sie ohnehin keine Zeit gehabt hätten - zunichte machte.

Kaum waren aus dem Schloss getreten, eilte ein Mann in ihrem Alter an ihnen vorbei, dessen Umhang und Haare schwelten. Auf seinem Gesicht waren dicke, große Blasen, die Julian als Verbrennungen erkannte, zu sehen.

"Aus dem Weg!", herrschte der Zauberer sie an und stürmte ins Innere.

Die beiden machten ihm Platz und blickten ihm entsetzt nach.

"Sag, Jules, hast du auch das ungute Gefühl, dass wir dorthin müssen, wo der herkam?", fragte Miles.

"Hast du die Verbrennungen gesehen?", entgegnete der Arzt nachdenklich, ohne Miles' Frage wirklich wahrgenommen zu haben. "Die sehen schlimm aus. Und der Ausdruck in seinen Augen war mehr als panisch …"

"Jetzt hab ich gleich sehr viel mehr Lust, zu sehen, wo der hergerannt kam", murmelte der Chief mehr zu sich selbst. Etwas lauter fügte er hinzu. "Ja, hab ich. Vielen Dank auch. Übrigens, die Sonne ist schon am aufgehen."

Julian nickte und trottete grübelnd seinem Freund hinterher. Kaum waren sie um die Ecke des Schulgebäudes herum, konnten sie die sechs hoch in der Luft stehenden Ringe des Quidditchfeldes sehen - und mehr nicht, denn das gesamte Feld war von einer ziemlich hohen Steinmauer umgeben. Geräusche, die sie nicht wirklich zuordnen konnten, drangen dahinter hervor, es klang nach Fauchen und Zischen, unterdrückte Schreie ...

"Miles ...?"

"Ja, Jules...?"

"Ich hab da ein ganz ungutes Gefühl ..." Irgendwie roch die Luft auch sonderbar, je näher sie den Mauern gekommen waren. Julian blieb stehen. "Wäre ich eine Antilope, würde ich jetzt gerne Reißaus nehmen, verstehst du, was ich meine?"

Miles nickte. Das verstand er nur allzu gut.
"Beim nächsten Holo-Ausflug gehen wir angeln, okay?"

Jeder Schritt, den er machte, wurde schwerer zu tätigen und er war wirklich am Überlegen, sich einfach umzudrehen und wieder zu gehen.
Doch leider öffnete sich, während er noch darüber nachdachte, ein Tor in der Mauer und Dumbledore trat heraus. Als er sie beide erblickte, bedeutete er ihnen näher zu kommen. Irgendwo hinter ihm ertönte ein Fauchen und dann war ein großer Feuerball zu sehen. Wieder ertönten Schreie, dieses mal weniger dumpf.
Natürlich, dachte Miles resigniert. Sie waren der Mauer so nahe gekommen, dass sie vom Sensor, der die nächste Frequenz des Abenteuer einleitete, erfasst worden waren. Wäre er mal vorher weggelaufen.

"Da sind Sie ja", begrüßte der Schulleiter sie beide fröhlich und ungeachtet der Dinge, die hinter ihm passierten. "Kommen Sie nur herein."

Unbewusst griff Julian nach Miles' Umhang, als er ihm leise zuflüsterte: "Wenn wir hier gleich rauskommen, dann häng ich Quark an seinen hässlichen Ohren auf!"

Zögerlich folgten die beiden dem lilagewandeten Zauberer, der auch noch die Nerven besaß, ein terranisches Weihnachtslied fröhlich und schief vor sich hinzupfeifen - und blieben abrupt stehen.

"Gütiger Himmel!", entfuhr es Julian und Dumbledore strahlte ihn an: "Ja, nicht wahr? Wunderschöne Exemplare. Ah, da ist Hagrid. Hagrid! Kommen Sie doch einmal herüber!"

Der zottelige Halbriese stapfte zu ihnen herüber.
"Ja, Dumbledore, Sir?"

"Zeigen Sie doch bitte den Kollegen unsere vier Gäste für die ersten Prüfung."

"Jawohl, sehr gerne", grinste Hagrid vergnügt. Er schien sehr gerne über dieses Thema zu reden und bedeutete Miles und Julian ihm zu folgen."Also das hier ist ein Walisischer Grünling. Eine nette, kleine Dame, die noch ein wenig müde von ihrer Reise ist", fing er an und deutete auf einen mehreren Meter großen Berg, der eingerollt in einer Ecke lag.

"Walisischer Grünling ... klar ...", echote Julian halblaut. "Nette, kleine Dame ... klar ..."

"Und da drüben", fuhr Hagrid euphorisch fort und deutete auf eine gut acht Meter hohe silbrigblaue Echse, die nervös mit den mehrere Spann langen, ledrigen Flügeln schlug und den Kopf von einer Seite zur anderen schnellen ließ. "Ist unser Schwedischer Kurzschnabel. Ganz netter Bursche, hat kaum Menschen auf dem Gewissen, gibt ja auch nich so viele da oben im Norden bei den Eskimos oder wie die heiß'n, jedenfalls ist Borgi ein Lieber. Nich wahr, Borgi, n ganz lieber Putzi bist du. Wollnse ihn ma streicheln?" Strahlend schob Hagrid die beiden näher an das Gehege heran.

Borgi hob den Kopf, als die beiden Menschen sich so nahe an ihn heran trauten und stieß schnaubend Rauch aus seinen Nüstern.
Nachvollziehbarerweise zuckten sie instinktiv dabei zusammen.
Miles, der seit ihrem Eintritt kein einziges Wort verlauten lassen hatte, war unfähig sich zu bewegen, geschweige denn, den Arm auszustrecken und das Ungetüm zu streicheln.

Julian musterte seinen Freund kurz und entschied sich, etwas unglaublich Dämliches zu tun, damit es diesem wieder besser ging.

"Und der tut mir nichts, ja?", wandte er sich an Hagrid und deutete auf den Drachen.

"Nö, na ja, nich, wenn Sie ihm nix tun", wich der Halbriese aus, konnte aber seine Begeisterung darüber, dass jemand ernsthaft erwog, einen seiner Schützlinge zu streicheln, nicht verbergen. "Ganz langsam und redense mit ihm, nich, Borgi, das magste?"

Der Drache fauchte halbherzig in Hagrids Richtung und Julian schluckte schwer, als er sich vorsichtig dem Drachen noch etwas mehr näherte. Wenn er nun den Arm ausstrecken würde, dann könnte er die hintere Flanke der Echse berühren.

Miles Gesichtsfarbe wurde, wenn das überhaupt möglich war, noch blasser. Am liebsten hätte er sich auf Julian gestürzt und ihn zurückgezerrt, doch er war sich sicher, dass ruckartige Bewegungen vor der feuerspeiende Echse für seinen Freund lebensgefährlich wären.
"Jules", rief er daher halblaut zu dem Arzt, räusperte sich kurz, um wieder zu Stimme zu kommen. "Bist du von allen friedlichen Vulkaniern verlassen? Das ist Wahnsinn!"

Von der plötzlichen Stimme überrascht, drehte der Drache blitzschnell seinen Kopf zu deren Ursprung herum und maß den Ingenieur mit durchdringendem, kalten Blick.

"Oho, nich bewegen ...", murmelte Hagrid und hob beschwichtigend die Hände, während Julian am hinteren Ende des Drachen genau in diesem Moment dessen schuppige, ledrige Haut mit der flachen Hand berührte.

Der Chief schluckte schwer, als er auf einmal im Fokus des Drachen stand.
"Ehehe ... Hallo. Du, ich tu dir bestimmt nichts", versuchte er es vorsichtig, wobei er sich sicher war, dass das Tier ihn nicht verstand. Aber wer wusste schon, ob es nicht vielleicht eine Sprachsteuerung hatte. "Und ich schmeck auch nicht gut. Nur nach altem Polyacrylnitril, das willst du bestimmt nicht probieren ..."

Der Drache schien ihm aufmerksam zu lauschen, dann öffnete er urplötzlich sein weites Maul und - gähnte genüsslich und machte ein Geräusch, dass einem gigantischen Schnurren glich. Er wohliges Zittern durchfuhr den massigen Leib und der lange Hals drehte sich zu Julian, der damit begonnen hatte, dem Drachen beruhigend die Haut zu kraulen.

"Naaaaaw, Professor, er mag Sie!", quiekte Hagrid entzückt.

"Äh ... ja, mit Echsen kann ich gut", gluckste der Arzt und grinste Miles an.

Dieser formte stumm die Worte "Komm da weg!".

Der Drache beäugte den Arzt kurz und stupste ihn dann mit der Schnauze nett gegen die Schulter, was diesen beinahe zu Fall brachte, bevor er den Kopf niederlegte und zufrieden die Augen schloss.

Diese harmlose Geste reichte aus, dass Julian sprichwörtlich die Herzchen aus den Augen flogen und er sich nun seinerseits zu einem "Aaaaaw" hinreißen ließ. Er verharrte noch kurz bei dem Anblick des nun friedlich schlummernden Drachens und drehte sich verzückt zu seinem besten Freund um. "Miiiiiiles", wisperte er. "Ist das nicht unglaublich? Hagrid, können wir die and- ... Hagrid?" Julian sah sich um, der Halbriese stand nicht mehr bei ihnen. In diesem Moment hörten sie ein beängstigendes lautes Fauchen und Zischen, den mehrstimmigen Ruf "Protego Maxima!" und dann ein lauter Knall.

Sie machten ein paar Schritte in die Richtung, um nachzusehen und traten um die Ecke. Was sie dort sahen, ließ sie jedoch sofort wieder erstarren. Ein bronzefarbenes Ungetüm von Drache hatte sich befreit und war offensichtlich Amok gelaufen. Eine kleine Gruppe von Zauberern stand ganz in der Nähe, alle mit erhobenen Zauberstäben, und hatte wohl einen Schutzschild heraufbeschworen, gegen die die Echse gelaufen war. Denn gerade schüttelte sie benommen ihren Kopf.
Ungünstig war nur, dass die Zauberer auf der anderen Seite des ausladenden Platzes standen. Und der Drache zwischen ihnen.

"Verschwinden Sie dort", rief ihnen jemand zu.

Doch leider zu spät, denn der Drache hatte den Hals gedreht und sie beide entdeckt. Er fauchte erneut, war wohl keinesfalls glücklich über den eben erlebten Aufprall oder heute im allgemeinen nicht gut drauf. Er machte ein paar Schritte auf sie zu und hob dann den Kopf zurück, ganz als würde er tief Luft holen.
Julian wollte nicht herausfinden, ob die Geste dazu diente Feuer zu speien. Er packte Miles am Ärmel, um ihn irgendwo in Sicherheit zu ziehen, bevor sie beide gegrillt wurden.
Der Chief hatte allerdings bereits einen Schritt nach vorne gemacht, in der Hand seinen Zauberstab, den er auf den Drachen richtete. Bevor er überhaupt selbst genau wusste, was er eigentlich tat, hob sich die Echse in die Luft, drehte sich auf eine Handbewegung hin, gerade als durch ihr Maul Feuer strömte, welches nun senkrecht nach oben an den Steinwänden vorbei in den offenen Himmel schoss.

Verwirrt trat das Tier um sich und zischte verärgert, aber Miles hielt eisern den Knopf gedrückt.

Überrascht und mehr als beeindruckt starrte Julian abwechselnd von dem Drachen zu seinem besten Freund.
Auf der anderen Seite des Schutzschildes waren die Zauberer nicht weniger verblüfft. Dumbledore und ein rothaariger jüngerer Zauberer eilten um den Schild herum, richteten entschieden ihre Stäbe auf den Drachen und riefen: "Dormitarus!" Sanfte blaue Wellen schossen aus den Spitzen der Zauberstäbe hervor und als diese den Drachen in den Augen trafen, schlossen sich diese und ein knurriges, tiefes Schnarchen erklang.

Nur langsam ließ Miles den Arm wieder sinken. Das Schnarchen klang nämlich ehrlich gesagt nicht viel sanftmütiger als das Fauchen. Aber er wollte den Zauber auch nicht überlasten.
Miles schaute an sich herab; er lebte noch. Sein Kopf drehte sich zu dem Arzt um; dieser lebte auch noch. Ein Glück.

"Miles! Bist du okay?" Julian zog seinen blassen Freund in eine feste, aufmunternde Umarmung. "Das war großartig!"

Der Chief nickte. "Ja, und du?", fragte er gleich zurück. "Das war vor allem knapp."

Währenddessen kümmerten sich einige Zauberer um den nun schlafenden Drachen. Der Rothaarige allerdings kam auf die beiden Freunde zu.
"Hallo. Wow, das war eine schnelle Reaktion", nickte er Miles anerkennend zu "Woher wussten Sie, dass das bei einem ausgewachsenem Ungarischen Hornschwanz funktionieren würde?"

"Ehm ...?", erwiderte dieser klug.

Julian entließ seinen Freund aus der Umarmung und drehte ihn zu dem Rothaarigen herum. Da er bemerkte, dass Miles auf Anhieb nichts einfiel, mischte er sich ein, um den Chief nicht noch mehr in Verlegenheit zu bringen: "Oh, Professor O'Brien hat Ähnliches schon einmal gemacht, als wir in .... Afrika wandern waren und ein brunftiger Elefant sich wohl provoziert fühlte. Weißt du noch, Miles?"

"Stimmt, Jules", erwiderte dieser automatisch. "Professor Bashir und ich sind eine Weile gereist."

Der Rothaarige blickte von einem zum anderen und nickte dann erneut. "Sehr schön. Vielen Dank für die Hilfe. Ich bin übrigens Charlie Weasley", stellte er sich dann vor und reichte den beiden die Hand.

"Julian Bashir", stellte sich der Arzt vor und schüttelte Weasley die Hand. "Und Miles O'Brien. Sagen Sie, sind sie ein Verwandter von Ron?"

"Das ist mein kleiner Bruder", lachte der Rothaarige. "Ebenso wie Fred und George, falls Sie bereits das Vergnügen mit ihnen hatten."

"Ich erinner mich an den ein oder anderen Streich." Miles dachte an den Film, den sie gesehen hatten, in denen zwei rothaarige Jungs einiges angestellt hatten.

"Ja, das sind die Zwillinge."

Dumbledore - dicht gefolgt von Hagrid - gesellte sich zu ihnen und sah Miles über den Rand seiner Halbmondbrille anerkennend an. "Wunderbar reagiert, Professor. Wir sind Ihnen zu Dank verpflichtet. Nun bin ich mir noch sicherer, dass Sie beide die richtige Wahl sind."

"Wofür?", rutschte es Julian heraus, obwohl er nicht sicher war, ob er die Antwort wissen wollte.

"Um bei der ersten Aufgabe des Trimagischen Turniers in der Drachenarena für die Sicherheit während des Wettkampfs zu sorgen."
Der verbotene Wald by Janora
Author's Notes:
Happy Halloween!
"Für die ... Sicherheit in der Drachenarena ... klar, okay ..." Julians Nasenspitze war nur minimal blass geworden, als er die Worte des Schulleiters wiederholte und sich zu Miles umdrehte. Dessen Gesichtsfarbe glich auch eher wässriger Erbsensuppe. "Kriegen wir hin", fügte Julian seinem Freund zuliebe fast schon selbstbewusst hinzu.

Dumbledor nickte zufrieden. "Wunderbar! Nach dem Abendessen können Sie sich dann mit Hagrid an seiner Hütte treffen. Sie begleiten ihn in den Wald, um noch einiges für den Wettkampf morgen Mittag zu besorgen. Er wird Sie aufklären." Damit drehte sich der Zauberer tänzelnd herum und trippelte gut gelaunt von dannen.

Aufmunternd legte Julian seine Hand auf Miles Schulter. "Na, wenn wir da im Wald nicht einen Hinweis bekommen, wie wir hier wieder rausfinden, oder?“

"Waren im Wald nicht dieser Werwolf und dieses Ding, das die Seele aufsaugt?", erinnerte sich Miles an den Film, den sie gesehen hatten. Andererseits war Hagrid selbst auch schon durchaus beachtlich und wenn sie Glück hatten, nahm alles andere Reißaus.
"Lass uns erst mal Frühstücken gehen."

In dem Punkt waren sie sich einig. Keiner von beiden wollte riskieren, dass sie zurück zur großen Halle kamen und die Türen schon wieder verschlossen vorfanden, weil sie zu spät waren.
Also machten sie sich auf den Weg zurück ins Schloss.

"Aber der Werwolf, Lupin, ist doch zurückgetreten. Und die Dementoren befinden sich wieder auf ... Askaban?", mutmaßte der Arzt. Kurz bevor sie die Schule betraten fröstelte er, als ein Schatten urplötzlich die Sonne verdunkelte. Die beiden hoben neugierig ihren Blick - und stutzen, als sie statt der Sonne in das Antlitz des vollen Mondes starrten.

"Äh?" Julian schaute zu Miles. "Wir nehmen das jetzt einfach so hin ... oder?"

Der Chief wiegte überlegend den Kopf hin und her. "Wenn es das ist, was ich vermute, ist es langsam an der Zeit, eine Formel für die Tempus Matrix aufzustellen." Er fing den Blick seines Freundes auf. "Schon wieder ein Zeitsprung ...?"

"Vermutlich. Hey", die Augen des Jüngeren hellten sich auf. "Also gibt es Abendessen! Das find ich noch besser als Frühstück!"

Grinsend zog er den Chief am Arm hinter sich her und trat mit ihm durch die geöffneten Tore der großen Halle. Ein herrlicher Duft nach Kürbissuppe, frischem Brot und gebratenem Hähnchen schlug ihnen entgegen. Julian deutete eine Verbeugung an: "Nach dir."

Von der Stimmung des Arztes angesteckt, erwiderte Miles die Geste. "Nein, nach dir", lachte er.

Verwirrt von den beiden liefen einige Schüler an ihnen vorbei in die Halle.Grinsend schob Julian Miles voran, nickte hier und da einigen Schülern zu. Allerdings fiel ihm auf, das manche die Köpfe zusammensteckten und zu tuscheln begannen. An ihren Plätzen am Lehrertisch angekommen, grüßte er freundlich in die Runde und beugte sich dann zu Miles' Ohr, als dieser ebenfalls saß: "Ist dir auch aufgefallen, dass wir ziemlich im Mittelpunkt des Interesses stehen? Die Sache mit den Drachen sollte doch geheim sein ... meinst du, die ahnen etwas?"

"Gut möglich." Miles zuckte mit den Schultern. "Vielleicht haben die vorhin alle den verbrannten Mann gesehen. Der war ja nicht gerade unauffällig."

So oder so langten beide erst mal ordentlich zu. Das richtige Frühstück war ja ausgeblieben und ganz ehrlich, unerwartete Begegnungen mit Drachen machten hungrig.

"Probier mal von dem Aufstrich hier", schob Miles seinem Freund eben diesen zu und häufte ihm etwas davon auf den Teller.

"Danke. Magst du noch ein halbes Brötchen von mir?"

Essen vertreibt ja bekanntlich Kummer und Sorgen und so fiel den beiden die nächste halbe Stunde nicht auf, wie einige der Mädchen seufzten und sie mit verklärtem Blick ansahen, viele Jungs allzu auffällig nicht zu ihnen blickten - der eine oder andere Sechzehnjährige schaute dafür um so trauriger und bekam mitfühlende Schulterklopfer seiner Freunde - und dass sogar am Lehrertisch Professor Trewlany mit rauchiger Stimme Snape einen Vortrag darüber hielt, was geschah, wenn die Plejaden im Herbst bei Vollmond auftauchten und die männlichen Schwingungen des Mars' im Zeichen der Jungfrau standen.

"Bist du fertig?" Julian schob seinen Teller beiseite und trank sein Glas aus.

Miles hatte seine Serviette bereits beiseite gelegt und nickte. "Dann lass uns mal Hagrids Hütte suchen."

Sie standen auf, verabschiedeten sich von von Lehrern, an denen sie vorbei kamen und steuerten den Ausgang an. Unterwegs grüßten sie einige Schülern, die ihren Blick auffingen.

"Professor Bashir!", rief eine Stimme vom Gryffindortisch, die sich als Hermines herausstellte. "Professor, Ihre Stunde heute war grandios." Die Schülerin lächelte ihn an und wandte sich dann wieder ihrem Kürbis zu.

Miles stupste seinen Freund an."So, so, war das heute so?"

"Natürlich, meine Stunden sind immer grandios!", wisperte Julian ihm grinsend mit geröteten Wangen zu und winkte Hermine. "Vielen Dank, Miss Granger, mit Ihnen als Schülerin ist das aber auch kein Problem!"

Kichernd duckte sich Hermine zu ihren Freunden, die sie bloß verständnislos anblickten. Offenbar hatten die beiden Jungs an ihrer Seite keinen Durchblick, was die junge Dame anging.
Miles schüttelte bloß den Kopf, bevor sie die Halle und auch das Schloß wieder verließen.
In der Dämmerung konnten sie in einiger Entfernung auf halben Weg zum Wald Hagrids Hütte ausmachen. Der Halbriese stand dort bereits und schien auf sie zu warten.
"Machst du Licht?", fragte Miles Julian.

"Lumos!", rief Julian enthusiastisch und schnippte mit seinem Zauberstab. "Das macht echt Spaß! Kannst du mir auf DS9 so was basteln?"

"Bestimmt. Theoretisch nehmen wir die hier ja auch wieder mit zurück."

Es ging einen ausgetrampelten Pfad auf einer Wiese herab. Die Nacht versprach eine frische zu werden, keine einzige Wolke war am Himmel zu sehen und ließ der klaren Luft Platz, um auszukühlen.

"Da sindse ja, 'n Abend, die Herren Professoren!", grüßte Hagrid die beiden Ankömmlinge fröhlich und schlug ihnen auf die Schulter. Man muss an dieser Stelle den beiden zugute halten, dass sie lediglich kurz wankten und nach Luft japsten.

"Hallo Hagrid", ächzte Julian freundlich und rieb sich die Schulter.

"Machense ma Ihr'n Stab aus, Professor, Sir", bat der Halbriese und ließ seinen Blick nervös schweifen. "Is Vollmond, da seh'n se genug und is ja nich nötig, dass mehr aufse aufmerksam wird, wie sein muss." Er bückte sich nach einer großen Laterne und pfiff leise durch die Zähne. "Hey, Fang, komm!" Ein riesiger, sabbernder und unendlich tapsiger Hund kam angeschossen und sprang fröhlich fiepend um die Gruppe herum. "Schluss, du kannst später knutschen, jetz' müssen wa leise sein ... Schön dicht bei mir bleiben, 'kay?"

Julian und Miles tauschten einen doch etwas nervösen Blick und folgten Hagrid zum Waldrand.

Dort angekommen zog der Halbriese einen kleineren Leinensack aus dem Inneren seines Mantels hervor. "Hier komm' Cheneyi-Blüten rein. Für den Stachelbuckel. Der hat's nicht so mit unserm Essen. Schmeckt ihm nicht. Andre Länder, andre Sitten, nich wahr?", nickte er. "Aber mit der richt'gen Würze isst's sich gleich viel besser." Er drückte Miles den Beutel in die Hand. "Da dürfen'se druf aufpasse."

Dann bekam Julian auch gleich noch einen hinterher."Okay ...", gluckste dieser. So schlimm schien der Ausflug dann doch nicht zu werden - dachte er zumindest, bis Hagrid fortfuhr: "Und der Chinesische Feuerball - den hamse noch nich geseh'n, ganz feiner Löwendrache - der brauch n paar Irrlichter, is so ne Diii-eeet, weil er'n bisschen schlecht gelaunt is ... kennt hier ja kein', bestimmt Heimweh ... und achtense drauf, die Irrlichter woll'nse bestimmt inne Sümpfe locken und Ihre eure Lebenslichter mitnehm."

"Unbekannten Lichtern nicht nachlaufen, verstanden", murmelte Miles. "Bekommen die anderen beiden Drachen auch noch Diäten?"

"Klar, aber dazu kommen'mer noch." Hagrid blickte zu den Bäumen. "Kümmern'mer uns erst mal darum und dann seh'n mer weiter. Bleiben'se schön bei mir, klar?"

"Klar", erwiderten die beiden Freunde unisono.

Julian und Miles waren erstaunt, wie lautlos der Halbriese sich durch das Dickicht des Waldes bewegen konnte. Obwohl der Vollmond sein fahles Licht durch die Nacht sandte, schien der Wald alles in seiner fast vollkommenen Düsternis zu verschlucken. Außer ihrem Atem, der als unheimliche Kondenswolke vor ihnen schwebte, hörten sie keinerlei Geräusche. Es war fast zu still. Sogar Fang, der anfänglich noch schnüffelnd von einem Baum zum anderen gehuscht war, hielt sich mit eingezogenem Schwanz dicht hinter Hagrid. Unwillkürlich rutschten auch die Freunde näher aneinander.
Der matte Schein der Laterne schenkte kaum genug Licht, um wirklich zu erkennen, was um sie herum war und so füllten Schatten und Umrisse ihre Phantasie mit grausigen Bildern aus Geschichten längst vergangener Kindertage.

Es raschelte plötzlich hinter ihnen und mit einem ängstlichen Jaulen rannte Fang davon.

"Still!", mahnte Hagrid und leuchtete ins knorrige Gebüsch.

Zuerst passierte nichts. Dann tauchte plötzlich ein Eulenkopf im Dickicht auf und starrte sie an. Das Tier öffnete seinen Schnabel und stieß einen hohen Ton aus. Dann raschelte das Gebüsch wieder. Ein zweiter Kopf tauchte auf. Dann noch einer.

Hagrid entspannte sich merklich. "Falscher Alarm." Er sah sich zu den anderen beiden um. "Das ist bloß eine Cerberus-Eule."

"Cerberus?", fragte Miles.

Die Eule fand es überhaupt nicht toll, dass sie keine Aufmerksamkeit mehr bekam und machte einen Satz nach vorne.

"Oh...", machte Miles, als er bemerkte, dass die drei Köpfe an einem Körper hingen.

"Cerberus war ein dreiköpfiger Hund in der griechischen Mythologie", klärte ihn Julian auf und musterte interessiert das Geschöpf.

Aha", erwiderte Miles klug.

Hagrid sah sich derweil nach seinem Hund um. "Dasser sich auch immer so anstellt." Murmelnd ging er weiter. "Jedesmal dasselbe."

Julian und Miles beeilten sich ihm zu folgen, was in der Dunkelheit gar nicht so einfach war. Sie folgten zwar dem schwachen Licht, mussten jedoch mit jedem Schritt aufpassen, dass sie nicht über eine Wurzel stolperten oder mit ihren hier in der Wildnis wirklich unpraktischen Umhängen irgendwo hängen blieben.
Doch natürlich blieben sie hängen, genauer gesagt, Julians Umhang verfing sich im Unterholz. Er blieb kurz stehen, bückte sich hinunter, um den Saum von einer sehr hartnäckigen Dornenranke zu befreien und als er wieder aufsah, blickten ihn zwei große gelbe Augen an.

"Eh, du Pisser!"

Verwirrt runzelte Julian die Stirn und schüttelte ungläubig den Kopf. Wie hatte man ihn gerade betitelt? "Entschuldigung ...?"

"Eh, du Pisser!" Das dünne, dreiste Stimmchen, zu dem die Augen gehörten, kam aus einem spitz zulaufenden Maul. Der Arzt sah genauer hin und fand sich etwas gegenüber, das entfernte Ähnlichkeit mit einem Marder oder Frettchen hatte.

"Kann ich dir helfen?", erkundigte er sich freundlich, wenn auch sehr irritiert.

"Geh mir nicht auf die Eier, du Pisser!", knurrte das Fellvieh drohend und bleckte die Zähne.

"Ich mach doch gar nichts, schon gut ...", beschwichtigte Julian und erhob sich vorsichtig. Diese Bewegung reichte dem Tierchen und es sprang mit einem Satz auf seine Brust. "Eh, du Pisser!"

Dem Arzt entfuhr ein leiser Aufschrei.

Miles eilte zu ihm. "Jules!" Er sah das Fellknäuel und packte danach, bekam aber einen fehlgeleiteten Schlag von Bashir ab. "Halt still!"

"Pisser!"

Der Chief erwischte das Tier und hielt es im Nacken hoch.

"Pisser! Eh, du..." Das kleine Ding keifte und fauchte nach ihnen. Miles blickte Julian fragend an. Da dieser auch keine bessere Idee vorweisen konnte, warf er das Frettchen, oder was es war, sanft zurück in die Dunkelheit.

"Ey, du Pisseeeer!"

"Ich bin gespannt, was als nächstes für eine Kuriosität kommt." Miles drehte sich suchend um. "Ehm ... wo ist Hagrid hin?"

"Äh ...?" Julian sah sich um, doch das Licht der Laterne war nirgends zu entdecken. Ein einzelner Windhauch ließ sie frösteln und die Äste der Bäume drohend winken.

"Mist! Hagrid?!" Keine Reaktion. "Hagrid!"

"Nicht so laut", ermahnte Miles ihn, als das leise Zirpen in der Nähe bei den Rufen verstummte. "Du weißt doch, was er gesagt hat. Keine Aufmerksamkeit erregen."

"Ja, aber wir brauchen entweder Licht oder Hagrid, der Licht hat. In dieser Finsternis kommen wir sonst keinen Schritt voran."

"Wenn wir eine Lichtung finden, können wir den Vollmond nutzen."

"Aber wie sollen wir eine Lichtung finden?"

Daraufhin fiel dem Chief nichts mehr ein.

"Okay", gab er schließlich nach einer Pause zu. "Was schlägst du vor?"

Julian überlegte. "Wir könnten uns selbst mit dem Schwebezauber über die Baumkronen heben und -..."

"Was schlägst du noch vor?", unterbracht Miles ihn, woraufhin der Arzt schmollend den Mund verzog. Aber in der Dunkelheit sah das ohnehin niemand.

"Wir machen uns ein wenig Licht und versuchen irgendwo einen Weg zu finden - und möglichst wenig Aufmerksamkeit zu erregen?", versuchte er es erneut.

Dieses Mal nickte O'Brien."Okay."

Julian zückte also seinen Zauberstab und trotz Hagrids vorangegangener Warnung aktivierte er das Licht. In der Finsternis erschien es ihnen sehr grell, obwohl es kaum hell genug war, um weiter als bis zum nächsten Baum zu leuchten.

"Ich glaube, wir waren in dieser Richtung unterwegs." Der Chief deutete nach rechts. "Da an den Ästen stand ich, als der Pisser sich auf dich gestürzt hat."

Also liefen siein diese Richtung los. Obwohl sie besser sahen als zuvor mit Hagrid, bewegten sie sich nicht schneller. Zu ungewohnt war die Umgebung. Die Schatten bewegten sich mit jedem ihrer Schritte und hinterließen ein unheimliches Gefühl. Sie waren die glatten Gänge und glänzenden Oberflächen ihrer Station gewöhnt, zusammen mit dem leisen Surren von Computern. Aber hier war alles rau, verdeckt von Blättern und in abgedunkelten, dumpfen Farben.
Und natürlich mussten sie immer noch auf Wurzeln und Äste achten, denn einen richtigen Weg gab es nicht. Nicht mal eine Art Trampelpfad. Im Grund nichts, was darauf hinwies, dass hier jemand spazieren gehen sollte oder vor kurzem vorbeigekommen war.
Sie hielten sich gegenseitig an ihren Umhangärmeln fest, damit sie sich nicht auch noch verlören.

"Siehst du etwas?", fragte Miles von hinten
.
Julian gab einen verneinenden Laut von sich. Ein Anzeichen, dass er sich nicht wohl fühlte. Normalerweise war er um Worte nicht verlegen.

In der Ferne hörte man ein Käuzchen rufen. Dann noch eines. Möglicherweise war es der Cerberus.
Hin und wieder vernahmen sie in der Ferne ein Knacken, aber nicht nah genug, dass sich die beiden damit aufhalten wollten. Nur eine fliehende Beute war eine sichere Beute. Wer stehen blieb, konnte leichter gefressen werden.

Natürlich vermieden es die beiden, das zu denken. Sie fühlten sich auch schon so unwohl genug.

Plötzlich blieb der Arzt stehen.

"Ich glaube, da vorne bewegte sich etwas", flüsterte er halblaut, versuchte angestrengt ins Halbdunkel zu starren.

Miles Körper spannte sich an.

"Der Hund vielleicht?", fragte er in gleicher Lautstärke zurück.

"Nein, ich glaube, es krabbelt." Julian machte einen Schritt nach vorne und der Leuchtkegel seines Stabes fiel auf einen umgestürzten Baumstamm.

Auf eben diesem bewegte sich ein dunkler Fleck ineinander durcheinander. Da seine Neugier geweckt war und keine akute Gefahr zu sehen war, ging Julian noch ein Stück vor.

Miles kam natürlich hinterher.

"Ich glaube das sind Spinnen. Ganz kleine“, wisperte Julian.



„Ekelhaft.“ Miles schüttelte sich. Aber solange die achtbeinigen Dinger nicht giftig waren, brauchten sie sich nicht darum kümmern. „Lass uns außen herum gehen.“

Der Meinung war der Arzt auch. Sie schlugen einen Bogen und gingen weitläufig an dem Baumstamm vorbei.

Das Käuzchen schrie wieder in der Ferne.

Die nächsten Minuten stolperten sie schweigend voran, doch an ihrer Umgebung änderte sich nichts. Es ging mal ein wenig bergauf, dann wieder bergab, mal nahmen die Wurzeln zu und mal war der Boden etwas steiniger. Bäume standen mal mehr, mal weniger weit auseinander. Kurzum: es gab keinerlei Anhaltspunkte für die beiden.
Und kein Hagrid oder Fang weit und breit.

„Vielleicht sollten wir lieber den Ausgang des Waldes suchen. Wir wissen ja eh nicht, wie diese Blüte aussieht, die wir sammeln sollen“, meinte Miles nach einer geraumen Weile.

Der Arzt drehte sich zu ihm und druckste ein wenig herum. „Also eigentlich ... versuche ich das längst schon.“

„Wie bitte?“ Entgeistert blickte Miles ihn an, doch Julian zuckte nur mit den Schultern.

Also seufzte der Chief sich ergebend. „Gut, dann vielleicht - ...“ Er stoppte, als er ein dumpfes Geräusch ganz in der Nähe hörte. „Hast du das auch gehört?“

„Ja.“

„Weißt du, was das war?“

„Nein.“

Die beiden rückten näher zusammen und Miles hielt die Luft an. Die dumpfen Töne, fast wie Schritte, ertönten nun hinter ihnen, und sie drehten sich um. Doch alles außerhalb des schmalen Lichtkegels lag in einem schalen Schwarz.

„Hagrid?“, fragte Julian mit geringer Hoffnung.

Links von ihnen erklang ein leises Scharren. Wenn der Arzt es nicht besser wüsste, würde er sagen, es kam von Hufen. Aber Pferde hier im Wald? Des Nachts? Unwahrscheinlich.
Viel eher war es eine andere gruselige Kreatur. Bisher war nichts wirklich bösartig auf diesem Ausflug gewesen. Aber ob ihr Glück darin anhalten würde, stand in den nicht sichtbaren Sternen.

Etwas wie leises Flüstern war um sie herum zu hören.

„Lass uns weitergehen“, raunte Miles, doch Julian schüttelte den Kopf.

„Ich glaube, wir sind eingekreist. Da würden wir nicht weit kommen.“ Dann hob der Arzt die Stimme. „Hallo? Entschuldigung?“

Natürlich hatte er genug Horror-Holos gesehen, um zu wissen, dass es nicht immer klug war, seinen Verfolger anzusprechen. Aber zu schweigen würde sie hier auch nicht weiterbringen.

„Warum entschuldigen Sie sich?“, ertönte plötzlich die Frage seitlich von ihnen. Und aus der Dunkelheit löste sich ein Schatten. Sie sahen einen menschlichen Kopf mit nackten Oberkörper. Weiter nach unten tauchte dann starkes, dunkles Fell auf und dann Pferdehufe. Hinter ihm folgte der restliche Pferdeleib.

Die beiden starrten den Zentaur an.

„Wir haben unseren Freund verloren und uns verlaufen“, versuchte Julian ihre Situation zu erklären. „Kennen Sie zufällig Hagrid?“

Die Miene des Fabelwesens verdüsterte sich. „Hagrid ... ja, durchaus.“

Neben ihm tauchte ein weiterer Zentaur auf, in der Hand hielt er einen handgemachten Speer. „Ich dachte, wir hätten ihm gesagt, dass er sich aus unserem Territorium fern halten soll.“ Mit seinen dunklen Augen blickte er die beiden ‘Eindringlinge‘ ganz offen feindselig an.

Unwillkürlich traten diese einen Schritt zurück.

„Zügel dich, Bane“, erwiderte Magorian „Das ist unhöflich.“

„Es ist auch unhöflich, in das Gebiet anderer einzudringen, ohne sich überhaupt einmal vorzustellen!“

„Das ist es in der Tat“, warf Julian hierauf ein, worauf die beiden Fabelwesen ihn ein wenig überrascht anblickten. Bane bleckte die Zähne. „Ich möchte das sofort nachholen“, fuhr der Arzt fort. „Mein Name ist Professor Bashir und das hier ist mein Kollege Professor O‘Brien.“ Er zeigte auf Miles, welcher der guten Erziehung gemäß mit dem Kopf nickte.

„Professoren?“, hakte Magorian nach und musterte sie verwirrt. „Sie sind beide nicht-magische Menschen. Wie können Sie Professoren sein?“

„Nicht nur Eindringlinge sondern auch noch Lügner.“ Knurrend deutete Bane mit seiner spitzen Speerspitze auf die beiden.

„Wir wollten doch nur - ...“ Weiter kam Miles nicht, bevor er von dem Zentaur unterbrochen wurde.

„Menschen wollen immer etwas.“ Bane war eindeutig nicht gut auf ihre Spezies zu sprechen. Magorian schien aber auch seine Geduld zu verlieren, denn die beiden kamen langsam, aber bedrohlich auf sie zu. Und das nicht alleine, denn hinter ihnen traten noch mehr Zentauren aus der Dunkelheit des Waldes hervor. Offensichtlich hatten sie es hier mit einer ganzen Herde zu tun.

Julian und Miles warfen sich einen kurzen Blick zu. Hier kamen sie nicht weiter, das wussten sie. Gewalttätig wollten sie nicht gegen ihre Gegner werden. Also nahmen sie die einzige Alternative: sie drehten sich um und sahen zu, dass sie Land gewannen.

Jetzt waren die Wurzeln und Äste egal. Sollten ihre Umhänge doch an den Dornen zerreißen. Hauptsache, sie wurden nicht von den Hufen, deren dumpfes Geräusch sie verfolgte, zertrampelt.
Immer wieder stolperten sie, schafften es aber, sich auf den Beinen zu halten und sich auch nicht zu verlieren. Zweige streiften ihr Gesicht, doch sie achteten nicht darauf.
Immer weiter liefen sie, bis sie nichts mehr außer ihrem eigenen Blut in den Ohren rauschen hörten. Völlig außer Atem kamen sie schließlich zum Stehen.

„Ich glaube“, japste Miles nach Luft, „wir haben sie abgehängt.“

„Ich hör sie auch nicht mehr“, stimmte der Arzt ebenfalls keuchend zu. Er blickte sich ein wenig um und bemerkte, dass sie eine Lichtung erreicht hatten. „Vielleicht mögen sie kein Mondlicht.“

Dieses schien von oben auf sie herab und tauchte ihre Umgebung in ein schales Grau. Vielleicht konnten sie sich hier ein wenig verstecken, bevor sie weiter gingen. Wohin, war allerdings die Frage. Denn spätestens jetzt hatten sie die Orientierung vollends verloren.
Und wenn Hagrid ihre Verfolgung nicht gehört hatte, war er auch keinesfalls in der Nähe.

Julian lehnte sich gegen einen moosigen Felsen, in dessen Schatten sie standen. Dabei fiel ihm etwas auf.

„Schau mal, Miles, hier wachsen Blumen.“

Der Chief blickte ihn verständnislos an. „Jules, wir sind in einem Wald. Hier wachsen bestimmt einige Blumen.“

Julian verdrehte die Augen. „Schon klar. Aber die hier wachsen genau im Mondlicht. Glaubst du, das ist die Pflanze, die wir suchen?“

Jetzt wurde Miles aufmerksam. „Du meinst, wir sollten hierher gelangen, damit wir sie einsammeln können?“ Das würde auf eine Weise sogar Sinn ergeben. „Wenn wir sie haben, taucht Hagrid vielleicht wieder auf und bringt uns hier raus.“

„Genau“, nickte der Arzt. „Komm hilf mir.“ Er pflückte ein paar der Blüten. Im Halbdunklen war er sich nicht ganz sicher, welche Farbe sie besaßen. Es konnte etwas zwischen blau und braun sein.

„Nehmen wir sicherheitshalber auch ein paar der Stängel und Blätter mit“, schlug Miles vor.

Sie sammelten eine gewisse Menge in einen der Jutesäcke, die unterwegs wunderbarerweise nicht verloren gegangen waren.

„Das sollte reichen.“ Nach einer Weile schloss der Chief den Sack. „Dann müsste gleich die nächste Aktion beginnen.“

„Hagrid?“ Hoffnungsvoll sah Julian sich um.

Doch der Halbriese war nirgends zu sehen.

Stattdessen starrte Miles auf den moosigen Felsen hinter dem Arzt. „Jules ...“

Der warnende Tonfall seines Freundes, ließ ihn aufhorchen und er folgte seinem Blick.
Zuerst dachte er, dass der Felsbrocken doch größer war, als er gedacht hatte. Dann fiel Julian auf, dass er langsam in die Höhe wuchs. Und dass er gar kein moosiger Felsen war. Lange Beine lösten sich links und rechts mit je einem leisen Klicken, insgesamt acht mal.

Das war keine Aktion, die sie erwartet hatten. Oder erwünscht.

Miles reagierte als erstes. Er wollte keinesfalls warten, bis sich diese riesige Spinne auseinander gefaltet hatte. Er packte seinen Kollegen am Ärmel und zog ihn mit zurück in den Wald.

„Hast du das gesehen?“, fragte Julian aufgeregt, weigerte sich aber nicht ihm zu folgen.

„Natürlich. Aber ich hatte heute wirklich genug Begegnungen mit übergroßen Fabeltieren!“ Miles griff nach seinem Zauberstab. Im Wald war es wieder viel dunkler als auf der Lichtung und ohne Licht liefen sie Gefahr, einen Baum nicht rechtzeitig zu sehen.

Julian hatte den gleichen Gedanken und aktivierte mit einem „Lumos“ seinen Stab.

Wieder liefen sie mitten ins Blaue hinein, machten einen Bogen um alles, das irgendwie unheimlich aussah oder sich zu bewegen schien. Keine leichte Aufgabe, die sie immer wieder dazu brachte Haken zu schlagen.

„Ich glaube da vorne ist es heller“, deutete Julian nach links und lenkte in die Richtung. Sie sprangen über einen Baumstamm, und stolperten dann plötzlich einen steilen Hang hinunter, den sie in der Dunkelheit nicht gesehen hatten.

Unsanft kam Miles unten auf, bemerkte, dass er mit dem Gesicht in taunassen Gras lag und setzte sich vorsichtig auf.

„Uffa! ... Julian?“

Er blickte sich um und sah, dass der Arzt hinter ihm eine ähnlich schmerzhafte Landung gemacht hatte.

„Au! Ja, ich bin da. Geht‘s dir gut?“

„Ich glaub schon.“

Bevor Miles sich nach Verletzungen abtasten konnte, wurde die Arbeit schon vom Doktor übernommen.


„Scheinst in Ordnung zu sein. Na ja, soweit m- … Wuuuooooh!“, unterbrach er sich überrascht, als eine riesige Pranke ihn am Genick packte und auf die Beine stellte.

„Da sindse ja, Professors, wo hamse denn gesteckt?“ Hagrid war erstaunlich lautlos aus dem Wald getreten und hatte erst Julian und dann Miles in die Aufrechte befördert. Fang sprang erfreut um die Gruppe herum und besabberte liebevoll Miles' Hand, was von einem nicht ganz so liebevollen Blick geduldet wurde. „Ich dacht schon, die Acromantula hättse erwischt, aber das hättse nich so gemeint, wissense, aber die Babys wollnja auch was zum Beißen haben und … Potzblitzverdammich! Fang! Nu lass den Professor mal trocknen!“

Julian und Miles schraken gleichermaßen zusammen während der Saurüde sich mit einem schmollenden Winseln in Richtung Hagrids Hütte verzog.

„Ehem“, brummte der Chief und wischte sich unauffällig seine Hand am Umhang ab. „Wir haben die Blüten, Hagrid.“ Damit reichte er dem Halbriesen den Sack.

„Großartig!“ Voller Freude schlug Hagrid Miles auf die Schulter, der glücklicherweise rechtzeitig von seinem Freund gestützt wurde, wäre er ansonsten mit Sicherheit zu Boden gegangen. „Das wird bei'm Gläschen gefeiert, nich, Professors, Sir?“

„Äh, klar, gerne … Oder?“ Julian warf Miles einen fragenden Blick zu, der aber in vorfreudiger Erwartung auf ein wärmendes Gläschen bereits die Handflächen aneinander rieb.

Wenig später saßen die drei um Hagrids Tisch, im Kamin prasselte ein lauschiges Feuer, in ihren Händen jeweils das, was ein Halbriese „Gläschen“ nannte. Fang schnarchte genüsslich zu ihren Füßen.

„ … ja, un dann hamse mir gesagt, du, Hagrid, hamse gesagt, wenn du das mit den Knallrümpfigen Krötern machen willst, dann – weia – mach das ma, aber verdammich und eins, wehe, den Kindern passiert was!“ An dieser Stelle schüttelte der Zottelkopf schnaubend den Kopf. „Als wenn die süßn Racker wem was tun machen würden … das sind doch noch Babys, wissense ...“

Während Julian interessiert lauschte und zustimmend nickte – und sich still fragte, was Knallrümpfige Kröter waren -, schlürfte Miles selig seinen Drink, der dem durchaus Konkurrenz machen konnte, den Quark ihn vor wann-auch-immer-vielen Tagen ausgegeben hatte.

Doch bekanntlich sollte man ja aufhören, wenn es am schönsten war und so nutzen die beiden Freunde die Gelegenheit, als Hagrids Kopf nach dem dritten „Gläschen“ mit einem lauten Klonk! auf die Tischplatte krachte.

„Hopp, lass uns auch zurück zum Schloss“, lallte Miles nur wesentlich und zog Julian mit sich hoch. Dieser schüttelte sich kurz und hielt einen unfeinen Laut zurück.

„Puuuh, was bin ich froh, dass wir nur einen von diesen Drinks hatten ...“, murmelte er und hielt vorsichtshalber seinen Kopf mit beiden Händen fest.

Sich gegenseitig stützend torkelten sie durch die mondhelle Nacht Richtung Schule zurück und wollten gerade durch das große Tor gehen, als in einiger Entfernung ein hohler Schrei erklang, gefolgt von einem Wimmern. Erschrocken drehten sie sich um, durchforsteten die Dunkelheit mit ihren Blicken.

„Links am Baum“, wisperte Julian und nickte in die entsprechende Richtung. Miles kniff die Augen zusammen und entdeckte nun auch den schwarzen, mannsgroßen Schemen, der sich über etwas beugte, dass am Boden kauerte.

Sie tauschten einen Blick, ratlos hob der Arzt die Schultern und Miles runzelte die Stirn. Sollten sie nachsehen? Ein weiteres gedämpftes Aufjaulen, dann gab einen lauten Knall und – nichts! Beide Gestalten waren verschwunden.

„Verdammt, Jules, was war das?“

„Keine Ahnung …“ Julian rieb sich die Arme, ihm war merklich kälter geworden und sein Atem kondensierte. „Wollen wir nachsehen?“ Wenn er ehrlich zu sich selbst war, hoffte er auf ein Nein.

Miles hatte ebenfalls beide Arme um sich geschlungen und zitterte. Schließlich nickte er zögerlich. Wenn sie hier rauskommen wollten, dann mussten sie auch aktiv werden.

Dicht an dicht schlichen sie Richtung Baum, die Zauberstäbe gezückt. Plötzlich hielt Julian seinen Freund zurück. „Da ist ... noch was … über der ... Krone ...“ Seine Zähne klapperten so sehr, er konnte kaum die Worte bilden.

Miles folgte seinem Blick – und mit einem Ruck riss er seinen Freund zurück.

„Verschwinde!“

„Was ...“

„Quatsch nicht, lauf!“ Seine Augen weiterhin auf den Himmel über dem Baumwipfel gerichtet, gab er Julian einen unsanften Schubs und dieser setzte sich endlich in Bewegung.

Kaum hatten sie die Schultore passiert, schlossen sich die Flügel und erschöpft rangen sie nach Atem.

„Miles, was war das denn jetzt?“ Julians Tonfall war eine Mischung aus empört und beunruhigt.

„Da war so ein schwarzer großer Schatten ...“, druckste Miles herum. „Weißt schon, wie so ein Dementor ...“

Julian stemmte schnaufend die Hände in die Hüften und richtete sich auf. „Du weißt schon, dass rund um das Schulgelände Schutzzauber und Fluchabwehrzauber sind, um zu verhindern, dass etwas hineinkommt, was nicht hinein soll?“

„Na ja ...“ Vielleicht hätten sie keinen Drink von Hagrid annehmen sollen? Aber andererseits … „Ach, egal. Lass uns schlafen gehen“, brummte er schließlich.

Durch das Adrenalin wieder etwas nüchterner wankten sie in Richtung ihres Zimmers. Kurz vor dem entsprechenden Gang hielt Julian Miles jedoch am Oberarm zurück. „Miles?“

„Hm?“

„Trotzdem danke.“

Brummelnd winkte Miles ab, schenkte seinem Freund aber ein Lächelnd. Genau in diesem Moment hörten sie Schritte und nahmen einen leichten Sherrygeruch wahr. Und da bog auch schon Professor Trewlany um die Ecke und blieb abrupt stehen, musterte durch ihre dicken Brillengläser die beiden Kollegen, deren Haar zerzaust war, die Umhänge voller Dreck und Blätter und die Wangen gerötet.

„Ooooh, Venus im Vollmond … ja ja ...“, lallte sie, tätschelte beiden die Wange und zog ihres Weges weiter.

Kopfschüttelnd brachen Miles und Julian in befreiendes Gelächter aus, die Anspannung fiel von ihnen ab. Allerdings nur, bis sie die Tür zu Miles' Zimmer öffneten.

***
Drachen by Amber
Author's Notes:
... wir können einfach nicht ohne Drachen. ^^
"Weißt du, Jules, als Quarks uns dieses Angebot gemacht hat, hab ich vieles erwartet. Aber das hier nicht."
Miles blickte an der losen Zeltwand vorbei auf die Arena, wo sich der silber-graue Drache vom letzten Abend aufmerksam umsah. Man merkte ihm an, dass er die neue Umgebung nicht besonders mochte. Wahrscheinlich war sie ihm zu ungewohnt. Noch weniger mochte er wahrscheinlich die Menschenmassen, die auf den hohen Tribünen außen herum saßen.
Die Schüler der Zauberschule waren allerdings bemerkenswert leise. Zu überrascht und eingeschüchtert waren sie von der riesigen Echse.

Julian wusste nicht so recht, ob er sich jetzt wirklich wundern sollte, dass sie nicht, wie erwartet, mitten in der Nacht in Miles' Zimmer standen sondern stattdessen unter der strahlenden Oktobersonne. Er entschied sich für ein unbestimmtes Schulterzucken und ließ seinen Blick schweifen.

"In fünf Minuten betritt der erste Champion die Arena", informierte sie ein vorbeieilender Zauberer und klopfte ihnen Glück wünschend auf die Schulter. "Zücken Sie lieber die Stäbe und behalten Sie den Schweden im Auge!"

"Klar, der ist ja zum Glück nicht schwer zu übersehen", murmelte Miles und blickte dann fragend zu seinem Kollegen. "Was erwarten die, das wir im Falle eines Falles tun? Rodeo mit den Viechern reiten, bis sie sich beruhigen?"

"Hä?"

"Die Drachen." Miles deutete auf den Schwedischen Kurzschnäuzler.

"Was meinst du mit Rodeo?"

"Na, so wie die Cowboys es früher im Wilden Westen mit den Pferden und Rindern gemacht haben, die durchgegangen sind ...Weißt du was, nicht so wichtig. Fokus auf die Drachen hier."

"Okay." Mit einem stillen Grinsen ob Miles' Affinität zu Western wandte sich Julian dem Drachen zu. Der war an einer schweren und sehr stabil aussehenden Eisenkette befestigt und saß auf etwas, das fast wie ein Nest aussah. Hm.

"UND DA BETRITT AUCH SCHON CEDRIC DIGGORY DIE ARENA!", erscholl plötzlich eine laute Stimme aus Richtung der Tribüne.

Miles und Julian hatten wie es ihnen geraten worden war, ihre Zauberstäbe in die Hand genommen. Sie blieben im Hintergrund stehen, wo sie eine gute Übersicht über alles hatten, aber selbst nicht im Fokus standen.
Beim Anblick des Teenagers wurde ihnen aber etwas mulmig.

"Schicken die wirklich Kinder da rein?!", empörte sich Miles.

"ER VERSUCHT SICH DEM SCHWEDISCHEN KURZSCHNÄUZLER ZU NÄHERN, ABER NATÜRLICH KLAPPT DAS NICHT. DA MUSST DU DIR SCHON WAS GESCHICKTERES EINFALLEN LASSEN, DIGGORY. ABER SCHÖN, DASS DU DIE EIER SCHON GEFUNDEN HAST."

"Das war knapp!", entfuhr es Julian, als der dunkelblonde Teenager einem Schwanzhieb auswich. Instinktiv griff er nach seinem unter dem Umhang verborgenen Medikit.

"AUTSCH! JA, SO EIN REMPLER MIT DEM FLÜGEL IST NICHT NETT ... ABER WAS HAT DIGGORY JETZT VOR?! JA! JAAAAAAAAAA! DARUM IST ER UNSER CHAMPION! APPLAUS FÜR DIE PERFEKT AUSGEFÜHRTE VERWANDLUNG EINES FELSENS IN EINEN HUND! OB UNSER WILDHÜTER HAGRID NUN BALD EIN NEUES HAUSTIER HAT?"

Unter dem Jubel der Masse stürmte Diggory mit einem goldenen Ei unter dem Arm aus der Arena, während die Drachenwärter versuchten, das Tier zu beruhigen und aus der Arena zu zerren.

Es entstand eine kurze Pause, in der der kleine grüne Drache in die Arena gebracht und in die Nähe des Nestes gekettet wurde. Sofort schnupperte er an den Eiern und machte es sich schützend darauf bequem.
Kurz darauf betrat eine junge Französin die Arena.

"UND HIER KOMMT FLEUR DELACOUR. SCHICK WIE EH UND JE. WIE WIRD SIE SICH IHRER AUFGABE STELLEN?"

Offensichtlich ging sie die Sache etwas geschickter an, indem sie sich seitlich hinter Felsen versteckt anschlich.

"DAS HAT DER WALISISCHE GRÜNLING WOHL GEROCHEN. ABER WOW! WAS FÜR EINE REAKTION! DER SCHLAFZAUBER HAT IHN MITTEN IN DIE BRUST GETROFFEN. DAMIT WIRD ES EIN LEICHTES SEIN ... UND SCHON HAT SIE IHR EI - ... NEIN, DER GRÜNLING IST WACH UND OH-OH ... DAS SIEHT NICHT GUT AUS! IN DECKUNG, DELACOUR!"

Miles und Julian waren bereits losgelaufen, als sie das Unglück sahen. Der benommene Drache war ganz und gar nicht begeistert davon, das Mädchen mit dem goldenen Ei verschwinden zu sehen und holte tief Luft.

"Deckung!", rief Julian Fleur zu und hechtete auf sie zu. In einer schützenden Umarmung warf er sich mit der Schülerin in den Schutz eines Felsens, gerade noch rechtzeitig. Ein greller, heißer Feuerstrahl schoss über sie hinweg und Julian spürte die Hitze brennend in seinem Nacken. Fleur unter ihm schluchzte erstickt und umklammerte ihr Ei.

"Miles!" Julian brüllte gegen die Flammen an. "Lenk ihn ab!"

Die Menge auf der Tribüne hielt den Atem an. Man hörte einige Rufe nach den Professoren, als die Schüler die beiden erkannten.

Miles vergaß ebenfalls Luft zu holen, als er sich erneut Auge in Auge mit diesem Drachen befand.

"DAS WAR EINE SCHNELLE REAKTION VON PROFESSOR BASHIR! GUT GEMACHT, PROFESSOR. PROFESSOR O'BRIEN MUSS JETZT ABER ETWAS TUN, SONST SCHMELZEN BEIDE WIE BUTTER IN DER SONNE. ER HEBT SEINEN STAB UND ... IST DAS EIN LUMOS? WAS WILL ER DAMIT ERREICHEN? JETZT MACHT ER ETWAS AN SEINEM ZAUBERSTAB. ICH GLAUBE, DAS LICHT INTENSIVIERT SICH, ABER ICH WEIß IMMER NOCH NICHT, WIE IHM DAS HELFEN SOLLTE."

Immerhin hatte der Chief jetzt die Aufmerksamkeit des Tieres auf sich gelenkt, das sich seinem neuen Opfer zuwandte. Der Grünling fauchte ihn an, dann fiel jedoch sein Blick auf den kreisrunden Lichtpunkt auf dem Felsboden und folgte dann dessen Bewegung. Plötzlich war alles andere vergessen. Miles wackelte mit seinem Stab, ließ das Licht mal hierhin, mal dorthin gleiten, während der Drache aufgeregt und ein bisschen beleidigt, dass er den Punkt nicht fangen konnte, hinterher flatterte. Wie eine Katze. Miles konnte selbst nicht glauben, dass das funktionierte. Er warf einen kurzen Blick zu Julian, der Fleur zum sicheren Ausgang brachte, wollte den Drachen aber nicht zu lange aus den Augen lassen. Dieser versuchte gerade, den Lichtpunkt mit seiner Pranke zu erschlagen und brüllte entrüstet, weil es nicht klappte. Die Menge über ihm bekam sich nicht mehr ein vor Lachen.

Julian gab Fleur noch einen aufmunternden Klaps auf die Schulter, dann drehte er sich zu Miles herum, neugierig, warum die Menge derart in Gelächter ausgebrochen war. Und als er die Situation erfasste, grinste er breit. Ja, das war typisch für den Chief!

"Zieh dich langsam zurück", rief er halblaut und beobachtete, wie sein Freund rückwärts auf ihn zukam. Beide behielten den Drachen im Auge, doch da kamen auch schon Charly Weasley und seine Kollegen und übernahmen es, den Waliser abzuführen.

"Genial, Miles!", lachend schlug Julian seinem Freund auf den Rücken.

Erleichtert atmete Miles aus. "Danke", grinste er dennoch. "Ich hoffe aber, der nächste geht nicht so durch. Keine Ahnung, ob das auch mit den anderen klappt. Ist mit dem Mädchen alles in Ordnung?"

Julian nickte. "Ja, ihr ist nichts passiert." Er rieb sich über den durch die Hitze juckenden Nacken. "Kannst du grade mal schauen, ob ich sehr geröstet wurde?"

"Klar, zeig her." Miles trat hinter ihn und besah sich Nacken und Robe, konnte aber nichts feststellen. "Alles noch dran. Glück gehabt. Dass du dich immer gleich in die Gefahr stürzen musst ..." Missbilligend schüttelte er den Kopf.

Derweil war der nächste Drache hereingebracht worden und das Turnier ging in die nächste Runde.

"... KRUM KEIN GLÜCK DAMIT. DAS KOMMT DAVON, WENN ER VERSUCHT, DEN DRACHEN SO PLUMP EINZUSCHÜCHTERN. DAS IST EBEN KEIN QUIDDITCH SPIEL. ABER TROTZDEM SIND WIR RIESENFANS VON DIR!"

Die Freunde wandten sich wieder dem Geschehen zu. "Wow", Julian pfiff anerkennend durch die Zähne, während Miles beeindruckt die Augenbrauen hochzog.

"UND EIN ERNEUTER SCHOCKZAUBER, ABER DAS MACHT DEM FEUERBALL GAR NICHTS. IM GEGENTEIL! MEINE GÜTE, WO STECKEN DIE HERREN VON DER SICHERHEIT?!"

Besagte Herren hatten just im selben Moment die Gefahr erkannt, als Krum mit seinem Zauber daneben zielte und der Drache einen Angriff mit dem Schwanz antäuschte, um dann aber seinen gewaltigen Kopf zu senken und vorzustürmen.

Julian richtete kurzerhand seinen Zauberstab auf Krum, der stoisch stehen blieb und ließ ihn gerade noch rechtzeitig zwei Meter über dem Drachenkopf hinwegschweben. Etwas unsanft aber sicher, setzte er den Schüler hinter der Echse am Nest ab.

Leider würde das bei dem wütenden Drachen nicht funktionieren. Ebenso wie der Lichtzauber. Denn als der Drache sich umsah, wohin Krum verwunden war, und ihn bei seinem Nest erblickte, um ein Ei zu stehlen, sah er rot.

Miles aktivierte den letzten Zauber, den er noch in petto hatte und erwischte den Chinesischen Feuerball volle Breitseite.

Der Drache wurde umgerissen und brüllte auf. Leider war er sofort wieder auf den Beinen und ging nun auf den Chief los, der machte, dass er weg kam.

"Jules! Hilfe!"

"Verdammt!", fluchte Julian als er sah, wie der Drache aufholte. "Haken schlagen!", brüllte er über das Fauchen des Drachens hinweg und der Chief versuchte, diesen Rat zu befolgen. Julian indes dachte fieberhaft nach und sein Blick schweifte hektisch durch die Arena. Da! Gleich würden Miles und der Feuerball an einem Felsvorsprung vorbeirennen.

"Miles, schneller!"

Kaum hatte sein Freund den Felsen passiert, schleuderte Julian einen Schockzauber und traf den Stein an der gewünschten Stelle. Mit einem lauten Krachen löste sich ein dicker Brocken und stürzte direkt auf den Kopf des Drachens. Dieser brüllte auf, taumelte und hieb ziellos mit seiner Vorderpranke umher.

"ACH DU SCHANDE! DAS SIEHT BÖSE AUS!!! HEILZAUBERER!!! WIR BRAUCHEN SOFORT HEILER HIER!!!"

Julian erbleichte. "Scheiße, Miles!"

Der Chief hatte sich bei dem Lärm hinter ihm nicht umgedreht, weswegen er die Pranke nicht hatte kommen sehen. Die Wucht, als hätte ihn ein Shuttle von der Seite gerammt, traf ihn also vollkommen unvorbereitet und er flog gegen den Felsen.

Sein Arm knackte irgendwo und auch den Kopf stieß er sich an, woraufhin er alles nur noch benebelt und viel leiser um sich herum wahrnahm.

"Jules?"

Die Drachenpfleger waren bereits herbei geeilt und kümmerten sich um den bewusstlosen roten Berg.

Innerhalb von Sekunden war Julian an der Seite seines Freundes und kniete sich zu ihm hinab. Ein kurzer erster Blick zeigte ihm einen offenen Bruch am Unterarm und eine Platzwunde an der Schläfe.

"Bleib ganz ruhig, okay?" Beruhigend strich er Miles über die Wange, ließ seine Hand dort verweilen und kramte seinen Tricorder heraus. Der Scan ließ ihn erleichtert aufatmen und er schenkte dem Chief ein Lächeln. "Nur ein Bruch und eine Platzwunde. Gehirnerschütterung auch, aber deine Biowerte sind für diesen Zustand normal."

Aus den Augenwinkeln bemerkte er drei Hexen in weißen Umhängen, die auf sie zukamen. "Da kommen die hiesigen Ärzte. Keine Angst", fügte er hinzu, als er Miles nervösen Blick bemerkte. "Ich lass dich nicht allein."

Miles blinzelte und biss die Zähne zusammen. "Wir müssen hier raus", nuschelte er und meinte damit nicht nur die Drachenarena.

Die Heilerinnen knieten sich zu ihnen und untersuchten ihn. "Er muss in den Krankenflügel", war die schnelle Erkenntnis. Eine der Hexen legte ihre Hand auf Miles' Schulter. "Ich appariere ihn dorthin."

"Jules ..." Seine Benommenheit nahm ein wenig ab, dafür die Schmerzen aber zu.

"Keine Sorge, alles wird gut." Die langjährige Praxis ließ Julians Stimme zuversichtlicher klingen, als er sich selbst in diesem Moment fühlte.

"Sie bringen ihn direkt in den Krankenflügel?", wandte er sich an die Hexe neben sich.

"Ja, Professor. Machen Sie sich keine Sorgen um Ihren Partner, im Nullkommanix haben wir ihn wieder hergestellt." Sie schenkte Julian ein fröhliches Lächeln. "Bis gleich!" Und weg war sie - und Miles auch.

***

Es hatte wohl etwas vom Beamen. Allerdings mit einem lauten Knall statt den üblichen sanften Tönen. Und ohne Licht. Aber Miles kniff sowieso die Augen vor Schmerz zusammen.
Er wurde auf ein Bett gelegt und die Krankenschwester kam angelaufen, um ihn zu untersuchen.
Der Chief schüttelte den Kopf, als er die vertraute Stimme vermisste. "Julian?"

***

Entsetzt starrte Julian auf den leeren Platz vor sich. "Ist doch nicht wahr!", stöhnte er und wandte sich an eine der verbliebenen Hexen. "Wo befindet sich die Krankenstation?!"

"Hmmm, ehem, den Krankenflügel, meinen Sie, Professor?"

"Ja, meinetwegen auch den."

"Im Schloss, Erdgeschoss, gleich ganz hinten rechts den langen Flur lang und am Gemälde von Schwester Salvia Maria Lorbeelia vorbei die Doppeltür links."

"Gut." Julian nickte knapp und winkte einen am Rand der Arena stehenden Drachenwächter zu sich. "Sie kennen sich mit Drachen aus?"

"Jaaaa ...?", antwortete der schlacksige Mann in dem roten Umhang, der höchstens Anfang zwanzig war.

"Sehr gut, dann übernehmen Sie jetzt hier, ich muss mich um Professor O'Brien kümmern!" Ohne eine Antwort abzuwarten oder das blasse Gesicht des anderen auch nur zu würdigen, sprintete Julian los.

Auch die anderen sahen dem Professor ein wenig verwirrt nach, da der Wettbewerb jedoch weitergehen musste und immer noch ein Schüler darauf wartete, endlich gegen einen Drachen antreten zu können, kümmerten sie sich eher darum, als um den Arzt.

Im Schloss selbst war wenig los, da beinahe ausnahmslos alle auf der Zuschauertribüne saßen. Im Krankenflügel selbst wurde Julian jedoch von einer der Heilerinnen aufgehalten, die Miles hergebracht hatte.

"Der Professor ist gerade bei Madame Pomfrey in Behandlung", informierte sie ihn.

"Genau deswegen muss ich da rein." Julian schob die verdutzte Hexe beiseite, klopfte pro forma einmal an die Tür und öffnete diese aber auch sogleich.

Drinnen warfen ihm die Heilerin, die mit Miles appariert war und eine weitere einen fragenden Blick zu.

"Professor, wir behandeln Ihren Partner gerade ..."

"Ja, ich befü- ... vermute es!", entgegnete Julian und versuchte sich an einem freundlichen Lächeln, obwohl er mehr als besorgt war, als sein Blick auf seinen Freund fiel, der blass und kaum bei Bewusstsein auf einer Liege lag. "Wissen Sie, Professor O'Brien bedarf einer ... besonderen ... Behandlung, da er viele Allergien hat und -"

"Professor", die ihm bereits bekannte Heilerin - vermutlich Madame Pomfrey - ging auf ihn zu, ein mütterliches Lächeln auf dem Gesicht. "Ich verstehe Ihre Sorge zu gut, aber sie ist unbegründet." Sanft fasste sie ihn am Oberarm und führte ihn zu einem kleinen Stuhl. "Bleiben Sie hier einfach sitzen, trinken Sie einen Tee", sie wedelte kurz mit ihrem Zauberstab und eine große Tasse dampfenden Tees erschien vor Julian und schwebte erwartungsvoll-aufmunternd auf und ab, "und lassen Sie uns unsere Arbeit tun. Wir haben Professor O'Brien einen Trank zur Beruhigung gegeben, der gebrochene Knochen wird mit Skelewachs behandelt und die Platzwunde ist versorgt. Und nun, entschuldigen Sie mich."

Damit drehte sie sich wieder um und ging auf das Krankenbett zu, dabei schnippte sie noch einmal kess mit dem Zauberstab und ein dichter Vorhang schloss sich darum.

Miles war schon seit dem ersten Schluck des Narkotikum außer Gefecht gesetzt und bekam nur am Rande mit, was mit ihm geschah.

Viele Zauberstäbe wurden geschwungen und eine Osteoreparatur in Gang gesetzt. Der Chief spürte ein leichtes Kribbeln in seinem Arm und lächelte betäubt, als ihm langsam dämmerte, dass seine Schmerzen einem wohligen Gefühl von Watte gewichen waren.

Er selbst hatte demnach auch keine Ahnung, wie lange seine Behandlung dauerte, aber als Madame Pomfrey durch den Vorhang heraus trat, war der Tee, den Julian kaum angerührt hatte, beinahe kalt. Sie schwang ihren Stab, um ihn wieder zu erhitzen.

"Sie haben ihren Kollegen bald wieder bei sich, Professor."

"Darf ich zu ihm?" Julian war aufgesprungen. Und das erste Mal in seiner Laufbahn als Mediziner hatte er die Erfahrung machen müssen, wie schrecklich es ist, wenn man nur die „wartende Person auf dem Besucherstuhl“ war. Künftig würde er das bedenken ...

"Natürlich, aber gönnen Sie ihm noch etwas Ruhe."

Mit einigen großen Schritten war Julian bei Miles angekommen und warf der noch anwesenden Heilerin einen bittenden Blick zu. Diese nickte lächelnd und ließ die beiden Freunde allein, den Vorhang schloss sie hinter sich. Seufzend zückte Julian seinen medizinischen Scanner. Seine Stirn runzelte sich konzentriert, als er die Daten las. "Kaum zu glauben …"

Obwohl keinerlei äußerliche Behandlungsmerkmale sichtbar waren, zeigten ihm die Scans eindeutig, dass die Knochen bereits nachwuchsen - und das auch noch korrekt. Selbst von der Gehirnerschütterung war nichts mehr zu bemerken. Der Arzt justierte die Einstellungen ein wenig und hob kaum merklich die Augenbrauen. Nicht mal Spuren einer unbekannten Substanz waren wahrzunehmen; nur einige pflanzliche, tierische und mineralische Rückstände, die vermutlich von dem eingeflösten Trank kamen. " ... fast, wie Zauberei", murmelte er leise und schüttelte den Kopf.

"Oh, hallo, Jules", nuschelte Miles, als würde er jetzt erst bemerken, dass der Arzt bei ihm war. "Woll'n wir heut Abend 'ne Holo-Schwiet mieten? Keiko ischt auf'm Auschflug." Er gähnte sacht. "Isch hab durscht."

Julian schenkte ihm ein Lächeln. "Alles gut, Miles. Schlaf noch ein wenig, ich hol dir was zum Trinken." Suchend schaute er sich um.

"Ok, bisch gleich." Miles schloss seine Augen und war dann auch schon wieder weggedöst.

Als hätte Madame Pomfrey das geahnt, steckte sie ihren Kopf durch den Vorhang. "Er braucht jetzt viel Ruhe", erklärte sie dem Arzt, als wüsste er das nicht selbst. Auffordernd blickte sie ihn an, den Krankenflügel nun zu verlassen und den Patienten in ihrer Obhut zu lassen.

"Er hat Durst und ich werde ihn garantiert nicht hier alleine lassen", widersprach Julian und verschränkte die Arme vor der Brust, wobei er unauffällig den Tricorder in einem Ärmel verschwinden ließ.

Die Hexe maß ihn mit einem strengen Blick, unter dem er tatsächlich die Arme sinken ließ.

"Madame ... Ich werde ganz leise hier neben ihm sitzen und ihn in keiner Weise stören ... bitte."

Irgendwas an seinem Tonfall oder dem leicht panischen Ausdruck in seinen Augen schien die ältere Heilerin wohl zu erweichen. "Nun ... gut. Aber wenn ich nur einen Mucks höre ..."

"Werden Sie nicht, versprochen!"

Mit einem zweifelnden Schnauben wedelte Madame Pomfrey wieder einmal ihren Zauberstab und ein halbwegs bequemer Ohrensessel samt Schemel tauchte auf, dazu eine Karaffe mit Wasser und zwei Gläser.

"Aber keinen Mucks!" Damit ließ sie die Freunde wieder alleine.

Miles schlief eine ganze Weile und als er das nächste Mal erwachte, fühlte er sich schon viel besser und er stand auch nicht mehr unter dem Einfluss von Medikamenten. Dennoch blickte er sich erst einmal blinzelnd um, um sich zu orientieren.

"Julian?" Er entdeckte seinen Kollegen ganz in der Nähe. "Mein Arm ist taub."

Der Arzt schlug seine Augen auf, als er seinen Namen hörte. Müde rieb er sich über die Augen, er war wohl eingeschlafen. Und daran, dass es ziemlich dunkel im Raum war, eine Kerze auf dem Tischchen brannte und daneben ein Teller mit belegten Broten stand, musste es wohl ein längeres Schläfchen gewesen sein.
Julian griff nach Miles' ausgestreckter Hand. "Bin da. Warte ..." Er holte den Tricorder hervor. "Das taube Gefühl kommt vom Heilungsprozess. Dein Knochen wächst zusammen, ich denke, morgen Früh - wann immer das auch sein mag - ist die Heilung abgeschlossen. Hast du Schmerzen, ist dir übel?"

"Ich ..." Miles fühlte in seinen Körper, um zu prüfen, ob irgendetwas von Julians Fragen auf ihn zutraf. Dabei erinnerte er sich daran, warum er überhaupt hier lag. "Mensch, der Drache ist durchgegangen, nicht wahr?" Er blickte auf seinen bandagierten Arm. "Das ist übel. Die Sicherheitsprotokolle scheinen nicht zu greifen. Wir waren bei jeder Aktion hier wirklich in Gefahr!"

Beruhigend klopfte Julian ihm auf den gesunden Arm. "Darüber hab ich auch schon nachgedacht. Das heißt, wir müssen besonders vorsichtig sein." Er senkte die Stimme. "Und schleunigst machen, dass wir hier wegkommen, du hast verdammtes Glück gehabt!"

Der Chief nickte. "Aber ohne internen Zugang zum Computer kommen wir hier nicht raus, wenn wir die Partie nicht bis zum Ende spielen. Aber wer weiß schon, wie lange dieser Unsinn hier noch gehen soll."

Als wären die letzten Worte des Ingenieurs ein Stichwort gewesen, wurde es plötzlich absolut dunkel im Raum und instinktiv schlossen die beiden die Augen. Als sie diese wieder aufschlugen, blinzelten sie irritiert ob der morgendlichen Helligkeit, die durch das Fenster - ihr Fenster - fiel. Und ihre Irritation stieg noch, als sie sich gewahr wurden, wo genau sie sich befanden:

In einem gemütlichen Doppelbett in Miles' Quartier.

Auf der Anrichte standen zwei Tassen, von denen ein intensiver Kaffeeduft zu ihnen wehte und zwischen einigen Blumensträußchen und Grußkarten lagen kleine Schachteln mit allerlei Süßigkeiten. An einer Sonnenblume war ein buntes Band befestigt, auf dem "Gute Besserung, Professor O'Brien, LG Hermine Granger" stand.

"Was ...?" Julian sah zu Miles, der nicht minder ratlos schien.

Seufzend ließ sich der Chief auf die weiche Matratze fallen.

"Weißt du was, ich frag einfach nicht. Zentauren, riesige Spinnen, Zauberer mit Zitronen auf dem Kopf ... meinetwegen." Mit seinem gesunden Arm griff er nach dem Kaffee. "Ich lass mir das jetzt erst mal schmecken." Er prostete Julian zu und nahm einen Schluck.

Vermutlich wirkte das Beruhigungsmittel noch nach, anders konnte sich Julian Miles' Seelenruhe gerade nicht erklären. Also beugte er sich über seinen Freund hinüber, nahm sich seinen Kaffeebecher und nippte nachdenklich daran. Und das Doppelbett ... ignorierte er erstmal zu Gunsten der wirklich kuscheligen Kissen in seinem Rücken.

"Pläne?"

Bevor Miles jedoch antworten konnte, klopfte es zaghaft an der Tür.

"Herein", rief Julian, nachdem er einen verwunderten Blick mit seinem Bettnachbarn getauscht hatte.

Zögerlich wurde die Tür geöffnet und ein von einer buschigen Mähne umrahmter Kopf tauchte auf. "Guten Morgen, Professor Bashir. Guten Morgen, Professor O'Brien."

"Hermine!", überrascht erhob sich Julian. "Was können wir für dich tun?"

"Nun ...", etwas verlegen nagte das Mädchen auf seiner Unterlippe. "Ich habe hier einen Brief für Sie, Professor. Er lag auf Ihrem Pult und ich dachte , weil Sie heute nicht zum Unterricht erschienen sind, was natürlich selbstverständlich ist, nachdem, was passiert ist, mir würde es wohl ähnlich gehen, sollte Victor etwas passieren ... oder Ron, ich wäre außer mir vor Sorge, ich meine, Professor O'Brien hätte getötet werden können oder schlimmeres, jedenfalls ..."

"Hermine", unterbrach Julian sie mit einem milden Lachen. "Der Brief?"

"Oh, ja, natürlich!" Die Schülerin errötete und überreichte ihrem Professor den Brief. "Dann, ehm, gute Besserung, Professor O'Brien und hoffentlich kommen Sie bald wieder, Professor Bashir." Damit machte sie einen kleinen Knicks und verschwand schnell wieder.

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